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Full text of "Indogermanisches Jahrbuch"

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v T DOGERMANISCHES JAHRBUCH 

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AUFTRAG DER INDOGERMANISCHEN GESELLSCHAFT 
HERAUSGEGEBEN 

VON 

WILHELM STREITBERG UND ALOIS WALDE 



VII. BAND- g 
JAHRGANG 1919- 2-| 



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BERLIN W. 10 und LEIPZIG 1921 

VEREINIGUNG WISSENSCHAFTLICHER VERLEGER 

WALTER DE GRUYTER & Co. 

VORMALS G. J. GÖSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG - J. GUTTENTAG, VERLAGS- 
BUCHHANDLUNG - GEORG REIMER - KARL J. TRÜBNER - VEIT & COMP. 



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Bd. 7-8 



Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. 



C. A. Wagner, Buchdrnckerei A.-G., Freibuig i. B. 



Die Sächsischen Forschungsinstitute in Leipzig (For- 
schungsinstitut für Indogermanistik), die Heidelberger 
Akademie der Wissenschaften (Stiftung Heinrich Lanz) 
und die Sächsische Akademie der Wissenschaften haben 
die Herausgabe auch dieses Bandes des Indogermanischen 
Jahrbuchs durch Bewilligung von Beihilfen unterstützt. 



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Inhalt. 

Seite 
Bibliographie des Jahres 1917: 

IX. Italisch (J. B. Hof mann) 1 

X. Keltisch (J. Pokorny) 48 

XI. Germanisch: 

A. Allgemeines, Gotisch (W. Streitberg) 52 

C. Nordgermanisch (Direkinck-Holmfeld und Sandvad) 74 

D. Westgermanisch (0. Mausser) 90 

XII. Baltisch-Slavisch (0. Hujer) 112 

Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten: 

TV. Streitberg, August Leskien 138 

W. Streitberg, Karl Brugmann 143 

W. Streitberg, Karl Brugmanns Schriften 1909—1919 . . 148 

A. Nehring, Otto Schrader 152 

A. Debrunner, Ernst Zupitza 160 

R. Thurneysen, Kuno Meyer 164 

R. Bau, Edmund Crosby Quiggin 167 

Persönliches ■ 168 

Bericht des Torstandes der indogermanischen Gesellschaft . 171 

Kassenbericht der indogermanischen Gesellschaft 174 

Antorenregister zur Bibliographie 1917 179 



BIBLIOGRAPHIE DESJAHRES 1917. 



Im Interesse einer vollständigen Berichterstattung richten wir an 
alle Mitglieder der Indogermanischen Gesellschaft und an alle Leser des 
Indogermanischen Jahrbuches die Bitte, uns durch Zusendung von schwerer 
zugänglichen Aufsätzen und Gelegenheitsschriften, besonders nichtdeutscher 
Länder, oder wenigstens durch Mitteilung von Titeln und Inhaltsangaben 
zu unterstützen. Es empfiehlt sich, solche Zusendungen mit dem Vermerk 
'für das Indogermanische Jahrbuch' an Prof. W. Streitberg-, München, 
Tsabellastraße 31, gelangen zu lassen, von wo sie den einzelnen Mit- 
arbeitern der Bibliographie zugestellt werden. 

Die Herausgeber. 



IX. Italisch. 

Etruskisch. (Vgl. auch No. 45. 122. 135.) 

1. Sardis. Publications of tlie American Society for the ex- 
cavation of Sardis. vol. VI. Lydian Inscriptions part I by 
E. Littmann. Leiden, E. J. Brill. 1916. 8, 85 S. 4°. 

S. 80 — 82 umfangreiche Übereinstimmungen des Lydischen mit dem 
Etruskischen: Doppelkonsonanten fehlen bzw. sind selten, ebenso Tenues 
aspiratae; beide haben gemeinsame Schriftzeichen für v und f, Nasal- 
vokale, "Wechsel von u und v, starken (expiratorischen) Initialakzent, beide 
bilden einen -Z-Genitiv bzw. -^-Adjektive der Zugehörigkeit; beide scheinen 
kein grammatisches Geschlecht zu kennen; etr. -c 1yd. -1c 'und'; Genti- 
lizia auf -ay bzw. -ak; Verbalendungen etr. -3- -n&, 1yd. -d -nt; einige ge- 
meinsame Wortstämme. — S. 83 f. vergleicht Herbig 1yd. alikueyid 
mit etr. aliqu alju, alulis mit alu, ataii atalis mit ata, atelis mit ate, 
atrastalid mit atresfte, karos karolis mit carv-, kuinlilis kumhlid mit 
curnlna, manelis manelid mit mane, sabüalid mit sapu. 

2. Cortsen, S. P. Vocabulorum Etruscorum interpretatio. 
Nord. Tids. Fil. 4. Reihe 6 (1917) 165 — 175. 

Bietet gegenüber der Zusammenstellung bei Müller-Deecke, Die 
Etrusker II 508 — 512, einen dem gegenwärtigen Stand der Forschung 
entsprechenden Index der deutbaren "Wörter, und zwar in Kap. I alle 
Wörter, deren Bedeutung sicher steht: Substantiva (ad familiam, titul, 
magistratuum, sepulcrum, supellectilem pertinentia; alia, Adjektiva, Verba. 
Numeralia, Pronomina demonstr., Adverbien, Konjunktionen); Kap. II 
Iniluge; manisches Jahrbuch, VII. 1 



2 Bibliographie dos Jahres 1917. 

Substantiva, Adjektiva, Verba, über deren Bedeutung man schwanken kann, 
Kap. III von griechischen und lateinischen Schriftstellern überlieferte oder 
von modernen Gelehrten ermittelte Etruska. — Einzelbemerkungen: S. 166° 
bemerkenswerte Gleichung zilab, zil{a)/{nu) 'iurispe-ritus, iudex': 1yd. 
silukas. — S. 167 4 : r fast immer, aber nicht ausnahmslos Pluralsuffix. 
da aiser gelegentlich auch Sg. = 'deus' zu sein scheint, vgl. Dion. Hai. 
56, 29, Sueton Aug. 97, 2 aisera als Name einer Göttin. (Vielmehr steht 
hier aesar . . . Etrusca lingua deus.) — S. 168 3 : Literatur zum Feminin- 
suffix -fra (von Haus aus Deminutivsuffix). — S. 170: gegen Skutsch-Lattes 
Ansatz von ci = 5, sa = 6. — S. 173 3 : ma turunce = hanc dedit (gegen 
Torp, Etr. Beitr. 1, 12ff., Herbig, Münchn. Stzbr. 1911, 31 2 ). 

3. Robert, C. Tyro. Herrn. 51 (1916) 273—302. 

Zieht für seine Rekonstruktion der zweiten Tyro des Sophokles 
ein unteritalisches und sechs etruskische Bildwerke heran. Vgl. die fol- 
gende Nr. 

4. Herbig, G. Tyro und Flere. Herrn. 51 (1916) 465—474. 

Erkennt in der Brunnengestalt auf dem etruskischen Spiegel Ger- 
hard, Taf. CLXX (Robert a. a. 0. 277) mit den Namensbeischriften flere 
turia pelins nele die IiOYjpiü der Sage, womit auch die abgebildete 
Schlange und der Vogel als tod- und unheilverkündend in sinnvolle 
Beziehung treten; das zwingt nun aber, etr. flere und griech. S^Y ( pu> 
gleichzusetzen: da nun nach Ausweis der sonstigen Belege das etruskische 
Wort fler- offenbar 'Bronzestatue.' (kaum 'Statue' schlechtweg) bedeutet, 
so daß von der Grundbedeutung 'Bronze, Eisen' auszugehen ist, findet 
der Verf. in der Adjektivbildung fler-e eine Namens-, vielleicht auch 
Wortspielübersetzung 'Eisenweib' = Ei8f]pu>. (S. dagegen Körte. Gott. 
Abh. 1917. No. 4. S. !9 2 .) Die schwierige Alkestisinschrift eca : ersce. : 
nac : a/rum : fler&rce deutet Herbig etwas phantasievoll ein dichterisches 
Zitat darin erblickend folgendermaßen: 'Diese (die Alkestis, alcsti) wehrte 
ab (von ihrem Gatten) jene (die von beiden Seiten heranstürmenden Todes- 
dämonen) und machte eisern (= erstarren) den Acheron (stupefecit in- 
feros ob solcher Gattentreue)'. 

4 a. Körte, G. Göttinger Bronzen. Abh. Gott. Ges. d. W. 
X. F. 16, 4 (aus dem archäol. Inst. d. Un. Gott. LT). 
Berlin, Weidmann. 1917. 64 S., 19 Tafeln. 12 M. 
Bespr.: R. Pagenstecher, BphW. 38 (1918) 1039—1044. 
Die Inschr. auf Tafel I liest K. S. 7f. als temres alpan tjnre, was 
Pagenstecher a. a. 0. 1043 verbessert zu temres alpan tina($) = 'des 
Temre "Weihgeschenk an Juppiter' (nach Herbig). 

5. Herbig, G. Bargina. Festschr. E. Kuhn. Breslau, Marcus. 
1916. S. 171 — 175. 

Aufhellung von Einzelheiten zu dem von Schulze, Eigenn. 73 — 75, 
begründeten Zusammenhang zwischen den lat. Gattungsnamen barginna, 
bargina, bargina, barcus. bargus mit den etr.-lat. Eigennamen Barginna, 
Bargonius, Parconiu*. Barg(i)us. Zunächst sind zu erwarten die Formen 
bargina *bargenna (: bargus = levenna : levis, sociennus : socius). Daneben 
kann etr.-lat. -inna in Bargi)ina zunächst entweder aus etr. -Ina ent- 
standen sein oder neben einem etr. -I»a sich durch hypokoristische Kon- 
i onantendehnung entwickelt haben. Die Messung und Schreibung barghia 



.T. B. Hof mann, IX. Italisch. 3 

in dem Hexameter bei Caper gramm. 7, 103, 8 bargtna, non barglna, 
genus cui barbarieum sit ist der Etymologie zuliebe erfolgt; vgl. auch 
das Glosseninterpretament alienigena und die Form barrigena. — Die 
weitere Geschichte des "Wortes im Mittelalter sollte von H. noch gegeben 
werden; vgl. zweimaliges barglna bei Aldhelmus, das eine Mal anschei- 
nend in der auffälligen Bedeutung 'Pergament', worauf sich die angels. 
Glosse Aelfrici bargina bocfel bezieht. Dazu afr. Barragouyn noch 
= 'barbarus, alienigena' (s. Dueange 577), nfr. baragouin (-er -eur) 
'Kauderwelsch'. 

6. Herbig, G. Etruskisches Latein. IF. 37 (1917) 163-187. 

1. 6. 7. 8. lanista lanistra: etr. Eigenn. lani, Lantus; laniena 
'Fleischbank' ist etr. -wa-Adjektivhildung zu lan-ius Lantus, vgl. acr-iena : 
Agrius, larlc-iena : Larg-ius, ylav-iena : Flav-ius usw. Gentilname Lanivius 
= *laniu, Lanuvius = *lanu. pagus Lan-ita 'Dorf in der ehemals etr. 
Feldmark von Mola': lani, Lantus (mit weiteren Belegen des Wechsels 
von einfachen mit -n- und -ta-Bi\ düngen). — Auch 2. lepista — lepistra 
soll wegen der einmaligen Glossenform mit -r- über das etr. Kampanien 
nach Rom gekommen sein; ob = Xenaoxd oder *82HEOxa, wird dabei 
nicht entschieden. Eine ähnliche etr. Kombination ergibt sich für 3. 
genesta genista 'Ginst, Ginster', da romanische Formen eine vulgärlat. 
Nebenform *genestra *genistra voraussetzen. 4. Fcnestella = etr. *fnest-l-a, 
vgl. fnes-ci; fenestra = *fnestra : *fnes-ta = lat.-etr. * Fenes-tius? Se- 
masiologische Schwierigkeiten im Verhältnis der lat. Appellativa fenestra 
-ella zu den etr. Eigennamen fnes-ci Fenestella werden zu beheben ge- 
sucht durch Ansatz einer Bedtg. 'Lichtspender, lucifer' für fenestra. 
Dazu auch der Name der kampan.-etr. Stadt Fensernia, vgl. die osk. 
Münzlegenden fenser, fensernu. — 5. etr. Eigenname arist(i)a mit dem 
Appellativum arista 'Hachel an der Ähre' zu verbinden? Bemerkungen 
zu etr. urste 'Opizzr { q, pauste Iläyaaos, uQuste 'OSüoocU?, cluQumusQa 
KXüToufrfjOTpa. — 10. etr. und latinische Berufsnamen unter den Gen- 
tilicia: suplu Subulnius : subulo 'Pfeifer', macstr-na, rücklatinisiert 
Mastarna, : magist er '(Fecht-?)Meister', bargina 'vexpcxpopo?' : etr.-lat. 
Barginna usw. Für die Familien der ficani. ve{i)ane (veace viace), velzna 
ist Deutung als Ficarii 'Feigenhändler', Viarii 'Weg(n)er', Volsarii 
'Zangemeister' oder vielmehr Beziehung auf die Städtenamen Ficana 
Vei Volsinii zunächst noch offen zu lassen. — Man tritt den scharfsinnigen 
und bahnbrechenden Untersuchungen des Verf. nicht zu nahe, wenn man 
betont, daß z. B. die Einreihung von lepist(r)a und genest(r)a in diese 
Zusammenhänge einen noch viel festeren Unterbau erhalten muß, wenn 
sie bestehen soll (aplustria: atplaoiov ist übrigens hier noch nicht be- 
handelt). Vor allem die Annahme, daß die späten Formen lepistra 
lanistra *genestra eine altetrusk. Suffixkombination enthalten sollen, darf 
man heute kaum mehr wagen, ohne das ganze Problem des vulgärlat. 
"Wechsels nicht bloß von -(s)tra -(ß)ta, sondern auch von -(s)trum -(s)tum 
(s. Niedermann, Glo. 1, 262; Liechtenhan, Diss. Basel 1917, 52) im Zu- 
sammenhang zu erörtern. So ist z. B. auch für ballista die Nebenform 
ballistra (vgl. auch ital. balestra, arcobalestro usw.) nicht nur ein halbes 
Dutzendmal in Glossen, sondern auch zweimal von späten Grammatikern 
bezeugt. Auch aus den Placidusglossen frestram : fenestram eine Mund- 
gerechtmachung von etr. *fnestra, also etwas Altes, herauszufischen, ist 



4 Bibliographie des Jahres 1917. 

mehr als gewagt: es ist assimilatorischer Lautzuwachs zu festram; von 
frestra seinerseits mit dissimilatorischem Schwund des zweiten r stammt 
portug. fresta 'Dachluke'. 

7. Cocchia, E. Introduzioue storica allo studio della lettera- 
tura latina. Bari, Laterza. 1915. 381 S. Kl. 8°. 5 L. 

Darin S. 285 — 302 der Versuch, den etruskischen Initialstarkton, 
weiterhin den aitlateinischen , zu leugnen und die etruskischen Vokal- 
synkopierungen in ein graphisches Problem (tachygraphischt Schreibungen) 
aufzulösen (mir bekannt durch Herbigs Erwähnung, IF. Anz. 37, 20 '). 
Im 4. Kap. S. 186 — 223 wird wieder einmal versucht, Verwandtschaft 
der Etrusker mit den idg. Italikern nachzuweisen, das 5. Kap. plädiert 
für eine gräkoitalische und gegen die italokeltische Volksgemeinschaft 
(nach E. Kaiinka, Z. Ost. Gy. 68 [1917J). 

8. Ducati, P. Osservazioni di demonologia etrusca. Rendic. 
di Lincei 24, 9 (1916). 

Das Italische. Zusammenfassungen. 

9. Walde, A. Über älteste sprachliche Beziehungen zwischen 
Kelten und Italikern. Innsbrucker Rektoratschrift. Inns- 
bruck. 1917. 77 S. 8°. 1,50 M. 

Bespr.: K. Brugmann, BphW 37 (1917) 1525—1528. E. Her- 
mann, GGA. 180 (1918) 343—362. 

"Weittragende Vermutung einer speziellen 'gälolatinischen' Sprach- 
einheit (d. h. des lateinischen Zweigs des Italischen und des irischen 
oder gälischen Zweigs des Keltischen), während die Beweisstücke für eine 
'britannosabellische Einheit' (d. h. der Gallisch-Britannischen Dialekte 
einerseits und der Oskisch-Umbrischen anderseits) nicht genügen. Damit 
hat W. in Präzisierung eines schon Beibl. z. Anglia 22 (1911), 8 ff. aus- 
gesprochenen Gedankens den Mut zu einer großen Synthese gefunden, 
obwohl das Tocharische mit seiner völlig ausgebildeten mediopassivischen 
r-Konjugation jeden Tag wachsender Erkenntnis diese Kreise stören 
kann; denn "W.s Geneigtsein, in dem völkischen Träger dieser neuen 
Sprache schlechthin Kelten zu sehen, dürfte nur eine vorläufige Lösung 
des Rätsels darstellen, das diese Sphinx uns noch aufgibt. Einzelheiten: 
S. 10 ff. wird neuerdings die Zimmersche These zu begründen gesucht, 
daß weder der britannische Zweig des Keltischen noch der oskisch- 
umbrische des Italischen ein eigentliches Deponens gekanut habe (am 
schwersten fällt der Beweis fürs Oskisch-Umbrische: kar anter wird als 
Passiv = 'perduntur' zu caries, v/^p gestellt, terkantur dürfte nicht me- 
dial = 'suffragentur', sondern passivisch = 'purgentur, lustrentur' be- 
deuten; die übrigen Foimen aber sind, abgesehen von dem verdächtigen 
Ufisatnh sent (== operatores?) Belege für das alte reflexive Medium). 
Ebenso wird S. 16 ff. für die kurzen, an den Verbalstamm direkt tretenden 
r-Formen des Oskisch-Umbrischen die unpersönliche Verwendung ('man '- 
Form) durch eingehende Interpretation gesichert und mit der ganz ent- 
sprechenden Geltung solcher Formen im Britannischen in Beziehung ge- 
setzt. Anderseits kennt (S. 28 ff.) weder das Oskisch-Umbrische noch da3 
Britannische das &-Futurum bei abgeleiteten Verben, das nur irisch-lat. 
ist (Annahmen im einzelnen: die -ibo- Formen waren ursprünglich bei den 



J B. Hofmnnn, IX. Italisch. 5 

Denominativen wie flnibo, bei den primären Verben wie farciam veniam 
kann dieser kurzvokalische Typus alt sein, er kann aber auch erst dem 
Typus cupiam nachgebildet sein). — S. 38ff.: die Musterung der Überein- 
stimtrungen in der Nominalfiexion ergibt keine zwingenden Resultate. — 
S. 41 ff. Lautlehre: es wird der Nachweis versucht, daß die latein. Ent- 
wicklung der silbebildenden n m: vor Konsonanten zu en em, vor Vo- 
kalen zu an am (so mit Hirt gegen Sommer unter Urgierung der aus 
manere ianitrices zu entnehmenden Beweisstücke) der irischen entspricht: 
an am vor Vokalen, im wesentlichen dagegen en em vor Konsonanten 
(wo das Irische «-farbige Nachkommen von n vor Konsonanten zeigt, 
werden die gemeinsamen Bedingungen dafür, nämlich mehr oder weniger 
ausgeprägte Nasalierung des vorausgehenden Vokals, untersucht und prä- 
zisiert); im Oskisch-Umbrischen dagegen steht der Entwicklung en im 
Inlaut vor Konsonanten und im Auslaut gegenüber an- am- im Anlaut 
(mit eingehender Interpretation des Tatsachenbestandes S. 53 ff. gegen 
Brugmann bzw. Hirt-Buck), was zur britannischen Entwicklung von durch- 
weg an am teilweise stimmt. — S. 57 ff. zur Geschichte der Labiovelare 
gw, gw, g tv h: es erscheint hier ein ir.-lat. qu gegenüber britannosabelli- 
Bchem p, während alle übrigen Entwicklungen erst im Sonderleben der 
4 Sprachgruppen vor sich gegangen sind. 

10. Güntert, H. Zur Herkunft und Bildung des italischen 
Imperfekts. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung. 
Sitzgsbr. Heidelberg. Ak. W., 8. Abh. Heidelberg, Winter. 
1917. 43 S. 8°. 1,50 M. 

Bespr.: K. F. W. Schmidt, BphW. 38 (1918) 798—801. 
Die Analyse des italischen Imperfekts hat bisher noch kein voll 
befriedigendes Ergebnis geliefert. Zwar ist man sich seit Bopp in der 
Identifizierung des zweiten Gliedes einig: -bam, ein naher Verwandter 
von fuam, ist die italische Fortsetzung eines idg. Aorists *bhväm 'ich war' 
zur Wz. *bheuä 'werden, sein' (~ ir. ba 'ich war', lit. büvo 'er war' aus 
*bhimät. abg. 3. PL kondit. bq aus *bhvänt). Dagegen ist die Klarlegung 
der morphologischen Struktur und sprachgeschichtliche Einordnung des 
ersten Kompositionsglieds immer noch nicht befriedigend geglückt. Aller- 
dings haben sich negativ aus dem Deutungsgewirr einige Richtlinien her- 
ausschälen lassen: ein infinitivartiges Gebilde steckt wohl sicher nicht 
darin, da das vom einzelsprachlich lateinischen Standpunkt auch syntak- 
tisch nicht befriedigt. Auch das Operieren mit kasusartigen Gebilden 
führt nicht zum Ziel: den Instrumentalis der Früheren hat man ganz 
fallen lassen, Streitbergs endungsloser Lokativ (IF. Anz. 1?, 169 f.) hat 
speziell im Latein, wenig Anhaltspunkte und müßte den Typus legebam 
sekundär erscheinen lassen, Hirts 'casus indefinitus' oder Urwort' er- 
weckt bei einer einzelsprachlichen Neubildung chronologische Bedenken 
und könnte höchstens eine mittelbare Zurückführung gestatten; was end- 
lich die Hypothese betrifft, die von e-Femininen ausgeht (tabes : *tabe-fäm 
'ich war im Hinschwinden', also wieder der endungslose Lok.), so macht 
sich G. hier voll uod ganz die bereits von Sommer KE. 142 ff. vor- 
getragenen Bedenken zu eigen. Andere Analysen, wie legebam aus 
*leges-bam bei Lindsay-Nohl 564 oder Fays tegebam aus *tegai-, *tegei-fam 
oder *teges-fam kommen von vornherein nicht in Betracht. So bleibt 
die Auseinandersetzung mit Stowasser-Skutschs Annahme einer Zu- 



6 Bibliographie, des Jahres 1917. 

sammenrückung des Part. Präs. mit der Kopula übrig: lege-bam aus 
*legens-fam\ aber auch für sie hat G., trotz Sommer KE. 143, aus laut- 
lichen und syntaktischen Gründen nichts übrig. G. selbst sieht nun in 
den ältesten Mustern der Bildung Umgestaltungen alter Wurzelaoriste 
auf schweren Basen, deren absterbende Funktion in gemeinitalischer Zeit 
durch Zusammensetzung mit einem Hilfsverbum neubelebt wurde. Dieser 
im idg. Verbalsystem eine große Rolle spielende 'Aoristpräsenstypus' 
(lege- : IXi-j^J-v usw.) muß auch im Uritalischen noch vorhanden gewesen 
sein; die Umbildung trat infolge Undeutlichwerdens der Form und Zu- 
sammenfalls von Präsentien und Wurzelaoristen ein (infolge Fehlens des 
Augments, Aufgeben der primären und sekundären Endungen, mangeln- 
der Differenzierung durch den Akzent; einheitlicher e-Vokalismus des 
alten idg. Konjunktivs). Die Schwierigkeit der Verschiedenheit solcher 
Hilfsverba bei den verbalen periphrastischen Bildungen sucht G. durch 
Fruchtbarmachung der Finckschen Unterscheidung von ' Tätigkeits '- und 
'Empfindungsverben' zu lösen; vgl. auch das periphrastische ind. Perfekt 
viddm cakära, dann äsa und babhüva. Damit vergleicht er ferner nach 
Pedersen, Gr. 2, 446 ff., den nackten Verbalstamm gicy- im mcymr. (ähn- 
lich com. und breton.) Iterativpräsens und Futur zu givybot 'wissen, er- 
fahren': gwy-bydaf gicy-bydy gwy-byd usw., Passiv gicy-bydir. Entwick- 
lungsmöglichkeiten im einzelnen: *legit-fät *leges-fäs konnten lautgesetz- 
lich zu *lege-fät *lege-fäs werden, dann entstand im Sprachgefühl ein 
neues 'Infix '-fä-, wonach mechanisch *lege-mus zu *Iege-fä-mus, *lege-tis 
zu *lege-fätis erweitert wurden. Ferner vergleicht er, so schon Pedersen, 
aus dem Italischen den Typus liquefacio calefio: er sieht die ältesten 
Muster der Bildung gegen Skutsch nicht im Passiv, sondern im Aktiv, 
und zwar zunächst bei altidg. Kausativa der 2. Konjugation, die durch 
Antritt von facere. das so allmählich fast zum 'Kausativsuffix' herabsank, 
neu hergerichtet wurden. (Dabei muß G. von dem Typus bei Transitivs, 
wirklichen alten Kausativa, wie commonefacio perterrefacio condocefacio 
ausgehen, der schon nach dem Befund der Überlieferung sich schwerlich 
als alt und primär erweisen wird.) Die weiteren Schichtenbildungen, 
speziell die Umdeutung des ersten Glieds als Adverb, z. T. nach Skutsch. — 
Vor allem will G. S. 24 ff. mit Pedersen gegen die Mehrzahl der Keltisten 
das lat.-fal. /yb-Futuruni trotz lautlicher Schwierigkeiten zusammenhalten, 
besonders auch wegen des Bildungsparallelismus lat. Futur-Imperfekt und 
ir. Futur-Kondizionalis, welch letzteren er mit dem oskischen -/f-Perfekt 
(das ihm zum Erweis des /'ö-Futurs als italisch dient, da es als Neu- 
schöpfung auf Grund des /"-Futurums zu betrachten ist) in engsten Zu- 
sammenhang bringt : osk. aikdafed : ir. Icic-fed, -tic-fed usw. Im folgenden 
eingehende Erörterung der anzunehmenden Analogiebildungen im italischen 
Imperfekt (däbam und osk. fu-fans für *fue-fans, weil infolge Zusammen- 
falls von 'Aoristbasis' und Verbalstamm bei maßgebenden Verben der 
1. und 2. Konjug. das erste Glied als allgemeiner Verbalstamm gefaßt 
wurde), speziell zu den Bildungen der 4. audiebam usw., sowie Ibam, 
ferner zur Chronologie des neuen Futurs der 1. und 2. Konjug. auf 
*bhvö bzw. -fit. Zum Schluß Parallelen aus anderen Sprachen: die griech. 
'schwachen' Passivaoriste auf -fl-^v unter Ausbau der Wackernagelschen 
Theorie, ferner das slav. Imperfekt auf -ach*: zur Fassung des ersten 
Glieds s. Baudi§ IF. '23, 135, Sommer KE. 142; in jach* steckt *esom 
oder eher *esom (Hom. j'ov) 'ich war', während das lit. Imperfekt der 



J. B H<.f mann, IX. Italisch. 7 

Gewohnheit (penedavau usw.) sowie das arm. Imperfekt berei 'ich trug, 
ich wurde getragen' und das germanische schwache Präteritum -da fern- 
zuhalten ist. — Man wird ruhig abwarten dürfen, wie diese Theorie sich 
bewährt. Daß die angenommene Art der Verschmelzung vom einzellatein. 
syntaktischen Standpunkt anspricht oder auch nur eine Parallele hat, 
kann man nicht sagen. Dabei muß man allerdings zugeben, daß auch 
das Skutschsche sciens smw-Argument für dessen eigene Theorie nichts 
beweist: derlei hat bestenfalls den Wert von Informationsmaterial; sonst 
könnten z. B. die Anhänger der Lokativtheorie ihrerseits Fälle für sich 
verwerten wie Cato orig. 83, 12 quorsam ire pergant, in expectando sunt 
(vgl. Plaut. Stich. 283 quae misera in expectatione est . . . adventum virt). 
11. Charpentier, J. Die verbalen »--Endungen der indogerma- 
nischen Sprachen. Skrifter utgifna af K. Human. Vetenskaps- 
Samf. i Uppsala 18, 4. Uppsala, Ak. Bokh. und Leipzig, 
Harrassowitz. 19L7. 120 S. Gr. 8°. 3,75 M. 
Bespr.: E. FränkeL LZ. 69 (1918), 12-14. 

Die wenig neue Ergebnisse erzielende, auch hinsichtlich des Tochari- 
schen noch verfrühte Monographie hat den Vorzug nüchterner, die Gren- 
zen eigenen und fremden Wissens nie verwischender Klarheit. Nach einer 
Einleitung und der Besprechung der wichtigeren bisherigen Arbeiten wird 
S. 31—56 das Material aus den verschiedenen Sprachen vorgeführt, dem 
sich S. 56—101 die Erörterung über Entstehung und Entwicklung dieser 
Formen anschließt. Herauszugreifende Einzelheiten: S. 65 f. stellt sich 
der Verf. das -e- in fuere zwar mit Brugmann IF. 28, 379 ff. als aus 
schweren Ablautsbasen erwachsen vor, sieht darin aber kein *-e-ro (: ai. 
aduh-ra), sondern -eri mit Lindsay u. a., was er engstens mit der indo- 
iranischen Medialendung *-rai zusammenbringt: fuere und bäbhüvire sind 
danach verschiedene Ablautsformen (*-e-ri, -9-rä x f) einer schweren Basis 
*-era x i. — S. 83 ff.: nimmt (auch wegen des 'Deponens' osk. loufir) an, 
daß in der Ursprache neben den gewöhnlichen Medialendungen der 3. Per- 
sonen *-tai *-to bzw. *-ntai *-nto auch einfache flexionslose r- (ev. ro-) 
Formen lagen, z. B. "blter-är (osk. ferar, ir. do-berar), so daß also das 
oskisch-umbrische und keltische 'man '-Passiv bzw. Impersonale sich ebenso 
wie anderwärts das Passrvum aus dem Medium sekundär entwickelt hätte. 
— S. 86 ff.: Für die 3. Personen sind wohl keine gemeinsamen italo- 
keltischen Grundformen anzusetzen, sondern fürs Italische (bzw. Latei- 
nische) Suffigierung, fürs Keltische Infigierung des r am wahrscheinlich- 
sten, also einerseits *seqite-to-r und *sequo-nto-r, anderseits *&eqve-t-r-ai 
sechithir, *sequo-nt-r-ai sechitir für die absolute, *seque-t-ro sechethar, 
*sequo-nt-r-o, sechetar für die konjunkte Flexion. — S. 92 f. wird mit 
Glück eine Lanze eingelegt für die glänzende Erstlingsentdeckung Bopps, 
die der 24jährige in seinem Briefe an Windischmann 4. 5. 1815 (vgl. 
Lefmann S. 25) mit der ganzen Sicherheit jugendlich genialer Intuition 
ausspricht: 'laudamini ist ganz sicher nichts anderes als der Nomin. Plur. 
eines übrigens im Neulateinischen nicht mehr gebräuchlichen Part, in 
minus mina minum, abgeleitet von dem indischen Part. Pass. in mänah 
mänä mänam und von dem griechischen Part, in u.=vo?.' Sommers Skepsis 
gegen die Festsetzung einer solchen periphrastischen Bildung *sequimin~i 
(estis) gerade in der 2. Person wird mit gutem Grund als übei trieben 
erwiesen. — S. 71 — 80: Zum Nachweis, daß das lat. Deponens nur eine 



Bibliographie des Jahres 1917. 

"Veränderung und Entwicklung der. alten Mediums ist, wird eine Liste 
wahrscheinlicher 'Media tantum' auf Grund der Delbrückschen (Grdr. 
4, 417 ff.) Bedeutungsgruppen gegeben: was eine so lückenhafte Zusammen- 
stellung (es fehlt z. B. copulor conscreor exunguor) zum Erweise einer 
ohnehin zweifelsfreien Tatsache soll, ist nicht recht ersichtlich. "Vor 
allem ist dabei nicht beachtet die weitgehende Störung der ursprünglichen 
Verhältnisse durch Ausgleich innerhalb formantischer Kategorien: so 
flektiert alücinor deponential wie väticinor und die übrigen auf -einor 
(vgl. auch latrocinor : milito), oder vgl den Zusammenschluß derer auf 
•ficor: causificor grätificor lüdifico(r) päcificor testificor velificor gegen- 
über aedifico castifico magnifico fümifico rümifico, um nur die Bildungen 
aus dem alten Latein zu erwähnen, lucto scheint von Haus aus aktiv zu 
sein (s. meine Diss. 36 f.), wenn auch meine Vermutung, es habe sich 
nach conflictor gerichtet, wegen der vorerst unsicher zu beurteilenden 
Verhältnisse bei diesem Verbum noch offen bleibt. Die farblose Bemer- 
kung S. 80, daß 'im großen und ganzen die Deponentia eine wenig zahl- 
reiche und wahrscheinlich im Absterben begriffene Kategorie bilden', 
hätte durch Kenntnis der Liste in meiner Diss. S. 35 — 38, die allein über 
20 solche ursprünglich sicher aktive Verba aus dem Altlatein mit spä- 
terer deponentialer Flexion aufweist, zweifellos berichtirrt werden können. 

12. Jullian, C. Notes gallo-roinaines Xo. 74: L'unite italo- 
celtique. Rev. d. et. anc. 19, 1917, April. 

Oskisch-Umbrisch, Zwischendialekte. (Vgl. auch Xo. 45. 92. 121. 
127. 128. 133. 137.) 

13. Schwering-, W. und Bacherler, M. Bericht über die Er- 
forschung der altitalischen Sprachdenkmäler für die Jahre 
1897 — 1913. Bursians Jahresber. f. d. Altertuniswissenschaft, 
hrsg. v. Körte. Bd. 176 III. 1917/18. 127 S. 8°. 

Schließt sich an den Bericht von G. Herbig, Bd. 106 (1901) für 
die Jahre 1894—1897 an. 

14. Muller, F. Zur "Wortbetonung in den osk.-umbr. Dia- 
lekten. LF. 37 (1917) 187—209. 

Sucht aus den Erscheinungen der Synkope, Konsonantendoppelung 
und -Vereinfachung sowie dem Schweigen der lateinischen Grammatiker 
gegen Thurneysen Glotta 1, 240 wahrscheinlich zu machen, daß die 
Dialekte ebenso wie das Lateinische restlos (auch die altlat. Betonungen 
wie fäcilius sind keine Verletzung des Dreisilbengesetzes, da analogisch 
nach fäcilis; vgl. auch No. 34) die alte Anfangsbetonung aufgegeben 
haben. 

15. Wackernagel, J. Neue oskische Inschriften aus Messana. 
BphW. 37 (1917) 1248—1249. 

Gibt u. a. zu der im neu erschienenen Bande 24, 1 der Monumenti 
antichi von P. Orsi auf Sp. 197 f. publizierten Inschrift eine richtigere 
Lesung; danach lautet sie: 

Majispex? K/.oi^o^cj Mau.(eps)x(v]):(; = Mamcrcus Claudius 
Mamerci filius, wodurch uns zum ersten Male der Name der Klau- 
dier auf einem oski sehen Sprachdenkmal entgegentritt. 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 9 

16. Ribezzo, F. La nuova „eituns" di Pompei. Riv. indo- 
gr.-ital. 1 (1917) 55—63. 

17. Muller, F., Jac. fiL De voce osca tadait. Mnenios. 45 
(1917) 133—134. 

pod valaemom touticum tadait ezum tab. Bant. 2, 10: Bedeutung 
eher = 'videatur' als 'censeat': apers. &adayä{h) Felseninschr. Behist. 
4, 8? (bisher zu *skend- in ai. chändati, chadäyati 'videtur, placet' 
gestellt). 

18. Hermann, E. Italisches. KZ. 48 (1917) 119—120. 

1. Lat.-oskisch proiecitad auf der altlat. Inschrift von Lucera: liest 
proiecatid, auf ein proiecäre bezogen wie fundatid auf fundäre, da gleich- 
falls ein Konj. des Perf. zu erwarten sei (?). — 2. Marsisch pacre No. 243 
Planta: nicht = 'pacifer' und Neutr. Sing., sondern wie im Umbrischen 
und Marrucinischen = 'propitius, gnädig' und Dat. Plur.: esos novescdc 
pesco pacre °Dis (bzw Di!) Novensilibus sacrificium propitiis'. 

19. Bartholomae, Ch. Ursprüngliches -ör einsilbiger Wörter 
im Italischen. WklPhil. 33 (1916) 1023 — 1032. 

Gegen die Annahme, nur ursprüngliches ü habe im Umbr. den 
Übergang in i erfahren, es sei also nur die Gleichung plr — rcöp zulässig, 
während Verf. PBB. 41, 272 ff. angenommen hatte, es könne auch auf 
*pvör beruhen, das über *pör *pür ebenfalls zu pir geführt habe. Zu 
den Ausnahmen dafür, daß jüngeres ü nicht zu l geworden sei: aumbr. 
tuf, nu. dur und aumbr. büm buf, nu. buf. Zu lat. cur aus *kuör (das 
literai'ische quor braucht nicht direkte Erhaltung der Grundform *kvör 
darzustellen, sondern kann auör sein = ags. Invar) ; für = cp wp. 

20. Friedrich, J. Altitalisches. IF. 37 (1916/17) 141 — 144. 

1. Oskisch iiv auf dem Schleuderstein von Saepinum: die Erklä- 
rung = 'ego' (nur unter der Annahme, daß verschrieben für i ü, während 
Ribezzo von einer Grundform *egöns ausgeht) ist nicht nur vorweg- 
genommen von Ribezzo, Neap. 2, 109. sondern auch bereits überholt von 
Ribezzos neuer Deutung = *ev(e) 'proprio' Riv. di fil. 44, 524 ff. (s. dieses 
Jahrb. 5, 157 No. 5). — 2. Ein faliskischer Saturnier: die Becherinschrift 
foied vino pipafo, cra carefo CIE. 8179 ist ein regelrecht gebauter Sa- 
turnier, vielleicht ein Vers aus einem bekannten Trinklied. 

21. Bessel-Erman, K. Faliskisch efiles. KZ. 48 (1917) 158 
—159. 

Tito Mercui dürfte trotz Herbig Dativ eines Götternamens sein, 
efiles = aedilis (mit -f- für -dh- wie das Oskische, in welchem aidil Fremd- 
wort aus dem Lat.). 

Das Lateinische. 

Sprachwissenschaft und Schule. 

22. Führer, A. Sprachwissenschaft und lateinische Schul- 
grammatik. Paderborn, Schöningh. 1917. 58 S. Kl. 8°. 
1,20 M. 

Gegen die Niepmann-Hartkeschen lat. Übungsbücher für Sexta 
und Quinta und ihre sprachgeschichtlich-genetische Methode bereits für 
die Unterstufe. Dieser z. T. pädagogische Streit wäre hier nicht er- 



10 Bibliographie des Jahres 1917. 

wähnenswert, wenn sich dabe», obwohl der Verf. sieh Schüler von Benfey, 
Weber, Fick und Bezzenberger nennt, nicht wieder einmal erkennen ließe, 
daß die Abneigung gegen die Sprachwissenschaft von dieser Seite her 
meist auf einem Mangel an genügender Kenntnis derselben beruht, so 
wenn S. 38 allen Ernstes die thematische Bildung der lat. ö- und e-De- 
nominativa und Kausativa oder S. 41 die Berechtigung einer Erschließung 
von «'-Stämmen für mors mens pars aus den verwandten Sprachen be- 
stritten wird. Diese Kenntnisse hindern den Verf. aber nicht, S. 33 der 
jetzigen sprachwissenschaftlichen Schule den Sturz zu prophezeien (!). 

23. Führer, A. Sprachgeschichtliche Erläuterungen zur la- 
teinischen Formen- und Lautlehre. Ein Beiheft zur „Kleinen 
lateinischen Sprachlehre" von Dr. Schultz-Führer (28. Aufl. 
1917). Paderborn, Schöningh. 1917. 39 S. 8°. 1,— M. 

Bespr.: P. Sonnenburg, WklPhil. 34 (1917) 690-692. 
Unselbstiiudig mit mancherlei schiefen und ungenauen Feststellungen. 

24. SchrijneD, J. De vergelijkende klassieke taahvetenschap 
in het gymnasiaal onderwijs. Zutfen, W. J. Thieme u. Co. 
1 fl., geb. 1,50. 

Bespr.: H. Cannegieter, Museum 24 (1917) 170—172. 

25. Arnold, K. Der sog. Konjunktiv und Infinitiv des Futurs 
im Lateinunterricht der 4. und 5. Gymnasialklasse. Eine 
grammatisch-didaktische Studie. Bay. Bl. Gymn.-Sch. 53 
(1917) 210—213. 

L :t u 1 1 e h r e . r t h o g r ap hi e. 

26. Güntert, H. Indogermanische Ablautprobleme. Unter- 
suchungen über Schwa secundum, einen zweiten indogerman. 
Murmelvokal. Unters, hrsg. von Brugmann-Sommer, Hft. 6. 
Straßburg, Trübner. 1916. X, 158 S. 8°. 7,- M. 

Besp.: K. F. W. Schmidt, BphW. 38 (1918) 601—604. 

S. 41 ff. IV. Der reduzierte Vokal ? im Griech., ltal. und Kelt. 
(spontane Vertretung). Im Lat. sind schon vorhistorisch Günterts beide 
Murmelvokale (o = Schwächungsprodukt aus ä e o und j = Reduktions- 
vokal der e-Reihe) in a zusammengefallen. Gegen die Wharton-Collitzsche 
Regel, die Fälle von a in der e/o-Reihe mit der Stellung vor dem idg. 
Hauptton zu erklären, a zu a bereits gemeinitalisch, nach Ausweis von 
osk. patensivs aus *patnesent : -;tvy]}j.'. (osk. Tcahad 'capiat' : incohäre, 
tanginud 'sententia' : tongeo, denken usw.; umbr. tapistenu : tepere, osk. 
tefürum?). Weitere Beisp. der ' patere '-Gruppe (a zwischen Verschluß- 
lauten) : quattuor : osk. petora = -bupö; : zixzao^z = ursl. Cbtyre (öech, 
ctyfi, poln. cstery): aksl. cetyre; assyr aser assarätum : ifap, ai. äsrk; 
aper : ahd. ebur (gegen die Annahme einer Umgestaltung von *eper nach 
caper): capo capulare : v.o-«?; badius : air. buide aus *bodius\ scabo : scobis 
scobuia. Belege der magnus- Gruppe (a bei Nasal und Liquida): magnus 
nach Osthoff, MU. 6, 224, aus magnos : py««;, got. mikils usw.; ghrsdh- 
in gradior, lett. gridiju; nactus, got. binauhts, ganauha, ahd. ginuht : aksl. 
nesq, lit. neszü, got. ganah (nach Osthoff); htbium labrum : nhd. Lippe. 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 11 

ags. lippa lepur, ahd. lefs, nbd. Lefze (keine Einwirkung von lambo); 
f'rangu fragilis, got. gabruka : got. brikan, ahd. brehhan; lapis (umbr. 
vapere 'sella'?) : Xercag; latus : air. leth u. a. m. Auch vor Nasal und 
Liquid + Konson.: sarcio usw., umbr. sarsite : ipv.o?; scalpo gegen sculpo : 
ov.ö'hofy, ahd. scelifa; pars partis aus *p»rti- gegen portio aus pfti- : s-opov, 
TTeirpouta:; partes aus *tv3riet- : lit. tveriü 'fassen', toorfl 'Bretterzaun' (gegen 
Summer, Handb. 2 47) u. a. m., zum Teil unter Benützung von Etymologien 
Perssons u. a. — S. 85 wird unwahrscheinlich die Nebenform anites (als 
anet- gegenüber *andt- in avates) der Ablautstufe nach eng mit ahd. enit 
ags. ened (: ahd. anut) verbunden. — S. 101 ff. idg. w-Färbung von a : mur- 
muräre braucht nicht aus *morm- entstanden sein, da die Ausgleichung 
von idg. *mermur- zu inermer- einerseits, murmur- anderseits bereits vor- 
einzelsprachlich sein kann, ebenso gurgulio aus g«or-g"dl-iö? S. 104, 135: 
mulier mit Sommer zu mollis, aber als *mdl-iesi, nicht *ml-iesl. gurdus 
aus *g"9rd-us gegenüber ßpa36; aus *g u fdus. gurges aus *g»drg- : vordre, 
ß'.ßpcuGv.u). Ahnlich mulleus : \l£)mc, piülus : palleo, spurcus : ir. sorbaim, 
über *luber : lit. labä 'Brett' usw., turpis : torpeo, murcus : marceo-, bei v: 
urbs, urgeo, urruncum, urtlca : verto, surdvs : sordeo usw. furnus : fornus, 
formus, furfur : lit. gurus, furo« : lit. zirkles 'Scbeere'; M-Farbe des a vor 
-rs- in curro, scurra, turdus, ursus? — S. 111 zu l ü aus di 9u in leichten 
Reihen: trüdo? Wechsel ü : u in müs : ai. musTcä-; süs suis; tu (lat. 
aind. usw.) : tu, 36. — S 116 zu a in zweisilbigen schweren Basen: tarmes 
'Holzwurm', *tara-, Hdru- nach Ausweis von ir. tarathar 'Bohrer' : gr. 
T£p-r ( otöv; vgl. ferner palma, marceo; alacer? 

27. Güntert, H. Zur o-Abtönung in den indogermanischen 
Sprachen. LP. 37 (1916/17; 1—87. 

Das Lateinische mit seiner völlig veränderten Betonung liefert kein 
brauchbares Material für das von G. neu formulierte Abtönungsgesetz 
(e, aber -^o, 0-). Das in erster Linie am Griechischen aufgezeigte Gesetz 
gestattet aber z. B. eine vorlateinische bzw. voritalische Betonung tegö : togd, 
decet : doceö, necri : noceö, *mägjos (maius) : maies-tas aus *mag-ies-tät-, 
hönös : honei-to-s zu erschließen (S. 78). -- S. 81 f.: Der Ablaut a : in 
ancns : aduncus ist sekundär; für ocris 'nions confragosus', ocreae 'Bein- 
schiene', medi-ocris usw., gr. oxpt«; : av.p-.c wird, in diesem Fall wohl 
ohne genügenden Anhalt, mit Reimwortbildung gerechnet (zwei Urwörter: 
idg. dk- 'scharf' und idg. ok- 'spitz' anzusetzen'?!. — S. 85 f.: gegen 
Pedersens KZ. 38, 404 ä : e- Ablaut: cera : lit. kori/s beweist nichts, da 
cera wohl aus xY,p6; entlehnt und umgebildet ist; cärus nicht = ai. cdruh, 
da letzteres vielmehr = gr. tyj/.uc. 

28. Schopf, E. Die konsonantischen Fernwirkungen: Fern- 
Dissimilation, Fern-Assimilation und Metathesis. Ein Bei- 
trag zur Beurteilung ihres Wesens und ihres Verlaufs und 
zur Kenntnis der Vulgärsprache der lateinischen Inschriften 
der römischen Kaiserzeit. I. Teil. Diss. Basel. Göttingen, 
Vandenhoeck u. Ruprecht. 1917. 775 S. 8°. 

Bespr.: K. Brugmann, IF. Anz. 37 (1917) 8-11. 

Die tüchtige Arbeit, die uns leider in diesem ihren ersten Teil nur 
die allgemeinen Erörterungen schenkt, bringt in manchen Punkten, an- 
geregt auch durch Psychologen wie Moll, eine Klärung von Sache und 



12 Bibliographie des Jahres 1917. 

Name, so S. 17 seine Bezeichnung 'assimilatorischer Lautzuwachs ' oder 
"Zuwachs eines Gleichen' in Fällen wie perpertuus Octrobres, was Brug- 
mann u. a. fälschlich unter Metathesis buchten, während die Bezeichnungen 
' Verzweifachungen' oder 'Doppelsetzungen' zu unpräzis, Sehuehardts 
'Silbenassimilation' sachlich unzutreffend ist. Zur Polemik gegen Brug- 
manns 'horror aequi' = 'Gleichlautscheu' s. diesen selbst a. a. 0. 9f. Im 
übr ; gen glaube ich trotz der emphatischen Betonung des Verf. S. 33, dsß 
die Zeit für große Deduktionen auf diesem Gebiete noch nicht gekommen 
ist: darin dürfte einen auch das Bekenntnis des Verf., z. B. in der Frage 
der Kontaktmetathese oder der Gültigkeit der Gramniontchen Dissimi- 
lationsgesetze noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen zu sein, 
nur bestärken. Anderseits wird S. 56 f . Niedermanns Erklärung der vul- 
gären Doppelheit in der Dissimiliernng von meretrix terebra zu menetrix 
meletrix bzw. tenebra terebra durch den Akzentsitz zwar mit Brugmann 
abgelehnt, aber nicht ausgesprochen, daß die Formen mit -n- vielmehr 
offenbar in Assimilation an den Dental der nächstliegenden Silben ent- 
standen sind (s. Bef. IF. Anz. 28, 58), vgl. auch die Vorschrift der 
Appendix Probi cultellum non cuntellum (dazu obwaldisch kunti), und 
den kombinatorischen Wandel muntu = multum (Stolz, L. u. F. 4 96), 
$ivtuxc neben <J>'.Xx ; .ac (Kieckers, Festschr. E. Kuhn 183 f.): Diese Paral- 
lelen zeigen zugleich , daß ich die scharfe Scheidung des Verf. zwischen 
Kontakt- und Fernassimilation, Kontakt- und Ferndissimilation, Kontakt- 
und Fernmetathese, als nur physiologisch bzw. nur psychologisch bedingt, 
für übertrieben halte. 

29. Cuny, A. Xotes latines. Revue des etudes anciennes 19 
(1917) 255—260. 

Über d.3 idg. Aspiraten im Italischen. 

30. Meillet,. A. Latin f — Gr. tp. MSL. 20 (1915) 115. 

31. Lejay, P. La dissimilation des prefixes latins dans l'e'cri- 
ture. Revue de philol. 40 (1916) 266 f. 

Augustin schrieb inmanis, nicht immanis mach Annotat in lob 
36, 32 = Wiener Corpus XXVIII p. 593, 3). 

Prosodie, Metrik, Klauselrhythmus. 

32. Vollmer, F. Zur Geschichte des lateinischen Hexameters. 
Kurze Endsilben in arsi. Münchn. Sitzungsber. 3. Abb. 
1917. 59 S. 8°. 1 M. 

Gibt zunächst S. 5— 14 das kritisch gesichtete Material von Ennius 
bis Ovid für kurze Endsilben in arsi von Hexametern und Pentametern, 
von den Neoterikern an auch in anderen Versen. Bei dieser 'Dehnung' 
werden klar drei Ursachen herausgearbeitet: 1. künstliche Langsetzucg 
(schon bei Enn. und Plautus) von in der Umgangssprache bereits ge- 
kürzten Endsilben. 2. Nachbildung scheinbarer homerischer Freiheiten 
(Grund Verszwang, später auch als Stilfärbungsmittel willkommen) in den 
Ennianischen Fällen populüs atque, horridius umquam, tergiis igitur, viel- 
leicht auch aquild Aeacidd, sicher aus der Verglichen Praxis auch für 
Ennius zu erschließen pater sowie que in que-que nach Hoim ts (belegt 
seit Acc, Liste S. 15 f. Anm.j. Typus aiictüs hymenaeo Catull., dann 
Vergil in Nachahmung alexandrinischer Freiheiten. 3. Bei Späteren (bei 
Ovid schon regelmäßig) Bpielt der Einfluß der Rhetorik herein: Vers- 



.). B. Hofmann, DC. Italisch. 13 

und Satzabschnitte im Verse -werden mit rhetorischen Kola gleich- 
behandelt, vgl. die Beschränkung von Hiat (Liste S. 26—29) und syllaba 
anceps auf diese Stellen. S. 35— 52: Fortsetzung der Liste von Manilius 
bis Venant. Fort.: auffallend streng sind in diesem Punkte, mehr noch 
als Vergil und Ovid, z. B. Nemesian, Avian, Prosper, Alcimus Av., Co- 
rippus: nach V. unter dem Einfluß von (uns nicht erhaltenen) metrischen 
Traktaten, die gegen das Eindringen kurzer Endsilben in die Arsis an- 
gekämpft haben. — Einzelheiten aus der auch für Textkritik und Inter- 
pretation wertvollen und aufschlußreichen Abhandlung: S. 17 ff. (dazu 
Exkurs S. 54 ff.): bereits Ennius mißt -at -et -it nur noch künstlich lang, 
in der Aussprache des Tages waren diese Endungen längst als kurzendig 
sanktioniert. Ähnliches gilt wohl auch für Plautus, seine Längen in arsi 
beruhen aber nicht auf metrischer Dehnung, sondern zeigen nach V. 
Erhaltung der Länge der sekundären Formen auf -d, die sich erst all- 
mählich der Kürzung der primären Formen anschlössen. Auch die Kür- 
zung von -ör braucht man infolge des Fehlens von gekürztem -ör bei 
Plautus noch nicht ohne weiteres als später erfolgt anzusehen. Für 
pulvis mask. iubär sanguis quadrupes kann man auf *pulviss iubars usw. 
zurückgreifen. S. 23: Ennius hat das griech. Patronym. -ides (Plautus 
so noch regelmäßig), zu -ida latinisiert. S. 24: zur Hiatfrage bei inimi- 
citidm agitantes. S. 30 f.: zur c anceps '-Verwendung von End-o und -i 
und der Schwierigkeit der chronologischen Fixierung für die Aussprache 
des Tages. S. 31 f. gegen Lachmanns unmethodische Differenzierung des 
Typus äbiit und ambiit: künstliches Nebeneinander, das nur einer tech- 
nischen Einpassung in den Hexametervers entstammt, zuerst von Vergil 
(gemieden von Ovid), nachgeahmt von andern. S. 34 f. gegen die An- 
nahme Sommers, Handb. 2 360, 363 von Dehnstufe für die mehrsilbigen 
aries partes abies Ceres (im)pubes. Auch sonst werden im Vorbeigehen 
Probleme gesehen und aufgezeigt, so S. 18' zur Frage der Herstellung 
des sekundären Verbalendungs-d vor Vokalen bei Plaut, u. Ter., S. 19' 
zur Frage der Einsetzung der -s-Formen bis Vergil (clamös) für über- 
liefertes -ör. 
33. "Vollmer, F. Kürzung durch Tonanschluß im alten Latein. 

Münchn. Sitzungsber. 9. Abb. München, Franz in Komm. 

1917. 32 S. 8°. 

Musterhafte Vorführung des gesamten Materials für die „Kürzung 
durch Tonanschluß" (Entdeckung und Bezeichnung von Bücheier) und 
zwar 1. der mit quidem verbundenen Wörter (si quidem tu quidem hie 
quidem usw.: hier wird die Luxsche These, daß -ee in dieser Verbindung 
fehlt, bestätigt), 2. der mit quis verbundenen (ecquis, si quis, ne quis, 
quisquis, numquis) und sporadischer anderer (id quod, höc quod, quid 
quod; bei quodque quomque nosne u. ä. kann man zwischen Tonkürzung 
und Synkope schwanken). Diese glänzend gesichtete Sammlung erweist 
vor allem durch die Statistik das rein Fakultative dieses Kürzungsgesetzes 
[allerdings ist zu beachten, daß die Längen zumeist in dem metrisch 
streng gebundenen Versausgang stehen]. Weiterhin stellt V. in dieseii 
Zusammenhang das Problem der Messung von ille iste, wobei er, z. T. 
gegen Skutsch, mit dem doppelten Erklärungsprinzip rechnet: il(l)', ist' 
(wie auch mit Skutsch nemp\ ind', und 1 ), dagegen nach dem Ton- 
kürzungsgesetz Wie, illa, illud, istic. Dadurch läßt sich vielleicht auch 



\4 Bibliographie des Jahres 1917. 

das Verhältnis zu olhis befriedigend lösen: ille aus *ol-se *olle *«ZZe? 
Der weite Umfang der Wirkung des Tonkürzungsgesetzes wird zu er- 
weisen gesucht an hödie, sine, quasi, nüdius (?), oportet (nach V., auch 
semasiologisch gewagt, aus *opertet = *ob partem [est]), ömitto (?), ebenso 
an der ursprünglichen Verteilung der Formen pro und pro; letztere 
durchweg in der Komposition durch Tonanschluß? Hierbei gelangt V. 
auch zu einer Präzisierung des Gesetzes (S. 27 „der Ton verteilt sich so 
sehr auf die ganze zusammengeschlossene Silbengruppe, daß für die erste 
nur die Klangkraft der unbetonten Silbe übrig bleibt"), wonach dasselbe 
auch die Vokalschwächungswirkung der unbetonten Silbe gehabt haben 
soll (in hi-quidem aus *hö-quidem wie hice aus höce, ebenso nlsi nihil 
nimis, unterstützt durch die Assimilationstendenz, während diese letztere 
in neque und nefas nicht unterstützend wirkte, so daß die Färbung unter- 
blieb; hierher stellt V. auch die Präposition und Privativpartikel in 
aus en). 

34. Jachmann, G. Bemerkungen zur Plautinischen Prosodie. 
Rh. M. 71 (1916) 527 — 547. 

Eine Verteidigung seiner Theorie des Verbots von Jambenkürzung 
in der vorletzten Hebung des Senars sowie seiner Behandlung der Kre- 
tiker und Baccheen, welch letztere überhaupt ihrer rhythmischen Natur 
nach eine Abneigung gegen Jambenkürzung zeigen, gegenüber den Ein- 
wänden Krolls nebst einer gründlichen Abfertigung des Exonschen Ge- 
setzes, wonach die erste Silbe einer aufgelösten Hebung oder Senkung 
den sprachlichen Haupt- oder Nebenakzent oder den Satzakzent tragen 
müsse. Dazu ein Exkurs über die Exonsche Gleichstellung der Betonung 
pueritia mit der 'Anfangsbetonung' fdcilius; bei dieser Konfrontierung 
will J. lieber von einem historischen Viersilbenakzent reden als von 
expiratorischem Initialakzent für fdcilius, wobei er aber mit Recht das 
Unzureichende unseres Belegmaterials hervorhebt (vgl. auch die künst- 
liche Form puertiae Hör. carm. 1, 36, 8). 

35. Hermann, E. Zur lateinischen und romanischen Betonung. 
KZ. 48 (1917) 102 — 110. 

Nimmt zur Erklärung der auffallenden romanischen Fortsetzung 
einer kurzen und doch betonten Paenultima in Wörtern wie tenebras 
integrum an, daß allgemein vorhistorisch die vorletzte Silbe nebenbetont 
gewesen sei (pellecebrae, integrum usw.), und zwar nach Veränderung der 
Mutu, d. h. nach Kürzung der Pause des Verschlußlautes kurz; dieser 
Nebenton schwand im Hochlatein vor Eintritt des Dreisilbengesetzes, 
während er im Volkslatein blieb. Eine ähnliche Entwicklung wird für 
die Typen filiulum capreölum (ob die Formen auf -eolus analogisch zu 
denen auf -iolus oder nach eigenem Lautgesetz zustande kamen, wird 
nicht entschieden) angenommen: ol aus el wurde nicht zu ul weiter um- 
gelautet, weil damals nebenbetont; für die Entstehung des Nebentones 
ist von der Gruppe pdrietem auszugehen, wo das gegen die Verschmel- 
zung mit dem vorausgehenden i sich sträubende geschlossene e (in mü- 
liprem blieb das e durch das folgende r offen) den Ton nach sich ge- 
zogen haben soll. An diese Betrachtungsreihe wird coniecio als zeitliche 
Zwischenform zwischen *coniacio und conicio angeschlossen. Endlich 
zur Betonung der Rekomposita im Roman.: convenit, nicht cönvenit neben 
venu wegen des zu stark gewordenen Auseinanderfalleus der Vokal- 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 15 

quantität von Simplex und Kompositum (cönvenit, aber v/mM; der Typus 
commando folgte dann nach: diese theoretischen Erwägungen müssen 
aber erst noch aus den Texten bestätigt werden. 

35. Fitzhugh, Th. The Latin accent; Latin rhythm; Latin 
Metrie. Glo. 8 (1917) 241—243, 243—246, 247—248. 

Erledigt mit seinem 'bisyllabic stress' ('acutum corripiens') auf 
einen Schlag alle Schwierigkeiten der altlateinischen Prosodie; danach 
sind Messungen möglich wie esses aus esses (Capt. 417), ömnis, alter-, 
dlce usw. Es fragt sich nur, ob für solchen Dilettantismus sich die Spal- 
ten einer amerikanischen Zeitschrift öffnen würden, wenn der Verfasser 
zufällig — ein Deutscher wäre. 

36. Draheim, H. Der Saturnier. WklPhil. 34 (1917) 935-944. 

Neue metrische Theorie des Saturniers in polemischer Auseinander- 
setzung mit Lindsay, Am. J Phil. 14 : der inschriftliche Saturnier ist 
autochthon mit Anfangsbetonung (auch in vtrtutei, aidilis), einsilbiger 
oft fehlender Senkung und Doppelkürzung mit Geltung einer Silbe, wäh- 
rend die literarischen Saturnier des Livius und Naevius das Dreisilben- 
ges^tz voraussetzen und quantitierend sind; auch sie haben die Elision 
der griechischen Verslehre noch nicht. 

37. Postgate, J. P. Adnotanda in Latin prosody. OLirs.- 
Quart. 31 (1917) 169—178. 

I. diutius. 
II. attodisse o attudisse? Catal. 10. 

III. natrix. 

IV. abies, aries, paries — abilt, adilt, coilt, inilt, obiit 
periit, rediit, subilt; petiit — Anien, lien, rien. 

37a. Preston, K. Plaut. Bacchid. 434. Class. Phil. 12 (1917) 
434. 

natricis e non natricis (nach Riv. filol. 46, 134). 
37b. Ax, W. De hiatu qui in fragmentis priscae poesis Ro- 
manae invenitur. Diss. Göttingen. 1917. 114 S. 8°. 

Teil I (S. 8 — H8) gibt eine Sammlung der Hiate in den altlat. 
Szenikerfragmenteü, Teil II behandelt die einzelnen genera des Hiatun 
(Versstellen, die den Hiat entschuldigen, wie Cäsur und Diärese, anapä- 
stische, lyrische Verse; Wortformen, die der Synaloephe widerstreben: 
Einsilbler, iambische Wörter, Abi. med ted, Wörter auf -m\ sog. 'logischer' 
Hiat). 

38. Tolkiehn, .1. Die Quantität von hie und hoc. Socrates 5 
(1917) 75 — 77. 

Behandelt die antiken Grammatikerzeugnisse über hie und hoc, 
danach setzlen, entgegen der landläufigen Ansicht (s. z. B. Skutsch. Glotta 
1, 307 Anm., Sommer Hdb. 2 276), schon die alten Grammatiker höc (mit 
Positionslänge bewirkender Kraft des c) als Kürze an; vgl. auch die 
Wiedergabe von hoc age bei Plutarch Xuma 14 durch 8x a-fe. 

39. Novotny, F. Eine neue Methode der Klrmsolforsehung. 
BphW. 37 (1917) 217-222. 



16 Bibliographie de* Jahres ÜÜ7. 

40. de Groot, A. W. Eine neue Methode der Klausel- 
forschung. BphW. 37 (1917) 1158—1160. 

Gewn Novotnys einseitige Betonung des typologischen Momentes 
in der Klause!. 

41. Muiler, F. (J. fil.). Ad Senecae naturales quaestiones 
observatiunculas scr. Mnemos. 45 (1917) 319 — 337. 

8 Leitsätze S. 336 f. über die Klauselrhythmik: Sen. zieht die 
längeren Klauseln den kürzeren vor, er vermeidet die unmittelbare Auf- 
einanderfolge des gleichen Fußes, er berücksichtigt den Wortakzent der- 
gestalt, daß der Hauptakzent keine Silbe treffen darf, die in der Sprache 
keinen oder nur einen Sekundärakzent hat (et videretur für et videretur), 
er vermeidet nicht nur die heroische Klausel, sondern in weitem Um- 
fange Ähnlichkeit mit dem Tonfall metrischer Gebilde. Wenn im einzel- 
nen z. B. S. 326 die heroische Klausel sölis imägö dadurch verteidigt wird, 
daß wegen des voraufgehenden Kretikus virgulä infolge einer Art Xach- 
wirkung auch das sölis i- ausnahmsweise als Kretikus empfunden worden 
sein soll (neben der Erwägung der Messung im — !), so kann man einer 
solchen 'Methode' nur Kuriositätswert zugestehen. 

42. TliÖrneil, G. Kritiska studier tili Tertullianus' apologeti- 
curn. Eran. 16 (1916) 82 — 160. 

Wendet sich mit Recht gegen die Löfstedtsche Überspannung des 
Kriteriums des rhythmischen Satzschlusses in Tert. apol.: es kommt ihm 
tatsächlich eine größere Bedeutung nicht zu, er kann vor allem auch 
n : cht das erweisen, worauf es Löfstedt ankommt, die Überlegenheit des 
Fuldensis als Textquelle. Löfstedt geht dabei auch viel zu einseitig vor. 
Ein Beispiel: 9, 20 bietet die Vulgata das platte und breite nunc de 
manifestioribus dicam mit vortrefflichem Rhythmus, der Fuld. dagegen 
das resolute und nach Ausweis des sonstigen Sprachgebrauchs echte nunc 
de manifestis mit der ganz verpönten heroischen Klausel. Ein dem- 
gegenüber beiseite geschobenes, aber vielleicht ergiebigeres Kriterium ist 
dagegen der bei Tert. stark ausgebildete Satzreim. 

Textkritik, Handschriftenkunde, antike Grammatik. 

43. Lindsay, W. M. Notae Latinae. An account of abbre- 
viation in Latin MSS. of the early minuscule period 
(c. 700—850). Cambridge, Univ.-Press (1915) 500 S. 8°. 

44. Lindsay, W. M. 'Ancient notae' and latin text. Cl. 
Quart. 11 (1917) 38—41. 

44a. Neumann, W. O. De barbarisnio et metaplasmo quid 

Romani docuerint. Diss. Königsberg. 1917. 112 S. 8°. 

Darin im Hauptteil S. 45 ff. eine alphabetische Zusammenstellung 

der von den antiken Grammatikern als Barbarismen bzw. Metaplasmen 

bezeichneten Formen. 

Formenlehre. 

45. Herbig, G. Besprechung von Sommers Lat. Laut- und 
Formenlehre 2 - 3 . IP.Anz. 37 (1917) 18—40. 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 17 

1. (S. 19 — 22) Zum lateinischen Akzent: H. verficht neuerdings 
die Skntsch'e These der Herüberuahme des Iuitial-turktons aus dem 
Etruskischen und unterscheidet eine voretruski^che Zeit- und Sprach- 
schichte, eine altlateinisch-etruskisierende, eine hochlateiniscb-gräzisierende 
(a) Zeit der altlat. Szeuiker, b) der lat. Klassiker) und eine vnlgärlatei- 
nit-ch-romanische Periode. — 2. (S. 22 — 27) Behandlung der Mittelsilben- 
vokale der etruskischen und lateinisch-etruskischen Eigennamen, indem 
an einem Ausschnitt (Art und Schi« ksal der Vokale e und I vor der 
Adjektiv-Endung -na) als Voruntersuchung die Problemstellung unter 
Abwägung der verschiedenen theoretischen Möglichkeiten gegeben wird. 
Die Synkopehypothese Skutschens (conscendo ans *cönsc?idö) und die 
Vokalreduzierungs-Theorie scheinen ihm letzten Endes in einem graphi- 
schen Problem zusammenzufließen. — 3. (S. 27 — 39): Zur Bildung des 
pronominalen Gen. u. Dat. Sing, legt neuerdings H. eine Lanze ein für 
die alte Adj-ktiv-quoüos-Theone gegenüber der Sommer-Wackernagel- 
schen Genitiv-*t2M0sjo(s)-Theorie, da ein Lautwandel -si- zu -i\- trotz 
Sommer nicht zu erweisen ist {di-iüdico aus dis- stellt sich zu trä-iectus 
cö-iunx und den andern Fällen in der Zusammensetznngsfuge, was für 
die Inlautstellung nichts besagt; Maius u. osk Maesius sind nicht formen- 
gleich, sondern Majßos 'der Große' aus *Mag%os: magnos, nicht wie 
bisher = *mag-iös, während Maisios, osk. *Maisi(i)s aus *Ma§is-io-s 'der 
Größere', vgl. das Appellativ mfajesius = pappus; die 3 silbige unver- 
änderte Form liegt vor im Gentilnamen Magius, etruskisiert Macius 
macia; vgl. noch das Nebeneinander Maia — Maiesta als *Mag-iä u. 
*Mag-iestä: Superlativsuffix -is-to; gr. Mala ist fernzuhalten). Nach Her- 
big ist vielmehr -si- geblieben; eingehende Behandlung der hieher ge- 
hörigen Fälle: umbr. plenasier urnasier, lat. viasiis amasiis busium 
indusium intusium und zahlreicher Eigennamen auf -asius -esius 
-isius -usius (in diesen etr.-lat. Gentilnamen liegt zweisilbiges -i-sius 
usjus usw. vor?). Damit bleibt nun das falisk. kaisiosio 'Caesi' und 
caviosi[o] 'Ca(v)i, Ga(v)i' CIE. 8163. 8286 umsomehr isoliert, als auch 
das Ennianische Metioeo Fufetioeo nichts damit zu tun hat. Positiv sucht 
H. die gwoH'os-Theorie gegen "Wackernagels Einwände etymologischer 
Art (osk. püiieh sum doch wohl = 'cuius', püiiu = 'cuia'; gr. molo? 
vielleicht doch nicht als *ko 7 .-Fo-c zu got. hwaiwa) und besonders syn- 
taktischer Art zu stützen. Im Anschluß daran eine genealogische Tabelle 
der Genitiv-, Dativ- und Lokativformen von is hie qui mit erläuternden 
Bemerkungen, darunter S. 39 in der Frage Pompli-ius oder Pompe-ius 
Ansatz von nachtonigem -ei-%us: paenultimatonigem -e-jus (mit Mauren- 
brecher gegen Sommer). Für den Dativ quo neben cui (inschriftlich 
2. Jahrh. n. Chr.) werden S. 38 gleich drei Entstehungsmöglichkeiten ver- 
zeichnet, von denen sich zwei von selbst verbieten dürften, da Birts 
Versuch, ALL. 15, 81 ff., diese Form durch die Verschleifungsverhält- 
nisse bereits für Plautus zu erweisen, ganz mißglückt ist. 

46. Kieckers, E. Zu lat. da, das. IF. 37 (1917) 237. 

da dürfte unmittelbar nach dem Wurzelimperativ stä aus *dö um- 
geformt sein (nicht mit Sommer Handb. 2 539 zunächst zu *dä, dann mit 
lautgesetzlicher Längung des Monosyllabons). Nach da würde sich dann 
das gerichtet haben, während in dät vielleicht die pluralische Ablautstufe 
eingeführt wurde, dö aus *dä-iö, nicht aus *dö-ö. 

Indogermanisches Jahrbuch. VII. o 



18 Bibliographie des Jahres 1917. 

47. Hirt, H. Grammatisches. IF. 37 (1917) 217 — 227. 

4. Lat. vacca: nicht = ai. vasä mit Tiernarnengemination, sondern 
mit Metathesis aus *vatjJcä : &i. väsitd 'rindernde Kuh', vgl. occa 'Egge' 
als *otekä otkä : ahd. egida; favus: Wabe? 6. der altbulg. Dativ der 
i-Stämme und abg. Dativ zemi : lat. hitmi ist zunächst Lokativ eines konso- 
nantischen Stammes, danach erst humus neu geschaffen, was auch das 
auffallende feminine Geschlecht erklären könnte. 

48. Sabbadini, L> II genitivo singulare dei temi in -i o-. Boll. 
fil. class. 23 (1917) 172—174. 

„Gli autori scrivevano e leggevano p. e. ingenii, i parlanti pro- 
nunciavano ingeni* (Riv. di filol. 45, 362). 

Wortbildung. (Vgl. auch No. 132. 139. 150. 158a.) 

49. Granger, Frank. The influence of the imperative on 
Latin Idiom. Class. Review vol. 31 (1917) 47 — 51. 

Eine Fortsetzung vom Aufsatz des Verf. C. R. Febr. 1915, „The 
Development of the Sentence", vgl. Idg. Jhrb. IV, 1, 13. Der führende 
Gedanke: Die Zeitform des Verb, ist sekundär, die Grundbedeutung ist 
Willens- bezw. Gefühlsausdruck, ist auch hier der Ausgangspunkt. Nach- 
einander werden behandelt: ,, The origin of the later Period", den Verf. 
in sakralen oder Gesetzes-Sätzen sucht, welche mit einem gegebenen Fall 
anfangen und mit einem Imperativ endigen: si caluitur pedenive struit, 
manum endo iacito, if he delays or takes to flight, a man is to lay hands 
upon him! — ,,T'>e Subjunctive in subordinate Clauses" wird aus dem 
Vorhergehenden hergeleitet. Über den Ursprung des laugen Vokals zwi- 
schen dem Stamm des Konj. Praes. und der Personalend. im Latein, 
wird die Vermutung aufgestellt, in veniatis z. B. soll a sein ,.ana!ogous 
to an exclamation of address", etwa „Come, ye". Die Personalendd. 
wären Fronomina, „used as vocative causes", wenigstens in den Konjunk- 
tivformen. Das ö der 1. Ind Praes. im Griech. und Latein, wäre nach 
Analogie dieses Konjunktivs gebildet. Zur Erklärung von veniam als 
Substitution für venio wird faxim : faxo (Brugmanu, Grdr. II § 824) her- 
angezogen. Der Konjunktiv, als primitiverer (Gefühls- und) Willensausdruck 
hätte den Indikativ mit seinen Zeitformen beeinflußt. — „The meaning 
of subordinating Conjunctions." „The subjunctive expresses a subordinate 
command or permission, and the relation of this to the main verb is 
partly indicated by the conjunction, partly by the place of the subordi- 
nate clause in the whole period: quamvis occultetur „be it hidden as you 
will!" — „The Accusative and Infinitive in reported speech" wird her- 
geleitet aus der sonstigen Bedeutung des Infinitivs, ,th;tt something is 
proposed to be done'. Die wichtigen Verben mit dem Acc. c. Inf. re- 
spondeo und dico hätten ursprünglich imperativische Bedeutung: Respon- 
deo; to make a counter-declaration in a court of law, nl. in der pri- 
mitiven Versammlung, vgl. änoxpivoux'.:. Auch für dico wäre vom Ge- 
brauch in der all». Versammlung auszugehen. — .. The Forms of the 
Imperfect and Pluperfect in the Latin Subjunctive'' werden nur andeu- 
tungsweise mit (imper.) acc. c. Inf. in Zusammenhang gebracht. 
49a. Samuelsson, J. Die lateinischen Yerba auf -iüäre 
(-tiüre). Glo. 6 (1915) 2^5-270. 



J. B. Hofraann, IX. Italisch. 19 

1. Denominative auf -uläre. A aus Nomina mit dem Suffix -bulum, 
-bula, B mit dem Suffix -cidum aus *-tlo-, C aus Deminutiven auf -culus 
(•a, -um); masadus direkt von mas ohne Vermittlung von *mascus? 
(doch vgl. Friedrich No. 51), D aus Deminutiven auf -ulus (-a, -um); 
circulor wird dabei fälschlich als direkte Ableitung von circ(um)eo statt 
von circulus gefaßt, E aus nichtdeminutiven Nomina auf -ulus, -«, -um 
aemulor baiulo famulor usw. II. Verba auf -uläre, die kein vermitteln- 
des Nomen auf -ulus (-«, -um) neben sich haben : unwahrscheinlich wird 
hier grätulor als direkt zu grätus grätor, nicht aus *grätüulor entstanden 
gefaßt; postulo von *postus : posco? III. Verba auf -ulo aus Verbal- 
stämmen A mit (adjekt. oder partizipialem) Verbalnomen auf -ulus als 
Zwischenglied: garrulo iaculor usw., B ohne vermittelndes Verbalnomen, 
z. B. obvägulo neben öbvägio; speculor direkt zu specio gebildet (un- 
wahrscheinlich). Verba auf -ilo und das Schwanken zwischen -il-, -ul-: 
focilo foculo, similo simulo usw. Im Anhang wird verfehlterweise ambülo 
direkt aus ambio hergeleitet nach dem Muster von vägulo : vägio (schon 
umbr. amboltu bleibt dabei schwierig; funambulus erweist kein Verbal- 
adj. *ambulus); noch weniger richtig exulo direkt aus exeo, obwohl hier 
die Zusammensetzung mit eo Ire stets klar gefühlt wurde; auch Bildung 
und Flexion von exul fügt sich nicht. 

50. Leumann, M. Die lateinischen Adjektiva auf -Ms. Mit 
Nachtrag und Index von Prof. E. Leumann. Unters, z. 
indg. Spr.- u. Kulturw., hrsg. v. Brugmann u. Sommer. 
Straßburg, Trübner. 1917. Y, 155 S. 8°. 6.— M. 

Adj. auf -lis I. mit vorausgehendem Kons., IL mit vorausgehen- 
dem Vokal a) mit langem präsuffixalem Vokal, b) auf -ilis, c) auf -bilis. 
Nachtrag und Exkurs über marltus 'Gatte'. Für Einzelheiten s. Refer. 
IF. Anz. 39. 

51. Friedrich, J. Deminutivbildungen mit nicht deminutiver 
Bedeutung besonders im Griechischen und Lateinischen. 
Diss. Leipzig. 1916. 81 S. 8°. 

2. Teil S. 43 — 75. Die Verhältnisse im Lateinischen. A. Sammlung 
der Beis iele. 1. Tiernamen: a) Tier mit Tier verglichen: Fischnamen 
apriculus asellus usw., b) mit etwas anderem verglichen: pectunculus 
'Kammuschel', eine kleinere Art der pectines; regulus 'Zaunkönig', 
Sohlangen- oder Eidechsenart, c) Teile von Tieren: falcula 'sichel '-ähn- 
liche Kralle der Katzen, Löwen usw. 2. Pflanzennamen a) mit anderen 
Pflanzen verglichen, z. B. cucurbitula 'Koloquinte', b) mit Tieren ver- 
glichen (wohl durchweg Übersetzungen aus dem Griechischen): dracun- 
culus 'Pflanze mit schlangenähnlichen Wurzeln', ranunculus 'Frosch- 
kraut' usw., c) mit etwas anderem verglichen, d) Teile von Pflanzen 
(selbständige lat. Bezeichnungsweise, da fast keine griechischen Gegen- 
stücke): flosculus 'Teile am Obst, wo die Blüte gestanden hat', folliculus 
'Hülse der Getreidekörner', malleotus 'hammerähnlicher Baumsetzling'. 
3. Ausdrücke der Baukunst (unter griechischem Einfluß): capitulum 'das 
mit dem Kopf vergleichbare SäulenkapitäP, cauliculus, denticulus, securi- 
cula (vgl. tceXev.!vo?). 4. Menschliche Körperteile und ähnl. : glandulae 
'Mandeln', lenticula 'linsenähnliche' Sommersprosse, museulus, pupilla. 
5. Andere Vergleiche verschiedener Art. 6. Verschiedene Ausdrücke der 



20 Bibliographie des Jahres 1917. 

Zugehörigkeit und Beziehung (armilhan braehiolum bucculla flabellum; 
masculus muliercula; aegyptilla; peniculus sanguiculus scirpiculus). 
B. Untersuchung dieser Beispiele: Im geschichtlichen Latein bildet das 
einfache -ko- Adjektive der Zugehörigkeit, -kelo- bezeichnet nur dns De- 
minutiv (Ausnahme z. B. masculus 'Tiermännchen' auf Grund eines 
*mascus 'zum Manne gehörig', vgl. muscus 'Moos'). Es ist also im all- 
gemeinen wirkliche deminutive Bedeutung anzunehmen; der Widerspruch 
gegen die Deminutivbedentung ist bei den Übersetzungswörtern eine Folge 
der engen Anlehnung an das griechische Vorbild, bei den andern Wörtern 
ist er individuell zu erklären: hier werdeu behandelt aegyptilla 'ein in 
Ägypten häufig gefundener Edelstein', caltula 'Kleid von der gelben 
Farbe der caZta-Blume', braehiolum buecula usw. S. 73 f. Ausblicke auf 
das Romanische. 

51a. Petersen, W. Latin Diminution of Adjectives. Class. 
Philology vol. 11 (1916) Nu. 4. 

Das Diminutiv braucht nicht notwendig eine abschwächende Be- 
deutung zu haben. Adjektivische Diminutiva der Qualität z. B. nigellus 
„ schwärzlich" sind verschieden von substantivischen Diminutiven, welche 
durch Enallage Adjektive beeinflussen können, indem das „diminutive" 
Suffix des Substantivs auf das Adjektiv übertragen wird, z. B. „turgiduli 
ocelli*. Das Suffix -lo bedeutete wahrscheinlich „gehörig zu", equulua 
ein Abkömmling eines Bosses; -culo- ist vielleicht ein Kompositum von 
-ko, Idg. Diminutiv-Suffix mit der Bedeutung „Ähnlichkeit" -f- -lo-. Im 
Latein, sind -ulo- und -culo- in ihrer Bedeutung nicht zu unterscheiden. 
Es folgt eine Aufzählung von lateinischen „Diminutiv"-Adjektiven nach 
der Bedeutung ihrer Primitiven geordnet. 

51b. Petersen, W. Latin Diminution of Adjectives (Fort- 
setzung). Class. Philology vol. 12 (1917) No. 1. 

Handelt über deteriorative Adjektiva wie barbatulus, mundulus 
usw. Diminutive der Qualität, Farbe usw., wie luteolus. Komparative 
Adjektive auf -fijusculus, welche mehr oder weniger kräftig sind, je 
nachdem das Suffix „mehr" oder „ziemlich" ausdrückt, z. B. plusculus, 
altiusculus. 

51c. Nichols, E. W. The Semantics of Latin Adjective Termi- 
nations. American Journal of Philology vol. 37 (1916) 
No. 4. 

Zusammengesetzte und abgeleitete Adjektive bei Plautus, wie fur- 

tificus, aureus, werden auf ihre Bedeutung untersucht. 

52. Hollstein, H. Ein Gedicht Hadrians. RhM. 71 (1916) 

406—414. 

S. 409 f.: Deminutiva mit nicht deminutiver bzw. hypokoristischer 
Bedeutung bei Catull, Apul., Auson. 

53. Zimmermann, A. Das lat. Suffix men(t)o. KZ. 48 (1917) 
152—153. 

Nimmt eine Flexion semen sementis (analog ovofioc övöu.atoc) an 
= ■Yju.ap (für Nom. Yjua nach Yj-ap !) -r^.azoc, 'Saatzeit, Zeit, Tag. [Eine 
lautlich, formantisch und semasiologisch so unmögliche Deutung wäre wohl 
besser unterdrückt geblieben. Nicht einmal das kann man zugeben, daß 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 21 

'semen und sementis ihrer Bedeutung nach wenig verschieden sind"; 
semen-tis 'Aussaat' und mes-sis 'Mahd, Ernte' entsprechen einander natür- 
lich auch in der Bildung.] 

54. Ottenjann, H. nee mu nee ma. Glo. 6 (1915) 223—225. 

Belege zu dem onomatopoetischen Tonfall u — a (neben häufigerem 
i—a)- Plaut. Pers. 264 tux tax, Petron. 57 nee mu nee ma, vielleicht auch 
butubat(tja. Dazu mittelalterliche und moderne Parallelen. 

55. Pascal, C. Recula. Iviv. indo-gr.-ital. 1 (1917) 53f. 

recula eigentliches Dim. zu r|es; resculum analogisch nach 
corpusculum, tempusculum (Biv. di fil. 45, 373). 

56. Havet, L. pareepromus. Rev. de philol. 40 (1916) 132. 

So zu schreiben Plaut. Truc. 183, Ps. 1266 nach le'gerupa, vive- 
radix, genetrijx u. ä. 

56 a. Meyer-Lübke. Lat. manciola, manuciolum, peciolus. RhM. 
72 (1917) 153—154. 

manciola (Naevius) nicht Weiterbildung von *mancia, sondern direkt 
von manus nach brachiolum, ebenso peciolus 'Füßchen' (petiolus dabei 
eine unrichtige Schreibung)? manuciola 'kleines Bündel' bei Petronius 
statt *manuculus (vgl. das Romanische) unter Anbildung an manciola 
[doch vgl. Heraus, Die Sprache Petrons und die Glossen 45 8 J. 

Syntax. (Vgl. auch No. 137. 138. 139.) 

57. Kroll, W. Die wissenschaftliche Syntax im lateinischen 
Unterricht. Berlin, Weidmann. 1917. VIII, 75 S. 8°. 2.20 M. 

Bespr.: H. Meltzer, DL. 39 (1918) 181—183. 

I. Allgemeines (Bedeutung des Altlateins für die Syntax, zur Frage 
der Grundbedeutungen: Standpunkt der Adaptationstheorie, historische 
Einordnung eines Schriftstellers; Verhältnis zur Volkssprache und zu 
seinen Vorbildern). IL Kasuslehre (Ablehnung der lokalistischen Theorie 
fürs Lat., Dativ, ethicus, zum Ablativ, Gen., Akk. 'graecus'). III. Der 
einfache Satz (Abi. absol., Partie, auf -to, Supin, histor. Infinitiv, Aktions- 
arten, absolute und bezogene Tempora, Modus- und Tempusangleichung, 
Konjunktiv). IV. Der zusammengesetzte Satz (Indirekte Fragesätze, licet, 
dum, simul, si, quod, quam, quia, quippe, ut). V. Wortstellung. — Dem 
ebenso anregend geschriebenen wie subjektiv gefärbten Buch darf der 
im ganzen doch etwas an der Oberfläche haftende Standpunkt mit Rück- 
sicht auf die Entstehung aus Vorträgen heraus nicht zu sehr angerechnet 
werden. Schlimmer wäre es, wenn die Kreise, an die es sich wendet, 
nun alles auch unbesehen hinnehmen würden. So wird S. 3. 25 gegen- 
über der von Delbrück Grdr. 3, 249, Brugmann Grdr. 2 2, 2, 534 ver- 
tretenen Auffassung, im Abi. bei potior den alten Instrumentalis zu sehen, 
vielmehr die Genitivkonstruktion als das Ursprüngliche hingestellt und 
dabei ganz übersehen, daß der Abl.-Instr. beim Deponens potior = aind. 
pätyate getrennt werden muß (so schon Langen, Arch. Lex. 3, 334 f.) von 
der Konstruktion des aktiven (und passiven) potio, in dem Delbrück 
a. a. 0. mit Recht eine lateinische bzw. italische Neubildung sieht. S. 33 
(zur Frage der Gräzismen) heißt es mit Bezug auf Horaz' cetera fulvus 
und Vergils omnia Mercurio similis emphatisch: „Man soll nicht leugnen, 
daß das nicht mehr lateinisch ist (!)" — als ob diese soundsovielte Ab- 



22 Bibliographie des Jahres 1917. 

Stempelung als Gräzismus gegenüber dem klarliegenden Plautinischen 
Sprachgebrauch quiescas cetera, cetera rape trahe fuge late. der aus dem 
singularischen ceterum heraus zu verstehen ist (TLL. 3, 969, 81 ff., 973, 
38 ff), irgend welchen Eindruck zu machen imstande ist. 

58. Hermann, E. Kleine Beiträge zur lateinischen Syntax. 
KZ. 48 (1917) 111 — 119. 

1. Zum Localis der Zeit: die "Wendung mors . . . quadriduo quo 
is occisus est Chrysogono nuntiatur Cic. Rose. Am. 20 (nicht 105) ent- 
hält, trotz Bennett, Syntax 2, 298, zwei alte Lokative (für den ersten 
erweist das schon das im Altlatein regelmäßige in) mit der Bedeutung 
'innerhalb'; der erste fixiert den Endpunkt = 'nach', der zweite den 
Ausgangspunkt =■ 'vor': 'dem Chrysogonus wird der Tod des S. Roscius 
in (= nach) vier Tagen gemeldet, in (= vor) denen er ermordet wurde'. 
Die Entstehung aus dem Localis verrät auch noch der Umstand, daß in 
der Wendung stets die Kardinalzahl, nicht das Ordinale steht. — 2. Zum 
Ablat. instrumenti: proficisci cum exercitu, cum tribus legionibus, aber 
magno exercitu: letztere Wendung schloß man an den absoluten Ablativ 
an, was bei den ersteren nicht möglich war; ebenso steht es mit dem 
Abi. modi (effrenata impudentia, aber nur cum impudentia) und qualitatis 
(vir singu-lari virtute). — 3. capitis damnare (erst seit Cic. belegt, aber 
nach H. schon juristischer term. des Altlateins?): der Genitiv der Schuld 
wird zum Genitiv der Strafe durch eine einfache Bedeutungsverschiebung, 
wie sie zuerst erfolgte in "Wendungen wie Plaut. Truc. 762 te manum 
iniciam quadrupuli. Plautus sagt dafür (dreimal) capitis perdere, was H. 
etwas verschroben übersetzt 'verderben zum Zwecke des Verlustes des 
Kopfes' [vgl. vielmehr direkt den Gen. des Sachbetreffs centuriata habuit 
capitis comitia Plaut. Pseud. 1232, capitis dicturum dient Lucil. 783]. 
Darum gibt es auch kein mortis damnare [morte damnari placet Sen. 
Herc. 0. 888 nach Analogie von midtare], 

59. Schedel, W. De Latinoruni prononiinis relativi usu anti- 
quissimo quaestiones. Diss. Münster. 1915. 52 S. 8°. 

Das Relativpronomen ist zum größeren Teil aus dem indefiniten, 
zum kleinereu aus dem Interrogativpronomen erwachsen. Seinen Samm- 
lungen aus dem Altlatein sind nur die Prosatexte (bes. Inschr., Cato, 
Varro) zugrunde gelegt, da Verf., in den Bahnen Krolls wandelnd, auf 
die „Enklisen" Stellung von qui den größten "Wert legt: ältester Typus 
homo qui peceavit, (is) (homo) punitur. Beim Typus qui homo peceavit, 
(is) (homo) punitur will er einen Einfluß des Interrogativums ganz oder 
teilweise, in Bezug auf Stellung oder unter Zusammenwirken mit dem 
Indefinituni, zugestehen. Die reichlich unklaren Ausführungen, die auch 
ganz unbewiesenermaßen vom adjektivischen qui ausgehen, obwohl unsere 
ältesten Inschr. nur substantivisches kennen, halte ich, besonders auch in 
den Hauptbeweisstücken, der Behandlung der 'Anakoluthe' und der 
'attractio inversa' wie agrum quem vir habet, tollitur (vgl. doch auch 
Fälle wie Plaut. Poen. 644!) für verfehlt; für Einzelheiten ist hier kein 
Platz, vgl. auch meine Besprechung von Gustafsson, IFAnz. 38. 

60. ßaabe, B. De genetivo latino capita tria. Diss. Königs- 
berg, Härtung. 1917. 103 S. 8°. 

Bespr.: E.Hermann, BphW. 38 (1918) 101—103. 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 23 

Kap. I de genetivo rei: der Gen. des ' Sachbetreffs ' liegt zunächst 
vor bei den 'verba iudicialia' (accusandi, agendi, damnandi), für die wegen 
der mit de c. abl. wechselnden Konstruktion sowie der oskischen Paral- 
lelen (z. B. manim aserum eizazunc egmazum) ein autochthoner italischer 
Gebrauch konstatiert wird, wobei diese geschlossene Gruppe eingereiht 
wird in das Gros aller übrigen Fälle mit diesem Gen., die sich keiner 
engeren» Unterordnung im einzelnen fügen (nach lex esto u. ä., verba cre- 
dendi, /'allere, nach Adj. wie mendax sanus aeger integer primus usw.): 
das wird im ganzen richtig sein, ohne daß der Verf., wie es zweifellos 
zu tun ist, mit einem festen Grundstock als Ausgangspunkt und weiteren 
Ausstrahlungen und Kristallisierungen gerechnet hat bzw. solche aufzu- 
decken sucht. Unter die Gen. des Sachbetreffs wird auch der 'finale Gen. 
des Gerunds bzw. Gerundivums' — ein wegen umbr. ocrer pihaner als 
italisch betrachteter Gebrauch — unter völligem Anschluß an Löfstedt 
Eranos 1909, 82 ff., der auch die Zwischenstadien gefunden haben will, 
eingereiht [der bereits von Leo angedeuteten Schwierigkeit, warum Plautus 
einen so autochthonen Gebrauch nicht kennt, während er den Gen. des 
Sachbetreffs sonst reichlich entwickelt zeigt, vermag R. mit keiner irgend- 
wie überzeugenden Erwägung zu begegnen. Der einzige sichere Beleg 
des Altlateins, Ter. Ad. 270 ne id adsentandi magis quam quo hdbeam 
gratum facere existumes steht doch für sich, da der folgende Finalsatz 
für das zu erwartende, causa eingetreten ist; man kann sich das durch 
Annahme einer Kontamination adsentandi magis quam tuae gratiae causa 
und quo adsenter magis quam quo habeam gratum äußerlich klarmachen]. 
Endlich wird der Gen. animi bei Verben (dis-, exeruciare, angere, pendere, 
horrescere) und Adj. -Partie, (devinetus, praestans, lassus, sanus, miser, 
falsus, incertus, exercitus) nicht mit Delbrück u. a. als Lokativ, sondern 
als Gen. des Sachbetreffs gefaßt. — II 1 : Das Nebeneinander von Gen. 
und Akk. bei den Verben des Erinnerns und Vergessens wird, z. T. nach 
Dittrnar, auf einen Bedeutungsunterschied zurückgeführt (memini aliquid 
= 'ich habe etwas im Kopf ', alieuius (rei) 'ich denke an etwas'). II 2: 
Der Gen. nach den Verben cuper e, studere, fastidire, (rc)vereri wird mit 
Brugmann als Gen. der 'Zielstrebigkeit' gefaßt; der "Wechsel mit dem 
Akk. muß noch im einzelnen individuell erklärt werden. II 3 zum Gen. 
nach den Impersonalia des Affekts (pudet usw.): R. lehnt mit guten 
Gründen die Delbrücksche Annahme der Priorität der persönlichen Kon- 
struktion ab; er stellt sich vielmehr die Entwicklung so vor, daß pudet 
= 'pudor est'^ zunächst den Gen. nach sich zog, dann erst den Akk. der 
Person; der Übergang in die persönliche Konstruktion soll vor dieser 
letzten Etappe erfolgt sein: diese Zurechtlegung bleibt um so mehr hypo- 
thetisch, als sie sich auf dem gewagten Siebsschen Gedankengang von 
der ursprünglichen Substantivnatur dieser Sätze aufbaut. — III 1 de ge- 
netivis qualitatis et pretii: Da die Genitivformen auf -i in der Liste der 
ältesten Fälle weit überwiegen (der Hinzutritt von pluris minoris oder 
von seseunciae escae trium litter arum usw. ist leicht zu begreifen), so ist 
von dem Wackernagelschen Genitiv der Kategoriebestimmung auszugehen, 
zunächst bei facere und esse, dann aestimare (weiterhin in beschränktem 
Umfange emere, vendere usw.), danach auch bei refert, dem interest ge- 
folgt ist. Von esse aus ist mit Wackernagel der Übergang zum ad- 
nominalen Gebrauch (homo non nauci, nihili usw.) als erfolgt gedacht 
III 2 de gen. 'tituli': so bezeichnet R. den von Schulze Gen. der 'Rubrik' 



24 Bibliographie des Jahres 1917. 

genannten Tj'pus lucri damni sumpti compendi aequi facere (danach auch 
hicri dare, weiterhin dotis dare usw.), wo gleichfalls das Wackernagelsche 
'Präverbale' -i bei facere esse vorliegt; ähnlich will er auch den Gen. in 
hoc signi est fassen, ja auch die Verschiedenheit von aliquid novi und 
aliquid utile letzten Endes darauf zurückführen, so daß dem Gen. parti- 
tivus nur ein sehr geringer Bereich primärer Verwendungsweise zuge- 
wiesen bleibt. • 

61. Kaiinka, E. Partitives ab. BphW. 37 (1917) 572—576. 

Die spätlateinische, offenbar nicht durchgedrungene Verwendung 
von ab in partitivem Sinn ist, entgegen der landläufigen Ansicht, der 
älteren Sprache fremd; die Belege aus Caes., Sali., Manil. sind anders 
aufzufassen, die Varrostelle (rust. 2, 1, 5) wird als verderbt erklärt. 
61a. Goodrich, W. J. On the prospective use of the Latin 

imperfect subjunctive in relative clauses. Class. Review 

vol. 31 (1917) 83—86. 

Erörtert an Beispielen den eigentümlichen Gebrauch des lateinischen 
Konj. Praeteriti in Relativsätzen, um die Zukunft in der Vergangenheit 
zu bezeichnen: er ist „prospective" oder „anticipatory" und drückt aus 
„what was to be", „was likely, or intended, to be u , entsprechend den 
Formen auf -urus mit den Zeitformen der Vergangenheit des Verb, sum 
oder einem fieri posset bei passiven Verben. Er hat sich wahrscheinlich 
teilweise aus dem Konjunktiv der Oratio obliqua, teilweise aus dem hypo- 
thetischen Konjunktiv in Relativsätzen entwickelt. 

61b. Bennett, C. E. Kroll on the Independent Latin Sub- 
junctive. Class. Philology 12 (1917) No. 2. 

Gegen Krolls Ansicht (Glossa 7), daß dem lateinischen Kon- 
junktiv keine optativische oder, früher, potentiale Bedeutung zukomme, 
sondern lediglich volitiv und futurisch gewesen sei. 

61c. Sjögren, H. Tulliana IV. Eran 16 (1916) 1—50. 

Darin S. 7 — 12 Exkurs zu ne dubites (v. 1. dubitaris) Cic. Att. 1, 9, 2: 
ein solcher voluntativer Konj. Präs bei Cic. sonst nur noch 3mal. S. 16 ff. 
über dicis dices inqui(e)s zur Einführung eines Einwurfs. 21 f.: Über- 
gang von indirekter Rede in direkte im lebhaften Erzählungston seit 
Plaut. 22f. : Nominativschreibung -os für -us? 30f. : Belege für auf- 
fällige Stellung et ut — et statt ut et — et u. ä. 32 ff.: zum zweigliederigen 
Asyndeton von Subst. bei Cic. 36 ff. : über aus der gemeinsamen Situation 
heraus zu ergänzendes bestimmtes persönliches Subjekt im Briefstil; ferner 
von ea res, id. 40f. : zum zeitstufenlosen Präs. 41 f.: zur Vermeidung 
der Formen ii und ivi bei Cic. u. ä. 46 ff. : Seltenheit des Fut. II mit 
befehlendem bzw. prohibitiveu Sinn, z. B. non retexeris Att. 4, 7, 2, non 
longe abieris epist. 7, 19. 

62. Wageniugen, J.v. Intinitivus pro imperativo im Lateinischen. 
BphW. 37 (1917) 1127—1128. 

Fügt zum ältesten bekannten Gebrauch in der Literarsprache 
(Val. Fl. 3, 412) noch Manilius astr. 2, 433 f. hinzu; die Stelle bleibt 
aber unsicher. 

63. Lenchantin de Gubernatis, M. c In potestatem fuisse/ 
Riv. di Eil. 44 (1916) 1398—1405. 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 25 

64. Mendell, Cl. Wh. Latin sentence connection. New Haven, 
Yale. 1917. 8°. 1 sh 50 4. 

65. Stangl, Th. Nihil interest und nihil refert als romani- 
sierende Satzwörter. Wkl. Phil. 34 (1917) 966. 

Weist nihil interest Plin. epist. 7, 20, 4 und nihil refert Sen. phil. 
in der Parenthese nach, vgl. romanisch n'importe, non importa. 



66. Schreiber, G-. De Lucili syntaxi. Diss. Greifswald. 
Breslau, A. Favorke. 1917. VI, 72 S. 8°. 

Brauchbare Zusammenstellung nach dem üblichen Schema: I. Rede- 
teile. Nomen: Genus Numerus Kasuslehre, Adjekt., Pronomen, Numerale, 
Adverbium, Konjunktionen, Negationen. IL Satzlehre. Resultat: L. schreibt 
die gebildete Umgangssprache, durchsetzt mit vulgären Elementen, daher 
auch die mancherlei Graeca; über die einzelnen Komponenten seines 
Stils läßt sich wenig Sicheres ausmachen, am ehesten dort, wo parodistische 
Nachahmung der hochtrabenden Tragödiendiktion vorliegt. 

67. Gandiglio, A. L'uso ciceroniano di quaeso paratattico. 
Esempi dell'uso paratattico di obsecro, rogo (e oro). Rivista 
indo-greco-italica 1 (1917) 294—298. 

68. Lejay, P. Un indicatif dans le discours indirect. Revue 
de phil. 40 (1917) 268 f. 

Für juerunt Cic. de signis § 8. 

69. Kerkai, H. Quoraodo Horatius Lucilii vestig a presserit. 
Budapest, Apostol-Nyomda Reszvenytärsasäg. 1917. 95 S. 

70. Lejay, P. Essais et Notes sur Virgile. Revue de phil. 40 
(1917) 149—189. 

I. (149/163) l'expression d'un sujet indetermine en latin. 1. Typus 
curritur. 2. adesse nuntiabantur. 3. persönl. Pass. 4. 1. pers. sg. 5. 2. pers. 
sg. ind. 6. 2. pers. sg. conj. 7. 3. pers. sg. 8. 3. pers. sg. conj. 9. 1. pers. 
pl. praes. ind. 10. 3. pers. pl. 11. quis, aliquis usw. 12. homines. 13. dat. 
ptc. praes. 14. ptc. 15. res. 16. spes est u. ä. 

II. Aventinus. III. Cygnus et Cupavo. IV. praeciae, non preciae. 
V. fervit opus. VI. vocare. VII. rustum, ruscum. VIII. subicio, sub. 
IX. un f aux archaisme : quom avec l'indicatif Aen. IX 247 ff. X. ignotus 
deus. 

71. Rasner, G. Grammatica Propertiana ad fidem codicum 
retractata. Diss. Marburg. Borna, Noske. 1917. 72 S. 8°. 

Die wenig Neues bietende Dissertation handelt zunächst über die 
Hdschr. des Properz, wobei der Verf. im Anschluß an Birt und seine 
Schule dem jungen cod. Lusaticus, zusammen mit dem Vaticanus 3273 
und Urbinas 641, einen übertriebenen Wert für die Textgestaltung, bes. 
auch in Orthographicis, beimißt. Der gramm. Teil bespricht 1. die De- 
klination a) fremder, bes. griechischer Namen, b) der übrigen, ferner 
Genus und Numerus (poet. Plural), Heteroklita, Pronominalflexion. 2. Kon- 
trahierte Verbalformen, Genusgebrauch u. a. Die Wahl der Formen zeigt 
sich, wie zu erwarten, vielfach an metrische Rücksichten gebunden, z. B. 
gen. -es in Penelopes u. a. gegenüber häufigem -ae, fast nur um Hiat und 



26 Bibliographie des Jahres 1917. 

Kakophonie zu vermeiden; äknl. Nycteos und Pentheos gegenüber sonstigem 
-ei sowie die Formen auf -on vor Vokal neben -um; vgl. auch largibar 
operibat lenibunt; cubaris neben accubuit -isse, coneubuere concnbuisse. Der 
Dativ vno sowie die Dat. der 3. auf -e (ore usw.) werden Properz abge- 
sprochen; in letzteren sieht R. nach dem Vorgang von Hertzberg im 
ganzen mit Recht — unbeschadet überflüssiger Birtscher Konjekturen im 
einzelnen — freier verwendete Ablative. 

72. Stangl, Th. Nichtdeklinierter Inf. Fut. Aktiv: zu Curtius 
9, 1,2. BphW. 37 (1917) 1188-1191. 

Tritt für die gute Überlieferung des Parisinus und der rec. C. bei 
Curt. 9, 1,2 ein: gemmis margaritisqiie . . . non snas tantum domos re- 
pleturum (repleturos G, während in repleturi der 3., interpolierten Gruppe 
kein repletu(m) ire der Vorlage steckt). Anschließend über kausatives sospes 
9, 1, 30 und redux 9, 6, 9 sowie zum 'Satzwort' erstarrtes ne nominem 
in indirekter Rede 4, 5, 5. 

73. Lundström, V. Smäplock ur Coluinellas spräk. Eran. 16 
(1916) 186—190. 

24. accedere alqd 'übernehmen': Colum. 2, 17, 3 si prata accessimus 
(SA, cepimus die Jüngern Hdss.). — 25. areatura? Neues Wort im In- 
haltsverzeichnis zu 2, 19 qiiomodo araturae (area terrae SA) fieri debeant. 
— 26. semedius, semediatus (= dimidiatus : 2, 10, 15). — 27. adruo = 
obruo außer Varro (Thesaur. s. v.) auch di*ei Columellastellen. — 28. variatio 
sermonis durch verschiedene Formen desselben Wortes : sive — seil, stercor- 
und stercer- in den obliquen Kasus von stercus sowie stercorare neben- 
einander, u. a. m. 

74. Wolterstorff, G. Artikelbecleutung von ille bei Apuleius. 
Glo. 8 (1917) 197—226. 

Behandelt in 9 Abschnitten die Artikelbedeutung von ille in den 
Metamorphosen des Apul. als Fortsetzung seiner Diss. historia pronominis 
ille, Marburg 1907. Ergebnis: Die artikelmäßige Verwendung von ille, 
gegen die die regelmäßige Stellung hinter dem zugehörigen Nomen nicht 
spricht, ist meist unbewußt erfolgt, außer in den Fällen, wo sich eine 
Übertragung des Artikels aus der Vorlage erkennen läßt. Für die ent- 
sprechende Verwendung von ipse hat sich W. keine Sammlungen angelegt. 

75. Löfstedt, E. Arnobiana. Textkritische und sprachliche 
Studien zu Arnobius. Lunds Univ. Ärsskr. N. F. 12, o. Lund, 
Gleerup u. Leipzig. Harrassowitz. 1917. 107 S. Gr. 8°. 

Bespr.: W. A. Baehrens, BphW. 37 (1917) 1291 — 1298. 

S. 10—37 Textkritisches und Handschriftliches. S. 38 — 101 sprach- 
lich-kritische Bemerkungen, darunter viel Einschlägiges zur Wortbedeutung: 
periculum = ' Todesgefahr". ' Tod ' (durch volksetymol. Anschluß an perire?) . 
evaginatio = ' evagatio, Vertex = ' verticula ". ' Gelenk ', trivialis = 'triplex'?, 
mendum --- 'mendacium', dies = 'Todestag'; 'ludus', hont, tempus = 'hora, 
tempus mortis'; zu den Wortformen : diluvi diluvis und in vielen andern 
Fällen nach dem Zeugnis der Klausel zu schreiben, ebenso re®»uere ; coetus 
= coitus; zur Syntax: qiiorundam fructuam genera = quaedam fr. g., zur 
Frage des Neutr. Plur. mit Prädikatsverbum im Sing. (S. 67 ff. : gegen 
Bährens, im wesentlichen negativ,), in mit Abi. statt A.kk. der Klausel 



J. B.Hof mann, IX. Italisch. 27 

wegen ?, ebenso wird beurteilt das Nebeneinander von aktivem und passivem 
Infinitiv, Moduswechsel (48 ff.), Pleonasmus der Negationen (61 ff.), Wort- 
stellung (76 ff.). 

76. Brakman, C. Arnobiana. Leyden, Brill. 1917. 65 S. 8°. 

S. 14 — 18 über den Genitiv der Inhärent (ortus origo usw.). S. 30 
—62 observationes grammaticae: zum Numerusgebrauch, Kasus, Prä- 
positionen, Steigerung, Pronomina, Verbum: Nomin. u. Akk. mit Inf., 
Modus- u. Tempuswechsel, Genus verbi, Adverbia, Negationen, Gebrauch 
von et, sed, ut. Gemination und Asyndeton. — Behandelt z. T. dasselbe 
Material wie Löfstedt (vgl. No. 75). 

77. Engelbrecht, A. Zur Sprache des Hilarius Pictaviensis 
und seiner Zeitgenossen. Wien. Stud. 39 (1917) 1 — 29. 

Sprachliche und textkritische Beiträge zur neuen Ausgabe des Hi- 
larius (ed. Feder 1916, Corp. scr. eccl. lat. 65, 4). 1. Präzisierung der 
Erklärung von (Akk. mit) Inf. statt des Gerundivs nach censeo puto credo 
u. ä. unter Modifizierung von Löfstedts Materialien und Auffassung: keine 
Bedeutungsveränderung des verb. finitum ist zu statuieren, sondern es ist 
nur grammatisch der Begriff der Notwendigkeit bzw. Möglichkeit unaus- 
gedrückt gelassen. — 2. Anakoluthische Fälle von satzvertretendem Par- 
tizip. — 4—7. Sammlung einiger Fälle von Synesis des Numerus sowie 
bedeutungslosen Tempus- und Moduswechsels. — 8. Lexikalische Bemer- 
kungen: blasphemius Adj., concentus = 'Verschwörung', exitus = 'Aus- 
lagen, Ausgaben', vgl. e£ö8os (? vielmehr wohl = ' cruciatus ', vgl. Bonnet, 
Greg. v. Tours 175), intr. bzw. reflex. obscurare, quique — qui unter Ein- 
wirkung von quisque = quisquis (vgl. auch No. 140)-, zum Partikelgebrauch: 
namque = nempe, denique = igitur u. a. m. Anhangsweise einige Bemer- 
kungen zu Boeth. consol. (vgl. z. B. Nebeneinander von monstro und de- 
monstro: nur unter Einwirkung des Klauselrhythmus). 

78. Stangl, Th. Zu Bachiarius I. II. III. BphW. 37 (1917) 
868—887. 912—920. 966—974. 

Zu enim = autem, Strukturverschiebungen zwischen regierendem 
und regiertem Substantivbegriff (z. B. Uli fidei intellectus statt Uli fidei 
intellectui, in coniugium societatis suae = in coniugii sui societatem), zur 
arco xotvoü-Stellung der Präposition, si enim ut . . . quomodo = Mischung 
aus der Frage si enim . . . quomodo und dem Vergleich ut enim . . . ita 
nullo modo (mit Exkurs über Doppelkonjunktionen), donec als Adverb, 
vgl. fr. donc, valeo und proecaleo durch possum glossiert, u. a. m. 

79. Vroom, H. B. De Couimodiani metro et syntaxi annota- 
tiones. Diss. Utrecht. 1917. 85 S. 8°. 

Bespr.: J. Tolkiehn, BphW. 37 (1917) 1614—1615, E. Slijper, Mus. 
25 (1918) 126—128. 

S. 1 — 33 Metrik, S. 27 — 85 deskriptive Syntax nach dem üblichen 
Schema. Näheres s. IF. Anz. 38. 

Aktionsarten. 

80. Hartmann, F. Aorist und Imperfektum. Einleitung. KZ. 
48 (1917) 1—47. 

Geschichte der sprachwissenschaftlichen und philologischen Be- 
handlung der Frage. 



28 Bibliograpl'ie des Jahres 1917. 

81. Hering, G. Besprechung von D. Barbelenet, De l'aspect 
verbal en latin ancien et particulierement dans Terence 
Paris 1913. IF. Anz. 36 (1916) 38—50. 

Wer sich fürs erste einen Einblick verschaffen will in das ver- 
wickelte System der Aktionsarten des lat. Verbunis, wird aus dieser Re- 
zension hinsichtlich der Klärung der Terminologie, Interpretation von 
Einzelfällen, Aufzeigung von Problemen vielleicht mehr lernen als aus 
dem dickleibigen, 16 Jahre zur Ausarbeitung benötigenden und infolge- 
dessen ganz ungleichmäßig gearbeiteten, in Sache und Bezeichnung ver- 
worrenen und nicht klar durchdachten Buche des Professors von Rouen. 

82. Bittmann, G. Beantwortung der Anfrage Jahrgang XV 
S. 640. Mtschr. höh. Seh. 16 (1917) 158 — 159. 

Beantwortung einer Anfrage mit dem Material des Thesaurusarchivs 
in Ausführung eines Gedankens von Cauer, Gramm, mil. 2 27 (= s 28). 
Während zu suadere 'raten' jederzeit Formen des Imperfekts nicht selten 
sind (Cic. Caecin. 15 de orat. 2, 282 usw.), sind solche von dem resultativen 
persuadere 'zu Ende, mit Erfolg raten' naturgemäß nicht zu erwarten-, 
nach Livius 33, 32, 2 vix cuiqiiam persuadebatur (= 'credebat' Cauer) 
begegnet es erst wieder im Spätlatein fünfmal bei Kirchenschriftstellern, 
davon zweimal de conatu; lehrreich Rufin. hist. 4, 17, 2 persuadebot als 
Übersetzung von Euseb. iceifteiv kr.t-.püzo (klassisch heißt es persuadere 
studuit: Nepos Eum. 2, 4). 

82 a. Meyer, Karl H. Perfektive, imperfektive und perfektische 
Aktionsart im Lateinischen. Ber. Sachs. Ges. d. W. 69, 6 
(1917). 74 S. 8°. 

Bespr.: H. Meltzer, BphW. 39 (1919) 73—78. 
Plautus (ebenso Ter., Lucr.) sagt nur ii ieram rein perfektisch = 'der 
Weg Hegt hinter mir', dagegen perfektiv mit Zielangabe steht das Kom- 
positum: ad cenam abii. Für Einzelheiten s. Ref. IF. Anz. 39. 

Wortforschung, Lexikographie. (Vgl. auch No. 139. 158a. 161.) 

83. Stowass8r - Petschenig- - Skutsch. Lateinisch - deutsches 
Schul- und Handwörterbuch, umgearbeitet von M.Pets henig. 
Einleitung und etymologischer Teil bearbeitet von F. Skutsch. 
4. verbesserte Aufl. Wien, Tempsky, u. Leipzig, Freytag. 
1916. XXII, 832 S. Geb. 8.60 M. = 11 Kr. 

Bespr.: K. Prinz, ZÖst.Gy. 68 (1917) 163—165. 

In Einleitung und etymol. Teil unveränderter Abdruck der 3. Aufl. 

84. Heinichen, F. A. Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. 
Neubearbeitung, 9. Aufl. von Blase, Reeb, O. Hoffmann. 
Mit einem Abriß der lateinischen Lautgeschichte, Wort- 
bildung und Bedeutungsentwicklung, sowie der röm. Lite- 
raturgeschichte. Leipzig u. Berlin, Teubner. 1917. LXXVI, 
940 S. Lex.-8°. 9 M. 

Bespr.: F. Stürmer, Sokrates 6 (1918) 177—182, J. B. Hofmann. 
IF. Anz. 39. 



J. ß. Hof mann, IX. Italisch. 29 

Besonders wertvoll in der von 0. Hoffmann bearbeiteten Einleitung 
§119 — 180 Abriß der lat. Wortbildung. Eine weitere Zugabe sind 
die unter den einzelnen Lemmata regelmäßig (leider nicht lückenlos) ver- 
zeichneten französ. Fortsetzer. Für Einzelheiten siehe Ref. IF. Anz. 38. 
Dazu bitte ich folgendes nachzutragen: unter affatim heißt es immer 
noch: 'aus ad *fatim, als ob es dieses fatis nicht gäbe: edas de alieno 
quantum velis usque ad fatim Plaut. Poen. 534. — decollare: 'aus der 
Wendung de collo (caput deciderej': vielmehr direkt von Collum nach 
Wendungen wie Plaut. Merc. 308 decide Collum stanti, vgl. decurtare 
desecare; ähnlich detruncare. — denumerare leugnen die Lexika immer 
noch (auch Thes.); in der Bedeutung '(Geld) herunterzählen, bezahlen' 
ist es für Plaut, u. Ter. schon durch die Synonyma deferre, dependere so 
gut wie gesichert. — Unter tegoribus (metrisch sicher Capt. 902; überlief, 
ist es von A 915) war zu erwähnen, daß eine Form tergor- für Plaut, 
überhaupt nicht sicher steht ; hier scheint sich eine dissimilatorische Schwund- 
form in der Sprache einer gewissen Periode festgesetzt zu haben, bis das 
etymol. Bewußtsein wiederherstellend wirkte. — vitilena 'Schandkupplerin': 
schon des Metrums wegen so nicht richtig. Über ütor vgl. No. 138. 

85. Niedermann, M. Nachträge und Berichtigungen zum The- 
saurus linguae Latinae. Glo. 8 (1917) 226—233. 

Berichtigungen und Ergänzungen (a - d) aus Marcell. med. 

86. Reeb, W. Zur lateinischen Wortkunde. Glo. 8 (1916/17) 
85-88. 

1. promittere 'versprechen': will eine Stütze für die Wengersche 
Bedeutungsentwicklung promittere 'versprechen' aus *manum promittere 
'Handschlag geben' darin finden, daß er bei Cic. Verr. 6, 184 donum tibi 
(= Jovi Capitolino) factum ad regibus, tibi dicatum atque promissum über- 
setzt 'das dir, Juppiter (deiner Bildsäule, damit du es annehmen solltest) 
bereits hingestreckte, hingehaltene Geschenk'; natürlich ist es aber 
nichts als simples Hendiadyoin 'durch feierliches Gelübde versprochen'. 
(Viel besser U. Leo jetzt in der Glotta 10, 187 ff. : Konfrontation mit 
der in petendo liegenden Grundanschauung.) — 2. xänrfi im Lat.: Plur. 
tapetia in der alten Komödie = xa-^x-.a; nach Analogie von sedilia: sedile 
dazu ein Sing, tapete -is n. ; der Nom. PI. tapetae (viell. schon Ennius) 
ging vom Akk. x«7tYjxa aus; der Nom. PI. tapeta kann auf den Abi. tapetis 
zurückgehen, tapes selbst und seine Kasus sind nur gelehrt. — 3. pec- 
care: verweist zur Bestätigung der Herleitung von peccare als *pedicare 
von pedica 'in der Schlinge sitzen' (anders Saussure, siehe I, .T. I 102, 
31) auf die noch erhaltene sinnliche Grundbedeutung bei Hör. epist. 1, 
1, 8 und Plaut. Pers. 626 nimis pavebam ne peccaret ('sich verstricken'): 
expedivit. Vor der Methode, hinter so etwas einen Beweis für eine be- 
stimmte Etymologie zu sehen, kann man grundsätzlich nur warnen: die 
Worte, mit denen Toxilus im Persa 624—630 das Auftreten der virgo 
vor dem leno begleitet, ob sie ihre Instruktion' einhalten oder ob sie 
Fehler machen werde (nunc metuo ne peccet, nimis pavebam ne peccaret, 
nihil adhuc peccavit etiam), sind aus derselben Situation heraus gesagt 
wie Mil. 904 ne quid peccetis paveo. Mit demselben Recht könnte man 
in Rud. 1150 si hercle tantillum peccassis, quod posterius postules te ad 
verum convorti aus dem Kontext eine sinnliche Grundbedeutung 'errare. 
abirren' erschließen. Aber schon die Zusätze erga te, illaec advorsum, 



30 Bibliographie des Jahres 1917. 

in cognatam peccare bei Plaut, u. Ter. zeigen die bereits vollentwickelte 
übertragene Bedeutung. Andererseits tut der historischen Bedeutungs- 
parallele labi 'gleiten, ausgleiten, straucheln, fehlgehen' Saussures Ab- 
leitung von pes durch Vermittlung von *peccus (vgl. maneus) vollauf 
Genüge. 

87. Meyer-Lübke, W. Gibt es lat. reptare, fragumen, purga- 
mentum? RhM. 71 (1916) 579—581. 

Diese angeblichenWörter des Mythographen Fulgentius sind ander- 
weitig zu verbessern bzw. zu erklären: für reptare S. 9, 23 Helm ist der 
Bedeutung halber das reportare der Teilüberlief erung vorzuziehen; fra- 
gumen ist wohl okkasionelle Schreibermischbildung von fragmen und 
vulgärem fraumen, wie pugumentum Corp. Gloss. 3, 194, 54 von pigmentum 
und piumentum (mit weiterer Angleichung des ersten u an die des voraus- 
gehenden "Wortes). 

88. Hauler, E. Frontos Laberiuszitate und sein Urteil über 
Seneca d. J. (Fronto S. 155, 18 ff. Naber). Wie. Stud. 39 
(1917) 122—134. 

S. 123 Anm. 2. Richtigstellungen zum Artikel catachanna im The- 
saurus: es ist ein mit allerlei Fruchtzweigen gepfropfter Baum, der durch 
die Vielheit seiner Früchte und seine Seltsamkeit Verwunderung erregt: 
kaum zu gr. xata/YjVY]. v.atayaivtu. vielleicht mit Xiebuhr punisch. — S. 125 
Anm. 2: tdlutim (vgl. tolutaris, tolutiloquentia) nicht vom 'Trab' des 
Pferdes, sondern vom Zelt- oder Paßgang, für den eine wiegende, schau- 
kelnde Bewegung charakteristisch ist ('quasi volutim vel volubiliter' 
Xonius). — Im folgenden wird aus dem Frontotext ein weit umfang- 
reicheres Laberiuszitat gewonnen, als bisher angenommen wurde; die 
Verse lauteten ungefähr so: (tolütares ecce istius sententiae :) vusqudm 
quadripedo cöncito cursü tenent, nusquäm pugnant, nusquam maiestatem 
Student. Dictäbolaria Oste}, immo dicteria potiüs quam dicta confingit 
(jnimis suisy. dictäbolaria (von dictabulum: dictare,wievocabulum: vocare; 
vgl. gr. sirssßo/.eiv. tTtscßo/.la) von der Masse wiederholt gebrauchter sen- 
tentiae, während mit dicteria wohl die beißenden, witzigen Einfälle oder 
Sarkasmen und mit dicta die 'breviter et commode dicta' bezeichnet sind. 

89. Badolle, M. Xotes sur Valerius Flaccus. Rev. de phil. 40 
(1916) 193—200. 

Spricht 197 ff. über Xeuschöpfung und besondere Bedeutung von 
Wörtern bei V. Fl. 

90. Gering, H. Artvs Fvtvtor. Herrn. 51 (1916) 632— 635. 

Deutet die Defixionsinschrift auf der Maarer Urne (Audollent 
Xo. 103. nicht 136) so: art(um) ligo Dercomogni fututor(em) 'ich ver- 
wünsche das Zeugungsglied des Dercomognus'; in der Zeile drüber steht: 
artus fututor. Bisher übersetzte man nach Bücheier: 'ich weihe den 
Artus, den Sohn des Dercomognus; Artus ist ein fututor'. Dagegen kann 
die neue Deutung schon wegen der Wortstellung (art und fututor sollen 
übrigens ganz unwahrscheinlich phonetisch richtige "Wiedergabe der ge- 
sprochenen Akkusativformen sein), wegen des ganz seltenen und un- 
sicheren Singulars und weil fürs Vulgärlatein vielmehr articulus zu er- 
warten, nicht recht aufkommeu. 



i 



J. B. Hofmann. TX. Italisch. 31 

91. Kornitzer, A. Noch einmal zur Bedeutung von corrumpere. 
ZöstG. 68 (1917) 149—153. 

Beanstandungen des Thesaurusartikels. Verg. georg. 2, 466, Prop. 
2, 33, 27, Manil. 5, 692, Stat. Ach. 1, 308 liegt kein bloßes 'miscere' vor, 
sondern dem Sprechenden erscheint der Gegenstand wirklich als ver- 
dorben; dagegen von der bloßen Veränderung des natürlichen Zustands 
ohne jeden tadelnden Nebensinn: Tac. Germ. 23, Petron. 140. 

92. Bickel, E. Beitrüge zur römischen Religionsgeschichte. 
RhM. 71 (1916) 548-571. 

1. flamen eurialis und Juno Curritis: der flamen curialis wird als 
jährige Institution gegenüber den lebenslänglichen curiones und lictores 
atriales festgestellt. In Juno Curritis liegt wie in mars. Vesime Erinie 
und in Janus Quirinus urspr. Doppelnamengebung vor: Verschmelzung der 
Hauptgottheit Juno mit der ursprünglich selbständigen f aliskischen Sonder- 
gottheit Curritis (zu dem Eigennamen Curris nebst der Ortlichkeit *Cur- 
riitm nachträglich hinzugebildet). S. 570 f.: gegen die Meistersche Er- 
klärung der Juno Gaura als Juno Gaura{ns) unter Aufstellung eines 
oskischen Ethnikons. 

93. Reitzenstein, R. Philologische Kleinigkeiten. 4. Zu Mi- 
nucius Felix. Herrn. 51 (1916) 609-623. 

Darin S. 618 — 620 zur Frage, ob eques = equus, ausgehend von 
Min. Fei. 7, 3 testis et Curtius, qui equitis sui vel mole vcl honore hiatum 
profundae voraginis coaequavit. 

94. Probst, H. Flaccus. Bl. Bayr. Gy. 53 (1917) 34—35. 

Hör. epod. 15, 12 si quid in Flacco viri est, sat. 2, 1, 18 und 1, 9, 20 
demitto auriculas, ut iniquae mentis asellus sollen Anspielung auf die 
Appellativbedeutung von Flaccus 'schlapp' enthalten. 

95. Wageningen, J. van. Fulmen. Mnemos. 45 (1917) 135 
—139. 

Schon Scaliger in seiner Maniliusausgabe a. 1600 zu 2, 892 unter- 
schied ein fulmen = fulmentum 'Stütze' von fulmen 'Blitz'; dann fügte 
1912 Nelson Cic. Balb. 34 hinzu und jetzt Wageningen Ovid am. 1, 6, 16. 
2, 1, 20 (daß das verfehlt ist, zeigt der Thesaur. s. v. und demnächst ein 
Aufsatz von Rubenbauer im Philol.). 

96. Havet, L. Lectulus lit de table. Rev. de phil. 40 (1916) 
259-262. 

Besprechung der Belegstellen. 

97. Ribezzo, F. Ad Pacuv. Teuer, fr. 14. Rivista indo-greco- 
italica 1 (1917) 270. 

Liest räpido reeiproeo percitu (nach Riv. di filol. 46, 146f.). 

98. Niedermann, M. Sur un pretendu fragment de Lucilius. 
Rev. de Phil. 41 (1917) 231—233. 

Das früher dem Accius trag., dann von dem neuesten Herausgeber 
Marx dem Lucilius auf Grund der Loewescheu Verbesserung von lucius 
in Lucilius zugewiesene Fragment (vers. 1252 Marx) ist wieder zu streichen : 
die Glosse Corp. Gl. V 234,1 pistris belita maris lucius ' pistrices' dixit 
plnraliter ist nur im Zusammenhalt mit den verwandten übricren zu inter- 



32 Bibliographie des Jahres 1917. 

pretieren, besonders mit der verderbten des cod. Leidensis fol. 24 belua 
iumentum asinns (lege marinum) Intens: danach hat irgend ein welt- 
fremder Klostergelehrter im Binnenland dem Meerhai pistrix das Inter- 
pretameut lucius (Hecht als 'Hai des Süßwassers') gegeben; der Schluß, 
vielleicht erst von Späteren hinzugefügt, lautete zunächst : ' pistrices' plu- 
raliter oder 'pistrices' dicitur pluraliter; die jetzige Form ist Mißver- 
ständnis eines Abschreibers oder Korrektors. 

99. Blase, H. Ist prae in der Zusammensetzung mit Verben 
gleich praeter? WklPhil. 33 (1916) 286—289. 306-310. 

prae behält stets die Grundbedeutung 'voran, vor her', praeter 
'vorbei, vorüber' (d. h. vor etwas her und darüberhinaus), seltener 'ent- 
laug' ohne Angabe eines (bestimmten oder zu erschließenden) über die 
seitliche Strecke hinausführenden Zieles. 

100. Schwering-, W. Die Entstehung des Wortes tragicomoedia. 
LF. 37 (1916/17) 139 - 141. 

Das Kompositum ist an einer einzigen Stelle im Altertum belegt, 
Plant. Amph. prol. 63; hier steht es metrisch fest: faciam sit proinde, ut 
dixi, tragicomoedia; dagegen ist V. 59, der das ungewohnte Wort und 
die Sache erläutern soll, die Überlieferung zu belassen: faciam ut com- 
mixta sit tragico comoedia. Die griechische Vorlage des Amphitruo war 
die erste unter diesem Namen auf die Bühne gekommene TpaY"iü»|j.<j>8la. 

Namenforschung. (Vgl. auch No. 6. 150. 159.) 

101. Bacherler, M. Die Namen gebung bei den lateinischen 
Prosaikern von Velleius bis Sueton. I. u. II. Yelleius. III. Sen. 
rhetor. IV. Asconius. V. Sen. phil. VI. Plin. nat. VII. Quint. 
VIII. Plin. epist., pan. IX. Sueton. WklPhil. 32 (1915) 
1049—1056, 1074-1078; 33 (1916) 163-166, 182—189, 
235 — 240, 255—259, 300-305. 

Über Wahl und Stellung der römischen Eigennamen in den lateini- 
schen Prosawerken von Velleius bis Suetou. 

102. Calderini, A. Abinnaeus — 'Aixsvvso?. Athenaeum 5 (19 1 7) 
44—50. 

Der lat. Name A. scheint durch den griech.-ägypt. 'A. beeinflußt 
(Riv. di Filol. 45, 366). 

103. Zimmermann, A. Vom beweglichen anlautenden s bei 
Eigennamen. Bay. Bl. f. Gymn.-Sch. 53 (1917) 349. 

Verzeichnet einige Fälle, wo das anlautende s des Praenom. in den 
Anlaut des Gentile eingedrungen sein soll (vgl. die Abteilung GAIV 
SPONTI. VS Corp. VI 24718; danach Cod. Justin. 11, 43, 10 A.Spontio): 
Corp. XIII 10036, 21 M. Scatotiis, I 1361 Spedo (~ I 1490 C. Pedo), 
VI 36510 C. Splancio, I a 71 C. Splattius (~ Plattia Salvia II 2307). 

Lehn- und Fremdwörter. 

104. Wahrmann, P. Caccitus bei Petronius, Cena Trim. 63. 
G-lo. 6 (1915) 270—272. 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 33 

caccitus Petron. 63 vielleicht = gr. Y.a.zrj.v.oixoc, (oder *y.axxo'.ToO, aus 
einem Dialekte Unteritaliens entlehnt (zum -%- Vokalismus vgl. anquina aus 
frpcotva); Bedeutung zunächst 'Zecher', dann vulgär = xa 7taio'.*ä? 

105. Jüthner, J. ceroma. Jahresh. K. Ost. Arch. J. Beibl. 
18 (1915) 323 — 330. 

ceroma x-fipu>u/x im Athletenjargon 'Wichse', 'Schmiere' von dem 
feinen, mit "Wasser dick und zäh angemachten Lehm, der den Boden des 
für das Wälzringen im Schlamm bestimmten Raumes bedeckte. 

106. Solari, A. Nomi greci nelle iscrizioni latine dell' Etruria. 
Rendiconti del R. ist. Lombarde- 51, 141 — 153. 

107. Ribezzo, F. Ad Strab. Geogr. VI 281 M. Rivista indo- 
greco-italica 1 (1917) 308. 

Sta bene la lezione tradizionale EaXiqitta; anche oggi la contrada 
e chiamata li Salappi (Salapiae) (nach Riv. di filol. 46, 148). 

Literarische Abhängigkeit , Quellenforschung. (Vgl. auch 

No. 139.) 

108. Enk, P. ,T. De Grattio et Nemesiano. Mnemos. 45 (1917) 
53—68. 

Sucht gegen Curcio zu erweisen, daß Nemesian den Grattius gelesen 
und nachgeahmt hat (Gratt. 298 f. ~ Nemes. 138 f.). 

109. Schamberger, M. De declarnationum Romanarum argu- 
mentis observationes selectae. Diss. Halle. 1917. 88 S. 8°. 

Bespr.: G. Ammon, BphW. 37 (1917) 1134—1135. 

110. Moering, F. De Petronio mimorum imitatore. Diss. 
Münster. 1915. 38 S. 8°. 

Behandlung der Frage im Anschluß an Rosenblueth, Beiträge zur 
Quellenkunde von Petrons Satiren (Diss. Berlin 1909), der in der Ver- 
mutung von mimographischem Einfluß auf P. zu weit ging: wir sind im 
Einzelfall nirgends gezwungen anzunehmen, daß Petron einen Mimus 
ausschließlich nachgeahmt hat. S. 22 — 31 Sammlung von Sprichwörtern 
und sprichwörtlichen Redensarten bei Petron : sie stammen zum größeren 
Teile aus der Alltagssprache, zum andern aus literarischen Quellen, darunter 
wohl auch Mimographen. 

111. Pürstenau, G. De Sili Italici imitatione quae fertur En- 
niana. Diss. Berlin. 1916. 74 S. 8°. 

Der aus der Schule Nordens hervorgegangene Verf. sucht gegen 
Vahlen nachzuweisen, daß sowohl die Zeitgenossen des Silius (Sen phil., 
Persius, Mart, selbst Quintilian) als dieser selbst den Eunius weder ge- 
lesen noch nachgeahmt haben; er hat seine Kenntnis von Enniusversen 
aus Vergil, Cicero, den Vergilkommentaren der beiden ihm befreundeten 
Grammatiker und Philosophen Annaeus Cornutus und Asconius Pedianus; 
andere können ihm aus Livius oder als Musterverse der Rhetorenschulen 
bekannt sein. Auch seinen Götterapparat (Juppiter, Juno, fl;ou.a/:a) hat 
Silius nach F. nicht aus Ennius, sondern aus Homer und Vergil ent- 
nommen. 

Indogermanisches Jahrbuch. VII. g 



34 Bibliographie des Jahres 1917. 

112. Robbert, Luise. De Tacito Lucani iinitatore. Diss. Göt- 
tingen. 1917. 101 S. 8°. 

Sammelt in Kap. II S. 33 ff. im Anschluß an Reitzenstein NGG. 
1914, 173 ff. die Anklänge an Lucan in den historischen Schriften des 
Tacitus. 

113. Kroll, TV. Die Zeit des Cornelius Labeo. EMI. 71 
(1916) 309—357. 

114. Reeh, R. De Varrone et Suetonio quaestiones Ausonianae. 
Diss. Halle. 1916. 95 S. 

115. Mayr, P. Th. (0. S. B.). Studien zum Paschale Carmen 
des christlichen Dichters Sedulius. Diss. München. Augs- 
burg, Pfeifer. 1916. 8°. 

Kap. I — IV Quellenuntersuchung, Kap. V über Tropen und Figuren. 

116. Wessner, P. Isidor und Sueton. Herrn. 52 (1917) 201 
—292. 

Gegen Schmekels Isidor-Sueton-Hypothese : für Isidor steht un- 
mittelbare Benützung der Placidusglossen, der Vergilscholien und ins- 
besondere des Servius, von Augustin, Lactanz, Solin fest. Die Zitate aus 
älteren Autoren, darunter auch aus Sueton, hat er fast durchweg au» 
zweiter und dritter Hand. 

Textausgaben. 

117. Q. Horatius Flaccus. Oden und Epoden erklärt von 
A. Kießling. 6. Aufl. erneuert von R. Heinze. Berlin, 
Weidmann. 1917. VI, 583 S. 8°. 5.60 M. 

Diese Neuauflage, die dritte der Heinzeschen Neubearbeitungen des 
Kießlingschen Kommentars zu den Oden, darf hier erwähnt werden, weil 
sie .keine 'Bearbeitung' oder Umarbeitung mehr ist, sondern ein selb- 
ständiges Werk eines unserer sprachlich feinfühligsten Philologen der 
Gegenwart. 

118. T. Lucretii Cari, De rerum natura lib. IV. Introduction, 
texte, traduction et notes, par A. Ernout. Paris, Klinck- 
sieck 1916. 173 S. 8°. Fr. 3.50. S.-A. aus Rev. de phil. 
39 (1915) 82—245. 

Der Kommeutar geht auf Formen und "Wortwahl ein. 

119. S. Aureli Augustini tractatus sive sermones inediti ex 
codice Gruelferbytano 4096 detexit adiectisque commentariis 
criticis primus edidit D. G. Morin, 0. S. B. Kempten u. 
München, Kösel. 1917. XXXIII, 250 S. u. 1 Faksim. 4°. 
15, Halbperg. 18 M. 

Druckt aus der Wolfenbütteler Hds. saec. IX nur die Inedita der 
Predigten (echten und unechten) ab. &rca£ e-.pYjfjiva: comitatio (fehltauch 
im Thes.), navivorus (navivora vorago 11, 94), veneralis. 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 35 

Etymologien. 

120. Frän filologiska föreningen i Lund. Spräkliga uppsatserIV. 
Lund, Möller, u. Leipzig, Harrassowitz. 1915. 200 S. 8°. 
4.50 M. 

Bespr.: E. Hermann, BphW. 38 (1918) 272—275. 
Darin 22 Etymologien von Petersson, die mir bis jetzt nur aus 
der Besprechung von E. Hermann a. a. 0. bekannt sind. 

121. Charpentier, J. Zur italischen Wortkunde. Glo. 9 (1917) 

33—69. 

1. squäleo squälus: squäma, wozu auch squatus ' eine Art Haifisch, 
Meerengel '?, squatinus 'Flachfisch zum Polieren von Holz verwendet, 
viell. Stachelflunder oder Stachelrochen' (*sqvd-tö-), gr. orcaTayf]? 'See- 
igel' (sqvä- oder slcvä-). — 2. liedera: unter Ablehnung der antiken und 
modernen Deutungen zu aind. chad-is- 'Schirm, Decke, Dach' aus *(s)khed- 
is-ä oder *(s)Iched-3S-ä, Grundbedeutung 'Decke, Bedeckung'. — 3. niger: 
ebenso wie noegeum Liv. Andr. (= *voif£tov sc. cpäoo??) zur Wz. *nei-*m 
'glänzen', ai. näga- 'Schlange, Elefant, Wolke, Blei', eigtl. '*schwarz, 
dunkel'?, gr. vy]-(«tso?, etwa 'hell, weißglänzend'; dentale Erweiterung in 
re-nl-deo 'strahle zurück, erglänze' usw. — 4. taeda aus 'tai-d-ä oder 
*tn-d-ä 'geronnenes Pech', Wz. *tä%- 'schmelzen' in gr. vXoc, 'dünner 
Stuhlgang, Abführen' usw. — 5. rervactum (danach erst analogisch ver- 
vago -agere) vielleicht als *veru-actum 'angepflügtes Brachland', wobei 
*veru- Erweiterung einer Wz. uer-, die auch in aind. urvdrä f. 'Saatland', 
av. urvarä f. 'Pflanze', cymr. gweryd 'Rasen', altcorn. gueret 'humus' 
(*uer-i-t-). — 6. cäseus: ab. Tcvash 'fermentum, Hefe' usw., ind. chäsi tdkram 
'Buttermilch'; Grundform nicht *qvät(h)s- (so Walde 2 , da ai. Jcväthati 
'siedet', got. hvapö 'Schaum' der Bedeutung wegen fernzuhalten sind), 
sondern *qväd-s-eio-, *cäd-s-eio-. — 7. tullius 'Springwasser(leitung); Bach, 
Abzugskanal; heftiger Blutfluß', Grundbedeutung 'Röhre, Rinne und die 
daraus hervorströmende Flüssigkeit': ahd. dola 'Rinne, Röhre, Abguß' 
und einer Reihe indischer Wörter, Grundform *tullo- *tul-n-o. — 8. umbr. 
vapefe abl. sg., vapef-em acc. pl. usw. 'Steinbank', Grundform *vaped- 
viell. zu aind. *up-ad- 'Stein' in üpala- 'oberer Preßstein, Mörserkeule', 
upalä f. dss. (und ved itpara-?), wenn aus *upad-a, *upad-ä. — 9. iüni- 
perus ' Wacholder' aus *iü (wie in *iü-glans aus *iou{i)z-gland-) -f- *(s)nepero : 
lat.-griech. nepeta, nepita, nepta 'Katzenminze', eigentl. 'starkriechender 
Baum'? — 10. pulmo als 'weicher, poröser Körperteil' aus *pul-p-mön, 
*pel-p-mön-: pulpa 'Fleisch von Früchten' usw., pulmentum umbr. pelmner 
'Fleischspeise'? — 11. mlluos, später milvus '(Gabel) weihe, Meerfisch' 
unter (s)mihvo- aus *smerslovo- zu ahd. smirl, smiril, smirli(n), mirle 
'Merlinfalk', aisl. smyrill, nhd. Schmerl, Schmirl, Grundf. *smerilo-? — 

12. baia(e) 'Hafen' bei Isidor. orig. 15, 8, 40 (nicht 4), damit identisch 
der Ortsname Baiae wird, auch lautlich unbefriedigend, als dialektisch 
für vaia aus *gvadhiä zu gr. ß-rj-aa, dor. ßobaa 'Schlucht, Waldtal' ge- 
stellt (s. dagegen Meyer-Lübke, RhM. 70, 334, vgl. Jahrbuch 4, 148). — 

13. puteus, urspr. 'ausgestampftes Loch im Boden', mit Walde u. a. zu 
pavire, dazu mehrere aind. Wörter. — 14. taeter wegen der Bedeutungs- 
übereinstimmung: trlstis aus *trid-sti-, Grundform *traid-ro-, dissimiliert 
zu *taid-ro-\ taedet wäre dann eine jüngere Form (kaum annehmbar). — 



36 Bibliographie des Jahres 1917. 

15. vespertilio aus *vesperdilio (= ai. diyati 'fliegt' usw., vgl. air. döel fem. 
'Mistkäfer') unter Einwirkung von vespertlnus? 

122. Meringer, R,. Mittelländischer Palast, Apsidenhaus und 
Megaron. Wien. Sitzungsber. 181, 5 (1916). 85 S. 8°. 

S. 14 ff. atrium: haftet das Wort zuerst an dem Hofe (atrium 
tuscanicum), dann ist es so gut wie zweifellos etruskisch; eignet es aber 
zuerst dem geschlossenen Raum, der ursprünglich ein Herdraum war 
(atrium testudinatum), dann ist es mit derselben hohen Wahrscheinlich- 
keit als idg. (ätar, av. ätars 'Feuer' usw.) anzuerkennen. — 17 f.: vesti- 
bulum als *veristabulom 'TürgestelP, ursprünglich ein Torgestell, das mit 
einem Dache versehen war. Die älae waren in ihrer ältesten Gestalt 
Wandstücke, die mit der Mauer, aus der sie vorsprangen, eine Nische 
bildeten; aus diesen einfachen Nischen entwickelten sich tempelartige 
Schränke und Hauskapellen, tablinum 'Bretterhütte', wie cullna eine 
geringschätzige Bezeichnung des alten Herdraums? — S. 72f. zur Ety- 
mologie von antae, aisl. qnd 'Vorzimmer', ai. ätä 'Türrahmen' usw.: 
idg. *ntä *an9tä bezeichnete zunächst die beiden Wäude, die die Vorhalle 
begrenzten, sie waren die Enden der Langwäude des Megarons. — S. 80 f.: 
aedes, *aidis : v.:froj, zunächst 'Herd', dann 'Herdraum', 'Haus'; der Plur. 
aedes erinnert an oiufia-ca und ist wohl ebenso zu deuten, cavaed ium 'der 
zur Feuerstätte gehörige Hohlraum' = offener Hof mit Herd, *aidis, und 
dahinter ein cavam dazu, eine Apsis? Anschließend zur spätereu (Vitruv 
und schon vor ihm) Identifizierung mit atrium 'Hof' und den germani- 
schen Umbildungen des AVortes. — S. 84 testüdo: 'daß das Wort t. vom 
Rundbau stammt, halte ich für sicher, sachlich und sprachlich. Es hat 
seinen Ausgang genommen vom testu 'Brotbackdeckel': sub testu coquerc 
Cato. 

123. Hirt, H. Etymologien. IE. 37 (1917) 227—236. 

3. Lateinisches a = idg. schwachem «: verteidigt seine Ansicht von 
dieser Entsprechung gegenüber Brugmann, IF. 28, 369; sie ist nicht nur 
in der Umgebung von Nasal oder Liquida, sondern auch jedes sonstigen 
Konsonanten anzuerkennen (dasselbe Material in gleicher Behandlung s. 
jetzt auch unter No. 26), scssus ist keine Gegeninstanz, da *s e d e tös, mit 
Schwund des zweiten e und Entwicklung des ersten zum Vollvokal, nicht 
*sAtös anzusetzen. — 4. Lat. äv aus idg. ew (außer vor I) : zu den drei 
bekannten Gleichungen rävus: ahd. gräo, nävus: aisl. knär, flävus: ahd. 
bläo kann man eaurus 'Nordwestwind' hinzufügen, das in der Ablautstufe 
mit abg. severz, übereinstimmt, wenn aus "Iceweros herzuleiten. — 5. Lat. 
interficio: Bedeutungsparallele ist episches antar-hitas 'verschwunden', 
Folgezustand aus 'dazwischen gesetzt' [zum Euphemismus vgl. auch in- 
terimo und intereo neben pereo]. 

124. Persson, P. Zur lateinischen und griechischen Wort- 
forschung. KZ. 48 (1917) 121 — 136. 

1. Lat. arma: nicht zu arcere (so neuerdings Hartmann, Glo. 4, 
157 f.), sondern nach wie vor zu äpaptaxo». armarium = Raum für arma 
ijm Sinne von 'Geräte aller Art'); die Bedeutung 'Schutzwaffen' wurde 
vorherrschend im Gegensatz zu den tela als Angriffswaffen. — 2. disertus 
nicht = dis -\- ar(c tus 'eng' mit Hartmann, sondern nach wie vor zu 
disserere, vgl. die Schreibung diss- und die älteste Bedeutung 'klar, deut- 
lich', die sich aus der Grundbedeutung 'auseinandergereiht, auseinander- 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 37 

gesetzt* gut begreifen läßt. — 4. littera: nicht Entlehnung aus bif&ipa. 
(lautlich und semasiologisch unbefriedigend), sondern auf Grund eines 
Stammes *leitos- litos-, Grundform *leitesä oder *Utesä zu Uno, Bedeutung 
'Anschmieren, Angeschmiertes', dann 'Schriftzeichen, Buchstabe' (?). — 
5. rörärii nicht auf Grund eines *röräre 'rennen', sondern von *rösä rörä 
'Schwung, Wurf': gr. e-purfj. — 6. vorsus versus in der Bedeutung 'Furche, 
Ackermaß, Linie, Strich, Reihe, (Vers-;Zeile' zu verto, was durch Bedeu- 
tungsparallelen gestützt wird (nicht zu verro mit Walde 2 ). — 7. ve-stigium 
= ve 'herab, nieder' Wz. steigh- 'das Niedertreten (mit dem Fuße auf 
den Boden)', 'der Teil des Fußes, mit dem man tritt (Fußsohle)', 'die 
Spur, welche der niedergesetzte Fuß hinterläßt', ve-stibulum = 'abge- 
trennter Standort' (zur Bildung vgl. ad in agnomen, nicht auf Grund eines 
*vestäre 'abseits stehen' oder = 'vom Hause abgesonderter Platz', da 
stabulum nicht = 'Haus'; vgl auch No. 123). 

125. Petersson, H. Beiträge zur lateinischen Etymologie (Fort- 
setzung). Glo. 8 (1916/17) 70-77. 

2. pänus: Unter Abweisung der bisherigen Erklärungen, auch der 
Perssons (als *pank-no-: poln. pqk 'Knospe', pek 'Bündel'; vgl. abg. pqgy- 
ai. puüjas, Wz. nach Peterss. *pungo- bzw. *pung-) als *pä(v)-nos: lett. 
pauns 'Schädel', pauna 'Ranzen', gr. Tcrjpa. Wzform *päv- neben *pev(a)- 
wie auch in pa-päv-er 'Mohn', squäma aus *qsvä-mä : 4üw, ai. ksurä- 
usw., novücula? — 3. cumerus, cumera als *qomesos : ai.kamsäs 'metallenes 
Gefäß, Becher, Schale' (dazu auch cämasas 'Trinkschale' und carnüs 
'Schale, Truppenabteilung'?). 

126. Lindsay, W. M. Etyma latina. Class. Eeview vol. 31 
(1917) 125—130. 

1. Rubra Canicula. Hör. Sat. 2, 5, 39 „seu rubra Canicula findet 
infantes statuas". Alte Schulausgaben erklären rubra canicula als „robigo" 
oder „aerugo". Augustin, Anm. zu Psalm 77, 27 „rubigo occulte nocet; 
quam etiam aeruginem nonnulli interpretati sunt, alii caniculam." Canicula 
stand vermutlich in einer vor-vulgat. Übersetzung von Ps. 77, 46 (eoojxe 
rj7 epuatß-jj töv xaprcöv autcJüv) vgl. Martin der Ire in Goetz, Corpus Gloss.vol. II 
556, 50 — 51: Kove?: canes, 'EpcoüßTj: canicula. Mit Ausnahme von 554, 
21 — 555, 31 ist das Glossar Martins eine Komposition von Septuagint.- 
Griech. und Itala-Latein. 2. Egones: Sacerdotes Rustici, konjiziert agones 
für egones. Hss. des Festus bieten (oder boten) egonus 304, 11 und 9, 20. 
Agonia (-um) usw. sind sämtl. sakral und verwandt mit dem Marrucinian. 
agine. «The prevailing etymology in Varros' time (and later) was the 
question of the ,popa' before slaughtering the victim: agon?, am I to 
despatch" (cf. Ovid. Fast. I 319 ff.). Siehe Thes. Lat. s. v. ago, -önis. 
3. Bovinator. Gellius' (Noct. Att. II, 7, 7). Erklärung des Wortes als 
„tergiversator" beruhte auf bloßer Vermutung (a mere guess). Verf. 
stellt ein stemma glossarum auf, woraus hervorgeht, daß die Glossen 
„tricosus, inconstans" des Placidus-Glossars auf einem Irrtum beruhen. 
Bovinari heißt conviciari, „to bellow abuse" und Bovinator, ein arca£ 
EtpY][AEvov bei Lucilius, conviciator oder clamans. 

127. Brugmann, K. Lat. aemulus, aequos, imitärt, imägo, griech. 
atya, aköc, got. ibns. LF. 37 (1917) 155-163. 



38 Bibliographie des Jahres 1917. 

aemulus ist von imitärl imägo zu trennen, da das m nicht wurzel- 
haft, sondern suffixal sein dürfte. Es gehört zu ae-quos, gr. atiro? a?irü<; 
(dagegen ist osk. aikdafed, umbr. eikvasatis eikvasese und ai. ikdh 
'unus' fernzuhalten), die erwachsen sein sollen aus der Wortgroppe *äi qpe 
[*äi — uridg. pronominales Adverbium 'in der Lage, in dem Fall, so', gr. «I, 
ai. äi-sdmah' heuer, dieses Jahr'; im zweiten Bestandteil dürfte verstärkendes 
que vorliegen wie in nee, quis-que, da von -quo- als idg. nominalstammbilden- 
dem Formans zurzeit noch abgesehen werden muß). Bedeutung: 'in dem, 
in demselben, in einem befindlich oder verlaufend ', vgl. ultya. 'gleich, plötzlich, 
jäh', aiTto? 'jäh, steil, hoch oben'; deutsch eben, aemulus aus *äi-mo-lo- 
mit dem Superlativformans -mo- und dem 7-Formans von primulus, also 
= 'mit einem ganz gleich zu tun sich bestrebend', wobei die Priorität von 
aemulus gegenüber aemulärl offen gelassen wird. Dagegen enthalten imitärl 
imägo ein anderes Pronominaladverb *im (bzw. *em, vgl. em 'tum' Paul. 
Fest., wenn got. ibns usw. aus *em-no-; imitärl dann vokalharmonisch für 
*emitän), sodaß im-itor gebildet wie com-itor, im-ägo wie ind-ägo (eine 
zweite Möglichkeit wäre die Zugrundelegung eines *imo-s, *imä als Ab- 
leitung aus dem Pronomen is id, wobei imitärl Iterativum zu einem aus- 
gestorbenen *imäre wäre, dazu imägo wie vorägo neben voräx vordre). 
Got. ibns usw. aus *im-no-, event. *em-no-, 

127a. Brugmann, K. Zu den Wörtern für c heute', 'gestern', 
'morgen' in den indogermanischen Sprachen. Ber. Sachs. 
Ges. d. W. 1917. Leipzig, Teubner. 34 S. 8°. 1,20 M. 
Bespr.: E. Hermann, BphW. 39 (1919) 121—123. 
S. 7 f . : bleibt für hodie gegen Sommer u. a. besonders aus chrono- 
logischen Gründen bei seiner früheren Deutung als Stammkompositum 
*ho die (ebenso dann auch hörnus aus *hö-iör(o)-). — S. 20 mäne ent- 
weder zu mänus mit dem Grundbegr. 'rechtzeitig': einerseits 'frühzeitig, 
früh', anderseits 'reif' (maturus) oder unter *marksni : gr. u.op'fv6<; 'dunkel- 
farbig'? — S. 29 ff. : cras fal. cra ~ ai. svdh, Grundf. kvrs, darum urit. 
*kvräs (s. dagegen Hermann a. a. 0. 122) oder event. zu crassus (so 
Wharton), aber als Gen. Sg. *crat(es) oder *crüt{o)s eines Wurzelnomens 
*crat-, wenn nicht von erüs mäne auszugehen, wobei cras Neutr. wie 
ferens duplex usw. 

127b. Kluge, Fr. Etymologien. PBB. 41 (1916) 180-182. 

No. 7. cras = mit ro- gebildetes Adj. ök-rö-s 'schnell', während 
ai. svdh = Nullstufe zu umöc, = äsüh? 

128. Bruch, J. Lat. farfarus 'Huflattich'. Glo. 8 (1917) 
238—240. 

farferus, später farfarus, soll von umbr. *farfa 'Bart', nach den 
unterseits behaarten Blättern benannt, herstammen, farfenum aus *far- 
fesnom, vgl. verbena? farfugium (-«-? Einwirkung von tussilägo, febri- 
fugia?). 

129. Wessely, C. genu, genus. WklPhil. 34 (1917) 377—378. 

Will beide Worte miteinander verknüpfen, da auch als Parallele 
slav. koleno, russ. koleno beide Bedeutungen ('Knie Knoten', 'Geschlecht 
Generation') miteinander vereinigt. 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 39 

130. Birt, Th. Die Germanen. Eine Erklärung der Über- 
lieferung über Bedeutung und Herkunft des Völkernamens. 
München, Beck. 1917. VI, 124 S. 8°. 4.50 M. 

Bespr.: B. Bitschofsky, BphW. 38 (1918), 198—205. 

Gibt hier die seinerzeit in Aussicht gestellte wissenschaftliche Be- 
gründung seiner These 'die Echten'. Das Wort, das zuerst in festem und 
allgemein rezipiertem Gebrauch bei Gäsar vorkommt, soll aus Posidonius, 
der auch das Subst. Germania schon gebildet haben soll, stammen, und 
zwar zuerst von den Cimbern und Teutonen gebraucht sein. Die Er- 
klärung des Namens 'die echten Kelten' (Yvrjotot TaXatat) findet sich bei 
Strabo und soll nach B. aus Posidonius stammen. Ähnlich wird eine 
Seneca- und Diodorstelle interpretiert sowie als Parallele die Pliniusstelle 
nat. 3, 25 von den spanischen Oretani qui et Germani verwertet. Nach 
eingehender Erörterung der Tacitusstelle Germ. 2 kommt B. zum Schluß- 
ergebnis: der Name soll ca. 120 v. Chr. noch vor den Cimbern und Teu- 
tonen von römischen Kaufleuten den Eburonen, dann den übrigen Ar- 
dennenvölkern auf der linken Rheinseite beigelegt worden sein. Vgl. Nr. 131. 

131. Hartmann, F. Germanus. Glo. 9 (1917) 1—32. 

Faßt Germani wie Birt (noch vor dem Erscheinen von dessen 
Buch) als die 'echten, reinen Kelten' unter eingehender, z. T. mit Birts 
Darlegungen parallel gehender Behandlung der antiken Stellen, besonders 
Tacitus, und Versuch eines Nachweises der in den einzelnen Büchern von 
Cäsars bell. Gall. sich erst entwickelnden Auffassung von Name und Volk. 
S. dagegen E. Norden, Röm.-Germ. K.-Bl. 1917, 161 Anm. 2. 

132. Norden, E. Der neueste Versuch zur Deutung des Ger- 
manennamens. Germania (Röm.-Germ. K.-Bl.) 1 (1917) 
161—168. 

Eingehende "Widerlegung der Birtschen Gedankengänge von philo- 
logischer Seite in der Forderung gipfelnd: Zurück zu Müllenhoff! N. 
zerpflückt das Birtsche Material schonungslos und weist überzeugend nach, 
daß Birt die einschlägigen antiken Stellen falsch interpretiert hat. Die 
Einzelheiten dürfen hier unerwähnt bleiben, da sie z. T. in die nach der 
philologischen Seite hin abschließende Behandlung der Präge in der 
Akademieabhandlung Nordens 'Germani. Ein grammatisch-ethnologisches 
Problem', Berl Sitzungsber. 1918, 95 ff., übergegangen sind, wodurch auch 
anderweitige gelegentliche Bemerkungen, so von H Philipp, Sokrates 6 
(1918) 50f. überholt sind. — Zur Wortbildung S. 164: Germanicus braucht 
keine griechische Bildung zu sein, sondern ist als Korrelat zu Galliens 
nach Hispanicus, Campanicus gebildet. S. 166: zur Frage der Iuxta- 
position bzw. Komposition bei der Benennung von Mischvölkern. 

133. Brugmann, K. EIPHNH. Eine sprachgeschichtliche 
Untersuchung. Sitzungsber. Sachs. G.W. 68 (1916). 

Darin unter den idg. Wörtern für 'Frieden' S. 11 f. auch 1. päx: 
seit Beginn der Überlieferung sowohl vom Friedenszustand in Land und 
Haus als von der Friedensstimmung, friedlichen und freundlichen Ge- 
sinnung (speziell von der Gnade und Gunst der Götter: seit Plaut., ~ 
umbr. pase tua in der Anrede an Gottheiten. Wz. päk- pä§- : com-päges 
pägus päclscor, umbr. päl. marr.-mars. pacri- (umbr. pacer = got. fagrs, 
ahd. fagar). In der Grundbedeutung hat sich päx mit pägus 'Verband, 



40 Bibliographie des Jahres 1917. 

Gau' wohl besonders nahe berührt: 'Zustand des Verbunden- und Ver- 
bündetseins von Menschen und Familien' (vgl. die Bedeutimgsentwicklung 
von Sippe im ahd. und ags. : 'Verwandtschaft, Sippenverhältnis'; 'Ver- 
wandtschaftlichkeit, Freundschaftlichkeit, Eintracht'; 'Friedenszustand, 
Friede'). — Vgl. hiezu noch Schulze, Berl. Sitzungsber. 1918, 493 2 (zum 
Nebeneinander von otium und pax; letzteres ebenso wie eip-nvif] zunächst 
nur von den zwischenstaatlichen Beziehungen, erst durch Übertragung 
vom Volks- und Landfrieden; vgl. ferner S. 498 4 pace . . . Dei Orosius 5, 6 
als Christianisierung einer altheidnischen Formel). 

134. Sütterlin, L. Lat. refert und interest. Festschr. E. Kuhn. 
Breslau, Marcus. 1916. S. 168—170. 

Kehrt zur Schulischen Auffassung (ALL. 2, 213) zurück: id meä 
re fert, aber nicht = 'vom Standpunkt meiner Sache bringt es etwas ein', 
sondern umgekehrt 'von meinem Besitz (Vermögen) trägt es etwas weg', 
'meiner Sache tut es Abtrag' (Subjekte wären danach ursprünglich, ent- 
gegen dem ganzen altlateinischen Gebrauch, tempestas, aqua, bellum, in- 
cendium). Damit kommt man aber wirklich nicht weiter. Die literarisch 
älteste greifbare Bedeutung ist vielmehr die: 'etwas ist sachdienlich, 
einträglich (vgl. fr. importe), zuträglich, von Belang', das beweisen die 
Synonyme usus est, Plaut. Epid. 166, usus poscit Mil. 809, ad te attinent 
Pers. 497. Im übrigen muß man sich mit den auffälligen Plautinischen 
"Wendungen abfinden quam ad rem istuc refert. cui rei retulit oder gar 
quae ad rem referunt (=^ attinent) Persa 593: diejenige Erklärung wird 
schließlich durchdringen, der es gelingt, diese offenkundigen Weiterent- 
wicklungen mit der gewiß recht langen Vorgeschichte der Konstruktion 
möglichst reibungslos zu vermitteln. — Ebenso widerspricht es dem tat- 
sächlichen Sprachgebrauch, wenn S. für interest von der Bedeutung 'es 
liegt dazwischen, ist im Spiel, steht in Frage' ausgeht statt von 'es ist 
ein Unterschied, verschlägt, macht aus': das beweist nicht nur das syno- 
nyme quid secus est aut quid interest Trin. 130. sondern auch das tran- 
sitive Gegenstück interduo, vgl. Most. 407 pluma haud interest patronus 
an cliens probior siet mit Rud. 580 eluas tu an exunguare ciccum non 
interduim (Trin. 994). 

135. Zimmermann, A. Die Herleitung des Stadtnamens Roma. 
WklPhil. 34 (1917) 186—188. 

Bleibt gegen Schulze. Eigenn. 580, und Herbig, BphW. 36, 1440 ff. 
bei der Annahme Mommsens, Brugmanns u.a. als 'Stromstadt', zur Wz. 
sreu- 'fließen'; danach müßte natürlich etr. ruma Entlehnung von lat. 
Romanus sein, was eine Stütze finden soll durch eine gleiche Entlehnung (!) 
ins Griechische in 'Pä>p.ac Sozomenus bist. eccl. 2, 13, r Poup.ä? Inscr. Gr. 
in 3342. 

136. Hrozny, F. Die Sprache der Hethiter. Entgegnung. 
WklPhil. 33 (1916) 259—262. 

Darin S. 261 Vermutung Kretschmers: lat. (c)ubi wegen heth. 
kuicabi 'wo, wohin' nicht mehr auf *quu-dhei zurückzuführen, sondern 
auf das *-bhi, *-bhei des Instrumentals. 

137. Prellwitz, W. Lat. vftäre. KZ. 48 (1917) 153-154. 

vttäre = vi -{-itäre 'oft auseinander gehen', 'aus dem Wege gehen', 
daher der Plautinische Dativ; der Akk. nach (eßfugio zuerst bei evito 



J. B. Hofmann, IX. Italisch. 41 

[vielmehr devito, so schon Plaut. Rud. 168 und Enn. ; evitare erst Cic. 
und Catull]. Anschließend wird vitricus, viduus, dl-vido verglichen. 
138. Brugmann, K. Griech. xpjtai und lat. üütur. IF. 3 7 
(1917) 239—249. 

Die bisherigen Erklärungsversuche von utor, verzeichnet bei Walde 2 
863f., befriedigen z. T. schon der Ablautverhältnisse wegen nicht, z. T., 
und das ist ausschlaggebend, auch nicht vom semantischen Gesichtspunkt. 
Br. befürwortet seinerseits eine Verknüpfung mit der Wz. ei 'ire', aber 
nicht (so Fay und Speyer) als frequentatives Denominativ von *oi-to- : 
oIto?, dessen Zugehörigkeit zu elfu Speyer begründet hat: für diese An- 
nahme fehlt auf italischem Boden jeder Anhalt, wenn auch in einem 
lehrreichen Exkurs das t von oetor als irgendwie wurzelerweiterndes Ele- 
ment wahrscheinlich gemacht wird (hier operiert Br. scharfsinnig mit 
einer Umwertung von suffixalem stammschließenden t, das dann wurzel- 
haft umgedeutet wurde, in gewissen Formen der 8. Sg. d. Prät. bzw. Präs., 
was fürs Litauische und Irische ohne weiteres nachzuweisen ist, während 
Brugmanns Behandlung von vedisch (ti)dyäut allerdings sofort von 
Wackernagel, Sitzbr. Berl. Ak. 1918, 396 ff. Widerspruch erfahren hat). 
Br. sucht nun dem eigenartig festen o- Vokalismus der ital. Sippe oit- da- 
durch beizukommen, daß er darin ein Kompositum o-it- sieht (Präp. ö/e 
'nahe an, dicht bei, zusammen mit'), also = 'in Berührung mit etwas 
oder jemand kommen, sich an etwas oder jemand machen, sich befassen 
mit', was auch gestatte, den Akkus, nach utor als ursprünglich zu be- 
greifen, gleich dem von adeo, aggredior usw. Das i-Formans bleibt aller- 
dings ungeklärt, immerhin könne osk. üittiuf das lat. i-tio enthalten 
haben, vgl. auch iter, com-it- usw. Im Anschluß daran will Br. jetzt 
auch nltor nicht mehr zu cöniveo, Wz. kneigvh- stellen, sondern es als 
*ni-itor 'niederkommen' (humi nititur 'er faßt auf dem Boden Fuß') er- 
klären, wobei cönisus für connlsus dann durch Beeinflussung von cönlceo. 
— Die mediale Flexion von utor bleibt wohl auch bei dieser ansprechenden 
Etymologie noch zu erklären: comitor, das sich offenbar nach sequor ge- 
richtet hat, ist Denominativ und stammt auch wohl aus anderer Zeit. 
Ferner braucht man den Pessimismus des Verf. a. 0. 241 kaum zu teilen, 
daß sich über die Priorität der Kasusverhältnisse von utor aus der Über- 
lieferung nichts mehr ermitteln lasse: seit Langen, Arch. 1. Lex. 3, 329 ff. 
wissen wir, daß Plautus noch ganz regelmäßig den Abi. gebraucht (über 
30 mal), den Akk. nur beim Gerundiv: pallam utendam dare usw., ferner id 
quod etc. utor, dagegen findet sich der Akk. eines Nomens nur drei bis vier- 
mal in z. T. offenkundig interpolierten Versen. Der Instrumental (danach 
auch bei fruor, nicht gut umgekehrt) ist also wohl sicher ursprünglich 
(der altlat. Akk. nach abüti, wofür erst seit Cicero aus dem Simplex der 
Abi. wieder eingeführt wurde, zeigt dieses Kompositum früh der Analogie 
von ab— consumo verfallen); daran dürfte übrigens auch dieWiederauf nähme 
der Prellwitzschen Etymol. durch Hoffmann im neuen Heinichen : oiow 
'etwas mit sich tragen', 'sich mit etwas tragen' (!), also gleichfalls mit 
ursprüngl. Akk., scheitern. 

Vulgärlatein, Glossen, Romanisch. (Vgl. auch No. 56 a. 87. 126.) 

138 a. Abbott, F. F. The Pronunciation of a final Conso- 
nant when followed by an initial Consonant in a Latin 



42 Bibliographie des Jahres 1917. 

Wordgroup. American Journal of Philology vol. 38 (1917) 

No. 1. 

Eine Untersuchung auf Grund des Materials in Diehls Vulgär 
Latin Inscriptions und Audollents Definionum Tabellae. Assimilatorische 
Veränderungen iD Wortgruppen, m > n vor n, t, th, d, c, q, s, f, v wird 
in gewissen Kombinationen ausgestoßen. Ein prothetischer Vokal wird 
eingefügt vor sp, sc, sm, st und s bei vorhergehendem Konsonanten usw. 
138b. Carnoy, A. J. The Reduplication of Consonants in 
Vulgär Latin. Mod. Philology vol. 15 (1917/18) 159—180. 
138 c. Heubner, C. De belli Hispaniensis Commentario quae- 
stiones grammaticae. Diss. Berlin. 1916. 40 S. 
Bespr.: A. Klotz, BphW. 39 (1919) 673—676. 
Bekämpft die These des Vulgarismus für den Verf. des Bellum 
Hisp. gegen Köhler und "Wolfflin z. T. mit guten Gründen, aber vielfach 
zu mechanisch; er sieht fast nur Archaismen und Poetismen eines un- 
gebildeten, aber affektiert schreibenden Menschen darin. 

139. Liechtenhan, E. Sprachliche Bemerkungen zu Marcellus 
Empiricus. Diss. Basel, Werner-Riehm. 1917. VIII, 118 S. 

8°. 

Diese von Niederruaun angeregte Diss., die ein recht brauchbares 
Hilfsmittel zum Studium des Marcellus an der Hand der neuen Ausgabe 
im CML bietet, behandelt in Teil I S. 3—39 die Quellenfrage (nicht alle 
von Marcellus selbst genannte Quellen sind uns auch erhalten, von dem 
meist benutzten Scribonius sind auch noch andere nicht auf uns ge- 
kommene Schriften ausgezogen, weiter sind benutzt Plin. nat., Medicina 
Plinii und Ps.-Apul. herb.). IL Teil S. 40—109 Sprachliche Bemerkungen. 
1. zur Lautlehre. Vokalismus: nur dreimaliges lautus (wohl aus der Vorlage), 
sonst immer (in)lotus. cauliculus und coliculus in der Bedeutung 'Stengel', 
dagegen nur coliculus in der Bedeutung 'Kohl'. Vokalschwächung in 
Fremdwörtern: sandarica für sandaraca und glyceriza für glycyrrhiza. 
Synkope: panucla neben panicula, sablo(sus), asclaregia, porcacla (por- 
tulaca nur einmal aus Scribonius übernommen). Vokalisierung von Konso- 
nanten: fleuma (neben fleugma) regelmäßig für phlegma. Vokalprosthese 
in Fremdwörtern zeigt sich indirekt an den 'umgekehrten Schreibungen* 
sciatus für isch-, scharadas = eaydtpa?. — Konsonantismus: cl aus tl 
{porcacla, asclaregia), sp aus ps (sporicum, spimithum, sporori), s aus x 
{rames), Ferndissimilation (z.B. melidotum für melil-). — 2. Zur Wort- 
bildungslehre, Subst.: Deminutiva (darunter eine lehrreiche Häufigkeits- 
tabelle über die Verteilung der Formen auricula und auris), Nomina 
actionis auf -io, Verbalsubst. auf -ms (sorsus), Nebeneinander von -t(i)um 
-tr(i)um (frustrum, balaustrium), Kontamination: cancroma Kreuzung aus 
den (von Marc, nur noch aus den Quellen übernommenen, ihm selbst 
nicht geläufigen) Cancer und Carcinoma. Adjektiva: a) Ethnika, b) Stoff - 
adj. und zwar Ableitungen von Tiernamen (mit einer Häufigkeitstabelle 
hinsichtlich Stoffadj. und Tiernamengenitiv), von Pflanzennamen, sonstige; 
c) Suf fixwechsel : gewöhnlich pluvialis, dreimaliges pluviaticus aus der 
Vorlage, ebenso verhält sich terrestris zu terrenus. Adverbia, Verba com- 
posita. — 3. Zur Deklination, a) Stammbildung der Subst. : iecur iecoris 
iocineris aus den Vorlagen, b) analogische Bildung von Kasusformen 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 43 

(Nominative gliris iuglandis salis stirpis intercutis; glutinum glus und 
glut{t\is für gluten; ilium aus ilia, clystere aus clysteria). c) Gen. Plur.: 
ossorum neben ossunm, letzteres vielleicht aus der Quelle, d) Metaplasmus: 
Marc, deklinierte vas, Gen. vasi, Akk. vas, Abi. vaso. austeris neben 
austerus. — 4. Zur Syntax: Mischkonstruktionen, Zeitbestimmungen, 
Analogiewirkungen {oculorum causarius, vitae dubius; similare c. acc. nach 
aequare, opitulari c. acc. nach adiuvare). — 5. Semasiologisches (focus 
für ignis, verres für aper, Verba des Schluckens u. a.). — 6. Stilistisches: 
Pleonasmus, Inkonzinnität des Ausdrucks, sanguinis abundantia für 
sanguis abundans u. ä., Vermeidung des Gleichklangs. — Ein Stellen- 
und ein Wortindex beschließen die nützliche Studie. 

140. Heraeus, W. Zu den lateinischen Medizinern. WklPhil. 

34 (1917) 703—709. 

1. Plinius sec. 2. Gargil Mart. 3. Pelagonius. Darin: Belege für 
refl. se invenire 'sich zurechtfinden'. Gargil. Mart. S. 148, 10 Rose wird 
für überlief, glarantes ein sonst nicht belegtes glamantes oder gramiantes 
(~- glama und gramia 'Augenfluß') vermutet; ferner wird exochades 
("~ exochadium Marcellus) und autopyrus aus Garg. gewonnen. Belege 
für heteroklitisches ponfolica (neben pomphölyx) 'Hüttenrauch' bei Plin. 
sec. u. a. — austeris -e und sinceris ist gegen den Herausgeber bei Pela- 
gonius in den Text zu setzen, ebenso prode est, mask. populus 'Pappel*. 

— transit. calidare bei Pelagon. und Chiron, cauteritus (cauteriatus Ihm). 

— Belege für zusammengewachsenes aesusti (aesisti) u. a., für quique 
= 'qui'. 

141. Jeanneret, M. La langue des tablettes d'execrations 
latines. Revue de philologie 40 (1916) 226—258. 

Bibliographie. Introduction. a) les tablettes d'execration ou defixio- 
num tabellae. b) les tabelles latines. c) langue et style, d) importance 
des tablettes d'ex. lat. I. Phonetique. I. Yocalisme. 1. Voyelles. 2. Diph- 
tongues. 3. Syncope. 4. Apocope. 5. Prosthese. 6. Epenthese. 7. Con- 
traction. (= S. 1 — 30 seines gleichnamigen 1918 erschienenen Buches.) 

142. Wey, C. Glossarium Horatianum ex magnis glossariis 
bilinguibus reconcinnatum. Diss. Jena. 1915. 71 S. 8°. 

Geschlossene Horazglossen sind nur in den Gl. Latinograecae des 
Pseudophiloxenus (Corp. Gloss. II 3 ff.) verarbeitet; 3 Schichten zu unter- 
scheiden: a) mit lateinischem Interpretament, b) mit lateinischem und 
griechischem Interpretament, c) bloß mit griechischem Interpretament. 
Verhältnis zu den Gloss. Graecolatinae des Pseudo-Cyrill II 215 ff. (kein 
Abschreiben des letzteren, sondern beiderseitige Übereinstimmung auf 
Gemeinsames in den Vorlagen zurückzuführen) und den Horazscholien 
(Zusammengehen recht selten, was Alter und Wert des in den Glossen 
verarbeiteten Gutes erhöht) Im Hauptteil S. 16 ff. folgt die Rekonstruktion 
wobei in der Zurückführung auf Horaz Grade von Sicherheit bzw. Wahr- 
scheinlichkeit unterschieden werden. 

143. Lindsay, W. M. The 'Äbstrusa glossary' and the e Liber 
glossarum'. Class. Quart. 11 (1917) 119—131. 

144. Lindsay, W. M. Philoxenus. Class. Rev. 31 (1917). 



44 Bibliographie des Jahres 1917. 

145. Lindsay, TV. M. The Cyrillus glossary and others. Class. 
Rev. 31 (1917) 188—193. 

146. Lindsay, TV. M. Festus. Class. Rev. 31 (1917). 

147. Bruch, J. Lat, blatea, balatro und genues. brata. Glo. 8 
(1916/17) 83—85. 

Genues. brata 'Schmutz' aus *balatta (*barata, *braata), einer 
Kreuzung von *blatta (Nebenform von blatea 'Kotklümpchen') und balatro? 
blatea (als *baltea, Weiterbildung zu *balta) soll ebenso wie balatro (aus 
*bolä-tro) wegen des a für idg. o illyrischen Ursprungs sein wie *balta 
in alban. balte. nun. baltä 'Sumpf' usw., slav. bolto. 

148. Jacoby, Elfriede. Zur Geschichte des Wandels von lat. 
ü zu y im Galle-romanischen, Diss. Berlin. 1916. 80 S., 
4 Karten. 8°. 

Sprachgeographische Materialien zum galloromanischen Wandel lat. 
ü > y. Ergebnis: Die Annahme keltischen Einflusses ('Keltenhypothese') 
ist abzulehnen; die Verf. neigt mit Morf der Entstehung durch t-Umlaut. 
dann Verallgemeinerung teils durch begriffliche, teils durch lautliche 
Analogie zu. Die Anfänge des Umlauts von ü zu y sind vielleicht schon 
ins 3. Jahrh. (mit dem Abfall des auslautenden i) zu setzen. 

149. Wagner, M. L. Das Fortleben einiger lateinischer bzw. 
vulgärlateinischer Pferdefarbennamen im Romanischen, ins- 
besondere im Sardischen und Korsischen. Glo. 8 (1917) 
233—238. 

Eine Reihe von Pferdefarbennamen bei Chiron, Palladius, Isidor 
finden sich im Sardischen wieder, z. B. baggu 'rotbraun' = badius, mürtinu 
mit dem sardischen Lieblingssuffix -inu, vgl. murteus Chiron, kertnnu 
'isabellenf arbig' = cervinus, (i)spanu 'hellrot' = Spanus Chiron, marru 
'grau' aus *murnu *marinu vgl. murlnus Colum., Pallad., viuggu muzu 
'hellgelb' = mulleus, melinu 'falb' = mel(T)inus. 

150. Meyer-Lübke, W. Romanische Namenstudien II. Weitere 
Beiträge zur Kenntnis der altportugiesischen Namen. Wien. 
Sitzungsber. 184, 4 (1917) 83 S. 8°. 

Darin S. 30— 59: Die christlichen Namen. A) Biblische. B) Hi- 
storische. 1. griechische wie Adelphus Aegidius usw. 2. lateinische. 3. hy- 
bride: romanisch-germanische wie Grescimirus, Espanarigus, Pedregildus, 
Donadildi, und germ.-rom. wie Eldvigius Ermigius Nantidia usw. S. 56 
bis 59 die Suffixe: -änus selten, häufiger -iänus, -Inus (schon wohl vor- 
wiegend deminutiv), -idius, etr.-lat. -önius, -it(t)us, -imia, -entius, -ellus. 
S. 70 — 72 Beinamen und Doppelnamen, z. B. Maria Eedonda (= Eotunda), 
Vincentius Homeir. S. 72 — 83 Dunkle Namen. 

151. Cledat, L. Manuel de phonetique et de morphologie. 
Paris, Hachette. 1917. 

Bespr.: J. J. Salverda de Grave, Museum 25 (1918) 65—66. 
'Manuel des lois phonetiques de la transformation des mots latins 
en mots frangais et les consequences morphologiques de ces lois.' 



J.B.Hof mann, IX. Italisch. 45 

151a. Melander,J. Etüde sur magis et les expressions adversa- 
tives dans les langues Romanes. Diss. Uppsala. Uppsala, 
Almquist u. Wiksell. 1916. VII, 167 S. 8°. 

S. 8 — 34 das Lateinische mit einer Übersicht über die bisherigen 
Erklärungen. Die eigene lückenhafte Liste S. 24 ff., die den einschrän- 
kenden Gebrauch von magis — 'aber' als genau so alt und ursprünglich 
erweisen will als den ersetzenden (nach Negationen) = 'sondern', über- 
sieht, daß auch im ersteren Falle in der Regel der vorausgehende Ge- 
danke auch ohne ausgesprochene Negation verneinenden Sinn hat. Die 
Liste ist auch insofern unkritisch, als sie absieht von der (zunächst durch- 
aus freien) Stelluno des magis, von den Verbindungen magisque, ac magis, 
magis tarnen, sed magis, immo magis: hier ist auf Schritt und Tritt das 
verwandte potius zur Prüfung der gegenseitigen Beeinflussung heranzu- 
ziehen. Ahnliches ist zu sagfMi zur Liste 118ff. nisi (tarnen, tantum, 
quod) = 'außer', fr. se — non. 

151b. Brondal, V. Substrater og Laan i Romansk og Ger- 
mansk. Studier i Lyd- og Ordbistorie. Kjobenhavn, Gr. E. C. 
Gad. 1917. XVI, 215 S. 8°. 

Darin S. !33 got. baürgs, it. borgo. S. 138 schola im Germ, S. 139 
vadium got. wadi fr. gage, S. 142 mlat. plebire d. pflegen, S. 145 ml. 
graphio 'Graf', S. 151 taliare, germ. *taljan engl, to teil. S. 164 cymatium 
d. Gesims, S. 166 mlat. screuna 'Winterkammer', S. 171 damascena 
d. Zwetsche, S. 173 impotare dän. pode engl, to put. S. 185 Kebse *cap- 
itio 'Kriegsgefangene', u. a. m. 

Älteste Texte, Inschriften (vgl. auch Nr. 18). 

152. Grienberger, v. Zur Inschrift des Cippus vom Forum 
Romanum. 2. (Vgl. IF. 30, 210-215.) IF. 37 (1916/17) 
122—139. 

Berichtigungen und Ergänzungen auf Grund einer längeren Unter- 
suchung von Papierabklatschen nach dem Wiener Gipsabguß des Cippus 
(doch vgl. auch die Lesungen und das Faksimile bei Ribezzo, Neapolis 1, 
174—193 und dazu Herbig, BphW. 35, 1033 f.; wichtig ist, daß die für 
Ribezzos Deutung ausschlaggebende Lesung in Z. 3 [sord- Rib., sorde 
Grienb.] auch von Gr. 126 f. wahrscheinlich gemacht wird). Einzelheiten : 
hök (hon[ce] Rib.) Akk. oder Abi. Sg. — Z. 4 [njoxagias, Kps. aus noxa 
und agere? ([pequ]niasias Rib.). — Z. 6 evam keinesfalls mit Comparetti 
umgekehrt als mave zu lesen: statt mävelit wäre vielmehr maxvelid zu 
erwarten. — Z. qvos kaum Nom. = got. hwas, lit. käs. — Z. 9 dialek- 
tisches hap- auch durch Rib. bestätigt. — Z. 11 dotaq. neutraler Akk. PI. 
mit o-Stamm anstelle des später allein bekannten i-Stammes? — Z. 13f. 
entweder qvoi ha velod : -volus oder dialekt. havelod wie früher trotz 
Meillet. — Z. 15 f. iovestod louqviod wie früher = 'nach dem Rechte des 
Haines' (quoi vouto[d] d[eicaved] Ribezzo). 

153. Zimmermann, A. Noch einmal die Duenosinschrift. 
Piniol. 74 (1917/18) 472—473. 

Nachträge zu seiner Philol. 26, 158 f. gegebenen Deutung. Den 
Anfang liest er jetzt io veisat deivos 'den soll ein Gott (mit strafendem 



46 Bibliographie dos Jahres 1917. 

Blick) anschauen', wobei er für veisat Dressel, Corp. XV S. 775 (nicht 575!) 
zitiert: aber die Abbildung im Corp. I 2 S. 371 (dazu Lommatzsch a. 0.) 
zeigt deutlich, daß der Strich zwischen dem =| und S kein Schriftzeichen 
sein kann; es muß also bei iovesat bleiben. — statod am Schluß soll 
3. Sg. Perf. Akt. = ' statavit ' sein, .,vgl. pedicaud für pedicavit, ital. amö 
für atnavit u (!). 

154. Zimmermann, A. Ein Beitrag zur Erklärung des Carmen 
arvale. KZ. 48 (1917) 151—152. 

Will wegen der sonstigen Imperative (auch sin sin liest er mit 
Ehrlich für sins) auch in advocapit ein advoca -\- pit = pete (vgl. pinna, 
compituml) sehen. Satur = Sator, sta verber transitiv = 'stelle die 
(Völkerlgeißel (fort)': die beste Widerlegung ist hier schon die Art der 
Übersetzung. 

155. Cocchia, E. SaliareNumae Carmen (continuazione e fine). 
Rivista indo-greco-italica 1 (1917) 255—270. 

156. Barone, M. Nota intorno alla Lex Spoletina. Boll. fil. 
class. 24 (1917) 57-59. 

157. Wissowa, G. Zum Ritual der Arvalbrüder. Herrn. 52 
(1917) 321—347. 

Erläuterung der neuen Arvalbrüderprotokolle aus dem J. 240 n. Ch. 
(Notizie degli scavi 1914 S. 466 f., Dessau, ILS. Nr. 9522) mit einer aus- 
führlichen Beschreibung des Maifestes der Priesterschaft. 

158. Cocchia, E. Intorno al Carme dei Fratelli Arvali (con- 
tributo ermeneutico). Riv. indo-gr.-ital. 1 (1917) 1—22. 

„Lavoro importantissimo che non si puö riassumere; e una critica 
qua e lä ,vivaee\ come la designa lo stesso Cocchia, degli studiosi prece- 
denti del famoso Carme. Segue „D monumento epigrafico", la ripro- 
duzione fotomeccanica della parte dell' iscrizione concernente U protocollo 
arvale del 2q maggio 218 d. C." (Riv. di fil. 45, 372 f.) 
1 58 a. Heraus, W. Zu Petronius und den neuen Arvalakten- 
Fragmenten Rh. Mus. 72 (1917) 41—51. 

Gewinnt durch die neugefundenen Arvalakten ein sangunculus = 
'geronnenes Schweinsblut als Gericht' auch für Petron. 66, 2 (saucunculum 
überliefert); eingehende Erörterung der Wortbildung (neben sanguiculus) 
und Bedeutung. — S. 48 ff : facinus term. techn. der Küche = 'farcimen' 
Arnob. nat. 7, 24. Act. arv. a. 240 II 19, u. ä. 

159. Vollgraff, G. De tabella emptionis aetatis Traiani nuper 
in Frisia reperta. Mnemos. 45 (1917) 341—352. 

Publikation einer 1914 bei Franeker gefundenen Wachstafel aus 
dem J. 116 n. Ch. (doch vgl. zur Datierung auch Roos, Mnemos. 46, 201 ff.), 
derzufolge ein Händler Gargilius Secundus von einem Friesen ein Rind 
um 115 nummi nach dem 'ius gentium' gekauft hat. Stelus Riperius 
friesische, Lopeteius Cesdius Lilus Duerretus (?) gallische, Erepus (== JSrpo), 
Lievus (= Lieice?) germanische Namen. 

160. Cuntz, 0. Ein Rescript des Septimius Severus und 
Caracalla über die centonarii aus Solva. Jahresh. d. Ost. 
Aren. J. 18 (1915) 98—114. 



J. B. Hof in au n. IX. Italisch. 47 

Ein römisches Gesetz auf Stein (Rescript des Sept. Severus und 
Caracalla aus dem J. 205 n. Ch.). gefunden Oktober 1915 auf dem Boden 
des alten Solva bei Leibnitz in Steiermark, über die beneficia der cen- 
tonarii (Feuerlöschbeamten) mit einem umfangreichen norischen Namens- 
verzeichnis, das den Romanisierungsprozeß bereits in einem vorgeschrit- 
tenen Stadium zeigt, da von den rund 100 Mitgliedern dieser damals 
freiwilligen Feuerwehr nur noch etwa 16 Mitglieder oder deren Väter 
keltische Namen tragen. Auffällige Formen: Z. 4 sanxum est = 'sanctum', 
6 praefito modo = ' praefato m.', 7 adibendum est = adh-. 

161. Egger, R. Eine Darstellung des lusus iuvenalis. Jahresh. 
K. Ost. Arch. J. 18 (1915) 115—129. 

Schildert unsere Kenntnis des Jugendbundes des norischen Vorortes 
Virunum aus den Denkmälern des 2. und 3. Jahrhunderts (Titel : iuventus 
Manliensium nach dem Vereinssitze, später collegium Manliensium oder 
iuvenes collegii Manliensium). S. 119 — 121: zur Bezeichnung gentiles 
= c sodales' mit dem im "Worte liegenden Begriff der Ingenuität, von den 
Angehörigen der guten Gesellschaft ein und derselben Stadt. 

162. Wigand, K. Die Nutrices Augustae von Poetovio. Jahresh. 
K. Ost. Arch. J. Beiblatt 18 (1915) 188—218. 

Vollständige Sammlung der Denkmäler dieses eigenartigen Mutter- 
kultes im Gebiete von Pettau. 

163. Gummerus, H. Roinerska krukmakarestämplar. Eran. 16 
(1916) 161—180. 

164. Corpus inscriptionum Latinarum vol. XIII 4. Inscrip- 
tiones trium Galliarum et Germaniarum latinae consilio et 
auctoritate academiae litteraruni regiae Borussicae editae. 
4. addenda ad partes primam et secundam. Berlin, Reimer. 
1916. 147 S. Nr. 11001— 11643d. Fol. 16 M. 

165. Corpus nummorum Italicorum. ed. Re d'Italia. (Bd. 7: 
Venedig). Mailand, Hoepli. 1916. 583 S., 20 T. Fol. 60 1. 

166. Riese, A. Bericht über epigraphische Veröffentlichungen 
seit 1904. IX. Ber. der Rom.- Germ. Komm. 1916. Frank- 
furt a. M., Baer u. Co. 1917. 115-147. 

Darin S. 145 vorläufige Veröffentlichung dreier Inschr. aus Trier 
mit der bisher unbekannten Göttin Ancamna: in h. d. d. Marti et An- 
camnae . . . posuit. 

167. Kaufmann, K. M. Handbuch der altchristlichen Epi- 
graphik. Freiburg i. B., Herder. 1917. 514 S., 253 Abb., 
10 T. Gr. 8°. 18, geb. 20 M. 

München. J. B. Hofmann. 



48 Bibliographie des Jahres 1917. 

X. Keltisch. 
A. Geineinkeltisch und Gallisch. 

1. Walde, A. Über älteste sprachliche Beziehungen zwischen 
Kelten und Italikern. Innsbruck, Wagnersche Buchhandl. 
1917. 77 S. 8 Ü . 2 Kr. 

Auf Grund wichtiger Übereinstimmungen zischen dem Gälisehen 
(Irischen) und Latinischen, zu denen der Besitz eines vollständigen De- 
ponentialsystems auf -r, das 6-Futurnrn, die Entwicklung der silbebildenden 
m. n und die Erhaltung des qu gehören, kommt W. zu dem wohl rich- 
tigen Schluß, daß Gälisch und Latinisch nur durch die frühe Abwan- 
derung der Latiner zu verschiedener Sprachentwicklung gelangte Ableger 
eines ursprünglich einheitlichen gälolatinischen Dialektgebietes sind, das 
mit deu benachbarten Dialektgebieten des Urbritaunischen und Ursabelli- 
schen besonders nahe verwandt war. Erst nach der Abwanderung der 
nachmaligen Latiner nach Süden verbanden sich die im Norden ver- 
bliebenen Teile der Gälolatiner mit den benachbarten Urbritanniern zum 
Keltenvolke. Viel später folgten die Vorfahren der Sabeller den Latinern 
nach: erst auf italischem Boden entwickelten sich dann die spezifisch ge- 
meinitalischen Besonderheiten. Die Begriffe „urkeltisch" und „uritalisch" 
sind somit erst für die sekundär entstandenen Völkergemeinschaften an- 
wendbar. Ursprünglich bildeten nur Latiner und Galen eine, untrennbare 
Sprachgemeinschaft. Es wird ferner der Beweis erbracht daß die Mediae 
aspiratae zumindest auf keltischem Boden tönende Spiranten waren, was 
für das Problem der Lenition äußerst wichtig ist. 

2. Charpentier, J. Die verbalen »--Endungen der indogermani- 
schen Sprachen. (Skrifter utgifna af K. Humanistika Ve- 
tenskaps-Sanifundet i Uppsala. 18 : 4.) Uppsala, A. — B., 
Akadeiniska Bokhandeln, Leipzig, 0. Harrassowitz. 1917. 
120 S. 8°. 3 kr. 25 öre. 

Behandelt zusammenfassend auch die italo-keltischen Verhältnisse. 
Im Exkurs I „Die absolute und konjunkte Flexion der keltischen Sprachen 
in ihrem Verhältnis zur indogermanischen Ursprache" wird dargetan, daß 
die konjunkte Flexion des Altirischen auf der Tatsache beruht, daß die 
Injunktivformen um eine Silbe kürzer waren, als die des Indikativs. 

2 a. Charpentier, J. Die ethnographische Stellung der Tocharer. 
ZDMG. 71 (1917) 347—388. 

Auf Grund der tocharischen medio-passivischen Konjugation mit 
-r sowie ethnographischer und historischer Untersuchungen, im Verlauf 
derer auch Kimbern und Kimmerier als Kelten in Anspruch genommen 
werden, kommt Verf. zu dem Schluß, daß die Tocharer „ein nach Zentral- 
asien verschlagener keltischer Stamm waren, die später in Baktrien ein 
eigenes Reich gründeten und denm die Sprache, die wir Tocharisch 
nennen, mit Recht zugeschrieben wird." [Unmögliche Hypothese !] 

3. Bruch, J. Eger. Z. f. Celt. Phil. 11 (1917) 205—212. 

Die älteste Form des Flußnamens ist Agira, das auch in Frank- 
reich (Aire) vorkommt. Dazu wird gestellt: *Agara, Name der Ager in 
Ober-Österr., ferner *Akra, heute Agger. Aus der wahrscheinlichen Glei- 



J. Pokorny, X. Keltisch. 49 

ohung kelt. ögrä „kalter Fluß* = germ. agra könne man schließen, daß 
im Keltschen (Pedersen I 125) lange Vokale vor Muta 4- Nasal gekürzt 
worden seien (?). So habe kelt. ogrä (älter ögrä) german. *akra > AcJcara 
> Agger ergeben. Eine kelt. Nebenform *ogarä sei germ. zu Agara ge- 
worden, das dann bayrisch durch Analogie zu Agira wurde; afrz. Agira 
wäre unrichtige Rücklatinisierung zu Aire (< *ogra). 
4. Baudis, J. Notes on the Preverbal Particles and Infixed 

Elements. Eriu VII[ (1916) 108-113. 
•5. Meyer, K. Zur keltischen Wortkunde. VII. Sitzungsber. 

d. kgl. pr. Akad. d. Wiss. 1917, S. 624—653. 

131. Ir. Adomncin = ad + omndn 'großer Schrecken'. 132. Altir. 
ossud 'Aussetzen' gehört zum Stamme suid-. 133. Altir. TJirc 'die Or- 
kaden' = uirc 'Schweinchen'. 134. eitim 'unvoi'hergesehene Gefahr', wört- 
lich 'Hineinfallen'. 135. Air. soirb, doirb gehören zu srib 'fließendes 
Wasser'. 136. Mittelkymr. mackicyf ist aus air. maccoem 'Knabenliebling' 
entlehnt. 137. Altir. oelscud 'innere Glut' aus *en-Ioscud. 1H8. Altir. 
medam 'Richter' zur Wz. med 'messen'. 139. Altir. lnudam 'Fahrer' zum 
Stamm luaid- 'bewegen'. 140. Altir. Li Ban 'Glanz der Frauen' 
141. Altir. cäirchaire ' Schafhirte '. 142. M'ttelir. madrogair 'Alraune' 
aus lat. mandragora. 143. Altir. dam-rai 'Hirschfeld'. 144. Fernassimi- 
lation im Irischen. 145. Altir. etched, etged, ursprünglich 'Ausflucht', 
später 'Vernachlässigung'. 14tf. Alt>r. Bö-guine 'Rinderschlächter'. 147. 
Ir. facht. 148. Mittelir. scacaim 'ich seie' aus anord. slalca. 149. Altir. 
Dimtna. 150. Fremdnamen im Irischen. 151. Ir. astarceist „exorcista". 
152. Altir. ar-üilim 'auferlegen'. 153. Kymr. giff-gaff) ein Jagdruf. 154. 
Besserungen und Erläuterungen zum Saltair na Bann. 

B. Irisch und Gaelisch. 

6. Verworc. M. Die angeblichen Runensteine von Biere. Ge- 
fälschte Ögham-Inschriften. Z. f. Celt. Phil. 11 (1917) 
305 — 307. 

7. Meyer, K. Über die Anordnung des Ogamalphabets. 
Sitzungsber. d. kgl. pr. Akad. d. AViss. 1917 S. 376—378. 

8. Meyer, K. Miscellanea Hibernica. Univ. of Illinois, Studies 
in Lang. a. Lit., Vol. II No. 4 (Nov. 1916) 1 — 55. 

I. Sualtaim. Der angebliche irdische Vater Cü Chulainn's, Sualte, 
Sualtaim oder Sualtach verdankt seine Entstehung der mißverstandenen 
Autfassung von Stellen, wie Cü Chulainn mac soalte „C, der wohlerzogene 
Knabe". 

IL Fer Diad the Nibelung. Fer Diad wird nicht nel ndatha „wohl- 
gestaltete Wolke" genannt; es handelt sich nur um eine Korruption von 
delenn ndatha „wohlgestalteter Stab (= H-dd)". 

III. Notes on Irish Metrics. 1. The alliteration and pronunciation 
of th. Irish th ist laut Zeugnis von Gedichten in der 2. Haltte des 
10. Jahrh. zu h geworden. 2. Rare debide- rhyines. 

IV. An Old-Irish Poem ascribed to St. Moling. 

V. Ancient Irish Poems with sporadic rhyme. 
Indogermanisches Jahrbuch. VII. a 



50 Bibliographie des Jahres 1917. 

VI. Philnlogical Notes. 1. Old-Ir. du f. 'earth, ground, place 
Beispiele d^r obliquen Kasus. 2. Old-Ir. comram, m. 'contest', komm 
nicht vom Stamme riad-, sondprn von räm 'Rudern', also ur.-prünglic 
'Wettrudern'. 3. O.-Ir. mör-fairgge f. 'great ocean'. Loths ZusammeD 
Stellung mit Cymr. mererydd ist zu verwerfen. Es handelt sich um ein 
Zusammensetzung mit mar 'groß', um Alliteration zu niuir 'Meer' her 
zustellen. 4. O.-Ir. firiime f. 'truth, righteousness'. Das nn erklärt sie 
durch Einfluß des vorhergehenden r. 5. O.-Ir. cfiach m. 'acup'. Dada 
Wort zweisilbig ist, kann es nicht mit lat. caueus identisch sein, sonder: 
ist eine -ach Ableitung von cüa 'hohl', älter caue, zu lat. cävus, usw 
•5. O.-Ir. su-astir 'having a pleasant journey'. So ist LL 4b 12 stat 
suastin zu verbessern. 7. O.-Ir. ll-ap 'd>vine ruler' ist eine Zusammen 
setzung aus hebräisch el „Gott" und ir. ap (lat. abbas). 8. O.-Ir. rlg-düi 
'royal fort' entspricht genau dem 'P^-öoouvov des Ptol. 9. O.-Ir. cet 'i 
is permitted, permission'. muß doch aus lat. licet gekürzt sein, da die 
häufig sogar ungekürzt in alten Texten vorkommt. 10. Old-Irish noun 
in *-ntl. Hierzu gehören binit f. 'Käsehib' (zu henaid 'schlägt'), scinni 
f. 'Kern' (zu scenn- 'fortspringen'), giritän 'Strandmondsclmecke' (zt 
ger 'brennen') und milgitän 'Kalbsinilch' (zu melg- 'Mdch erzeugen') 
11. O.-Ir. fonnam m. 'palpitation' geht auf fo-sndm 'Schwimm n, sie! 
rhythmisch bewegen' zurück, 12. O.-Ir. rodbo 'or' leitet auch das zw it 
Gli>-d der Alternative ein. 13. mac santla, mac samail 'one'slik-, fellow 
ist echt irisch. 14. A g netive construeuon in Irish poeti-y. 15. O.-Ir 
legam 'moth' zum Stamm leg 'to dissolve'. 16. O.-Ir. letin 'act of daring 
ist Verbalnomen zu ro-lamur. 17. O.-Ir. bordgal 'a famous resort : 
18. O.-Ir. anamthach 'soul-flight '. 19. Imperoonal construetions in Irish 
20. O.-Ir. nun, nö, 'nine times*. 21. Mid. Ir. frane.-mnus 'a Gaulisl 
mercenary'. 

VII. Not-'S on Irish texts. 

VIII. Not-s on Thurneysens 'Handbuch des Altirischen'. 

9. Pokorny, J. Beiträge zur ältesten Geschiebte Irlands 
1. Die Fir BoJg, die Urbevölkerung Irlands. Z. f. Celt 
Phil. 11 (1917) 189-204. 

Fir Bolg heißt „Hautboot-Leute", zu ir. bolg „Ledersa'-k. Haut- 
boot.'', germ. balg usw. Ein ir. bolc „Spalte" ist nicht zu belegen. 
Böig hießen ursprünglich nur die kl-inen, brünetten Urbewoiner. vor 
denen die einwandernden Kälten Gebrau h und Kenntnis d-r Hauibootf 
übernahmen. In späterer Zeit wurde ihr Name zur Bezeichnung ;ill i 
unterworfenen Vasallenvölker, gleichgültig welcher Rasse, verw ndet. 

10. Pokorny, J. Spuren von Germanen im alten Irland voi 
der Wikingerzeit. Z. f. Celt. Phil. 11 (1917) 169 - 188. 

Siehe 1. J. 1917, XI Nr. 59. 

11. Thürneysen, R. Altiriscb soad. Z. f. Celt. Pbil. 11 (1917) 
S. 212. 

Wohl zu sdith 'Sättigung', duad 'hardship'; ist dem neuir. sögh 
'joy, gladness' gleichzusetzen. 

12. Thurneyserj, R. Zur irischen Grammatik und Literatur. 
Z. f. Celt. Phil. 11 (1917), S. 308-312. 



J. Pokorny, X. Keltisch. 51 

1. Zu Morands Fürstenspiegel. 2. Zum Gedicht von St. Paul. 
3. Zum Feiire des Oengus. 4. didenach 'letzter* hat ebenso wie -dimea, 
-dillem langes l. 5. adiu, mittelir. Umformung von desiu. t>. Neuir. ßidir 
'möglich' ist aus mittelir. etir und dies aus air. setir (zu ai. sanöti) um- 
gebildet. 7. anacul' Schutz' ist wohl aus *anechtlon (vgl. gall. ANEXTLUS) 
entstanden, Wz. aneg + tlo-. 8. att 'Geschwulst' gehört zu kymr. addwyd 
'Geschwür'. 9. fairrge 'Meer' ist aus fairsinge 'die Weite* synkopiert (?). 
10. soi, doi sind Komposita von su-, du- mit ai „Dichtkunst". 

13. Sommerfeit, A. On the Form imparrd. Eriu VIII (1916) 
126. 

Analogiebildung nach dem Muster von *tinta : *tintarra. 

14. Bergin, 0. Irish Grammatical Tracts (vgl. IJ. IV Nr. 9). 
Eriu (Supplement) VIII (1916) 29 — 60. 

I. Introductory §§ 127 — 159. IL Declension §§ 1 — 11. 

15. Bergin, O. Old Irish conmbexid. Eriu VIII (1916) 160. 

Ist als con-m-berad ('daß sie empfangen würde') aufzufassen. 

16. Bergin, 0. Irish sind e seeks\ Eriu VIII (1916) 196. 

Der Stammvokal ist ursprünglich immer kurz. 

17. Pokorny, J. Zur Deutung des Futurums von altirisch 
agid. IF. 38 (1917) 115-116. 

Das Futurum zu agid 'treibt' lautet -ebla aus idg. *pi-pl%-t, eiae 
redupliziprte Bildung der Wz. i>el 'schlagen' m>t Konsonantenalternation 
p : b. Irisch -eil-, la- 'in Bewegung setzen' und das brit. -el- in den 
Supplativformen zur Wz. ag- sind daher zur Wz. pel, nicht aber zur Wz. 
el (äXaüviu, etc.) zu stellen. 

C. Kymrisch, Komisch und Bretonisch. 

18. Bodvan Anwyl, J. Geiriadur Cymraeg a Saesneg. Spur- 
rell's Welsh-Engüsh Dictionary. Edited by J. Bodvan 
Anwyl. With a Preface by the late Sir Edward Anwyl. 
Seventh Edition, revised and enlarged. Carmarthen, 
W. Spurrell & Son. 1915. XII u. 340 S. 8°. 3 sh. 

Dur- h N ubearbeitung des alten Wort- rbuches von Spurrell wurde 
hier zum ersten Male ein wirklich zuverlässiges Wörterbuch der neu- 
kymrischen Literatursprache geschaffen. 

19. Förster, M. Die altkornische Bearbeitung von Abt Aelfrics 
lat -altengl. Glossar. Archiv f. d. Stud. d. neuer. Sprachen 
u. Lit. 1917, S. 285—291. 

Nachweis, dnß die germanischen Bestandteile des altkornischen 
Glossars als richtige Lehnwörter aus dem Englischen zu betrachten sind. 

Berlin. J. Pokorny. 



52 Bibliographie des Jahres 1917. 

XI. Germanisch. 
A. Allgemeines. 

1. Michels, V. Über Begriff und Aufgabe der deutschen 
Philologie. Akademische Rede. Jena, G. Fischer 1917. 
26 S. 4°. 

2. Meillet, A. Caracteres generaux des Langues Gerrnaniques. 
Paris, Hachette 1917. XVI, 222 S. 

Populär. Inhalt: Phonctique. I. La mutation consonantique. 
II. Les consonnes intervocaliques. III. Le Systeme vocalique. IV. L'ac- 
cent d'intensite initial. V. Traitement de la fin de mot. — Couclusion. 
Morphologie. I. Effets des changements de la protonciation. IL Les 
alternances vocaliques. III. Changement du type grammatical. IV. Le 
verbe. V. Le nom. VI. Des mots accessoires et de l'ordre des mots. 
Vocabulaire. I. Les elements indo-europeens conserves. IL Les elements 
indo-europeens transformes. III. Les anciens emprunts. Conclusion 
generale. 

3. Kauffmann, Fr. Deutsche Grammatik. Kurzgefaßte Laut- 
und Formenlehre des Gotischen, Alt-, Mittel- und Neuhoch- 
deutschen. 7. Aufl. Marburg, Elwert 1918. VIII, 128 S. 
8°. 2.80 M. 

Vgl. LCB. 1918 Sp. 136; DLZ. 1918 Sp. 185 ff. 

Grammatik. 

4. Collitz, H. Der Ablaut von speiwan. Mod. Philology 
15 (1917/18) 103 — 1U7. 

Das lange l ist nicht aus ei kontrahiert, sondern ist idg. i, wie ü, 
in got. lukan, der 2. germ. Ablautsreihe. Der Name „Aori-tpräsens" ist 
irreführend, es handelt sich hier nicht um junge, aus andern Tempora 
abgeleitete Präsensstämme. Aind. -sthivati (3. Sg. Präs. mit betontem t), 
(abhi-)tistheva (3. Sg. Perf.), sthiv- (PI. Perf.), vgl. Böhtl. u. Roth unter 
sthiv, entspricht genau der got. Reihe -eno, -aiiv, -iw. Im Absolutiv ni- 
stMvya ist ehemaliges -iv- auf Grund des Präs^nsstammes durch -Iv- er- 
setzt. Dem -Iv- des Präs. entspricht tief stufiges -yü, z. B. Part. 
Pass. sthyü-ta-, im Germ, nicht mit Sicherheit nachzuweisen, jedoch idg. 
Herkunft, wie gr. ict6ü>, lat. spuo beweisen. Sie beruhen trotz des ab- 
weichenden Akzentes auf Verallgemeinerung der alten Tiefstufe spjü- 
(spuo <C *spjuo, wie her-i, gr. y&zz <C hjes-i, und wohl auch homo, gr. 
yß-ütv <[ hjomo). 

Lit. spiduju, spiöviau, spiäuti = aslav. pljutq, pljuti erscheinen 
hier in einer Reihe mit lit. bliduju, bliöviau, bliduti 'brüllen' = asl. bljuja, 
bljuvati 'vomere', lett. auju, lit. kduju 'schmieden' usw. Diese Ver- 
balklasse enthält Verben verschiedener Herkunft, Grundstock: Verb, 
mit -eu-, -ev- im Präs., -ü- im allg. Stamm (Leskien Archiv f. slav. Phil. 
V, 527 ff; Vondräk, Vgl. slav. Gr. I, 98., 104 ff, 172; II, 209). Aber 
beide Stämme haben sich vielfach gegenseitig beeinflußt; zugleich fand 
Mischung und Austausch mit andern Verbalklassen statt. Für Wechsel 
von -ev- mit -ü- vgl. aind. äva-ti 'fördern' Part. Pr. ü-td, Subst. v- 






W. Streitberg, XI. Germanisch. A, Allgemeines. 53 

ti-m 'Hilfe'; bhäva-ti 'werden', P. P. bhü-td- usw. Zu der Tief stufe *spiü 
wurde ein Präs. -St. *spieo(e)- = lit.-slav. *spiov(e) geschaffen, der sich 
(nur im Präseussystem) der J-Klasse anschloß: asl. Präs. pljuja = lit. 
spidnju. Der 2. (allg.) Stamm weist nunmehr asl. plju- = lit. spiau- 
auf. Die scheinbare „Wz. spicv" des Litoslav. ist das Ergebnis von 
Neubildd. Prät. spiöviau darf ebensowenig auf eine Wz. -form sp(li)iäv- 
schließen lassen: lit. -ev- > -av- führt zum Zusammenfall der Kl., wie 
sie im lat. caveo, cävl usw. vorliegt. Aber auch das o des lat. foves, 
fövi usw. erscheint als a. So wird überall im Prät. diejenige Art durch- 
geführt, wie sie sich im Germ, in der 6. Abi. -Klasse findet. 

5. Lindqvist, A. Vom Anlautswechsel str : r im Germanischen. 
PBB. 43 H. 1 (1917) 100—112. 

Sammlung der bisher festgestellten Fälle für str : r; neue Beispiele. 
Behandelt werden: ahd. sträng: ai. rasmi-; got. raupjan : ae. -striepan; 
mhd. strac : got. uf-rakjan (nasalierte Form dän. dial. strank : rank ' grade ') ; 
nhd. Strand: rand; norw. dial. rind ' Landrücken, Streifen': strind 'Kante, 
Streifen ', vgl. frons (*sront-) ; ström : norw. Raum-elfr u. ä. (vgl. auch deutsche 
Namen wie Raumbach, Rumbach usw.), hierher auch rahm 'Sahne' mit 
buier-österr. ä für ou, endlich stellt der Verf. auch Roma hierher (trotz 
W.Schulze); mhd. strüch, Strunk 'Strauch' : mhd. rüch 'rauh', dazu auch 
strüchön 'straucheln', vgl. holpern : frühnhd. holper 'uneben* u. ä. ; strüche 
'Schnupfen' s- Variante von mhd. riuhe, ruhe nhd. rauhe, rauche, von der 
Rauheit des Halses gebraucht. 

6. Schwentner, E. Zur Metathesis im Germanischen. PBB. 43 
H. 1 (1917) 113—125. 

Reiche Belegsammlung. Der Verf. behandelt 1. Kontaktver- 
setzung: I. ■>•-; IL 1-- III. r/Z-; IV. n-Metathese; V. Umstellung zweier 
Konsonanten. — 2. Fern Versetzung: I. Progressive und regressive; 
IL reziproke Fernversetzung. 

Im Gegensatz zu Brugmann (Grundriß 2 1, 69) nimmt Seh. mit 
Wechssler, Schröder und Sandfeld-Jensen an, daß die Metathesen dem 
gesamten Lautwandel gegenüber als Ausnahmen zu betrachten seien. 

7. Kock, Axel. Umlaut und Brechung im Altschwedischen. 
Lund und Leipzig 1916. Vgl. IJ. 5, XI Nr. 77. 

Bespr. von H. Collitz Mod. Lang. Notes 32 (1917) 40—44. 

Kock hat den Umlaut und die Brechung im Altnord, zu isoliert 
betrachtet. Rez. wendet sich gegen seine Anschauung von der Alter- 
tümlichkeit des Vokalismus in den Endsilben im Westg. und Nord, gegen- 
über dem Got. Wini, stedi etc. haben ihr i nicht von der i-Deklination, 
sondern es ist von den ja-Stämmen übernommen (Coli., Mod. Lang. 
Notes 20 [1905] 129-131). Für die Endung der 1. Sg. des schwed. 
Prät. ist zu vergleichen Rez. „Das schw. Prät und seine Vorgeschichte" 
S. 129 — 137, und für den Vokalismus der Stammsilben sein Aufsatz 
,,Segimar", J. E. G. Ph. 6, 253— 3U6, in dem er nachzuweisen versucht, 
daß das got. i gegenüber dem westg. e den urgerm. Standpunkt wahrt. 
Prof. Kock hat sich nicht mit diesen Arbeiten auseinandergesetzt; eben- 
sowenig mit L. F. Läfflers zu wenig beachteten „Bidrag tili läran om 
i-omljudet med särskild hänsyn tili tiden för den germaniska spraken- 
heten" (Nord, tidskr. for filol. og paedag., N. R. H, Kopenh. 1875-76). 



54 Bibliographie des Jahres 1917. 

Darin nimmt L. an : ih, üh, ir, ür > eh, er, öh, ör stamme aus dem 
Urgerm. uud weist Spuren im Nord, und Westg. nach. Zustimmend 
t. Borries, Das erste Stadium des i-Umlautes im Germanischen (Straßb.Diss. 
1887). Die got. Regel blieb auch im Westg.-Nord. bei einsilbigen Formen 
bestehen, mußte aber in mehrsilbigen Formen der neuen „Gleichge- 
wicht sregel" weichen. Bez. Aufsatz „Segimar" und Läfflers Arbeit ver- 
bunden, ergeben die einfache Regel: Der urgerm. Vokalismus ist im Got. 
erhalten. Im Nord, und Westg. kommt der Vokal der Stammsilbe dem 
der Endung halb oder ganz entgegen. Der „a-Umlaut" bewirkt i > «; 
ü > ö; der i-Umlaut e > i; 6 > ü der Stammsilbe, nimis und heran 
blieben unverändert: das Gleichgewicht war hier schon vorhanden. Ein- 
geführt aber wird es bei niman und beris > neman, biris. Einschrän- 
kungen dieser Regel durch kons. Einflüsse, namentlich durch Nasal -\- Kons. 
Rez. verspricht eine eingehende Begründung dieser Theorie. 

8. Sjöros, Br. Beiträge zur Kenntnis des Suffixes -ung, -ing. 
Neuphilol. Mitteilungen, Helsingfors. 1917. Nr. 1 — 4. 

9. Löwe, R. Der germanische Pluraldativ. KZ. 48 H. 1/2 
(1917) 76—99. 

Die Gleichung abg. temb = ae. dann aisl. peim ist deshalb anfecht- 
bar, weil tümi neben lit. tu eine offenbare Neubildung ist. Im German. 
ist die wu-Form des Dat. Sg. ebenfalls Neubildung: sie ist auf die Dialekte 
beschränkt, wo beim Adjektiv Dat. Sg. und Dat. PI. zusammenfallen; also 
ae. Dat. PI. huatum : Dat. Sg. M. N. hwatum = Dat. PI. däm : Dat. Sg. 
M. N. dam. Nach Schulze abg. temb : PI. temi = pqtbinb : pqtbini. — Um 
zu entscheiden, was dem germ. Dat. PL im Idg. zugrunde liegt, geht man 
vom Dat. PI. des Demonstiativums und der Zahl c zwei' aus. I. 1. Afries. 
ihäm mit van Helfen = lit. Dat. temus; Dat. tu-äm entweder mit v. H. = 
Dat. PI. Hwaimuz oder gleich der Dualform *twaimu (abg. dvema. lit. 
dvem). — 2. Awestsächs. dcem und dum, twä'tn und tiväm. Verteilung- 
der Formen auf die einzelnen Denkmäler: a) twam in der mittlem Partie 
der Sachsenchronik ist Dual neben dem Instr. PI. dccm; b) ähnlich der 
Orosius, wo neben däm twäm und twäm (dieses neugebildeter Plural) 
steht; c) in H. Dat. däm und Instr. d&m; seltneres twä>m neben tiväm 
wobl Neubildung nach dcem; d) die 1. Partie der Sachsenchronik hat 
twcp7n neben däm : daß die Richtung des Ausgleichs im ersten Fall um- 
gekehrt wie im zweiten war, liegt wohl daran, daß das ä von däm durch 
dära, ans w vom tiväm durch e von twegen gestützt war; e) erst in den 
jüngsten Teilen der Sachsenchronik gehen däm und twäm gleichmäßig 
nebeneinander her. — 3. Anglisch: dccm vorherrschend (neben jungem 
dän) gegenüber twccm. das nach Nom. M. ttvcegen und bes. nach Gen. 
M. F. N. twäga geschaffen ist. Nathumlr. auch twäm, die alte Pluralform. — 
II. Im Anord., wo -z als -r nach haupttoniger Silbe erhalten ist, ist das 
regelmäßige tveim der ältesten Hss. neben primr eine Dualform; jüngere 
tveimr ist Angleichung an primr. — III. Die got. Pluraldative lassen so 
wenig wie die meisten übrigen germanischen erkennen, ob Dat. oder 
Instr. zugrunde liegt. Dasselbe gilt von Aflims, Vatvims, urnord. borumr, 
gestumr, auch primr. Nur Saithamimi(s), wenn Lesung amd Ergänzung 
jtimmen (Jahrbb. des Vereins für Altertumsfreunde der Rheinlande Heft 89 
S. 231 f), bietet den idg. Instr. PI. in dativischer Funktion. — Dem germ. 
-mis entspricht ai. -bhis, ihm steht nahe urbalt.-slav. -mis. Im Dat. *-bhos: 



W. Streitberg, XI. Germanisch A. Allgemeines. 55 

-mus, *-7nos. 6Ä-Suffix fehlt auf ar. Boden im Sing., erscheint nur im 
Arm., wie -mi nur im Balt.-Slav. (nicht im Germ.). -?»- für -bh- alte 
Neuerung des Germ, und Baltoslav. : deutlichste Durchbrechung des 
Stammbaums, nach dem die idg. Sprachen in centum- und sa^m-Sprachen 
zerfallen, durch die Welle. Das m wohl aus bh entstanden, wohl durch 
Fernassimilation. 

10. Behaghel, 0. Zum Genetiv bei Adjektiven. PBB. 43 
H. 1 (1917) 153-155. 

Eine Reihe nur schwach flektierter Adjektive wie ahd. gero; wizzo; 
giloubo; adeilo, got. gadaila; skida; alaparba, aisl. parfe, purfe, ae. pearfa; 
got. usivena, ae. orwena u. a. m. regieren den Genetiv. Zwischen dieser 
Konstruktion und der schwachen Flexion besteht ein ursächlicher Zu- 
sammenhang: der ursprünglich substantivische Charakter dieser Worte 
fordert der Verbindung mit dem Genetiv. — Der Verf. vermutet, daß in 
den german. Koseformen der Ausgangspunkt für die schwache Flexion 
der Adj. zu suchen sei. Der Vokativ ist der Kasus, in dem die Kose- 
formen ihre eigentliche Stätte haben, und der Vokativ des Adjektivs zeigt 
im ganzen altem Germanischen die schwache Flexion. 

11. Behaghel, 0. diu mit dem Komparativ. PBB. 42 H. 2 
(1917) 288—295. 

l.Mhd. diu = deste ist nicht belegt. Von den angeblichen 12 Belegen 
für diu bieten zwei di, de, drei andere die; die übrigen haben die Heraus- 
geber eingesetzt. Dagegen ist dem md. und nd. Gebiet die Ergänzung 
des Komparativs durch den Instrumental — jünger die, di, de — geläufig. — 
2. Was bedeutet diu beim Komp. und dementsprechend das spätere des 
diu, deste? Es handelt sich nicht um einen Instrumenial des Maßes, 
wie bisher angenommen wurde. Die Sätze, die durch das anaphorische 
diu, deste, desto vor Komp. verbunden werden, stehen bis tief ins Nhd 
hinein nicht im Verhältnis der Vergleichung, sondern es gilt rein kausale 
(oder konzessive) Verknüpfung. Der eine Satz gibt an, weshalb oder 
welcher Sache zum Trotz im andern Satz die Eigenschaft komparativisch 
auftritt Beispiele aus dem Ae., As., Ahd., Mhd., Nhd. — Der Instru- 
mental hat ursprünglich zum Komp. gar keine nähere Beziehimg, sondern 
ist kausale Ergänzung des Verbs, hat einfach deshalb bedeutet. 
Vgl. aisl. pvi-at 'deshalb, weil', ae. py, das für sich allein zum Verbum 
treten kann, und in Otfrid V, 9, 43. Nachdem thiu in enge Beziehung 
zum Komp. getreten und in der selbständigen Verwendung neben dem 
Verb zurückgegangen war, wurde das kausale Verhältnis beider Sätze 
aufs neue durch es, thes, bi thiu verdeutlicht, und aufs neue ging d> nn 
thes engere Verbindung mit dem Komp. ein, so daß des diu, deste entstand. 
Hie vergleichende Bedeutung von diu — deste ist jung; Wulfilas hwe, 
managizö Matth. 5, 47 kann auch kausal gefaßt werden; ein ahd. Beleg 
dafür fehlt; im Mhd. nur ein Beispiel (Ludwigs Kreuzfahrt 4995) nach- 
weisbar: erst mit dem 17. Jh. wird sie häufiger. 

12. Holmberg, J. Zur Geschichte der periphrastischen Ver- 
bindung des Verbum substantivum mit dem Part. Praes. im 
Kontinentalgermanischen. Upsalaer Diss. 1916. IX, 241 S. 

Bespr.: Svensk humanist. Tidskr. I. 8. 



56 Bibliographie des Jahres 1917. 

Vorwort. Einleitung: Periphrastische und nicht-periphrastische Ver- 
bindungen. Verbales und adjektivisches Partizip. 1. Abschnitt. Kap. I. 
Die Verbindungen des Verbum substantivum mit dem Partizipium Präsentis 
im älteren Germanischen. A. Verbreitung und Beziehungen zum Latei- 
nischen (und Griechischen). B. Ursprung und syntaktischer Charakter der 
Verbindung. Kap. IL Gesichtspunkte für die Untersuchung der Weiter- 
entwicklung der Umschreibung im Kontinentalgermanischen. Kap. III. 
Partizipium Präsentis und Infinitiv in Verbindung mit dem Vt-rbuni sub- 
stantivum. 2. Abschnitt: Bibelsprache. Kap. IV. Hochdeutscb. 1. Mittel- 
hochdeutsch. 2. Neuhochdeutsch („Mit der luther'schen Übersetzung endet 
praknsch genommen die Geschichte der Periphrase in der hd. Bibelsprache'' 
S. 53). Kap. V. Niederdeutsch. Kap. VI. Niederländisch. 1. Mittelnieder- 
ländisch 2. Neuniederläi.disch. (gegliedert nach kath., luth. und reformierten 
Übersetzungen — Statenbybel). Anhang zum 2. Abschnitt: Die Verbindung 
esse -f- Part. Präs. im Bibellatein. 3. Abschnitt: sonstige geistliche Prosa. 
Kap. VII. Hochdeutsch. 1. Frühere mhd. Predigt. 2. Mhd. Mystiker. 3. Spätere 
hochdeutsche geistliche Prosa (bis zur Postille Luthers 1522 in Auswahl 
untersucht). Kap. VIII. Niederdeutsch. Kap. IX. Niederländisch. 
1. Frühere mnld. Predigt. 2. Mnld. Mystiker. 3. Spätere niederländ. 
geistliche Prosa (Untersuchung von Texten des 16./17. Jahrh.). 4. Ab- 
schnitt: Urkundensprache. Kap. XL Hochdeutsch, Niederdeutsch und 
Niederländisch. 5. Abschnitt: Sonstige weltlicne Prosa. Kap. XL Hoch- 
deutsch, Niederdeutsch und Niederländisch (I. Verwendung der Um- 
schreibung. IL [S. 211 ff] Einfluß des Lateins und der Urkundenspracbe. 
Formelhafte Umschreibungen). Literaturverzeichnis. 

In Kap. I. werden kurz die Verhältnisse im Ost- und Nordgerm, 
und im Ae. gestreift. 
13. Brugmann, K. Der Ursprung des Scheinsubjekts 'es' in 

den germanischen und romanischen Sprachen. Berichte d. 

Kgl. Sachs. Ges. der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 69. Bd. 

(1917) 5. Heft. 57. S. 

Das 'Scheinsubjekt' es (Name von J. Grimm) ist nur germanisch 
und romanisch. 2 Gebrauchsgruppen: 1. es der Impersonalien; 2. das 
syntaktische es (es kam ein Bote). In beiden Fällen der Gebrauch von 
es erst jünger; im Got. und Anord. fehlt er. Für das Verständnis des 
Scheinsubjekts wichtig, daß das Pronomen, das diese Rolle übernimmt, 
nichts anders als Pronomen der 3. Person, kein Demonstrativum, war. 
Daß es regnet gauz undeiktisch ist, zeigt die negative AVendung: es 
regnet nicht; es in es klopft ist gleichwertig mit dem es in es 
wird geklopft: beide sind völlig bedeutungslos. Es ist scharf von dem 
'Situations'-es zu trennen, jenem es, das aus der Situation seine Erfüllung 
erfährt. „Die oberste Bedingung für das Aufkommen des Impersonalien-es 
waren Sätze mit es, il, in denen dieses Pronomen als Subjektwort rededeik- 
tisch einen Vorstellungsinhalt vertritt, der. zunächst dem Bewußtsein nur 
vorschwebend, hiuterdrein in der Form eines abhängigen Satzes (meist 
eines konjunktionalen Nebensatzes) oder einer infinitivischen AVendung zur 
Ausspiaehe kommt, Sätze also, in denen es und ü nur 'präparativ' stehen." 
So nhd.es scheint, du irrst, es scheint, daß du irrst u. dgl. m. 
es steht sjTitaktisch gleich den pronominalen Nominativen wie er kommt 
gleich, der Meister, es dauert mich, das arme Kind. Wenn 



W. Streitberg, XI. Germanisch. A. Allgemeines. 57 

man unter Impersonalien subjektlose Verba versteht, sollte man also hier 
gar nicht von Impersonalieu sprechen. Man kann in Fällen wie es 
scheint, daß von 'gebundenen' Impersonalien sprechen im Gegensatz za 
den 'freien* Imp. wie es regnet. Wie die Vorausnahme eines Substantiv- 
begriffs durch ein Pronomen echt volkstümlich ist, so auch die Vorausnahme 
des Inhalts eines nachfolgenden Nebensatzes oder Infinitivs durch es. 
Wie im Lat. bei den gebundenen Impersonalien neben id auch hoe, 
illud stehn, so im Deutschen neben es auch das; auch kann die Voraus- 
weisung mittels eines Pronomens ganz unterbleiben. — Bei den 'freien' 
Impers. begegnet es schon seit ahd. Zeit, es ist entweder überall durch- 
gedrungen, kommt dem Verbum also in jedweder Satzart zu oder es kann 
unter gewissen, vom Satzbau abhängigen Bedingungen auch fehlen, vgl. 
mich friert neben es friert mich. Wohl die älteste, sicher aus idg. 
Zeit ererbte Klasse der freien Impers. sind die Verba, die Naturer- 
scheinungen bezeichnen. Hier ist es durchgeführt. Erst seit mhd. Zeit 
treten solche freien impers. mit durchgeführtem es auf bei Verben, die 
für gewöhnlich ein lebendes Wesen als Subjekt haben, z.B. es klopft: 
man bleibt hiermit bei der Bezeichnung des bloßen Geschehens stehn. 
Eine Abart bilden die Fälle, wo das Verb von einem Gegenstand etwas 
aussagt, z. B. es brennt. — Vermischung des nominativischen mit dem 
akku^ativischen und genetivischen es. ■ — Syntaktisches es: durchaus 
beschränkt auf die Stellung an der Spitze des Satzes unmittelbar vor dem 
Verbum. Erst seit mhd. Zeit belegt. Doch fehlte es damals durchaus 
bei den Reflexiven. Das syntaktische es erklärt sich, wie F. Kern schon 
ausgesprochen hat, aus dem Bestreben, den Satz nicht als Frage erscheinen 
zu lassen, sowie die Anfangsstellung des Verbums durch ein proklit. Wort 
zu decken. Es bedurfte nur eines kleinen Schrittes, um von es schmerzt 
mich, daß ich wund bin zu es schmerzt mich meine Wunde und 
weiterhin zu es schmerzen ihn seine Wunden zu gelangen. Zweitens 
kommt es vor Relativsätzen mit was als Ausganspunkt in Betracht. 
Ferner wird ein Einfluß von den schon seit ahd. Zeit üblichen Imper- 
sonalien wie es wird, es ist Tag ausgegangen sein. Als zum erstenmal 
Wendungen mit syntaktischem es aufkamen, muß es nur noch ein völlig 
inhaltloses Formwort gewesen sein. — Parallelen für den Vorgang, daß 
es nur in gewissen syntaktischen Verbindungen seine ursprüngliche Be- 
deutung eiogebüßt hat und dann auf andere syntaktische Verhältnisse, 
gewissen Gewohnheiten des Satzbaues zuliebe, übertragen worden ist. — 
Über das Fehlen des Impersonalien-es und des syntaktischen es an der 
Satzspitze. Hier handelt es sich teils um Ellipsen, teils (unter besondern 
Bedingungen) um Bewahrung alter Satztypen. — Das Scheinsubjekt der 
romanischen Sprachen. — Der Verfasser vermutet, daß die Entwick- 
lungen in beiden Sprachgruppen nicht unabhängig sind, daß Romanisches 
auf germanischen Boden und — in höherem Maße — Germanisches auf 
romanischen Boden übertragen worden sei. 

Wortkunde. 

14. Brondal, V. Substrater og Laan i Romansk og Ger- 
mansk. Studier i Lyd- og ordhistorie. Kopenhagen, G.E.C. 
Gad. 1917. XVI, 215 S. 



58 Bibliographie des Jahres 1917. 

Inhalt: I. Inledning: Sprog og Samfund. — II. Substrater: Sprog 
og Folk. — III. Laan: Sprog og Kultur. — IV. Slutuing: Sprog og 
Individ. 

15. Braune, Th. Über beginnen und seine sinnliche Grund- 
bedeutung. Zeitschr. für den deutschen Unterricht 31 (1917) 
17—22. 

Mit J. Grimm (D. Gr. 2. 310 f.) biginnan 'incipere', mfjrmwem'secare' 
xu an. glna 'hiare' usw. „Die Grundbedeutung 'gähnen', das heißt 'den 
Mund, den Rachen aufsperren und auf'tuu' gibt . . . auch eine Erklärung 
für den transitiven Gebrauch des ahd. in ginnan in der Bedeutung 'aperire, 
Sfcare', insofern man nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei andern 
"Wesen (und im übertragenen Sinne bei Dingen) den Mund oder Rachen 
aufsperren kann. Die transitive Bedeutung eignete sich insbesondere für 
ein mit der oft die Trennung bezeichnenden Vorsatzpartikel eilt- zusammen- 
gesetztes in-ginnan. 

16. Brugmann, K. Zu den "Wörtern für 'heute', 'gestern', 
'morgen' in den idg. Sprachen. Berichte d. Kgl. Sachs. 
Ges. d. Wissenschaften, Phil.-hist. Kl. 69. Bd. (1917) 
1. Heft. 34 S. 

Über got. gistra-dagis 'aop-.ov', aisl. i gär 'gestern, morgen', ahd. 
e-gestern, e-gestra 'nudius tertius; perendie' (S. 10ff.). D?r ahd. Beleg 
für 'perendie' scheidet aus; er beruht nach E. Sievers auf einem Über- 
setzungsfehler. — Aisl. nu eda i gär (Hamdirmäl 30, 3): entweder 
1. 'jetzt (heute) wie gestern' = 'irgendeinmal' ist im Anschluß an gleich- 
bedeutendes 'heute oder morgen' in 'jetzt (hente) oder gestern' verdreht 
worden oder 2. heute = in gegenwärtigen Zeiten; gestern = kürzlich: 
ehedem. Die erste Deutung ist mit Rücksicht auf neuisl. i dag og goer 
vorzuziehen. — Unklar ist got. gistradagis 'aöpiov*. 

morgen 'cras' S. 16 f. vgl. S. 21 : Mittag = Nachmittag, nächsten 
"gestern' S. 23. 

17. Brugmann, K. Über das Wort Düne. In der Abhandlung 
von J. Partsch Diinenbeobach hingen im Altertum. Berichte 
der Kgl. Sachs. Ges. d. Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 69. Bd. 
(1917) 3. Heft, lff. 

Von gall. -dunum zu trennen und mit Torp u. a. zu aisl. dyja 
'schütteln' ai. dhü- zu stellen. Bedeutung: 'Zusammengewehtes, Auf- 
gewirbeltes'. Auch $t: stellen Partsch und Brugmann hierher; Br. nimmt 
als Grundbedeutuüg 'Sandhaufen' an, wie Persson Beitr. z. idg. Wort- 
forschung (1912) 1, 44. 

18. Brugmann, K. Ahd. henna ags. lien. IF. 37 H. 5 (1917) 
249-253. 

Westgerm, henne aus urgerm. *hanenl durch dissimilatorischen 
Silbenverlust (wohl schon in urgermanischer Zeit) entstanden. Hierdurch 
dem Mask. gegeuüber selbstäadiger, daher seit Beginn der Überlieferung 
eine Nominativform auf -a : henna (wie sunta, gerta usw.). Auch bei 
der Durchführung des schwachen Stammes mann- dürfte derselbe 
dissimilatorische Silbenschwuud mitgewirkt haben. 






W. Streitberg, XI. Germanisch. A. Allgemeines. 59 

19. Brugmann, K. Lat. aemulus, aequos, imitari, imägo, 
griech. atya, aiTcos, got. ibns. IF. 37, 3./4. H. (1917) 
145-154. 

Got. ibns ist von dem zum Pronomen i- gehörigen Adv. i-m mit 
-wo- abgeleitet, wie oi-no-s, per-nn-s; Grundbedeutung: 'was in sich das- 
selbe, das gleiche ist, immer eins ist'. Wer wegen ae. efen nicht von 
t- ausgehen will, kann auch den Pronominalstamm e-jo- zugrunde legen. 

20. Goetze, A. Die Namen der Kirsche. Neue Jahrbb. f. 
d. klass. Altertum 39 (1917) 67 f. 

Prunus avium, die Holz- oder Vog^lkirsche, ist auf deutschem 
Boden heimisch. Ihren Namen, ahd. wlhsela, hat sie von dem Vogel- 
leim, den sie liefert, erhalten, vgl. gr. TiE,6$; lat. vis-cus, vis-cum 'Mistel, 
Vogelleim aus M>stelbeeren', ai. ves-ta- 'Gummi, Harz'. Das German. 
stimmt zum Griechischen. Von der Vogelkirsche ist der Name auf die 
Sauerkirsche übertragen worden, wie es scheint im 13. Jh. 

21. Hirt, H. Etymologien. IF. 37, 3./4. H. (1917) 
227—236. 

Hierher Nr. 6. Deutsch sehen: zu schauen = *sekic- : skou- 
scouwön voa Subst. *skowva mit «o-Verschärfung. Zur Grundform idg. 
*skowä vgl. •frooGv-oo?, got. un-skaus, *usskaus 'vorsichtig, nüchtern'. 
— 7. Deutsch Herbst. Ursprünglich die Jahreszeit, nicht die Ernte 
bedeutend. Grundform *karpistos (-.caipo), Superlativ; Bedeutung 
'(Monat) am besten zu schneiden, ernten'. Beweist gegen Meillet MSL. 
11, 7 Endbetonung des Superl. — 8. Deutsch freidig 'abtuinnig, flüchtig', 
aus idg. *pro-itios 'der fortgegangene'. Vgl. ai. pretih F. 'Weggehen, 
Flucht', pretya- 'nach dem Tode, jenseits'. 

22. Hummel, E. Fala{n)äwm = pälätum und ein alter Name 
des Himmelsgottes. Mitteilungen der Vorderasiatischen 
Gesellschaft. 21 = Orient. Studien, Fritz Hommel gewidmet 
(1917) S. 233—253. 

Faland (Hss. falado) soll gleich Vqlund, mhd. välant sein! 

23. Ihrig, R. M. Semantic development of words for c walk, 
run 5 in the Germanic language (Linguistic studies in Ger- 
manic). Chicago, University of Chicago 1916. 7 u. 168 S. 
S —.75. 

Unbrauchbar; vgl. Schönfeld Museum 24, 257. 

24. Jacobsohn, H. Got. baurgs. KZ. 48. H 1/2 (1917) 139 f. 

Neben der Verbindung mit i'ig. brflh- 'hoch sein' u. bairgan be- 
steht auch die Möglichkeit der Verknüpfung mit «ppaooco 'umzäune, 
umhege, schirme'. Idg. Wurzelnomen *bhrks. 

25. Kern, H. wese, gotisch wisi. Tijdschrift v. Nederland- 
sche Letterkunde 36 (1917) 160. 

Der Gegensatz der beiden Ortsnamen Wesemaal und Oostmaal in 
der Provinz Antwerpen erweist ein altes nieder!, toe.se für west. Mit 
diesem wese stimmt wisi- in Wisigothae überein. 

In Wesembeke liegt eine Superlativform loesemo vor, vgl. medemo- 
m Medemolaca; Wesendonk entspricht in der Gestalt des ersten Gliedes 



60 Bibliographie des Jahres 1917. 

dem got midjungards, dem as. middilgard zur Seite steht. Mit middel 
vergleicht sich Wesel, das seineu Namen der Tatsache verdankt, daß es 
wes'lich der Lippe liegt. Dieses wese- kommt nur auf einem eugum- 
grenzteu Gebiete vor. Gewöhnlicher, beinahe allgemein ist wester-. 

25 a. Frantzeo, 1. 1. A. A. Wese, got. wisi-. Tijdschr. 36 (1917) 
285-2ö9. 

Gegen Kern. Wezemaal liegt in Brabant, Oostmaal ist unbekannt. 
In der Provinz Antwerpen liegen Westmalle und Ostmalle. Wese- Wesen- 
in Ortsnamen soll germ. ivisa- und wese- ahd. wisa 'Wiese' enthalten. 

26. Löwe, R. Ags. ece. KZ. 48 H. 1/2 (1917) 99 f. 

Ae. acan 'schmerzen' : ä-(oq N 'Frevel, Blutschuld' ai. ägas 
'Sünde, Unrecht'. Das ae. Verbalabstraktum ece 'Schmerz' kann aus *dkis 
(got. *dkis) hervorgegangen sein und dem gr. ar^oc, entsprechen. 

27. Löwe, R. Ags. gerefa. KZ. 48 H 1/2 (1917) lOOf. 

Die Bedeutung von ae. gerefa 'praepositus, villicus, decurio, comes. 
procurator, dispensator domus, praetectus' ist dieselbe wie d>e von ae. 
groefa 'praeses' und ahd. gräfo, gräfio 'praeses, tribuuus, princeps militaris, 
procurator, comes'; die Vermutung, daß gerefa (u. etwa auch groefa, gräfid) 
zu ahd ruova aisl. -röf 'Zahl' im ur»pr. Sinne von 'Scharmeister' gehört 
habe, stimmt nicht zur Bedeutung von gerefa, groefa, gräfio. — gerefa hat 
mit got. gagrefts das ga- gemein. Im Got. könnte man ein *gagrefja, *ga- 
gröfja erwarten, dem ae. *yegroefa, gegrefa entspräche. Hieraus durch 
Dissimilation gerefa (vgl. awest. frä^räraye'ti neben fra-'[rä-[räye'ti 'er 
weckt auf'), groefa wäre dann, ebenso wie gräfio durch Haplologie 
eutstauden. 

28. Persson, P. Zur lateinischen und griechischen "Wort- 
forschung. KZ. 48 (1917) 121—136. 

Fürs Germanische kommen in Betracht: 5 rorarii: awestnord. rasa 
'einstürzen', nhd. rasen, ae. rces 'Angriff, Sturm'. — 7. got. steigan 
usw : lat. ve-stigium urspr. 'das Niedertreten'. 

29. Petersson, H. Germanische Worterklärungen. PBB. 
43 H. 1 (1917) 149 — 153. 

1. Urgerm. *ketua- (awnord. kjqt 'Fleisch'): armen. Tcolor 'morsel, 
part, crumb usw. ', Verb kotorel' to cut down ',ktrel 'to cut', aw. gada 'Wurf- 
keule', urspr. 'StückHolz'; ketua-aus idg. geduo- 'gespalten, geschnitten '.— 
2. Urgerm. uaisandi, -tindi (&e. wüsend 'Luftröhre' ahd. weisunt ' Ader' usw.) 
Zu -undi vgl. got. hulundi. Grundbedeutung wohl 'Röhre'. Bedeutungs- 
entwicklung wie bei tuba (Prellwitz BB. 22, !06); ae. peote 'Wasserrohr': 
peotan, pütan usw. Zu vergleichen abg. viskati 'wiehern' usw., vielleicht 
kymr. chwythu 'blasen'. 

30. Prellwitz, W. Lat. vitäre. KZ. 48 (1917) 153 f. 

Idg. vi (das in lat. mtare aus *vi-itare steckt) findet sich in flg. 
germ. Bildungen : 1. got. wipra usw. — 2. widuwö. — 3. ahd. weiso. — 
4. anord. vldr 'weit' usw. (= ai. vltd aus *m-itä-, Part, von vi-\-i). 

31. Schröder, E. Studien zu den deutschen Münznamen. 
I Scherf. KZ. 48 H. 1/2 (1917) 141—150; 

Die lit. Belege reichen nicht über 1100 hinauf und sind bis gegen 
1300 wenig zahlreich. Es bezeichnet die kleinste Münze, das ' Minutum ' : 



i 



W. Streitberg, XL Germanisch. A. Allgemeines. 61 

daneben 'halber Pfennig'. In dieser Bedeutung hat es auf hd. Gebiet 
den helbeling, auf nd. Boden den halfling, halling ersetzt, von Westen 
uni von Südo>ten vordiingend. Das Lautbdd scerpf ist obd. Es begegnet 
in der Namengebung der Mei'owingerzeit. Deren Münznamen kennen wir 
aus dem Keron. Glossar. Hier fehlt scerpf; der Begriff scerpf ('/ 2 scaz 
oder Denar) wird durch scripuhis gegeben. Dieses gekürzt zu *scrip ist 
die Grundlage von scerp— scerpf. Zu *scirp aus *scrip vgl Schärpe, bayr. 
Schärpfe mhd. scerpe, schirpe, scJiurpe ' Pilgertasche' aus afrauz. escharpe, 
tsauerpe, das aus dem seit dem 8. Jahr hundert bezeugten merowingisch- 
lat. scrippum oder scrippa 'pera, sacoulus peregriuorum' stammt. 

32. Schröder, Edw. Sterling. Hansische Geschichtsblätter 1 
(1917) 1—22. 

Nicht nur Bezeichnung für eine Münze, sondern auch für Münz- 
gewicht und -art Es tritt als Name für den engl. Penuy bei den frz. 
Normannen und überhaupt bei den Franzosen seit der ersten Hälfte des 
12. Jahihunderts als esterlin auf, das auf engl' Sterling beruht. Dieses 
ist engl. Ableitung des griech.-lat. stater, das auch in der Vulgata e> scheint 
und ein Mütizge^icht bezeichnet. Verbreitung des Münztypus über Nord- 
frankreich, die Niederlande, Deutschland, Skandinavien bis nach Dorpat, 
über Südfrankreich nach Spanien und Portugal. Um 1200 in Köln erste 
deutsche Sterlingprägung. 

33. Schulze, W. Ags. hümeta. KZ. 48 H. 1/2 (1917) 136. 

Ae. hümeta : ahd. uuelihu mezu 'quomodo' (Ahd. Gl. 1, 766, 1) = 
ncenige dinga: neinincu diriku 'nullatenus' (Ahd. Gl. 1, 215, 28). 

Der durch das Got. als älter erwiesene Gen. partit. ist im Deutschen 
durch den korrespondierenden Singular kasus abgelöst worden, hü selbst 
noch nicht Adv., wie stets das kontinentale /raö'wie', sondern auch syn- 
taktisch ein richtiger Instrumental. 

34. Schulze, W. Zum ahd. Tatian. KZ. 48 H. 1/2 (1917) 150. 

thohunidaru 'tarnen' = ae. deahhivcedere; Isidor voller dhoh dhiu 
huuedheru, das zu aisl. pößöro (d. i. f/ö at hcöro) stimmt, dhiu und at 
begegnen sich hier in der Funktion wie beim Komparativ. Aisl. at hväru: 
ahd. thiu uuitharu, ae. aber hiv<edere, ohne Äquivalent für thiu oder at. 

35. Schwabe, H. 0. Germanic coin-names III. Mod. Philo- 
logy 14 (1916/17) 611-638 (vgl. IJ. 5, XI Nr. 30). 

Reichhaltige Zusammenstellung von Münznamen aus alter und 
neuer Zeit, nach dem Prinzip der Namengebung geordnet. 

36. Schwabe, H. 0. Etymological Notes. Mod. Lang. Notes 
32 (1917) 222—225. 

1. Ahd. fasti, festi : gr. xi]"(6q. Grundbed. von fasti ' arranged, 
compact', dann ' crowded; permanent' vgl. lat. pango, compingo, com- 
pactus, gr. TC-fj-fvou.'., dor. irapou-t, nr^öq, skrt. pajrä-h 'fe-t, derb, glän- 
zend'. Germ. *faysti-; fajsta- aus indoeur. *pagsti-; *pagsto. Fü> den 
Verlust des y vgl. jetzt Sverdrup IF. 35, 154ff. 2. Ahd. encho: 
skrt. ajd-h. Encho, 'bootes, agricola'; folg-enko 'satelles', mhd. enke 
'Ackerknecht'. Stamm *aukjan- durch Nasalierung von indoeur. V*a§- 
'treiben, führen'. 3. Ahd. warid, werid, aengl. to{e)arop, uearp 'Insel, 
Shore'. Germ. *warupa-, *waripa, von *uos-'\ ues- vgl. got. wisan, ahd. 
*vist 'Aufenthalt, Wohnort', Anord. vist id.-, skrt. väsati 'wohnt'; Avest. 



62 Bibliographie des Jahres 1907. 

varzhaiti, id.; apers. ä-vahanam 'Wohnplatz', bnchstäbl. 'firm land, a* 
shore or bauk, elevated land in wet plaoes, island'. Für die Bedeutungs- 
entwicklut'g vgl. got. staps 'Ufer, Gestade'; ae. stoef) 'bank, shore' etc. 
krimgot. st atz 'terra, land'; und ahd. stän, sten 'an einer Stelle sich be- 
finden, stehen, beharren', lat. sto etc. 4. Ae häma, ahd. heimo 'Heim- 
chen'. Nicht von ae. häm etc. 'Haus', sondern gerrn. *haimö ist eine 
Erweiterung mittels -m- von V*sk(h)ei 'sever, separate, cut', Vgl. skrt. 
chyätl 'schneidet ab', chäta-h, chitä-h 'abgeschnitten'; mir. scian ' Messer ' 
etc. Siehe Walde s. v. scio. Grundbedeutung also: 'biter, cutter, gnawer' 
vgl. mndl. myte; ae. mite 'Milbe, Insekt', ahd. rtnta 'Mücke'; got. maitan 
'hauen, abschneiden' etc.; weiter nhd. 'Schabe'. 

37. Taylor, Archer. OHG. Quecbrunno. Mod. Lang. Notes 
32 (1917) 48— 50. 

Grimms Auffassung als verjüngender Brunnen (D. Myth. 4 , 488, N. 3) 
ist nicht richtig. Der Glaube an einen solchen Brunnen ist altindischen 
Ursprungs und vor dem 12. Jahrhundert in Europa unbekannt. An allen 
Stellen, wo das Wort in ahd. Denkmälern belegt ist, bedeutet es „leben- 
diges Wasser", „sprudelnde Quelle". 

38. Thurneysen, R. Irisches. KZ. 48(1917)48—75. 

Hierher 11. irar 'Adler' aus *eriros : got. ara. — mikils zeigt. 
Suffixangleichung an Icitils. 

39. van Wijk, N. Ndl. mooi ndd. moi{e). KZ. 48 (1917) 156f. 

Urgerm. Grundform mauja- : Wz. mü-, meu(äx) 'waschen', vgl. abg. 
myti, Hpr. au-müsnan 'Abwaschung', lit. mdudyti 'baden' usw. Grund- 
bedeutung 'gewaschen', dann 'sauber, schön'; vgl. lautus. lötus 'sauber, 
nett' usw. 

Vielleicht mit Franck auch mouw 'Ärmel' hierher, das zu lit mduju 
'streife' gehört. Leskien Ablaut 303 identifiziert die Basis mau- 'streifen' 
mit der von mdudyti 'streifen, waschen' wie 'wischen, waschen'. 

40. Wood, Francis A. Etymological Notes. Mod. Lang. Notes 
32 (1917) 290-291. 

1. Germ. *and-drcdan. Gegen Torp, Nord. Tid. 16, 146 f. und 
Fick 3 4 , 102, nicht von *and-hredan. Es findet sich keine Spur von 
westg. *hrädan. Wogegen ae. on-, ä-dradan 'fear, dre*d', of-dreedd 
'afraid', as. an-drädan. ahd. in-trütan 'fürchten'. Wz. dhredh- 'be startled, 
fear', gr S-ptoaasi ■ (paßsl-cai ('fears'), s'vrpcua-Ev • Ixtvzixo (Asch.). 2. Nhd. 
lugen, ahd. luogen. Yerw. mit 'liegen'. Ableit. von ahd. luog, luoga 
'Lagerhöhle des Wildes, Versteck', ae. log 'place'; lögian 'place'; mndl. 
loech, loegen 'place, arrange'. Wie ahd. lägen, lägön 'auflauern', zu läga 
'Lage, lauerndes Liegen', vgl. gr. loyäm 'lie in wait', "kojpq 'ambush, 
lurking-place'. Für die Bed. entw. vgl. lat. insidior 'lie in ambush'; 
insidiae 'ambush'; insideo 'sit in or upon'; nhd. lauern, mhd. lüren 
'lauern'; Iure 'Lauer, Hinterlist'. 3. As. lökoian, mndl. loeken e'c, zu 
lugen mit k aus -ghn-. 4. Ahd. mand(a)tcäri (Tat), 'mitis, mansnetus*. 
Gegen Sievers nicht aufzulösen in man-dicäri, sondern in mavd-uäri. 
Für germ. *manpa-, 'mild, gentle', vgl. as. mädmmidi, ahd. mamuuinti 
'sanftmütig' etc. zu lat mänus 'bonus', immänis 'fierce, wild, monstrous'? 
Für germ. *weria- 'agreeing, frendly' altn. vcerr 'freundlich, angenehm, 



W. Streitberg, XI. Germanisch. A. Allgemeines. 63 

ahd. miti-icäri 'sanft', ala-icäri 'freundlich', got. un-werjan 'unwillig sein', 
ahd. ivära 'foedus', ae. ivcerr 'agreement, faith' etc. 

Germanisch-finnische Beziehungen. 

41. Wiklund, K. B. Die ältesten germanischen Lehnwörter 
im Finnischen. IF. 38 H. 1/2 (1917) 48—115. 

Eingehende Kritik von Kar.-tens Germanisch-finnis' hen Lehnwort- 
studien, welche die mannigfaltigen Fragen, die sich an die germanischen 
Lehnwörtei knüpfen, wesentlich fördert. W, behandelt die Lehnwörter 
aus der Zeit vor der Lautverschiebung, vor allem ihr Verhältnis zu dem 
finnischen Stufenwechsel. Von Entlehnungen vor der Verschiebung der 
Medien hält eine kleine Zahl von Belegen jeder Kritik stand. Schwieriger 
zu beurteilen sind di J Beispiele, die vor der Verschiebung der Tenues und 
Tenues aspiratae entlehnt sein sollen. Als gesich. rt dürfen die Fälle gelten 
kuokka r Erdhacke ': got. höha] reipas 'hurtig' : an. reifr\ riepas dsgl.: 
vorgerm. *grepios. Besonders wichtig ist harMo 'größerer Klumpen, 
Hänfen': an. hqrgr — hier findet sich im Anlaut verschobenes germ. 7i, 
im Inlaut unverschobenes -&-. Nur im Inlaut kann man übrigens im 
Finn. Belege für tmverschobene Tenues erwarten; im Anlaut sind sie von 
den entsprechenden germ. Spiranten meist nicht zu trennen. Unver- 
schobene Tenues im Anlaut scheint nur in finn. ka kko (neben harkkö) 
und in kuokka vorzuliegen. Unverschobene Media aspirata sieht W. in 
finn. rauta 'Eisen', läpp, ruovdde : aisl. raudi 'Sumpf <-isenerz'. Das Wort 
hat in allen läpp. Dialekten ein d oder ein daraus entstandenes t, das 
ursprünglich ist und nicht aus d entwickelt sein kann. Der zugrunde 
liegende nicht spirantische d-Laut kann aber nur idg. dh sein (ru- 
dhird usw.). Da das eigentliche Eisenalter nach Monfr lius in Südschweden 
um ööü v. Chr. beginnt, können die Finnen Wort und Sache kaum vor 
dem Anfang des eigentlichen germ. Eisenalters empfangen haben. Dieser 
chronologische Ansatz stimmt zu dem Karstens (197 ff). Die Lautver- 
schiebung h :t sich also zu einer Zeit durchgesetzt, wo das von Germanen 
besetzte Gebiet schon ungemein ausgedehnt war. 

Weit weniger altertümlich als der Konsonantismus der Lehnwörter 
ist ihr Vokalismus. Idg. o in der Wurzelsi'be scheint nur in olut 'Bier'f?] 
yoi zukommen; in zweiter Silbe ist dagegen o in weiterm Umfang er- 
halten iSetälä Herkunft und Ch>onologie S. 23 ff., Karsten S. 1 1 8 ff.;. W. 
sucht die läutere Erhaltung des idy. o von der Stellung des idg.- 
urgerm. Akzents abhängig zu machen. Ein sicheres Beispiel für den germ. 
Au-gang -os ist nicht vollenden. Von den Beispielen Karstens für i lg.- 
germ ei bleibt nur leiciskä 'Liespfund' übrig. — Über Endsilbeuvokale. 
— Über Namen. 

42. Lindroth, Hj. Onomatologiska anmärkningar til T. E. 
Karstens Germanisch-finnische Lehnwortstudien. Namn och 
bygd. Argäng 5 (1917) 19—52. 

Dpi* Verf. unterwirft den Namenstoff in der bedeutungsvollen Arbeit 
des Prof Karstens: Germanisch-finnische Lehnwortstudien, ein Beitrag 
zu der ältesten Sprach- und Kulturge>chichte der Germanen (= Acta 
BOcietatis scientiarum fennicae Tom. XLV Nr. 2), Helsingfors 1915, einer 
gen-.uen Prüfung, die ihm auf diesem speziellen Gebiet die Gelegenheit 
zu zahlreichen supplierenden und korrigierenden Bemerkungen bietet. 



64 Bibliographie des Jahres 1917. 

42 a. Karsten, T. E. Germanar och Finnar i spräkets belys- 
ning. Finsk tidskrift 77, 297 — 312. 

Überblick über die finn.-germ. Lehnwortforschuug. Ablehnung von 
E. Homburgs Anschauungen über die Besiedelung Finnlands. 
42b. Ojansuu, H. Zu den finnisch-german. Berührungen. Neu- 
philol. Mitteilungen, Helsingfors 1917, S. 18—23. 

1. finn. kynttiläusvr.: aschw. kyndel. — 2. finn. myyriäinen aus germ. 
*miuriö n ? — 3. vakoitta, vako K o)ja: aisl. vaka 'wachen'. 

Germanisch-romanische Beziehungen. 

43. Holthausen, F. Zu den germanischen Wörtern in Meyer- 
Lübkes romanischem Wörterbuch. Zeitschr. f. rom. Phil. 
39 (1918) 491—496. 

Verzeichnis einer größeren Anzahl von falschen Ansätzen germa- 
nischer Wörter in Meyer-Lübkes Werk. „Es wäre wohl gut, wenn der 
Verf. sich bei der Bearbeituug einer Neuauflage der (!) Mithilfe eines 
tüchtigen Germanisten sicherte." 

44. Bruch, J. Zu Meyer-Lübkes etymologischem Wörterbuch. 
Zeitschr. f. rom. Phil. 38 (i917) 676—702 — 39 (1917) 
200— 211. 

I. 2024 rom. *cofea c Haube' gehört zu dem echt germ. Kopf. — 
2466 hispano-rom. dammus nach got. *gama in sp. port. gamo 'Dam- 
hirsch' umgestaltet. — 26ö5 mail. skarpa(r) usw. wohl aus got. *skirpan [!] 
= ae. sceorpan 'schrappen'. — 2775 nd. drol echt germ., vgl. drol 
'Kegel, kl. dicker Kerl', norw. dial. drol 'kl. Kugel'. — 2H20 aatir aus 
wg. *hattjon. — 3083 etendard mit Falk-Torp zu standall zu stellen. — 
3 131 frz. faisil, fraisil : ahd. fesa 'Spreu'. — Hl 52 famnesche (aus *fal- 
tniska) ist germ. fal{a)wiska + flamm a. — 3174 ait. falago 'Farbe eines 
Pferdes' aus germ. falah. — 3207 frz. farder aus altndfrk. *fartcidön. 

— 3218 sp. hato port. fato aus got. fatt-, vgl. mhd. vetze nicht mit e\). 

— 3370 afrz. fliehe = flcche + flique (aus nocbmaliger Entlehnung von 
*flikka). — 351h afrz. frecenge (aus *fircinga) == ftrsking 4- farh. — 3651 
frz galerne 'Nordwestwind', vielleicht durch Suffixtausch aus *galenne, 
*galm, dän. gal. — 3707 nprov. gounie aus ndfrk. *gömo (bürg?). — 3831 
frz. gravir aus ndfr. *graipjan. — 3867 rom. grlm aus germ. grimm 
'zornig' und grima 'Maske'. — 3868 it. </7icrnitVc'pa«-ken' aus got. *kramm- 
jan [!] = an. kremia. — 3869 lomb. grintn, nicht = langobard. *grim- 
niida, sondern aus einer Form mit p entlehnt. * stammt von grlm. — 
4008 haterel, Ableitg. von andfrk. *hatt = ae. hatt 'Hut'. — 4040 mhd. 
hehnbarte echt germ. — 4157 mfrz. hobin aus me. lidbin. — 4166 frz. 
halot von andfrk. *hal. — 4222 afrz. hohe 'Hütte' aus liüba 4- *kobo 
'Verschlag'. — 4224 frz. huclier vielleicht *hükön mhd. hüclien. — 4244 
hürtäre 'stoßen' aus ndfrk. hürt = an. hrütr 'Widder'. — 4552 kein 
germ. *iska 'Zunder' mit Gundermann anzusetzen. — 4574 *jangulare 
ist germ. und gehört zu mnd. ndl. janken 'winseln', vgl. schwed. jangla. — 
4611 frz. jucher 'auf der Stange hocken' = norm, huclier 'hocken' + 
wallon. zok 'Hühnerstange'; huclier aus frk. *hükön. — 4627 morv. zope 
'mit geschlossenen Füßen springen' = hope -f- nprov jumplä; hope aus 
frk. *hoppön. — 4657 frz. cale ist nhd. keil mit Lautersatz a für ai. — 



W. Streitberg, XL Germanisch. A. Allgemeines. 65 

4671 champion =■ germ. kampjö, ahd. Jcempfo. — 4717 frz. crotte ist an. 
Lehnw. vgl. norw. dial. krota ' ein bißchen '. — 4735 frz. gulpe = deutsch 
kulpe, külpe. — 4751 frz. criquet 'schlechtes Pferd' aus nd. krilcke. — 
4760 lyon. s'akropir zu kruppa. — 4762 frz. accraser 'zermalmen' aus 
engl, craze. — 4777 frz. gringoller aus it. gringolare, das aus lang. 
*kringan = ae. cringan stammt. — 4786 afrz. erambir aus *krnmbjan. 

— 4864 afrz. label Ableitg.' von ndfr. *labba = nd. labbe 'hängende 
Lippe'. — 4967 ait. lerpo 'Augenlid' zu schweizer, lärpen 'Hängemaul'. 

— 4994 afrz. lige aus *liticus zu afries. litik bair. leizig. — 5103 it. 
loffio 'schlaff' zu ostfries. slofio 'schlaff' nd. sluf 'matt'. 

IL 5104 afr. lochier 'agiter' aus an. loka 'hängen lassen'; eslochier: 
schwed. sloka. — 5137 afrz. lucanne aus ndfrk. Hükinna 'Luke'(: \\o\i.luik, 
mnd. luk). — 5166,3 afrz. hensse statt eusse durch Angleichg. an hevsse aus ahd. 
heisa. — 5196 wg.* makön 'urspr. bauen, dann kneten'; davon frühestens 
um 500 n. Chr., nach der Erweichg. der zwischenvokal. Tenuis poitev. 
berrich. mase usw. — 5239 ndfrk. *maidanjan mhd. meidenen 'kastrieren' 
ergibt afrz. maaignier; dessen Vorstufe *ma-aniäre unter Einfluß von 
frk. *hamjan zu *ma-haniäre umgebildet, woraus afrz. mahaignier. ■ — 
5309 sp. manera 'unfruchtbar' zu mannus, vgl. tirol. menz 'unfruchtbare 
Kuh'. — 5357 Gundermanns Ansatz von germ. marhan 'treten' ist halt- 
los. — 5485 gall. molma geht mittelbar auf germ. mulm (ndl. nd. molm 
nhd. mulm) zurück. — 5594 Das pejorative frz. prov. mes usw. beruht 
auf germ. miss-. — 5595 kalabr. menna, minna 'Euter' aus *minäa : alban. 
ment 'sauge', ahd. manzön- — 5687 port. morno 'lauwarm, lässig' nicht 
zu got. maürnan. — 5722 *mükiäre eher kelt. als germ. — 5805 frz. 
nabot 'Zwerg' (seit 1549) nicht aus an. nabbi. — 5810 frz. goumable 
"Holznagel an der Schiffsverkleidurig' enthält ndl. gord 'Schiffsrippe'. — 
5815 frz. nantir 'pfänden' aus *namir (: an. näm) -f- garantir. — 5836 
frz. navrer, norm, naf're 'Wunde' : an. nafarr 'Bohrer' (wegen des boh- 
renden Schmerzes). — 5947 ait. noccola 'Knöchel' : langob. Entsprechung 
von nnd. knukkel usw. — 6086 sp. giiero, huero port. goro 'faules Ei': 
ahd. gor 'Dung, Morast' usw. got. gaur. — 6177 rom. *balta 'Sumpf' 
nicht aus dem Germ. 

45. Braune, Th. Über einige romanische Wörter deutscher 
Herkunft. Zeitschr. f. rom. Phil. 39 (1917) 174—181. 

1. Afrz. algier : ahd. äla F. 'Ahle' u. ahd. ger oder wahrschein- 
licher ahd. äl M. 'Aal', vgl. ndl. aal-ger, nhd. dial. aal-gehre F. 'mehr- 
zinkige Gabel zum Stechen der Fische'. — 2. frz. grincer, it. grinza, 
grinzo, parm. bologn. grenta lomb. ven. grinta aus grinsen (nicht zu 
grinsen), engl. dial. to grint' knirschen', ndl. grint 'Kies, grober Sand' usw. 

46. Braune, Th. prov. grim, fr. grime, grimer, grimaud, grimoire, 
span. port. prov. grima. Zeitschr. f. rom. Phil. 39 (1918) 
366—370. 

prov. grim 'betrübt' usw. nicht aus ahd. grim, sondern aus germ. 
*grim, an. grlma 'Maske' (lachend wie weinend, knurrend wie klagend 
den Mund verziehn) usw. 

47. Tappolet, E. Die alemannischen Lehnwörter in den 
Mundarten der französischen Schweiz. Kulturhistorisch-lingu- 
istische Untersuchung. l.T. mit einer Karte 104 S. (1914). — 

Indogermanisches Jahrbuch. VII. 5 



66 Bibliographie des Jahres 1917. 

2. T. Etymologisches Wörterbuch. XVI, 215 S. (1917). 
Straßburg, Trübner. 

Durch die Verwertung des vollständigen Stoffes von grundsätzlicher 
Bedeutung. Vgl. die Anzeige W. v. Wartburgs Herrigs Archiv 137 
(1918) 248—56. 

Namenforschung. 

48. Birt, Th. Die Germanen. Eine Erklärung der Über- 
lieferung über Bedeutung und Herkunft des Völkernamens. 
München, Beckh. 1917. VI, 124 S. 4.50 M. 

Vgl. DL£ (1918) Sp. 608—11 (Riese: ablehnend); Woehenschr. 
f. klass. Phil. L»18. Ebenso Norden, Germania (Korrbl. d. R.G.K.) 1917 
S. 161 ff. 

49. Hartmann, F. Gerinanus. Glotta 9 (1917) 1—32. 

Der Name der Germanen ist von den Römern als Adjektiv auf- 
gefaßt worden, das besondere gallische, vor allem rechtsrheinische Stämme 
von den übrigeu unterscheiden sollte (Gatti germani). Die lange Unsicher- 
heit der Römer in der Beurteilung des Verhältnisses der Gallier zu den 
Germanen erklärt sich aus der anfänglichen Unkenntnis des Unterschieds 
in der Sprache. Erst als dieser neben der Gesamtkultur als Unter- 
scheidungsmittel verwendet wird, wird das Adjektiv germanus zum Eigen- 
namen; aber selbst dann noch bleibt seine ursprüngl. Bedeutung den 
Römern fühlbar. Doch ist es nun nicht mehr auszeichnendes Beiwort 
für gall. Stämme, sondern der Name eines bisher als solches nicht er- 
kannten Volkes. Vielleicht ist mit Laistner anzunehmen, daß Germani 
eine Übersetzung von Istvaeones (: abg. istovt 'echt oder zu sott, slav. 
jestestvennyj 'wirklich') ist, falls die Bedeutung dieses Namens den 
Trägem noch fühlbar war. — Gegen H. wendet sich Norden in Flg. 
S. 95 f. 

50. Norden, E. Das Problem der Etymologie des Germanen- 
namens. Sitzungsber. der Kgl. Preuß. Akademie d. Wissen- 
schaften, Phil.-hist. Kl. Nr. 43 (1918). S. 95-138. 

Gegen die Verwertung der Strabon-Stelle (VII 290) zum Erweis 
lat. Herkunft des Germanennamens. Die Suffixform deutet auf kelt. 
Ursprung (vgl. auch den Personennamen Garmanus); die Etymologie der 
'Wurzel' ist noch nicht gefunden. — 1. Grammatisches. Quantität des 
a in Germani, Cenomani u. a. (Nachweis der Länge). — germanus und 
Germanus. Zu Muchs (PBB 17, 164 f.) Annahme, lat. germanus sei ur- 
verwandt mit dem kelt. Namen Germani : Ablehnung; denn die Namen 
auf -mani weisen ein zweites Bildungselement auf, das mit dem lat. Adj. 
nur den Lauten nach, nicht aber in der Ableitung, übereinstimmt. — 
2 Ethnologisches. Oretani Germani (Plinius nat bist. III, 25: . . 
Oretani qui et Germani cognominantur) : Plinius läßt in seiner der offi- 
ziellen Reichsstatistik entnommenen Liste der span. und gall. Völker stets 
den generellen Namen dem individuellen vorangehn; die Germani sind 
also Teilbezeichnung der Oretani: ein kelt. Stamm, die Germani, sind in 
dem großen Iberervolk der Oretani aufgegangen Diese Tatsache ist 
wichtig für die Geschichte des Germanennamens. — Galli Germani 
Orosius V, 16, 1 (aus Livius Buch 67) bezeichnet die Kimbern, Teutonen 
Tiguriner und Ambronen als Gallorum Germanorum gentes : Livius hat also 



W. Streitberg, XI. Germanisch. A. Allgemeines. 67 

die Kimbern usw. als gallisch-germanische Mischvölker aufgefaßt. — 
Semigermanae gentes. Livius XXI, 38 sagt: itinera quae ad Poeninum 
ferunt absaepta gentibus semig ermanis ; er sah also die im Wallis wohnenden 
Nantuates, Seduni und Veragri als kelt.-germ. Mischvölker an. — Eine 
Spur von Germanen CIL V, 7832, 7836; Tab. Peut. S. 266 Miller Kastell 
Germanicum an der sog. Oberdonaustraße, erbaut i. .1. 80, ein vorgeschobener 
Posten auf rätischem Gebiet. Anhang: Germanus als Kognomen. 

51. Ritterling, E. Die Osi in einer afrikanischen Inschrift. 
Kaiserl. archäol. Institut, Röm.-germ. Kommission, Kor- 
respondenzblatt 1, Heft 5 (1917) 132—136. 

R. Cagnat (Comptes rendus de l'Academie des Inscriptions 1914 
S. 132 ff.) hat eine in Nordafrika gefundene Inschrift veröffeutlicht, wo 
von einem praepositus gentis Onsorum, dem Legionstribunea Vitulus, die 
Rede ist. Der Standort der Legion ist in Unterpannonien; danach werden 
die Onsi im nordwestl. Ungarn zu suchen sein. Hier saßen die nur an 
zwei Stellen der Germania genannten Osi (Müllenhoff DAK. 2, 323 f., 
334 f.). Das n fällt nicht ins Gewicht, da vor s ein n bald steht, bald 
fehlt, vgl. thensaums; mesa E. Hoffmann De titulis Africae latinis quae- 
stiones phoneticae, Berlin 1907). Es ist zweifelhaft, ob die Form mit 
oder die ohne n ursprünglich ist. — Die Wohnsitze der Osi — Onsi befin- 
den sich südöstlich der am obern Gran ansässigen Cotini, also im Gebiet 
der oberen Eipel; ihre Nachbarn im Westen waren Quaden uud Cotini , 
im Osten Jazygen und Buri (Kauffmann AK. 1, 416 4 ). Mit den "Oaooi 
des Ptolemaeus (III, 5, 10) können sie nicht identisch sein, da diese im 
nordöstl. Europa wohnen. Ebenso können sie nicht den Hosi, einem 
der 5 baiuwar. AdelsgeschlecmVr, gleich sein (Faitlinger Der Volksstarom 
der Hosi, Beitr. z. Anthropologie und Urgeschichte Bayerns 19 S. 1 — 12); 
denn Tacitus spricht ihn«n german. Herkunft ausdrücklich ab. 

52. Flom, G. T. Alliteration and Variation in Old Germanic 
namegiving. Mod. Lang. Notes 32 (1917) 7 — 17. 

Das älteste Priuzip, die Verwandtschaft auszudrücken, ist die Al- 
literation; dazu gesellt sich zunächst die Endvariation. Sie entwickelte 
sich aus Klangähnlichkeit wie Arnegisclus — Anaga4us (Schönfeld, Wört.- 
buch). Dann auch die Anfargsvariation, wie bei den Töchtern Childerichs I. 
Audefleda — Albofledis. In den älteren Runeninschriften begegnet die 
Anfangsvariation: HabuwulafR, Sohn des HaeruwulafiR (Istaby); und u. a. 
im Hildebrautslied Heribrant — Hildebrant — Hadubrant usw. Besonders 
wenn es mehrere Kinder gab, grill* man zur Anfangsvariation des Vater- 
namens, oder man variierte den des ältesten Sohnes: Gundegisel nennt 
seine Söhne Gunderich und Genserich; Genso seine Söhne Gelarich, 
Gunthamund, Thrasamund usw. So bei den Vandalen, Ostgoten, Lango- 
barden und Burgundern Bei den Merovingern setzt in der 1. Hälfte 
des 6. Jhrb. ein neues Prinzip der alternierenden Wiederholung 
ein. Das 1. Element wird wiederholt: Childerichs Enkel heißt Childi- 
bert (f 558) und ein Enkpl Chlotachars I. wird Chlotobert genannt. — 
Oder das 2. Element wird wiederholt. Chlodovech I. (geb. 466), wurde 
nach Merovech benannt, Chlodovechs Sohn Theuderich empfing seinen 
Namen von seinem Großvater Childerich I. — Beide Prinzipien verbun- 
den ergaben eine vollkommene, alternierende Identität: Chlothachar — 
Gunthchram — Chlothachar (f 573); Chlothachar — Chilperich — Chlo- 



68 Bibliographie des Jahres 1917. 

thachar (f 584); Dagobert I. — Sigibert ITJ. — Dagobert IL (f 678) 
usw. — Bei den Merowingern treten ± 550 — 650 alle Varia! ionstypen auf. 
Das Prinzip der Wiederholung führt zu der "Wahl gewisser bevorzugter 
Namen wie Dagobert, Sigibert und der alten Namen Chlodovech, Chlo- 
thaehar, Chilperich, Theoderich. — Die Wiederholung in der Namen- 
gebung hat sich langsam entwickelt und steht ihrem Ursprung nach 
nicht in eugerem Zusammenhang mit dem Glauben an die Seeienwande- 
rung (vgl. G. Storm, Arkiv f. nord. Fil. 1893, S. 199—222). Die Seele 
dachte man sich wahrscheinlich als an dem Anfangslaut haftend; sie 
wurde mit diesem übertragen. Aber der ganze Komponent des Wortes 
wurde das verbindende Element, der Verwandtschaft wie der Seele. Der 
Glaube unterstützte die Tendenz, die Verwandtschaft durch immer größere 
Identität der Namen auszudrücken. Mit der Eatwicklung von der Varia- 
tion zur Wiederholung wurde der ganze Name als das Symbol der 
Seele betrachtet und als Träger derselben nach dem Tode des Körpers, 
bis endlich der Glaube sich ausschließlich mit der Wiederholung des 
ganzen Namens des Vorfahren verbindet, dessen Seele und Persönlichkeit 
in dem Namen weiterleben soll. 

53. Behaghel, O. Sifrit, der Sohn des Sigeinunt und der 
Sigelint. PBB. 43 (1917) 156—158. 

1. Zur Geschichte der Namen Siegfried, Siegmund im Ahd., Mhd.. 
2. zur Frage der Germanennamen auf frethus usw. und der weiteren 
Frage, „ob Siegfried der germanische Name des Arminius gewesen sein 
kann- (157 f.). 

54. Helm, K. Lollus? PBB. 43, H. 1 (1917) 158-163. 

Oelenheinz teilt in der Berliner philol. Wochenschrift 37 (1917) 
1191 f. eine 'bisher unbekannte Caesarstelle' mit, in der ein Numen der 
Sugambrer namens Lollus erwähnt wird. Die Stelle ist in einem gelehrten 
Briefwechsel des 16. Jhs. zitiert. Sie beruht auf einer Fälschung. Der 
Interpolator hat vielleicht im Sugambrerafebiet gelebt und eine Inschrift 
gekannt, die den Namen LoUius oder etwas ähnliches bot. 

55. Patzig, H. Die Städte Großgeruianiens bei Ptolemaeus 
und die heut entsprechenden Orte. Dortmund, Ruhfus. 
40 S. Gr. 8°. 1.50 M. 

56. v. Weens, E. Die Bedeutung der Ortsnamen für die 
Vorgeschichte. Deutscher Volkswart 2 H. 6. 

57. Bach, A. Der Ortsname c Bad Ems'. — Der Name 
'Katzenellenbogen \ Nassauische Heimatblätter 21 H. 1/2. 

58. Mentz, F. Der Name Belchen. Zeitschr. f. d. Geschichte 
des Oberrheins 1918, H. 2, 278—280. 

Vgl. A. Schwäderle, Jahresbericht der Mülhauser Industriellen 
Gesellschaft 1914, S. 119—181: „Unser Bergname ist ein deutsch um- 
geprägter keltischer Name". M. lehnt diese Auffassung ab und legt 
mit Martin (Jahrb. f. d. Gesch. Elsaß-Lothringens ü, 194) das Wort 
belche 'Bläßhuhn' zugrunde. Entweder hat belche ursprüngl. bedeutet 
'oben mit einem weißen Fleck behaftet', dann konnte ein entsprechend 
aussehender Berg, das Bläßhuhn, etwa auch ein Pferd (vgl. Dietleibs 
Roß Belche) so bezeichnet werden. Oder ein Berg wird wegen einer 



W. Streitberg, XL Germanisch. A Allgemeines. 69 

hellen Stelle über dunkler Waldregion mit einem Bläßhuhn verglichen, 
(regen beide Deutungen spricht, daß eine 'Belchen' genannte Örtlich- 
keit (Stoffels Topogr. Wörterb. S. 34) hierzu nicht stimmt. Trotzdem kann 
aber die Verbindung des Bergnamens mit dem Bläßhuhn zu Recht bestehen; 
denn auch sonst heißen Berge nach Tieren, ohne Rücksicht auf etwaige 
Ähnlichkeit. Die Bergnamen stehen in dieser Hinsicht auf einer Linie 
mit den Flur- und Waldnamen. 

59. Steinberger, L. Zum Namen des Brennerpasses. Mit- 
teilungen des Instituts f. österr. Geschichtsforschung 37, 
H. 1 (1917) 77ff. 

60. v. Ettmayer, K. Zur Herkunft des Namens Brenner. 
Mitteilungen des Instituts f. österr. Geschichtsforschung 37, 
636-647. 

Zu dem Aufsatz Steinbergers 37, 77 ff. In einer Urkunde von 
827 wird ein Quartinus nationis Noricorum et Praegnariorum genannt. 
Norici bezieht sich auf die Einwohner des Noritals; Pregnarii sind die 
Einwohner einer bestimmten Gegend dieses Tales. Wo wird dieses 
breg'narium 'Wildnis, Einöde' anders gewesen sein als am 'Brenner'? 
Ein Adj. *b(e)reunio- 'wild, unfruchtbar' liegt zugrunde, u ist zu g ge- 
worden. 

Altertumskunde. 

61. Hauser, Otto. Die Germanen in Europa. Dresden, Heimat 
und Welt-Verlag 1916. IV und 162 S. 

62. Kauffmann, Fr. Deutsche Altertumskunde. 1. Bd. 1913 
(IJ! 2, XI Nr. 60). 

Besprochen von R. Much HZ. Anz. 55 S. 65 — 101. 

63. Fischer, H. Grundzüge der deutschen Altertumskunde. 
2. verb. Aufl. V und 134 S. (Wissenschaft und Bildung 
Bd. 40.) Leipzig, Quelle und Meyer. Geb. 1,25 M. 

64. Wilser, L. Deutsche Vorzeit. Einführung in die ger- 
manische Altertumskunde. Steglitz, Hobbing 1917. 232 S. 8°. 

65. Schultze, M. Die vorgeschichtlichen Germanen in der 
Provinz Posen. Hist. Monatsbl. für die Provinz Posen 17, 
H. 3 (1916). 

66. Wolff, Entwicklung der römisch-germanischen Altertums- 
forschung. Berliner philol. Wochenschr. Nr. 3, 1917. 

67. Weniger, L. Losorakel bei den Germanen. Sokrates 
NF. 5, H. 10/11. 

68. Meißner, R. ganga tit frettar. Zeitschr. des Vereins für 
Volkskunde 1917, 1 — 13; 97—105. 

Auf den Hebriden hat sich eine als frith bezeichnete Divinations- 
handlung erhalten, die angewendet wird, wenn man über das Schicksal 
eines Abwesenden Gewißheit haben will. Nach Henderson stammt diese 
Divinationshandlung aus Norwegen, frlth entspricht norweg. frett. Auf 
dieses geht auch schott. frei, freit zurück, das in gleicher Bedeutung auch 



70 Bibliographie des Jahres 1917. 

im Nord- und Mittelengl. erscheint. Ihm steht in der Bedeutung nahe 
ae. freht, das wohl ebenfalls aus dem Nord, und zwar in alter Zeit ent- 
lehnt ist. Zu freit stellt J. Grimm Notkers frehta, das nicht von freht 
"meritum' getrennt werden kann; dieses ist wohl mit Kluge auf *fra-aihts, 
zurückzuführen. Es hat wohl einmal den Gottesanteil in sakralem Sinn 
bezeichnet. Die Handlung des frith trotz Henderson nicht aus Nor- 
wegen entlehnt; frett bezeichnet niemals einen bestimmten Vorgang der 
Divinatio, sondern überhaupt die Einholung einer durch übernatürl. Gewähr 
gesicherten Antwort, durch Losung, durch seidr oder auf andere Weise- 
— Über die Losung, besonders im Nordischen. — Die nord. Berichte 
erzählen oft von Männern und bes. Frauen, die übernatürliches Wissen 
besitzen; an sie wendet man sich (ganga til frettar), wenn man Zukünftiges 
oder sonst Verhältnisse erfahren will. Daneben gibt es besondere Hand- 
lungen, die von dem spämadr oder der späkona vorgenommen werden, 
um Zukünftiges zu erfahren. Über seidr und utiseta. 

69. Heus! er, A. Die Isländersagas als Zeugen germanischer 
Volksart. Deutsche Rundschau 43, H. 6, 1917. 

70. v. Schwerin, Cl. Deutsche Rechtsgeschichte (mit Aus- 
schluß der Verfassungsgeschichte). 2. veränderte Aufl. (Grund- 
riß der Geschichtswissenschaft. Reihe II Abt. 5). Leipzig, 
Teubner. VI und 199 S. 3,20 M. 

71. Schreuer, H. Das Recht des Toten. Eine germanistische 
Untersuchung. II. Das Personenrecht des Toten. Zeitschr. 
für vergl. Rechtswissenschaft 34 (1916) 1—208. 

Vgl. IJ. 5, 203 Nr. 63. — Zweites Kapitel: Das Personenrecht des 
Toten. § 6 Allgemeines: Auch nach dem Tode sind die Menschen 
Rechtssubjekte und zwar beruht ihre Toten- und damit ihre Rechtsper- 
sönlichkeit auf dem Glauben an das Fortleben des Leichnams und des 
Erinnerungsbildes des Toten. I. Abschnitt: Das Familienrecht des 
Toten. — § 7. Heutiges und altes Recht. Das alte Recht wahrt grund- 
sätzlich die Bande der Familie und der Sippe über den Tod hinaus ; beide 
haben dem Toten gegenüber eine Reihe von Verpflichtungen. — § 8. 
Sippengemeinschaft. Staat. Recht der Leiche auf Bergung und 
Hausang. Zur Totenpflege gehört das Totenopfer, besonders die Speisung 
(Leichenschmaus). Ebenso die Blutrache: ursprünglich verlangt der Tote 
Hilfe von seiuer Sippe. Sippengräber. Die Sippe ist die Gemeinschaft der 
Lebenden und Toten. — § 9. Die Familien- und Hausgemeinschaft: 
Allgemeines. Die über den Tod fortdauernde Gemeinschaft tritt besonders 
innerhalb des engeren Familienkreises unter den Hausangehörigen hervor. — 
§ 10. Ehe. Die Totenfolge der Gattin beruht auf der Fortdauer der 
ehelichen Gemeinschaft, ist als Fortsetzung des bisherigen Zusammen- 
lebens gedacht. Manche der spätem Trauerriten deuten noch auf die 
Totenfolge. — §11. Totengemeinschaft des engern Verwandten- 
kreises und die Hausgemeinschaft mit dem Toten. — § 12. 
Schwurbrüderschaft. — §13. Gefolgschaft. Beide auch als Toten- 
folge. Der Rechtsgrund liegt im Vertrag; der Zweck- ist durch die 
sinnliche Anschauung vom Fortleben nach dem Tode gegeben. Beispiele 
aus verschiedenen idg. Völkern. — § 14. Leibliche Verwandtschaft. 
Eine Verpflichtung des Bruders dem Bruder, des Kindes dem Vater in 



W. Streitberg, XI. Germanisch. A. Allgemeines. 71 

den Tod zu folgen, besteht nicht. Die in der Überlieferung erscheinenden 
Fälle von Todesfolge sind nur Höhepunkte, besonders gesteigerte Er- 
scheinungsformen der durchgreifenden Idee, daß die Lebenden und Toten 
zusammengehören. Der Rache gegenüber ist die Totenfolge nur subsidiär. 
Die Fehde zum Zweck der Rache ist ein Kampf bis in den Tod. Insofern 
bedeutet die Fehdepflicht auch allenfalls Totenfolge. Auch zieht der 
Tote seine Gesippen so lange nach sich, bis er seine Rache hat. — 
§ 15. Hausgemeinschaft. Ausharren mit dem Toten, bis er gerächt 
ist. Die Fortsetzung der Hausgemeinschaft mit dem Toten, genauer der 
Leiche, das Verbleiben des Toten im Hause ist nicht bloß strafrechtlicher, 
sondern familienrechtlicher Natur: der Tote bleibt kraft seiner bisherigen 
Familienangehörigkeit im Hause, inmitten seiner bisherigen Hausgenossen. 
Alles deutet darauf hin, daß von vorgeschichtlicher, indogermanischer 
Zeit her der Tote unter seinen Angehörigen am Herde, in seinem Haus 
beerdigt worden ist. Somit ergibt sich als Ausgangspunkt des Toten- 
rechts die Totenpflege, nicht die Totenabwehr (Brauch der Be- 
stattung im Hause bei Griechen, Römern, Germanen). Im Grundgedanken 
entspricht auch die Ansiedlung der Angehörigen am Grabe. Das Grab 
selbst ist noch in späterer Zeit durchaus eine Nachbildung des Wohn- 
hauses. Für das Begraben im Hause liefert auch in historischer Zeit 
das Haus der Lebenden ein klares Zeugnis: Deutung vom aisl. qndvegi 
als 'Seelenehrung, Ahnenkultstätte, Ahnenplatz' (S. 116 f.). Durch das 
Begraben des Toten im Hause ist die bisherige Gemeinschaft mit dem 
Toten, die Hausgemeinschaft, grundsätzlich gewahrt; für die Totenfolge 
liegt daher im allgemeinen kein Grund vor. Eine Ausnahme macht jedoch 
die Ehegattin: sie hat die Lagergemeinschaft zu leisten, alle Schicksale 
des Mannes zu teilen, also auch den Tod. Die Totenfolge der Gattin ist 
danach wohl ebenso alt wie die Ehe. Auch das Gefolge, die Schwur- 
brüderschaft sind besonders gehobene Formen persönlicher Gemeinschaft. — 
§ 16. Lösung der Hausgemeinschaft (durch Begraben außerhalb des 
Hauses oder Verbrennen). Hierdurch Umwälzung des Rechtszustandes: 
der Teil des häuslichen Lebens, der sich um den Toten im Hause 
gruppierte, wird Stück für Stück nach der Grabstätte verlegt. Die Ab- 
wanderung, die Hinausschaffung des Toten aus der Hausgemeinschaft 
verlangt eine Auseinandersetzung mit den Angehörigen im Hause. In 
strafrechtlicher Beziehung: so lange der Tote nicht gerächt ist, darf er 
nicht begraben werden. Er bleibt bis dahin in der alten Hausgemein- 
schaft; in familienrechtlicher Hinsicht: er muß seinen Totenkult bekommen. 
Abschiedsehrungen (Leichenmahl, Totenwache, letztes Geleit, Ehrungen am 
Grabe). Ablösung der Totenfolge durch Herausgabe der Schenkungen 
an den Toten: sie sind ein Überbleibsel des ursprünglichen Brauches. — 
§ 17. Einzelne familienrechtliche Ansprüche und Pflichten 
des Toten insbesondere; Munt des Hausvaters gegenüber Weib, 
Kind, Gesinde usw. — H. Abschnitt: Das Totenstraf recht. § 18. 
Das Straf recht des Toten. Der Tote als Verbrecher (Wiedergänger)-, 
der Tote als Straf berechtigt er: Rachepflicht der Sippe; Delikte gegen die 
Leiche, Sühne mit dem Toten: die Totenhand wird gereicht, der Tote 
selbst ist es, mit dem die Versöhnung erfolgt; Leichenrecht; Seelenrecht 
(aus dem kirchlichen Seelenrecht tritt das atavistische Leichenrecht greif- 
bar hervor. — § 19. Wergeid und Totenopfer. I. Teilnahme des 
Toten am Wergeid. IL Das Wergeid als Abkömmling des Totenopfers: 



72 Bibliographie des Jahres 1917. 

das Wergeid ebenso wie die Fehde, deren Lösung es ist, ursprünglich dem 
Totenkult zugehörig. Grundsätzliche Sonderung von "Wergeid und Erbschaft 
ist totenrechtlicher Natur. III. Die Sippe als Wergeidempfänger: der 
Grund für diese Verschiebung liegt vor allem in der Fortdauer der 
Familiengemeinschaft über den Tod hinaus. 

72. Nehring, Alf. Seele und Seelenkult bei Griechen, Italikern 
und Germanen. Breslauer Diss. 1917. 

Teildruck aus einer Untersuchung, welche die von der Breslauer 
philos. Fakultät gestellte Preisaufgabe bearbeitet und den vollen Preis 
erhalten hat. Das Thema lautete: -Die auf den alten Totendienst (Be- 
stattung, Ahnenkult) bezüglichen Ausdrücke des Griechischen, Italischen 
und Germanischen sind zu sammeln, sachlich zu ordnen und etymologisch, 
vor allem bedeutungsgeschichtlich zu erklären." 

B. Gotisch. 

73. van der Meer, M. J. Gotica II (vgl. Beitr. 39, 201 ff.) 
PBB. 42 Heft 2 (1917) 337 — 342. 

Gegen van Hamel Xeophilologus 1, 254 ff. (vgl. LI. 5, 205 Nr. 66). 
1. Das got. Nominativ-s. Faßt die Sachlage gerade umgekehrt wie 
van H. auf: „Eben dadurch, daß in bestimmten Fällen Nom. und Akk. 
formell zusammenfielen, gewöhnte man sich daran, sie nicht mehr zu unter- 
scheiden und wurden sie auch in andern Fällen promiskue gebraucht, 
bis dann schließlich einer von beiden allein übrig blieb." — 2. Der Nom. 
Sg. der jfa-Stärnme. Xur die Nominative der s-Stämme können allen- 
falls van Hs. Annahme stützen, daß unbetontes a unter bestimmten Be- 
dingungen lautlich zu e werde. Es ist aber durchaus unwahrscheinlich, daß 
diese absterbende Formgruppe den Nom. Sg. der o-Stämme hätte umge- 
stalten können. Ganz unrichtig ist die Behauptung, daß die Angleichung 
des Sing, der i-Stämme an die a-Stämme einen Nom. auf -es -is bei diesen 
fordere. — 3. Der Gen. Sg. der a- Stämme. Vor der Wirkung des 
Vernerschen Gesetzes hatten sowohl Fem. wie Mask. und Neutra im Gen. 
-s. Es konnte also damals nicht, wie van H. will, das Gefühl bestehen, daß 
-s ein spezifisch männliches und sächliches Suffix war und also ein solches 
Gefühl auch nicht die Erweichung hindern. Ahnlich ists um den Nom. 
PI. bestellt. 

74. Schulze, W. Zu den got. Nomina auf -asstts. KZ. 48 
Heft 1/2 (1917) 75. 

Außerhalb des Gotischen erscheint nur ibnassus, vgl. ae. efne.i 
emnes, as. ebnissi, zugleich das einzige Wort, das sich aus einer Verbal- 
bildung mit Dentalsuffix (ae. emnettan) ohne weiteres verstehen läßt. ■ — 
Aus Gutmachers Sammlungen (PBB. 39, 49 ff.) folgt, daß zu den ältesten 
Vertretern des Typus im Deutschen, ja im Westgermanischen überhaupt, 
galihnissi (anfr. gellcnussi, as. gellkuessi, ae. geUcnes) gehört, das sich in 
der Grundbedeutung nahe mit ibnassus berührt. Es wird diesem daher 
mechanisch nachgebildet sein; seinem Muster sind alle andern Neu- 
schöpfungen gefolgt. — Darf man annehmen, daß im Got. neben *ibnatjan 
ein *ibnön bestanden hat, so erklärt sich fraujinassus : fmujinön usw. aus 
ibnassics : *ibnön. Im Westgerm, erinnert der durchgehende Mangel eines 
Vokals vor dem suffixalen n an den Ausgangspunkt ibnassus, im Got. 



W. Streitberg, XL Germanisch. A. Allgemeines. 73 

den Verben auf -inön (-anöri) an das verschollene, wohl durch galeikon 
verdrängte *ibnön. 

75. Behaghel, 0. gaqiman sik PBB. 42 Heft 3 (1917) 558 f. 

Reflexive Verba entstehen auf zwei Arten: 1. Entweder ist der refl. 
Kasus durch die Rektion des Verbums bedingt (z. B. gawasjan sik : gawasi- 
dedun ina) oder 2. das Refl. ist durch irgendwelche Analogiebildung, 
z.B. durch den Einfluß synonymer Verba (z.B. sich bangen nach sich 
fürchten, sich knien nach sich bücken, legen, stellen, setzen). 
So ist auch gagiman sik nach dem Muster von galisan sik Mark. 4, 1, 
Luk. 17, 37 gebildet. Vgl. Mark. 5, 21 mit 4, 1. 

Bemerkungen über den Unterschied der Reflexivgattungen in er 
sah sich im Spiegel und er sah sich verlassen: hier bezieht das 
Subjekt seine Handlung zunächst auf ein Objekt und dieses erst wirkt 
auf das Subjekt. 

Unterschied zwischen sich einigen, sich treffen und sich 
küssen, sich lieben: Dort wirken mehrere Subjekte zu einem ein- 
heitlichen Akt zusammen, hier ergeben sich durch das Zusammenwirken 
mehrerer Größen mehrere gleichartige Akte in dem jedes Subjekt das 
andere zum Objekt seiner Handlung macbt. 

Hierzu die Anmerkung: „Die phantasievolle Art, wie F. Kauffmann 
die Entstehung von sih phlegan erklären will, Zs.fdPh. 47, 171 (IJ. 5, 
188 Nr. 21) findet in der Entwicklungsgeschichte der Reflexiva keine 
Bestätigung." 

76. Sturtevant, A. M. Zum gotischen Dativ nach ivairpan 
mit Infinitiv. Mod. Lang. Notes 32 (1917) 141—151. 

Mc. 2, 23 warp pairlujaggan imma, ist eine echt germanische Kon- 
struktion. Der Dativ ist mit Grimm, Gramm. IV, S. 115, Anm., als ein 
Dativ der Beteiligung aufzufassen, der in engere Beziehung zum Infinitiv 
getreten ist, und zwar als „Dativ agentis". Köhler faßte mit Unrecht den 
Dativ als indirektes, entferntes Objekt und den Infinitiv als Subjekt auf, 
warp dementsprechend als persönl. Konstruktion. Die Konstr. des unpers. 
Verb, mit Inf. ist echt germanisch: got. k 12, 1 hwopan binah; anord. mik 
fara tidir Vpm. 1 ; ahd. ivio mag sin Otfr. I 25, 5 usw. So ist auch hier 
die Konstr. eine unpersönliche. Auch sonst läßt sich unpers. warp mit 
Inf. und Dat. der Pers. im Germanischen aufweisen: anord. vard gengit 
es wurde gegangen, und, mit der handelnden Person im Dativ: vard 
honom gengit. Der Dativ ist hier kein anderer als der bei warp mit dem 
Inf. im Gotischen, was besonders deutlich aus der Gebrauchsweise von 
verda als selbständiges Verb mit dem Dativ der Person = „einem zu- 
stoßen, ereignen", hervorgeht: Od. 11, sliks doemi kvaztattu sidan mun- 
du meyju var da nema mir, — ähnliches würde keinem anderen Mädchen 
zustoßen als mir allein. Ebenso warp imma = es geschah ihm, daß 
(Grimm); Otfr. III, 18,24, ni uuirdit in thaz ungimah. Weiter: anord. 
Verb, finit. von verda mit abhängigem Infinitiv, oder mit einem Neben- 
satz mit der Präposition at, „es geschieht einem, daß...; got. wairpan 
-[-Infinitiv oder Nebensatz mit ei: pat verdrmörgum manniat um myrkvan 
-\-staf villisk (Egilss.), es geschieht manchem Manne, daß . . . und got. 
warp pairhgaggan imma, es geschah ihm, daß er hindurchging; ahd. 
Otfr. IV, 11, 28, iz unirdit ethesuuanne in zi uuizanne; — anord. ef svd 
verdr, at ek deyja (Egilss. 34); got. jah warp, ei usiddja Iesus (L 6, 12) 



74 Bibliographie des Jahres 1917. 

ahd. unard ouh thaz, theih irstarb, Otfr. V, 20. 79. Im Anord. kann, auch 
bei nachfolgendem Ns., die au der Verbalhandlung beteiligte Person im 
Dativ stehen : Lokas. 40, 2 pat varp [rinni konu, ot hon dtti mqg vip 
mir, „es geschah meiner Frau, sie fehlte darin, daß sie mit mir einen 
Sohn hatte." Das Gotische hat allerdings keine Präposition vor dem In- 
finitiv, wie Anord. at, Ahd. zi, wozu jedoch Delbrück, IF. 21, 315 — 357 
zu vergleichen ist. Der Dativ agentis war im Germ, beim unpersönlichen 
Passiv entstanden. Als unpers. verda zur Umschreibung des Passivs 
diente, wurde der Dativ der Person zum Dativ agentis. Das Gotische 
hat keinen Dativ agentis nach dem Medio-Passiv oder nach passiv. 
Wendungen mit wairpan, wisan aufzuweisen. M 6, 5 ei gäumjaindau 
mannam, M 6, 16 gasailraindau, M 6, 18 gasaifvaizau können intran- 
sitiv-mediale Bedeutung angenommen haben = sich zeigen, erscheinen. 
Ebenso M 6, 1 du saiJvan im, wo sailran = appareri, ridiri, d. h. intrans.- 
med. zu fassen ist. Ebensowenig ist R 7, 10 bigitn-na warp mis der Dativ 
ein echter Dativ agentis, mis gehört zu wisan du daupau, vgl. Gal. 4, 16 
swe fijands isicis warp (&u,«üv) und k 12,20 izwis zu swdleiks, „euch ein 
solcher". Dieser Dativ agentis ist dem Got. abhanden gekommen. Im 
Anord. ist er nur nach unpers. Pass. die Regel, beim pers. Pass. wird 
gewöhnlich af mit Dativ gebraucht. Im Got. war das ältere unpers. Pass. 
zu Wulfilas Zeit schon fast aufgegeben, es wurde bei der jüngeren Um- 
schreibung mit wairpan, wisan durch die persönl. Konstruktion ersetzt, 
statt des Dativs der Person tritt jetzt die Präp. fram mit Dativ auf. 
Selbst beim Medio-Passiv war sie schon Regel geworden. Xur M 9, 17; 
Joh. 6, 12 liegt noch die unpers. Ausdrucksweise vor. Dem Nord- und 
"Westg. blieb das unpers. Passiv geläufig, trotz des Verlustes der altgerm. 
med.-pass. Formen. Der Dativ der Beteiligung mit dem Inf initiv nach 
unpers. Verb, finitum, wie Mc 2, 23 stimmt also zu ähnlichen syntakt. 
Verhältnissen in den übrigen germ. Sprachen, besonders im Altnordischen. 
Der bloße Dativ agentis (Dat. der Beteiligung) läßt ^ieh aber nicht im 
Got. aufweisen. Das liegt am Fehlen des Gebrauchs des unpers. Passivs. 
München. "Wilhelm Streitberg. 

C. Xordgermanisch. 

A. Allgemeines — Altnordisch (isländisch). 

77. Hallström, G. Notiser om hällristningar i södra delen 
av Göteborgs och Bohus län. Fornvännen (1917) 115 — 126. 

78. Pipping, H. Urgermanskt aiw i de nordiska spräken. 
Studier i nordisk ülologi (= Skrifter utg. av svenska litte- 
ratursällskapet i Finland 133) 8 (1917) 1—98. 

Der Verf. unterwirft diese ganze Frage, von der er in Xenia 
Lideniana verschiedene Seiten beleuchtet hat, einer gründlichen Unter- 
suchung und gibt zuletzt folgende Übersicht seiner hauptsächlichen Re- 
sultate: I. Die normale aisl. Dekl. des Paradigma sdr war zu der Zeit 
der ältesten aisl. Hdschrften: N. Sg. sär, G. sdtvar, D. siö, A. sce. Die 
bisher allgem. Anschauung, nach welcher die Vokalisation iu die normale 
in den drei einsilbigen Kasusformen sei, ist unrichtig und stützt sich auf 
die Verhältnisse in einer Hdschrft, wo N. Sg. und D. nicht belegt sind 
und A. sg. einmal siö heißt, aber ein andermal seö, was als so zu lesen 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 75 

ist. II. Falls to in der Nähe von labilem Vokale (hierunter ist ein Vokal 
zu verstehen, der wegen Unbetontheit lautgesetzlich bei der gemeinnord. 
Synkope wegfiel ; in Jahrb. 3 S. 117 ist versehentlich zweimal labial statt 
labil gedruckt) stand, fiel es (doch nicht wenn oder so lange als es ein 
Teil des Geminata ww war) vor der gemeinnord. Synkope ab, wenn w 
in unmittelbarer Nähe eines palatalen Klanges stand. Dadurch wurde 
kein w-Umlaut hervorgerufen. Beisp. finnisch ankea aus urn. *ang(w)ia, 
f. murea aus urn. *mur(w)ia, Sai-taipale aus (bei älterer Entlehnung) 
Saivi-taipal, aisl. gera aus *garwian. (Viele andere Beisp. in Xenia.) 
III. Auf eine im wesentlichen entsprechende Weise fiel i im Gemeinnord, vor 
labilem u ab ohne Umlaut zu bewirken, wenn i zwischen zwei Klängen 
stand. Zum Beweise dessen dienen die Übergänge 1. *flauiu zu *flä-u 
zu nnorw. flö 'Flott, Flöße, Schwimmen' (nebst fl0y c Floß, Flöße' mit 
einer Vokalisation, die in Formen entstanden ist, wo labiles u nicht folgte). 
2. *hauiu zu *hä-u zu hö. Nschw. ho-bal 'Hochsommer' eig. 'Heu-üppig- 
keit'. 3. auiu zu ä-u zu ö. In Ortsnamen: aschw. Kimmet-oo, Gianda 
hundare, nschwed. Dansk-oo anorw. Oo, shetl. Hildasoo, *F0tilö. Hier- 
her der nnorw. Monatsname gö aus *ga-auiu 'slaskmänaden'. Hierbei 
wird angenommen, daß ä-u lautgesetzlich zu -ö wurde, wie es Noreen 
behauptet hat. (Die abweichende Meinung Kocks wird S. 29 ff. wider- 
legt.) Die meisten Beispiele von dem Wegfall des i geben die über 
einen großen Teil des Nordens zerstreuten Inselnamen auf ein aus ä-u 
entstandenes -a, indem der Umlaut im 3. Gliede eines Kompositums nicht 
eintrat und ä in schwachbetonter Silbe verkürzt wurde. IV. Durch den 
Wegfall von w nach II wurde ein a in der Wurzelsilbe derart modi- 
fiziert, daß es durch den darauffolgenden i-Umlaut zu e statt ce wurde. 
Dies e konnte sowolü durch i-Umlaut geändert (von einem anderen i 
bewirkt als dem, das den Übergang von a zu e hervorrief) als auch ge- 
brochen werden, auch wenn es nach l oder r stand. Dagegen rief ein 
«, welches infolge von Nasalverlust verlängert worden war, nicht Brechung 
in größerer Ausdehnung hervor als wenn es sich um urg. e handelte. 
Beisp. Awnord. Nqruasund, Niqruasund, Nyrur f. (alles Namenformen, 
die einen urnord. Wechsel von *narwu, *narica mit *narwi- wovon *ner-, 
aufweisen, vgl. Xenia S. 166 f.). Nschwed. dial. nagg 'begierig, gierig', 
nigla 'begierig sein', nschwed. njugg (Formen, die ihre Erklärung in 
einem urn. Wechsel von *hnaggwu mit *hnaggwia, woraus *hnegg-, finden). 
Nnorw. jase 'Hase' nach N. PI. *hiasar aus *hesaR aus *haswiöR. Agotl. 
giara wechselt mit giera aus *gera aus *garwian (aisl. gera ohne Brechung, 
vgl. den Gegensatz von aisl. bera und agotl. biera). Awestg. diokn aus 
*dankivmu 'Vertiefung, Grube'. Im letzten Falle kann io nicht aus einer 
ablautenden Form *denlc- hergeleitet werden, denn diese müßte zu *dinlc 
werden, woraus *dekk und mit Labialumlaut dokk-. V. Nach II und IV 
machte urg. aiw in der Stellung vor labil, i die Entwickelung aiwi zu 
eii zu % durch. Der Übergang a zu e wurde durch gemeinschaftliche 
Einwirkung der wegfallenden tv und i bewirkt. Später rief der Vokal i 
den Übergang von e zu i hervor. Beisp. von dieser Entwickelung sind 
Sl- aus *saiwi- in Ortsnamen und N. PI. *taiivin zu *tir 'Zehen', indirekt 
durch agotl. *fäa'Zehe' belegt. VI. Nach II, IV und LH durchlief urg. 
aiw in der Stellung vor labil, u die Entwickelung aiwu zu eiu zu iaiu 
zu iö. Lautgesetzlich entstehen dadurch die Formen aisl. N. A. PI. friö, 
gemeinn. N. Sg. F., N. A. PI. miö, sliö. VII. Nach II und IV durchlief 



76 Bibliographie des Jahres 1917. 

um. aiw in der Stellung vor labil, a die gemeinn. Entwickelung *aiica 
zu *eia zu *iaia. a) Auf westn. Gebiete wurde *iaia zu *iä: zu ce. Laut- 
gesetzlich entstanden dadurch u. a. folgende Formen: X. A. Sg. sce(r). 
srue(r), free, hrce, Ick, Konipos. Hlck-fqbr, X. Sg. M. mehr, slckr, X. A. Sg. X. 
mcl'tt, slcett, Gr. Sg. M. X. mces{s), slcks(s). b) Auf ostn. Gebiete wurde 
*jaia (durch dissimilatorischen Wegfall des spätem i) zu iä. Lautgesetz- 
lich entstanden dadurch u. a. die Formen agotl. *siär (D. Sg. siä belegt), 
*sniär (vgl. runengotl. sniaual-) agotl.. aschw. G. Sg. sialar und mit u- 
Umlaut runenschw. X. Sg. siol und mit r-Undaut aschw. leerikia. Durch 
fin von den zweisilbigen Formen sekundär eingeführtes w ist aschw. iä 
in großem Umfang zu iö gewandelt worden. So entstanden die Formen 
sniö(r), siö(r) In VII a und VII b wird zum erstenmal eine Erklärung 
des Unterschieds zwischen den westn. und den ostn. Formen der Para- 
digma mit aiw gegeben. Die ostn. in Komposition auftretende Form See 
(vor Vokal Se-) ist ihrem Ursprung nach nicht mit awn. sß- identisch. 
(In der Abb. S. 74 f.) In den Fällen, wo aiw nicht nach der in II auf- 
gestellten Regel gewandelt wurde, entwickelte sich ai vor w gemeinn. 
zu ü. Beisp. ashetl. Mawid, Mawed(e) 'die schmale Landzunge', aisl. 
X. PI. mdvar 'Möwen', aisl. und aschw. vä (vä) 'Unglück', aschw. et 
'immer', nschw. Mäholm und i- Umlaut durch bewahrtes i, aisl., aschw. 
ce, agotl. e 'immer', aisl. (rüm)sckvi, (ny)snekvi, Icevirki, aschw. Savi-salu. 
Da die Verbindung äw von zweisilbigen auf einsilbige Formen übertragen 
wurde, so entstand ü-u wovon ö. Dadurch erklärt sich aisl. tnör 'Möwe', 
gemeinn. Mö- 'schmal' in norw. und schwed. Ortsnamen, nnorw. und 
aschw. siö 'stumpf', nnorw. frö 'Same', nschw. und ngotl. snö 'Schnee'. 
In vielen Fällen wurde gemeinn. öm; zu iair umgebildet unter Einfluß 
von Formen desselben Paradigmas, welche die Vokalisation *ite (vorlitt. 
zu ce umgebildet) oder iö zeigten. So sind (was zuerst Hultman erkannt 
hat) aisl. siävar, snidvar, midvir, sliävir zu erklären. Wie stark die 
Neigung zur Einführung des si-, s»t-, )»*'-. sli- in den Anlaut dieser 
Paradigmen gewesen ist, versteht man erst, wenn man bedenkt, daß aisl. 
sekr, sncer, mär, slcer auf älterm *siccR, *sniceR, *miä>R, *slceR beruhen. 
Die in der ältesten Zeit seltene aisl. Vokalisation siö rührt davon her, 
daß die Verbindung *s(;i)aw von zweisilb. auf einsilb. Formen übertragen 
wurde. Dadurch ergab *siäw- direkt siö, während *süw *sö ergab, das 
dann sekundär zu siö unigebildet wurde. Daß aisl. siö speziell dem Dat. 
angehört, rührt davon her, daß D. Sg. *smve nach proklitischer Prä- 
position seinen Endungsvokal verlor, wonach *sa-u zu so wurde; diese 
Form wurde dann unter dem Einfluß des X. A. Sg. *siä'(K) zu siö ge- 
ändert. IX. Urg. aiw hat in "gewissen Fällen che Veranlassung zur Ent- 
wicklung eines gemeinn. ai gegeben, woraus aisl. et, aschw. e, agotl. ai 
entstand. Die Erklärung ist die daß w vor stabilem u wegen des System- 
zwanges eine Zeitlang bewahrt werden konnte, aber doch wegfallen konnte 
vor dem Übergang aiw zu äiv. Dadurch entstanden die Formen aisl. ei, 
aschw. e, agotl. ai 'immer', wo gemeinn. ai sich aus D. PI. *ai-um (aus 
*aiwum) entwickelt hat. X. Aus urg. aiw entwickelte sich zuweilen gemeinn. 
<>y, woraus aisl. ey, aschw. o, nschwd. dial. Oy. (n)gotl. oy. Die Erklärung 
ist die, daß die Verbindung aito vor dem Übergang von aiw zu äw von 
zweisilb. Formen an solche übertragen werden konnte, die schon durch 
Synkope eines labü. Vokals einsilbig geworden waren. Dadurch entstanden 
aisl. ey 'immer', ngotl. froy, snoy, sloygur, aschw. So{hundari), ostschw. 






Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 77 

dial. fr0y. Aschw. und nschw. fr0, sn0, sl0 gehören natürlich nicht hier- 
her, da sie nicht auf älteres *friö, sniö, sliö zurückgehen. 

80. Kock, A. En fornnorsk och östnordisk ljudlag. Arkiv 33 
(1917) 241 — 275. 

Behandelt das Verhältnis zwischen dem im Isl. und Awnorw. vor- 
kommenden Diphthong io in einer Form wie stiornu obliq. Kasus zu 
stiarna 'Stern' und dem in denselben Formen im Adronth., Aonorw. und 
Onord. gebrauchten Diphthong ia : stiarnu. Der Verf. behandelt kurz die 
wichtigsten Erklärungen, die über die Ursachen dieses Brechungsverhält- 
nisses gegeben sind, nämlich die Umlauttheorie, nach welcher ein in 
der Schlußsilbe noch stehendes u nicht u- sondern a-Brechung hervor- 
rief, so daß z. B. iatunn lautgesetzlich aus *etunn entstand, eine Form. 
die sich im Aonorw. und Onord. erhielt, während sie im Isl. durch die 
jüngere M-Brechung weiter zu iqtunn wurde — und die Ephenthesen- 
theorie nach welcher sowohl die ältere als auch die jüngere ^-Brechung 
den Übergang von e zu io hervorrief; die Formen iorft aus *erpu und 
stiornu aus *sternu waren hiernach beide lautgesetzlich. Diese letzte 
Anschauung hat der Verf. vertreten und besonders begründet in Fornsv. 
ljudlära 2, 481 f. und in Umlaut und Brechung S. 279 f. Formen wie 
stiarnu, fiatur u. dsg. werden hier als anologische Bildungen aufgefaßt 
(Fornsv. ljudl. 3, 234, Uml. und Brechung 285 f.). Unterdessen hat der 
Verf. in den Nachträgen zu Umlaut und Brechung auch einen anderen 
Erklärungsversuch gegeben, nach welchem der im Onorw. und Onord. 
durch jüngere w-Brechung entwickelte Diphthong eu nicht nur in eo (io), 
sondern lautgesetzlich weiter in ea (ia) überging. Die Ursache ist fol- 
gende: „Sowohl der durch w-Brechung als der durch a-Brechung ent- 
standene Diphthong war zuerst ein fallender, wurde aber später ein 
steigender Diphthong. Der durch ältere w-Brechung hervorgerufene 
Diphthong eo (in z. B. meok) entstand natürlich früher als der durch 
jüngere M-Brechung hervorgerufene Diphthong eo z. B. in feoturr. Des- 
halb ging eo in z. B. meok (miok) auch früher in einen steigenden Diphthong 
über (miok), als dies mit eo in z. B. feoturr der Fall war. Man hatte 
also gleichzeitig meok (miök) : feoturr. Zu dieser Zeit wurde folgendes 
Lautgesetz durchgeführt: während der steigende Diphthong eö (iö, in 
miök etc.) erhalten bleibt, geht der fallende Diphthong eo in ea (ia) über 
z. B. feoturr : featur (fiatur). Vgl. daß in späturnord. Zeit ö (o) mit In- 
fortis zu a i. Nom. Sg. "tungö : isl., aschw. tunga usw. Eventuell kann 
man sich denken, daß der Fortis 1 bzw. der Fortis 2 bei der Differen- 
zierung miok : fiatur der entscheidende Faktor gewesen ist." Der Verf. 
hat sich nun für diese Erklärung entschieden und sucht sie im Folgenden 
ausführlich zu begründen ; er führt zugleich eine Reihe von Beispielen an, 
besonders aus der dronth. Ausgabe des Saga Olafs des Heiligen, die zeigen 
können, daß der behandelte Lautübergang e zu ia nicht als Analogie 
aufgefaßt werden kann. Ferner werden einige besonderen Wörter und 
Formen beleuchtet wie die aschw. Wechselformen J arunder, jorundua, 
fiofer, fiap(e)r, fiaper, das isl. kioptr in seinem Verhältnis zu kiaptr, dem 
Aschw. kiapter usw. In einem Exkurse werden gewisse Runenformen 
behandelt, die als Beisp. des unmittelbaren Übergangs e zu ia vor erhal- 
tenem u gebraucht worden sind, nämlich liAeruwulafiR des Istabysteines, 
dessen Lautverbindung Ae nicht als Fehler für e A , sondern wahrscheinlich 



78 Bibliographie des Jahres 1917. 

als Bezeichnung eines offenen e-Lautes aufzufassen ist, — und fidkura fia- 
kurum des Röksteines, welche Formen als fiogura. fiogurum zu lesen sind. 
Es wird gezeigt, wie diese Formen entstanden sind und daß die Schreib- 
weise ia für io öfters in den Runeninschriften gebraucht wird. 

81. Sjöros, B. Tvä samnordiska kvantitetsregler. Studier i 
nordisk filologi utg. genom H. Pipping 8 (1917) 72 S. 

I. Konsonant efter läng vokal. II. Tvä konsonanter efter vokal. 
Zusammenfassung: Ein jeder tonloser Konsonant war schon in gemein- 
nord. Zeit halblang nach Diphthong und nach urspr. langem oder später 
verlängertem Vokal, der sowohl stark als schwach betont sein konnte. — 
Nach ursprünglich oder durch Reduktion schwachbetontem Vokal haben 
l und n schon in gemeinnord. Zeit dentale Qualität. — Verlängerung des 
intervokalischen »; fiudet sich schon im Beginn des 14. Jahrhunderts. — 
Etymologisch langer r-Laut nach Vokal staud noch im 14. Jahrhundert 
auch in schwachbetonter Silbe, zum mindesten im Auslaut. — Wenn 
ein Konsonant von voller Länge nach langem Vokal mit Einzelzeichen 
vor Vokal oder in Auslaut geschrieben wurde, ist die Ursache davon: 

1. Der Eiuzelkonsonant sollte die Vokallänge ausdrücken (Hultman); 

2. das Einzelschreiben war Analogiebildung nach gewissen Wortformen, 
die kurzen (oder halblangen tonlosen) Kousouanten nach langem Vokal 
hatten. — Die s. g. neuschwed. Verlängerung trat, zum mindesten in ge- 
wissen Dialekten, schon im Beginn des 14. Jahrhunderts ein. — Die s. g. 
neuschwed. Verlängerung traf nur die Vokale; die in gewissen Dialekten 
vorkommenden Formen mit kurzem Vokal sind Kompromißformen. — 
Der durch die s. g. neuschwed. Verlängerung entstandene lauge a-Laut 
hatte zuerst denselben nichtlabialen Charakter wie der kurze a-Laut und 
i;ing deswegen nicht in a über. — Nach einem von sonorem Konsonant 
gefoleten kurzen Vokal ist schon in gemeinnord. Zeit jeHer zu derselben 
(sprachgeschichtlichen) Silbe gehörende tonlose Konsonant halblang; in 
andern Konsonantverbindungen ist der dem Vokal unmittelbar folgende 
Kon>onant immer halblang. — Etymologisch langer, sonorer Konsonant 
nach kurzem Vokal wird nur vor tonlosem Konsonanten gekürzt, in allen 
übrigen Fällen wird der zweite von zwei aufeinanderfolgenden Konso- 
nanten gekürzt. — Zwei aufeinanderfolgende Ansehlußlaute wurden oft 
nur mit cner Implosion und einer Explosion gesprochen. — Zum min- 
desten in schwachbetonter Silbe wurde k an folgendes t assimiliert. — 
Auf Konsonant folgende l (m?) n, r haben verschiedene Funktion ge- 
habt: 1. sonantische (/, «, r); 2. konsonantische vor einem folgenden 
Vokal und in der Reduktion (/, «, r). Dies erklärt die wechselnde Quan- 
tiiätsverteilung der neuschwed- Dialekte in den hierher gehörenden Worten. 
— Die Halblänge der Konsonanten wird in der Regel nicht bezeichnet. 
Wegen akustischer Verhältnisse trat die Länge der tonlosen Konsonauten 
besonders deutlich hervor, v wenn sie nach Vokal standen und entweder 
von sonorem Laut gefolgt wurden oder im Auslaut standen, weshalb ihre 
Hallilänge öfter als die der übrigen Konsonanten bezeichnet wurde. Zu 
einer solchen Bezeichnung hat in gewissen Fälleu Analogieeiuwirkung 
von Wörtern mit einem Konsonanten von voller Länge beigetragen. 

82. Äkerblom, A. Bruket av historiskt presens i den tidigare 
isländska skaldedigtningen (til omkr. 1100). Arkiv 33 (1917) 
293—314. 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 79 

Zeigt, daß der Gebrauch des historischen Präsens — in der ge- 
wöhnlichen Bedeutung dieses Ausdruckes — in der anord. Skaldendichtung 
bis gegen 1100 nicht nachzuweisen ist; einige Fälle (bei Brage, Ulv Llg- 
gason und in Haustlong), wo ein solcher Gebrauch vorzukommen scheint, 
werden untersucht und die besondern Ursachen aufgezeigt. Da ein ähn- 
liches Verhältnis auch in den Eddadichtungen stattfindet, hat man hier 
eine neue, bedeutungsvolle Übereinstimmung der beiden Dichtungsarten. 

83. Seip, D. A. Oiu fastgrodd artikkel i nordisk. Ordet 
Mid (dansk). Maal og Minne 9 (1917) 148—152. 

Der Verf. will in Jclid nicht ein Lehnwort aus mnd. Klte, Klige 
sehen, sondern ein einheimisches Wort mit suffiziertem Artikel -d. 

84. ÄkerbJom, A. Bidrag tili diskussionen om str. 77 i Ha- 
vamal. Reson och alliteration. Arkiv 34 (1917) 171 — 173. 

Gegenüber der Anschauung E. Kocks (Arkiv 33), daß das Wort 
dömr in dem Ausdrucke des Hävamäl dömr um daudan hvern durch 
'Ehre, lobwürdige Erwähnung' zu übersetzen sei, zeigt der Verf., daß 
die traditionelle Übersetzung 'Urteil' (sowohl schlechtes als gutes) einen 
besseren Sinn gibt. 

85. Kolsrud, S. Um e og ce i cod. Holm. isl. membr. no. 34 
in 4to. Arkiv. 33 (1917) 283-292. 

86. Kock, A. Ar Skäne de gamles Scandinavia? Arkiv 
34 (1917) 71 — 88. 

Entgegen der von Hj. Lindroth in 'Naran och bygd' vertretenen 
Auffassung, daß der Name iSkäne nicht mit dem alten Skandinavia iden- 
tisch sei, zeigt K., daß diese zwei Namen sowohl kulturgeschichtlich als 
sprachlich zusammen gehören. 

87. Goodall, A. The scandinavian suffixed article in York- 
shire place-names. Namn och bygd. Ärgäng 5 (1917) 
102 — 103. 

Um möglicherweise eine genauere Datierung einiger der zahlreichen 
skandinavischen Ortsnamen in Yorkshire zu bekommen, die aus dem 
9. — 11. Jahrh. stammen müssen, sucht der Verf. einen suffigierten Arlikel 
in einzelnen der Namen nachzuweisen, was auf eiue späte Zeit (c. 1100) 
hinweisen würde. In einer überlieferten Form wie Colnum will er altn. 
kollunum c (an den) Berggipfeln' sehen. 

88. Eckwall, E. The scandinavian suffixed article in english 
place-names. Namn och bygd. Ärgäng 5 (1917) 104—105. 

Behandelt die von Goodall angeführten Beispiele und bezweifelt, 
daß wir einen einzigen sicheren Beleg: des suffigierten Artikels hätten. 

89. Svensson J. V. De nordiska folknamnen hos Jordanes. 
Namn of bygd. Ärgäng 5 (1917) 109- 157. 

In einer umfangreichen Abh. gibt der Verf. eine Übersicht der 
Arbeit, die Männer, wie Müllenhoff, Bugge, Läfi'ler, v. Grienberger und 
Schlick geleistet haben, um die Völkernamen von „der großen Insel 
Skandia" im dritten Kapitel des Jordanes zu deuten. Er betont hier 
(wie früher), daß man nicht annehmen könne, Jordanes habe nur einen 
einzigen Gewährsmann (König Rodvulf) für seine ganze Schdderung von 
Skandinavien gehabt, denn er gibt zuerst nur einige spärliche Nachrich- 



SO Bibliographie des Jahres 1917. 

ten von einzelnen nördlichen und östlichen Stämmen, dann aber ein 
langes, zusammenhängendes Verzeichnis der größeren und kleineren an 
der Westküste (der Küste des atlantischen Meeres, des Skageraks und des 
Kattegats) wohnenden Stämme. Er nimmt an, daß Nordländer, die ihre 
Heimat in den weltlichen (regenden gehabt haben, und die wahrscheinlich 
die Fahrt nach Südeuropa auf dem westlichen Weg unternommen haben, 
die Quellen des letzten Teiles des Namenverzeichnisses sind. 

90. Nordgaard, 0. Gamle Dyrenavne. Festskrift til Professor 
Amund Heiland. Kria, Aschehoug (1916) 213—222. 8°. 

Behandelt in Anknüpfung an die Artikel des Verf. in „Norsk fis- 
keritidende" 1H02 — 1903 die Walfischnamen des Königspiegels, und be- 
handelt nach philol. und naturgeschichtl. Erläuterungen ihr Verhältnis 
zu deu beutigen Benennungen. 

91. Palmer, J. Baldersbrä. Arkiv 34 (1917) 138 — 147. 

Nach einer kritischen Übersicht über die früheren Erklärungen 
und über die verschiedenen Namensformen gibt der Verf. folgende 
Deutung: Baldershrü steht für *ballarbrä, zusammengesetzt aus bullar. 
Gen. von bqllr 'Ball', und brä in der Bedeutung 'bewegliche Verbrämung', 
vgl. germ. *brehnn 'schimmern, sich schnell bewegen'. Es ist das Aus- 
sehen der Blume, das die Veranlassung zu dem Namen gegeben hat. 
Die Anknüpfung an d<>n Gott Baldr ist eine vielleicht von Snorre selbst 
aufgestellte gelehrte Etymologie. 

92. v. ünwerth, W. Fiolnir. Arkiv 33 (1917) 320-335. 

Leitet diesen Namen, der nichts mit Odinn zu tun hat, von einer 
urspr. Fonn *Feldwn%R ab und knüpft ihn an den Stamm von 'Feld' an, 
dessen wahrscheinliche nord. Form er, besonders vermittels des altschwed. 
fuehler, als mask. *feldu- nicht neutr. *felpa- festzustellen versucht. Durch 
diese Etymologie läßt sich Fiolnir mit dem von dem Xordgerm. ent- 
lehnten finnischen Ackerbau- und Gerstengotte Pellon-Pecko in Verbin- 
dung bringen, da dieser Name aus pelto'Feld' = germ. *feldu- oder *felf>a-. 
und pecko = nord. *beggwu 'Gerste' entstanden war, und als Kurzname 
zu einer uspr. germ. Gottheit * Feldu-Beggwuz oder *Feldauz-Beggtcuz, auf 
derselben Weise gebildet ist wie z. B. Vingnir aus Vingpörr. Möglich 
ist es aber auch in Fiolnir eine Bildung auf -nir zu *feldu- mit der 
Bedeutung 'Feldmann, Feldgott' zu sehen; auch kann man, falls man 
mit einem a-St. rechnen will, von einer Form auf -unja- (-unilt) ausgehen. 
Auf jeden Fall ist die Anknüpfung an Pellon-Pecko gegeben, und da 
es die Haupttätigkeit dieses Gottes war, für das Gedeihen der Gerste 
zu sorgen, so fällt damit Licht auf die alte Sage vom König oder Gott 
Fiolnir, der 'in der Flut des Trinkhorns' umgekommen sei, das heißt: 
der Gerstengott hat im Bier sein Leben gelassen. Vielleicht handelt es 
sich um eine primitive Erklärung der Wirkung des Bauschgetränks: 
Wenn der Biergenuß den Rausch erzeugt, wenn er eine eigenartige 
Steigerung des Lebeusgefühls hervorruft, so lieet das daran, daß der 
Gerstengott sein Leben in den Trank hinein ausgebaucht hat: der Geist 
des Gottes fährt in den Trinkenden, und die Trunkenheit ist 'ein heiliger 
Zustand'. Zuletzt wird die Stellung des Gottes Fiolnir und Byggvir 
inuerhalb der altgerm. Religionsgeschichte näher beleuchtet, und das 
Verhältnis zu dem Ags. Beow, Beaw, dem Altnorw. Fillin usw. 
untersucht. 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 8! 

93. Olsen, M. Fröi og Pellon-Pekko. Arkiv 34 (1917) 
174_175. 

Bemerkt zu der Fiolnir (Arkiv 33) von W. v. Unwerth, daß die 
ihm (M. Olsen) dort beigelegte Meinung, daß Pellon-Pekko eine jüngere 
Abzweigung von Fröi sei, auf einem Mißverständnis beruhe. 

94. "Wiklund, K. B. Saivo. Till frägan ora de nordiska 
beständsdelarna i lapparnas religion. Le monde oriental 
10 (1916) 45 — 74. 

Behandelt das Verhältnis zwischen dem anord. und läpp. Völker- 
glauben an unterirdische Wesen 'die Toten im Berge', indem er die ur- 
sprünglich lappischen Bestandteile in den Vorstellungen, die sich an das 
Saivo-Yolk und die heiligen Saivo-Sem knüpfen, zu bestimmen sucht. 

95. Nerman, B. Ynglingasagan i arkeologisk Belysning. 
Fornvännen 1917, 226-261. 

96. Brate, E. Anzeige: M. Olsen, Hedenske Kultminder i 
norske Stedsnavne I. (Vidensskapsselskapets Skrifter II. 
Hist.-filos. Klasse 1914. No. 4.) Kristiania 1915. Arkiv 
34 (1917) 91 — 102. 

B. Runeninschriften. 

97. Bröndum-Üfielsen, J. Danske Run ein d skrifter. Aarböger 
for nordisk Oldkyndighed og Historie 7 (1917) 175 — 220. 

1. Oster-Vaelling-Stenen. Nach Beschreibung des Fundortes, 
Darstellung der Geschichte des Steines und sorgfältiger Untersuchung 
der einzelnen Runenzeichen der Inschrift, deren erhaltener Teil: A. 
u[rin[-] purku. B. [•]«•*&[•] zu lesen ist, rekonstruiert der Verf. durch Ver- 
gleichung mit Inschriften ähnlicher Art (z. B. den auf den Steinen von 
Ulstrup und Virring) die Inschrift folgendermaßen: Töfi (od. dsg.) brödiR 
pörgots respi sten pannsi ceft Erik, oder vielleicht: ceß felaga sina pari 
(od. dsg.) ok Erik. Der Stein gehört der Zeit nach dem Jahre 1000 an. 

2. Svendborg-Kniven. Beschreibung und Geschichte des in der 
Stadt Svendborg (auf Führen) in 1915 gefundeneu Runenmessers, danach 
genaue Untersuchung der einzelnen Runen, deren Reihe er nach einer 
teilweisen Rekonstruktion folgenderweise liest: [p]uri (? od. [fcjarZ? 1 mcerke 
slcär a (od. du) hreßce arce *icelcepe skaß[ce] ' Thori (?el. Karl?) skar 
Mccrker (dvs. Runern e) paa Hießet; Arce tcehjede (snittede) Skceftet' 
dvs. ' Are tildanvede Hörnet til Runeristning og tu Anbringehe paa Kniv- 
bladet; Thore (?) ristede Bunerne derpaa'. ' Thori [? od. Karl?] schnitt 
die Zeichen (d. h. die Runen) auf dem Schaft. Ära? schnitzte den Schaft 
zu' d. h. 'Are machte das Hora zur Runenritzung und zum Anbringen 
an der Messerklinge zurecht, Thore ritzte Runen darauf'. Das Messer 
gehört dem 13. Jahrh. oder vielleicht dem Jahre c. 1200 an. 

3. Svasrdknap fra Ikast. Beschreibung und Geschichte eines 
in Ikast gefundenen Schwertknopfes mit der Inschrift: ' ave M\ari]a gra- 
t'ia plena, dominu[s tecum] in Runen u. lat. Majuskeln. Der Gebrauch 
ß für d kann auf einer Vermischung der beiden Alphabete beruhen, 
auch von einem dän. Lautübergang p zu d (in pronom. Wörter) her- 

Indogermaniscbes Jahrbuch. VII. g 



82 Bibliographie des Jahres 1917. 

rühren, wovon sich vielleicht einzelne andere Spuren etwa um das Jahr 
1300 finden. 

4. Hagenskov-Stenen. Nach Darstellung früherer Erklärungs- 
versuche der Inschrift stellt der Verf. folgende Deutung auf: pyri ä 
p[ann] 'Tyre besitzt ihn', d. h. 'der Hügel ist TyriV; indessen liegt auch 
die Möglichkeit vor, in der Inschrift den Namen pyrid zu sehen, die dem 
Westnord, püridr entsprechende ostnord. (dän.) Form, vgl. den Frauen- 
namen Tore in Schleswig. Die j-Rune ist infolge einer unrichtig ety- 
mologisierenden Bestrebung eingesetzt, die Muster haben Formen, wo 
^ nach i und u lautgesetzlich abgefallen war, gegeben, z. B. Sinp für 
Sigrid, Sirun für Si&run (auf dem schwed. Sjustad- und Flidstadstein): 
auch auf dänischem Boden meint der Verf. eiuen solchen "Wegfall kon- 
statieren zu können, indem er hin hupska auf dem Skivum-Stein als 
hinn hugdska 'der mündige, stolze' liest. Beispiele für k. (:g), das durch 
unrichtig etymologisierende Bestrebung eingesetzt ist, findet er auch in 
tuhkialt = tu giald auf dem Stein von Lindberg und in pauh kund- 
rupr = pau Gunnprüdr auf dem Stein von Ytterby (beide schwed.). 
Der Stein von Hagenskov gehört wahrscheinlich dem Schluß des 1 1. Jhs. an. 

98. Permin, P. H. Nogle Indskrifkes med de aldre Runer. 
Kebenhavn, H. Hagerup. 1917. 34 S. 8°. 

Eine trotz dem Fleiß und unzweifelhaftem guten Willen des Ver- 
fassers ganz mißlungene Arbeit, deren Hauptfehler wohl derjenige ist, 
daß ein Dilettant sich imstande geglaubt hat, einen so schwierigen Gegen- 
stand wie die urnordischen Inschriften behandeln zu können. Als ein 
Beispiel der „Methode" mag über S. 20 referiert werden : hier liest der 
Verfasser erst die Runen 20 — 31 der Sigdal-Inschrift (Bugge: orte pat 
aEina) als outepa pazina, erklärt dies nachher für „den Gipfel amüsanter 
Lautumsetzung" und deutet es ebenso einfach wie genial als — tauepo 
staina. Sat sapienti! 

99. Wiget, W. Inskrifterna frän Müncheberg och Ovre Stabu. 
Arkiv 34 (1917) 153—155. 

Die Inschrift der Speerspitze von Müncheberg, welche v. Grien- 
berger in Arkiv 14, 115f. als Hanja gelesen und mit Henniüg (Deutsche 
Runeninschriften 10) als einen germ. Namen aufgefaßt hat, ist als rannja 
zu lesen und als 1 Pers. Prä*. Sg. des Verbs rannjan in der Bedeutung 
'jagen' zu verstehen. Die Inschrift der Speerspitze von Ovre Stabu ist 
als raunija zu lesen und als 1. Pers. Präs. eines Verbs *raunjan = aisl. 
reyna aufzufassen. Die Bedeutung ist näher bestimmt, vielleicht die 
welche in Flateyjarbok vorliegt: vid hvern ek reyni, af pvi at pat skal 
engi um mik vinna. 

100. Olsen, M. Möjebro-stenen. Arkiv 33 (1917) 276-283. 
Deutet die streitige Runenfolge anahnha in der Inschrift frawa- 

radanJanahnhaislagina/R als eine Verbindung der Präposition ana 
'auf und eines dem Anord. hä- 'Ferse' entsprechendem urnord. Wortes 
haha- aus *hanha. Diese Wendung 'auf die Ferse' stellt er zu verschie- 
denen aus der anord. Literatur bekannten Ausdrücken: 'gegen die Ferse 
jemandes schlagen, stoßen' in der Bedeutung : 'einen von hinten treffen, 
schlagen' (z. B. vela i irygd = bita e-m d hau, Härbardsljod) und über- 
setzt demzufolge die Inschrift: ' Frawaradaß ist von hinten (überfallen 
und) getötet worden'. 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XI. Germ. C. Nordgerm. 83 

101. Brate, E. Arne, F. J. v. Priesen, O. Ytterligare 
inlägg oin runstenen Juel nr 18 i Sigtuna. Upplands forn- 
minnesförenings tidskrift 7 (1917) 362 — 367. 

Vgl. IJ. 5, XI Nr. 98. 

102. Brate, E. Anzeige: Ludv. F. A. Wimmer, De danske 
Runemindesmserker. Arkiv 34 (1917) 102 — 104. 

Vgl. IJ. 3, XI Nr. 99. 

C. Norwegisch. 

103. Seip, D. A. Ett mal i Norge. Mälstriden avgiort av 
denne generation. Kria, O. Norli. 1917. 29 S. 8°. 
50 0re. 

104. Torp, A. Nynorsk etymologisk ordbok. H. 15. Kria, 
Aschehoug. 1917. 8°. 1,50 Kr. 

105. Haßgstad, M. Vestnorske maalfore fyre 1350. II. Sud- 
vestlandsk. 2. Indre Sudvestlandsk. Fa3r0ymaal. Islandsk. 
Andre bolken. (Kria Videnskapsselskapets skrifter II Hist. 
filos. klasse 1916 nr. 4.) Kria, J. Dybwad. 1917. 190 S. 
4°. 6,50 Kr. 

106. Seip, D. A. Kj0nsb0jningen av adjektiver og parti- 
sipper paa -en i norske maalf0re. Maal og Minne 9 
(1917) 137-142. 

Eine Übersicht darüber, wie zahlreiche norwegische Mundarten 
im Begriffe sind, eine besondere Femininform der Adjektiva und Parti- 
zipia auf -en aufzugeben. 

107. Hörne, H. Aksent og kvantitet i Vaagemaalet. (Bidrag 
til nord. filologi av studerende ved Kria' Universitet. Utg. 
av Magnus Olsen III.) Kria, Aschehoug. 1917. 27 S. 8". 

I. Indledning. II. Eftertrykkets plass. III. Musikalsk aksent. 
IV. Kvantitet. 

108. Solheim, L. Gaardnavn i Stavanger amt. Maal og 
Minne 9 (1917) 143 — 148. 

109. Olsen, M. Ullevaal. Maal og Minne 9 (1917) 47-50. 
Im Namen des bekannten Hofes in der Nähe von Christiania will 

der Verf. einen *Ullarhvdll, einen Hügel des Gottes Ullr, sehen. 

110. Larsen, A. B. Naboopposition — Knot. Maal og 
Minne 9 (1917) 34—50. 

Mit dem Worte Nachbaropposition bezeichnet der Verf. das wohl- 
bekannte — vielleicht im Norwegischen besonders häufig erscheinende — 
Phänomen, daß man die Eigentümlichkeiten einer mehr oder weniger 
fremden Sprache übertreibt (vgl. die Hyperdorismen in den von Athenern 
verfaßten Chorliedern) oder daß man die Eigentümlichkeiten der eigenen 
Sprache übertreibt, damit man den Gebrauch der fremdartigen Sprach- 
formen ganz vermeide. Das letzte macht sich wieder in zweierlei Weise 
geltend: 1. dadurch, daß man etwas zu bilden sucht, das überaus echt 



84 Bibliographie des Jahres 1917. 

zu sein scheint, 2. dadurch, daß man etwas aufgibt, das in der Sprache 
historisch richtig- ist. Wenn zwischen zwei Sprachen ein unfreundliches 
Verhältnis herrscht, bezeichnen auf Norwegisch die Anhänger jeder 
Mundart die Sprache der Gegner als Knot. — Von charakteristischen Bei- 
spielen der Nachbaropposition mag die Bergensische (hypernorwegische) 
Aussprache von bek ('Pech', altn. bik) als beik angeführt werden; so auch 
in der Mundart Christianias die von klyse ('schleimiger Klumpen', vgl. mnd. 
klüs 'Masse') als kloyse, wodurch der Sprechende auszudrücken wünscht, 
daß dieser gemeine Begriff und dieses gemeine Wort nur der vulgären 
Sprache angehören uud daher unzweifelhaft von der „bäurischen" Mund- 
art geprägt sein müsse. Auch Wörter wie aßen, 'Abend' und aa 
'kleiner Fluß' siud im Norwegischen von der Nachbaropposition als 
dänisch verfolgt worden, obwohl sie hie und da in den Muudarten 
gefunden werden. 

D. Schwedisch (Finnisch). 

111. Noreen, A. Värt spräk. H. 24 (= Bd. 3:6) S. 449—575. 
2,75 Kr. H. 25 (= Bd. 7:4) S. 273—352. 1,75 Kr. Lund, 
Gleerup. 

112. Östergren, O. Nusvensk ordbok. H. 5—7, Sp. 513— 800. 
Sthm., Wahlström und Widstrand. 1917. 8°. Pr. H. 1 Kr. 

113. Ordbok över svenska spräket. Utg. av Svenska Aka- 
demien. H. 53 (E-efterkontroll.) Sp. 1—160. H. 54 (Blä- 
bod) Sp. 3521—3680. 1917. 4°. Pr. H. 2 Kr. 

114. Lüttkens, J. A., und Wulff, F. A. Ordskatt och ljud 
förräd i svenska spräket. H. 2 — 4. Lund, Gleerup. 1917. 
S. 129—458. 8°. Pr. Heft 3 Kr. 

115. Söderwall, K. F. Ordbok öfver svenska niedeltids-spräket. 
H. 28. Samlingar utg. af Svenska fornskriftsällskapet. 
Sthm., Nord. bokh. 1917. S. 1241 — 1296. 4°. 3,50 Kr. 

116. Beckman, N. Hur uttryckes hos verbet framtid i forn- 
och nysvenskan? Spräk och Stil, 17. Ärgäng (1917) 1—46. 

117. Olson, E. De appellativa Substantiven? bildning i forn- 
svenskan. Lund, Gleerup. 1916. S. 603. 8°. 12 Kr. 

Förord — Förkortuingar — Inledande anmärkningar. — Avd. I. 
Beteckningar för levande väsen. A. Personbeteckningar. — I. Avled- 
ningsändelser för individuella maskuliner. II. Avleduingsändelser för 
individuella feminiuer. III. Individuella personbeteckningar, auvända 
om bäda manlig og kvinnlig varelse. IV. Kollektiva personbeteckningar. 
B. Djurnamn. I. Avleduingsändelser för djurbeteckningar, gemensamm» 
med de för personbeteckningar använda. IL Avleduiugsändelser som 
varit speeifika för djurnamn (i förh. tili personbeteckningur). — Avd. II 
Sakliga konkreta. I. Avleduingsändelser som i fornsv. eller ätm. ännu : 
samnord. tid varit i nägon man produktiva. II. Rester av i fornsv. (del 
vis redan i förnordisk el förgerm. tid) improduktiva. II. Rester av 
fornsv. (delvis redau i förnordisk el. förgerm. tid) improduktiva bild 
ningssätt. — Avd. III. Abstrakta. I. Avledningsändelser som ännu i 



Dirckinck-Holrnfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 85 

fornsv. varit ätm. i nägon man produktiva. II. Rester av i fornsv. 
(delvis redan i förnordisk tid) improduktiva bildningssät. — Tilläg och 
rättelser — Register. 

118. Palmer, J. Studier över de starktoniga vokalerna i 
1500-talets svenska. (Lunds universitets ärsskrift. N. F. 
Avd. 1, Bd. 13, Nr. 2.) Lund, Gleerup. 1917. 264 S. 

4,50 Kr. 

Citerad litteratur. — Excerperad litteratur. — Rättelser ock tillägg. 
— Tnledning. — Kap. I. Vokalismen i Olavus Petris skrifter. Kap. II. 
Avskrivares och sättares inverkan pä vokalismen i Olaus Petris skrifter. 
Kap. III. De starktoniga vokalerna i Olavus Petris spräk i deras för- 
hällande tili 1500-talets allmänna spräkmiljö. Kap. IV. Enhetlighet 
och växling inotn vokalismen i 1500-talets litteraturspräk. 

119. W:son Munthe, 1. Nägot mera om s. k. pleonastiska 
bildningar. Spräk och Stil, 17. Arg. (1917) 26—36. 

120. Hylen, J. E. Ett fang danismer. Spräk och Stil, 
17. Arg. (1917) 112 — 125. 

121. Ustergren, 0. Obestämd s-form efter preposition. 
Nägra synpunkter. Spräk och Stil, 17. Arg. (1917) 129—184. 

122. Pipping, R. Fsv. ora. Studier i nordisk filologi utg. 
genom H. Pipping (= Skrifter utg. av svenska litteratur 
sällskapet i Finland CXXXIII) 8 (1917) 8 S. 

Das in Drapa balkser 7 des ostgöt. Gesetzes vorkommende Zeit- 
wort ora, das von Schlyter durch: 'Gelegenheit suchen, die Ermordung 
eines Verwandten zu rächen' oder 'das Recht zu Rache haben' übersetzt 
wird, ist mit dem aschwed. Zeitw. vceria 'wehren' verwandt und kommt 
entweder von einem Norn. agent. urgerm. *uöra- 'Beschützer' oder einem 
Nom. action \iöra-, *uörö- 'Wehr, Schutz'; vgl. hiermit mit derselben 
Ablautsform ahd. wuori F. 'Wehr, Damm im Wasser zum Abhalten oder 
Ableiten des Stroms', lit. apywora f. 'Schanze' u. a. Von besonderer 
Wichtigkeit ist das gr. Ti;j.ä-a>p, 'zip.iuoöq 'Rächer' wegen der Bedeutungs- 
entwicklung. Dies Wort hieß urspr. „upholding, honour (Liddell-Skott), 
Ehrenhüter' (Curtius), als Adj. bekam es später die allgemeinere Be- 
deutung 'helping, aiding, succouring' und mehr spezialisiert 'assisting one, 
who has suffered wrong, avenging', als Subst. 'a helper, aider' resp. 
'an avenger'. Dieser Übergang von 'Wehr' zu 'Rache' rührt davon her, 
daß die Rache von dem Beleidigten als ein Akt des Schutzes aufgefaßt 
wurde. Bedeutungsänderungen ähnlicher Art finden sich in d. ' Wehr', 
schwed. hämna falls aus hafna 'aufgeben, ablassen von', gr. &XsE,io, 
«fj.uvu>, fin. kostaa und lat. vinclex. Das gr. -rifj-tupo? 'Rächer' (wovon 
■ufj.iup£<ju 'sich rächen') könnte vielleicht darauf deuten, daß man im Nord, 
von einem Nom. agent. auszugehn hat: *uöraz 'Beschützer' später 'Rächer, 
der Rache fordert' wovon ferner *uörön aschwed. ora abgeleitet ist. 

123. Swenning'. Folkmälet i Listers härad. Svenska lands- 
mäl H. 4 (1917) 5—100. 

Inledning. Ljudlära. I. Fonetisk översikt. 1. Spräkljud. A. Vokal- 
ljud. B. Konsonanter. 2. Kvantitet. 3. Akcent. A. Exspiratorisk Ak- 



86 Bibliographie des Jahres 1917. 

cent. B. Musikalisk Akcent. II. Genetisk Ljudlära. 1. Spräkljud. 
A. Vokalljud. 

124. Alving, H. Kalmarmälets ljudsystem. Svenska lands- 
mäl H 1 (1917) 59—80. 

Erst in der spätesten Zeit und bis jetzt nur in geringem Grad 
sind die Mundarten der Handelsstädte untersucht worden. Norwegen 
ist auf diesem Gebiet das führende unter den nordischen Ländern 
gewesen. Als die erste schwedische Arbeit dieser Art kommt die in- 
teressante Abhandlung Dr. Alvings vom Lautsysteme der Kalmar-Mund- 
art; sie behandelt namentlich den Vokalismus ausführlich, bietet außer- 
dem auch einige Sprachproben. 

125. Noreen, E. Arkmarksmälets ljudlära. Svenska lands- 
mäl H. 3 (1917) 3—114. 

§ 1 ff . Om äldre källor rörande dalbomälen. § 4ff. Kort över- 
sikt av Arkmarksmälets uttal. § 7 ff. Historik ljudlära. Vokaler i stark- 
tonig ställning. 

126. Wigforss, E. Södra Hailands folkmäl. Svenska lands- 
mäl H. 2 (1917) 433-624. 

Fortsetzung des Kap. III 'Kons, före starktonig vokal' (Jahrb. 
1916, No. HO). B. Konsonant efter starktonig vokal. Kap. IV. Kon- 
sonanter ef ter svagtonig vokal. Kap. V. Kvantitets utvecklingen. Kap. VI. 
Akcenten. A. Enkla ords akcentuering. B. Sammansatta ords akcentue- 
ring. Kap. VII. Dialektgeografiska ock kronologiska frägor. 

127. Hänninger, N. Fornskänsk ljudutveckling. En under- 
sökning av cod. AM. 28, 8:0 och cod. Holm. B 76. Lunds 
universitets ärsskrift. Lund, Leipzig. Gleerup, Harassowitz 
1917. 280 S. 8 Ü . 5 Kr. 

Eine gründliche Untersuchung von den Lautverhältnissen in den 
beiden wohlbekannten Handschriften des schwedischen Gesetzes: Codex 
Runicus (AM. 28, 8°) und der Hadorpher Handschrift (Cod. Holm. B 76). 
I. Vokalism. A. Kvalitativ ljudutveckling. B. Vokal bortf all. C. Svara- 
bhakti. D. Kvantitativ ljudutveckling. II. Konsonantism. A. Kvalitativ 
ljudutveckling. B. Konsonantbortfall. C. Konsonantinskott. D. Metatesis. 
E. Kvantitativ ljudutveckling. 

128. Karlen, S. Fennicismer i haparandasvenskan. Spräk 
och Stil, 17. Arg. (1917) 47—125. 

129. Namn och bygd., Arg. 5 (1917). 
Aus dem Inhalte gehört hierher: 

A. Noreen: Sjön Dusslingen m. fl. ortnamn och Yng- 
lingatals Sveigderstrof. 1 — 5. Der Name dieses kleinen Sees in 
Värmland verbindet der Verf. mit einem altnord. Adjektiv dusil 'klein, 
unbedeutlich', das von Zusammensetzungen, wie dusilhross 'schlechtes 
Pferd u. dgl.' wohlbekannt ist. Der Name sollte also 'der kleine' 
bedeuten. Einen Fundort für dusill als Simplex will der Verf. in Yng- 
lingatals Strophe 2 nachweisen, wo er: dusla — ept dvergi 'nach dem 
erbärmlichen Zwerg' liest. 

Gösta Langenfeit: Assedun. 6 — 8. In diesem vor 1519 auf- 
gezeichneten Namen eines östgötischen Pfarrhofes will der Verf. einen 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. 0. Nordgerm. 87 

Namen des Aufrufens des aeng. Ortsnamen Assandun (das heutige 
Ashington) finden, der u. a. vom Siege Knuds des Großen über Edmund 
bekannt ist. 

Elis Wadstein: Jordanes' Vagi fluvius och Vaxholm. 
15 — 18. Ein Versuch der spätesten Zeit, den von Jordanes erwähnten 
großen skandinavischen See, von dem der Vagi fluvius in den Ozean fließt, 
an den rechten Ort zu versetzen. Der Verf. stellt (mit Läffler) Vagus 
mit altnord. vdgr 'Bucht' zusammen und identifiziert den See mit dem 
Mälar. Eine Bestätigung seiner Theorie findet er in den Ortsnamen 
Vaxar und Vaxholmen am Einfluß der betreffenden Bucht. 

Erland Hjärne: Vagi fluvius och Vatä. 53 — 89. Jordanes 
beschreibt die Lage der Insel Scandza (d. i. Skandinavien) in folgender 
Weise: „eine Insel, die sich weit ausgestreckt mit krummen Seiten in 
der Form des Blattes eines Zitronenbaumes zusammenschließt". Die 
Insel soll der Weichselmündung gerade gegenüber liegen, welche Erläu- 
terung Jordanes höchst wahrscheinlich von Ptolemäus bekommen hat. 
Die Frage, ob die Spitzen des 'Zitronenblattes' gegen Ost- West oder 
Süd-Nord liegen, wird durch die ptolemäischen Karten entschieden, die 
nach gewöhnlicher Annahme echte Tradition enthalten. SxavSia gleicht 
auf dieser Karte (z. B. in Codex Urbinas 82, siehe Gudm. Schütte in 
PBB. 41) genau dem Blatt eines Zitronenbaumes, welches gegen Ost- West 
ausgestreckt ist. Um zu erklären, wie die Konturen Skandinaviens in 
dieser Weise haben aufgefaßt werden können, nimmt der Verf. an, daß 
man von der Weichselmündung aus Schiffahrten direkt nach Schonen, 
nach den Mälardörfern und nach dem innersten Ende des Finnischen 
Meerbusens vorgenommen habe, ohne daß man der Küstenlinie zwischen 
diesen Gegenden gefolgt wäre. Da auch in Südfinnland eine germanische 
Bevölkerung getroffen worden ist, hat man geglaubt, sich dort in der 
östlichen Spitze des 'Blattes' zu befinden. 

Da nun Jordanes den großen See mit dem Ausfluß des Vagi 
fluvius nach dem östlichsten Teil von Scandza verlegt, muß er einen 
der großen Seen in Finnland gemeint haben. Geijer schlug schon in 
Svea rikes häfder den Ladoga-See vor, wonach Vagi fluvius die Neva 
wäre. Dieses wird aber dadurch unmöglich gemacht, daß der Ausfluß 
des Ladoga-Sees gegen Westen, nicht gegen Osten zugeht; die Kenntnis 
davon würde die Idee vom Blatte des Zitronenbaumes ganz zerstören. 
Dagegen paßt die ganze Beschreibung genau auf den See 'Saima' und 
dessen Ausfluß Vuoxen gegen Osten zu in den Ladoga-See mit dem 
Wasserfall Imatra. 

Im Betreff der Namenform Vatä, die in „Sogubrot af fornkonun- 
gum" (Fornaldar Sögur Nerorlanda ed. Rafn. I 378) in Verbindung mit 
der Erwähnung von der Braavallaschlacht gefunden wird, lehnt der 
Verf. mit Birger Nerman (Studier i Svärges hedna litteratur 1913 s. 80) 
die Vermutung Schucks ab, daß es ein Schreibfehler für urspr. Vaghd 
fornkonungum sei. Vatsd und Vagi fluvius sind nicht identisch, denn 
der erste muß der Ausfluß des Vättern-Sees, der Motala-Strom sein. 

M. Olsen: Sigtuna. In diesem recht gewöhnlichen Stadtnamen 
will der Verf. ein als Ortsnamen gebrauchtes, altes, zusammengesetztes 
Appellativ sehen. Er faßt das letzte Glied der Zusammensetzung nicht 
als das rein einheimische Wort tun 'Hofplatz' (eigentl. 'Einzäumung', 
vgl. d. Zaun) auf, sondern nimmt an, daß es, wenn es von einer (be- 



88 Bibliographie des Jahres 1917. 

festigten) Stadt gebraucht wird (vgl. engl, toicn), als ein Kulturwort zu 
betrachten sei, das seinen Bedeutungsinhalt durch keltischen Einfluß 
(vgl. das gall. dunum 'Burg' in zahlreichen Stadtnamen : Lugodunum 
usw.) bekommen habe. — Auch für das zusammengesetzte Sigtuna nimmt 
der Verf. keltischen Einfluß an, indem er als Vorbild den innerhalb des 
gallischen Gebietes öfters überlieferten Stadtnamen Segödünon (latinisiert 
-dunum) annimmt, der noch im französ. Suin (Saöne-et-Loire) bewahrt ist. 

Das erste Element des Wortes ist von zahlreichen Kompositis 
her wohlbekannt und wird mit irisch seg 'Stärke' und got. sigis 'Siejr 
zusammengestellt. Der ganze Xame bedeutet also etwa 'die starke 
Festung'. 

E. Noreen: Nägra ortnamn pä DaL 93 — 101. 1. Nägra da- 
tiviska namn. 2. Ett par namn pä -byn. 3. Ättingsäker och Olsängen. 
4. Om ljudutvecklingen i Edsleskog, Tisselskog m. m. 

E. Noreen: Bjurstämman. 106—107. Jföran] S[ahlgreu]: 
Bjurstämman och nysv. stämbord. En replik. 107 — 108. 

Smärre bidrag. 1 ^ 8 — 160. E. Noreen: Nägra ortnamn pä 
Dal. Tillägg. a) Till de dativiska namnen. b) Norebyn. Derselbe: Ee- 
gistret tili Gustav den förstes registratur. Martin Lijsing; Kamphavet. 
O. Lbg. 'Odins hast'. Anmälningar. 161 — 188. E. Hellquist: Mag- 
nus Olsen, Hedenske kultminder i norske stedsname. I. Hj. Lindroth: 
BT. V. Clausen, Studier over Danmarks oMtidsbebyggelse (i Aarböger for 
nordisk 01dkyndii;hed og Historie. Raekke 3. Bd. 6, 1916). 0. Lbg. 
Sune Lindqvist, Den heiige Eskils biskopsdöme. 1915. J. S. Türe 
Hederström, Fornsasror och eddakväden i geografisk belysning med in- 
leJande namnundersökningar. Utdrag ur ett efterlämnat arbete. Del. 1. 
P. A. Norstedt & Söners förlag. Stockholm 1917. 8:0. X + 60 s. + 
1 karta. Pris 3 kr. — Nordisk ortnamnslitteratur 1916. 189 — 194. — 
Ortnamnsregister 195 — 198. 

130. Ortnamnen i Alvsborg län. D. 9:1. Marks härad. 
Norra delen. S. 280. 1916. Pr. 10 Kr. D. 9:2. Marks 
härad. Södra delen. S. 221. 1917. Pr. 9 Kr. (Tr. i 
Uppsala.) 

131. Beckmai], N. Vära medeltida domareregler. Arkiv 34 
(1917) 156 — 166. 

Behandelt die in den Aufzeichnungen des Priesters von Vidhem 
eingeführten Richterregeln, die untersucht werden teils mit Rücksicht 
auf den Ort der Abfassung, teils auf die Art des Inhalts. Be>onders 
durch das letzte meint Beckman festsetzen zu können, daß der Verf. 
der Regeln ein geistlicher Scholastiker sei; da diese Studien besonders 
in Uppsala getrieben wurden, liegt es nahe, den Regeln uppländische 
Herkunft zuzuschreiben, was auch einzelne uppländische Sprachformen 
und besonders die gebrauchte Terminologie (die auf uppl. Quellen hin- 
weisen) zu bestätigen scheinen. Zuletzt sind die Regeln nach 'Arboga 
lagbok' abgedruckt. 

132. Götlind, J. Versen i Urban Hiärnes Rosimunda. Ett 
bidrag tili studiet av 1600-talets verskonst. Arkiv 33 
(1917) 223—240. 



Dirckinck-Holmfeld u. Sandvad, XL Germ. C. Nordgerm. 89 

Versarter i Rosimunda 224 — 231. Inkongruenser 231—236. Eli- 
sion 237-240. 

133. Olson, E. Utclrag ur Magnus Erikssons landslag med 
inledning, anmärkningar och glossar. Andra upplagan. 
Lund, Gleerup. 1917. 181 S. 8°. 5,50 Kr. 

Förord tili första upplagan. — Förord tili andra upplagan. — 
Förkortningar. — Inledning — Till ljudläran — Till formläraa. — Text 
— Glossar. 

E. Dänisch. 

134. Kalkar,0. Ordbog til det seldre danske Sprog (1300— 1700). 
H. 59 Tillseg. Kbhvn. Reitzel. 1917. 80 losp. 4°. 
2,50 Kr. 

135. Bröndum-Nielsen, J. Danske lovhändskrifter og dansk 
lovsprog i den seldre middelalder. Arkiv 34 (1917) 105 — 137. 

Im Abschnitte I wird das gegensei' ige Verhältnis der verschiede- 
nen Handschriften des schon. Gesetzes behandelt, im Abschnitt II die 
schwierige Fraa;e der Datierung der einzelnen Hss. und in Verbindung 
hiermit die wichtigsten Laut- und Deklinationsformen; zuletzt in einem 
Exkurs erklärt der Verf. die angebliche Nominativform rcetcer in Cod. 
Run. für einen Schreibfehler an Stelle von rcetcen uar der andern Hss. 

136. Pontoppidan, E. Gramatica Danica (1668). Danske 
Grammatikere fra Midten af det syttende til Midten af det 
attende Aarh. Udg. af Henrik Bertelsen. (Udg. af Det 
danske Sprog og Litteraturselskab.) Bd. II. Kbhvn. 
Gyldendal. 1917. 432 S. 6 Kr. 

137. Hansen, H. P. Kjaeltringsproget. Festskrift til Evald 
Tang Kristensen 1917. 70 — 94. Kobenhavn. Det Schon- 
bergske Forlag. 1917. 238 S. 8°. 6 Kr. 

Behandelt die Sprache der jütländischen Kjaeltringer ('Tatere', 
eines zigeunerartigen, nun fast ausgestorbenen Stammes), die wesentlich 
aus jütländischer Bauernmundart besteht, mit Einmischung von ziemlich 
wenigen, den gemeinen Leuteu unverständlichen Wörtern, die bisweilen 
romanischen Ursprungs sind (z. B. Kultes, 'Messer', ef. lat. culter; ska- 
pown, 'Hut', jf. frz. chapeau). Der Verf. gibt eine Übersicht der Lite- 
ratur über diese Sprache und vergleicht sie mit jener der deutschen 
Zigeuner- und der norwegischen Landstreicher-Sprache. Es folgt eine 
Wörtersammlung von ca. 250 Wörtern, alles, was mit Sicherheit bekannt 
ist. Ein Teil dieses Wörterstoffes ist früher nicht veröffentlicht gewesen, 
sondern ist von dem Verf. bei noch lebenden Vertretern dieser bald aus- 
sterbenden Mundart gesammelt worden. 

138. Clausen, H. V. Studier over Danmarks Oldtidsbebyggelse 
(Med. 11 Kart). Aarböger for nordisk Oldkyndighed 6 
(1916) 1—226. 

[Indledning.] — Seeland. — Skäne. — Fyn. — Smälandene. — 
Üstjylland. — Nordjylland. — Sönder-og Vestjylland. — Halland. — Vester 



90 Bibliographie des Jahres 1917. 

Götland. — Smäland o» Öster Götland. — De enkelte Stednavne. — 
Guder, Konger og Stednavne. 

139. Ussing, H. Om Bebyggelserne og Stednavnene paa 
-thorp. Danske Studier (1917) 83—93. 

Der Verf. gibt zuerst eine besiedelungs- und kulturgeschichtliche 
Darstellung der dän. Ortsnamen auf -thorp: Sie gehören der Zeit von 
der Einführung des Christentums bis zur Periode der großen Waldemare 
an und sind Ausdruck einer im Laufe dieser Zeit vorgenommenen groß- 
artigen Ausdehnung des besiedelten Gebietes. Das erste Glied sind 
gewöhnlich Personennamen, die schlichten Bauersleuten angehört haben, 
sie stehen so in Gegensatz zu den älteren und selteneren Namen 
auf -lev und -sted, deren Vorderglied gewöhnlich den Namen eines 
Häuptlinges enthielt. Besiedelungsgeschichtlich deutet dies Verhältnis 
auf einen altern noch in heidnischer Zeit von Häuptlingen, wahrschein- 
lich mit großem Hausstande, vorgenommenen Zug, wodurch die Siede- 
lungen gegründet wurden, die im allgem. das größte Zubehör an Län- 
dereien in Dänemark haben und auf eine später, in der ersten christl. 
Zeit erfolgte Einwanderung von Bauern, eine Einwanderung, deren Be- 
siedelungsverhältnisse am nächsten mit denen der modernen Häusler- 
bewegung zu vergleichen sind. Die Namen auf -thorp kommen in den 
drei Formen -rup, -drup, -trup vor, verteilt nach einer Regel, die der 
Verf. nach einer genauen Untersuchung folgenderweise formuliert: 
,Wo das Altdän. einen Vokal vor der Endung -thorp hat, wird diese -rup, 
wo Altdän. stimmhaften Konsonanten hat, wird die Endung -drup (dies 
d kann wie in andern Wörtern der Sprache Verbindung mit einem voran- 
gehenden Laut eingehen und dadurch im Laufe der Zeit verschwinden); 
wo stimmloser Konsonant vor -thorp steht, entsteht -trup. u Der Verf. 
weist ferner die Bedeutung nach, welche die örtliche Aussprache der 
einzelnen Namen für deren rechtes Verständnis hat. 

140. Schoning, O. I historisk belysning. Fremdeies om 
Navneordene som konkreter og abstrakter. Nordisk tids- 
skrift for filologi 6 (1917) 97 — 140. 

Kopenhagen. Edw. Dirckinck-Holmfeld und 

Holger Sandvad. 

D. Westgermanisch. 
Englisch. 

Allgemeines. Laut- und Formenlehre. 

141. Behrens, D. Beiträge zu einer Geschichte der franzö- 
sischen Sprache. Zeitschr. f. franz. Spr. und Lit. 45 (1917) 
157—234. 

Vgl. Nr. 5 England 177—182 (franz. Einflüsse im Engl.). 

142. Bihl, J. Die Wirkungen des Rhythmus in der Sprache 
von Chaucer und Gower. — Vgl. IJ. 5, XI, Nr. 148. 

Vgl. noch die Bespr.: Engl. Stud. 1918, 94—97 (E. Eckhardt); 
Die neueren Sprachen 1917, 561 f. (R. Imelmann). 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 91 

143. Brillioth, B. A Grammar of the Dialect of Lorton. 
Oxford, University Press. 1913. 194 S. 

Bespr. : Die neueren Sprachen 1917, 373 (F. Karpf ; rühmt vor allem 
die Darstellung der Syntax). 

144. Ekwall, E. Contributions to the history of old english 
dialects. Lunds universitets ärsskrift. N. F. Avd. 1, Bd. 12, 
Nr. 6. Gleerup. 1917. 65 S. 8°. 1,50 Kr. 

I. West germanic a before 1 followed by a consonant. — 
Material-Results. Stellt hier unter „Results" folgendes als sein Haupt- 
resultat dar: 1. Breaking of a before Z-f" cons - * s a universal feature of 
Saxon and Kentish dialects. 2. Breaking took place only in Saxon and 
Kentish dialects. Huntingdonshire is therefore to be looked upon as a 
Saxon colony. II. On i-mutation of West germanic a before 1 
followed by a consonant. — Material-Results, hierunter folgendes: 
1. Saxon ea (of a before l -f- cons.) when i-mutated became ie in some 
West and South Saxon dialects. This ie became: a) Oe. «', Me. i in Devon 
and Somerset; b) After w Oe. y, Me. u (o) in Dorset, Wilts, Hants, partly 
at least in Oxford and W. Sussex, probably also in Berks. 2. In Kentish, 
probably in East Saxon, in East Sussex, perhaps also in the Eastern West 
Saxon dialects ea was i-mutated to e. 3. Anglian a before l -4- cons. when 
«-mutated developed differently in West Mercian and other Anglian dialects ; 
it became: a) In the former Oe. cc, Me. a; b) In the latter Oe. <z [e], 
Me. e. 

145. Gabrielson, A. The earliest Swedish works on English 
pronunciation. Before 1750. Studier i modern sprakveten- 
skap, utgiv. av Nyfil. Sällskap. i Stockholm, VI, 1. Uppsala, 
Almquist. 1917. 80 S. 

Bespr.: Herrigs Archiv 1918, 130 ff. 

146. Glaeser, Karl. Lautlehre der Aelfricschen Homilien in 
der Handschrift Cotton Vespasianus D. XIV. Diss. Leipzig. 
1917. 96 S. 8°. 

147. Grünewald, Willi. Der Formenbau der englischen Bibel 
(Authorised Version 1611). Diss. Gießen. 1917. X, 39 S. 

Artikel. Substantiv. I. Plural. II. Genetiv. III. Geschlecht. 
Adjektiv und Adverb. Pronomen. I. Personalpronomen. IL Re- 
flexivpronomen. III. Demonstrativpronomen. IV. Fragepronomen. V. 
Relativpronomen. VI. Possessivpronomen. Numerale. Verbum. 

A. Starke und schwache Verba. I. Flexionsendungen. IL Tempusbildung. 
1. Starke Verba: a) ablautende, b) reduplizierende. 2. Schwache Verba. 

B. Praeterito-Praesentia und Anomala — (Literaturverzeichnis, Abkür- 
zungen, Einleitung S. I— X). S. 36 ff. Wortindex. 

Bei der Formerklärung geht G. auf den älteren Sprachstand zurück 
und vergleicht mit Formen bei Chaucer, Caxton, Spenser, Shakespeare, 
dann und wann auch bei anderen ne. Autoren wie Th. More, Marlowe. 
Auch mit dem Modernenglischen wird verglichen und auf die Schreibung 
der Formen Gewicht gelegt. 



92 Bibliographie des Jahres 1917. 

148. Günther, J. M. A. A Manual of English Pronunciation 
and Graminar for the Use of Dutch Students. Third Edition. 
Groningen, den Haag, J. B. Wolters. 1916. VIII, 383 S. 
8°. 2,75 fl. (geb.). 

Bespr.: DLZ. 1918, 347 f. (W. Vietor). 

149. Joerden, 0. Das Verhältnis von Wort-, Satz- und Vers- 
akzent in Chaucers Canterbury Tales. — Vgl. IJ. 5, XI, 
Nr. 153. 

Vgl. weiter die Bespr.: Herrigs Arch. 1918, 127 ff. (K. Brunner). 

150. Poutsma, A. A Granimar of Late Modern English. 
Part II: The Parts of Speech; Section I, A: Nouns, Ad- 
jectives and Articles; Section I, B: Pronouns and Numerais. 
Groningen, Noordhoff. 1914—1916/1917. XII, 703 + XV. 
705—1437. 7,25 fl. (geb. 8,25 fl.) bzw. 8,50 (9,50) fl. 

Bespr.: Die neueren Sprachen 1916, 437 f. (M. Deutschbein). 

Das umfangreiche Werk, das den Titelvermerk führt ,.for the use 
of Continental, especially dutcb, students", behandelt in dem 2. Teil 
Kap. XXIII— XLIV der Gesamtdarstellung. Jedes Kapitel zerfällt in 
eine Anzahl Paragraphen, deren Zahl in Teil II 779 ausmacht (Sect. 
I A = 318, Sect. IB = 461 §§). Der Inhalt der Kapitel ist folgender: 
Kap. XXIII Adnominal Use of Nouns in the Common Case, Kap. XXIV 
Genitive of Nouns, Kap. XXV Number of Nouns, Kap. XXVI Concord, 
Kap. XXVII Sex denoted by Nouns, Kap. XXVIII General Observations 
on Adjectives, Kap. XXIX Conversion of Adjectives into Nouns, Kap. 
XXX Degrees of Comparison, Kap. XXXI The Article (74 £§), Kap. 
XXXII (Sect. I B) Personal Pronouns, Kap. XXXIII Possessive Pronouns, 
Kap. XXXIV Pronominal Compounds of seif, Kap XXXV Observations 
on Perton-Exhibiting' Pronouns in General, Kap. XXXVI Demonstrative 
Pronouns, Kap. XXXVII Determinative Pronouns, Kap. XXXVIII Inter- 
rogative Pronouns, Kap. XXXIX Relative Pronouns, Kap. XL Indefinite 
Pronouns and Numerais (196 §§), Kap. XLI Pronominal and Adverbial 
Compounds of so, soever and ever, Kap. XLII Numerais, Kap. XLIII 
Prop-Words, Kap. XLIV Repetition of Adnominal Modifiers. S. 700—703, 
1328—1352 Corrections and Additions, S. 1353—1437 Wort- u. Sachindex. 
Das durch reichhaltige Literaturbelege gekennzeichnete Werk, das auch 
dem Lexikographen Dienste tut, berücksichtigt außer gelegentlicher Heran- 
ziehung der Verhältnisse im Ae. u. Me. auch das Frühneuenglische, den 
idiomatischen und den vulgären Sprachgebrauch. Die Zitate aus Zeitungen 
und Zeitschriften sollten genauer sein und durchgehend Jahrgang und 
Nummer aufweisen. Es genügt vielen Benutzern nicht, wenn einfach nur 
zitiert ist „Times" (53, 63, 247 u. ö.) oder „Daily News" (87 u. ö.). 

151. Stichel, Hans. Die englische Aussprache nach den 
Grammatiken Peytons (1756, 1765). Darmstadt. 1915. 

Bespr.: Anglia, Beibl. 1918, 171—178 (R. E. Zachrisson). 

152. Wild, Fr. Die sprachlichen Eigentümlichkeiten der wich- 
tigeren Chaucer-Hss. und die Sprache Chaucers. — Vgl. 
IJ. 5, XI, Nr. 168. 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. "Westgermanisch. 93 

Vgl. ferner die Bespr. : Zs.f.d. österr. Gymn. 1917, 72 — 74 (A. Eichler); 
Die neueren Sprachen 19lt>, 181 f. (R. Imelmann). 

153. Zschech, Dr. Fritz. Die Kritik des Beims in England. 
(Berliner Beiträge zur germ. u. rom. Philo!., hg. v. E. Ebering, 
H. 50.) Berlin, Ebering. 1917. VIII, 167 S. 8°. 5 M. 

Bespr.: Cbl. 1918, 652 ff. (M. Lederer). 

Syntax. 

154. Aronstein, Ph. Shall und will zum Ausdrucke der Identität 
im Englischen. Anglia 41 (1917) 10— 93, .301 — 392. 

Einleitung (10 — 14) I. Teil (14 u. ff.). Der unabhängige Gebrauch 
von shall und will. Kap. I. Ursprüngliche Bedeutung und allgemeine 
Verwendung von shall und will. § 1. Grundbedeutung von shall und 
will. § 2. Unterscheidung der Personen. Kap. II. Der unabhängige 
Gebrauch von shall und will im Praes. § 1. Ausdruck des Futurums 
im allgemeinen. § 2. Die heutig.- Regel und die ältere Theorie über die 
Verteilung von shall uud will auf das Futurum. § 3. I) r Gebrauch von 
shall und will in der ersten Person. § 4. Der Gebrauch von shall und 
will in der zweiten und dritten Person in der älteren Sprache. § 5. Das 
objektive Futurum der zweiten und dritten Person in der heutigen Sprache. 
§ 6. Das subjektive shall-F* turum der zweiten und dritten Person in der 
heutigen Sprache. § 7. Der indikativische modale Gebrauch von will 
in der zweiten und dritten Person des Praes. Kap. III. Shall und will 
im Imperf. in unabl ängigem Gebraueh. § 1. Allgemeine Bemerkungen. 
§ 2. Der in'ükativisch-modale Gebrauch von should. § 3. Der indika- 
tivisch-modale Gebrauch von would. § 4. Das indikativische Imperfektum 
Futuri. § 5. Should bezeichnet eine Verpflichtung, die nach Ansicht des 
Sprechenden vorliegt. § 6. Gebrauch von should in Fragen nach Ad- 
verbien des Grundes . . ., um verwundert und mit negativem Sinn nach 
dem Grunde zu fragen. § 7. Woidd dient dazu, das Wollen als bloßen 
Gedanken zu charakterisieren (dessen Verwirklichung nicht in Betracht 
gezogen wird oder nicht in der M;-cht des Subjekts liegt). § 8. Die 
Modalität, das Sollen oder "Woll-n, erscheint ... als bedingt, sei es durch 
äußere Umstände, sei es innerlich durch die Unsicherheit . . . des Sprechen- 
den (Berührung von should und would). § 9. Should und would stehen 
konditional. IL Teil. Der abhängige Gebrauch von shall und will. 

A. 1. Abt. Shall und will in Nominnlsätzen. Kap. I. Shall und will in 
der sog. indirekten Rede und indirekten Frage. § 1. Shall und will im 
Praesens, in der indirekten Rede und der indirekten Frage. § 2. Should 
und would in der indirekten Rede und der indirekten Frage. Kap. II. 
Der Inhalt des Nebensatzes wird nicht objektiv berichtet oder erzählt als 
Gedanke oder Aussage jemandes, sondern erscheint als bloße Vorstellung, 
Inhalt des WohVns oder Fühleus (Gebiet des Konjunktivs). § 1. Der 
Inhalt des Nebensatzes ... als bloße Vorstellung ... § 2. Der Nebensatz 
enthält etwas vom Subjekte des Hauptsatzes Gewolltes. § 3. Der Inhalt 
des Nebensatzes ... als Gegenstand oder Ursache einer Gemütsbewegung. 

B. 2. Abt. Shall und will in Relativsätzen (der Gebrauch der älteren 
Sprache ist von dem der lebenden scharf zu scheiden: S. 357). C. 3. Abt. 
Shall und will in Adverbialsätzen: a) Temporalsätze, b) Bedingungssätze, 
c) Konzessivsätze, d) Folgesätze, e) Absichtssätze, f) Vergleichssätze. 



94 Bibliographie des Jahres 1917. 

Die Untersuchung, die sich ständig mit der vorhandenen Literatur 
(Mätzner, Krüger u. a.) auseinandersetzt, vergleicht systematisch die ältere 
Sprache, weniger das Ae. und Me., als vorab die Sprache Shakespeares, 
Bacons und Zeitgenossen, mit der neueren. 

155. Deutschbein, M. System der neuenglischen Syntax. 
Cöthen, O. Schulze. 1917. 

Bespr.: Anglia, Beibl. 1918, 161—171 (A. Western: „In allem, was 
der formellen Syutax angehört, ist das Buch gut. . .; in den Kapiteln 
dagegen, welche die logische Seite der Sprache behandeln, finde ich es 
ungenügend, weil es zu doktrinär ist" [170 ff.]). S. außerdem den Aufsatz 
von E. H. Budde, Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten des engl. 
Grammatikunterrichts (Die neueren Sprachen 1918, 117 — 138) und 
W. V(ietors) Anknüpfung „Zum gleichen Thema" (a. a. 0. 138—140). 

156. Harz, Hildeg. Die Umschreibung mit do in Shakespeares 
Prosa. Hallische Diss. 1917. 75 S. 8°. 

157./158. Jespersen, O. Negation in English and Other Langu- 
ages. Det Kgl. Danske Videnskabernes Selskab, Historisk. 
filol. Meddelelser I, 5. Kopenhagen 1917. 151 S. 8°. 
Von grundsätzlicher Bedeutung. Der Verf. nimmt bei seiner Be- 
handlung der engl. Negation auch auf andere Sprachen Rücksicht "so as 
to deal with the question of Negation in general as expressed in lauguage . . . 
My work in some respects continues what Delbrück has written on ne- 
gation in Indo-European languages (Vgl. Syntax 2, 519 ff), but while he 
was more interested in tracing thiugs back to the ' Ursprache', I have 
taken more interest in recent developments and in questions of general 
psychology and logic". 

159. Stoelke, H. Die Inkongruenz zwischen Subjekt und 
Prädikat im Englischen usw. — Vgl. LT. 5, XI, Nr. 191. 

Vgl. noch die Bespr.: Herrigs Archiv 1917, 181 f. (K. Brunner); 
Die neueren Sprachen 1917, 500—503 (R. Imelmann). 

160. Sunden, K. F. Essay I: The predicational categories 

in English. Essay II: A category of predicational change 

in English. (Uppsala, Universitets^Ärsskrift, 1916.) Uppsala, 

Akademiska Bokhandeln. 1916. XX, 562 S. 

Bespr.: Herrigs Arch. 1918, 123 ff. („Grundlegende Arbeit* zur 
Syntax des eDgl. Verbums). 

161. Wende, F. Über die nachgestellten Präpositionen im 
Ags. — Vgl. IJ. 5, XI, Nr. 193. 

Weitere Bespr.: Anglia, Beibl. 1918, 99—102 (A. Eichler). 

162. Westergaard, Elisabeth. A few Reinarks on the Use 

and the Significations of the Prepositions in Lowland Scotch. 

Anglia 41 (1917) 444—455. 

Zu den Präpositionen: 1. at, 2. by, 3. for, 4. front, 5. in, 6. of, 
7. on, 8. to, 9. upon, 10. with. 



Otto Maußer, XL Germanisch. D. Westgermanisch. 95 

Denkmäler. 

163. Brandl, AI. u. Zippel, 0. Mittelenglische Sprach- und 
Literaturproben. Ersatz für Mätzners Altenglische Sprach- 
proben. Mit etymologischem Wörterbuch zugleich für 
Chaucer. Berlin, "Weidmann. 1917. VIII, 423 S. 4°. 
6,60 M. 

Bespr.: DLZ. 1918, 629—632 (A. Eichler); Engl. Stud. 1918, 
274—276 (R. Jordan); Zs. f. franz. u. engl. Unterr. 1918, 167—169 
(M. Kaluza). 

Die Texte sind, um ausgiebige Reim kritik zugunsten des Lernenden 
zu ermöglichen, vor allem der Versliteratur entnommen (S. 1 — 222; Prosa- 
texte S. 223—255). Großen Raum erhielt — mit Recht — das Glossar 
zugewiesen (S. 256—420). 

164. Fehr, B. Die Hirtenbriefe Aelfrics usw. — Vgl. LT. 5, 
XI, Nr. 197. Hamburg, 1914. 

S. ferner die Bespr.: Engl Stud. 1918, 105—112 (K. Jost); Die 
neueren Sprachen 1916, 116 ff. (H. Mutschmann). 

165. Holthausen, F. Die ältere Genesis. — Vgl. IJ. 5, XI, 
Nr. 236. 

Vgl. noch die Bespr.: Literaturbl. 1918, 33—35 (G. Binz); Herrigs 
Arch. 1918, 124. 

166. — Kleinere altenglische Dichtungen. Anglia 41 (1917) 
400—404. 

Verf. sammelt hier ae. Verse und kleinere Gedichte, die in Grein- 
Wülkers Bibliothek der ags. Poesie fehlen. Er gibt einen kritisch her- 
gestellten Text. Die kleine Sammlung enthält: I. Sprüche. IL Gloria. 
III. Inschrift des Runeukästchens (im Brit. Mus.). IV. Die allitterierende 
Vorrede zu Wserferds Übersetzung von Gregors Dialogen V. Preis 
Ealdhelms (f 709). VI. Hälgung-böc. Da und dort sind Erklärungen 
beigefügt. 

167. Klaeber, Fr. The Later Genesis and other Old English 
and Old Saxon Texts relating to the Fall of Man. Heidel- 
berg, Winter. 1913. 

Bespr.: Die neueren Sprachen 1918, 558 ff. (F. Karpf). 

168. Liebermann, F. Die Gesetze der Angelsachsen. — Vgl. 
IJ. 5, XI, Nr. 201. 

Bespr.: Anglia, Beibl. 1918, 1 — 9 (J. Hoops, Bericht über die 
3 Bde). 

169. Schücking 1 , L. L. Wann entstand der Beowulf? Glossen, 
Zweifel und Fragen. PBB. 42 (1917) 347—410. 

Außer den Haupterörterungen vgl. besonders § 3 (356 u. ff.): Zu 
den elastischen Kriterien: Artikel und Kontraktion. 



96 Bibliographie des Jahres 1917. 

"Wortforschung. 

170. Alexander, H. The place-nanies of Oxfordshire ... — 
Vgl. IJ. 5, XI, Nr. 206. 

Vgl. noch die Bespr.: Eng!. Stud. 1918, 97—105 (R. G. Roberts): 
mit vielen Bemerkungen zu Einzelheiten und einleitendem Überblick über 
die Geschichte der Erforschuug der englischen Ortsnamen in den letzten 
zwei Jahrzehnten, vorab seit Skcat. 

171. Born, M. Nachträge zu The Oxford English Dictionary. 

— Vgl. IJ. 5, XI, Nr. 209. 

T. I, n erschien 1909 u. 1911 (48, 49 S.). — Ferner bespi. in: 
Die neueren Sprachen 1916, 118 ,H. Mutschmanü). 

172. Brondal, V. Substrater og laan i Roniansk og Germansk. 

— Vgl. XI Nr. 14. 

Für das Engl. s. vor allem die Erörterungen über barley, chiclers. 
noel, play, pough, 2 mrse > I >u ^ screen, shoal. Vgl. Herrigs Archiv 
1918, 1U7. 

173. Förster, M. Die altenglische Glossenhandschrift Plau- 
tinus 32 (Antwerpen) und Additional 32 246 (London). 
Anglia 41 (1917) i'4—161. 

Zu den Glossen der Junius-Hs. in Wrieht-Wülkers Anglo-Saxon 
and old English Yocabularies (Sp. 104 — 191)! Förster kommt zu 
dem Ergebnis, 1. „daß die Antwerpener Handschrift, ergänzt durch die 
Londoner Fragmente, die von Junius benutzte Glossen-Handschrift ge- 
wesen ist" (9ö), 2. daß die Glossen weder mit dem Eivbischof noch mit 
dem Abt Aelfric etwas zu tun haben und zeitlich dem ausgehenden 11. 
oder dem beginnenden 12. Jahrh. angehören (94), 3. daß eine Xeuausgabe 
der bei "Wright-Wulker als Nr IV, A T abgedruckten ae. Glossare „ein 
dringendes Bedürfnis" ist. Yerf gibt eine genaue Beschreibung der Ant- 
werpener-Hs. und bespricht eingehend über 300 ae. Wörter. — Alpha- 
betisches Verzeichnis dieser Wörter S. Iö8 — 161. 

174. Funke, O. Die gelehrten lateinischen Lehn- und Fremd- 
wörter in der altenglischen Literatur. — Vgl. IJ. 5, XI, 
Nr. 212. 

S. ferner die Bespr.: Z f. österr. Gymn. 1917, 382 (A. Eichler); 
Anglia, Beibl. 1917, 33 ff (F. Hüttenbrenner). 

175. Günther, J. A. H. English sjnonjms, explained and illus- 
trated. 3rd. ed. Groningen, Wolters. 1917. 558 S. 2,90 11. 

Bespr.: Herrigs Arch. 1918,123 (»Der spezifische Wert des Buches 
liegt in der Beispielsammlur g u . Doch hebt Rez. neben anderen Mangeln 
hervor, daß die Vollständigkeit „nicht sehr groß" sei); Anglia, Beibl. 1918, 
69 — 71 (E. Björkman): G.s Buch genieße .uneingeschränkte Existenz- 
berechtigung'" neben Krügers »Synonymik" (1910). 

Die neueren Sprachen 1918, 560 ff. (M. Krummacher). 

176. Holthausen, F. Etymologisches Wörterbuch der Eng- 
lischen Sprache. Leipzig, Tauchnitz. 1917. VIII, 192 S. 
8°. 4,50 M. (geb.). 



Otto Maußer. XI Germanisch. I). Westgermanisch. 97 

Bespr. : Die neueren Sprachen 1918, 83 — 84 (W. Fischer) ; Literaturbl. 
1918, 238-240 (G. Binz); DLZ. 1917, 1445 ff. (A. Schröer); Museum 1918, 
224—226 (P. F. v. Draat); Engl. Stud. 1918, 265—274 (J.Koch); ZfdU. 
1918, 381 (0. Weise): Herrigs Arch. 1918, 122 ff: Anglia, Beibl. 1918, 
33-42 (E. Ekwall). 

177. Keim, H. W. Ae|)elwold und die Mönchreform in Eng- 
land. Anglia 41 (1917) 405—437. 

Vgl. außer den stilistisch-syntaktischen Bemerkungen S. 429 — 434 
vor allem die dem Lexikographen buchenswerten Bemerkungen zum 
Wortgebrauch bei Aebelwold, und zwar zu folgenden Wörtern und Wen- 
dungen: 1. bufan Adv. (432), 2. lornistlice Adv. (431 ff), 3. georne uud 
Sippe (434— 441 ff.). 4. cet and ivcet = vinum (435/37; aus der Volks- 
>prache übernommen), 5. fronor and fultum und andere Alliterations- 
bildungen. 

178. Loewe, R. Angelsächsisch ece. KZ. 48 (1917) 99—100. 
Vgl. XI A Nr. 26. 

171'. — Angelsächsisch gerefa. KZ. 48 (1917) 100-101. 
Vgl. XI A Nr. 27. 

180. Mutschmann, Heinr. The Place-Names of Nottingham- 
shire. Their origin and Development. Cambridge, University 
Press. 1913. XVI, 179 S. 

Bespr.: Die neueren Sprachen 1916, 115 ff. (,T. Caro). 

Preface. Table of Contents. List of Abbreviations. Table of 
Phonetic Symbols. Introduction (I/XVI). Nottinghamshire Place-Names 
(alphabet. geordnet; 1 — 158). Phonology of The Notts Place-Names. 
I. Vowel changes. II. Consonant changes (159—163). Words other than 
Personal Names in the Notts Place-Names. I. Words of Anglo-Saxon 
Origin. II. Words of Scandinavian Origin. III. Words of French and 
Latin Origin (164 — 169). Appendix: Some of the More Frequent Suffixes 
Explained (169—172). The Principal Personal Names in the Notts Place- 
Names. I. Anglo-Saxon and Norse Personal Names. IL Norman-French 
Personal-Names (173—176). Bibliography (177— Schluß). 

181. Schulze, W. Ags. Immeta. KZ. 48 (1917) 136. 
Vgl. XI A Nr. 33. 

182. Stoy, J. F. Standard English. Zs. f. d. österr. Gymn. 
68 (1917) 361—366. 

Beiträge zur Lautlehre und zur Lexikographie: zu 1. Standard 
english, 2. educated. 

183. Swaeo, A. E. H. As. sccenau = ae. sheen. Anglia 41 
(1917) 184. 

184. Wolfstieg. Über die Bedeutung des Wortes freemason. 
Monatsh. d. Comenius-Hs., Abt. Monatsh. f. Kultur u. 
Geistesleben 26 (1917) 128. 

In Anknüpfung an New Engl. Dict. 4, 526 ff. W. schlägt eine 
andere Erklärung des Wortes vor: ,Es muß daB Wort wegen des Gegen- 
satzes von rough mason mit der Arbeit der Leute zusammen gehangen 
haben." Sie betonten das Attribut free, „weil sie am free stone arbeiteten, 
d. h. am freistehenden Stein, Kapitale, Fenster-Maßwerk usw." 
Indogermanisches Jahrbuch. VII. 7 



98 Bibliographie des Jahres 1917. 

Niederdeutsch. Niederländisch. 

Allgemeines. Laut-, Formeulehre. 

185. Frings, Th. Mittelfränkisch- niederfränkische Studien. 
II. Zur Geschichte des Niederfränkischen. PBB. 42 (1917 ) 
177—254, 562 (mit einer Karte). 

Vgl. LT. 1916, XI, Nr. 269. Beide Abhandlungen stehen im eng- 
sten Zusammenhang mit den Arbeiten an Wenker-Wredes Sprachatlas. 

186. Hamel van, A. G. Anlautendes v im As., Mnd., Mnl. 
PBB. 42 (1917) 296—315. 

Über den Wechsel von f—v—u—b—b (Entstehung, lautliche, gra- 
phische Auffassung; Lautwert des v), auch unter Bezugnahme auf die 
heutigen Mundarten. Verf. handelt auch über den Wechsel f—v im Ahd. 
(bis Notker einseht). 

187. Jensen. Sächsische und holländische Siedlungen in der 
Wilstermarsch. Zeitschr. d. Ges. f. Schlesw.-Holst. Gesch. 
47 (1917) 460—462. 

Berichtigung und Nachtrag zu des Verf.s Abhandlung in Bd. 46 
S. 41 ff. der Vereinszeitschrift mit einer Kartenskizze der hollische': 
•Siedlungsgebiete in der Wilstermarsch (historisch). Die hollischen Siedler 
kommen für Südholland und Nordholland in Frage. 

188. Tiemeyer, W. F. Klankleer der Gedichten van Willem 
van Hildegaersberch. Diss. Amsterdam. Amsterdam, A. H. 
Kruyt, 1916. 

Bespr.: Museum 1918, 34 (D. C. Tinbergen). 

Zur Kenntnis der Lautlehre des Holländischen im 15. Jahrhundert 

Syntax. 

189. Overdiep, G. S. De vormen van het aoristisch praeteritum 
in de middelnederlandsche epische poezie. Diss. Leiden. 
1914. — S. IJ. 1918, XI, Nr. 233. 

Vgl. noch die Bespr.: Literaturbl. f. germ. u. rom. Phil. 1917. 

Texte. 

190. Verdeyen, R. en Endepols, S. Tondalus' Visioen en 
St. Patricius' Vagevuur (Koninklijke Vlaamsche Academie 
voor Taal- en Letterkunde). 1. 2. deel. Gent, Siffer en 
's Gravenhage, Nijhoff. 1914 u. 1917. XI, 319 S.; LXY, 
321 S. 4°. 24 fl. 

Bespr.: Museum 1918, 79—84 (N. v. Wijk). 

Bd. I enthält den literar- und stoffgeschichtlichen Teil. Bd. II 
bringt die mittelniederländischen Prosatexte (nur S. 313 — 318 ein Reim- 
fragment), die mir eine für das Studium der Syntax des Mnld. sehr 
wichtige, auch für die Laut- und Formengrammatik und -die Lexiko- 
graphie gut nutzbare Quelle scheinen (Gegenüberstellung der Hanpt- 
fassungen im Text-Variantenabdiuck). Die Verf. waren auch von dem 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 99 

Prinzip geleitet, mit ibrer (auch der vergleichenden Literaturgeschichte 
vorzügliche Dienste tuenden) Ausgabe vor allem die Sprachwissenschaft 
zu fördern: „Het hoofdoel dezer uitgave was een bijdrage te geven tot 
de Middelnederlandsche dialectstudie (Bd. II S. IV). S. S. LHI— LXY 
Bd. II eine Skizze über die Sprache der Texte (1400 — 1450). 

Wortschatz. 

191. Cock, A. de. Een Weeroog. (Festschrift für Eduard 
Hoffmann-Krayer, hg. von H. Bächtold.) Schweiz. Arch. f. 
Volkskunde 20 (1916) 75 — 77. 

Zum Begriffe weeroog und zur zugehörigen Terminologie im Nieder- 
länd., auch Niederd., Hochd., Engl. (Franz. und Lat.). 

192. Frings, Th. Boom im Alt- und Neuflämischen. PBB. 
42 (1917) 249-254, 561. 

Die ausgezeichnete Untersuchung knüpft an die Arbeiten (s. Nr. 266 ff.) 
au, die sich um den Begriff Dom und die Wendung vom Dom umzingelt 
in Schillers Anthologiegedicht „Meine Blumen" bemühen. Frings weist 
das Wort im Mnl., Alt- und Neun, nach (mit Sippe: doomen 'vaporare', 
doomig 'feucht' u. a.). Der Bedeutungskem von doom ist 'stark riechender 
Dunst' (252) oder, wie er sich S. 253 ausdrückt, 'riechender, insbesondere 
duftender Dunst'. Aus dieser Grundbedeutung entwickeln sich alle niederl. 
und deutschen Bedeutungsnüancen: 1. Duft, 2. Dunst. Zur Geographie 
der Bedeutungen s. S. 254. Das Wort ist, wie schon W. v. Unwerth 
(a. Nr. 272), Th. Siebs folgend, nachwies, = mhd. toum und gehört zu 
schwäb. deim, deimen, mhd. töumen, ahd. toumen. Das Wort, schon bei 
Notker und in der Genesis gebraucht, lebt bei Schiller fort als einer der 
\ielen Suebismen des Dichters. 

1 93. Buitenrust-Hettema, F. Oude Glossen en hun Beteekenis. 
— S. Jb. 1916, XI, Nr. 239. Gent, W. Siffer ('s Graven- 
hage, Nijhoff). 1914. 161 S. 

Vgl. ferner die Bespr. : Literaturbl. f. germ. u. rem. Phil. 1918. 
237 (K. Helm). 

194. Schrijnen, Jos. Nederlandsche Volkskunde I. II. Zuphen. 
W. J. Thieme en Cie. 1915, 1916. XX, 316 S.; VIII, 
361 S. 8°. Je 3,75 fl. 

Bespr.: Museum 1918, 86—88 (L. Knappert); Zs. d. V. f. Volksk. 
1917, 170 (J. Bolte). 

T. I (3 Hauptstücke) ist für den Lexikographen von großem Wert 
(Terminologie des Dorfes, des Bauernhauses, der Tracbt, der volkstümlich- 
religiösen Vorstellungen, der religiösen und weltlichen Volksfeste, des 
Kinderspiels, der Werbung, der Geburt und Erziehung, des häuslichen 
Lebens und seines Brauches, des landwirtschaftlichen Brauches, der Be- 
stattungs- und Totenbräuche). T. II, der mir in München nicht vorlag, 
behandelt im 4. Hauptstück: De Volkstaal. I. Het taaleigen. IL Onze 
plaatsnamen. Hauptstück V, VI gilt der Volkskunst (Raadsels, spreek- 
woorden, sprookjes, sagen en legenden, Volkslied, bouwkunsten, dekoratieve 
kunst) und der „Volkswetensehap" (I. Volksetymologie. IL Volks- 
^eneeskunde. III. Natuurverklaring en weerkunde. IV. Plantlore). Er 



100 Bibliographie des Jahres 1917. 

ist ebenfalls für den Lexikographen nutzbar, z. T. für die Lautlehre von 
Bedeutung. Beide Bände enthalten viele Proben des Kinderliedes und 
der Volksdichtung. (T. I auch ein für lexikalische Arbeit brauchbares 
Register.) 

195. Wijk, N. van. Ndl. mooi, ndd. moi(e). KZ. 48 (1907) 
156—157. Vgl. XI, Nr. 39. 

Hochdeutsch. 

Allgemeines. Laut-, Formenlehre. 

196. Behaghel, 0. Die deutsche Sprache. (Das Wissen der 
Gegenwart Bd. 54.) Leipzig, Freytag — Wien, Tempsky. 
1917. 403 S. 8°. 4,80 M. (geb.). 

Bespr.: LCB. 1918, 659 ff. 

197. — Der Akkusativ einem. PBB. 42 (1917) 557—558. 
einem bei Murner und andern nhd. Autoren sowie in den moderneu 

Mundarten. B. nimmt Entstehung an aus einen man, das zu einen meti, 
einem mn, einem wird. 

198. Behrens, D. Beiträge zu einer Geschichte der franzö- 
sischen Sprache. Zs. f. franz. Sprache u. Lit. 45 (1917) 
157—234. 

Vgl. Nr. 6 Deutschland und die andern deutschsprachigen Länder 
(,S. 182 — 198); Bemerkungen zu den Beziehungen des Französischen zum 
Deutschen seit dem 11. Jahrh. mit viel Literaturangaben (ähnlich Kap. 5, 
für das Englische geltend; s. Nr. 141). 

199. Deutsche Mundartenforschung und -dichtung in den 
Jahren 1915 und 1916 (mit Nachträgen zu früheren Jahren). 
ZfdM. 1918, S. I— IV, 1—81. 

Zusammengestellt durch F. Wrede mit Unterstützung von Fach- 
leuten; 2127 Nummern. S. LT. 1916, XI, Nr. 263. 

200. Franke, Dr. Carl. Grundzüge der Schriftsprache Luthers 
in allgemeinverständlicher Darstellung. Gekrönte Preis- 
schrift. 2. T.: Wortlehre. 2. wesentlich veränderte und 
vermehrte Auflage. Halle, Buchhandlung des Waisenhauses. 
1914. VIII, 366 S. 8,40 M. 

ZZ. 1918, 266 ff. (V.Moser). 

201. Hansen, H. Die Erörterungen über die Schul- und 
Kirchensprache in den schleswigschen Ständeversammlungen 
der Jahre 1853—60. Zeitschr. der Ges. f. Schlesw.-Holst. 
Gesch. 47 (1917) 305—394. 

Enthält Material zur Geschichte der Rivalität des Deutschen und 
Dänischen zu Beginn und Mitte des 19. Jahrhunderts und. mancherlei 
Angaben, die sich für die Feststellung einer Sprachgrenze zwischen Deutsch 
und Dänisch im genannten Zeitraum verwerten lassen. 



Otto M außer, XL Germanisch. I). Westgermanisch. ' 101 

202. Jellinek, M. H. Geschichte der neuhochdeutschen Gram- 
matik von den Anfängen bis auf Adelung. — Vgl. LT. 5, 
XI, Nr. 270. 

Vgl. noch die Bespr : Euphorion 1918, 96-105 (G. Baesecke). 

203. Kluge, Fr. Unser Deutsch. 3. Aufl. — Vgl. ET. 4, XI, 
Nr. 271. 

Vgl. noch die Bespr. : Die neueren Sprachen 1917, 369 (O. Weiden- 
müller). 

204. Paul, H. Deutsche Grammatik. Bd. 2, Teil III : Flexions- 
lehre. Halle, Niemeyer. 1917. VI, 345 S. Gr. 8°. 8 M. 

Bespr.: LCB. 1918, 14; Zeitschr. f. Realschulw. 1918; ZfdU. 1918, 
373 (O. Weise). 

205. Schläger, Gg. Einige Grundfragen der Kinderspiel- 
forschung. Zs. d. V. f. Volksk. 27 (1917) 106—121, 199-215. 

Aus den für die Volkskunde des Kindes grundlegenden Aufsätzen 
des Verf.s ist hier der durch reiche Literaturangaben ausgezeichnete 
zweite (S. 199 u. ff.), ..Kind und Sprachspiel", herauszuheben. Vgl. 
Nr. 252. 

206. Schulte, R. W. Abriß der Lautwissenschaft. Eine erste 
Einführung in die Probleme und Methoden der Phonetik. 
Leipzig, Reisland. 1917. VIII, 47 S. mit 12 Abb. 8°. 
1,40 M. 

Herrigs Arch. 1918, 100; Die neueren Sprachen 1918, 576 (W.Vietor) ; 
Anglia, Beibl. 1918, 226-228 (H. Mutschmann). 

207. Sehrt, Edw. H. The forms of don in old High German. 
Mod. Lang. Notes 32 (1917) 409—411. 

Ein Versuch, die themat. Formen dieses Verb. 5 auf spez. deutsche 
Entwicklung zurückzuführen. 1. Die ältesten german. Formen enthielten 
bloß ö. 2. Athemat. Konjugation war Regel. Jedoch Otfr. empfand 
offenbar äuan als du-an, d. h. er faßte -an als Endung eines themat. 
Verbs. Dementsprechend treten die Formen duis(t), duit, duen, duet, 
duent auf . Auch das kurze u in den Konjunktivformen due,' ducst, duen, 
das lang sein müßte (cf. Braune § 40 4 ), spricht dafür. 3. Notker ge- 
braucht die regelm. Formen tue, tuest, tue neben tuoe etc. : offenbar der 
Stamm des Indik. ttio mit den Endd. des Konjunktivs. Das j in den 
Psalmen Notkers : tuoie, mhd. tüeje etc. erklärt sich als Gleitlaut (Braune 
§ 117). 4. Mittel- und Niederfr. deist, dcit, seit der Mitte des 12. Jahrh. 
auftretend: As. hat neben 3. sg. döt auch döit, Inf. döen, doyn (Hei. 
C 4899, M 5188, M 4940; Lacomblet, Archiv 1, 392; Urkb. III, 172) nach 
Analogie der themat. Verben. Dazu kommt die Tendenz der Vokal- 
brechung in geschlossenen Silben (Heinze!, Gesch. d. ndfr. Geschäftsspr. 
379—282, doit—doden; cloistere etc.). Als diese Formen die alten dos, 
döt überwogen, wurde oi gekürzt zu oi, wie dl zu ei (cf. Lasch, Mnd. Gr. 
§§ 124, 195). Dann wurde oi > ei wie das urspr. oi (Lasch § 128 
oroide ^> vreide). Deist, deii fanden überdies noch eine Stütze in geisi, 
tteist, sleit. Die verschiedenen Formen sind also nicht mit Wilmanns 
(ZfdA. XXXIII, 425) aus idg. Abstufung dädhami, dadlimäs zu erklären. 



102 Bibliographie dos Jahres 1917. 

208. Siebs, Th. Lautstand und Schreibung der schlesiscken 
Mundarten. Mitt. d. Ges. f. Schles. Volksk. 17 (1915) 1—18. 

Mit Sprackproben. 

209. Weise, O. Die deutschen Volksstäniine und Landschaften. 
5., völlig umgearbeitete Auflage. Mit 30 Abb. im Text und 
auf 20 Tafeln und einer farbigen Dialektkarte Deutschlands. 
23.-29. Tausend. (Aus Natur- und Geisteswelt.) Leipzig, 
B. G. Teubner. 1916. V, 112 S. 8°. 1,25 M. 

Zs. d. V. f. Volksk. 1918, 276; Blatt, z. bayr. Volksk. 1917, 5 ff. 
(O. Brenner). 

Syntax. 

210. Behaghel, 0. Bi mit dem Akkusativ. PBB. 42 (1917) 560. 

Der Akk. 1. im Berlinischen, 2. im Md. — Behaghel führt den 
Akk. auf Analogiebildung zurück. 

211. — Diu mit dem Komparativ. PBB. 42 (1917) 288 — 295. 
S. XI A. Nr. 11. 

212. Franke, C. Zu Luthers Wortstellung. PBB. 43 (1917) 
125—144. 

213. Hanke, Loth. Die Wortstellung im Schlesischen. (Wort 
und Brauch. Volkskundl. Arbeiten namens der Schles. Ge*. 
f. Volkskunde hg. v. Th. Siebs u. M. Hippe, H. 11.) Breslau. 
1913. 112 S. 8°. 4 M. 

Bespr.: ZhdM. 1917, 89-92 (H. Reis). 

214. Holmboe, Thorolf. Untersuchungen über den Gebrauch 
des Konjunktivs in der neuesten deutschen Literatur. Aka- 
demiske Avhandlinger over tysk sprog. Utgiv. ved H. Falk. 
H. 1. Kristiania, Aschehoug u. Co. in Komm. 1917. IV, 67 S. 
8°. 1,60 Kr. 

H. untersucht vor allem Autoren des 19. u. 20. Jahrb. [Gr. Keller. 
Frieda von Bülow, Frenssen, Ganghofer, Halbe, Rosegger, Schnitzler. 
Sudermann, Viebig — leider nicht die gesamten "Werke ! — und nebenher 
andere; dann und wann auch Klassiker]. Ihm wie Stenstad (s. Nr. 218; 
die nämliche Sammlung) wäre eine stärkere Anlehnung an die für die 
Syntax nutzbaren Werke Pauls zu wünschen. 

Inhaltsverzeichnis: Hypothetischer Konjunktiv. Als ob, als 
wenn u. dgl. Indirekte Wiedergabe. I. Welcher Modus? A. Inhalts- 
sätze. 1. Rede und Schrift. 2. Glauben, meinen, denken. 3. Beobachten, 
verstehen, zeigen, sich vergewissern. 4. An etwas denken, sich erinnern, 
vergessen, sich freuen, sich wundern. 5. Wissen. 6. Es ist bekannt, es 
ist gut. 7. Wille und Wunsch. B. Abhängige Fragesätze. 1. Wenn der 
Hauptsatz Ungewißheit ausdrückt. 2. Wenn der Hauptsatz keine Un- 
gewißheit ausdrückt. C. Andere Sätze. 1. Rede und Schrift. 2. Gedanke. 
TL Welches Tempus? 

Verf. sucht süd- und norddeutsche Eigenart im Gebrauch des 
Konjunktivs festzustellen. 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 103 

215. Kluge, Fr. Althochdeutsches. PBB. 43 (1917) 145— 149. 

Hierher N. 5 ort widar orte Hildebr. V. 38, syntaktisch betrachtet. 

2lb. Matzura, Kl. Etwas vom deutschen Sprachgebrauche. 
Programme des Landes-Real- und Obergjmnasiums in St. 
Polten für die Jahre 1913/14 und 1914/15. 28, 16 S. 
Gr.-8°. 

Allg. Literaturbl. 1918, 214 (A. Jesinger). 

Matzuras Programme gehören in die Reihe der von Wustmanns 
Sprachdummheiten angpregten Schriften. Sie bringen eine Sammlung 
wirklicher und vermeintlicher Sprachfehler aus der neuesten Literatur 
und der Tagespresse. Kritisch nachgeprüft, in den historischen Zusammen- 
hang eingereiht und im Geiste der „Prinzipien" Herrn. Pauls und ähn- 
licher Werke gewertet können solche Sammlungen, denen zunächst wissen- 
schaftlicher Wert nur mit Einschränkung zuzuerkennen ist, eine Anregung 
und ein Nutzen für die Sprachpsychologie, die Kenntnis der Grammatik 
und Syntax des Deutschen werden. 

2 3 7. Sehrt, H. E. Zur Geschichte der westgermanischen 
Konjunktion und. 1916. — Vgl. IL 5, XI, Nr. 345. 

S. noch die Bespr.: Literaturbl. 1918, 176 ff. (0. Behaghel); Mod 
Lang. Notes 32 (1917) 230 ff. (AI. Green). 

218. Stenstad, R. Untersuchungen über die deutsche Wort- 
stellung. Akademiske Avhandlinger over tysk sprog, utg. 
ved H. Falk. H. 2. Kristiania, Aschehoug u. Co. in Komm. 
1917. IV, 69 S. 8°. 1,60 Kr. 

I. Zur Theorie der Wortstellung im Deutschen. Die Verbtheorie. 
Das psychologische Gesetz der Wortstellung. Die rhythmischen Gesetze 
der Wortstellung. Braunes Theorie. Die Inversionstheorie (S. 1 — 22). 
IL Die Stellung des Verbs im Deutschen. Typus I. 1. Aussagesätze. 
2. Nachsätze. 3. Fragesätze. 4. Wunschsätze. Typus IL A. Das Verb 
steht an der 1. Stelle. 1. Fragesätze. 2. Wunschsätze. 3. Befehlssätze 
und Aufforderungen. 4. Nebenfälle. B. Das Verb steht am Schluß. 
Stellung der Partizipe und Infinitive. Widerstand gegen die 
Einschaltung. I. Nebensätze. 1. Eine nominale Ergänzung tritt 
hinter das Zeitwort. 2. Eine ruhende Verbalform tritt hinter das Zeit- 
wort. IL Hauptsätze. 1. Ein Komplement tritt hinter die Ergänzung 
des Verbs. 2. Eine andere Bestimmung nachgestellt. Die Ursache der 
Abweichungen. Anerkannte Abweichungen. Exkurs: Die In- 
version nach und (S. 23 bis Schluß). 

Unter den „Anerkannten Abweichungen" (S. 59 — 64) bespricht Verf. 
1. die „abweichende Stellung der Hilfszeitwörter", 2. die Stellung dei 
Verglei ehungsglieder. 

Stenstad untersucht Autoren des 19. Jahrhunderts, vor allem 
aber Quellen des 20. (Dichter, Zeitungs-, Geschäftssprache), dann und 
wann unter Vergleichung mit dem Altgerm., bes. dem Altnord. Bei dem 
Exkurs über die Inversion nach und hätte es sich besonders verlohnt, 
ältere deutsche, namentlich mhd. Verhältnisse zum Vergleich heranzu- 
ziehen. — Es ist jedenfalls von Interesse, gerade das Thema der Wort- 



104 Bibliographie des Jahres 1917. 

s-tellung von einem Ausländer behandelt zu sehen. Stenstad schließt sich 
(S. 18 A.) vor allem an die Arbeiten von Bliimel an. 

219. Weise, O. Die Relativpronomina in den deutschen Mund- 
arten. ZfdM. 1917 S. 64—71. 

1 . wer und was. 2. wo. 3. welcher. 4. der, die, das. 5. so. 6. daß. 
7. und. — Mit Ansätzen zu geschichtlicher Betrachtung. 

Texte. Wortforschung. 

220. Wilhelm, Fr. Denkmäler deutscher Prosa des 11. und 
12. Jahrhunderts. — IJ. 5 (1917), XI, Nr. 308. 

Vgl. noch DLZ. 1918, 23 ff. (Jantzen). 

221. Bächtold, Hanns. Aus Leben und Sprache des Schweizer 
Soldaten. Proben aus den Einsendungen schweizerischer 
"Wehrmänner zusammengestellt. Volkskundl. Mitteilungen 
aus dem Schweiz. Soldatenleben. 4. u. 5. stark verm. Tausend. 
Basel, Schweiz. Ges. f. Volkskunde. 1916. 78 S. 8". 

DLZ. 1918, 370 ff. (K. Helm). 

222. — Die Flurnamen der schaffhauserischen Enklave Stein 
am Rhein. Sonderabdruck aus den Schriften des Vereins 
für Geschichte des Bodensees, H. 45, S. 11 — 92. Frauen- 
feld, Huber. 1916. 90 S. 4°. 

ZfdM. 1917, 186—187 (J. Miedel). 

Nicht nur der lexikalische Ertrag (B. prüft rund 1200 Flurnamen) 
und die treffliche Beschreibung der Ortsmundart von Stein am Rhein und 
Umgebung ' veranlaßt mich zur Verzeichnung an dieser Stelle, sondern 
ganz besonders die Methode, mit der B. die Probleme angreift. Die 
Flurnamenforschung kann sehr viel Nutzen aus der Schrift ziehen. Vgl. 
auch zu Nr. 249. 

1 = S. 24—35 des Erstdrucks in den Schriften des Ver. f. Gesch. 
des Bodensees. 

223. Behaghel, O. Niderlender und Oberlender. PBB. 42 
(1917) 560. 

Zum Gebrauch des Hochd. in mündlicher Rede in Niederdeutsch- 
land, belegt aus Berthold von Regensburg. 

224. Behrend, Fritz. Altdeutsche Stimmen. Sechs Vorträge 
während des Krieges. Berlin, Weidmann. 1916. 107 S. 

8°. 2 M. 

Bespr.: Literaturbl. 1918, 81—83 (A. Götze). 

Über Erbfeind S. 7—25. Auch gedruckt in der Zeitschr. d. Ver. 
f. Volkskunde 1915, S. 6 u. ff. 

225. Bergmann, R. Die französische Sprache im Munde der 
deutschen Soldaten. Die neueren Sprachen 25 (1917) 

236-240. 

Zum Eindringen franz. Wörter und Wendungen in die Rede der 
deutschen Soldaten und deren Aufnahme in den soldatensprachlichen 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. "Westgermanisch. 105 

Wortschatz mit einer beachtenswerten geschichtlichen Schlußbemerkung 
Vietors. 

226. Brandstetter, R. Die Katze im Schweizerdeutschen und 
im Indonesischen. Eine sprachwissenschaftliche und volks- 
kundliche Parallele. (Festschrift für Eduard Hoffmann- 
Krayer, hg. von H. Bächtold.) Schweiz. Arch. f. Volks- 
kunde 20 (1916) 48-53. 

227. Braune, W. Ahd. uozurnon spernere T. PBB. 43 (1917) 
179—180. 

Das Wort ist als üozürnen anzusetzen. Es kann als Denominativ 
zu einem Subst. *uo-zorn = Verschmähung, Verachtung genommen werden. 

228. Brodführer, R. Untersuchung über die Entwicklung des 
Begriffes „guot" in Verbindung mit Personenbezeichnungen 
im Minnesänge (unter besonderer Berücksichtigung des 
älteren Minnesangs). Diss. Leipzig. 1917. 74 S. 8°. 

Die Dissertation gliedert sich in 3 Teile. Nach dem Literatur- 
verzeichnis und einer Einleitung (S. 5 — 10) wird die Verwendung von 
guot bei Personenbezeichnungen in der ahd. Literatur und guati als 
Personenbezeichnung bei Otfrid kurz besprochen (S. 11 — 13). Teil 2 
untersucht guot als Epitheton bei Personenbezeichnungen im Minnesang 
(S. 14 — 61) [guot zu wip, frouwe, Up, mav, rittet; er pers. konstruiert] und 
handelt ferner a) über den Gebrauch der Epitheta edel, her, hoch, höch- 
geborn, hövisch, ritterlich, wert, b) über die Bedeutung von wip- frouwe, 
man-rilter im älteren Minnesang. Teil 3 (S. 62 — 73) prüft unter der Thema- 
stellung „'guot wip', 'guot frouwe', 'guot man', 'guot ritter' und der 
Dienst" die Frage, „ob der mittelalterliche Sänger mit dem Epitheton 
guot' auch ständische Begriffe verbunden habe" (S. 62). Der Verf. kommt 
zu dem Resultat, „daß ein Bedeutungswandel des alt überlieferten ethischen 
Begriffes 'guot' nach der ständischen Seite hin nicht anzunehmen ist" 
(S. 73). Er faßt S. 73 das Gesamtergebnis seiner Studie in 3 Punkten 
zusammen: „1. guot drückt einen ethischen Begriff aus, dessen nähere 
Bestimmung fast bei allen Belegstellen möglich ist. 2. Im älteren Minne- 
sänge ist eine stetige Erweiterung des Begriffes 'guot' festzustellen. Bei 
Walther kommt die Entwicklung dieses Begriffes für den Minnesang zu 
einem gewissen Abschluß. 3. Die nachwaltherische Periode neigt zu 
formelhaftem Gebrauche von 'guot' und führt damit zu einer gewissen 
Verengung des Begriffes 'guot'." Vgl. dazu besonders S. 42. 

229. Fiebiger, O. Die vermeintlichen Konstantinopler Bajo- 
wareninschriften. PBB. 42 (1917) 331—337. 

Griech. Grabinschriften, die mit den Bayern nichts zu tun haben. 
Die. erste bezieht sich auf Firmina, die Amme Justins; die zweite, in der 
der Name Baduarius sich findet, hat mit den Baiwaren ebensowenig zu 
tun. Baduarius und die übrigen als germ. anzusprechenden Namen 
(Anilas usw.) sind ostgerm. Namengut. 

230. Frauscher, Gg. Der Einfluß des Reims auf den Ge- 
brauch der Fremdwörter in Ottokars österreichischer Reim- 
chronik. PBB. 43 (1917) 169—175. 



1(:6 Bibliographie des Jahres 1917. 

Für die Geschichte des Fremdworts lehrreiche Zusammenstellung 
der Fremdwörter (ausnahmlich der Edelstein-, Stoffnamen u. a ) und ver- 
schiedenen Fremdwortformen, die Ottokar nur im Reim oder auch zu 
Beginn bzw. im Innern der Verszeilen verwendet. 

231. Geiger, P. Die blaue Farbe bei den Totenbräuchen. 
(Festschrift für Eduard Hoffmann-Krayer, hg. v. H. Bäch- 
told.) Schweiz. Arch. f. Volkskunde 20 (1916) 156—159. 

Zumeist auf deutschem Material fußend und auch (Geschichte des 
Wortinhaltes!) für die Wortkunde zu notieren! Auch zum Begriffe 
„schwarz" zu buchen: vgl. Hirt, Etym. d. deutschen Sprache 193 zu blau 

und \li\rXQ. 

232. Goedel, 0. Klar Deck überall! — S. IJ. 1916, XI, 

Nr. 320. Hamburg. 1916. 

Bespr.: ZfdM. 1918, 89 ff. (H. Teuchert; wichtige Besprechung: 
vgl. dazu meine Bemerkung im Vorjahr an dieser Stelle); Zs. d. V. f. 
Volksk. 1917, 177 ff. (F. Boehm). 

233. Göller, Emil. Verzeichnis der in den Registern und 
Kameralakten Clemens' VII. von Avignon vorkommenden 
Personen, Kirchen und Orte des Deutschen Reiches, seiner 
Diözesen und Territorien 1378 — 1394. Berlin, Weidmann. 
1916. XVI, 182, 250 S. Lex.-8°. 18 M. 

Bespr.: Allg. Literaturbl. 1918, 207 ff. (P. M. Baumgarten). 

Das auch für die Geschichte der deutschen Orts- und Personen- 
bzw. Familiennamen nützliche Werk ist der 1. Band des vom Kgl. FreufJ. 
Hist. Institut in Rom herausgegebenen „Repertorium Germanicum. 
Verzeichnis der in den päpstlichen Registern und Kameralakten vor- 
kommenden Personen, Kirchen und Oite des Deutschen Reiches, seiner 
Diözesen und Territorien vom Beginn des Schismas bis zur Reformation". 

234. Goetze, Alfr. Nomina ante res. Sitzungsberichte der 
Heidelberger Akademie der Wissenschaften, philos.-hist. 
Klasse 1917, Nr. 9. Heidelberg, Winter. 1917. 25 S. 
Gr. -8°. 1 M. 

Bespr.: LCB. 1918, 91; ZfdU. 1918, 379 (O.Weise). 

235. Helm,K. Seitenstetter Glossen. PBB.42(1917)556— 557. 
Helm sieht in den Glossen „bairische Formen des 12. Jhs. u 

236. Hilmer, Herrn. Schallnachahmung, Wortschöpfung und 
Bedeutungswandel auf Grundlage der Wahrnehmungen von 
Schlag, Fall, Bruch und derartigen Vorgängen dargestellt 
an einigen Lautwurzeln der deutschen und der englischen 
Sprache. Halle, Niemeyer. 1914. XII, 356 S. 

Bespr.: Anglia, Beibl. 1918, 144—148 (E. Ekwall). 

237. Imme, Th. Die deutsche Soldatensprache der Gegen- 
wart und ihr Humor. Dortmund, Rubins. 1917. XII, 
172 S. 8°. 4 M. 

DLZ. 1918, 370 ff. (K. Helm); Zs. d. V. f. Volksk. 1917, 266 
(F. Boehm). 



Otto Maufier, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 107 

238. Jacobsohn, Minna. Die Farben in der mittelhochdeut- 
schen Dichtung der Blütezeit. — LT. 5, I, Nr. 210. 

Bespr.: Herrigs Archiv 1918, 111 ff. 

239. Jiriczek, O. L. Seifriedsburg und Seyfriedssage, eine 
Sagenstudie in Archiv und Gelände. Arch. d. bist. Ver. f. 
Unterfranken 59 (1917) 1—16. 

Vgl. Zs. d. V. f. Volksk. 1917, 272. 

240. Klapper, Dr. Jos. Deutscher Volksglaube in Schlesien 
in ältester Zeit. Mitt. der Schles. Ges. f. Volksk. 17 (1915) 
19 58. 

Vgl. darin Beleg und Erklärungsversuch für das in der Segen- 
literatur vorkommende Wort Agla S. 55 ff. Dazu stelle man die Miszelle 
des Rabbiners Dr. Grunwald a. a. 0. 225, der das Wort als Kürzung 
eines hebräischen religiösen Textes erweist. 

241. Kleinpaul, Rud. Die deutschen Personennamen. Ihre 
Entstehung und Bedeutung. Sammlung Göschen, Nr. 422. 
Neudruck. 1917. 132 S. 8°. 1 M. 

242. Kluge, Fr. Althochdeutsches. PBB. 43 (1917) 145— 149. 
1. prunchulle 'Quelle'; 2. fmchones, finchun, 3. heraduoder (1. Be- 
standteil zu germ. heru 'Schwert' oder zu hera-, heri, analog Herfqdr; 
•>. Bestandteil = duohder, -hter? Heraduoder also „eine Variation für 
idisi"? [S. 145]); 4, müstro: 5. tuncculh (= timg 'Dung' -(- alem. gülle 
'Jauche 'j; 6. tvib; 8. Wimpel. 

243. — Deutsche Namenkunde. (Deutschkundliche Bücherei 
Bdch. 1.) Leipzig, Quelle u. Meyer. 1917. 45 S. 8°. 0,60 M. 

Bespr!: ZfdM. 1918, 88 (H. Teuchert). 

I. II. Familien- u. Taufnamen. III. Länder-, Orts- u. Flußnamen. 
IV. Wochen- u. Feiertage. 

244. Kretschmer, P. Wortgeographie der hochdeutschen Um- 
gangssprache. 1. Hälfte. LT. 5, I, Nr. 13. 2. Hälfte 1917. 

Bespr.: Literaturbl. 1918, 234—236 (A. Götze): „eine Quelle der 
Anregung für alle deutsche Wortforschung und unter deren Hilfsmitteln 
künftig eines der wichtigsten", Sp. 234; ZfdM. 1917, 179-181 (H. Teuchert) ; 
Sokrates 1918, 168-170 (H. Gloel). 

245. Leitzmann, A. Rolandstudien. PBB. 43 (1917) 26-47. 
Vgl. aus Studie 1: Rolandslied und Kaiserchronik die Liste der 

nur in der Kaiserchronik, aber nicht im Rolandslied vorkommenden, sowie 
anderseits der nur dem Rolaudslied, nicht der Kaiserchronik zugehörigen 
Wörter (S. 28 — 34), mit Bemerkungen zum Wortschatz auch einiger 
anderer mhd. Quellen [bequem alphabetisch geordnet; auf eigenen Zu- 
sammenstellungen, nicht auf den Glossaren beruhendes Material]. Hierher 
ferner Studie 3: „stelboum ein alter Sternname ?" (S. 40 — 42). stelboum 
hat mit stalboum im Rolandslied und sonst in der mhd. Dichtung nichts 
zu tun, das Wort lautet in den Hss. überhaupt nicht stelboum, sondern 
stelbom oder stelboti. Es ist nichts weiter als der griech. Planetenname 
oxlXßiov, cTsXßeuv, somit keine Glosse und künftighin aus dem Wort- 
schatz des Ahd. auszuscheiden. 



108 Bibliographie des Jahres 1917. 

246. Lenz, Ph. Beiträge zum Wortschatz der badischen Mund- 
arten. ZfdM. 1917, 32—63, 151 — 177. 

Mundartvergleichend, etymologisierend, wo es nötig scheint; viel- 
fach auf die ahd., mhd. Entsprechung zurückgreifend und auf das DWb. 
bezugnehmend. Die genauen Verbreitungsangaben sind noch besonder« 
hervorzuheben. Vgl. dazu „Die Ortenau" 1910/11 S. 164 bis 176 und 
Lenzens Monographie über Handschuhsheim 1898. 

247. — Gleichbedeutende Wörter der badischen Mundarten. 
ZfdM. 1917, 149—150. 

Unter Kennzeichnung jener in der Schriftsprache vorhandenen 
Wörter, die den bad. Mdaa. völlig fehlen. S. des Verf.s „Vergleichendes 
Wörterbuch der nhd. Sprache und des Handschuhsheim er Dialekts" 1898. 

248. Lindahl, N. Vollständiges Glossar zu Notkers Boethius. 
Buch I. Vgl. IJ. 1917, XI, 334. 

Vgl. die Bespr.: Literaturbl. 1918, 84—86 (K. Helm: „. . . so bleibt 
ein vollständiges Notkerwörterbuch noch ein driugender Wunsch . . .") 

249. Lug, V. Deutsche Ortsnamen in Ungarn. Reichenberg, 
Selbstverl. des Reichenberger Zweigvereins des Allg. Deutsch. 
Sprachver. 1917. VIII, 143 S. 8°. 1,60 Kr. 

Bespr.: Allg. Literaturbl. 1918, 145 (A. Jesinger). 

Seit 1913 gibt es keine amtlich anerkannten deutschen Ortsnamen 
mehr in Ungarn. Alle Namen sind madjarisiert. Lug stellt rund 2000 
deutsche Ortsnamen in Ungarn zusammen, die früher allgemein üblich 
waren und heute noch von den Deutschen gebraucht werden. Die Schrift 
ist also von AVert für die Ortsuameuforschung, namentlich für das Lexikon 
deutscher Ortsnamen in Österreich-Ungarn, dessen Entstehen im Zusammen- 
hang mit den Arbeiten am Bayrisch-österreich. Wb. und mit dem von meh- 
reren Seiten, zuletzt von Dr. A. Pf alz (Bl. f. Landesk. v. Nicderösterr. 1917) 
angeregten gesamtbairischen Flurnamenbuch zu wünschen wäre. S. 1 — 120 
ist das Verzeichnis der deutschen Ortsnamen gegeben, S. 121 — 143 schließt 
sich ein Madjarisch-deutsches Ortsnamenverzeichnis an. 

250. Maußer, 0. Deutsche Soldatensprache. Ihr Aufbau 
und ihre Probleme. Hg. vom Verband deutscher Vereine 
für Volkskunde. (Trübners Bibliothek Nr. 9.) Straßburg, 
K. J. Trübner. 1917. VII, 135 S. 8°. 3 M. 

Bespr.: DLZ. 1918, 370 ff. (K. Helm); ZfdM. 1918, 88 ff. (H. Teuchert) ; 
Zs. d. V. f. Volksk. 1917, 266 ff. (F. Boehm). 

251. Mensing-, 0. Das Schleswig-Holsteinische Wörterbuch. 
Zeitschr. d. Ges. f. Schleswig-Holsteinische Geschichte 47 
(1917) 463—470. 

Der Bericht erstreckt sich über die Jahre 1910—1916 (vgl. die 
Zeitschrift des Vereins Bd. 33, 339 ff.; 34, 199 ff; 38, 43.3 ff.; 39, 506 ff.). 
Außer den Fortschritten der SammluDg und Bereitstellung des modernen 
lebenden Wortschatzes ist besonders der Bericht über die Ausschöpf ung 
der älteren und neueren Literatur hervorzuheben. 

252. Müller, J. Hackepack tragen. Rheinische Entsprechungen. 
ZfdM. 1917, 1—16. 



Otto Maußer, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 109 

Der Leiter des Rhein. Wb.s gibt hier in alphabetischer Reihung 
reichhaltige Beiträge zur Terminologie (Synonymik) des rhein. Kinderspiels. 
253. Orts-, Personen- und Sachregister zu den Monumenta 

episcopatus Wirziburgensis (Bd. 37 — 46). Mon. Boica. 

hg. von der k. bayr. Akademie der Wissenschaften, Bd. 60. 

München, Akademieverlag. 1916. 598 S. 4°. 10 M. 
LCB. 1918, 296 ff. 

Für die Kunde der Orts-, Familien-, Personennameu des älteren 
Ostfrankens als urkundliche Sammlung auch von Wichtigkeit für den 
Lexikographen. Vgl. im übrigen die Bemerkungen zu Nr. 233, die m. m. 
auch für den Inhalt dieses Werkes gelten. 
354. Rother, K. Ein schlesisches Wörterbuch von Hoffmann 

von Fallersieben. Mitt. der Schles. Ges. f. Volksk. 15 (1913) 

231—269; 16 (1914) 104-159. 

Nach einleitenden Bemerkungen über Hoffmanns Sammelweise folgt 
der Abdruck der Wörter, die Hoffmann und die früheren Benutzer seines 
Nachlasses noch nicht veröffentlicht haben [s. bes. Hoffmanns Publikation 
in Frommanns Zeitschr. Deutsche Mundarten IV 163 ff.], unter Vergleichen 
aus dem Wortschatz der Heimatmundart des Herausgebers Grünau bei 
Oamenz und mancherlei Bezugnahmen auf die lexikalische Literatur 
(rund 500 Wörter). Hoffmanns Material entstammt zumeist der Literatur 
(Drucke, Zeitungen, Hss.). Die Beifügungen aus der Mundart des Heraus- 
gebers sind sehr erheblich. Vgl. dazu Schoppes Beiträge zum schles. 
Wörterbuch Nr. 256. 

255. Schoof, Wh. Volksetymologie und Sagenbildung. Zs. 
d. V. f. Volksk. 27 (1917, ausg. 1918) 216—232. 

Zur Etymologie der Flurnamen! Die Abhandlung wird fortgesetzt. 

256. Schoppe, Gg. Beiträge zum schlesischen Wörterbuch. 
Mitt. der Schles. Ges. f. Volksk. 17 (1915) 76 — 117. 

Sehr verdienstliche, von gelegentlichen Bemerkungen zum Wort- 
schatz anderer Mundarten und des Gesamtdeutschen gefolgte Zusammen- 
stellungen [mit den Belegen] aus schles. Autoren und Quellen des 15. bis 
17. Jahrb.., besonders aus den Schriften des Predigers Val. Herberger aus 
Fraustadt (Ende des 16., erste Jahrzehnte des 17. Jahrb..). — S. 82 ff. 
s. v. bockinzen s. eine Sammlung sonstiger Bildungen auf -enzen, -inzeii 
aus schles. und nichtschles. Quellen des 16. bis 18. Jahrh. (zur Ergänzung 
der Sammlungen Zs. f. d. W. VI 40, XIV 219). — Vgl. Hoffmann von 
Fallerslebens Beiträge zum schles. Wörterbuch (Nr. 2541. 

257. Schreiber, A. Beiträge zur Ortsnamenkunde Böhmens, 
hauptsächlich der Bezirkshauptmannschaften Leipa und 
Daaba I — VII. (Sonderabdruck aus den Mitteilungen des 
Nordböhmischen Vereins f. Heimatforschung und Wander- 
pflege, Bd. 38, 39, 40. 88 S.) 

258. Schröder, Edw. Walther in Tegernsee. Ein Exkurs 
über altdeutsche Tischsitten. Zs. d. Ver. f. Volksk. 27 (1917) 
121—129. 



110 Bibliographie des Jahres 1917. 

Zur Terminologie der altdeutschen Tischgebräuche, vorab zu den 
Wendungen ivazzer ncmen, wazzer geben mit Synonymen. 

259. Seiler, Friedr. Die kleineren deutschen Sprichwörter- 
sammlungen der vorreformatorischen Zeit und ihre Quellen. 
ZZ. 47 (1916) 241—256. 

Seilers Urteil „Für die deutsche Sprichwörterforschung ist eine 
Zusammenstellung zunächst der kleineren Sammlungen ein dringendes 
Bedürfnis" besteht sehr zu Recht. Er erwirbt sich mit seiner Zusammen- 
tellung, die ein Suchen an vielen Orten künftig unnötig macht, ein Ver- 
dienst. Hervorzuheben sind die reichlichen, gründlichen Noten, die Seilers 
Veröffentlichung (fortgesetzt S. 360—390 = H. 3 des 47. Bd. von ZZ.. 
1918 ausgegeben) für die Lexikographie noch besonders wertvoll machen. 
Im vorliegenden 1. Teil der Publikation sind die Schwabacher Sprüche 
iS. 162) abgedruckt und kommentiert. — Vgl. die Sammlung Schweiz. 
Sprichwörter von Singer (Nr. 260). 

260. Singer, S. Alte schweizerische Sprichwörter. (Festschrift 
für Eduard Hoffmann-Krayer, hg. von H. Bächtold.) Schweiz. 
Arch. f. Volkskunde 20 (1916) 389—419. 

Bespr.: Zs. d. V. f. Volksk. 1917, 178 (F. Seiler). 

Zusammenstellung von 320 Sprichwörtern aus dem 9. — 16. Jahrh. 
(deutsches, lat. Material), in alphabetischer Anordnung nach Schlagworten: 
ein bedeutsamer Beitrag zur Sammlung und Erforschung des deutschen 
Sprichwortes, ebenso zu begrüßen wie die Publikation Seilers in ZZ. 
1916/18 (s. Nr. 259). 

Der Aufsatz erschien auch als Sonderdruck bei K. J. Trübner in 
Straßburg, 1916, 2,50 M. 

261. Strack, H. L. Jüdisches Wörterbuch mit besonderer 
Berücksichtigung der gegenwärtig in Polen üblichen Aus- 
drücke. Leipzig, J. C. Hinrichs. 1916. XVI, 204 S. 8°. 
6 M. 

Bespr.: Zs. d. V. f. Volksk. 1917, 180 („Jüngeren Sprachforschern, 
besonders Germanisten, eröffnet sich hier ein weites Feld, aber eine zu- 
verlässige Grundlage ist durch Strack geschaffen"). 

"Will Hilfsmittel fdr den mündlichen Verkehr und für die Lektüre 
der jüdisch-deufschen Buch- und periodischen Literatur sein unter Fest- 
stellung der Herkunft der Wörter. Kenntnis der hebräischen Schrift ist 
vorausgesetzt. Vgl. des Verf.s „Jüdisch-deutsche Texte, Lesebuch zur 
Einführung in Denken, Leben und Sprache der osteuropäischen Juden". 
Leipzig, Hinrichs 1917 (56 S. 1,50 M.). 

Ein Synonymenverzeichnis am Schluß schiene mir sehr vorteilhaft. 

262. Tappolet, E. Die alemannischen Lehnwörter in den 
Mundarten der französischen Schweiz. Kulturhistorisch- 
linguistische Untersuchung. IL Teil: Etymologisches Wörter- 
buch. Basler Rektoratsprogramm. Straßburg, K. J. Trübner. 
1917. XVI. 214 S. Grr.-8°. 8 M. (Vgl. Nr. 47.) 






Otto Mau ß er, XI. Germanisch. D. Westgermanisch. 111 

Bespr.: LCB. 1918, 322 (O.Brenner); ZfdM. 1917, 181-184 (H. 
Reis; s. dazu die „Berichtigung" Tappolets a. a, 0. 1918, 84 ff.); Die 
neueren Sprachen 1917, 467/69 (0. Weidenmüller). 

Dem Wörterbuch (S. 1 — 200) ist ein Sachindex und Formenindex 
(dieser franz.-deutsch) beigegeben. Vgl. IJ. 1916 XI, Nr. 348. 

263. Volckmann, Erw. Unerklärte niederdeutsche Straßen- 
namen in Hamburg und anderswo. Ein Beitrag zum alten 
deutschen Städtewesen. Hamburg, Ackermann u. Wulff 
Nachf. 1917. 56 S. 8°. 1,50 M. 

Bespr.: DLZ. 1918, 129-131 (P. Feit; ablehnend). 

264. Welz, J. Die Eigennamen im Codex Laureshamensis. 
Aus dem Lobdengau u. Württemberg. Untersuch, zur deut- 
schen Sprachgeschichte, hg. v. R. Henning, H. IV. Straß- 
burg, K. J. Trübner. 1913. 124 S. 3,50 M. 

Be?pr.: ZZ. 1918, 394-397 (K.Helm). 

265. Wutke, Konr. Tangriz — Tannenreisig. Mitt. der Schles. 
Ges. f. Volksk. 17 (1916) 127—128. 

Belegt aus dem 14. Jahrh. — Mit wortgeschichtlicheu Bemerkungen 
von Siebs, der Thangrasz, tangraz vermutungsweise mit Tangriz zusammen 
bringt (?). 

266. Schlösser, Rud. „Vom Dom umzingelt". Eine text- 
kritische Kleinigkeit zu Schillers Jugendlyrik. Mit einem 
Nachwort von Gg. Witkowski. Zeitschr. f. Bücherfreunde 
7 (1915) 28—29. 

267. Witkowski, Gg. Noch einmal „Vom Dom umzingelt". 
Zeitschr. f. Bücherfreunde 7 (1915) 78 — 81. 

Bringt die für die Verschollenheit und beschränkte Bekanntheit 
des Wortes, dessen richtige Erklärung Siebs, Kauffmann, Unwerth und 
Frings in ihren, an dieser Stelle gebuchten, Aufsätzen geben, höchst 
bezeichnende Äußerungen heutiger Vertreter der neueren deutschen Philo- 
logie. Vgl. dazu (Nr. 268) die von Burdach beigebrachten Zeugnisse älterer 
Schillerforscher, die für die Seltenheit des von Schiller gebrauchten 
Wortes ebenso charakteristisch sind. Die schönste Aufhellung erhält die 
von Siebs zur Erwägung und Debatte gestellte Erage durch die Belege, 
die Frings aus dem Flämischen, gerade auch aus neuerer Zeit, beischafft 
(s. Nr. 192). 

268. Burdach, K. Über Schillers Jugendgedicht „Meine 
Blumen". Zeitschr. f. Bücherfreunde 7 (1915) 95—105. 

Zu Dom in der RA. vom Dom umzingelt, mit Bezugnahme auf die 
Stellung älterer uud jüngerer Schillerkenner (s. Nr. 266 ff.) zu dem Ausdruck, 
die für die Geschichte des Wortes nicht uninteressant ist. 

269. — Laura vom Dunst umzingelt? Ein neuer Beitrag 
zur Erklärung des Schillerschen Jugendgedichtes „Meine 
Blumen". Zeitschr. f. Bücherfreunde 7 (1915) 137—139. 

Zu Dom, seiner Herkunft und muadartlichen Verbreitung! Mit 
einer Äußerung H. Fischers. 



112 Bibliographie des Jahres 1917. 

270. Siebs, Th. Vom Dom umzingelt. Mitt. der Schles. Ges. 
f. Volksk. 17 (1915/16) 118—121, 213—218. 

Die Wendung ist = „vom Duft umgeben". Schiller hat das Wort 
aus der Mundart genommen. Siebs, der sich auch zur Etymologie des 
mit mhd. toum identischen Wortes und zur Verbreitung in den Mund- 
arten äußert, hat das Verdienst, das Wort richtig gedeutet und die Deu- 
tung wortgeschichtlich belegt zu haben. 

271. Kauffinami, F. Vom Dom umzingelt. ZZ. 47 (1916) 
10-22. 

Zum Fortleben von altd. toum und Sippe im Schwäbischen. 

272. ünwerth von. W. Venus redolens. PBB. 42 (1916) 
121—123. 

Zum Streit um Dorn — vom Dom umzingelt bei Schiller! Nachweis 
von toum ' Duft, Wohlgeruch', toumen 'duften' bei Notker; Fortleben der 
AVorte im modernen Schwäbischen, bei Schiller und Reinwald. Vgl. 
Frings' Aufsatz Nr. 192. 

273. Frings, Th. Boom im Alt- und Neuflämischen. PBB. 
42 (1917) 249—254, 561. 

Siehe Nr. 192. 

München. Otto M außer. 



XII. Baltisch-Slayisch. 
A. Allgemeines. 

1. Brückner, AI. Slavisch- Litauisch. Geschichte der indo- 
germanischen Sprachwissenschaft seit ihrer Begründung durch 
Franz Bopp, herausgeg. von W. Streitberg, II. Teil: Die 
Erforschung der indogermanischen Sprachen, 3. Band: Sla- 
visch -Litauisch, Albanisch, S. 1 — 107. Straßburg, K. J. 
Trübner. 1917. 8°. 6,50 M. 

Bespr.: BphW. 1918, 36—44 (E. Hermann); WklPh. 1918, 193—199 
(R. Wagner); Lit. Zentralblatt 1918, 322 (E. Hermann); LF. 45 (1918) 
240—245 (O. Hujer). 

Der Verfasser schildert die Entwicklung und den jetzigen Stand 
der baltisch-slavi seilen Sprachforschung. „Wenn er auch ein deutliches 
Bild von dem allmählichen Werden der slavischen und baltischen Sprach- 
wissenschaft entwirft und eine Zahl von wichtigen Problemen berührt, 
so ist sein Urteil doch nicht frei von großen Härten gegen verdienstvolle 
Forscher, zumal jüngere" (Literarisches Zentralblatt 1918, 322). 

2. Hirt, H. Grammatisches. IF. 37 (1917) 217—227. 

5. Idg. ms im Litauischen (S. 224 f.). Verf. neigt der Ansicht zu. 
daß idg. ms im Lit. zu ns (und weiter zu nasaliertem Vokal -f- s) ge- 
worden ist. Einwandfreie Beispiele für Erhaltung des m fehlen. — 6. Der 
altbulgarische Dativ der i-Stämme und abg. Dat. semi {S. 225 f.). Abg. 
zemi entspricht genau dem griech. x a . ac " un( ^ ^. humi, ist also als Dat. 
der konsonantischen Deklination aufzufassen. Ähnlich liegt ein regel- 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 113 

rechter Akkusativ zu griech. /9-ojv in deu russ. Adverbien özenib 'zu 
Boden', ndzemb 'auf die Erde' vor. Die Dativendung -i bei den slay. 
z-Stämmen läßt sich arn einfachsten so erklären, daß darin die Form der 
konsonantischen Stämme steckt. — 7. Serb. kam, jeeam, pläm, krern, 
präm, gfm (S. 226f.). Diese Formen entstanden nicht aus den Adjektiven 
kämen, jeemen, planten usw., wie J. Schmidt meinte; sie sind in der Haupt- 
sache alt und entsprechen den altbulgarischen Nominativformen auf -y. 

3. Loewe, R. Der germanische Pluraldativ. KZ. 48 (1917) 
76—99. 

Es werden auch die baltisch-slavischen die m-Endungen aufwei- 
senden Formen gestreift. Der Instr. Sing, temb wird nach Schulzes Vor- 
gang als nach dem Instr. Plur. terni entstanden hingestellt. Die Dativ- 
endung -mus, der man im Lit. begegnet und der auch die slav. Dativ- 
endung -m» wahrscheinlich gleicht, kann auch im Germ, vorliegen: altostfr. 
thäm, altwestsächs. däm wird aus urgerm. Hhaimuz = lit. temus, sl. temv 
hergeleitet; es kann hier aber auch die Endung -mos, eine m-Parallele 
zur lat. Endung -bos, idg. *-bhos, stecken. Altisländ. tveim = abg. dhvemet, 
lit. dvem, primr = lit. Instr. PL trimls, abg. trbmi oder lit. Dat. plur. trims, 
abg. trbmu. Der urbalto-slavischen Dualform *duoimä (abg. dnvema, !it. 
dvem) kann genau entsprechen der altfries. Dat. twäm (aus urgerm. 
*twaimö), der allerdings von van Helten als eine Neubildung nach Hhaimuz 
aufgefaßt wird. 

4. Persson, P. Zur lateinischen und griechischen Wortfor- 
schung. KZ. 48 (1917) 121—136. 

Unter 3. (griech. eovfj) wird auch abg. uniti 'velle' (: ai. vänati 
'wünscht, verlangt'), unje, uneje 'besser' (un- aus *eun-) als Stütze für 
die Annahme einer Basis euen- angesehen (S. 126). Ferner werden hier 
die Bedeutungsverhältnisse bei der Basis euek-, zu der auch lit. jünkti 
'gewohnt werden', abg. v-yknoti 'sich gewöhnen, lernen', lett. janks 'lieb- 
lich, anmutig' usw. gehören, gestreift. Die Wurzel der Wortfamilie, zn 
der lit. aunü aüti ' Schuhwerk anziehen' usw., abg. öb-ujq ob-uti 'ds. ' mit 
lit. aukli 'Fußbinde', aütas 'Fußlappen' usw. gehören, ist als au- ou- 
(nicht eu-) anzusetzen; es ist dieselbe Wurzel, die auch dem lit. dudziu 
dusti 'weben' zu Grunde liegt, und also 'drehen, winden, binden' be- 
deutete. — Unter 6. (lat. vorsus, versus) wird als Parallele zu lat. versus 
in der Bedeutung 'Furche, Ackermaß, Linie, Strich, Reihe, Zeile, Vers- 
zeile' angeführt lit. vafstas 'Pfluggewende, eine Strecke auf dem Acker 
usw.', varsnä, varsmas 'ds.', lett. wahrsms 'Strich' (S. 133). 

5. Petersson, H. Baltisches und Slavisches. Lunds Univer- 
sitets Arsskrift. N.F. Afd. 1, Bd. 12, Nr. 2. Lund, C.W. K. 
Gleerup. 1916. 95 S. Gr. 8°. 2.50 M. 

I. Die slavischen und baltischen Wörter für 'Stern". Slav. gvezda 
(evezda), lit, zvaigzde usw. gehört zu lit. zvikras 'blinzelnd'; die Wurzel 
*ghueik- (sl. gvezda ist aus *gltuoigzd{h)a und dieses aus *ghuoik-s-d\h)ä) 
kann als ghuei-k- aufgefaßt werden und dadurch ist die Möglichkeit 
gegeben, hieher griech. fttßpo? 'heiß, brennend' und tpolßos 'klar, rein' 
anzureihen. Die so gewonnene Wurzel gliue%-, die 'leuchten, glänzen . 
strahlen' bedeutete, kann auf einem Urelemente *gheu- aufgebaut sein, 
welches auch in der Wurzel *ghcit-bh- (kroat. züblja 'Fackel, Scheit, Holz ', 
Indogermanisches Jahrbuch. YII. c 



114 Bibliographie des Jahres 1917. 

lit. tiuburis 'Licht, Fackel") steckt. Tn der Wurzel *ghuok- (gr. Jioupcbaa», 
tp(ot)i*<paoc, lat. /ax ' Fackel', lit. zväke 'Licht') liegt eine Komposition von 
*<jh{e)uo- mit *ok u - 'Auge' vor. Eine andere Erweiterung dieser Wurzel 
*gheu stellt die Wurzel *ghuelg- 'blicken, glänzen' dar. (lit. zvelgiü 'wo- 
nach blicken', zvalgyti 'glänzen, blicken', griech. deXfo» 'bezaubere, betöre'. 
Ähnliche Erweiterung in *(s)phelg- in ai. phalgü- 'rötlich, schimmernd". 
sphulinga- 'Funke', lett. spulgüt 'glänzen, funkeln' neben lat. splendeo, 
mir. lainn 'hell, glänzend' aus *(s)p(h)lend(Ji)~. Suffixales -näh- steckt 
auch in griech. c-;v9-f]p 'Funke', lit. spindzu 'glänzen', sp\stu 'erglänzen' 
usw., deren wurzelhaftes spl- in ahd. asächs. spilön usw. wiederzufinden 
ist. Lett. spulg- verhält sich zu griech. owi(v3"fip) wie lit. zvelg{iu) zu 
zm'Jcras). Lit. zvelgiü gehört nicht zu *ghttel- 'schief, schräg, krumm 
sein", welches übrigens dieselbe Entwicklung aufweist wie die Wurzel 
rfheu- 'glänzen, strahlen' : es geht auf *gheu-. (ai. pralivds 'geneigt, vor- 
gebeugt' aus *pro-ghuo-s) zurück, wozu eine &/t-Erweiterung in kslav. zybati 
'schaukeln', sloven. zibika, zibel 'Wiege' usw., eine -r-Erweiterung in lit. 
zurle (*ghu-r-) 'eine den Wicken ähnliche Schoten tragende Rankenpflanze 
oder Winde, die im Roggen wächst und denselben niederzieht', eine - 
Erweiterung in arm. Jax 'left, sinister' (*ghuä-kho- oder ghua-kho-) unri 
lit. zvatras 'schielend', zvaigintti 'den Schwindel haben'; zu diesem *ghv- 
' schief, schräg' auch russ. zvenö 'Glied einer Kette', poln. dswono 'Rad- 
felge, Radkranz' usw. Zur Wurzel gheu- 'glänzen' gehört weiter als 
»•-Erweiterung die Sippe des lat. ferus 'wild', gr. <K]p 'Tier' usw. (idg. 
*ghuero-, *ghuer- 'feurig; Tier mit feurigem Blick';. Neben der Wurzel 
*gheu- 'glänzen' gab es auch eine Wurzel *ghei- mit derselben Bedeutuno. 
wozu lit. zibeti 'glänzen', russ. pozejaf, zechaf 'glänzen', kslav. zenicn 
'Pupille', ai hemän- 'Gold' usw.; eine d(70-Erweiterung dieser Wurzel ist 
in lit. zydeti 'blühen', ziedas 'Blüte'. Neben der Wurzel *ghl 'glänzen' 
existierte die gleichbedeutende Wurzel *ski, *kl (abg. sbjati 'glänzen', 
StVh 'grau', sinh 'blau' usw.) und ähnlich neben *ghü (*gheu-) die Wurzel 
*kü- (ai. sonah 'rot', subhäh 'schön, hübsch', svetdh 'weiß', sl. svett 'Licht. 
Helle' usw.). — II. Bemerkungen zu slavischen Bildungen auf -eg-, -qg-- 
'Es unterliegt keinem Zweifel, daß die slavischen Bildungen auf -fg-, ~qg- 
sowie die auf -ug-, -yg- in der indogermanischen Ursprache ihre Quell«' 
haben, ob es auch nunmehr nicht möglich ist zu entscheiden, ob aus der 
Ursprache vererbte Bildungen vorliegen und welche diese sind'. Einzelne 
von solchen Bildungen werden besprochen und ihre Anknüpf nng versacht. 
'Die slav. Bildungen auf -eg-, -qg-, soweit sie auf idg. -eng- (-«#-), -ong- 
zurückgehen, sind ein Gegenstück zu den Bildungen auf -nd-% von denen 
einige charakteristische angeführt und untersucht werden. Neben den 
Bildungen auf -go-, -do- findet man oft solche auf -bo-. Durch Kombi- 
nation des Suffixes -bo- mit einem Stamm auf -n ist ein einheitliche* 
Suffix -mbo- entstanden. Im Lichte dieser Bildungen mit -nd- oder -mb- 
Suffix werden die slav. Wörter auf -eg-, -ega- (-qg-) betrachtet. Die indo- 
germanische Ursprache hatte zweifelsohne eine nicht geringe Anzald von 
Wörtern auf -engo-, -ongo-. Darunter mehrere etymologische Deutungen 
(z. B. aksl. krava nicht zu lat. cervus, sondern zur Wurzel *kcr-, die in 
lit. kersas 'weiß und schwarz', ai. krsna- ' schwarz ' usw. vorliegt, also aus 
einem farbenbezeichnenden *koriw- usw.). — III. Vermischtes zur Wort- 
forschung. 1. Lit. masöti 'ein Kind zeugen' wird direkt auf die Wurzel 
*maU- 'spalten' bezogen. Zu dieser Wurzel auch lat. maciare; auch sl. 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch 115 

moslb 'Brücke' könnte hierher gehören (urspr. 'Gespaltenes'), es sind aber 
auch andere Deutungen möglich, z. B. man könnte es mit mir. maidiiii 
ich breche, gehe in Stücke', ahd. (stein)mezzo 'Steinmetz' verbinden. 
Über arm. s- aus idg. Uu-. — 2. Lit, pilvas 'Bauch' gehört mit lat. pul- 
olnus 'Polster, Kissen' zusammen; dieses nicht zu lett. spilwens 'Bett- 
kissen', welches aus spilwa 'Hülse, Samenwolle' gebildet ist und zur Sippe 
von slav. plevq 'reiße aus, jäte' usw. gehört. Zur Wurzel phel-, die in 
lit. pilvas und lat. pulolnus steckt und 'schwellen, sich aufbauschen 3 be- 
deutete, auch ai. phata-, phana- 'Schlangenhaube' und phända- 'Bauch '. 
3. Lit. (je ras 'gut' zu arm. kar 'power, force, vigour', Jcari 'sehr' usw.: 
die Wurzel *cf*er-, woraus *epreu- in griecb. ßpou» 'strotze, sprosse'. efißpoov 
'Sproß' usw. und *g« rendli- in lat. grandis 'groß', sl. grqdb 'Brust', griech. 
^oivö-oq 'Stolz' usw. Zu dieser Wurzel auch ai. garva- 'Stolz, Hochmut ". 
lett. dfidferet 'sprießen, schwellen' (aus *g»en-g"er-), diidferis 'Drüse. 
Mandel am Halse', griech. oßpia, &ßpixta 'die Jungen der Tiere'. — 4. Lit. 
sinülis und lett. mülis 'ein ungehörntes Stück Rindvieh'. Lett. mülis ist 
aus dem Slav. entlehnt. Den betreffenden slavischen Ausdrücken liegt 
< In *>nuh (aus *mou-lo-) 'verstümmelt' zu Grunde, welches zu lat. mutüus 
'verstümmelt', muticus 'gestutzt' usw. gehört. Lit. gumuVts 'Mangelhaftes, 
Gestutztes' braucht nicht aus dem Slav. entlehnt zu sein, es kann aus 
einem *gumas 'gestutzt' abgeleitet sein und zur Wurzel *gum- (erweitertes 
*geu-, *gu- 'schaben') in griech. -puv^? 'nackt', arm. kunt, kund 'bald, 
hairless' gehören. Lit. glümas 'hornlos' zu aschwed. klöya (urgerm. 
*ltlauian), dän. klo 'jucken, kratzen', mnd. Iclouwen 'kratzen, krauen': 
tue Wurzel ist *gleu- 'schaben, kratzen'. -5. Lit. släkas und släpius 
gehen letzten Grundes auf dasselbe Wurzelelement *Uel- zurück. Hieher 
ituch sl. slota (aksl. slota 'hiems', serb. slota 'feiner Regen', poln. slot<< 
' Regenwetter, nasse Witterung ' usw.) aus *lclok-ta- oder lilop-tä-, weiter 
ai. slaksnd- 'glatt, weich, zart' aus *Uleksno- (auch. lat. Clemens aus *Kleks- 
ittent-?), kslav. sleza usw. aus *Mey\li)-, *Klg{h)- [ganz verfehlt, da der 
Ansatz von urslav. * sleza und *sblza falsch ist: alle slav. Sprachen weisen 
auf ein urslav. shza hin], lit. sluoju sluoti 'fegen' mit lat. cloäca, cluo 
'purgo' usw. und mit ffe-Erweiterung ai. slathah 'locker, lose, schlaff' usw. 
(wobei solche f/t-Erweiterungen von anderen Wurzeln behandelt werden). 
Über die zur Wurzel *(s)kerd- 'spritzen, sprühen' gehörende^ Wörter 
«hierher auch lit. sarstas 'Schaum der Wellen' aus *ts)kord-to- oder 
(s)Uord-s-to-, survoju, surcoti 'eine Flüssigkeit rütteln, schütteln' aus 
*{s)krdiiä-). Diese Wurzel *(s)!:erd- kann eine Weiterbildung von *(s)ker- 
sein, welches u. a. auch in sloven. sdrga 'Tropfen' aus *Kor-ghä- steckt. ]\lii 
der Wurzel *(s)Uerd- reimt *perd- mit derselben Bedeutung (griech. rcapSaxo«; 
'naß, feucht'); andere Erweiterungen sind *perli- (prek-) in griech. stspxvoc 
'dunkelfarbig' usw., *pers- in ai- prsant- 'gesprenkelt, scheckig, bunt . 
böhm. perseti (sie! richtig soll es heißen p rseti) 'sprühen, stieben, regnen', 
klr. porosa 'frischer Schnee', lett. perslas 'Eisnadeln in der Luft', parslas 
'Flocken von Asche, von Schnee', perslüt 'in kleinen Flocken schneien', 
lit. apsipiirsloti 'sich besabbern'. Lit. purslas, pursla 'Schaumspeichel' 
aus *purdslus ist auf Grund der Wurzel *perd- entstanden. Zu dieser 
Wurzel können ferner gestellt werden lit. prüdyti 'weben, blasen', prusna. 
prusnos' Maul', russ.jpryie 'mehr, stärker' aus *prüd-ies, pryzlk 'schwellen, 
anschwellen machen'. — 6. Lit. s'mlpti 'mit den Lippen pfeifen' wird 
mit arm. iaiphalph 'dutard, braggart, frolish usw.' zusammengestellt. Die 



116 Bibliographie des Jahres 1917. 

Wurzel *Uuelp- beruht auf einer einfacheren *Uuel-, die vielleicht in all). 
bilim, felim 'Zugluft, das Sausen des Windes' vorliegt. — 7. Lit. siüsti 
'toll werden' gehört mit ai. ut-suka- 'unruhig, aufgeregt' zusammen. Zu 
demselben Wurzel element *seu- gehört weiter lit. siaubti 'umherrasen. 
toben', lett. scha'uls 'albern, töricht' usw. — 8. Lit. dejä 'Wehklage' ge- 
hört zu griech. iwStvt» 'jammere, habe Geburtswehen'. — 9. Lit. gretma-' 
'schleimiger Niederschlag im Wasser' wird auf ein idg. *greimo- 'Schleim' 
zurückgeführt und mit aisl. hrim 'sod, grime', norw. krim 'Schnupfen", 
schwed. dial. krim 'schleimig in der Nase' usw. zusammengestellt. — 
10. Lit. gröbas 'Darm' gehört zu dän. kraave, krave, norw. (dial.) kraac. 
schwed. kräfvaz 'Kropf der Vögel'. Da -bh- in *grobhn- suffixal sein kann. 
läßt sich auch lat. giger tum 'Magen und Eingeweide des Geflügels' ver- 
gleichen. — 11. Lit. termenti 'sudeln, schmieren' wird zu arm. thrmel 'i ■ 
wet, to seak, to steep' usw. gestellt. Das Wurzelelement ist *tcr-, das in 
arm. thor 'that flows down, that drops, that falls' vorliegt; eine Erwei- 
terung dazu in lit. tersiü 'schmutzig machen', tirstu 'dickflüssig werden". 
— 12. Lit. subine ' After. Afteröflnung' ist von einem Subst. *subas 'Hin- 
terer' abgeleitet, was man mit griech. oßo^'Buckel, Höcker', ößö? 'buckelig' 
identifizieren kann. — 13. Lit. saüras 'schmal' beruht auf der Wurzel 
*seu-, die auch in ai. suk*ma- 'fein, schmal, dünn' vorliegt. — 14. Lit. 
telzti 'beharnen' gehört mit tidstü, tulzaü 'weich, morsch werden (vom 
Obst)' zusammen. — 15. Lit. zalgas 'Stange' ist identisch entweder mit 
arm. jatk 'whip, rod, switch, stick' oder mit got. galga 'Galgen, Kreuz'. 
Die hier vorliegende Wurzel ghel- findet sich in arm. jot 'pole, very long 
stick'; hierher auch lit. zuolis 'ein Stück Holz, Baumstamm'. — 16. Lir. 
'litis 'Hauzahn' aus *ilktis und dieses aus *lktis gehört zu ai. lakuta- 
' Knüttel'. — 17. Lit. mäzgas ' Knospe ' = griech. po-yoc können suffixales 
-gho- haben; die Wurzel mes- steckt in lit. misle 'Kügelchen, Knopf'. — 
18. Lit. üstas 'ein Gefäß von Weidenreisern', wenn es für ükstas st eh f. 
kann mit arm. thekhel 'drehen, flechten, wickeln', aisl. pättr 'Faden, 
Docht' usw. verglichen werden. Lit. tikstas kann auf einem *tek-cs- 
beruhen, das in lat. texere wiederkehrt und auch in griech. tö^ov 'Bogen' 
enthalten ist. — 19. Lit. vis'tä 'Huhn' aus *uis-tä gehört zu lat. avis 
'Vogel'. — 20. Lit. vyturys 'Lerche': lat. vitulör 'jubeln'. — 21. Lett. 
rüva 'stehendes, eisenhaltiges Wasser in Niederungen ', rävs 'moorig, eisen- 
haltig': lat. rävus 'grau, graugelb'. — 22. Lett. kribas 'das Geflecht': aisl. 
hrip 'hölzernes Gefäß, hölzernes Gestell', d. Reff 'Stabgestell zum Tragen 
auf dem Rücken'. — 23. Lett. stulms 'Baumstumpf': schwed. (dial.) stolm 
'die Stoppeln'; weiter hierher griech. gteXe/o? 'Stammende', ozz).iöc, 'Stiel' 
usw. — 24. Urslav. *pormen- (ksl. pramenh Faden', poln. p romien 'Strahl, 
Sonnenstrahl' usw.) ist eine Wien-Bildung aus der Wurzel *por-, die auch 
in ksl. prqtb 'Rute' usw. (aus *pr-onto-) vorliegt. — 25. Kslav. zlesa 
'glandula' gehört zur Wurzel *ghelgh-, der man einen allgemeineren Sinn 
'schwellen' zuschreiben kann. Mit ihr reimt die Wurzel *bhelgh- ( : russ. 
bölosen 'Schwiele, Beule*, serb. bläzina 'Kopfkissen, Polster', lit. bulzys 
'ein starker Mensch mit großem Kopf und dick aufgeworfenen Lippen') 
und *melgh- 'schwellen* ( : lett. milft 'schwellen, schwären', milfums 'sehr 
viel", lit. milzinas 'Riese', ai. malhä- 'mit Zäpfchen an der Wamme ver- 
sehen*, arm. matj 'Galle'). — 26. Kslav. mqdo 'Hode' aus- *mu-ndo- zur 
Wurzel *meu-, die in verschiedenen Ausdrücken, die ' etwas Schwellendes, 
Bauschiges, sich Wölbendes' bezeichnen, zu finden ist. Aus dem Slavischeu 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 117 

hierher noch böhm. munka 'Wamme', russ. (dial.) mönja 'Bauch, Wanst, 
Magen'. — 27. Kslav. szlati 'schicken' gehört zu lit. siüncü 'ich sende' 
(idg. Grundlage *su-nto-), welches mit ai. suväti 'setzt in Bewegung' usw. 
'verwandt ist. — 28. Kslav. szpojiti 'conjungere' beruht auf einer ursprach- 
lichen Komposition *po-iu-, deren zweites Glied zur Wurzel *ieue-, *ieua- 
' verbinden' (ai. yduti 'bindet an', yütih 'Verbindung', lit. jäutis 'Ochs' 
usw.) gehört. [Verfehlt. Die richtige Etymologie des Wortes pojiii, Sbpojiti 
gab Zubaty im Sbornik filologieky 2, 1911, 95ff.]. — 29. Poln. patrzec 
'wohin sehen, schauen' beruht auf einem Subst. *patrh, welches entweder 
von der Wurzel *pä- (ai. päti 'schützt, hütet' usw.) oder von der Wurzel 
*pa*i- (lat. paetus 'leicht schielend', arm. hayib 'to look') abgeleitet ist. 
Ahnlich weist böhm. setriti 'beobachten', poln. szatrzec ds. auf ein urslav. 
»Subst. *satrh hin, das mit ai. khyctti 'sieht, schaut' usw. zusammenhängt. 
- 30. Russ. reib 'Querbalken, Bock, Gerüst' aus urslav. *rbäh gehört zu 
lat. ridica 'eiu durch Spalten größerer Pflöcke gewonnener Weinpfahl'. 
griech. IptLZi» 'lehne an, unterstütze ' usw. — 31. Russ. torotörif 'plappern, 
schwatzen' aus Hortor- kann im Grunde identisch sein mit arm. thrthrak 
'good Speaker', das ein älteres *thurthurak voraussetzen kann; das Grund- 
wort *thurthur laßt sieh aus idg. *tortoro- erklären. Andere Ableitungen 
der Wurzel ter-. 

6. Petersson, H. Germanische Worterklärungen. PBB. 43 
(1917) 149—153. 

Urgerm. *uaisandl, *uaisundi (ags. wdsend 'Luftröhre, Kehle', engl. 
weasend, afries. lösende 'Luftröhre', ahd. weisunt 'Ader') wird zur Sippe 
des kslav. viskati 'wiehern', visnqti (aus *visknqti) 'muttire', russ. dial. 
vtfscat, poln. wiskac, wiszczee 'laut pfeifen' usw. gestellt. Neben visk- gibt 
es im Slavischen eine #- Bildung in russ. vizg 'Gewinsel, Gewimmer, Ge- 
piep', vizzäf, vizgnüt "winseln, wimmern, flennen, piepen ', klruss. vyzhaty 
'knurren'. Eine Reimwurzel pisk- liegt zu Grunde in kslav. piskati 'pfeifen 
usw., lit. pyszku pyszketi 'knallen (mit pfeifendem Geräusch)'; hierher 
auch lat. splro usw., die Wurzel ist *peis-, *speis- 'blasen, zischen u. dgl. ' 
Idg. *poiso- steckt vielleicht in kslav. peehyro 'bulla', sonst scheint 
unerweitertes *peis- im Baltisch-slavischen nicht vorzukommen. Zu slav. 
triskati scheint auch kymr. chwythu 'blasen' (aus idg. *sueiz-d- oder *suiz-d-) 
zu gehören. Ob auch slav. svistati 'sibilare' (aus *sueis-t-) hierher gehört, 
ist unsicher. 

7. Thurneysen, R. Irisches. KZ. 48 (1917) 48—75. 

11. irar 'Adler'. Altir. irar, kymr. eryr gehen auf *eriros zurück 
und zeigen, daß slav. orbh aus *orhr% dissimiliert ist; noch weiter ver- 
ändert ist lit. erelis (S. 61). 

8. van Wijk, N. Ndl. mooi, ndd. moi(e). KZ. 48 (1917) 156 
bis 157. (Vgl. XI Nr. 39.) 

Dieses Adj., welches 'schön' bedeutet, gehört zur idg. Basis mii-. 
meu(üx)- 'waschen', die in sl. myti ' waschen ', apr. au-müsnan 'Abwaschung'. 
lit. mdudyti, lett. maut ' schwimmen ' usw. vorliegt. Die Bedeutung ' waschen ' 
kann aus 'streifen' entwickelt sein; so wird die Möglichkeit gewonnen, 
auch lit. rnäuju 'streife' anzuknüpfen, mit dem man auch ndl. mouir 
'Ärmel' zusammengestellt hat. 



118 Bibliographie des .""ahre? 1917. 

B. Slayisch. 
1. Allgemeines. 

9. Agrell, S. Slavische Lautstadien. Lunds Universite! < 
irsskrift. N. F. Avd. 1, Bd. 12, Nr. 3. Lund, C. W. K. 
Gleerup. 1917. 131 S. Gr. 8°. 

1. Die Reflexe des urslavischen tert- (telt-)Ty\ms im Sorbischo;i 
S. 3 — 32). — IT. Die Reflexe des urslavischen tert-, telt-Typus und die 
Entpalatalisierung der e-Laute im Polnischen (S. 33 — 75). Die Entwicklung 
der tert-. teft-Gruppen im Polnischen weist einen gewissen Parallelismus 
auf zu der Entwicklung de» urslav. e. Der Wechsel rze, le : rze, lo (lo) in den 
genannten Gruppen i»t dem Wechsel ie:ia für urslav. e analog. Für 
urslav. e steht im Polnischen a) in der betonten Silbe vor hartem Dental 
ia ; b) in vortoniger Stellung, falls die ursprüngliche Länge (unter ge- 
wissen Bedingungen) gekürzt wurde, ebenfalls ia: c) in vortoniger, aber 
von den Kürzungsregeln unabhängiger Silbe ie (altpoln. und dialektisch 
d) in unmittelbar nachtoniger Silbe (wenigstens dialektisch) ie. Die, 
urslav. Gruppe tert ergab im Polnischen a) in betonter Stellung unab- 
hängig von dem nachfolgenden Konsonanten trsot, wenn es schleifende 
Intonation hatte, h) gestoßenes betontes tert entwickelte sich vor hartem 
Dental in trzot (dialektisch trzat). vor hartem Nichtdental aber in trzet: 
<i in solcher Stellung, wo Kürzung eintreten mußte, ist für tert unab- 
hängig von dem nachfolgenden Konsonanten trzet; d) ungekürztes vor- 
tonige.- tert ergab ebenfalls unabhängig von dem nachfolgenden Konso- 
nanten trzet (dial. trzet, trzyt). Betontes telt gibt überall tfot. betonte» 
telt entweder überall tlot. oder wurde ähnlich wie betontes gestoßenes 
tert behandelt. Gekürzte» telt führte zu tlet, ungekürztes vortoniges telt 
ebenfalls zu tlet (dial. tlet, tlit). — III. Spuren von torot und torot « tort) 
auf west- und südslavisehem Boden (S. 76 — 88). Es werden neue Belege 
für abweichende Entwicklung der Gruppen tort, tolt in den genannten 
Sprachen zusammengestellt, und zwar für tart, tort, tolt, torot, tolot (und 
auch teret aus ursl. tert) im Altpolnischen, für tart (eigentl. tzrt) im Bul- 
garischen, denen einige Beispiele von tort, tolt. tert statt torot. tolot, teret 
im Russischen zur Seite gestellt werden. — IV. Zur Frage über die 
Reflexe von idg. -o.s, -om im Slavischen (S. 89 — 116). Der Verfasser ver- 
teidigt »eine Theorie, daß idg. -OS, -om im Slavischen in Proparoxytonis 
zu -h. in Paroxytonis nach fallender Intonation zu -b, nach steigender zu 
-0. in Oxytonis schließlich zu -o wurde. Unter fallender Intonation ver- 
steht der Verfasser die slavische Entsprechung des litauischen Stoßtons: 
der slavischen steigenden Intonation entspricht der litauische Schleiften. 
— V. Über die Reflexe von idg. -ai, -oi, -ois, -oit, -äi im Slavischen 
S. 117-124'. Urslav. oi (= idg. oi, ai) wurde in Proparoxytonis zu -t. 
in Paroxytonis noch fallender Wortintonation zu i. nach steigender Wort - 
Intonation zu -c, in Oxytonis zu -e. Idg. -äi ergab -e. In den Endungen 
-ois, -oit entwickelte sich oi wie sonst. Im geschlossenen Auslaute erhielt 
über c eine verengte (geschlossene) Aussprache, die in der Regel zu -t 
führte — VI. Zur Frage über die sbkr. Endung -ä beim Genitiv Plural. 
I S. 125 — 130). Der Verfasser ergänzt und verteidigt seine Deutung dieser 
Form .Verl. Idff. Jahrb. 4. XII. 42). 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 11» 

10. Iljinskij, Gr. Zvuk ch v slavjanskich jazykach. (Über den 
Laut ch in den slavischen Sprachen.) Izv. 20 (1915) H. 3, 
S. 53—118 und H. 4, S. 135—186. 

Dem Ref. zurzeit nicht zugänglich. 

11. Lehr T., Ze studjow nad akcentein siowiariskim. (Studien 
über den slavischen Akzent.) Prace Komisji jejzykowej 
Akadeinji Umiejqtnosci I. Krakau 1917. IV u. 92 S. 3 Kr. 

12. Hirt, H. Etymologien. IF. 37 (1917) 227—236. 

6. Abg. govhno, d. Kot (S. 236). Abg. govbno stammt von goi- 

tiimi' (vgl. govedo 'Vieh') und bedeutet eigentlich 'Kuhdreck'; ähnlich 

ai. guvdti 'cacat', an:. Jeu 'Mist', lat. bubinilre 'mit dem Monatlichen 

besudeln'; fernzuhalten ist sl. ogaviti 'vexare'. Kynir. budr 'schmutzig' 

gehört aber zu slav. gydb (russ. dial. gidkij) 'ekelhaft'. 

13. Niedermann, M. Zur indogermanischen Wortforschung. 
IF. 37 (1917) 145 — 155. 

1. Ksl. bridbkb. Urspr. *bridb. auf dem ksl. bridbkb c 2pi.js.oc ' (russ-. 
dial. britköj 'scharf, kait', serbo-kroat. br'idak ' scharf , sauer' usw.) beruht, 
entstand durch Umstellung des r aus *bidrb und gehört zu got. baürs, 
ahd. bittar usw.; ursprüngliche Bedeutung war 'beißend', vgl. got. beitan, 
ahd. bizzan. — - 3. Griech. ~y.i~ r /.o-/oc, -ov nicht zu slav. skopiti 'verschneiden', 
skopbCh 'Verschnittener' usw., sondern ist durch Metathesis aus *cxsprcoiv!>c 
outstanden und mit ahd. scirbi 'Scherbe', ai. krpünah 'Schwert', ksl. crepb 
'Scherbe', lett. schk'e)trpis 'Pflugmesser am Rasenpflug' gleichen Ursprungs. 
Die hier vorliegende Wurzel (s)kerp- kann als Kompromißbildung zwischen 
den synonymen Wurzeln skep (russ. seepät 'spalten' usw.) und serp (ksl. 
sriph, lett. sirpe, ir. serr. griech. Slci-yj 'Sichel') aufgefaßt werden. 

14. Hujer, O. Grammatische Miszellen. LF.44 (1917)26—30, 
224—228. 

10. (vgl. Idg. Jahrb. 5, XII 92j Slav. glybokb. Neben den Formen, 
die auf urslav. glqbokb zurückgehen, weisen alle slavischen Sprachen dialek- 
tisch auch Formen auf, die ein glybokb voraussetzen (Berneker 1, 307): 
dieses glyb- braucht keine alte Ablautsvariante zu sein, sondern ist wohl 
nach vysokb entstanden und steht also der Zusammenstellung von glqbokb 
mit urslav. *zelbb (aksl. zlebb), die Falk-Torp Norweg.-dän. etym. Wörter- 
buch 361 annehmen, nicht im Wege. — 11. Böhm, plätenij. Das zu dem 
Subst. plätno 'Leinwand' gehörige Adjektivum hieß im Altböhm, pldtenny 
(so auch noch heute plätenik usw.) ; daneben gab es ein mit dem Formans 
-enb gebildetes Adjektivum plätneny (vgl. aksl. suknenb zu sukno 'Tuch'). 
Durch Kontamination der beiden entstand das heutige pläteny, welches 
auch schon in älterer Zeit belegt ist. — 12. Slav. bridbkb. Niedermanns 
Deutung dieses Wortes (vgl. hier Nr. 13) wird gebilligt mit Hinweis dar- 
auf, daß die durch Metathesis entstandene Form bridbkb deshalb zur 
Alleinherrschaft gelangte, weil das Wort in dieser Form einerseits seinem 
Oppositum *soldbkb (aksl. sladbkb usw.) bedeutend näher stand, anderer- 
seits im Bewußtsein der Sprechenden mit dem Zeitwort briti ' schneiden ' 
verbunden wurde. 

15. Schrijnen, J. Het woord dal en zijn maagschap. Neo- 
philologus 2 (1917) 241—243. 



190 Bibliographie des Jahres 1917. 

S. IJ. 5 Abt. XI Nr. 29. Slav. doh mit got. dal, ndd. dal usw. 
gehört nicht zu griech. &öXo<;. 

16. Torbiörnsson, Tore. Smärre slaviska bidrag. SA. aus 
Sprakvetenskapliga Sällskapets i Uppsala Förhandlingar 
1916—1918 (1917) 7—16. 

1. Svenska streke = slav. *strbzen-, Russ. streich, strez, strezd 
' Strornstrich ' weist auf ein urslav. *strbzen- hin, slovinz. dräzein "Mark 
im Holz' dagegen auf ein *strz>zen-, die übrigen slav. Sprachen lassen 
nicht erkennen, ob ein strb- oder strb- vorliegt. Es wäre möglich daran 
zu denken, daß es im Urslav. zwei verschiedene Wörter gab: *strbzerib 
'Stromstrich' = schwed. streke (idg. *strigen-) ' Stromstrich' und *stnzeti6 
"Mark'= schwed. strälce 'Fiedelbogen', strak' Stromstrich' (idg. *strugen-)\ 
es ist aber auch möglich, daß das Urslav. nur ein strbzen- besaß und daß 
slovinz. dräzein sein r statt des für urspr. r* zu erwartenden r infolge 
der Dissimilation hat. — 2. Slav. *tblsth 'fett, dick'. Es ist das eine -to- 
Ableitung von der Basis thlz- (Fortunatov) ; diesem slav. thlz- entspricht 
halt, tulz- (Jett, tulzis 'Brandblase, Blase, Blatter', lit. tulsti, tulstü, tulzaü 
" aufschwellen ' usw.), dem ein t Hz- zur Seite steht (z. B. istils'ti ' aufgeweicht 
werden' usw.). Ablautend dazu telz-, talz- (z. B. }telsli 'durchfeuchten', 
istälzyti ' auspeitschen, hinaustreiben ' usw.), welches mit d. dalgen ' schlagen ' 
(schwed. dalj 'Schläge, Prügel', dalja 'schlagen') von Buga zu ai. tarh- 
' zerschmettern, zermalmen' gestellt wurde. Ist all dies richtig, so ist 
slav. *tblstb = ai. trddhä- aus idg. *tlgh-io-. — 3. Svenska värre = ir. 
ferr ( : slav. *Vbrchb etc.). Schwed. värre 'schlimmer' (idg. uers-) läßt sich 
mit air. ferr (idg. *uerso-) unter der Annahme vereinigen, daß die ursprüng- 
liche Bedeutung 'in hohem, höherem Maße, Grade' sich teils in bono 
sensu (= besser), teils in malo sensu (= schlimmer) spezialisierte. - 
4. Till den fornslaviska översättningen av Luk. VIII 4. Die ältesten Texte 
der altkirchenslav. Evangelienübersetzung haben Luk. VIII 4 razumejqstju 
ze narodu für griech. odviovto? 8£ oy).oo : der Übersetzer dachte au 3üvIy;>.l 
statt an ouveijxi. 

17. Bulat, P. Die Schelten aus dem Tierreich im Slavischen. 
Münchener Dissertation. Zagreb. 1916. XV u. 83 S. 

Bespr.: Närodopisny Vestnik Ceskoslov. 13 (1918) 126 (.1. Polivka). 

18. Niederle, L. Zivot starych Slovanü. Zäklady kulturnich 
starozitnosti slovanskych. Dilu II. svazek 1. (Das Leben 
der alten Slaven. Grundzüge der slavischen Kulturalter- 
tümer. II. Band, 1. Teil.) Slovanske starozitnosti. Oddil 
kulturni II. (Slavische Altertümer. Kulturhistorische Ab- 
teilung IL) Prag, Bursik & Kohout (1916—1917), VI u. 
302 S. Gr. 8°. 

Bespr.: Närodopisny Vestnik 12 (1917) 319—328 (A. Brückner) mit 
einem Nachwort von L. Niederle 328—32^: Agrärni Archiv 4 (1917) 
vl7— 224 (V. Flajshans). 

Dieser Teil des groß angelegten Werkes (vgl. Idg. Jahrb. 2, XII, 34) 
behandelt die slavische Mythologie : I. Quellen. II. Slavische~Dämonologie. 
III. Slavische Theologie. IV. Heidnische Kulte. V. Ankunft des Christen- 
tums und Untergang des heidnischen Glaubens. 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 121 

19. Niederle, L. Radio a pluh. Pfispevkein k poznäni stareho 
slovanskeho zemedelstvi. (Hacke und Pflug. Ein Beitrag 
zur Kenntnis des alten slavischen Ackerbaus.) Närodopisny 
Vestnik Ceskoslov. 12 (1917) 1—19, 153—174. 

20. Conev, B. Slavjanski rskopisi v bslgarskata Akademija. 
(Slavische Handschriften in der Bulgarischen Akademie.) 
S.-A. aus dem „Sbornik na bslgarskata Akademija na nau- 
kite" VI, 4. Sofia (1916), 85 S. mit 15 Faksimile-Tafeln 
glagolitischer Handschriften. Gr. 8°. 5 M. 

21. Lebedev, A. Rukopisy cerkovno-archeolog. muzeja Imp. 
Kievskoj duchovnoj akademii. (Handschriften des kirchlich- 
archäolog. Museums der Kaiserl. Kiever „Geistlichen Aka- 
demie". Band I.) Saratow 1916. 8°. 3,50 Rbl. 

2. Südslavisch. 

Kirchenslavisch. Bulgarisch. 

22. Kul'bakin S. M. Grammatika cerkovno-slovjanskago jazyka 
po drevnejsim pamjatnikam. (Grammatik der kirchenslavi- 
schen Sprache auf Grund der ältesten Denkmäler.) Enci- 
klopedija slavjanskoj filologii 10. St. Petersburg, Akademie. 
1915. 

23. Kul'bakin S. M. Drevne-cerkovno-slovjanskij jazyk. (Die 
altkirekenslavische Sprache.) Dritte veränderte und er- 
gänzte Auflage. Charkov 1917. VIII u. 231 S. 3 R. 

24. Jagic, V. Supplementum Psalterii Bononiensis. Incerti 
auctoris explanatio psalmorum graeca. Ad fidem codicum 
edidit — . Wien, Ad. Holzhausen. 1917. XII u. 320 S. 
Gr. Lex. 15 K. 

Es wird auf Grund von drei Codices die griechische Vorlage der 
kirehenslavischen in dem Psalterium Bononiense befindlicheu Übersetzung 
des Psalmenkommentars abgedruckt. Vgl. hiezu: V. Jagic, Ein unedierter 
Psalmenkommentar, Denkschriften der phil. -bist. Klasse Wien, Bd. 52, 1904. 

25. Isirkov, A. Bulgarien, Land und Leute. 2 Teile. Bul- 
garische Bibliothek I, IL Leipzig. 1916. 8°. 3,60 M. 

26. Isirkov, A. Zapadnite kraista na bslgarskata zemja. (Die 
westlichen Teile des bulgarischen Landes.) Sofia. 1915. 
Gr. 8°, mit 11 Karten. 6 M. 

27. Weigand, G. Bulgarische Grammatik. 2. vollst, umgear- 
beitete Auflage. Leipzig. 1916. VI u. 207. 8°. 

28. Bulgarska Rec. I. Kniga na pesnite; narodni pesni. (Die 
bulgarische Sprache. I. Liederbuch; Volkslieder.) Ausge- 
wählt und geordnet von Penco Slavejkov. Sofia 1917. LXI 
u. 321 S. 8°. 7 M. 



122 Bibliographie des Jahres 1917. 

29. Ivanov, J. Bslgarete vö Makedonija. (Die Bulgaren in 
Mazedonien. Analekten und Dokumente über ihre Abstam- 
mung, Sprache und Nationalität.) Sofia Akademie, 1915. 
CVII u. 239 S. mit 1 ethnographischen Karte. Gr. 8°. 5 M. 
2. Aufl. 1917, V und 381 S. 

30. Jordanov, V. und Grsncarov, D. Christomatia. I. Stufe. 
Sofia 1915. 161 u. VII S. 8°. 2.50 M. II. Stufe. 1916. 
139 u. V S. 8°. 3 M. 

31. Conev, B. Kratka Charakteristika na Tetevenskija govor. 
(Kurze Charakteristik der Mundart von Teteven.) S.-A. aus 
Sbornik za narodni umotvorenija i narodopis 31 (1916) 8. 

Bespr.: Cas. mod. fil. 6 (1917) 89—90 (J. Päta). 

32. Vasiljev, Dim. Selo Turski Izvor. (Das Dorf Turski Izrör 
in Bulgarien.) ZbornNarZiv. 21 (1917) 225—238. 

Hie und da etwas aus der Sprache der Bewohner dieses Dorfes, 
die eine ostbulgarische Mundart sprechen. 

Serbisch -Kroatisch. 

33. Leskies, Aug. Grammatik der serbisch-kroatischen Sprache 
I. Vgl. Idg. Jahrb. 3, XII 45; 4, XII 39; 5, XII 35. 

Bespr.: Allgem. Literaturblatt 26 (1917) 241 f. (W. Vondräk). 

34. Kul'bakin S. M. Serbskij jazyk. (Die serbische Sprache.) 
Zweite veränderte und ergänzte Auflage. Charkov 1917. 
III. u. III. u. 125 S. 

Bespr.: Museum 25 (1917) 40—41 (van Wijk). 

35. Ekblom, R. Beiträge zur Phonetik der serbischen Sprache. 
S.-A. aus „Le Monde Oriental" 11, 1917. Uppsala 1917. 
78 S. Gr. 8°. 

Bespr.: Literarisches Zentralblatt 1917, 790 f. (B.Hermann); AslPh. 
37 (1918) 211—219 (Olaf Broch). 

Auf experimentalphonetischem Wege werden folgende Punkte der 
serbischen Sprache untersucht: 1. Lautdauer, 2. Stimmhaftigkeit der Laute. 
3. Intonation, und 4. Druckstärke. Infolge der Kürze des Aufenthalts 
der Versuchsperson wurde die Untersuchung in erster Linie auf die In- 
tonation eingestellt als die wichtigste und zugleich interessanteste der 
genannten Erscheinungen. Für die Behandlung dieser Frage hat der 
Verfasser ein reichliches und wohlabgepaßtes Materied zusanimengebracht. 
In Zusammenhang damit wurden einige Versuche zur Feststellung des 
Verhältnisses der exspiratorischen Druckstärke zu den verschiedenen Li- 
tonationsarten ausgeführt. Erst in zweiter Linie wurden die Lautdauer- 
und Stimmhaftigkeitsverhältnisse in Betracht gezogen. 

36. Torbiörnsson, T. Serbisch ro. Le Monde Oriental 11 
(1917) 199—203. 

Der Verfasser macht darauf aufmerksam, daß die dialektische Weiter- 
entwicklung des serbischen ?'o (z. B. in groct, rimfo aus *(fbrdhce *umbrli> 



0. Hujer, Xn. Baltisch-Slavisch. 128 

u. dgl.) an die von ihm angenommene "Weiterentwicklung des gemein- 
slavischen fo (in *grodn, *vfona aus *gordh, *vorna u. dgl.) stark erinnert 
und in gewissen Fällen damit geradezu identisch ist. Dieses ro wird 
nämlich in einigen serbischen Dialekten mit konsonantischem r und langem 
o ausgesprochen (z. B. mro, ümrö usw.), was mit urpoln. *rö aus ge- 
meinslav. */"0 (imd dieses aus urslav. *or) zu vergleichen ist. In Nord- 
dalmatien lautet dieses ro als ra (ümrä), was an *grädt (s.-kr. gräd usw.) 
au6 *gfodh, *gord?> erinnert, und in Montenegro und Bocche di Cattaro 
findet man dafür aro (ümaro, gäronica aus *gzrdhnica usw.), was don 
nissischen Vollautformen (görod aus *gfod- und *gord-) entspricht. 

37. Milcetic, I. O imperativu zimi, ziti (zi mi, zi ti — ziv-ti, 
zivsü). Ljetopis Jugoslav. Akademije 37, II (1917) 74—77 
mit einem Nachtrag a. d. S. 132. 

Es werden zu den bisher bekannten Belegen dieser erstarrten Wen- 
dung einige neue (einer auch aus dem bulgarisch-serbischen Gebiet) zu- 
gefügt; zimi ziti ist aus ziv mi, ziv ti entstanden, wie schon Danieic ge- 
sebeu hat. 

38. Strohal, E. „Prilike" iz stare hrvatske glagolske kiiige. 
(Erbauliche Erzählungen [Exempla] aus den kroatisch-glago- 
litischen Büchern.) ZbornNarZiv. 21 (1917) 239—272. 

Der erste hier abgedruckte Teil enthält die Erzählungen des Fr« 
Marko Kuzmic, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte. Er 
schrieb in einem stokavischen Dialekte mit starkem cakavischem Einschlag. 

39. Strohal, R. Wie könnte die Erforschung der kroatischen 
Mundarten gefördert werden? (kroat.) Ljetopis Jugoslav. 
Akademije 37,11 (1917) 69—73. 

40. Kotarski, Jos. Lobor. Volksleben und -brauche (serb.- 
kroat.). ZbornNarZiv. 21 (1917) 179-224. 

Fortsetzung (vgl. Idg. Jahrb. 5, XII 51). Es werden verschiedene 
Bräuche beschrieben (alltägliche Bräuche, Rechtsbräuche, Bräuche im 
Verkehr mit andern Leuten, Bräuche an verschiedenen Tagen des ganzen 
Jahres, Geburt, Heirat, Tod; Unterhaltungen der männlichen und weib- 
lichen Jugend, Kinderspiele). Überall manches aus der Volkssprache. 

41. Mazuranic, V. Prinosi za hrvatski pravno-povjesni rjecnik. 
(Beiträge zum kroatischen rechtsgeschichtlichen Wörterbuch. ) 
Heft 6, S. 801—960 (odoja — poäici). Agram, Akademie. 
1917. Gr. 8°. 4 Kr. 

42. Grujic, R. M. Plemenski rjecnik licko-krbavske zupanije. 
(Lexikon der Geschlechtsnamen im Komitat Lika-Krbava.) 
ZbornNarZiv. 21 (1917) 273-364. 

Nebst dem eigentlichen Lexikon noch 4 Beilagen: 1. Verzeichnis 
der ausgestorbenen Geschlechter im Bezirk Gospic auf Grund der topo- 
graphischen Namen dieses Bezirks; 2. Beinamen der einzelnen Familien 
in Lika-Krbava; 3. Männliche und 4. Weibliche Taufnamen, ihre Augmen- 
tativa, Diminutiva und Hypokoristika daselbst. 



124 Bibliographie des Jahres 1917. 

43. Skok, P. Etymologische Miszellen (cech.). Gas. mod. 
fil. 6 (1917) 41—43. 

1. Serb.-kroat. bic 'Wollflocke': rum. bit^, beides vielleicht aus lat. 
viieus. — 2. Serb.-kroat. Jcrnati 'Haar färben', Jena ' Art Färbepulver für 
die Haare' usw. (Berneker 1, 530) : rum. a cäni pärul 'Haar färben' aus 
türk. Ictna 'rote Farbe'. — 3. Serb.-kroat. kopörati 'bewegen' usw. : Jcobaljati 
(se) 'schleichen', leobaeäti ds. usw. : Jcotati, hotrljati 'rollen' usw.; vgl. 
rum. a cobori 'senken, niederlassen'; vielleicht lauter Lautnachahmungen. 
— 4. Rum. colnic 'Pfad, Fußsteig' aus dem Slav.; vgl. serb.-kroat. Tcolnik 
'ria carri' in alten Dokumenten, könik bei Vuk. 

Slo venisch. 

44. Slebinger, J. Bibliografija za 1. 1916. (Bibliographie für 
das Jahr 1916.) Carniola 8 (1917) 117—133. 

V. Jezikoslovje (Sprachwissenschaft) S. 130—131. 

43. Mackovsek, J. Die Sprachgrenze von Spielfeld zu St. 

Gotthard im Jahre 1844 (sloven.). Ljubljanski Zvon 37 

(1917) 332-336. 

Nach dein Aufsatz „Die deutsche Sprachgrenze im Südosten der 
Steiermark" in der Augsburger Allgemeinen Zeitung 1844. 

46. Breznik, Ant. Slovenska slovnica za srednje sole. (Slo- 
venische Grammatik für Mittelschulen.) Klagenfurt, im 
Verlag der „Druzba sv. Moharja". 1916. 273 u. III S. 
Gr. 8°. 3.60 Kr. 

Bespr.: Ljubljanski Zvon 36 (1916) 284 f. (J. A. Grlonar); Dom in 
svet 1917, 271 f. (J. Debevec); Cas 10, 230—231 (Useniönik); Mir 1916, 
Nro 32 (11/VIII); CasModFil. 6 (1918) 167—171, 260—264 (D. Stfibrny). 

47. Mohoric, Fr. Opazke k Breznikovi slovnici. (Bemerkungen 
zur Grammatik Brezniks.) Slovan. 1916. S. 235—237, 
286—287. 

48. Skrabec, St. Jezikoslovni spisi. I. zvezek, snopic 1. in 2. 
(Sprachwissenschaftliche Werke. I. Band, 1. und 2. Heft.) 
Laibach, im Verlag der „Leonova druzba". 1916, 1917. 
S. 1—80, 81-240. 8°. 

Bespr.: Ljubljanski Zvon 37 (1917) 161—163 (J. A. Grlonar), ib. 
501—503 (Fr. Ramovs), Popotnik 1917, 76—80 (Dr. Fr. Tominsek), <*!as. 
mod. fil. 6 (1918) 186—187 (D. S.), Ljubljanski Zvon 38 (1918) 362—363 
(J. A. Grlonar); Dom in svet 19! 7, 70 (A. Breznik), Slovan 1917, 86 
(J. Slebinger). 

Der Verfasser beginnt seine aus verschiedenen Zeiten stammenden 
und an verschiedenen Orten veröffentlichten sprachwissenschaftlichen Auf- 
sätze herauszugeben. Das erste der beiden bisher erschienenen Hefte ent- 
hält zwei Artikel: 1. (S. 1 — 59) Über die Laute und Betonung unserer 
Schriftsprache in Wort und Schrift (zum erstenmal erschienen 1870) und 
2. (S. 60 — 80) Orthographische Bemerkungen (aus dem Jahre 1878), wo 
nicht bloß orthographische Fragen, sondern auch einige andersartige Dinge 
behandelt werden (zanimati und zanimivo S. 64 — 66, hd und leb S. 66—78, 



0, Hujev, XII. Baltisch-Slavisch. 125 

leado und nihce S. 78 — 80j. Ina zweiten Hefte handelt der Verfasser über 
den Hiatus in der slovenischen Poesie und über die Jamben und Trochäen 
in der slovenischen Dichtung. 

49. Ilesic, Fr. Die Wurzel vM- als Partikel (kroat,). Ljetopis 
Jugoslavenske Akademije 31, II. (1917) 36—40. 

Von der Wurzel ved- haben verschiedene slavische Sprachen ver- 
schieden entstandene Partikeln: sloven. seveda 'allerdings' (aus se ve, da 
'es weist sich, daß . . .'), venda 'glaub ich' (aus vem da 'ich weiß, daß ...'), 
vendada, vendar, böhm. vM, vic? 'enim' (aus vede 'ich weiß'), russ. vM 
'doch, so', poln. wiem 'enim' usw. Im Sloven. gibt es neben vem, ven 'ja, 
ja doch' noch ve mit derselben Bedeutung (aus ven oder aus Impt. *vej?) : 
welches in östlichen Mundarten mit einem breiten e, etwa vä, lautet und 
eine andere — Imperativische — Bedeutung hat; in einem der Nachbar- 
dialekte wird es pluralisch in der Form veste gebraucht. Der Ursprung 
ist nicht klar. Ist es statt vej aus vezdb oder statt vM mit Verlust des 
auslautenden Konsonanten? Oder vä aus vedi wie prä aus prave oder 
praxi ? 

50. Grafenauer, Iv. Stiski (ljubljanski) rokopis. Dom in svet 
29 (1916) 239—243, 311—316. 

Eingehender Bericht über eine lateinisch-slovenische Handschrift 
aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit photographischer Reproduktion 
und Umschrift der Seiten, die den slovenischen Text enthalten. 

51. Mantuani, Jos. Pasijonska procesija v Loki. (Die Pas- 
sionsprozession in Bischoflack.) Carniola 8 (1917) 15—44. 

Es wird hier ordo processionis aus dem Jahre 1721 mitgeteilt. Er 
wird lateinisch-deutsch geschrieben, processio selbst aber war slovenisch ; 
der slovenische Teil ist hier vollständig abgedruckt. 
v v 

52. Saselj, Iv. Iz belokranjskega besednega zaklada. (Aus 
dem slovenischen "Wortschatz.) Dom in svet. 1916. 279 
bis 280. 

53. Nachtigall, R. Doberdö — Doberdob. (Eine wortgeschicht- 
lich-dialektologische Studie.) Carniola 8 (1917) 163-191. 

Untersuchung der Aussprache dieses Namens von den Bewohnern 
dieser Gegend selbst sowie der Entwicklung der urslav. Laute o und q in 
der betreffenden Mundart hat ergeben, daß dieser Name auf urspr. Doberdol 
(eigentl. DobridoT) zurückgeht; so wird der Name tatsächlich auf einer 
Karte aus dem Jahre 1744 geschrieben. Düberdöl wurde in dem betreffen- 
den Dialekte zu Doberdöu und mit Übergang des u in b zu Doberdö»*, ge- 
schrieben Doberdob, wobei auch die volkstümliche Anlehnung an dob 
(= urslav. dqbh) 'Eiche' von Einfluß sein konnte. Kleinere Literatur zu 
dieser Frage ist verzeichnet in Carniola 8 (1917) 130. 

54. Tominsek, Jos. Woher stammt das Wort Km? Tages- 
post 1915 Nr. 287 (15. Okt. 1915). 

55. ßamovs, Fr. Zu den Ortsnamen in Friaul (sloven.). 
Ljubljanski Zvon 37 (1917) 668—670. 

Verfasser berichtigt einige Deutungen der Broschüre Deutsche Orts- 
namen in Friaul (Wien 1916) von R. Merkh. Edlach z.B. ist slov. Lok- 



126 Bibliographie des Jahres 1917. 

Plur. jedlachb; dasselbe Wort liegt in den Namen Erlach und Irlach vor; 
Agley ist slow Oglej, Voglej und dieses aus *okvblejh = Aquileja. Feiladt, 
ist slow Heia. Glemaun ist slow *glmünh (und dieses aus *glbtriöm = 
Glemöna); Rosazzo. d. Roschatz ist slov. rozac. Udine (alt Utina, Utinunn 
wurde im Slov. über *üdbnz> zu *c-ydbmb, daher Videm (lies vid»m); d. 
JFejYZen = slov. viefon. 

3. Ostslavisch. (Russisch). 

56. Sachmatov, A. A. Ocerk drevnejsago perioda istorii russkago 
jazyka. (Abriß der ältesten Periode in der Geschichte der 
russischen Sprache.) Enciklopedija slavjanskoj filologü. 
vypusk 11. 1. Petersburg, Akademie. 1915. XXVII, L, 

369. 8°. 

Bespr.: AslPh. 37 (1918) 175—198 (V. Jagic). 

Dem Referenten zurzeit nicht zugänglich Nach AslPh. 37, 1751. 
„geht die von Sachmatov unternommene Arbeit nicht über die Grenzen jener 
Epochen hinaus, die nach seiner Ausdrucksweise nordrussische, ostrussische, 
südrussische heißen und sozusagen die Wiege der heuügen drei Haupt- 
dialekte bildeten; sie bewegt sich in dem chronologischen Rahmen bis 
y.um Zeitpunkt ungefähr der Invasion der Tataren." „Der Verf. wollte 
uach eigener Begrenzung nur die ältesten, den vorgeschichtlich anzu- 
setzenden ost- und nordrussischen Mundarten gemeinsamen Erscheinungen, 
aus denen nach seiner Theorie die großrussische Sprache hervorging, einer 
wissenschaftlichen Analyse unterziehen und aus dem Kleinrussischen bin!) 
die ältesten Epochen, die dem von ihm angenommenen Eindringen der 
Ostrussen in das weißrussische Gebiet und der Loslösung der alten sü<i- 
russischen in Weißrußland ansäßig gewesenen Bevölkerung von den üb- 
rigen Südrussen vorausgingen, zum Gegenstand seiner Forschung machen. 
Der eigentlichen auf der genauesten Analyse der sprachlichen Merkmale 
beruhenden Darstellung der vorgeschichtlichen Vorgänge geht eine höchst 
interessante Einleitung voraus, die uns mit den aus der ganzen Vertiefung 
in den Gegenstand sich ergebenden Synthesen des Verfassers bekannt 
macht." Aus der Inhaltsübersicht, die der Verfasser seiner Darstellung 
vorausschickte, ersieht man, „daß nicht die Gesamtheit der sprachlichen 
Erscheinungen, sondern nur die phonetische Seite es ist, die hier nach 
Zeitepochen in ihrer Bewegung und Veränderung behandelt wird, um 
auf diesem Wege die Charakteristik der Sprache und das Bild ihrer 
dialektischen Spaltungen zu gewinnen." Vgl. auch Idg. Jahrb. 5, I 115. 

57. Sachmatov, A. A. Vvedenie v kurs istorii russkago ja- 
zyka. I. Istoriceskij process obrazovanija russkich plemen 
i nareeij. (Einführung in die Geschichte der russischen 
Sprache. I. Historische Entwicklung der russischen Stämme 
und Mundarten.) St.-Petersburg 1916. S. 146. 

58. Hnatjuk, V. Ukrainski narodni bajky (zvirynnyj epos). 
T. I— II. (Ukrainische Tierfabeln. Band I— II.) Etnograf. 
Zbirnyk 37 — 38. Lemberg, Schewtschenko- Gesellschaft. 
1916." LVI u. 559 S. 8°. 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 127 

Bespr.: Narodopisny Vestnik Ceskoslov. 13 (1918) 105—111 (J. 
Polivka). 

Eine reichhaltige Sammlung (400 Erzählungen) von kleinrussiachen, 
größtenteils aus Ostgalizien stammenden Tierfabeln. 

59. Kozlenickaja, S. Staraja Ukraina. Sbornik dum, pösen, 
legend. (Die alte Ukraine. Sammlung von lyrischen Ge- 
dichten, Volksliedern, Legenden.) Petersburg. 1916. 8°. 

2 Rbl. 

4. Westslavisch. 

Cechisch (und Slovakisch). 

60. Filologie v literatufe ceske r. 1914 a 1915. (Philologie 
in der cechischen Literatur i. d. J. 1914 und 1915.) SbF. 6 
(1917) 150—220. 

Bibliographie der böhmischen Arbeiten auf dem Gebiete der Philo- 
logie in den Jahren 1914 und 1915; die cechische Sprache S. 150 — 153; 
die slavische Sprachforschung S. 189 — 191; die germanische Sprach- 
forschung S. 200 — 201 ; die romanische Sprachforschung S. 204 — 205 ; die 
klassischen Sprachen S. 209 f. 

61. Nase rec. Listy pro vzdelävani a tfibeni jazyka ceskeho. 
(Unsere Sprache. Monatshefte für die Pflege der cechischen 
Sprache.) Herausgegeben von der III. Klasse der Böh- 
mischen Akademie der Wissenschaften unter der Redaktion 
Ton Fr. Bily, E. Smetänka, J. Vlcek und J. Zubaty. 
I.Jahrgang. Prag. 1917. Im Verlag von E. Sole G.m.b.H. 
IV u. 316 S. und 40 S. des Registers. 8°. 4.50 Kr. und 
1 Kr. für das Register. 

Bespr.: Casopis Matice Moravske 41/42 (1917—1918) 469—472 
(P. Väsa). 

Da die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der betreffenden Sprach- 
erscheinungen manchmal sehr gründlich begründet wird, enthält die Zeit- 
schrift manchen wertvollen Beitrag - für die Sprachgeschichte nich* nur in 
Leitartikeln, die hier a. 0. angeführt werden, sondern auch in der sehr 
reichhaltigen Rubrik der Miszellen, die hier nicht berücksichtigt werden 
konnten. 

62. Vlcek, J. Nekolik slov o Blahoslavove Mluvnici ceske. 
(Ein paar Worte über Blahoslavs cechische Grammatik.) 
Nase Rec 1 (1917) 5—8, 41—44, 114—117. 

Es wird die im Jahre 1571 verfaßte Cechische Grammatik des berühm- 
ten Schriftstellers und Kenners der öechischen Sprache Jan Blahoslav 
charakterisiert. 

63. Zubaty, Jos. V ta doba, v ta doby atp. (Altcech. v ta doba, 
v ta doby u. ä.) SbF. 6 (1917) 116 — 123. 

Neben den grammatisch regelrechten Verbindungen v ta doba, v ty 
doby 'zu dieser Zeit' gab es im Altcechischen auch v ta doba (v kd doba, 
v jedna doba), v ta dobu, v ta doby. Diese Ausdrücke sind nicht etwa 
als infolge der in erstarrten Ausdrücken erfolgten Veränderungen ver- 



128 Bibliographie des Jahres 1917. 

«chiedentlich verstellte Formen der ursprünglichen Verbindungen v ta ddbu, 
v ty doby aufzufassen, sondern es ist von ta doba, einem adverbialen Nom. 
Sing, (urspr. ein selbständiger Nominalsatz) auszugeben, der als solcher dem 
Sprachgefühl mit der Zeit unbequem und deshalb dadurch beseitigt wurde, 
daß man nach Analogie anderer Ausdrücke von derselben oder ähnlicher 
Bedeutung dem ganzen Ausdruck die Präposition v voranstellte (vgl. v 
loni, neben loni 'voriges Jahr', v zajtra neben zajtra °cras' usw.). Das 
so entstandene v ta doba, das zu der üblichen Konstruktion der Prä- 
position v nicht stimmte, änderte sich weiter in v ta doby, v ty doba, 
bis die Entwicklung zu den der grammatischen Kongruenz vollkommt' u 
entsprechenden Verbindungen v ta doba, v ty doby gelangte. 

64. Zubaty, Jos. Ten. (cech.) Nase Reo 1 (1917) 289—294. 

Über den Gebrauch des Pronomens ten im Cechischen. 

65. Ertl, V. postaveni podmetu po clenech üvodnich. (Über 
die Stellung des Subjekts nach einleitenden Satzgliedern.) 
Nase Reo 1 (1917) 33—38, 75-79, 109 — 114, 136—141, 
172—17 7, 200—209. 

Es wird auf diese Seite hin die Sprache Palackys untersucht; die 
Untersuchung ei-gibt, daß in den selbständigen Hauptsätzen die sogenannte 
Inversion (Verb — Subjekt) fast Regel ist und in den regierenden Haupt- 
sätzen öfters erscheint (55 °/o) als die logische Wortstellung (Subjekt ■ — 
Verb). In den Nebensätzen dagegen weist die logische Wortstellung 
gegenüber der Inversion ein kleines Plus (52 ") ) auf. 

66. Hruby, V. Hat Hanka die sogenannte Königinhofer Hand- 
schrift geschrieben? (cech.) Ces. Cas. Hist. 23 (1917) 1—37, 
280—309. 

Der Verfasser untersucht eingehend die Schrift nicht nur der 
Königinhofer Handschrift, sondern aller gefälschten Denkmäler überhaupt. 
Diese Untersuchung, die jeden einzelnen Buchstaben nach allen Seiten 
hin beobachtet, ergibt, daß kein Zweifel mehr darüber bestehen kann, 
daß alle diese Fälschungen von Hanka selbst geschrieben worden sind; 
der Vergleich mit seinem eigenen Manuskript bestätigt es aufs genaueste. 

67. Merka, V. Ctenie kneze Benesovy. Z rukopisu kapitulni 
knihovny Olomoucke vydal — . I. Text. (Evangelistar des 
Priesters Benes. Aus einer Handschrift der Bibliothek der 
Olmützer Domkapitel herausgegeben von — . I. Teil: Text.) 
Proßnitz, F. J. Boucek. 1917. XVI u. 146 S. 8°. 

Abdruck des Textes, der nach dem Herausgeber aus dem letzten 
Viertel des 14. Jahrhunderts stammt. In der Einleitung (V — XVI) etwas 
über das Verhältnis dieses Evangelistars zu den übrigen altböhmischen 
Evangelistaren, dann über die Orthographie und den Vokalismus dieses 
Denkmals. Schließlich werden Belege für die Ausdrücke angeführt, in 
denen der Verfasser nach Vondräks Vorgang Palaeoslovenismen sieht. Der 
IE. Teil der Ausgabe soll das Glossar enthalten. 

68. Flajshans, V. Strahovsky rostlinär. COM. 91 (1917) 
377—389. 



0. Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 129 

Abdruck eines lateiniseb-cechisehen botanischen Wörterbuchs nach 
einer in Strahov befindlichen Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. 

69. Flajsbans, V. mucenicich ceskych knihy paterj. Nach 
dein ältesten Drucke herausgegeben von — . Staroceskä 
knihovna (Altcechische Bibliothek) No. 1. Prag, Akademie. 
1917. XXIV u. 136 S. 8°. 1.40 Kr. 

Bespr.: LF. 45 (1918) 45—48 (O. Hujer); Gas. Mat. Mor. 41/42 
;1917— 1918) 453—459 (St. Soucek); Nase Reo 1, 244 f.; CUM 91 (1917) 
447—448 (J. Mk.). 

Unter diesem Titel gibt FJajshans ein altes Büchlein heraus, wel- 
ches um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden ist und einige Texte 
enthält, die am 6. Juli, am Todestage des M. .loanes Hus, in den utra- 
quistischen Kirchen anstatt Epistel und Evangeliums vorgelesen -wurden. 
Da die Ausgaben der „Staroceskä knihovna"' auch für weitere Kreise be- 
stimmt sind, werden alte Formen und Ausdrücke des Textes in den Fuß- 
noten durch entsprechende moderne erklärt. Im beigefügten Index wird 
etwas aus den lexikalisch interessanten Tatsachen mitgeteilt. 

70. Teige, Jos. Zäklady stareho rnistopisu Prazskeho (1437 
—1620). Oddil I. Stare mesto Prazske. Dil II. (Grund- 
züge der alten Topographie der Stadt Prag. I. Abteilung: 
Altstadt. 2. Teil.) Prag, Die Gemeinde der kgl. Haupt- 
stadt Prag. 1915. VII u. 902 S. 4°. 20 Kr. 

Bespr.: Gas. Mat, Mor. 41/42 (1917—1918), 40 3— 410 (V. Novotny). 

In diesem "Werke werden alle im Stadtarchiv befindlichen Auf- 
zeichnungen, die sich auf einzelne Gebäude der Stadt Prag beziehen, 
wortgetreu mitgeteilt. Das Buch enthält daher auch sehr wertvolles Ma- 
terial für die Geschichte der cechischen Sprache. Der I. Teil ist 1910 
(VIII u. 829 Seiten) erschienen. 

71. Bidlo, J. Akty Jednoty bratrske. Svazek I. (Akten der 
Böhmischen Brüder. Band I.) Prameny dejin moravskych III. 
(Quellen der mährischen Geschichte III.) Brunn, im Verlag 
der „Matice Moravskä". 1915. 151 u. 704 S. 8°. 20 Kr. 

Bespr.: COM. 91 (1917) 75-81 (K. Krofta). 

Abdruck der in Herrenhut befindlichen Akten der Böhmischen 
Brüder, die bei ihrer anerkannten Pflege des sprachlichen Ausdrucks auch 
für die Sprachgeschichte von besonderem Interesse sind. Über diese Akten 
siehe Müllers Bericht in Zeitschrift für Brüdergeschichte 1913 und 1914. 

72. Flajsfaans, V. Knizka Rymovni. SbF. 6 (1917)40-61. 

Abdruck eines aus dem 16. Jahrhundert stammenden Büchleins 
nach dem Drucke aus der Zeit um das Jahr 1580. Das Büchlein enthält 
eine Sammlung von gereimten Sprüchen. 

73. Gross, H. Verzeichnis der Ausgaben beim Bau des Jesuiten- 
gebäudes in Böhm. Krumau im Jahre 1587. (cech.) Sbornik 
historickeho krouzku 17 (1916) 49—61. 

Dieses alte Verzeichnis, welches hier abgedruckt wird, enthält einige 
interessante Ausdrücke für Werkzeuge und Materialien, die beim Bau ge- 
braucht wurden. 

Indogermanisches Jahrbuch. VII. u 



130 Bibliographie des Jahres 1917. 

74. Polesny, K. Privilegia textilnich femesel v Pelhfimove 
ze 16. stoleti. Jihoeesky Kraj. 1916. S. 20—21, 77—80. 

Abdruck der Privilegien der Pilgraraer Tuchmacher aus dem Jahre 1588. 

75. Soucek, B. Jan Arnos Komensky: Truchlivy. (I. A. Co- 
menius' Der Trauernde.) Herausgegeben von — . Tabor 191h, 

Bespr.: Cas. Mat. Mor. 41/42 (1917—1918), 516f. (S.S.). 

76. Flajshans, V. Komenskeho „Maudrost" a jeji knizne pra- 
meny. (Konienskys Sprichwörtersaininlung und ihre Quellen.) 
SbF. 6 (1917) 62—71. 

Es wird untersucht, inwieweit, Komenskys Schrift „Maudrost starych 
Cechü" wirklich von ihm in dem Volke gesammelte Sprichwörter enthält. 
Der Verfasser gelangt zum Schluß, daß der größte Teil der von Komensky 
mitgeteilten Sprichwörter Übersetzungen aus dem Deutschen, Polnischen 
oder Lateinischen sind; was wirklich volkstümlich ist, ist aus den älteren 
Sammlungen herübergenommen. 

77. Jakubec, J. Sebrane spisy Frantiska Viadislava Heka. 
I. Präce versovane. (Schriften des F V. Hek. I. Gedichte). 
Novoceskä knihovna (Neucechische Bibliothek) No. 1. Prag, 
Akademie. 1917. XXVIII u. 148 S. 8°. 1.40 Kr. 

Bespr.: Cas. Mat. Mor. 41/42 (1917—1918), 458f. (St. Soucek): 
COM. 91 (1917) 444—447 (F. Strejeek). 

Die Veröffentlichungen der neu begründeten „Novoceskä knihovna" 
(vgl. auch Nr. 78) verfolgen zunächst literarhistorische Zwecke, sie sind 
aber auch wichtig als Quellen zur Geschichte der böhmischen Schrift- 
sprache. Der erste Band enthält die aus verschiedenen Zeitschriften ge- 
sammelten, fast ausschließlich quantitierenden und in antiken Versmaßen 
verfaßten Verse des F. V Hek, meistenteils aus dem zweiten Dezennium 
des 19. Jahrhunderts. 

78. Vlcek, J. Almanahy Antonina Jaroslava Puchmajera. I. 
(Almanachs des A. J. Puchmajer. I.) Novoceskä knihovna c. 2. 
Prag, Akademie. 1917. XIV u. 156 S. 8°. 

Diplomatischer Abdruck der Gedichtsammlung aus dem Jahre 1795. 

79. Mostecky, V. jazyce romänü Jiräskovych. (Über die 
Sprache Jiräseks.) Nase Rec 1 (1917) 161—166. 

Ein paar Andeutungen über die Ausdrucksmittel dieses Schrift- 
stellers auf Grund seiner Schrift „U näs". 

80. Hruska, J. F. Na hejte. Chodske pohadky. (Chodische 
Erzählungen.) Prag, A. B. Cerny. 1917. 122 S. 8°. 6 K. 

Bespr.: LF. 44 (1917), 288—300 (Fr. Zäkavec); Narodopisny Vestnik 
Ceskoslov. 12 (1817) 100—101 (J. Polivka). 

Obwohl diese Erzählungen nicht unmittelbar aus dem Munde des 
Volkes genommen sind, versteht es der Verfasser dieses Buches, der dir 
Mundart der Gegend, woher er gebürtig ist, vollkommen beherrscht, die 
Erzählungen, die er in seiner Jugend gehört oder die er selbst erdichtet hat. 



Hujer, XII. Baltisch-Slavisch. 131 

genau im Geiste der Volkserzählungen sowohl dem Inhalt als auch der 
Form und Sprache nach zu reproduzieren, so, daß man sie für echte 
Volkserzählungen halten könnte (Polivka). Ihre Sprache giht ein Bild 
der chodischen Mundart, wie sie der Verfasser selbst in seiner Jugend 
gesprochen und gehört und später aus verschiedenen Quellen studiert hat. 
„Im ganzen Buche gibt es keine Form und keinen Ausdruck, die unter 
den Choden als lebendig nicht gehört würden 1 ', sagt der Verfasser selbst. 
Mit der sprachlichen Seite dieser Erzählungen befaßt sich eingehend in 
in der genannten Rezension F. ^äkavec, der aus diesem Buche auch eine 
Reihe von Wörtern anführt, die in dem von demselben Verfasser her- 
rührenden Wörterbuch der chodischen Mundart (Prag 1V07) fehlen. Vgl. 
noch hier Nr. 81. 

81. Hruska, J. F. O chodskych pohädkäch a jejich mluve. 
(Über die chodischen Märchen und ihre Sprache.) Narodo- 
pisny Vestnik Ceskoslov. 12 (1917) 281—293. 

Aus Anlaß der Besprechungen von Polivka und Zäkavec (vgl. hier 
Nr. 8 f ») gibt der Verfasser einige Erläuterungen zu seinem Buche „Na 
hejtö" und berichtet über seine Arbeitsweise auf diesem Gebiete überhaupt. 

82. Vyhlidal, J. Pohädky a povesti z Hane. (Hanakische 
Märchen und Sagen.) Drahstusch -Weißkirchen, Im Selbst- 
verlag. 1917. 8°. 1,50 K. 

Bespr.: Nase Rec 2 (1918) 20—21. 

Diese Volkserzählungen werden so wiedergegeben, wie sie erzählt 
wurden; sie sind von einem hervorragenden Kenner des hanakischen 
Volkslebens und Dialekts aufgezeichnet worden und bieten deshalb will- 
kommenes Material namentlich zur Syntax und zum Lexikon dieser 
Mundart. 

V 

83. Cerny, Fr. Ukazatel jmen k latinskym zemskym deskäm 
brnenskym a olomouckym. (Namenregister zu den heraus- 
gegebenen Teilen der mährischen Landtafeln.) Prameny 
k dejinäm moravskym II. Brunn, Im Verlag der „Matice 
Moravskä". 1914, X u. 461. Lex. 8°. 

Wichtig für Erforschung der Orts- und Personennamen. 

84. FlajshanSjV. O vlastnichjmenech. (Über die Eigennamen.) 
Agrärni archiv 4 (1917) 106 — 110. 

Über neuere Forschung auf dem Gebiete der cechischen Orts- und 
Personennamen. 

85. Dvorsky, F. Neco o nasich osobnich jmenech. (Etwas 
über unsere Personennamen.) Moravskä Orlice 1916, Nr. 293 
(23/XII). 

Es wird gezeigt, wie zahlreich und verschieden die altöechischen 
Personennamen waren, wie sich seit dem 15. Jahrhundert die Namen nach 
verschiedenen Berufstätigkeiten und Eigenschaften, nach dem Geburtsort 
usw. verbreiteten. Über die Personennamen auf -?, die namentlich in der 
mährischen Gegend Dana massenhaft vorkommen. Ein Verzeichnis von 
Spitznamen. Verdeutschuno' der Namen. 



132 Bibliographie des Jahres 1917. 

86. Flajshans, V. Nase osady a jejich jmena. (Unsere Orts- 
namen.) Nase Reo 1 (1917) 193—197. 

Methodisches zur Ortsnamenforschung aus Anlaß Vydras Abhand- 
lung über die Ortsnamen der Bezirkshauptmannschaft: Prachatitz (Idg. 
Jahrb. 5, XU 105). 

87. Spaiovä, Kamilla. pomistnych näzvech politickeho 
okresu rakovnickeho. (Topika der Bezirkshauptmannschaft 
Rakonitz.) S.-A. aus „Vestnik Musejniho spolku kräl. mesta 
Rakovnika" B. VI. Rakonitz 1917. 32 S. Fol. 

Bespr.: Närodopisny Vöstnik Ceskoslovanskv 12 (1917) 199—20)5 
(A. Profous); Agrärm arcbiv 4 (1917) 262-2Ö5 (A. Profous). 

88. Zubaty, Jos. Vyklady etymologicke a lexikälni. (Etymo- 
logische und lexikalische Beiträge.) SbF. 6 (1917) 72—115. 

1. Biediti, nabiediti, pobiediti, nabidnmiti, pobidnoiUi usw. Ent- 
wicklung dieser Zeitwörter nach formaler sowie auch nach semasiologischer 
Seite hin. -- 2. cepiti; crpadlo — capadlo. Der Prager Lokalausdruck 
capadlo 'Schöpfort, Abladeplatz' usw. ist älteres crpadlo (oder Plur. tant. 
crpadla), welches aus dem 15. Jahrhundert belegt ist und lateinisch mit 
'accessus ad aquas, exitus a flumiue super litus, exitus aquae Muldaviae' 
wiedergegeben wird: später wird mit diesem Worte auch ' Hafen, Meeres- 
hafen' bezeichnet. Hieher auch der jetzige Ortsname IUubocepy (aus 
fflubocrpi). Nachdem das Zeitwort crpati, cerpati 'schöpfen' in der 
Volkssprache verloren gegangen war, wurde das Subst. crpadla, öerpadlo 
mit dem Zeitwort capnouti, capati, capiti' ergreifen, schnipsen' (ßerneker 1, 
135) verbunden, wozu auch seitens der Bedeutung des Wortes crpadla 
mehrfach Anlaß gegeben wurde. Altes capiti sollte im Altöeeh. laut- 
gesetzlich cepiti heißen; vielleicht liegt das an einer Stelle der Baworowski- 
schen Handschrift vor; ferner könnte hierher auch der Ortsname Öepiröhy 
gehören. — 3. manas, jetzt ein Schimpfwort, etwa 'ein Bengel, grober 
Mensch, Lümmel, Schöps' u. ä., alt 'eine Figur, Götzenbild' usw., wird 
aus dem Personennamen Marias, einer Koseform zu Matej oder Martin 
oder Mafik (= Mauricius), erklärt; vgl. Vaiias neben Väfia, VdrieJc usw. 
zu Vdcslav usw. Andere Beispiele solcher Verwendung von Taufnamen 
als Appellativa in der scherzhaften oder verspottenden Bedeutung aus 
dem Cechischen. — 4. nepotomni. Dieses Adj. wird vermutet in dem ge- 
schriebenen nepotamnye einer altböhm. Handschrift; die Bedeutung wäre 
'nicht klein, nicht gering'. Ein anderer Beleg ist aus dem 15. Jahrhundert; 
nepotomwi etwa wie nezadni 'nicht hintere, nicht letzte'. — 5. pampeliska 
'leontodon taraxacum'; in älterer Zeit hieß die Pflanze auch plcska 
eigentlich 'kleine Glatze' (vgl. d. Mönchsplatte); neuere Namen für die- 
selbe Pflanze sind nebst pampeliska auch pampliska, pamprleska, pamprliska 
pampalixka usw. Diese Namen sind entstanden durch Kreuzung des alten Na- 
mens2)leska mit solchen Pflanzennamen wie pampalica, pampelik, pamprlica 
u. ä., die interjektionalen Ursprungs siud (daher die Reduplikation!) und 
den Blütenstand oder die Form der Knospe u. ä. bezeichnen. — 6. pfecka, 
pfezka {pfeska), pfatka. Da dieses Wort, welches 'fibula' bedeutet, slovak. 
pracka, polu. przecka, russ. prazka heißt, ist die böhm. Forai prccka die 
ursprünglichere; sie geht auf ursl. *pr$gtvhka zurück (wie etwa necky aus 
*nbgtvbka, vgl. ßerneker Jagic-Festsckrift 602 f.). Die Endung -cka war 



0. Hujer, XII. Balt ; sch-Slavisch. 133 

im Cech. ungewöhnlich, deshalb schloß sich das Wort den mit -ska aus- 
lautenden an, daher das übliche preska, preska (und mit etymologischer 
Schreibweise prezka); das volkstümliche praska unserer Zeit entspricht 
der Form, die wir lautgesetzlich erwarten; die älteren Formen haben e 
in der ersten Silbe nach dem Zeitworte prieci (Praes. pfahu, pfezes, 
pfeze usw.). — 7. pfielis (Berneker 1, 717); aus *per-lis\ einem arspr. 
Adjektivuni, welches in der Funktion des prädikativischen Attributs zu 
Adverb herabgesunken ist; *per-lisb = *perleiqsos 'über das Maß über- 
schießend'. — 8. Slipati, vyslipati, vyslipnouti. Zu dem Perfectivum 
selnüti se (*shlb(p))iqti) 'zusammenkleben' gab es das Durativum slipati sc; 
im Anschluß an das transitive lepiti (ursl. lepiti) entwickelte sich daraus 
auch ein transitives Iterativum slipati 'zusammenleimen, -kleiben'. Die 
Zeitwörter selnüti se, slipati se konnten auch im feindlichen Sinne ge- 
braucht werden und bedeuten dann etwa 'an einander geraten, in Streit 
geraten'. Dieses reziproke Verbum konnte auch bei einem Vorgang- ge- 
braucht werden, bei dem nicht mehrere, sondern nur ein Subjekt beteiligt 
ist: so entwickelte sich ein nicht reflexives slipati mit der Bedeutung 
'einen angreifen, auf einen losstürmen'; vgl. ferner prislipati komu co 
'aufbürden, Schuld geben, auf heißen, unechte Namen geben', vyslipati 
(komu cö) ' einem etwas vorwerfen ', wozu wieder ein perf ektives vyslipnouti 

Y 

und iteratives vyslipovati zugebildet wurde. — 9. Sasek 'Possenreißer, 
Spaßvogel, Narr' wahrscheinlich ein Deminutivum zu sach 'Schachfigur'. 
— 10. Trpny. Bei Stitny begegnet das Adj. trpny einigemal in der Be- 
deutung 'fest, beständig, solidus'; das weist auf die ursprüngliche Bedeu- 
tung des Zeitwortes trpeti hin, welches einst 'erstarrt sein', also dasselbe 
wie lat. torpeo, bedeutete. -- 11. TJeen, ucennik u. ä. Das Subst. uceii 
'Lehrling, Lehrjunge', das als mährischer und slovenischer Provinzialismus 
gelten muß, ist wohl ein substantiviertes Adjektivum, dessen zusammen- 
gesetzte Form etwa ucni heißen würde. In Böhmen heißt der Lehrling 
ucennik', das gehört zu dem Adj. uceny; -nn- in der Endung -ennik stammt 
von den derartigen Bildungen, denen ein auf -en auslautendes Substantiv 
zu Grunde liegt wie sükennik ( : sukno 'Tuch') 'Tuchmacher', kamennik 
'Steinmetz' (-.kämen 'Stein') usw. Wie tieennik so auch mucennik 'Mär- 
tyrer' und p üstennik 'Einsiedler'. Später heißen diese Wörter gewöhnlich 
ucedlnik, natcedlnik, püstedlnik nach solchen Fällen, wo dl vor der Endung 
-nik dem Grundworte gehört (z.B. sädlo : sddlnik usw.). Wie uceü ist auch 
vezeii 'Verhafteter, Arretierter' aufzufassen. Andere Beispiele der sub- 
stantivisch gebrauchten adjektivischen Nominalformen. — 12. «Werfern.; 
podsed masc, fem. Das Subst. ühled, das in der altcech. Katharinen- 
legende einmal vorkommt, ist wohl ein Ausdruck der Weidmannssprache 
und bedeutet etwa 'Anstand, Ansitz'. Derselben Standessprache gehört 
auch das Subst. podsed, welches teils als Fem. (i-Stamm), teils als Masc. 
(dazu podsedeJc) einigemal belegt ist; es bedeutete etwa 'Lauer in einem 
Versteck, Verdeck'. — 13. Vtat. Dieses zweimal in der Korrespondenz 
derselben Persönlichkeit aus dem Jahre 1493 belegte Wort bedeutet dem 
Zusammenhang nach etwa 'aufs Geratewohl'. Es ist vielleicht als Vh tath 
aul'zufa.-sen und mit tato 'Dieh', zu öech. tanüti eigentl. 'sich schleichen' 
zu stellen. - Nachträge zu den früheren Reihen dieser Beiträge. 
89. Zubaty, J. DSsiÜ. (cech). LF. 44 (1917) 219—224. 

Cech. desiti 'schrecken' vielleicht aus szesiti 'entsetzen' (wie zdimati 
'winden (die Wäsche)' aus *szimati = aksl. izdimati). 



134 Bibliographie des Jahres 1917. 

90. Zubaty, J. Vice ne (cech.). Nase Rec 1 (1917) 166—169. 

Vice ne im Sinne des d. 'nicht mehr' ist kein Germanismus, wie 
das Altcechische zeigt. Hier konnte viece (viec) auch in positiven Sätzen 
stehen, wo es 'fernerhin, auf immer' bedeutete. 

91. Zubaty, Jos. Napadnoutz — napadati (cech.). Nase Rec l 
(1917) 237—240. 

Verschiedene Bedeutungen dieses Zeitworts. 

92. Zubaty, Jos. Patriti (cech.). Nase Rec 1 (1917) 129 
-132. 

Über die Bedeutungssphäre des Wortes patriti und über das Ver- 
hältnis der Zeitwörter ndlezeti, sluseti, patriti. 

93. Zubaty, J. Zrazovati, srazeti, odraswati (cech.). Nase 
Rec 1 (1917) 2 — 5, 38—41, 71—75. 

Altcech. zraziti 'abwendig machen', zraziti se "abwendig werden" 
(durativ zrdzeti, zrazovati) ist aus vzrazüi (vgl. ksl. n,~raziti, vhzrazati, 
russ. vozrazif, vozrazaf, poln. wzrazyc) und bedeutete also ursprünglich 
'wegstoßen, wegschlagen'. In derselben Bedeutung wie zraziti wurde 
(und teilweise wird noch jetzt) gebraucht sraziti, sräzeti, welches sonst 
'niederstoßen, niederschlagen' u. ä. bedeutet. Da sich in manchen Fällen 
die beiden Zeitwörter nahe berührten (vgl. sraziti s cesty 'vom Wege ab- 
bringen'), konnte das Zeitwort sraziti auch sonst die Bedeutung des Zeit- 
wortes zraziti übernehmen. Schließlich sagte man statt zraziti auch zraditi 
in Anlehnung an raditi 'raten' {zraditi 'widerraten, mißraten'); das war 
auch dadurch begünstigt, daß das Durativum zrazovati ebensowohl zu 
zraditi als auch zu zraziti gehören kann. 

94. Janko, Jos. Poznämky a pfispevky k ceskemu slovniku 
etyinologickeruu. (Anmerkungen und Beiträge zum cechi- 
schen etymologischen Wörterbuche.) Cas. mod. fil. 5 (1915 
— 1917) 97 — 104, 204—209, 292—296,407—412 und Bd. 6 
(1917) 19-24. 

1. Einige ceehische Wörter mit (-)c-: capka, calonn u. ä. Es werden 
Fälle besprochen, wo c für fremdes s steht. (Dazu vgl. auch Idg. Jahrb. 
5, XII 90.) — 2. Einige aus dem Ritterleben genommene Ausdrücke. 
Altcech. burda 'Sturm, Streit' nicht zu bufiti '-türmen', sondern zu 
burdovati (— mhd. burdieren, buhurdieren 'einen bühurt reiten'). Alt- 
cech. burdef 'Stecher, Stoßdegen' zu lat. burdo (Meyer-Lübke Etym. Wb. 
1403). Altcech. Jconcir ' Rappier, Stoßdegen' aus osm. (arab.) xanjar mit 
Anlehnuug an konec 'Spitze', koxcaty, koncüy 'spitzig'. Altböhm, hurt 
M. 'Ungestüm, Heftigkeit, Lärm', hurtovati ' lärmen, poltern, heftig reden " 
usw., hurter 'adulter' aus mhd. hurt, hurte 'Stoß, Anprall, stoßendes Los- 
rennen im Kampfspiel und Kampf. Cech. herous 'Brambaras', herousiti 
'brambarasieren, sich wichtig machen, brüsten' aus mhd. hcrüz; harusiti 
'schelten, in jemand dringen' aus d. harilz; daraus durch Kontamination 
mit hurt, hurtos und vielleicht auch unter Mitwirkung von d. hart{e), 
cech. hartusiti usw. harc 'Scharmützel, Plänkelei vor der Schlacht' zu 
mhd. hcrz(e), harz(e) 'herzu', woraus im Cech. vielleicht zunächst das Zeit- 
wort hareovati 'Scharmützeln, herumtraben' gebildet wurde. Aus d. herdan 
ist cech. her da 'Schlag' in den Rücken', herdovati "schlagen, einpuffen'. 



0. Hujer, XIT. Baltisch-Slavisch. 135 

Durch Verbindung von harä mit burda entstand böhm. haräburda, hara- 
burdi 'Gerassel; Gerumpel, Trödel'. — 3. Wie fremde Zusammensetzungen 
im Cechischen behandelt werden, a) Das zusammengesetzte Wort wird 
als einheitliches Wort übernommen; z. B. d. wazzerman = altcech. vasir- 
man (neu liastrmari); b) das erste oder das zweite Glied des Kompositums 
wird übersetzt: z. B. altcech. vrhcüby aus mhd. mirfzabel; c) die ganze 
Zusammensetzung wird übersetzt: z. B. bohoslovec nach theologus-, d) das 
erste Kompositionsglied vertritt die ganze Zusammensetzung : cech. (vulg.) 
spajz aus d. Speis(e)kammer; e) seltener wird das zweite Kompositions- 
glied für die ganze Zusammensetzung übernommen: z. B. cech. vuft, buft 
aus d. Knackwurst; f) die Kompositionsglieder werden umgestellt: z. B. 
altcech. belpuch aus mhd. buochvel. — 4. arkyf — vikus — vikyf. Alt- 
cech. arkef, erkcr 'propugnaculum; piunaculum; maenianum, podium. 
solarium' aus mhd. ärker, ärker und erk&re, erkere, welches wieder aus 
liordl'ranz. arqiiiere (lat. arc[u]ärium). Altcech. vikus, welches auch 'pro- 
pugnaculum', dann 'Erker, Vor li ansehen, podium, maenium' bedeutete, 
aus mhd. toicMs 'Kriegshaus, für den Krieg festes Gebäude, Festungs- 
türm, propugnaculum usw.' Das Wort vikyf (-er), jetzt 'Dachfenster, 
Dachluke, Kappfenster', früher 'Erker, podium', ist jüngeren Ursprungs, 
entstand durch Kontamination der beiden früheren Ausdrücke arkyf und 
vikus: cik(us) X (ar)kyf ergab vikyf. 

95. Kremea, F. Beiträge zum böhmischen Wörterbuch aus 
den Archivalien der Stadt Pisek (cech.). LF. 44 (1917) 
30—37, 105—114, 228—239, 332—342, 404—412. 

Wertvolles lexikalisches Material. 

96. Masin, J. Slovnik ceskych vazeb a rceni. S doklady z 
novejsich spisovatelü, z pfislovi a z mluvy lidove. (Lexikon 
der cechischen Phrasen und Redewendungen. Mit den Be- 
legen aus neueren Schriftstellern, Sprichwörtern und aus 
der Volkssprache.) Prag, im Selbstverlag. 1916. 257 S. 8°. 

Bespr.: Cas. mod. fil. 6 (1917) 75—77 (J. Mensik); LF. 45 (1918) 
48—50 (0. Hujer). 

97. Pesek, J. Josef Vladimir Pelikan, prükopnik ceske ter- 
minologie prävnicke. (J. V. Pelikan, ein Vorkämpfer der 
cechischen juridischen Terminologie.) Sbornik ved prävnich 
a stätnich 17 (1916—1917) 64—85. 

Bespr.: Cas. Mat. Mor. 41/42 (1917—1918) 523—526. 

Lausitzisch- Sorbisch. 

98. Scerba. Vostocnoluzickoje nareeije I. Petrograd, Kollins. 
1915. XXII u. 194 u. 54 S. 8°. 

Dem Referenten zurzeit nicht zugänglich. Vgl. Idg. Jahrb. 5, I 97, 
wo Meillets Urteil über diese Abhandlung zitiert wird. 

99. Eezak, F. und Nawka, M. Nemsko-serbski slownik. 
Deutsch-sorbisches Wörterbuch.) I. und II. Heft, S. 1 - 256 
(A bis durchlügen). Bautzen 1917. 



136 Bibliographie des Jahres 1917. 

Polnisch. 

100. tiOs, J. Przeglad je^zykowych zabytköw staropolskich d.. 
r. 1543. Vgl. Idg. Jahrb. 4, XII 100. 

Bespv.: LE. 4t (1917) 131—151 (J. Poiivka). 

In seiner ausführlichen Besprechung berührt Poiivka namentlich 
die Frage über das Verhältnis einiger altpolnischer Texte zu den al'- 
böhmischen. 

101. Poiivka, J. Ostaroceskepredlozestaropolskebible. (Über 
die altcechische Vorlage der altpolnisehen Bibel.) SbP. 6 
(1917) 1-39. 

102. Karlowicz, J., Krynski, A., Niedzwiedzki, Wl. Slownik 
je^zyka polskiego. (Wörterbuch der polnischen Sprache.) 
Heft 35, 36 (1915), 37, 38 (1916), 39, 40 (1917). swojo- 
tyna bis wodzisko. Warschau. Lex. 8°. 

C. Baltisch. 

1. Litauisch. 

103. Jaunys, K. Gramuiatika litovskago jazyka. Litovskij ori- 
ginal i russkij perevod. (Grammatik der litauischen Sprache. 
Das litauische Original und dessen russische Übersetzung.) 
Petersburg 1916. 8°. 4 Kbl. 

104. Schulze, W. Zur Blattfüllung. KZ. 48 (1917) 140. 
Lit. po mäna galvös : klruss. po mojej hofovi 'post mortem mean;" 

: poln. po gtouie 'ds. ' 

105. Schulze. W. Lit. nuas. KZ. 48 (1917) 136. 

Lit. rüzas 'stripe, streak, strip' neben reziu, rezti 'to cut; to noteh : 
to furrow' wie sl. razh raziti neben rezq rezati. 

2. Preußisch. 

106. van Wijk, N. De oudpruisiese en germaanse genitivus 
en dativus van de «-stammen. Neophilologus 2 (1917) 
108 — 110. 

Die Endung des altpreuß. Gen. Sing, der o-Stämme (dekcas, tätoas 
usw.) geht auf -oso zurück; es liegt, hier also dieselbe Endung vor wie 
in anord. godagas, ae. dünnes, as. dagas; a vor s ist sowohl in deu ger- 
manischen als auch in den altpreuß. Formen sekundär, aus den übrigen 
Kasus (altpreuß. Nom. Sing, -as, -an, Akk. Sg. -an, Dat. Sing, -ai, Nom. 
Plur. -ai, Akk. Phtr. -ans. Gen. Plnr. -an, Dat. Plur. -amans) eingeschleppt. 
Die Endung -oxjo anzunehmen, ist nicht möglich, «Im si im Altpreuß. zu 
S wird (vgl. SChuwikis 'Schuster" = lit. SlWCtkas ds.). Der Schwund des 
auslautenden a ist gegenüber den Fä len wie imma 'ich nehme', polinka 
'er bleibt', mükinna 'er lehrt', wo solches a erhalten blieb, so zu recht- 
fertigen, daß im Gen. Sing, der Ton nicht unmittelbar vorausging. Die 
ältere Auffassung, -as im Gen. Sing, der -o-Stämme stamme aus dem 
Gen. Sing, der S-Stämme, hat viel gegen sich: die Länge des a in deiwas 



Eujer, XII. Baltisch-Slavisch. 137 

usw. ist nirgends bezeugt; der Gen. Sing, der ß-Stämrae ist selbst nicht 
ganz klar, denn die Formen wie Olgas sprechen für das kurze a in der 
Endung, da « nach g im Aifcpreuß. zu ü wird, und auch die Betonung 
dieser Form stimmt nicht zu der dos Litauischen. Die Kürze der Endung 
in älgas und die Barytonese könnte aus dem Akk. Sing, sein, wohei 
möglicherweise auch mit dem Einfluß dm- Maskulina zu rechnen ist (deiwan 
: deiwas — älgan : älgas). 

Auch einige altpreuß. Dativformen finden in den entsprechenden 
Formen des Germanischen ihre Erklärung. Es hindert nichts, altpreuß. 
stesmu, steismu mit got. pamtna, fvammeh, ahd. demu zu identifizieren 
und in dieser Form also einen Instrum. Sing, auf -ö zu sehen. Die An- 
nahme eines Dativs auf -ö ist \ erfehlt. Ebenso sind die nominalen Dativ- 
formen grlku, malniku als alte Instrum. aufzufassen; griku gleicht also 
in der Endung -ö dem ahd. tagu, während got. daga durch Vokal quäl ität 
seiner Endung (-e) abweicht. Wenn man im Altpreuß. neben diesen auf 
alten Instrumentalformen beruhenden Dativen auch die Dativformen auf 
•ai (wardai, malnijkai) vorfindet, so ist das Verhältnis dieser beiden 
Formen dasselbe wie zwischen got. daga und ags. dorne. Als selbständiger 
Kasus erscheint der 1 nstrum. im Altpreuß. ebensowenig wie im Germanischen. 

107. van Wijk, N. Naar aanleiding van de tweede oudpruisiese 
Katechismus. Neophilologus 2 (1917) 243—245. 

Die Schreibung ij, uw im Kat. II statt i(j), w des Kat. I weist 
darauf hin, daß die Silbengrenze in j w lag, womit die niederländische 
Aussprache gauwe, bouwen, nieuwe zu vergleichen ist. Dasselbe uw liegt 
in neuwenen 'neu' und kr&uiviey 'Blut' vor. Das e, <z in der ersten Silbe 
ist als dialektische Aussprache von a aufzufassen, die für den Dialekt des 
Kat. II überhaupt (nicht nur in vor- und nachtoniger Stellung, wie Bezzen- 
berger KZ. 44, 298 meint) anzunehmen ist. neuwenen ist mit naunan, 
nawnan des Enehir. identisch; e in der zweiten Silbe ist ein Svarabhakti- 
vokal, der sich zunächst im Nom. Sing. M. entwickelt hat. Urspr. nawnan 
wurde über nawnan zu neuwenen. 

Prag, Juli 1918. O. Hujer. 



Anmerkung. 

Die Bibliographie hat sich auch diesmal wieder der wertvollen 
Unterstützung der Herren Frof. Dr. Schwyzer in Zürich und Lektor 
J. M. N. Kapteijn in Leiden zu erfreuen gehabt: jener hat über die 
französischen, dieser über die englischen und amerikanischen Neuerschei- 
nungen berichtet. 



PERSÖNLICHE UND WISSEN- 
SCHAFTLICHE NACHRICHTEN. 

August Leskien. r ) 

Am 20. September 1916 starb zu Leipzig der ordentliche 
Professor der slavischen Philologie an der Leipziger Univer- 
sität August Leskien, der sich um die Begründung der heute 
herrschenden sprachwissenschaftlichen Methode nicht geringere 
Verdienste erworben hat, als um die Erforschung des Slavisch- 
Litauischen. 

Leskien wurde am 8. Juli 1840 zu Kiel geboren. Im 
Jahre 1856 trat er, nach kaum halbjähriger Vorbereitung, in 
die Tertia der Gelehrtenschule seiner Vaterstadt ein, wurde 
jedoch schon im Herbst desselben Jahres nach Sekunda ver- 
setzt. Ostern 1860 bezog er die Kieler, später die Leipziger 
Universität, um klassische Philologie und Sprachwissenschaft 
zu studieren-, dem Gebiete der griechischen Grammatik haben 
auch seine ersten Veröffentlichungen angehört. Nach seiner 
Promotion zu Leipzig war er von 1864 bis 1866 als Lehrer an 
der altberühmten Thomasschule tätig, siedelte dann aber nach 
Jena über, um unter August Schleichers Leitung seine sprach- 
wissenschaftlichen Studien fortzusetzen. In deren Mittelpunkt 
traten jetzt, wie bei einem Schüler Schleichers nicht anders 
zu erwarten war, die baltisch-slavischen Sprachen. Das Ver- 
hältnis des Lehrers zum Schüler nahm bald einen freundschaft- 
lichen Charakter an und Schleicher war um den Freund und 
Schüler mit wahrhaft väterlichem Wohlwollen besorgt. 

Zu Ostern 1867 habilitierte sich Leskien an der Univer- 
sität Göttingen für vergleichende Sprachwissenschaft, wurde 
aber schon im Jahre 1869, nach Schleichers frühzeitigem Tod, 
als außerordentlicher Professor nach Jena berufen. Ein Jahr 



] ) Die Nachrufe auf Leskien und Brugmann sind dem Jahrbuch 
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften entnommen. 



Wilhelm Streitberg, August Leskien. 139 

darauf, 1870, wurde ihm die neubegründete ao. Professur für 
slavische Philologie an der Universität Leipzig übertragen, 
1876 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Der Leip- 
ziger Hochschule ist er trotz wiederholter Berufungen bis zu 
seinem Tode treu geblieben. Es war ihm noch vergönnt, in 
voller Rüstigkeit, kurz vor dem Ausbruch des Weltkriegs, 
am 14. Juli 1914, das goldene Doktorjubiläum zu feiern. 
Damals erschien, unter zahlreichen andern Glückwünschenden, 
auch ein Abgesandter der Universität Moskau, deren Ehren- 
mitglied Leskien seit Jahren war. 

Im Frühjahr 1915 erschütterte ein tückischer Influenza- 
Anfall, dem eine schwere Lungenentzündung folgte, die Ge- 
sundheit des Fünfundsiebzigjährigen in ihren Grundfesten. 
Noch anderthalb Jahre rang seine widerstandsfähige Natur 
mit der Krankheit, bis ihn in der Frühe des 20. Septembers 
ein sanfter Tod erlöste. Noch während der Krankheit ist 
der Unermüdliche wissenschaftlich tätig gewesen, hat die Aus- 
arbeitung der schon lang geplanten serbischen Syntax geför- 
dert und die letzte Hand an die grammatische Einleitung 
seines litauischen Lesebuchs gelegt. 

Mit August Leskien ist ein Mann dahingegangen, der 
nach dem Worte von Sievers ein wahrhaft Großer war — als 
Forscher und Lehrer wie als Mensch. An äußern Ehren und 
Würden hat es ihm nicht gefehlt, aber seine schlichte Größe- 
bedurfte ihrer nicht. 

In der machtvollen Persönlichkeit, der unumschränkten 
Herrschaft über den Stoff, der kritischen Schärfe, der es nie 
an ruhiger Sachlichkeit gebrach, der durchsichtigen Klarheit 
der Darstellung liegt die unvergleichliche Bedeutung der Wirk- 
samkeit Leskiens, beruht der entscheidende Einfluß, den er, 
vorab in der ersten Hälfte der siebziger Jahre, auf die Neu- 
gestaltung der sprachwissenschaftlichen Methode ausgeübt hat. 
Seine methodischen Grundsätze waren bereits zum lebendigen 
Besitztum seiner Schüler und Freunde geworden, bevor er 
sie 1876 in seiner von der Fürstlich Jablonowskischen Gesell- 
schaft gekrönten Preisschrift über „Die Deklination im Slavisch- 
Litauischen und Germanischen" öffentlich aussprach und in 
dieser Untersuchung zugleich ein glänzendes Beispiel ihrer 
strengen Durchführung gab. 

Lautgesetzliche Umbildung und Analogie erklären ihm 
— von fremden Einflüssen abgesehn — jede Art sprachlicher 
Entwicklung. Die Lautgesetze aber sind innerhalb derselben 



140 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

Sprachgemeinschaft und desselben Zeitraums ausnahmslos, d. h, 
sie erleiden keine andern als rein gesetzmäßige Störungen: 
„Läßt man beliebige, zufällige, untereinander in keinen Zu- 
sammenhang zu bringende Abweichungen zu, so erklärt man 
im Grunde damit, daß das Objekt der Untersuchung, die 
Sprache, der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht zugänglich ist." 

Diese methodischen Anschauungen waren nicht das Er- 
gebnis rein theoretischer Erwägungen, sie waren dem sprachen- 
gewaltigen Forscher aus der Vertrautheit mit zahlreichen leben- 
den Sprachen erwachsen. Durch Wort und Beispiel hat er 
stets auf die Bedeutung der lebenden Sprache hingewiesen., 
die allein der unmittelbaren Beobachtung zugänglich ist und 
deshalb den Maßstab für die Beurteilung der schriftlichen 
Überlieferung abgeben muß. Mit welcher Vorsicht diese schrift- 
liche Überlieferung zu verwerten sei, hat er 1879 durch seine 
einschneidende Kritik der altern litauischen Drucke dargetan, 
und 1905 durch die tiefschürfenden Untersuchungen über & 
und 7> in den altbulgarischen Denkmälern aufs neue bestätigt. 

Von gleicher Wichtigkeit für die indogermanische Gram- 
matik wie für die Erkenntnis der Einzelsprachen sind Leskiens 
Forschungen über die Auslautsgesetze des Slavischen, Germa- 
nischen und Litauischen. Über seine Erklärung des slavischen 
Auslauts ist man auch heute kaum hinausgekommen; seine 
Fassung der germanischen Auslautsgesetze hat 20 Jahre lang 
fast ungeteilten Beifall gefunden; heute ist sie zugunsten einer 
andern Erklärung aufgegeben. Diese aber wandelt ebenfalls 
in Bahnen, die Leskien gewiesen hat. Man überträgt nämlich 
die geniale Erklärung, die Leskien 1881 für die Quantitäts- 
verhältnisse im Auslaut des Litauischen gegeben hat, aufs 
Germanische: hier wie dort ist die Behandlung auslautender 
Längen von der Art des Silbenakzents abhängig. 

Es ist kein ' Zufall, daß Leskien diese Einwirkung der 
Akzentart auf die Quantität der auslautenden Längen des 
Litauischen entdeckt hat: war doch die Erforschung der litau- 
ischen wie der slavischen Betonung sein eigenstes Gebiet. 
Hier sind vor allem die beiden meisterhaften Untersuchungen 
über Quantität und Betonung in den slavischen Sprachen zu 
nennen, die 1885 und 1893 erschienen sind und ein helle.-» 
Licht auf die serbischen Betonungsverhältnisse geworfen haben. 
Eine zusammenfassende Darstellung der gesamten serbischen 
Akzentuation bildet den Glanzpunkt der 1914 erschienenen 
serbokroatischen Grammatik. 






"Wilhelm Streitberg, August Leskien. 141 

Selbst die deutsche Mundartenforschung verdankt Leskien 
eine Beobachtung von nicht geringer Tragweite: er hat er- 
kannt, daß in der Sprache seiner Heimat der jüngere Schwund 
einer Silbe zweigipflige Betonung der vorausgehenden Stamm- 
silbe hervorruft. 

Die lange Reihe der Einzeluntersuchungen auf slavischem, 
litauischem und lettischem Sprachgebiet, die im Archiv für 
slavische Philologie, in den Berichten der Sächsischen Gesell- 
schaft der Wissenschaften und in den Indogermanischen For- 
schungen erschienen sind, können hier nicht aufgezählt werden. 
Von den selbständigen Veröffentlichungen ist vor allem das 
Handbuch der altbulgarischen (altkirchenslavischen) Sprache 
zu nennen. Die erste Auflage, die 1871 erschienen ist, legte 
noch die Sprache des ostromirischen Evangeliums, also eines 
russisch-kirchenslavischen Textes, zugrunde; seine endgültige 
Form hat das Werk erst 1886 in der zweiten völlig neu be- 
arbeiteten Auflage erhalten; hierdurch ist das Buch zum un- 
erreichten Muster der auf sprachwissenschaftlicher Grundlage 
aufgebauten beschreibenden Darstellung einer Einzelsprache 
geworden. Eine wertvolle Ergänzung zu dem Handbuch bildet 
die Grammatik der abg. (aksl.) Sprache, die 1909 als erster 
Band der von Leskien und Berneker herausgegebenen Samm- 
lung slavischer Lehr- und Handbücher erschienen ist. Als 
Vorarbeit zu einer geplanten altbulgarischen Syntax, zu der 
auch der Nachlaß manchen Beitrag enthält, sind die Unter- 
suchung der Übersetzungskunst des Exarchen Johannes (Archiv 
f. slav. Philologie, Bd. 25) und die beiden Abhandlungen zur 
Kritik des altkirchenslavischen Codex Suprasliensis (1909 und 
1910) zu betrachten. Sie bieten eine bis ins einzelne gehende 
Prüfung der Übertragung, um durch den Nachweis der Fehler 
und Mißverständnisse des Übersetzers eine sichere Benutzung 
der Texte für die Grammatik zu ermöglichen. 

Unter den lebenden slavischen Sprachen galt Leskiens 
Neigung vor allem dem Serbokroatischen. Er beherrschte die 
Sprache so vollkommen, daß er, wie Bulic berichtet, auf seinen 
Forschungsreisen überall für einen Eingeborenen gehalten 
wurde. Von den zahlreichen Untersuchungen, die dieser 
Sprache gewidmet sind, wurden vorhin in anderm Zusammen- 
hang schon die Forschungen über den serbischen Akzent ge- 
nannt. Manchen Beitrag zur serbischen Sprach- und Lite- 
raturgeschichte birgt auch der Nachlaß. Die Summe dessen, 
was Leskien über das Serbische zu sagen hatte, bietet die 



142 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

umfassende Grammatik der serbokroatischen Sprache, deren 
erster Teil auf fast 600 Seiten Laut- und Akzentlehre, Stamm- 
bildung und Formenlehre behandelt. Er ist 1914 erschienen. 
Der zweite Teil war der Syntax vorbehalten. Man durfte 
ihm mit um so größerer Spannung entgegensehn, als sich 
Leskien in seinen Vorlesungen als Syntaktiker ersten Banges 
erwiesen hatte. Schon waren die Vorarbeiten abgeschlossen, 
größere Abschnitte ausgearbeitet, da hemmte die steigende 
Körperschwäche die Fortsetzung der Arbeit. Es bleibt zu 
wünschen, daß ein jüngerer Fachgenosse die fehlenden Teile 
auf Grund der reichen Sammlungen ausarbeiten möge. 

Unter den kleinern Arbeiten der letzten Jahre sei der 
Aufsatz „Über Dialektmischung in der serbischen Volkspoesie u 
(1910) hervorgehoben, weil er berufen sein dürfte, auch das 
Problem der homerischen Sprache aufzuhellen. 

Mit den 1915 erschienenen Balkanmärchen aus Albanien, 
Bulgarien, Serbien und Kroatien, deren Übersetzung den 
Märchenton ausgezeichnet trifft, hat Leskien von diesem Lieb- 
lingsgebiet seiner Forschung für immer Abschied genommen. 

Nicht minder umfassend als auf dem Gebiete des Slavi- 
schen war Leskiens Tätigkeit auf dem der baltischen Sprachen. 
Vorab dem Litauischen war seine Forschung gewidmet. 1882 
gab er in Gemeinschaft mit Brugmann Litauische Volkslieder 
und Märchen heraus. Er selbst hat aus der Gegend von 
Wilkischken eine Anzahl Dainos zu dem Bande beigesteuert. 
Hier sei gleich der schöne Beitrag „Zur Wanderung von 
Volksliedern" angereiht, obwohl er erst aus dem Jahre 1911 
stammt; er gibt einige Beispiele für die Umsetzung weiß- 
russischer Volkslieder in die Form litauischer Volksdichtung. 

Ungemein reiche, kritisch bearbeitete Sammlungen bieten 
die beiden Werke über den Ablaut der Wurzelsilben (1884) 
und die Bildung der Nomina im Litauischen (1891). Ein 
litauisches Lesebuch mit ausführlicher Grammatik wurde noch 
im Frühjahr 1915 abgeschlossen; es ist erst nach Leskiens Tod. 
im Jahre 1919, erschienen. Außerdem steht zu hoffen, daß 
Leskiens große Sammlungen zu einem Wortschatz der litaui- 
schen Schriftsprache, die Frucht jahrzehntelanger, ausgebrei- 
teter Lektüre, dereinst von Freundeshand herausgegeben 
werden. 

Was sonst von dem reichen literarischen Nachlaß Leskiens 
veröffentlicht werden kann, läßt sich erst später bestimmen: 
unsicher ist namentlich, ob die umfangreichen albanischen 



Wilhelm Streitberg, Karl Brugmann. 143 

Sammlungen so weit gediehen sind, daß an eine Herausgabe 
gedacht werden kann. 

München. Wilhelm Streitberg. 



Karl Brugmann. 

Am 29. Juni 1919 starb zu Leipzig im 71. Lebensjahr der 
ordentliche Professor der indogermanischen Sprachwissenschaft 
an der Leipziger Universität Karl Brugmann. Was nur 
wenigen Auserwählten vom Schicksal vergönnt ist, war ihm 
beschieden: er hat einen bestimmenden Einfluß auf die Ent- 
wicklung seiner Wissenschaft ausgeübt. Als bahnbrechender 
Forscher wie als weitschauender Organisator wird er in ihrer 
Geschichte fortleben. 

Wie Franz Bopp, der Begründer der idg. Sprachwissen- 
schaft, ist auch Karl Brugmann ein Kind des rheinischen 
Landes. Am 16. März 1849 wurde er zu Wiesbaden als Sohn 
des spätem Staatskassendirektors Wilhelm Brugman 1 ) geboren. 
Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog 
Ostern 1867 die Universität Halle, um Philologie zu studieren, 
siedelte jedoch schon im folgenden Jahre nach Leipzig über. 
Hier schloß er sich vor allem an Georg Curtius an; die ver- 
gleichende Sprachwissenschaft trat in den Mittelpunkt seiner 
Studien. Davon legt seine 1871 erschienene Doktorarbeit De 
Graecae linguae productione suppletoria Zeugnis ab. Auch der 
Gedanke an die akademische Laufbahn tauchte schon damals 
in ihm auf, doch lag die Erfüllung dieser Hoffnung noch in 
weitem Felde. Zunächst galt es, an die Sicherung der Zu- 
kunft zu denken. Deshalb legte er im Frühjahr 1872 in Bonn 
das philologische Staatsexamen ab. Nachdem er ein Jahr am 
Wiesbadener Gymnasium tätig gewesen war, wurde er als 
Oberlehrer am Nicolai-Gymnasium zu Leipzig angestellt. Ostern 
1877 gab er sein Amt auf, um den niemals aus dem Auge 
verlorenen Plan auszuführen und sich für Sanskrit und ver- 
gleichende Sprachwissenschaft an der Leipziger Universität 
zu habilitieren. Die Probevorlesung fand am 18. Mai 1877 
statt. Von 1878 ab war Brugmann zugleich als Assistent 
am kaiserl. russ. phil. Seminar tätig. 1882 wurde er zum 



Die Namensform Brugmann hat die Familie im Jahre 1882 an- 
genommen. 



144 Persönliche uucl wissenschaftliche Nachrichten. 

außerordentlichen Professor ernannt, 1884 als Ordinarius nach 
Freiburg i. Br. berufen. Doch schon 1887 kehrte er nach 
Leipzig zurück, wo ihm die neubegründete Professur für idg. 
Sprachwissenschaft übertragen wurde. 32 Jahre hat Brugrnann 
in Leipzig gewirkt. Er hat hier eine ungemein fruchtbare 
Tätigkeit als Forscher wie als Lehrer entfaltet, Schüler aus 
aller Herren Länder in großer Zahl um sich gesammelt und 
Leipzig zu einem Mittelpunkt der idg. Sprachforschung gemacht. 

Brugmanns schriftstellerische Tätigkeit ist so umfangreich 
und vielseitig, daß es unmöglich ist, an dieser Stelle auch nur 
einen flüchtigen Überblick zu geben; beträgt die Zahl seiner 
Veröffentlichungen doch rund 400! Nur auf das Wichtigste 
kann in aller Kürze hingewiesen werden. 

Die frühesten Arbeiten Brugmanns bewegen sich noch 
ganz in den Gedankengängen seines Lehrers Curtius. Er? t 
die beiden im 9. Bande von Curtius' Studien veröffentlichten 
Untersuchungen Nasalis sonans in der idg. Grundsprache und 
Zur Geschichte der stammabstufenden Deklinationen tragen 
das Gepräge voller Selbständigkeit; sie stellten Brugrnann so- 
gleich in die vorderste Reihe der Sprachforscher. 

Angeregt durch Osthoffs kurz vorher geführten Nachweis 
eines idg. silbischen r, schrieb Brugrnann der Grundsprache 
auch silbische Nasale zu und löste durch diese Annahme mit 
einem Schlag eine ganze Reihe von Rätseln des idg. Vokalis- 
mus wie der idg. Stammbildung; Ordnung und Gesetz wurden 
sichtbar, wo eben noch Willkür und Verwirrung zu herrschen 
schien, und nach allen Seiten eröffneten sich der Forschung 
weite Ausblicke. 

Die schon im 9. Bande der Studien begonnene Unter- 
suchung der Stammabstufung führte Brugrnann 1877 in seiner 
Habilitationsschrift weiter, die wertvolle Beiträge zur Ge- 
schichte der -as-, -jas- und -ms- Stämme bietet. Sie ist neben 
mehrern kleinern Aufsätzen im 24. Bande von Kuhns Zeit- 
schrift für vgl. Sprachforschung erschienen. 

Im folgenden Jahre begründeten die beiden Freunde 
Osthoff und Brugrnann die Morphologischen Untersuchungen. 
Diese sollten der Erforschung des idg. Formenbaus dienen. 
Den ersten Band eröffnete das von Brugrnann verfaßte Vor- 
wort, ein von jugendlicher Begeisterung erfülltes 'Glaubens- 
bekenntnis', das die Grundsätze der c junggrammatischen" 
Richtung (wie sie Brugrnann, an ein Scherzwort Zarnckes 
anknüpfend, nannte) im Zusammenhang darlegte. Dieses Mani- 



Wilhelm Streitberg, Karl Brugmann. 145 

fest fand lebhafte Zustimmung, heftigen Widerspruch. Es 
ward der Ausgangspunkt langer, erbitterter Kämpfe. Heute 
sind diese längst verstummt. Die einst so stark befehdeten 
Anschauungen sind zum Gemeingut der Wissenschaft geworden, 
freilich nicht ohne im Lauf der Jahre mancherlei Einschrän- 
kungen, Erweiterungen, Umbildungen erfahren zu haben. 

Bis zum Jahre 1881 erschienen in rascher Folge drei 
weitere Bände der Morphologischen Untersuchungen, deren 
Kern die Beiträge Brugmanns bilden; ein 5. Band ist 1890, 
der Schlußband 1910 erschienen. 

Das Jahr 1882 brachte in den Litauischen Volksliedern 
und Märchen aus dem preußischen und russischen Litauen 
den Ertrag einer mit Leskien unternommenen Studienreise. 
Der Löwenanteil des Buches fällt Brugmann zu; ihm ver- 
danken wir die reiche Märchensammlung. 

Das einst so nahe Verhältnis Brugmanns zu seinem Lehrer 
Curtius hatte seit dem Jahre 1876 eine empfindliche Störung- 
erfahren; denn Curtius stand den Entdeckungen Brugmanns 
ablehnend gegenüber, ja er erblickte in ihnen eine Gefahr 
für die ruhige Entwicklung seiner Wissenschaft. Dieser An- 
schauung gab er 1885 in der Schrift Zur Kritik der neuesten 
Sprachforschung auch vor der Öffentlichkeit Ausdruck und 
suchte in eingehender Erörterung die Unnahbarkeit der neuen 
Lehre darzutun. Brugmanns Antwort Zum heutigen Stand 
der Sprachforschung (1885) setzt sich mit den Einwänden des 
Gegners in strenger Sachlichkeit auseinander und faßt noch 
einmal die leitenden Gedanken seiner Forschung mit muster- 
hafter Klarheit zusammen. 

Entzog sich auch Brugmann niemals dem Kampf, wenn 
er ihm aufgezwungen ward, so entsprach doch die ruhige, 
stetige Arbeit des Aufbaus ungleich mehr seiner Neigung. 
Das lehren die Veröffentlichungen der folgenden Jahre. An 
ihrer Spitze steht die 1885 zum erstenmal erschienene Grie- 
chische Grammatik in Iwan Müllers Handbuch der klassischen 
Altertumswissenschaft. Sie ist dadurch bedeutungsvoll, daß sie 
neben der Laut- und Formenlehre auch die Syntax behandelt. 
Während die erste Auflage nur 126 Seiten umfaßt, ist die 
1900 erschienene 3. Auflage zu einem Band von 632 Seiten 
angewachsen. Die Bearbeitung der 4. Auflage (1913) hat 
Brugmanns einstiger Schüler, der unserer Wissenschaft leider 
allzufrüh entrissene Albert Thumb, übernommen. Das Werk ist 
die vollständigste Grammatik einer idg. Einzelsprache, die in 

Indogermanisches Jahrbuch. VII. jq 



146 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

neuerer Zeit erschienen ist. Das feine Gefühl für die Fragen 
der Syntax, das überall zu Tage tritt, überraschte bei einem 
Forscher, der sich bisher fast ausschließlich auf dem Gebiete 
der Laut- und Formenlehre betätigt hatte. 

Nur ein Jahr später, im Herbst 1886, erschien ein neues 
großes Werk aus Brugmanns Feder, der erste Band des Grund- 
risses der vergl. Grammatik der idg. Sprachen, der die Laut- 
lehre enthält. 

Zweimal schon war der Versuch gemacht worden, die 
Grammatik der idg. Sprachen im Zusammenhang darzustellen : 
Bopps genialeVergleichende Grammatik (1. Auflage 1833—1852) 
bedeutet eine Entdeckungsfahrt nach unbekannten Welten, wie 
sie kühner nicht gedacht werden kann, während Schleichers 
Kompendium (1. Aufl. 1861/2) mit seinen langen Paragraphen- 
reihen einem Gesetzbuch vergleichbar ist, welches das geltende 
Recht in feste Formeln faßt. 

Brugmanns Grundriß hält die Mitte zwischen beiden Ex- 
tremen und verbindet aufs glücklichste Forschung und Dar- 
stellung miteinander. Die Beherrschung der gewaltigen Stoff- 
massen ist bewundernswert: in vollendeter Klarheit und Über- 
sichtlichkeit baut sich das Ganze vor uns auf. Der Wert des 
Werkes beruht nicht minder in der Fülle der Anregungen, 
die es bietet, als in der Übersicht über die bisherigen For- 
schungsergebnisse, ihrer Ergänzung und Weiterführung. 

Schon 1893 lagen Laut- und Formenlehre abgeschlossen 
vor. Die Bearbeitung der Syntax hatte Delbrück übernommen ; 
sie erschien in drei starken Bänden von 1893 bis 1900. 

Der Erfolg von Brugmanns Grundriß war überraschend: 
schon 1897 begann die zweite, stark erweiterte Auflage zu 
erscheinen; 1916 konnte der Schlußband der Formenlehre 
ausgegeben werden. Die Anlage ist unverändert geblieben , 
die Ausführung stellt ein neues Werk dar. Von der ersten 
Auflage unterscheidet sich die zweite vor allem dadurch, daß 
sie aus der Syntax die Lehre vom Gebrauch der Wortformen 
übernommen hat. 

Neben den bändereichen Grundriß stellte Brugmann in 
den Jahren 1902 — 4 die Kurze vergl. Grammatik, deren 
meisterhafte Satzlehre das Entzücken des Kenners ist. 

Seit dem Herbst 1891 gab Brugmann gemeinsam mit 
dem Unterzeichneten die Indogermanischen Forschungen her- 
aus, eine Zeitschrift für idg. Sprach- und Altertumskunde. 
Die Bände erschienen in rascher Folge: beim Tode Brug- 



Wilhelm Streitberg, Karl Brugmann. 147 

manns war bereits der 38. Band erreicht. In den Forschungen 
sind zahlreiche Arbeiten Brugmanns erschienen. Daneben 
geht eine Reihe von Untersuchungen her, die zumeist in den 
Sitzungsberichten und den Abhandlungen der Sächsischen 
Gesellschaft der Wissenschaften veröffentlicht wurden. Ich 
nenne hier eine Gruppe von Aufsätzen, die sich mit der Ge- 
schichte der altitalischen Dialekte beschäftigt: Umbrisches und 
Oskisches (Sitzungsber. 1890), Zur umbrisch-samnitischen Gram- 
matik und Wortforschung (ebd. 1893), Osk. aikdafed und 
Verwandtes (ebd. 1897), Zur umbrischen und pälignischen 
Sprachgeschichte (1911). In den Abhandlungen finden sich 
die beiden wichtigen Untersuchungen über die idg. Demon- 
strativa (1904) und über die distributiven und kollektiven 
Numeralia der idg. Sprachen (1907). Ihnen sei der Aufsatz 
über Pronominale Bildungen der idg. Sprachen (Sitzungsber. 
1908) angereiht. 

Unter Brugmanns Beiträgen zur Wortforschung nimmt 
die semasiologisch-etymologische Untersuchung über die Aus- 
drücke für den Begriff der Totalität in den idg. Sprachen 
(Universitätsprogramm 1894) die erste Stelle ein. Sie ist das 
Vorbild ähnlicher Arbeiten auf dem noch wenig angebauten 
Felde der Begriffsgeschichte geworden. Brugmann selbst hat 
dem ertragreichen Boden noch wenige Jahre vor seinem Tod 
in den schönen Untersuchungen Elp^v/] und Zu den Wörtern 
für c heute V B C gestern ' und c morgen' (Sitzungsber. 1916/17) neue 
Früchte abgewonnen. 

Das Gebiet der Sprachpsychologie betrat Brugmann in 
den Untersuchungen über das Wesen der sog. Wortzusammen- 
setzung (Sitzungsber. 1900) und das Wesen der lautlichen 
Dissimilation (Abh. 1909), vor allem aber in den beiden wich- 
tigen Beiträgen zur idg. Syntax: Der Ursprung des Schein- 
subjekts c es 5 in den germanischen und romanischen Sprachen 
(Sitzungsber. 1917) und Verschiedenheiten der Satzgestaltung 
nach Maßgabe der seelischen Grundfunktionen (ebd. 1918). 
Sie waren ihm aus den Vorarbeiten zu einer Darstellung der 
idg. Satzlehre erwachsen, die den Abschluß des Grundrisses 
bilden sollte. Schon war der Unermüdliche mitten im rüstig- 
sten Schaffen, da zwang ihn die Krankheit abzubrechen. Nur 
ein Drittel des Ganzen, die Lehre vom einfachen Satz, ist 
ausgearbeitet. 

Dem Lebenswerk Brugmanns ist reiche Anerkennung zu- 
teil geworden. Die gelehrten Gesellschaften des In- und Aus- 



148 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

lands wetteiferten miteinander, ihn unter die Zahl ihrer Mit- 
glieder aufzunehmen. Die weltumspannende "Wirksamkeit des 
Forschers und Lehrers, die hohe Verehrung, die ihm überall 
entgegengebracht wurde, verkündet kaum ein anderes Zeugnis 
so klar und schön, wie die beiden stattlichen Bände der Fest- 
schrift, die ihm von Freunden und Schülern zum 21. Juni 1909 
dargebracht wurde: Angehörige der verschiedensten Nationen 
haben sich in gemeinsamer Arbeit zu diesem Werke zusammen- 
gefunden, daß den ganzen weiten Kreis der idg. Sprachen 
umfaßt. Und als im Jahre 1912 die Indogermanische Gesell- 
schaft ins Leben trat, da verstand es sich von selbst, daß 
Brugmann zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. 

Auch an wissenschaftlichen Gegnern hat es Brugmann 
nicht gefehlt: das ist das unabwendbare Schicksal dessen. 
der neue Pfade bahnt, alte liebgewordene Anschauungen über- 
windet. Doch auch im Kampf bewahrte Brugmann stets die 
ruhige Sachlichkeit des Urteils, die unbestechliche Gerechtig- 
keit, die den Grundzug seines Wesens bildete. 

München. Wilhelm Streitberg. 



Karl Brngmanns Schriften. 1909—1919. 

Vorbemerkung. Die 3 1 6 Veröffentlichungen der Jahre 1871 — 1909 
sind IF 26, 425 — 440 verzeichnet. Wie dort entspricht auch hier die 
Anordnung der Reihenfolge der Entstehung. Die Titel der selbstän- 
digen Werke sind durch größere Schrift hervorgehoben, die Anzeigen 
durch Kursivsatz kenntlich gemacht. 

317. Der sogenannte Akkusativ der Beziehung im Arischen, Griechischen, 
Lateinischen, Germanischen. IF 27, 121 — 151. 

318. Der Gymnasialunterricht in den beiden klassischen Spra- 
chen und die Sprachwissenschaft. Straßburg, Trübner 
1910. 32 S. 

319. Der lat. Ablativus comparationis. IF 27, 159. 

320. Advei bia aus dem maskulinischeu Nominativus Singtilaris prädika- 
tiver Adjektiva. IF 27, 233—278. 

321. Morphologische Miszellen. 1. Lat. perendie, perendinus. — 2. Griech. 
hobhoc, owXoc. — 3. Das umbrische «A^-Perfektum. MU 6 (1910) 
351—370. 

322. Grundriß der vgl. Grammatik der idg. Sprachen. Zweite 
Bearbeitung. Zweiter Band: Lehre von den Wortformen 
und ihrem Gebrauch. Zweiter Teil: Zahlwörter. Die 
drei Nominalgenera. Kasus- und Numerusbildung der 
Nomina. Pronominalstämme und Kasus- und Numerus- 



Wilhelm Streitberg, Karl Brugmanns Schriften. 1909—1919. 149 

bildung der Pronomina. Bedeutung der Numeri beim 
Nomen und Pronomen. Bedeutung der Kasus. Das 
Adjektivum. Die Adverbia nach Form und Gebrauch. 
Die Präpositionen nach Form und Gebrauch. Straßburg, 
Trübner 1911. XXII u. 997 S. 

323. Selbstanzeige der Schrift Der Gymnasialunterricht in den beiden 
klassischen Sprachen. IF Anz. 28,1 — 5. 

324. Wortgeschichtliche Miszellen (1. ai. bhisaj- u. gr. av.eio6ot. — 2. gr. 
Stcoiu» u. oap- w\!.'ß.'j, — 3. herald, sizil. «vioiaoc. — 4. lat. intestinus. 

— 5. Etruria, Etrusci). IF 28, 285—298. 

325. Griechische u. lateinische Etymologien. (1. bou.6<;. — 2. evioi. — 
3. v.6g|j.o£. — 4. vöao;. — 5. uvvyj, 5vvts uvi?. — 6. stiva. — 7. cas- 
träre. — 8. mittere. — 9. pöpidus). IP 28, 354—379. 

326. Lateinisch fuere, fuerunt, fuerunt. IF 28, 379 — 389. 

327. Zur griechischen und italischen Wortforschung (1. gr. •,-•?;, taut, ai«. 
2. gr. biCoq olCu?. — 3. lat. raws). IF 29, 200-214. 

328. Verdunkelte Präpositionalkomposita im Griechischen. IF 29, 229 
—243. 

329. Zu den Imperativendungen im Umbrischen. IF 29, 243—249. 

330. Homer, ävsou u. att. hisöq. Festschrift für V. Thomsen S. 1 — 7. 

331. Griechisch o<pelo<; und bysklm. IF 29, 410-412. 

332. Die litauischen Imperative auf -Tc(i). IF 29, 404—409. 

333. Ans. von 0. Hoffmanns Geschichte der griech. Sprache I. Neue 
Jahrbücher 1911. II S. 454—456. 

334. Zu den reduplizierenden Verbalbildungen des Indo-Iranischen. TF 31, 
89—104. 

335. Abkürzung im sprachlichen Ausdruck, ihre Anlässe und ihre Grenze. 
Magyar Nyelvör, Budapest 1912 S. 14 — 17. Mit kleinen Änderungen 
abgedruckt IF 32, 368-372. 

336. Zur umbrischen und p'älignischen Sprachgeschichte (1. umbr. vepu- 
rus, f elsva, nufpener. — 2. umbr. vestigia uestisiam, vestikatu 
itesticatit, nestis. — 3. Die umbr. Relativpartikel -e (-i -e -i -ei -e). 

— 4. Den umbr. Xom. Sg. pisi -pis. — 5. pälign. pes pros). 
Sitzungsber. der sächs. Ges. d. Wiss. 63 (1911) 7. Heft S. 153—175. 

337. Der Ursprung des lateinischen Konjunktivus Imperfekti und Kon- 
junktivus Plusquamperfekti. IF 30, 338 — 360. 

338. Wortgeschichtliche Miszellen (1. gortyn. vövapiat. — 2. umbr. man- 
draclo. — 3. gr. EÖpfoxu) u. aksl. obresta). IF 30, 371 — 382. 

339. alpetu. IF 32, 1—7. 

340. Ved. irajyäti, iradhanta u. Verwandtes. IF 32, 58 — 63. 

341. Homer, eaöw u. Ia8ia>. IF 32, 63—71. 

342. Zu den Ablautverhültuissen der sog. starken Verba im Germani- 
schen. IF 32, 179—195. 

343. Griechische Grammatik, Lautlehre, Stammbildungs- und 
Flexionslehre, Syntax. Vierte vermehrte Auflage, be- 
arbeitet von Albert Thumb. München, Beck 1913. 
XX u. 772 S. 

344. Das schwache Präteritum. PBB 39, 84—97. 

345. Selbstanzeige von Grundriß II, 2. IF Anz. 32, lf. 



150 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

346. Grundriß der vgl. Grammatik der idg. Sprachen, zweiter 
Band, dritter Teil, erste Lieferung: Vorbemerkung. Ver- 
bale Komposita. Augment. Reduplizierte Verbalbildungen. 
Die Tempusstämme im allgemeinen. Präsens und starker 
Aorist. Die s-Aoriste. Das Perfekt und sein Augment- 
tempus. Straßburg, Trübner 1913. S. 1—496. 

347. Griech. ärcTü) und seine außergriechischen Verwandten. IF 32, 319 
—326. 

348. Selbstanzeige von Grundriß II, 5, 1. IF Ans. 33, lf. 

349. Zur Geschichte der hiatischen (zweisilbigen) Vokalverbindung eu in 
den idg. Sprachen. Berichte der sächs. Gesellschaft d. Wiss. 65 
(1913) 3. Heft, S. 141—218. 

350. Anzeige von Niepmann- Hölk~ Meurer- Hartke Lateinisches Unter- 
richtswerk. LGB 1913 Sp. 1485— 1487. 

351. Zur Erinnerung an Richard Meister. Berichte der sächs. Gesellschaft 
d. Wiss. 65 (1913) 4. Heft, S. 221—228. 

352. Die gotische Partikel -uh -h. IF 33, 173—180. 

353. Der gotische Genetivus Pluralis auf -e. IF 33, 272—284. 

354. Gotisch usstagg 'stich aus'. (Zu IF 32, 179ff.). IF 33, 284f. 

355. Zur nominalen Stammbildung der germanischen Sprachen (1. got. 
fairra, ahd. ferro 'fern' u. Verwandtes. — 2. got Jiulundi ' Höhle' 
u. gleichartige ^-Bildungen. — 3. got fön fiinins, preuß. panno, 
ahd. fuir finr 'Feuer'). IF 33, 300—313. 

356. Die künstlichen Weltsprachen und ihre Aussichten. Akademische 
Rundschau 2. Jahrgang (Leipzig 1914) S. 290—309. 

357. Die griech. Desiderativa auf -aeiwv nebst vAmv. IF 33, 332 — 336. 

358. Zum altitalischen Konjunktiv. Festschrift für E. Windisch (Leipzig 
1914). S. 52-58. 

359. Zur Geschichte der lateinischen Nomina mit Formans -U-. IF 34, 
397—402. 

360. Die Entstehung des altindischen Prekativs. IF 34, 392—397. 

361. Zwei oskische Adverbialbildungen (1. ekss, e.v. — 2. pükkapid 
[p]ocapid pocapit). IF 34, 402—408. 

362. August Leskiens goldenes Doktorjubiläum. Leipziger Tageblatt, 
14. Juli 1914. 

363. Zur Frage des Ursprungs der Personalendungeu des idg. Verbum;.. 
(Erscheint IF 39.) 

364. Über einige zu ovivrjju gehörige Nominalformen. IF 35, 94 — 96. 

365. -äi im altindischen Konjunktiv Medii, IF 36, 164. 

366. Grundriß der vgl. Grammatik der idg. Sprachen. Zweiter 
Band, dritter Teil, zweite Lieferung: Zusammengesetzte 
(periphrastische) Tempusbildungen. Die Modusbildungen. 
Die Personalendungen. Der Gebrauch der Formen des 
Verbum finitum. Der Gebrauch der Formen des Verbum 
infinitum. Partikeln im einfachen Satz. - Straßburg, 
Trübner 1916. XI u. S. 497—1052. 

367. Nachruf auf Richard Meister. Biographisches Jahrbuch 17, 53 — 57. 



Wilhelm Streitberg, Karl Brugmanns Schriften. 1909—1919. 151 

368. EIPHNH, eine sprachgeschichtliche Untersuchung. Berichte der 

sächs Gesellschaft d. Wiss. 68 (1916), S.Heft, 23 S. 
169. Ahd. henna, ags. Ixen. IF 37, 249—253. 

370. Nachruf auf Richard Günther. LT 4, 244—246. 

371. Griech. XPW 1 u lat - ütitur. IF 37, 239—249. 

372. Zur griechischen und lateinischen Wortgeschiehte (1. ämko^ änXoog, 
8urX6? cixt.öoq usw. — 2. aQpoo'.. — 3. lokrisch ämiaxes. — 4. lat. 
imbicillus, imbecillis. — 5. lat. väs, ai. api ratati). IF 38, 128 — 143. 

370. Lat. aonulus, aequos, imitäri, imägo, gr. al<J/a, a?nos, got. i&ws. 
IF 37, 155—163. 

374. Gleichklangvermeidung in der lautgesetzlichen Entwicklung und in 
der Wortbildung. IF 38, 117—128. 

375. Worte zum Gedächtnis an August Leskien. Berichte der sächs. 
Gesellschaft d. Wiss. 68 (1916), 6. Heft, 16*— 30*. 

376. Zu den Wörtern für 'heute', "gestern', 'morgen' in den idg. 
Sprachen. Ebd. 69 (1917), 1. Heft, 34 S. 

377. Anzeige von E. Schoj)f Die konsonantischen Fernwirkungen. IF 
Anz. 37, 8-11. 

378. Selbstanzeige von Grundriß II, 3, 2. IF Anz. 38/30 S. 2 f. 

379. Anzeige von Walde Über älteste sprachliche Beziehungen zwischen 
Kelten und It alikern. Berliner Philo!. Wochenschrift 1917 Sp. 1525 
—28. 

380. Der Ursprung des Schein Subjekts 'es' in den germanischen und den 
romanischen Sprachen. Berichte der sächs. Gesellschaft d. Wiss. 
69 (1917), 5. Heft, 57 S. 

381. Das got. «(fo-Passivum. IF 39, 26-62. 

382. Anzeige von E. Boisacq Dictionnaire etymologique de la langue 
grecque. IF Ans. 38/39 S. 3—8. 

383. Selbstanzeige der Abhandlung Zu den Wörtern heute', ' gestern \ 
'morgen'. IF Anz. 38/39, 25 f. 

384. Zur Wortsippe 'alt'. PBB 43, 310—324. 

385. Analogische Neuerungen in den Ausgängen der Formen des Verbuni 
finitum in den idg. Sprachen. IF 39/40. 

386. Selbstanzeige der Abhandlung Der Ursprung des Scheinsubjekts 'es'. 
IF Anz. 38/39, 26—28. 

387. Haplologisches im heutigen Rheiufränkischen. IF 38, 206—209. 

388. Mitarbeit au J. Partschs Aufsatz Dünenbeobachtungen im Altertum. 
Berichte der sächs. Gesellschaft d. Wiss. 69 (1917), 3. Heft. 

389. Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache. [Im Anschluß 
an Kretschmers Werk.] Grenzboten 77 (1918) S. 70—72. 

390. Verschiedenheiten der Satzgestaltung nach Maßgabe der seelischen 
Grundfunktionen in den idg. Sprachen. Berichte der sächs. Gesell- 
schaft d. Wiss. 70 (1918), 6. Heft, 93 S. 

391. Homer. i-'.'-Apprfioz, l-iocrJio:. Berliner Phil. Wochenschrift 1919, 
Sp. 136-139. 

392. Zur Etymologie des Wortes i/.vbrjwr:oc. Festschrift für A. Kägi 
(Frauenfeld 1919). S. 29—39. 

393. Zur Geschichte des Ausruf ungssatzes im Griechischen. IF 39, 114 
— 121. 

394. Dissimilation bei garderobe und parterre. IF 39. 130. 

395. oixelv als Aorist zu [iällv.v. IF 39/40. 



152 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

396. Böotisch mxeöojv. IF 39/40. 

397. Griech. oi- als sinnverstärkendes Vorderglied in Nominalkomposita. 
(Unvollendet) IF 39/40. 

398. Lat. humus. IF 39,40. 

399. Lat. severus. IF 39/40. 

400. Grundriß der vgl. Grammatik der idg. Sprachen. Syntax des ein- 
fachen Satzes (erscheint später). 

München. Wilhelm Streitberg. 



Otto Schrader. 

Mit Otto Schraders Heimgang am 21. März 1919 bat 
ein •Gelehrtenleben sein Ende gefunden, für das so treffend 
wie nur je das Wort gilt: „Wenn es köstlicb war, dann war 
es Müb' und Arbeit." Schrader wurde am 28. März 1855 
zu Weimar geboren, besuchte dort das Gymnasium und stu- 
dierte dann in Jena, Leipzig und Berlin. In Leipzig pro- 
movierte er 1878 und wurde 1879 am Gymnasium in Jena 
angestellt. 1887 habilitierte er sich an der dortigen Univer- 
sität, wurde ebenfalls in Jena 1890 außerordentlicher und 
1909 in Breslau ordentlicher Professor. Nimmt man viel- 
leicht zwei größere Studienreisen nach Rußland aus, so scheint 
sich das übliche Bild eines normal verlaufenen Gelehrtenleben8 
zu bieten. 

Und doch liegt in ihm eine stille Tragik. Bis kurz vor 
seiner Berufung nach Breslau war es Schrader nicht vergönnt, 
sich ganz seiner Wissenschaft hinzugeben. Bis dahin war er 
zugleich als Oberlehrer voll beschäftigt, ja zeitweise hat er 
daneben sogar noch an einer Privatschule unterrichtet. Es ist 
fast unbegreiflich und beweist eine ganz erstaunliche Arbeits- 
kraft und Ausdauer, wie er unter so schwierigen Verhält- 
nissen eine solche Fülle wertvoller wissenschaftlicher Arbeit 
leisten konnte. Es war eben nicht die Arbeit von Tagen, 
sondern von Nächten, und sie ging auf Kosten seiner Ge- 
sundheit. Als man ihm 22 Jahre nach seiner Habilitation 
endlich ein Ordinariat übertrug, als damit endlich der er- 
sehnte Augenblick gekommen war, da er hoffen durfte, frei 
von aller Brotarbeit sich ganz und ungeteilt seinen Studien 
hingeben zu können, da war seine Kraft gebrochen. Sein 
stetig fortschreitendes Leiden hinderte ihn immer mehr an 
der vollen Ausnutzung seiner Arbeitszeit und -kraft. 



A. Nehring, Otto Schradev. 153 

Es ist ein trauriges Bild, daß die maßgebenden Stellen 
über 20 Jahre lang nicht die Möglichkeit fanden, einein Manne 
die nötigen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, 
dessen Name bereits über die Grenzen Deutschlands hinaus 
unter den ersten seiner Wissenschaft genannt wurde. 

Im Kreise der Indogermanisten nimmt Schrader aller- 
dings eine besondere Stellung ein. Das eigentlich Gram- 
matische, die Formen- und Lautlehre, die Syntax, der Sprach- 
bau an sich, lag nicht in seinem Interessengebiet, es war ihm 
nur Mittel zum Zweck. Seine Doktordissertation ausgenommen 
(De vetere ä graece in r] mutato. Pars I: De vocali yj dia- 
lectorum Aeolodoricarum) ] ), ist mir jedenfalls keine Arbeit 
von ihm bekannt, die sich mit dem rein Formalen an der 
Sprache befaßte. Ihn fesseln sprachliche Erscheinungen nur 
als Ausdruck von Kulturerscheinungen, in erster Linie der 
Kulturinhalt des Wortschatzes, aber auch z. B. syntaktische 
Erscheinungen als sprachliche Ausprägung von Kulturtat- 
sachen oder Lautentwicklungen als Spiegel kulturgeschicht- 
licher Vorgänge. Aber — und hierin beruht seine eigentliche 
Bedeutung — er beschränkt sich nicht auf die Sprache und 
sucht nicht nur durch sie zu den „Sachen" vorzudringen, er 
betreibt die Sachforschung auch unabhängig von der Sprach- 
forschung und sucht nun die Ergebnisse beider für einander 
fruchtbar zu machen. Mit einem Wort: seine Arbeit gilt 
der Erschließung der alten idg. Kultur durch Kombination 
der Ergebnisse verschiedenartigster Wissenszweige. 

Dabei ist es interessant, wie er diese Aufgabe behandelt. 
Abgesehen von einzelnen kleineren Arbeiten, vielfach Gelegen- 
heitsarbeiten, sucht er das große Gebiet idg. Kultur in der 
Hauptsache nicht durch Herausgreifen einzelner Teilgebiete 
zu erforschen. Sein Blick ist immer auf das Ganze zugleich 
gerichtet. So kommt es, daß seine Arbeiten keine Aufein- 
anderfolge von Einzelproblemen bieten , sondern von dem 
ersten Vortrag, den der Student über „Sprachwissenschaft 
und Kulturgeschichte" auf der Leipziger Philologenversamm- 
lung hielt, angefangen, über seine Antrittsvorlesung „Über 
den Gedanken einer Kulturgeschichte der Idg. auf sprach- 
wissenschaftlicher Grundlage", über „Sprachvergleichung und 
Urgeschichte" bis zum „Reallexikon der idg. Altertumskunde" 

*) Ich werde nur einzelne charakteristische Schriften Schradera an- 
führen. Eine zusammenfassende Aufzählung sämtlicher Arbeiten bleibt 
einem späteren Zeitpunkt vorbehalten. 



154 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

bleibt die Erschließung der alten idg. Kultur in ihrer Ge- 
samtheit sein großes Thema. Sein Schaffen bewegt sich 
gleichsam in konzentrischen Kreisen, die immer von neuem 
von allen Seiten her dem Zielpunkt näherzukommen suchen. 

Ebenso unverrückbar wie das Ziel steht seine Methode 
von Anfang an fest. Wohl hat er ständig daran gearbeitet, 
sie zu verfeinern, neue Gesichtspunkte zu finden, alte auf 
Grund der Fortschritte der verschiedenen in Betracht kom- 
menden Wissenschaften kritisch nachzuprüfen. Die drei Auf- 
lagen von „Sprachvergleichung und Urgeschichte", dem me- 
thodischen Glaubensbekenntnis Schraders, legen davon ein 
beredtes Zeugnis ab. Aber als Ganzes steht seine Methode 
von Anfang an fertig da. Und es war schon an sich eine 
beachtenswerte Leistung, gerade in jener Zeit, ein solch wohl- 
begründetes und tragfähiges methodisches Gebäude zu er- 
richten, das mit der Vergangenheit endgültig brach und einer 
ganz neuen Epoche der Forschung tatkräftig zum Siege 
verhalf. 

Der Gedanke, aus der Sprache heraus die Kultur der 
Idg. zu erschließen, war ja nicht neu. Er hatte in der lin- 
guistischen Paläontologie bereits reiche Triumphe gefeiert. 
Aber deren Lebenskraft war im innersten Mark getroffen, seit 
Viktor Hehn mit seinen „Kulturpflanzen und Haustieren" 
den schlagenden Beweis erbracht hatte, daß ihre Methode zu 
Zerrbildern der idg. Kultur führe, daß man diese Kultur nicht 
ausschließlich aus der Sprache erschließen, ja daß die Sprache 
nicht einmal den Ausgangspunkt für derartige Untersuchungen 
bilden dürfe, sondern historische, quellenmäßige Forschung, 
während der Sprachwissenschaft die immer noch genügend 
bedeutsame Aufgabe der Kontrolle, Ergänzung und Begründung 
der gewonnenen Ergebnisse zufalle. Das heißt, an die Stelle 
der rein linguistischen war die historisch-linguistische For- 
schung getreten. Doch die Mahnungen Hehns blieben zunächst 
erfolglos, ja die Anteilnahme war überhaupt für längere Zeit 
durch bedeutsame Umwälzungen auf dem Gebiete der rein 
formalen Grammatik von diesen Fragen abgelenkt. Hier 
darf nun Schrader ein doppeltes Verdienst für sich in An- 
spruch nehmen. Einmal hat er mit „Sprachvergleichung und 
Urgeschichte" nachdrücklich das Interesse wieder auf die 
historisch -linguistischen Studien hingelenkt. Und da er auf 
dem Boden V. Hehns steht, so hat er — zumal bei der 
reichen Anerkennung, die dieses Buch im großen und ganzen 



A. Nchring, Otto Schrader. 155 

fand — den Hehnschen Anscliauungen ein für alle Male 
zum Siege verholfen. 

Dabei ist er keineswegs ein blinder Anhänger Hebns, ja 
er geht sogar weit über ihn hinaus. Hatte V. Hehn nur die 
historische Forschung mit der linguistischen verbinden wollen, 
so steht bei Schrader schon in der 1. Auflage von „Sprach- 
vergleichung und Urgeschichte' - (S. 210) der programmatische 
Satz: ..Die Sprachvergleichung allein ist nicht imstande, die 
vorhistorische Kultur der Idg. zu erschließen; sollen wir auf 
diesem schwierigen Gebiete Schritt für Schritt vorwärts kom- 
men, so kann dies nur geschehen, wenn sich Sprachforschung, 
Prähistorie und Geschichtsforschung zu gemeinsamer Arbeit 
schwesterlich die Hände reichen." Aber auch die Hinzu- 
fügung der von Hehn noch sehr mißtrauisch betrachteten 
Prähistorie genügt ihm noch nicht: Anthropologie, Volks- und 
Völkerkunde, Rechts- und Naturwissenschaft etc. werden 
herangezogen. Und bewegt sich Schrader auch naturgemäß 
nicht auf allen diesen Gebieten mit der gleichen Freiheit: 
M'ie wäre dies auch — noch dazu bei so unglücklichen Ar- 
beitsverhältnissen — für einen einzelnen möglich? 1 ) Außer- 
dem mußte gerade so jungen und vielumstrittenen Wissen- 
schaften wie etwa der Prähistorie gegenüber Zurückhaltung 
ein dringendes Gebot sein. Das "Wesentliche bleibt es jeden- 
falls, daß die Notwendigkeit der Zusammenfassung so viel- 
seitiger Gebiete als methodischer Grundsatz betont wird, daß 
an die Stelle der einseitigen linguistischen Paläontologie die 
auf breitester Grundlage fest basierte Indogermanische 
Altertumskunde getreten ist. 

Freilich ist Schrader der Vorwurf gemacht worden, er 
habe zunächst selber noch zu stark in den Fesseln der lin- 
guistischen Paläontologie gelegen, so von Streitberg (Lit. 
Zentralbl. 1906 Nr. 24; Frankfurter Zeitg. v. 11. April 1919). 
Streitberg spricht von einem vollständigen Frontwechsel, den 
Schrader selbst bekenne, wenn er in der 1 . Auflage von „Sprach- 
vergleichung und Urgeschichte" (Vorw. S. V) schreibt: „Es 
gibt .... eine linguistische Paläontologie", aber in der 3. Auf- 
lage (I S. 228): „Die linguistische Paläontologie als selb- 
ständiger Wissenszweig ist tot." Ich kann dieses Urteil 
Streitbergs nicht unterschreiben. Die Beweisführung Schraders 

') übrigens hat seine Arbeit auf juristischem Gebiet durch die 
Verleihung des Dr. jur. h. c. von der Berliner Juristischen Fakultät eine 
beachtenswerte Anerkennung gefunden. 



156 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

ist schon in der 1. Auflage des genannten "Werkes himmel- 
weit von der Methode der linguistischen Paläontologie entfernt, 
und auch die von Streitberg gegenübergestellten Sätze zeigen 
durchaus keinen Widerspruch, wenn man den ersten Satz im 
Zusammenhang liest. Es heißt S. V wörtlich: ..Wie der 
Archäologe mit Hacke und Spaten in die Tiefe der Erde 
hinabsteigt, um in Knochen, Splittern, Steinen die Spuren 
der Vergangenheit zu enthüllen, so hat der Sprachforscher 
den Versuch gemacht, aus den Trümmern der Wörter .... 
das Bild der Vorzeit wiederherzustellen. Es gibt mit einem 
Wort eine linguistische Paläontologie." Schrader stellt also 
hier nur das Bestehen einer Wissenschaft dieses Namens und 
dieser Art fest, sagt aber nichts davon, daß er ihr beipflichte. 
Vielmehr geht seine ablehnende Haltung deutlich aus den 
folgenden Sätzen hervor. 23 Jahre später aber konnte er 
mit Recht und Fug behaupten, ..daß die linguistische Paläon- 
tologie als selbständiger Wissenszweig tot ist". Nicht zuletzt 
seine eigenen Arbeiten hatten ihr das Grab geschaufelt. Einen 
Frontwechsel kann ich in diesen rein geschichtliche Tatsachen 
feststellenden Äußerungen nicht erkennen. 

Streitbergs sachliche Widersprüche sind natürlich nicht 
die einzigen; den schärfsten und leidenschaftlichsten Wider- 
spruch fand Schrader bei P. v. Bradke. Aber die weitaus 
größte Zahl der Kritiker, darunter Männer wie Bruginanu, 
Geiger, G. Meyer. Steinthal, Tomaschek waren des Lobes 
voll. Auch V. Helm hat in wannen Briefen an Schrader seine 
Anerkennung der Leistungen und der Methode ausgesprochen. 
Danach scheint diese von der eigenen Hehnschen Methode 
doch nicht so ganz verschieden gewesen zu sein, wie dies 
etwa P. v. Bradke glauben machen wollte. 

Nicht minder bedeutsam war der Erfolg des zweiten 
großen Werkes, des Reallexikons der indogermanischen Alter- 
tumskunde (1. Auflage Straßburg 1901-, 2. Auflage seit 1917 
im Erscheinen). 

Die Tendenz ist hier etwas anders als in „Sprachver- 
gleichung und Urgeschichte". Allerdings gibt auch das Real- 
lexikon in seiner Gesamtheit ein Bild von der Kultur des 
idg. Altertums, aber Schrader sieht in ihm hier nicht sein 
eigentliches Ziel, sondern nur den Boden, auf dem er sein 
Gebäude der Grundzüge einer Kultur- und Völkergeschichte 
Alteuropas errichtet. Gegenstand der Forschung sind in 
erster Linie die europäischen Idg. Sprache und Kultur der 



A, N eh ring, Otto Schrader. 157 

asiatischen Idg. werden zwar überall herangezogen, aber nur 
zur Erklärung und Ergänzung europäischer Verhältnisse, die 
aus der Urzeit heraus geschichtlich entwickelt werden. 

Bei dieser Themastellung mußte unter den methodischen 
Grundsätzen einer stark hervortreten, dessen hohe Bedeutung 
Schrader überhaupt immer nachdrücklicher betont (vgl. be- 
sonders „Sprachvergleichung und Urgeschichte" I 3 Kap. 8). 
Wo es darauf ankommt, einen gemeinsamen Urzustand ver- 
schiedener Völker zu erschließen, wird das sprachliche Ma- 
terial in der Hauptsache in den Wortgleichungen bestehen, 
die die inter- oder richtiger subnationalen Beziehungen wieder- 
spiegeln. Wo es jedoch gilt, die Entwicklung innerhalb einer 
einzelnen Nation zu verfolgen , da steht naturgemäß das 
Einzelwort der Einzelsprache im Vordergrund. Es ist der Be- 
deutungswandel jedes Kulturwortes historisch zu überblicken, 
um an ihm rückwärtsschauend bis zu dem vorzudringen, „was 
man als die ,Zelle' oder das .Merkmal' eines Wortes bezeich- 
nen kann, d. h. zu derjenigen dominierenden Vorstellung, 
welche einem Begriffe seine sprachliche Bezeichnung gegeben 
hat" („Sprachvergleichung und Urgeschichte" II 3 201), um 
dann von hier aus wieder vorwärtsschauend an der Bedeu- 
tungsentwicklung die Kulturentwicklung abzulesen. Indem 
Schrader nun hier den kulturhistorischen Wortschatz der idg. 
Sprachen zum erstenmal in seiner Gesamtheit vorzulegen 
sucht, macht er von diesem Mittel — natürlich immer unter 
Heranziehung sachlicher Gesichtspunkte — den reichlichsten 
und glücklichsten Gebrauch. Erörterungen wie die über lat. 
vindex kann man geradezu als Muster derartiger Unter- 
suchungen ansehen. 

Überhaupt liegt gerade in dieser Betrachtungsweise eine 
der stärksten Seiten Seh raders. Es zeigt sich hier wie auch 
bei seinen Etymologien, daß er zu jenen auserwählten Sprach- 
forschern gehört, denen ein Gefühl für etymologische Zu- 
sammenhänge innewohnt. Etymologisieren ist für ihn nicht 
ein algebraisches Manipulieren mit Lautverschiebungen, kein 
theoretisches Konstruieren, er hat gleichsam in den Finger- 
spitzen einen natürlichen und ausgeprägten Tastsinn für die 
Zusammenhänge. Er weist selbst einmal („Sprachvergleichung 
und Urgeschichte" II 3 232) darauf hin, daß der Forscher 
auf dem Gebiete der idg. Altertumskunde derjenigen Kraft 
seines Geistes nicht entbehren könne, „die die einzelnen Tat- 
sachen, die seine Quellen darbieten, zu großen, in letzter 



168 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

Instanz nur durch eine gewisse Intuition erfaßbaren und 
aktenmäßig nicht belegbaren Zusammenhängen vereinigt — 
der Phantasie, natürlich einer mit dem Tatsächlichen durch- 
tränkten und durch dieses geläuterten und geklärten Phan- 
tasie". Gerade der Etymologe scheint mir dieser Kraft zu 
bedürfen. Etymologien aufstellen ist im Grunde überhaupt 
nichts anderes als das freie Spiel einer mit dem Tatsächlichen 
durchtränkten und durch sie geläuterten und geklärten 
Phantasie. Schrader besaß sie in reichem Maße. Für ihn 
waren eben die Worte nicht nur eine Summe von Lauten, 
sondern ein sinnvoll lebendiger Organismus, erwachsen und 
atmend in dem Dunstkreis einer bestimmten Kulturvorstellung. 
Und gerade für diese Lebensluft des Wortes hatte er ein 
instinktives Gefühl. Dazu verhalf ihm aber auch eine glän- 
zende kulturhistorische Begabung. Auch die Kulturgeschichte 
war ihm nicht eine Summe äußerlich aneinandergereihter 
Tatsachen, ihm hatte sich die Kultur der Urzeit als Ganzes 
in ihrem Wesen erschlossen, und er besaß ein feines Ver- 
ständnis für die Gesetze aller Kulturentwicklung überhaupt. 
Es ist ihm, besonders wohl von Hirt und Streitberg, 
vorgeworfen worden, er stehe der Völkerkunde fremd gegen- 
über und käme darum zu schiefen Aufstellungen. Dieser 
Vorwurf ist nur sehr teilweise richtig. Schrader hat den 
Wert des von der vergleichenden Völkerkunde erarbeiteten 
Stoffes für die idg. Altertumskunde durchaus nicht geleugnet, 
aber freilich auch nie einen Hehl daraus gemacht, daß er 
der Verwertung für seine Wissenschaft skeptisch gegenüber- 
stehe. Sein Standpunkt ist jedoch von dem seiner Gegner 
im Grunde genommen nur methodisch, nicht prinzipiell ver- 
schieden. Er will nicht von der breiten Grundlage des all- 
gemeinen ethnologischen Materials aus an das idg. Altertum 
herantreten — die Erfahrungen z. B. in der Frage des Mutter- 
rechtes waren ihm ein zu deutlich warnendes Beispiel — . 
sondern den Blick fest auf das idg. Altertum gerichtet, sucht 
er festzustellen, was sich hier als historisch gesichert ermitteln 
läßt, um dann erst, wo es nötig ist, bei der vergleichenden 
Völkerkunde Aufschluß und Ergänzung zu suchen. Und auch 
dann zieht er es vor, das Verständnis nicht bei den Aschantis 
oder den alten Mexikanern zu suchen, sondern in den bis 
zur Gegenwart bewahrten Zügen ursprünglicher Kultur bei 
den idg. Völkern selbst; d. h. höher als die Völkerkunde 
stellt er die Volkskunde. Nirgends aber haben sich bei den 



A. N eh ring, Otto Schrader. 159 

idg. Völkern der Gegenwart die ursprünglichen Zustände so 
rein erhalten wie bei den Slaven. Darum hat Schrader, auch 
hier ein Anhänger Hehns, mit Eifer das russische Volkstum 
studiert, z. T. im Lande selbst. Noch höher vielleicht schätzte 
er die Bedeutung der Südslaven ein. 

Seine Zurückhaltung gegenüber der Völkerkunde beruht 
also keineswegs auf einem Nichtverstehenwollen oder -können 
als vielmehr auf einer wohlbegründeten Vorsicht. 

Aus demselben Motiv erklärt sich sein Verhältnis zur 
Prähistorie, soweit sie die Urheimatsfrage lösen will. Daß 
er nicht den Optimismus mancher Forscher geteilt hat, kann 
ich verstehen, und daß die Verschiedenheit in prinzipiellen 
Fragen zwischen den einzelnen Vertretern jener Wissenschaft 
ihn zu um so vorsichtigerer Zurückhaltung trieb, erscheint 
mir nur als ein Vorzug. 

Überhaupt ist die Vorsicht, die kritische Zurückhaltung 
wohl gerade die Eigenschaft, auf der der Wert seiner Arbeiten 
nicht zum kleinsten Teil beruht. Schrader gehört nicht zu 
denen, die sich von glänzenden Hypothesen blenden lassen, 
die das Geistreiche an fremden oder eigenen Schlüssen höher 
stellen als deren Zuverlässigkeit oder die etwa aus einseitiger 
Verliebtheit in ihr Forschungsobjekt zu dessen übertreibender 
und schönfärbender Bewertung kommen. Man merkt seinen 
Schriften wohl an, daß er das Bild der altidg. Kultur mit 
Wärme betrachtet, aber er ist frei von Sentimentalität und 
Verhimmelung; über allem steht die ruhige nüchterne Kritik 
der Tatsachen. Gerade das hat ihm die volle Anerkennung 
von Männern wie Job. Schmidt, Brugmann, Meriuger, Kluge 
verschafft. 

An dieser Stelle möge noch ein Wort über den Stilisten 
Schrader vergönnt sein. In einem Briefe V. Hehns an ihn 
steht der Satz: „Ehe ich schließe, müssen Sie mir erlauben, 
noch einen Vorzug Ihres Buches (nb. „Sprachvergleichung 
und Urgeschichte") geltend zumachen: ich meine den natür- 
lichen Stil, die klare Darstellung, das gute Deutsch." Ein 
solches Urteil aus dem Munde eines Stilkünstlers wie V. Helm 
will gewiß etwas besagen. Vielleicht die schönsten Blüten 
dieser Darstellungskunst sind die kleineren, mehr populär 
gehaltenen Schriften „Totenhochzeit" und „Schwiegermutter 
und Hagestolz". Schrader war in der Tat ein Meister des 
geschriebenen und ebenso des gesprochenen Wortes, freilich 
keiner von jenen, die uns mit allen klanglichen Mitteln der 



160 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

Rhetorik berauschen, aber einer von den wenigen, denen man 
mit innerem Behagen lauscht, die durch die Klarheit und 
Anschaulichkeit, durch schlichte Natürlichkeit, durch die 
Reinheit der Sprache und auch durch einen warmen Humor 
am rechten Ort gefangen nehmen. Am eindringlichsten aber 
wirkt sein Stil dadurch, daß er ein klarer Spiegel von dem 
ureigensten Wesen des Menschen ist. Fast möchte man 
meinen, daß in dem Sohne Weimars noch etwas von dem 
alten künstlerischen Geiste seiner Vaterstadt verkörpert war. 

So haben Form und Inhalt in gleicher Weise zum Er- 
folge der Schraderschen Arbeiten beigetragen. Leider durfte 
er das vollständige Erscheinen der 2. Auflage seines Real- 
lexikons nicht mehr erleben, in dem die Bausteine, die seine 
Lebensarbeit zusammentrug, zu einem neuen großartigen Ge- 
bäude zusammengefügt sind. An ihm läßt sicli die Bedeutung 
dieser Lebensarbeit für die Wissenschaft deutlich ermessen. 
Was Brugmann und sein Grundriß für die formale vergleichende 
Grammatik sind, das bedeutet Schrader und sein Reallexikon 
für die idg. Altertumskunde: Eine in ständigem Bemühen um 
die Verfeinerung der Methoden und die Vermehrung der Er- 
kenntnisse in der Arbeit eines Lebens geschaffene monu- 
mentale Zusammenfassung des Erreichten als Grundlage für 
weitere Forschung. 

Deshalb wird Schraders Name stets unter den Großen 
unserer AVissenschaft genannt werden, und die idg. Alter- 
tumskunde hat in ihm einen ihrer großen Führer verloren. 
Wer leitet nü die lieben schar? Wer ivteet das gesinde? 

A. N ehrin g. 

Ernst Zupitza. 

Der äußere Lebensgang von Ernst Otto Ludwig Zupitza 
ist schnell erzählt. Er war das einzige Kind des bekannten 
Anglisten Julius Zupitza (gest. 1895) und wurde am 17. März 
1874 in Oppeln, der oberschlesischen Heimat seiner Mutter, 
geboren. Sein Vater war seit 1872 Extraordinarius für die 
nordgermanischen Sprachen (besonders Englisch und Nordisch) 
in Wien, wurde aber schon 1876 als Anglist nach Berlin 
berufen. Der ungewöhnlich frühreife Sohn durchlief dort 
das Askanische Gymnasium und besuchte dann vom Herbst 
1891 an die Berliner Universität. Sein Studium galt anfäng- 
lich der Neuphilologie; daher verbrachte er auch das Sommer- 



A. Debrunner, Ernst Zupitza. 161 

semester 1893 an der Academie in Neuchätel „ad scientiam 
linguae Franco-gallicae excolendam", wie er im Lebenslauf 
der Dissertation sagt. Aber schon damals gehörte sein Herz 
einer andern Wissenschaft: auf einer seiner zahlreichen Reisen 
nach England schrieb er als Achtzehnjähriger in eine kym- 
rische Grammatik: „Zupitza student of comp, philology and 
phonetics bought in London 1892." So ist es kein Wunder, 
wenn er nach der Rückkehr aus Neuchätel nach Berlin sich 
ganz auf „arische, slavische, germanische und vergleichende 
Sprachwissenschaft" wirft. Am 15. April 1896 promovierte er 
in Berlin bei Johannes Schmidt mit einer umfangreichen 
Arbeit über die germanischen Gutturale. Dann setzte er 
seine Studien fort, namentlich die keltischen unter Heinrich 
Zimmer in Greifs wald. Den Abschluß bildete die Habilitation 
daselbst am 24. Februar 1900. Es war mehr eine Formsache: 
der Ruf seiner Dissertation und seiner Fähigkeiten hätte eine 
Habilitationsschrift zu einer lächerlichen Zeremonie gemacht. 
Nach dem ersten Dozentensemester habilitierte er sich nach 
Berlin um, kehrte aber schon Ostern 1902 nach Greifswald 
zurück, um als Extraordinarius den sprachwissenschaftlichen 
Teil der Lehraufgabe von H. Zimmer, der als Keltist nach 
Berlin berufen war, zu übernehmen. Greifswald ist er auch 
bis an sein Lebensende treu geblieben; hier fand er auch in 
Anna Tummeley seine Lebensgefährtin. Berufungen an andere 
Universitäten lehnte er ab, da er seine Nervenkraft einer 
großen Lehraufgabe nicht gewachsen fühlte. Auch in Greifs- 
wald mußte er seine Lehrtätigkeit mehrmals einschränken 
oder durch Urlaub unterbrechen. Kein Wunder, daß der 
seelische Druck des Kriegs für ihn zu viel war; das Gefühl, 
untätig zusehen zu müssen, wie gerade das Volk, mit dessen 
Kultur ihn von seinem Vater her ein besonderes Interesse 
verband und dessen Sprache er mit der Muttersprache in sich 
aufgenommen hatte, mit einer nur allzusehr unterschätzten 
folgerichtigen Zähigkeit das Netz um Deutschland enger und 
enger zusammenzog, lastete schwer auf ihm. Das Ende zu 
erleben blieb ihm erspart: eine akute Erkrankung raffte ihn 
am 13. Oktober 1917 dahin. 

Zupitzas Doktorarbeit setzte die wissenschaftliche Welt 
in nicht geringes Erstaunen. Der Umfang der Kenntnisse, 
der Scharfsinn in der Erfassung des Problems und die Gründ- 
lichkeit der Behandlung überstiegen weit die Anforderungen, 
die man an einen knapp 22jährigen Anfänger stellt. Eine 

Indogermanisches Jahrbuch. VH. jj 



162 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

oberflächliche Rückschau auf das "Werk kann leicht zu der 
Auffassung verleiten, seine eigentlichen Sätze seien heute zum 
größten Teil aufgegeben. In der Tat ist es Zupitza nicht 
gelungen, die herkömmliche Anschauung, daß ein indogerma- 
nischer Labiovelar im Germanischen zum reinen Labial werden 
könne, zu beseitigen. Auch die andere große These des 
ersten Teils, nach der aus einem Wechsel zwischen labialem 
und gutturalem Wurzeldeterminativ, der schon indogermanisch 
in einigen Fällen bestand, im Germanischen „ein wirkliches 
Prinzip abstrahiert und dasselbe zum Eange des konsonanti- 
schen Korrelats zum Ablaut erhoben" worden sein soll (S. 36), 
hat nur sehr begrenzte Zustimmung gefunden 1 ). Aber dar- 
über darf die große Leistung nicht übersehen werden: Die 
kurz zuvor von Bezzenberger und Osthoff festgestellten drei 
indog. Gutturalreihen werden von Zupitza fürs Germanische 
bestätigt und damit fürs Indog. wesentlich gesichert. Die 
Vertretung der einzelnen indog. Gutturale im Germanischen 
wird in umfassendster Weise festgestellt. Und welch uner- 
schöpfliche Fundgrube das Werk ist, davon kann man sich 
durch einen Blick in die etymologischen Wörterbücher über- 
zeugen; aus diesen wird Zupitzas Name nie verschwinden. 

Die glänzenden Erwartungen, die man beim Erscheinen 
der „Germanischen Gutturale'' auf den jungen Gelehrten 
setzte, erfüllten sich nicht: seine spätere wissenschaftliche 
Produktion nimmt sich wie ein wehmütiges Ausklingen der 
in der Dissertation so kräftig angeschlagenen Saiten aus. 
Schon nach dem Umfang reicht alles Spätere zusammen- 
genommen nicht an die Erstlingsarbeit heran; auch inhalt- 
lich bewegt es sich im selben Geleise, nur daß das Keltische 
stärker hervortritt. Der Schwerpunkt liegt auch da meist in 
einer verschwenderischen Fülle von Etymologien. 

Drei dieser Aufsätze haben etwas allgemeineres Interesse: 
1. KZ 35, 444 ff. „Da der lautlichen Möglichkeiten eine 
ganze Menge sind, ist es geboten, sich nach einem regulativen 
Prinzip umzusehen, das eine Auswahl ermöglicht" . . . „erst 
wenn alle Fingerzeige, die die Sprache selbst etwa gibt, be- 
merkt und gewürdigt sind, kann die Anfrage bei den ver- 



') Vgl. die Besprechungen des Buches: (Hartrnanu) Jahresb. üb. d. 
Genn. Phil. 18 (1896), 30; Streitberg LCB 1897 Nr. 5, F. Solmsen, Journ. 
of Germ. Phil. 1 (1897), 383 ff.; F. N. Finck, Anz. f. d. Altert. 25 (1S99), 
123 ff; H. Hirt, Idg. Forsch. 9(1898), 56 ff; A. Bezzenberger, Gott. Gel. 
Anz. 1898, 547ff.: K. Brugmann, Grundriß 2 ! 615f. 



A. Debrunner, Ernst Zupitza. 163 

wandten Sprachen ihren vollen Wert haben" (S. 445). Mit 
dieser Methode kommt Zupitza dazu, das irische Participium 
necessitatis auf -thi als Dativ des Zwecks auf idg. *-teiai eines 
Verbalabstraktums auf -ti- zu erklären („wohl richtig" Thurn- 
eysen Hdb. d. Altir. § 719; anders Pedersen Vergl. Gramm, 
d. kelt. Spr. 2, 410). 

2. Zeitschr. f. celt. Phil. 4, 1 ff. Gegen Alexandre Bertrand, 
der zwischen „Kelten" und „Galliern" einen tiefgreifenden 
Unterschied machen wollte. 

3. KZ 37, 387 ff. Durch die unangenehme Tatsache, daß 
die Gleichung got. haban, ahd. haben = lat. habere nach Be- 
deutung und Formenbildung äußerst verlockend, nach den 
Lautgesetzen unmöglich ist, läßt sich Zupitza daran erinnern, 
„daß . . . unsere Wissenschaft eben ausschließlich auf evidenten 
Gleichungen aufgebaut ist" (S. 387). Er stellt seitenlang Bei- 
spiele für Wechsel von Media aspirata und Tenuis im Idg. 
zusammen (nach Art von ai. hrd- = griech. xapö-ia) und schließt 
daraus S. 395: „Vielleicht kannte das Urvolk eine Zeit, als 
die Schwankungsbreite der Artikulationen ebenso groß war 
wie beim Papua", mit dem Sievers (Phonetik 4 § 682) Versuche 
anstellte. Weiter sind wir in der Deutung dieser „Unregel- 
mäßigkeiten" der Lautentsprechung heute keineswegs, wenn 
wir auch gegen Zupitzas Erklärungsversuch mißtrauisch sind. 

Es war mir nicht vergönnt, Zupitza als Lehrer oder als 
Menschen kennen zu lernen; aber die ihn gekannt haben, 
schätzten in ihm den äußerst anregenden Lehrer, der sich 
mit größter Hingabe fortgeschrittenen Spezialschülern widmete, 
und eine durch und durch feine, vornehme Natur, deren Be- 
scheidenheit von der fabelhaften Gelehrsamkeit nicht gestört 
wurde, einen Menschen, den gekannt zu haben einen wissen- 
schaftlichen und menschlichen Gewinn bedeutete. Die Sprach- 
wissenschaft, in erster Linie die Keltologie, wird ihn immer 
mit Stolz zu ihren genialsten Vertretern rechnen, aber auch 
immer bedauern, daß seine Feder nicht so rasch war wie 
sein Gedankenflug. 

Greifswald — Bern. A. Debrunner. 

Verzeichnis von Znpitzas Schriften. 

1. Die germanischen Gutturale. Berlin 1896 (Schriften zur germ. Phil., 
hsg. von M.Roediger, 8. Heft). 262 S. Der erste Teil »Kritik der 
Lehre vom Übergang indogermanischer labiovelarer Geräuschlaute in 
germanische reine Labiale" (47 S.) wurde als Dissertation gedruckt. 



164 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

2. Zeitschr. f. celt. Phil. 1 (1897), 466—470. Irisch reicc und creicc. 

3. PBr Beitr. 22 (1897), 574 f. Noch einmal got. alew. 

4. Ebenda 23 (1898), 237—239. Zu Beitr. 22, 543 ff. 

5. Z. f. c. Ph. 2 (1899), 189—192. i und j im Keltischen. 

6. BB 25 (1899), 89—105. Etymologien. 

7. KZ 35 (1899), 253—263 r, / im Keltischen. 263—265 Ip, rp im 
Keltischen. 265 — 271 "Wortdeutungen. 444 — 461 Das sogenannte 
Participium necessitatis im Irischen. 

8. KZ 36 (1900), 54—74. tr^t und tfnt. 202—245 Über Doppelkon- 
sonanz im Irischen. 

9. Z. f. c. Ph. 3 (1900/1), 275—282 Die Vertretung der «-Diphthonge 
im Irischen und Verwandtes. 591 — 594 Noch einmal der Diphthong au. 

10. Bursians Jahresberichte Band 111 (1901), 145 — 155. Nachruf auf 
Johannes Schmidt. 

11. Z. f. c. Ph. 4 (1903), 1-22. Kelten und Gallier. 

12. KZ 37 (1904), 387—406. Miscellen (Zur Ursprache, Zur Herkunft 
des slaviscben z, Zur Orutturalfrage, Altir. anmimm, Wortdeutungen. 

13. KZ 40 (1907), 250—255. Lit. naüjas. 

14. KZ 42 (1909), 66—81. Zur griechischen Vokalkontraktion. 

15. Einige Auflagen von Jul. Zupitzas Einführung in das Studium des 
Mittelhochdeutschen. 

16. Rezensionen: DLZ 1898, 105 f. (Meringer, Idg. Sprachwiss.), 463—465 
(Delbrück, Vergl. Syntax I. IL), 1297 f. (Karsten, Die gerat, schwachen 
e-Verben). DLZ 1899, 778f. (Flensburg, Studien über idg. Wurzel- 
bildung). Anz. f. d. Alt. 27 (1901), 91 f. (Osthoff, Suppletivwesen). 
Ebenda 28 (1902), 277 f. (Delbrück, Grundfragen der Sprachforschung), 
278 f. (Wundt, Sprachgeschichte und Sprachpsychologie). DLZ 1908, 

23—25 (Brugmann, Die distr Numeralia), 1759—1763 (Meillet, 

Les dialectes indo-eur.). W. f. kl. Ph. 26 (1909), 178 u. 310 (Stuhl, 
Das altröm. Arvallied ein urdeutsches Bittganggebet); 673 — 675 (Wörter 
und Sachen I). Ebenda 27 (1910), 846 f. (Feist, Europa im Lichte 
der Vorgeschichte). 



Kuno Meyer. 



Durch Kuno Meyers Tod am 11. Oktober 1919 ist in die 
ohnehin dünne, durch Todesfälle in der letzten Zeit erschreckend 
gelichtete Reihe der Keltologen eine klaffende Lücke gerissen, 
ein führendes Glied aus ihr ausgebrochen worden. 

Er war am 20. Dezember 1858 in Hamburg als Sohn des 
Gymnasiallehrers Eduard Meyer geboren, und ich darf für 
seine Jugendjahre und sein Privatleben auf den schönen Nach- 
ruf verweisen, den ihm sein Bruder Eduard Meyer in der 
Irischen Korrespondenz 1919 Nr. 9 — 10 gewidmet hat. Wir 
entnehmen ihm, daß sich der lebhafte Knabe schwer in den 
Schulzwang fügen konnte, so daß er mitten aus dem Johan- 
neuni heraus auf zwei Jahre (1874 — 76) als Amanuensis zu 



R. Thurneysen, Kuno Meyer. 165 

einem blinden deutschen Gelehrten in Edinburg ging, nach 
der Insel, die ihm später für lange Zeit eine zweite Heimat 
werden sollte. So hat er erst 1879 das Reifezeugnis in Leipzig 
erworben und dann dort — nachdem er noch einmal ein Jahr 
als Hauslehrer in einer englischen Familie in Lowestoft ver- 
bracht hatte — Germanistik namentlich bei Zarncke und ver- 
gleichende Sprachwissenschaft bei Brugmann und Windisch 
studiert. Ernst Windisch war es, der ihn in die keltische 
Philologie einführte und bei dem er 1883 mit der Ausgabe 
eines mittelirischen Textes, der Geschichte Alexanders des 
Großen (Ir. Texte II 2), promovierte; er ist seinem Lehrer, 
den er nur so kurz überleben sollte, bis an sein Ende in 
warmer Anhänglichkeit treu geblieben. Von 1884 bis 1911 war 
er am University College von Liverpool erst als Lektor für 
Deutsch, seit 18y5 als Professor für deutsche Sprache und 
Literatur tätig. Und da an sein Fach sehr geringe wissen- 
schaftliche Ansprüche gestellt wurden, konnte er es nach und 
nach fast ganz Lektoren überlassen und seine Zeit seinem 
Lieblingsgebiet, dem Keltischen, widmen, für das er gleichfalls 
einen Lehrauftrag erhielt. Ein schmerzvolles rheumatisches 
Leiden, das sich seit 1892 bei ihm einstellte und zu einer 
allmählichen Verkalkung gewisser Gelenke führte, raubte ihm 
mit der Zeit einen Teil seiner körperlichen, aber keineswegs 
seiner geistigen Beweglichkeit. Denn geistige Regsamkeit war 
ihm im höchsten Maße eigen; ein Anreger und Gründer ist 
er vor allem gewesen, zugleich dank seiner versöhnlichen Natur 
ein Vermittler und allzeit bereiter Helfer für seine Fachgenossen 
jedes Alters. Verkehr mit Menschen aller Art, den ihm seine 
wunderbare Unterhaltungsgabe und seine meisterhafte Hand- 
habung der englischen Sprache in Wort und Schrift erleichterte, 
eine ausgebreitete Korrespondenz, Reisen in keltischen und 
andern Gebieten waren ihm immer Lebensbedürfnis. So hat 
er seit 1897 zuerst mit Stern, dann allein die Zeitschrift für 
Celtische Philologie herausgegeben, 1900 mit Stokes das Archiv 
für Celtische Lexicographie gegründet (bis 1907 drei Bände), 
1903 die School of Irish Learning in Dublin ins Leben rufen 
helfen und deren Zeitschrift Eriu — zunächst zusammen mit 
Strachan — seit 1904 redigiert und durch mannigfaltige Vor- 
träge das Interesse für die keltische Literatur und ihre Schön- 
heiten zu beleben versucht. Nicht immer fielen seine An- 
regungen auf fruchtbaren Boden, und er klagte mir gelegent- 
lich, daß in dem benachbarten Wales das wissenschaftliche 



166 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

Interesse sich nicht über die Grenzen des engsten Vaterländ- 
chens hinaus erstrecken lasse. Um so mehr freute er sich, 
daß es ihm in Irland gelang, den glimmenden Funken zur 
hellen Flamme anzufachen; dem Irischen galt seine wissen- 
schaftliche Haupttätigkeit; Irland hatte er eigentlichst Hebend 
ins Herz geschlossen. Den häufigen Aufenthalt an Orten, 
die Bibliotheken mit irischen Handschriften besitzen, benützte 
er zum Abschreiben von Texten, und in unermüdlicher Heraus- 
gebertätigkeit ließ er selbst seine Vorgänger und Muster Stokes 
und Windisch hinter sich zurück, so daß an eine Aufzählung 
hier gar nicht gedacht werden kann. Der keltischen Philologie 
Stoff zu schaffen durch Abdruck von Literaturdenkmälern und 
so einen Einblick in den Reichtum der Überlieferung zu ge- 
währen, war sein vornehmliches Bestreben. Dabei versah er 
möglichst alle Werke, die ihm Wert und Eigenart zu haben 
schienen — und er besaß ein feines Gefühl für ihre Schön- 
heiten — mit guten Übersetzungen, und ihm verdanken wir 
es großenteils, daß sich das Verständnis der irischen Sagen- 
texte und der schwierigen alt- und mittelirischen Dichtung 
von Jahr zu Jahr mehr erschlossen hat. Dadurch wuchs 
seine Vertrautheit mit dem älteren irischen Wortschatze; das 
bezeugen u. a. seine Contributions to Irish Lexicography I 
(1906) und die lange Reihe seiner Aufsätze ,Zur keltischen 
Wortkunde' in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 
1912 — 1919. Weniger entsprach vielleicht seiner mehr künst- 
lerischen Veranlagung die eigentliche Grammatik und die durch- 
geführte, systematische Untersuchung. Aber die Ehre, die 
ihm dadurch widerfuhr, daß ihn die irischen Städte Dublin 
und Cork zum Ehrenbürger ernannten — eine Ehrung, die 
freilich während des Kriegs wieder rückgängig gemacht wurde — , 
hat er wahrlich voll verdient. 

Im Jahre 1911 wurde er auf den Lehrstuhl für keltische 
Philologie in Berlin als Nachfolger Zimmers berufen. So traf 
ihn der Bruch mit England durch den Krieg fern von den 
Inseln, auf denen er sich so viele Freunde und Bewunderer 
erworben hatte. Im Dienste seines Vaterlands hielt er sich 
von Ende 1914 bis Frühling 1917 in den Vereinigten Staaten 
von Amerika auf, um bei den dortigen Irländern durch Vor- 
träge und Verkehr Sympathie für Deutschland zu erwecken 
und rege zu erhalten; es hat Amerikas Eintritt in den Krieg 
nicht zu verhindern vermocht, ihm aber Schmähungen aus 
Frankreich und England in Fülle eingetragen, die er mit 



R. Hau, Edmund Crosby Quiggin. 167 

verwundertem Humor ertrug. Im Herbst 1919 auf einer Er- 
holungsreise in Leipzig von einer ernstlichen Verdauungs- 
störung befallen, mußte er sich einer Operation unterwerfen; 
am 11. Oktober machte ein Herzschlag seinem reichen Leben 
ohne Todeskampf ein Ende und raubte der keltischen Wissen- 
schaft eines ihrer tätigsten Mitglieder. 

Bonn. R. Thurneysen. 



Edmund Crosby Quiggin. 

Am 4. Januar 1920 verschied plötzlich in Warlingham 
(Surrey) der Professor für Deutsch am Caius College Cambridge 
Dr. Edmund C. Quiggin am Herzschlag. Geboren am 23. Au- 
gust 1875 in Cheadle (Staffordshire) als Sohn eines methodisti- 
schen Geistlichen, aus einer alten aus Man stammenden Fa- 
milie, die ihren Ursprung auf die keltischen Könige zurück- 
führte, studierte er in Bath und Cambridge (1893 — 97) mit 
Auszeichnung moderne Sprachen. Oktober 1897 kam er als 
Lektor für Englisch an die Universität Greifswald und widmete 
sich unter H. Zimmers Leitung dem Keltischen. Er promo- 
vierte 1900 mit der Dissertation: Über die lautliche Geltung 
der vortonigen Wörter und Silben in der Book of Leinster 
Version der Täin Bö Cüailnge. 1899 — 1900 studierte er in 
Leipzig vergleichende Sprachwissenschaft bei Brugmann, Hirt, 
Leskien, Lindner, Sievers und Windisch. Oktober 1900 erhielt 
er eine Fellowship am Caius College und 1911 die Stelle als 
Professor für Deutsch. 

Seine Studien konzentrierten sich neben der ausgebreiteten 
und aufreibenden Tätigkeit als Lehrer hauptsächlich auf die 
modernen irischen Dialekte und seine Ferien brachte er 
meist in abgelegenen Orten Irlands oder Schottlands oder der 
Bretagne zu. Die Hauptfrucht dieser Studien war das 1906 
erschienene Werk: A Dialect of Donegal, being the Speech 
of Meenawannia in the parish of Glenties: Phonology and 
Texts. Er war Mitarbeiter für Irisch bei der Neuauflage der 
Encyclopaedia Britannica und an dem Hoops'schen Real- 
lexikon der germanischen Altertumskunde. 

Bei Ausbruch des Weltkriegs wurde er in der englischen 
Zensurstelle in Boulogne verwendet. 1916 kam er ins Kriegs- 
ministerium zum Nachrichtenamt der Admiralität ; im April 1919 
nach Versailles zur Mitarbeit an der Friedenskonferenz. Unter 
der Last der Arbeit brach er dann zusammen und trotz auf- 



168 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

opfernder Pflege von seifen der Gattin und dauernder ärzt- 
licher Behandlung konnte er sich nicht wieder erholen. 

Alle, die mit ihm in näheren Verkehr traten, schätzten 
nicht nur sein tiefes Spezialwissen, was ja nur wenige von 
uns kontrollieren konnten, sondern auch seine ausgebreitete 
Belesenheit in den modernen Literaturen, vor allem im Deut- 
schen, das er völlig akzentfrei und mit einer staunenswerten 
Beherrschung auch der dialektischen Eigentümlichkeiten sprach, 
sein Interesse für alle Fragen der vergleichenden Sprachwissen- 
schaft und besonders seine Charaktereigenschaften: Schlicht- 
heit und Bescheidenheit im äußeren Auftreten, unverbrüchliche 
Wahrheitsliebe und Freude an harmloser Geselligkeit (er ver- 
kehrte gern und viel in den Studentenvereinen) und eine große 
Aufopferungsfähigkeit für seine Freunde, die er überall leicht 
gewann. Alle, die ihn gekannt haben, werden ihm ein dau- 
erndes Andenken bewahren. 

Gera. Dr. B. Bau. 



Persönliches. 



-j- am 9. Februar 1920 zu Wien der ord. Professor des 
Sanskrits an der Universität, Dr. Leopold v. Schröder, 
im Alter von 68 Jahren. 

-j- am 27. März zu Göttingen der ord. Professor des Sans- 
krits an der Universität, Dr. Hermann Oldenberg, im 
65. Lebensjahr. 

•J- am 21. August 1920 zu München der em. ord. Profes- 
sor der arischen Philologie an der Universität München, 
Dr. Ernst Kuhn, im 75. Lebensjahr. 



An der Universität Freiburg i. Br. habilitierte sich Dr. 
Hermann Ammann für idg. Sprachwissenschaft; desgl. an 
der Universität Köln Dr. J. Scheftelowitz. 

An der Universität München habilitierte sich Dr. Gerhard 
Gesemann für slavische Philologie. 

Der ao. Professor der vgl. Sprachwissenschaft an der 
Universität Kiel, Dr. Ernst Fränkel, wurde zum ord. Pro- 
fessor ernannt, desgl. der ao. Professor an der Universität 
Frankfurt a. M., Dr. H. Lommel. 



Persönliches. 169 

Dem ao. Professor an der deutschen Universität Prag, 
Dr. Reinhold Trautmann, wurde die neubegründete ord. 
Professur für slavische Philologie und vgl. Sprachwissenschaft 
übertragen. 

Der ord. Professor der arischen Philologie an der Uni- 
versität Erlangen, Dr. Wilhelm Geiger, ist als Nachfolger 
Ernst Kuhns an die Universität München übergesiedelt. Die 
Erlanger Professur ist dem ao. Professor an der Universität 
Königsberg, Dr. Julius v. Negelein, übertragen worden. 

Der ord. Professor der vgl. Sprachwissenschaft an der 
Universität Bern, Dr. Wilhelm Havers, wurde als Nachfolger 
Julius Jollys an die Universität Würzburg berufen. Die 
Berner Professur ist dem ao. Professor der vgl. Sprachwissen- 
schaft an der Universität Greifswald, Dr. A. Debrunner, 
übertragen worden. 

Der ord. Professor der idg. Sprachwissenschaft an der 
Universität München, Dr. Wilhelm Streitberg, wurde als 
Nachfolger Karl Brugmanns an die Universität Leipzig 
berufen. 

Der ord. Professor der vgl. Sprachwissenschaft an der 
Universität Rostock, Dr. Gustav Herbig, siedelt in gleicher 
Eigenschaft an die Universität Breslau über. 

Der ao. Professor der vgl. Sprachwissenschaft an der 
Universität München, Dr. Ernst Kieckers, ist als ord. Pro- 
fessor an die Universität Dorpat berufen worden. 



Am 30. September 1919 vollendete Adolf Kägi, früher 
Professor des Sanskrits und der vgl. Sprachwissenschaft an 
der Universität Zürich, das 70. Lebensjahr. 

Am 20. Februar 1920 beging Wilhelm Braune seinen 
70. Geburtstag. 

Am 6. Oktober feierte Eduard Sievers das goldene 
Doktorjubiläum, am 25. November den 70. Geburtstag. 

Am 14. April 1921 beging Friedrich Carl Andreas, 
Professor der vorderasiatischen Sprachen an der Universität 
Göttingen, den 75. Geburtstag. 



170 Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten. 

Georg Curtius-Stiftung. 

Der vorjährige Zinsertrag ist dem G-eneralredaktor des 
Thesaurus Linguae Latinas, Herrn Professor Dr. Gr. D iu- 
ra an n, zugesprochen worden, in Anerkennung seiner aus- 
gezeichneten Verdienste um den Thesaurus. 

Dr. W. Streitberg. Dr. A. Körte. Dr. R. Heinze. 



Bitte. 

Der Unterzeichnete richtet an alle Fachgenossen, 
ganz besonders aber an die des Auslandes, die 

dringende Bitte, ihn durch Zusendung von selbständig 
erschienenen Abhandlungen, Sonderabzügen, sowie auch 
durch Mitteilung von Titeln und Inhaltsangaben ihrer 
Schriften unterstützen zu wollen. Nur auf diese Weise 
wird es möglich sein, die angestrebte Vollständigkeit und 
Genauigkeit der Bibliographie zu erreichen. 
Leipzig, Schillerstr. 7. Wilhelm Streitberg. 



BERICHT DES VORSTANDES 
DER INDOGERMANISCHEN GESELLSCHAFT. 

Als der 1. Band des Indogermanischen Jahrbuches als 
Wahrzeichen der neugegründeten Gesellschaft Anfang des 
Jahres 1914 ausgegeben wurde, ahnte niemand, welche stürme 
bevorstanden. Der Kriegsausbruch erschütterte auch unsere 
Gesellschaft aufs schwerste und hemmte die Entwicklung. 
Aber wir wollten doch den Versuch machen, das begonnene 
Unternehmen fortzuführen. Es ist gelungen, wenn auch mit 
großen Mühen und nicht in der Vollendung, die wir erstrebt 
hatten. Sieben Bände des Jahrbuches liegen vor und sprechen 
für sich selbst. 

Die Zahl der erreichbaren Mitglieder wurde kleiner und 
kleiner und die Sorge um so größer. Der zweite Schriftführer 
der Gesellschaft, der für ihre Gründung seine ganze Arbeits- 
kraft und seine hohe Begeisterung für die Sache eingesetzt 
hatte, Albert Thumb, starb dahin; der erste Vorsitzende 
und Altmeister der Indogermanischen Sprachwissenschaft, 
Karl Brugmann, folgte ihm ins Grab; die Nachrufe in un- 
serem Jahrbuch auf eine Reihe bedeutender Forscher zeigen, 
wie schwer der Verlust dieser Männer unsere Wissenschaft 
und unsere Gesellschaft betroffen hatte'. Trotz der Schwere 
der Zeit und der Verluste wurde aber das Vertrauen in die 
Zukunft durch viele Anzeichen der Anhänglichkeit an die 
Gesellschaft immer wieder gestärkt und belebt, und nachdem 
das Schwerste überwunden ist, gilt es nun die Gesellschaft 
neu zu konstituieren. 

Wahlen konnten nicht stattfinden. Sie sind jetzt dringend 
notwendig, ebenso eine ausführliche Beratung über die Ziele 
unserer Gesellschaft. Diese erfolgt am besten in einer Ver- 
sammlung. Vom 27. — 30. September findet in Jena die 53.Ver- 



172 Bericht des Vorstandes der Indogermanischen Gesellschaft. 

Sammlung deutscher Philologen und Schulmänner statt, an 
der auch wohl manche unserer Mitglieder teilnehmen werden. 
Wir schlagen deshalb vor, am 27. September in Jena die 
Versammlung unserer Gesellschaft abzuhalten, dort die Neu- 
wahlen vorzunehmen und alle sonstige Probleme zu beraten. 
Dort wird auch der Vorstand einen ausführlichen Bericht vor- 
legen. Nähere Angaben über diese Versammlung werden die 
Mitglieder noch erhalten. 

Zu dem folgenden Kassenbericht noch ein paar Worte. 
Er wird hier zum erstenmal ausführlich erstattet und zeigt 
den Entwicklungsgang unserer Gesellschaft. Bald nach der 
Gründung hatte sie 303 Mitglieder. Das Jahrbuch Band 6 
wurde 203 Mitgliedern zugestellt. Erst nach Ausgabe dieses 
7. Bandes wird sich zeigen, wie weit die Mitgliederzahl sich 
wieder erhöht. Sie ist erfreulicherweise im Steigen begriffen 
und namentlich ist der Nachbezug der bisher erschienenen Bände 
recht rege. 

Die Kosten des Jahrbuches wuchsen von Jahr zu Jahr 
und seine Existenz war wiederholt in Frage gestellt. Da 
konnten wir uns der Hilfe der Heidelberger Akademie der 
Wissenschaften, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften 
in Leipzig, der Bayerischen Akademie in München und der 
Sächsischen Forschungsinstitute in Leipzig erfreuen. Sie be- 
willigten jährlich die in dem Kassenbericht genannten Be- 
träge, damit die Honorare an die Bearbeiter der Bibliographie 
gezahlt werden konnten. Den hochherzigen Spendern sei der 
aufrichtige Dank unserer Gesellschaft hier noch einmal aus- 
gesprochen. 

Der Kassenbestand, der für den 1. Januar 1921 ange- 
geben ist, ist nur scheinbar ein günstiger. Die Gesellschaft 
hat noch die Exemplare von Band 7 des Jahrbuches, für den 
sie die Mitgliederbeiträge größtenteils schon vereinahmt hat, 
zu beziehen und die Honorare an die Mitarbeiter zu zahlen. 
Bei den jetzigen hohen Herstellungskosten wird dieser Betrag 
den Kassenbestand um mehr als das Doppelte übersteigen. 
Der 8. Band kann also nur in Angriff genommen werden, 
wenn durch das Anwachsen der Mitgliederzahl das tatsächlich 
bestehende Defizit wieder ausgeglichen wird. Wir bitten also 



Bericht des Vorstandes der Indogermanischen Gesellschaft. 173 

unsere Mitglieder und Freunde dringend um Werbung neuer 
Mitglieder. 

Dieser 7. Band des Jahrbuches erscheint mit einer be- 
trächtlichen Verspätung, weil ein Teil des Satzes bereits in 
in einer Druckerei in Straßburg fertiggestellt war und erst 
Ende 1919 zum Druck gebracht werden konnte. Der 2. Teil 
des Bandes konnte dann im Satz nur langsam gefördert werden, 
weil die Akzente fehlten und erst neu geschnitten werden 
mußten. Auch mit dem Berichtsjahr sind wir in Rückstand 
gekommen, da der Umfang des Jahrbuches nicht über eine 
Grenze von etwa 10 Bogen herausgehen konnte. Wir wollen 
aber dieses Versäumnis wieder einholen. Es ist beabsichtigt, 
im 8. Bande, der als Jahresgabe für die Jahre 1920 und 1921 
erscheinen soll, die Bibliographie 1918 und 1919 zusammen- 
zufassen. Eine Erhöhung der Jahresbeiträge auf M. 15. — , für 
die Jahre 1920 und 1921 zusammen also M. 30. — , ist aber uner- 
läßlich. (Zahlungen sind zu richten an die Vereinigung wissen- 
schaftlicher Verleger Walter de Gruyter & Co., Berlin W 10, 
Genthinerstr. 33 oder an die Diskonto-Gesellschaft Depositen- 
kasse Berlin W 35, Lützowstr. 33/36 mit der ausdrücklichen 
Bezeichnung: „Konto der Vereinigung wissenschaftlicher Ver- 
leger, Separatkonto Indogermanische Gesellschaft.") 

Mit der Gesellschaft für deutsche Philologie, die den 
germanischen Jahresbericht herausgibt, haben wir uns über 
ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Die Not zwingt zu 
solcher gemeinsamen Arbeit und zur Vermeidung aller doppelten 
Publikationen. Der germanische Jahresbericht wird fortan 
auf die indogermanischen Teile seiner bisherigen Bibliographie 
verzichten und diese dem Indogermanischen Jahrbuch allein 
überlassen, während wir unsererseits nur noch das Allgemein- 
Germanische behandeln werden. Beide Bibliographien ergänzen 
also fortan einander. Über sonstige Reformen kann bei der 
Versammlung dieses Jahres verhandelt werden. 

J. Wackernagel. W. Streitberg. A. Walde. 



KASSENBERICHT 
DER INDOGERMANISCHEN GESELLSCHAFT. 

Vereinsjahre 1912—1916. 



Einnahmen : 
Stiftungen Mk. 

303 Mitgliederbeiträge, davon 2 ä Mk. 5. — , 

für das Jahr 1913 (Jahrb. Bd. I) . . 
262 Mitgliederbeiträge, davon 2 ä Mk. 5. — , 

für das Jahr 1914 (Jahrb. Bd. II) . . 
215 Mitgliederbeiträge, davon 2 ä Mk. 5. — , 

für das Jahr 1915 (Jahrb. Bd. HI) . . „ 
156 Mitgliederbeiträge für das Jahr 1916 

(Jahrb. Bd. IV) „ 

Zinsgutschriften „ 

Doppelte Zahlung „ 

Mk. 12 419.55 



2 600.— 

3 015.89 

2 611.80 

2 140.— 

1 560.— 

477.11 

14.75 



Ausgaben: 

Für Bezug des Jahrbuchs Bd. I . . 

n n n » n -1-1 

» » n » » J-J-J- 

Bank- und Portospesen, Drucksachen 
Kauf von Wertpapieren (nominal Mk. 2000 
Rückzahlung doppelt bezahlten Betrages 



Mk. 



2 486.50 
2 747.94 
2 619.50 
664.27 
l 945.— 
14.75 



Barbestand 



Mk. 10 477.96 

1941.59 

Mk. 12 419.55 



Kassenbericht der Indogermanischen Gesellschaft. 175 

Vereinsjahr 1917. 

Einnahmen : 

Barbestand am 1. Januar 1917 .... Mk. 1941.59 

Wertpapiere „ 2 000.— 

Eingegangene Mitgliederbeiträge : 
für Bd. I 9 Expl. Mk. 90.— 

. . n io „ „ loo.— 
„ „m n „ „ iio.- 

„ „IV 56 „ „ 554— (W 5 ^-) 

„ „ V 149 „ „ 1490.- 

„ „ VI 2 „ „ 20.- „ 2 364.- 

Zuschuß der Heidelberger Akademie für Hono- 
rare „ 400. — 

„ „ Sächsischen Forschungsinstitute, 

Leipzig „ 400. — 

„ „ München er Akademie d. Wissen- 
schaften „ 200. — 

„ „ Sächsischen Akademie der Wis- 
senschaften „ 400. — 

Zinsen „ 160.76 

Einbanddecken „ 4.20 

Mk. 7 870.55 

Ausgaben : 

Vergütung für Bezug des Jahrbuches Bd. IV Mk. 2141.20 
Nachbezug der Jahrbücher für neue Mit- 
glieder „ 242.02 

Honorar für Redaktion und Mitarbeiter Jahrb. 

Bd. IV „ 877.90 

Bank- und Portospesen „ 12.43 

Mk. 3 273.55 
Bestand: laufendes Konto Mk. 2097. — 
festes Konto ... „ 500. — 
Wertpapiere nominal „ 2 000. — „ 4 597.— 

Mk. 7 870.55 



176 



Kassenbericht der Indogermanischen Gesellschaft. 



Vereinsjahr 1918. 



Einnahmen: 

Barbestand Mk. 

Festes Konto „ 

Wertpapiere nominal „ 

Mitgliederbeiträge : 



für Bd. I . . . 6 Expl. Mk. 60.- 


n 


„ II . . . 8 „ „ 80.— 


n 


„III. . . 10 „ „ 100.- 


?» 


„ IV ... 12 „ , 120.- 


n 


„ V. . . 56 „ „ 560.- 


11 


„ VI ... 123 B „1 230.— 


n 


„VH. . . 3 „ „ 30.— 


Zuschuß der Heidelberger Akademie . . 


n 


n Kgl. Sachs. Akad. d. Wissen- 






n 


„ Münchener Akademie d.Wissen- 






ji 


„ Sächsischen Forschungsinsti- 






Einban 




Zinsen 





2 097. 

500. 

2 000. 



2 180.— 
400.— 

400.— 

200.— 



.90 

iE 
Mk. 8 383.27 



500. 
3. 
102. 



Ausgaben: 

Bezug des Jahrbuches Bd. V für Mitglieder 
Nachbezug von Jahrbuch Bd. I— IV für neue 

Mitglieder 

Einbanddecken 

Honorare für Bd. V des Jahrbuches . . . 
Portoauslagen, Drucksachen, Bankspesen etc. 



Bestand: laufendes Konto 
festes Konto . 
Wertpapiere 



Mk. 1 534.90 

507.25 

„ 2 000.— 



Mk. 2 500.— 

492.50 

6.10 

1 138.80 

203.72 

Mk. 4 341.12 



4 042.15 



Mk. 8 383.27 



Kassenbericht der Indogermanischen Gesellschaft. 



177 



Yereinsjahr 1919. 

Einnahmen: 

Barbestand: laufendes Konto Mk. 1 534.90 

festes Konto „ 507.25 

"Wertpapiere (nominal) „ 2 000. — 

Zinsen „ 135.30 

Mk. 4 177.45 

Aasgaben: 

Bankspesen Mk. 7.20 

Mk. 7.20 
Bestand: laufendes Konto . Mk. 1 663. — 
festes Konto . . „ 507.25 

Wertpapiere . . „ 2 000.— „ 4170.25 

Mk. 4 177.45 



Vereinsjahr 1920. 

Einnahmen: 

Bestand am 1. Januar 1920 

Festes Konto (in Straßburg beschlagnahmt) 

Wertpapiere (nominal) 

8 Mitgliederbeiträge für Jahrb. Bd. I 



11 
17 
19 
27 
71 
133 
10 



II 

III 

IV 

V 

VI 

VII 

VIII 



Zuschuß der Heidelberger Akademie . . 

„ „ Sachs. Akad. u. der Sächsischen 

Forschungsinstitute Leipzig 

Zinsen 

Anteil am Kein gewinn des Absatzes der 

Jahrbücher 

Indogermanisches Jahrbuch. VU. 



Mk. 


1663.— 


M 


507.25 


n 


2 000.— 


n 


318.48 


n 


468.31 


n 


680.84 


„ 


748.84 


n 


995.16 


»i 


1 788.73 


7) 


3 163.62 


n 


288.51 


>? 


400.— 


n 


700.— 


n 


178.70 


M 


276.57 


Mk. 


14178.01 



12 



178 Kassenbericht der Indogermanischen Gesellschaft. 

(Fortsetzung zu Vereinsjahr 1920.) 

Ausgaben: 

Restrechnung für Bezug von Jahrbuch Bd.V Mk. 1 160.33 

Nachbezug der Jahrbücher I— V für neue 

Mitglieder „ 748. — 

Bezug d. Expl. d. Jahrb. für die Mitglieder 

(Bd. VI) 4 433.52 

Honorare an die Mitarbeiter „ 910.05 

Zirkulare, Mahnkarten, Porto und Bank- 
spesen ,, 609.35 

Mk. 7 861.25 
Bestand: laufendes Konto . Mk. 3774.86 
festes Konto . . . „ 541.90 
Wertpapiere . . . „ 2000.— „ 6 316.76 

Mk. 14 178.01 



Bestand am 1. Januar 1921. 
Barbestand: 

laufendes Konto Mk. 3 774.86 

festes Konto (in Straßburg gesperrt) . . „ 541.90 

Wertpapiere (nominal) „ 2 000. — 

Mk. 6 316.76 






Autorenregister zur Bibliographie 1917. 



Abbott, F. F. The Pronunciation 
of a final Consonant when followed 
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Brate, E., Arne, F. J.. v. Friesen, 
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Herkunft. XI 45. 

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XI 19; 127; 

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XI 269. 

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Cledat, L. Manuel de phonetique 

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Gandiglio, A. L'uso ciceroniano 

di quaeso paratattico. IX 67. 
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den Totenbräuchen. XI 231. 
Gering, H. Artvs Fvtvtor. 1X90. 
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fricschen Homilien. XI 146. 
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Grancarov s. Jordanov u. Gr. 

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IX 152. 

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Jahre 1587. (cech.) XII 73. 

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der Klauselforschung. IX 40. 

Grujic. R. M. Lexikon der Ge- 
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der englischen Bibel. XI 147. 

Gummer us, H. Romerska kruk- 
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Günther, J. M. A. A Manual of 
English Pronunciation and Gram- 
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XI 148. 

— English Synonyms. XI 175. 
Güntert, H. Italisches Imperfekt. 

IX 10. 

— Zur o-Abtönung in den idg. 
Sprachen. IX 27. 

■ — Indogermanische Ablautprobleme. 
IX 26. 

Haegstad, M. Vestnorske maalfore 
fyre 1350. XI 105. 

Hallström, G. Notiser om häll- 
ristningar i södra delen av Göte- 
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Hamel van. A. G. Anlautendes 
v im As., Mnd., Mnl. XI 186. 

Hanke, L. Die Wortstellung im 
Schlesischen. XI 213. 

Hänninger,N. Fornskänsk ljudut- 
veckling. XI 127. 

Hansen, H. P. Kja?ltringsproget. 
XI 137. 

— Schul- und Kirchensprache in 
den schleswigschen Ständever- 
sammlungen XI 201. 

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fektum. IX 80. 

— Germanus. IX 49: 131. 
Harz, H. Die Umschreibung mit 

do in Shakespeares Prosa. XI 156. 



H auler, E. Frontos Lab eriuazi täte 
und sein Urteil über Seneca d. J. 
IX 88. 

Haus er. O. Die Germanen in 
Europa. XI 61. 

Havet, L. parcepromus. IX 56. 

— Lectulus lit de table. IX 96. 
Heinichen. F. A. Lat. -deutsches 

Schulvb. IX 84. 
Helm, K. Lollus? XI 54. 

— Seitenstetter Glossen. XI 235. 
Heraeus, W. Zu den lat. Medi- 
zinern. IX 140. 

— Zu Petronius und den neuen 
Arvalakten-Fragmenten. IX 158a. 

Herbig, G. Tyro und Flere. 1X4. 

— Bargina. IX 5. 

— Etruskisches Latein. IX 6. 

— Sommers Lat. Laut- und Formen- 
lehre 23 . IX 45. 

— D. Barbelenet, De l'aspect verbal 
en latin ancien. IX 81, 

Hermann, E. Italisches. IX 18. 

— Zur lat. und roman. Betonung. 
IX 35. 

— Beitr. zur lar. Syntax. IX 58. 
Heubner, C. De belli Hispaniensis 

Commentario quaestiones gram- 

maticae. IX 138 c. 
Heusler, A. Die Isländersagas als 

Zeugen germanischer Volksart. 

XI 69. 
Hilmer. H. Schalinachahmung. 

XI 236. 
Hirt, H. Etymologien. XI 21; 

123. XII 12. 

— Grammatisches. IX 47. XII 2. 
Hnatjuk, V. Ukrainische Tier- 
fabeln. XII 58. 

Hollstein, H. Ein Gedicht 
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Holmberg, J. Periphrastische 
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Germ. XI 12. 

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junktivs in der neuesten deutschen 
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Holthausen, F. Zu den germ. 
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nischem Wörterbuch. XI 43. 

— Die ältere Genesis. XI 165. 

— Kleinere altengl. Dichtungen. 
XI 166. 

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Sprache. XI 176. 



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Hrozny, F. Die Sprache der 
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nannte Königinhofer Handschrift 
geschrieben? (cech.) XII 66. 

Hruska, J. F. Chodische Erzäh- 
lungen. XII 80. 

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ihre Sprache. XII 81. 

Hujer, 0. Gramm. Miszellen. XII 

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Hylen, J. E. Ett fang danismer. 

XI 120. 

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Ilesic, Fr. Die Wurzel ved- als 
Partikel (kroat.). XII 49. 

Ujinskij, Gr. Zvuk ch v slav- 
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Imme, Th. Die deutsche Soldaten- 
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Isirkov, A. Bulgarien, Land und 
Leute. XII 25. 

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schen Landes (bulg.). XII 26. 

Ivanov, J. Die Bulgaren in Maze- 
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Jachmann, G. Zur Plautinischen 

Prosodie. IX 34. 
Jacobsohn, H. Got baurgs. XI 

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der mhd. Dichtung der Blütezeit. 

XI 238. 
Jacoby, E. Wandel von lat. ü zu 

y im Galloromanischen. IX 148. 
Jagic, V. Supplementum Psalterii 

Bononiensis. XII 24. 
Jakubec, J. Schriften des F. V. 

Hek. I. Gedichte (cech) XII 77. 
Janko, Jos. Zum cechischen 

etymol. Wb. XII 94. 
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schen Sprache. XII 103. 
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blettes d'execrations latines. IX 

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Jellinek, M. H. Geschichte der 

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lungen in der Wilstermarsch. XI 
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157/158. 

Jiriczek,0. L. Seifriedsburg und 
Seyfriedssage. XI 239. 

Joerden, O Das Verhältnis von 
Wort-, Satz- und Versakzent in 
Chaucers Canterbury Tales. XI 
149. 

Jordanov,V. und Gr&ncarov, D. 
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Juli i an, C. L'unite italo-celtique. 
IX 12. 

Jüthner, J. ceroma. IX 105. 

Ealinka, E. Partitives ab. 1X61. 

Kaikar, O. Ordbog til det seldre 

danske Sprog, H. 59 Tillaeg. 

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Karlön, S. Fennicismer i hapa- 
randasvenskan. XI 128. 

Kartowicz, J., Krynski, A., 
Niedzwiedzki, WI. Wörter- 
buch der polnischen Sprache. 

XII 102. 

Karsten, T. E. Germanar och 
Finnar i spräkets belysning. XI 
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Kaufmann, K. M. Handbuch der 
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matik. XI 3. 

— Deutsche Altertumskunde. XI 62. 

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Keim, H. W. Aepelwold und die 

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Kerkai, H, Quomodo Höratius 

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Kieckers, E. Zu lat. da, das. 

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Kiessling, Q. Höratius Flaccus. 

Oden und Epoden. 6. Aufl. 1X117. 
Klaeber, Fr. The Later Genesis 

and other Old English and Old 

Saxon Texts relating to the Fall 

of Man. XI 167. 
Klapper, Dr. Jos. Deutscher 

Volksglaube in Schlesien in älte- 
ster Zeit. XI 240. 
Kleinpaul, Rud. Die deutschen 

Personennamen XI 241. 
Kluge, Fr. Etymologien. IX 127b. 



184 



Autorenregister zur Bibliographie 1917. 



Kluge, Fr. Unser Deutsch XI 203. 

— Althochdeutsches. XI 215; 242. 

— Deutsche Namenkunde. XI 243. 
Kock, Axel. Umlaut und Brechung 

im Altschwedischen. XI 7. 

— Ar Skänede gamles Scandinavia? 
XI 86. 

— En fornnorsk och östnordisk 
ljudlag. XI 87. 

Kolsrud, S. Um e og ce i cod. 
Holm. isl. membr. no. 34 in 4to. 

XI 85. 

Kornitzer, A. Zur Bedeutung von 
corrumpere. IX 91. 

Körte, Gh Göttinger Bronzen. 
IX 4 a. 

Kotarski, Jos. Lobor. Volksleben 
und -bräucbe. XII 40. 

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ine. Sammlung von lyrischen Ge- 
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der Stadt Pisek (cech.). XII 95. 

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Kroll, W. Syntax im lat. Unter- 
richt. IX 57. 

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IX 113. 

Krynski s. Karlowicz u. K. 
Kul'bakin, S. M. Grammatik der 
kirchenslavischenSprache. XII 22. 

— Die altkirchenslavische Sprache. 

XII 23. 

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Larsen, A. B. Naboopposition — 

Knot. XI 110. 
Lebedev, A. Handschriften des 

kirchlich- archäolog. Museums der 

Kiever „Geistlichen Akademie" 

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Lehr, T. Ze studjöw nad akcentem 

slowianskim. XII 11. 
Leitzmann, A. Rolandstudien. 

XI 245. 
Lejay. P. La dissimilation des 

prefixes latins dans l'ecriture. 

IX 31. 

— Un indicatif dans le discours in- 
direct. IX 68 

— Essais et Notes sur Virgile. IX 70. 
Lenchantin de Gubernatis, M. 

'In potestatem fuisse. ' IX 63. 



Lenz, Ph. Beitr. zum Wortschatz 
der badischen Mundarten. XI 246. 

— Gleichbedeutende Wörter der 
badischen Mundarten. XI 247. 

Leskien, Aug. Gramm, der ser- 
bisch-kroatischen Sprache. XII 33. 

Leumann, M. Die lat. Adjektiva 
auf -lis. IX 50. 

Lieber mann, F. Die Gesetze der 
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Liechtenhan,E. Bemerkungen zu 
Marcellus Empiricus. IX 139. 

Lindahl. N. Glossar zu Notkers 
Boethius. XI 248. 

Lindroth, Hj. Onomatologiska 
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studien XI 42. 

Lindsay, W. M. Notae Latinae. 
IX 43. 

— 'Ancient notae' and latin text. 
IX 44. 

— Etyma latina. IX 126. 

— The ' Abstrusa glossary' and the 
'Liber glossarum'. IX 143. 

— Philoxenus. IX 144. 

— The Cyrillus glossarv and others. 
IX 145. 

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Lindqvist, A Vom Anlauts- 
wechsel str : r im Germ. XI 5. 

Littmann, E. Sardis. Bd. 6. IX 1. 
Löwe, R Der germ. Pluraldativ. 

XI 9. Xll 3. 

— Ags. ece. XI 26; 178. 

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Löfstedt, E. Arnobiana. IX 75. 
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Lundström, V. Smäploc kur Colu- 

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Lüttkens, J. A., und Wulff, F. 

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Meißner, R. ganga tit frettar. 

XI 68. 

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IX 151a. 

Mendell. Cl. Wh. Latin sentence 
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steinische Wörterbuch. XI 251. 

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sters Benes. XII 67. 

Meyer, Karl H. Perf., imperf. und 
perfektische Aktionsart im Lat. 

IX 82 a. 

Meyer, K. Zur keltischen W T ort- 
kunde. X 5. 

— Anordnung des Ogamalphabets. 

X 7. 

— Miscellanea Hibernica. X 8. 
Meyer-Lübke. Lat. manciola, 

manuciolum, peciolus. IX 56 a. 

— W. Lat. reptare, fragumen, pur- 
gamentum? IX 87. 

— Romanische Namenstudien (II). 
IX 150. 

Michels, V. Begriff und Aufgabe 

der deutschen Philologie. XI 1. 
Milüetic, I. imperativu zimi, 

ziti. XII 37. 
Moering, F. De Petronio mimo- 

rum imitatore. IX 110. 
Mohoric, Fr. Zur Grammatik 

Brezniks. XII 47. 
Morin, D. G. S. Aureli Augustini 

tractatus sive sermones inediti ex 

codice Guelferbytano 4096. IX 

119. 
Mostecky, V. Die Sprache Jirä- 

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W:son Munthe, Ä. Nägot niera 
om s. k. pleonastiska bildningar. 
XI 119. 

Muller, F. Wortbetonung in den 
osk.-nmbr. Dialekten. IX 14. 

— Jac. fil. De voce osca tadait. 
IX 17. 

— Ad Senecae naturales quaestiones 
observatiunculas scr. IX 41. 

Müller, J. Hackepack tragen. XI 

252. 
Mutschmann, Heinr. The Place- 

Names of Nottinghamshire. XI 

180. 

Nachtigall. R. Doberdö — Bo- 

berdob. XII 53. 
Nawka s. Rezak u. N. 
Nehring, Alf. Seele und Seelen- 
kult bei Griechen, Italikern und 

Germanen. XI 72. 
N e r m a n , B. Yngl ingasagan i arkeo- 

logisk Belysning. XI 9">. 
Neumann, W. O. De barbarismo 

et metaplasmo quid Romani docue- 

rint. IX 44 a. 
Nichols, E. W. The Semantics 

of Latin Adjective Terminations. 

IX 51c. 
Niederle, L. Das Leben der alten 

Slaven. XII 18. 

— Hacke und Pflug. XII 19. 
Niedermann, M. Zur idg. Wört- 
forschung. XII 13. 

— Zum Thesaurus linguae Latinae 
IX 85. 

— Sur un pretendu fragment de 
Lucilius. IX 98. 

Niedzwiedzki s. Karlowicz u. 
N. 

Norden, E Zur Deutung des Ger- 
manennamens. IX 132. 

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XI 50. 

Nordgaard,0. Gamle Dyrenavne. 

XI 90. 
Noreen, A. Värt spräk. H. 24. 

XI 111. 

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Novotny, F. Neue Methode der 

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Ojansuu, H. Zu den finnisch- 
german. Berührungen. XI 42b. 

Olsen, M. Fröi og Pellon-Pekko. 
XI 93. 

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186 



Autorenregister zur Bibliographie 1917. 



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XI 117. 

— Utdrag ur Magnus Erikssons 
landslag. XI 133. 

Östergren, 0. Nusvensk ordbok. 
XI 112. 

— Obestämd s-form efter prepo- 
sition. XI 121. 

Ottenjann. H. nee mu nee ma. 

IX 54. 
Overdiep, G. S. De vormen van 

het aoristisch praeteritum in 

de middelnederlandsche epische 

poezie. XI 189. 

Palmer, J. Baldersbra. XI 91. 

— Studier över de starktoniga voka- 
lerna. XI 118. 

Pascal. C. Recula. IX 55. 

Patzig, H. Die Städte Großger- 
maniens bei Ptolemaeus. XI 55. 

Paul H. Deutsche Grammatik 
Bd. II, T. 3. XI 204. 

Permin. P. H. Nogle Indskrifkes 
med de aldre Runer. XI 98. 

Persson, P. Zur lat und griech. 
Wortforschung. IX 124. XI 28. 
XII 4. 

Pesek, J. J. V. Pelikan, ein Vor- 
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Petersen. W. Latin Diminution 
of Adjectives. IX 51a; 51b. 

Peter ss on, H. Germ. Worter- 
klärungen. XI 29. XII 6. 

— Beiträge zur lat. Etymologie. 
IX 125. 

— Baltisches und Slavisches. XII 5. 
Pipping, H. Urgermanskt aiw i 

de nordiska spräken. XI 78. 

— R. Fsv. ora. XI 122. 
Pokorny, J. Zur ältesten Ge- 
schichte Irlands. X 9. 

Germanen im alten Irland vor 

der Wikingerzeit. X 10. 

— Deutung des Futurums von alt- 
irisch aqid. X 17. 

Polesny, K. Privilegia textilnich 

f emesel v Pelhf imove ze 16. stoleti. 

XII 74. 
Polivka, J. Über die alteechische 

Vorlage der altpolnischen Bibel. 

XII 101. 
Pontoppidan, E. Gramatica Da- 

nica. XI 136. 



Postgate, J. P. Adnotanda in 

Latin prosody. IX 37. 
Poutsma, A. A Grammar of Late 

Modern English. XI 150. 
Prellwitz, W. Lat vltäre. 1X137. 

XI 30. 
Preston, K. Plaut. Bacchid 434. 

IX 37a. 
Probst, H. Flaccus. IX 94. 

Raabe, B. De genetivo latino 

capita tria. IX 60. 
Ramovs, Fr. Zu den Ortsnamen 

in Friaul (sloven.). XII 55. 
Rasner, G. Grammatica Proper- 
tiana ad fidem codicum retraetata. 
IX 71. 
Reeb, W. Zur lat. Wortkunde. 

IX 86. 
Reeh, R. De Varrone et Suetonio 
quaestiones Ausonianae IX 114. 
Reitzenstein, R. Philologische 

Kleinigkeiten. IX 93. 
Rezak, F. und Nawka, M. 
Deutsch-sorbisches Wörterbuch. 
XII 99. 
| Ribezzo, F. La nuova „eituns" 

di Pompei. IX 16. 
i — Ad Pacuv. Teuer, fr. 14. IX 97. 
t — Ad Strab. Geogr. VI 281 M. 
IX 107. 
Riese, A. Epigraphische Ver- 
öffentlichungen seit 1904. IX 166. 
! Ritterling, E. Die Ost in einer 
afrikanischen Inschrift. XI 51. 
Robbert, Luise. De Tacito Lucani 

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Robert. C. Tyro. IX 3. 
Rother, K. Ein schlesisches Wb. 
von Hoffmann von Fallersleben. 
XI 254. 
Sabbadini, L. II genitivo singu- 
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Sachmatov, A. A. Abriß der 
ältesten Periode in der Geschichte 
der russ. Sprache. XII 56. 
— Einführung in die Geschichte der 

russ. Sprache. XII 57. 
Samuelsson, J. Die lat. Verba 

auf -üUre. IX 49 a. 
Saselj, Iv. Aus dem slovenischen 

Wortschatz. XII 52. 
Scerba. Vostocnoluzickoje na- 

reeije I. XII 98. 
Schamberger, M: De decla- 
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tis observationes selectae. IX 109. 



Autorenregister zur Bibliographie 1917. 



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nominis relativi usu antiquissimo 
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Schlösser, Rud. „Vom Dom um- 
zingelt*. XI 266. 

Schoof, Wh. Volksetymologie 
und Sagenbildung. XI 255. 

Schoning, O. I historisk belys- 
ning. XI 140. 

Schopf, E. Die konsonantischen 
Fernwirkungen. IX 28. 

Schoppe, Gg. Beitr. zum schlesi- 
schen Wb. XI 256. 

Schreiber, A. Beiträge zur Orts- 
namenkunde Böhmens XI 257. 

— G. De Lucili syntaxi. IX 66. 
Schreuer, H. Das Recht des 

Toten. XI 71. 
Schrijnen, J. De vergelijkende 
klassieke taalwetenschap in het 
gymnasiaal onderwijs. IX 24. 

— Nederlandsche Volkskunde. XI 
194. 

— Het woord dal en zijn maagschap. 
XII 15. 

Schröder, E. Zu den deutschen 
Münznamen. XI 31. 

— Sterling. XI 32. 

— Walther in Tegernsee. XI 258. 
Schücking, L. L. Wann entstand 

der Beowulf? XI 169. 

Schulte, R W. Abriß der Laut- 
wissenschaft. XI 206. 

Schultze, M. Die vorgeschicht- 
lichen Germanen in der Provinz 
Posen. XI 65. 

Schulze, W. Ags. hümeta. XI 33: 
181. 

— Zum ahd. Tatian. XI 34. 

— Zu den got. Nomina auf -assus. 
XI 74. 

— Zur Blattfüllung XII 104. 

— Lit. rüzas. XII 105. 
Schwabe, H. O. Germanic coin- 

names. XI 35. 

— Etymological Notes. XI 36. 
Schwentner, E. Zur Metathesis 

im Germ. XI 6. 

v. S c h w e r i n , Cl. Deutsche Rechts- 
geschichte. XI 71. 

Schwering, W. Entstehung des 
Wortes tragicomoedia. IX 100. 

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Sehrt, Edw H. T he forms of dön 
in old High German. XI 207. 

— Geschichte der westgerm. Kon- 
junktion und. XI 217. 

Seiler, Friedr. Die kleineren deut- 
schen Sprichwörtersammlungen 
der vorreformatorischen Zeit. XI 
259. 

Seip, D. A. Om fastgrodd artikkel 
i nordisk. XI 83. 

— Ett mal i Norge. XI 103. 

— Kj0nsb0jningen av adjektiver og 
partisipper paa -en i norske maal- 
f'0re. XI 106. 

Siebs, Th. Lautstand und Schrei- 
bung der schlesischen Mundarten. 

XI 208. 

— Vom Dom umzingelt. XI 270. 
Singer, S. Alte schweizerische 

Sprichwörter. XI 260. 

Sjögren, H. Tulliana IV. IX 61c. 

Sjöros, Br. Zur Kenntnis des Suf- 
fixes -ung, -ing. XI 8. 

— Tvä samnordiska kvantitets- 
regler. XI 81. 

Skok. P. Etymol. Miszellen (cech.). 

v XII 43. 

Skrabec, St. Sprachwissenschaft- 
liche Werke. XII 48. 

Slavejkov. P. Die bulgarische 

. Sprache. XII 28. 

Siebin ger, J. Bibliographie für 
das Jahr 1916. XII 44. 

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svenska medeltids-spräket. XI 
115. 

Solar i, A. Nomi greci nelle iscri- 
zioni latine dell' Etruria. IX 106. 

Solheim, L. Gaardnavn i Sta- 
vanger amt. XI 108. 

Sommerfeit, A. On the Form 
imparrä. X 13. 

Soucek, B. I A. Comenius' Der 
Trauernde. XII 75. 

Spalovä, Kamilla. Topika der Be- 
zirkshauptmannschaft Rakonitz. 

XII 87. 

Stangl, Th. Nihil interest und 
nihil refert. IX 65. 

— Nichtdeklinierter Inf. Fut. Aktiv. 
IX 72. 

— Zu Bacbiarius (I. IL III.). IX 78. 
Steinberger, L. Zum Namen des 

Brennerpasses. XI 59. 

Stenstad, R. Deutsche Wort- 
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Stichel, Hans. Die englische Aus- 



188 



Autorenregister zur Bibliographie 1917. 



spräche nach den Grammatiken 
Peytons. XI 151. 

Stoelke. H. Die Inkongruenz zwi- 
schen Subjekt und Prädikat im 
Engl. usw. XI 159. 

Stowasser-Petschenig- 
S k u t s c h. Lat.-deutsches Schul- 
und Handwb. 4. Aufl. IX 83. 

Stoy, J. F. Standard English. 

XI 182. 

Strack, H. L. Jüdisches Wörter- 
buch der gegenwärtig in Polen 
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Strohal, R. Aus den kroatisch- 
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Sturtevant, A. M. Zum goti- 
schen Dativ nach wairpan mit 
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Suuden, K. F. Essay I: The pre- 
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Svensson, J. V. De nordiska folk- 
namnen hos Jordanes. XI 89. 

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Swenning. Folkmälet i Listers 
härad. XI 123. 

Tappolet, E. Die alemannischen 
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Teige, Jos. Grundzüge der alten 
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Thörnell, G. Kritiska studier tili 
Tertullianus'apologeticum. 1X42. 

Thurneysen, R. Irisches. XI 38. 

XII 7. 

— Zur irischen Grammatik und 
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- Altirisch soad. X 11. 
Tiemeyer, W. F. Klankleer der 

Gedichten van Willem van Hilde- 

gaersberch. XII 188. 
T o 1 k i e h n , J. Quantität von hie 

und hoc. IX 38. 
Tominsek, Jos. Woher stammt 

das Wort JEr»? XII 54. 



Torbiörnsson, Tore. Smärre 
slaviska bidrag. XII 16. 

— Serbisch ro. XII 36. 

Torp, A. Nynorsk etymologisk 

ordbok. XI 104. 
v. Unwerth, W. Fiolnir. XI 92. 

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Ussing, H. Om Bebyggelserne og 
Stednavnene paa -thorp. XI 139. 

Vasiljev, Dim. Das Dorf Turski 

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Verdeyen, R. en Endepols, S. 

Tondalus ' Visioen en St. Patricius ' 

Vagevuur. XI 190. 
Verworn, M. Die angeblichen 

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Vlöek, J. Über Bläh oslavs cechi- 

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Volckmann, Erw. Unerklärte 
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Hamburg und anderswo. XI 263. 

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Vollmer, F. Geschichte des lat. 
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alten Latein. IX 33. 

Vroom, H. B. De Commodiani 
metro et syntaxi annotationes. 
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Vyhlidal, J. Hanakische Märchen 
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Wackernagel, J. Oskische In- 
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Wageningen, J. v. Infinitivus 
pro imperativo im Lat. IX 62. 

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Weniger, L. Losorakel bei den 
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Wessely,C genu,genus. 1X129. 

Wessner, P. Isidor und Sueton. 
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Lowland Scotch. XI 162. 

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Wigand, K. Die Nutrices Au- 
gusige von Poetovio. IX 162. 

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folkmäl. XI 126. 

van Wijk, N. Ndl. mooi ndd. 
moi{e). XI 39; 195. XII 8. 

— De oudpruisiese en germaanse 
genitivus en dativus van de 
a-stammen. XU 106. 

— Naar aauleiding van de tweede 
oudpruisiese Katechismus. XII 
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Wiklund, K. B. Die ältesten 
germ. Lehnwörter im Finnischen. 
XI 4L 

— Saivo. Till frägan om de nor- 
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religion. XI 94. 

Wild, Fr. Die sprach! Eigentüm- 
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cer-Hss. und die Sprache Chau- 
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Wilhelm, Fr. Denkmäler deut- 



scher Prosa des 11. und 12. Jahrh. 
XI 220. 

Wilser.L. Deutsche Vorzeit. XI 64. 

Wissowa, G. Zum Ritual der 
Arvalbrüder. IX 157. 

Witkowski, Gg. Noch einmal 
„Vom Dom umzingelt". XI 267. 

Wolff. Römisch-germ Altertums- 
forschung. XI 66. 

Wolfstieg. Bedeutung des Wortes 
freemason. XI 184. 

Wolter storff , G. Artikelbedeu- 
tung von ille bei Apuleius. IX 74. 

Wood, Francis A. Etymological 
Notes. XI 40. 

Wutke, Konr. Tangriz — Tan- 
nenreisig. XT 265. 

Zimmermann, A. Das lat. Suffix 
men(t)o. IX 53. 

— Vom beweglichen anlautenden s 
bei Eigennamen. IX 103. 

— Die Heileitung des Stadtnamens 
Roma. IX 135. 

— Zur Erklärung des carmen arvale. 
IX 154. 

— Noch einmal die Duenosinschrift. 

XI 153. 

Zippel, O. s. Brandl u. Z. 
Zschech, Dr. Fritz. Die Kritik 

des Reims in England. XI 153. 
Zubaty, Jos. V ta doba,vta doby 

atp. XII 63. 

— Ten (cech.). XII 64. 

— Etymologische und lexikalische 
Beiträge. " XII 88. 

— Desiti. (cech.). XII 89. 

— Vice ne (cech.). XII 90. 

— Napadnouti — napadati (cech.). 

XII 91. 

— Patfiti (cech.). XII 92. 

— Zrasovati, zräzeti, odrazovati 
(cech.). XII 93. 



Indogermanisches Jahrbuch 

IM AUFTRAG DER INDOGERMANISCHEN GESELLSCHAFT 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

WILHELM STREITBERG UND ALOIS WALDE 



VIII. BAND 

JAHRGANG 1920/21 



1922 
WALTER DE GRUYTER & CO. 

VORM. G.J.GÖSCHEN'SCHE VERLAGS HANDLUNG / J. GÜTTENTAG, VERLAGS- 
BUCHHANDLUNG / GEORG REIMER / KARL J. TRÜBNER / VEIT & COMP. 

BERLIN und LEIPZIG 



Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. 



Druck von Hermann Böhlaus Nachfolgern, Hof-Buehdruckerei in Weimar. 



Die Sächsischen Forschungsinstitute in Leipzig (For- 
schungsinstitut für Indogermanistik), die Heidelberger 
Akademie der Wissenschaften (Stiftung Heinrich Lanz) 
und die Sächsische Akademie der Wissenschaften haben 
die Herausgabe auch dieses Bandes des Indogerma- 
nischen Jahrbuchs durch Bewilligung von Beihilfen 
unterstützt. 



-4: 



Inhalt. 

Seite 

G. H e r b i g , Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung . 1 

Bibliographie der Jahre 1918 und 1919: 

II. Indogermanische Sprachwissenschaft 

(E. Schwyzer) 21 

III. Indogermanische Altertumskunde (S. Feist) . 36 

IV. Tocharisch (H. Zeller) 42 

V. Arisch (H. Zeller) 45 

VI. Armenisch (S. Kokian) 67 

VII. Albanisch (N.Jokl) 71 

VIII. Griechisch (P. Wahrmann) 94 

IX. Italisch (J. B. Hofmann) 145 

X. Keltisch (J.Pokorny) 167 

XI. Germanisch (W. Streitberg) 175 

XII. Baltisch-Slavisch (0. Hujer und M. Vasmer) ... 197 

Nachwort 256 

Persönliche und wissenschaftliche Nachrichten: 

K.Wulff, Vilhelm Thomsen 257 

E. Hermann, Berthold Delbrück 259 

M. Vasmer, Philipp Fortunatov 266 

Schriftenverzeichnis Fortunatovs 270 

Verzeichnis der Schriften von Albert Thumb 272 

W.Por zig, 53. Philologentag 278 

Persönliches 284 

Stiftungen und Preisausschreiben 286 

Geschäftliche Mitteilungen: 

Bericht des Vorstandes der Indogermanischen Gesellschaft . . 289 

Kassenbericht 1921 291 

Stifter der Indogermanischen Gesellschaft 292 

Zahlungen und Mitgliedsbeiträge 293 

Aiitorenregister zur Bibliographie 1918 und 1919 294 



WEGE und ZIELE der HETHITISCHEN 
SPRACHFORSCHUNG. 

Vor nicht zehn Jahren hat A. Meillet an dieser Stelle (1, 1913, 
1 — 29) von neuen indogermanischen Provinzen im fernen Osten 
berichtet, deren eine (le Tokharien B, Langue de Koutcha) er 
neben S. Levi selbst erobern half. Die tocharischen Texte (Dia- 
lekt A) der ersten Pfadfinder, E. Sieg und W. Siegling, sind in- 
zwischen (Berlin und Leipzig 1921) erschienen, die Grammatik 
soll in wenig Monaten folgen, und für neue fruchtbare Forscher- 
tätigkeit stehen neue Wege offen. Es ist ein gutes Zeichen für die 
Lebenskraft und eine frohe Gewähr für die Zukunft unserer Wissen- 
schaft, daß, ehe wir die Arbeit in den neuen Provinzen an der 
Seite ihrer Eroberer ernstlich in Angriff nehmen konnten, ein weite- 
res indogermanisches Neuland aus dem fernen Osten des zweiten 
Jahrtausends v. Chr. in Kleinasien aufgetaucht ist. Assyriologische 
Entdecker haben es aufgefunden, und die ersten indogermanischen 
Erkundigungsfahrten haben die zunächst wie ein Märchen klingende 
Entdeckung bestätigt. 

Die ganz unerwartete Kunde vom idg. Charakter der hethiti- 
schen Flexion hat die reichen Keilschrift-Tontafelfunde vor allem 
aus Boghazköi, die wir Hugo Wincklers Tatkraft verdanken, in 
aller Mund gebracht und die Geister lebhaft bewegt. Die Hethiter- 
frage wurde in historischen und philologischen, sprachwissenschaft- 
lichen und orientalistischen Kreisen die Sensation des Tages. Es 
wird Zeit, daß sie wieder in das stille Studierzimmer zurückkehrt, 
und daß die ungeheuere Einzelarbeit auf der ganzen Linie der 
Probleme und der zu ihrer Lösung Berufenen beginnt. 

Es ist heutzutage für den Indogermanisten und Nichtassyrio- 
logen nicht mehr so schwierig, in die überraschend neuen Aufgaben 
hineinzuwachsen, wie etwa nach Knudtzons erstem Kampfruf 1 ) 

x ) J. A. Knudtzon, Die zwei Arzawa-Briefe. Die ältesten Urkunden 
in indogermanischer Sprache. Mit Bemerkungen von S. Bugge und A. Torp. 
Leipzig 1902. 

Indogermanisches Jahrbuch. VUI. 1 



2 G. Herbig. Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

oder nach Hroznys erster Siegesfanfare. x ) Sechs Hefte Keilschrift- 
texte aus Bogliazköi (KBo, Leipzig 1916 — 21) und fünf Hefte 
Boghazköi-Studien (BoS, Leipzig 1916 — 20) legen Texte in Keil- 
schrift, Textstücke in Umschrift, Übersetzungen und Erklärungs- 
versuche den Fachgenossen vor, und wenn auch Assyriologen und 
Indogermanisten bis zur L T m- und Einstellung besonders geschulter 
Forscher zusammenarbeiten müssen, kann doch jeder von der 
Grundlage seines Wissens aus sich ein L'rteil erarbeiten. 

Ich habe GGA 1921, 193—218 über Tatbestand, Arbeits- 
methode, Arbeitsergebnisse und Tragweite der Entdeckungen von 
Knudtzon und Hrozny kritisch berichtet und muß das dort Ge- 
sagte bei der Knappheit des zur Verfügung stehenden Raumes 
als bekannt voraussetzen oder mich wiederholen, wenn es zur 
Klarheit notwendig ist und ich nichts Neues zu sagen weiß. Das 
wird nur zweimal, zur Kennzeichnung der Yokabularfragmente 
und der verschiedenen Boghazköisprachen, schwer zu vermeiden 
sein. Im ganzen beschränke ich mich darauf, vor dem engeren 
Kreis von Fachgenossen ein engeres Gebiet herauszugreifen und 
an besonders anschaulichen Stichproben nach der rein sprach- 
lichen Seite hin Methode, Sicherheitsgrad, Teilergebnisse und 
Wichtigkeit der Arbeit auch über das Indogermanische hinaus 
vorzuführen. Wenn ich bei dieser Darstellungs weise mehr ins 
einzelne gehen darf, werden Erfolge und Schwierigkeiten schärfer 
hervortreten und neue Fragen neue Antworten vorbereiten. 

Während der idg. Charakter der Flexion beim Nomen (im 
scharfen Gegensatz zum Tocharischen). sobald nur der Sinn im 
ganzen sich entschleiert hat, verhältnismäßig klar zutage tritt r 
und das schwierigere Yerbum auch in Hroznys zusammenfassender 
Darstellung aus äußern und innern Gründen am wenigsten geklärt 
erscheint, ist das Pronomen vielleicht das Feld, wo schon bei 
den ersten Tastversuchen der Scharfsinn der beiden Pfadfinder, 
die Grundlagen ihres Textverstehens und die Angelpunkte ihrer 
Arbeitsweise am greifbarsten hervortreten. 

Solche Grundlagen des Textverständnisses einer uns zunächst 
unbekannten Sprache sind: 1. Die uns ihrem Lautwert nach be- 
kannten sumerisch-akkadischen Silbenschriftzeichen. Daß die 
Keilschrift kein o kennt, auch das e von i nicht immer unter- 
scheidet, eine Verwechslung der Mediae und Tenues begünstigt, 

] ) F. Hrozny, Die Lösung des hethitischen Problems. MDOG 1915 
Nr. 56, 17-50. 



G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 3 

die Längen häufig nicht zum Ausdruck bringt und Konsonanten- 
verbindungen im An- und Auslaut nicht eindeutig bezeichnen 
kann (Hrozny BoS 1/2, 186), müssen wir in Kauf nehmen und bei 
der auffallenden Schwierigkeit, bindende Lautgesetze zu ermitteln, 
uns stets vor Augen halten. 2. Die zwischen den Silbenschrift- 
zeichen nach sumerisch-akkadischer Schreibgepflogenheit reichlich 
auftauchenden Ideogramme oder Wortschriftzeichen. Sie ent- 
hüllen uns, da wir ihre Bedeutung von den sumerisch-akkadischen 
Texten her kennen, blitzartig den Gesamtsinn der meisten neu- 
gefundenen Texte, den wir also nicht, wie etwa im Etruskischen, 
mühselig aus Fundort und Fundgegenstand erraten müssen. Sie 
verhüllen uns freilich den Lautwert wichtiger hethitischer Wörter, 
z. B. vieler Verwandtschaftswörter und, wie unsere den Ideogram- 
men am meisten artverwandten Ziffern, aller Zahlwörter. Das 
ist für die etymologische Arbeit, die bei den idg. Sprachen an 
diesen Wortarten beginnt, von verhängnisvoller Bedeutung. 3. Die 
sumerisch-akkadischen Determinative. Sie stehen vor Sub- 
stantiven und kennzeichnen diese als Götter-, Männer-, Frauen-, 
Berufsnamen, als Länder, Städte, Gefäße, Bäume und Geräte. 
Den Deutungsmöglichkeiten wird durch sie eine ganz bestimmte 
Richtung gegeben. Artverwandt sind die ideographisch geschriebe- 
nen Plural- und Kollektivzeichen hinter den Substantiven. 4. Die 
meist dreisprachischen Vokabularfragmente, die Delitzsch, 
Figulla- Weidner, Holma 1 ) vorgelegt und besprochen haben. Sie 
hatten, wie ich aus GGA 1921, 198—9 hier einsetzen darf, 'den 
Zweck, hethitische Schüler durch hethitische Lehrmeister, die im 
Akkadischen und Sumerischen nicht durchweg sattelfest waren, 
mit der akkadischen Keilschrift und ihrer Grundlage, der sumeri- 
schen Gelehrtensprache und Gelehrtenschrift, bekannt zu machen. 
Nach Delitzsch' Indices handelt es sich um etwa hundert hethi- 
tische Wörter, deren Bedeutung uns auf diese Weise entschleiert 
oder, wenn wir bei den sumerisch-akkadischen Entsprechungen 
selbst noch im unklaren sind, wenigstens in Aussicht gestellt wird. 
Während die häufig wiederkehrenden sumerisch-akkadischen Wort- 



x ) F. Delitzsch, Sumerisch-akkadisch-hettitische Vokabularfragmente. 
AAWB 1914. Pkil.-hist. Kl. Nr. 3. H. H. Figulla und E. F. Weidner, 
KBo Heft 1, 1916. E. F. Weidner, Leipziger Semitistische Studien VII 1—2, 
1917, 38 — 138. H. Holma, Etudes sur les vocabulaires sumeriens — acca- 
diens — hittites de Delitzsch. Helsinki 1916. Extrait du Journal de la 
Societe Finno-Ougrienne XXXIII. 

1* 



4 G. Herb ig. Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

zeichen und die in den Texten seltener auftauchenden hethitischen 
Vokabularwörter uns über den sachlichen Inhalt der Texte auf- 
klären, geben uns die keilschriftlich geschriebenen Endungskomple- 
mente jener Wortzeichen, vor allem aber die Endungen und die 
"Wortklassenfunktionen jener Vokabular Wörter praktische Hand- 
haben, um das engmaschige Netz des syntaktischen Zusammen- 
hanges aufzulösen und so verstehen zu lernen. Damit tritt vor 
allem der Bau der hethitischen Flexion und der Grundplan des 
hethitischen Satzes in ein verheißungsvolles Morgenlicht.' 5. Ak- 
kadische Paralleltexte und Stilformeln rein akkadischer Texte. 
Es läßt sich im vorderasiatischen Kulturkreis vom Euphrat bis 
zum Nil und zum Halys ein zwischen- und übersprachlicher Brief- 
und Urkundenstil erkennen, der sich zäh und wenig beweglich 
auch auf ganz unverwandte, aber durch Kultur und Politik, z. T. 
auch durch ein schwerfälliges und schwer erlernbares Schriftsystem 
aneinander gebundene Sprachen legt. Bei der folgenden Stichprobe 
aus der Erschließung der Arzawabriefe werden wir davon eine 
Vorstellung bekommen. Auch bei vorläufig isolierten Sprachen 
wie dem Chaldischen (Urartäischen, Vorarmenischen) haben der 
res -gestae- Stil und die Verwünschungsformeln der dreisprachigen 
Achaemenidentexte, oder die Klischees assyrischer Königsinschriften 
das Verständnis des Inhalts merkwürdig gefördert. Die Tafel 
des Mitannikönigs Tu&ratta ist durch mhaltsverwandte babylo- 
nische Diplomatenbriefe des Tontafelarchives aus El-Amarna auf- 
geklärt worden, und von den nichtindogermanischen Harrischen 
und Proto-Hattischen Texten aus Boghazköi erhoffen wir ein 
Ähnliches. 

Das sind die sichern Steine unserer Erkenntnis im allgemeinen. 
Wir wollen nun an einem besonderen Fall, dem hethitischen Pro- 
nomen, ihr Spiel und Gegenspiel durch Stichproben klarmachen. 

Knudtzon stellt 41 — 44 etwa folgendes grundlegend fest. Aus 
den akkadisch abgefaßten ersten zwei Zeilen des ersten Arzawa- 
briefes geht hervor, daß der folgende Text einen Brief darstellt, 
den der König Nimutria von Ägypten an Tarhundaraba, den 
König von Arzawa, richtet. Aus andern meist akkadischen Briefen 
von dem und an den König von Ägypten ergeben sich die ganz 
konventionellen Eingangsformeln solcher Diplomatenbriefe. Sie 
decken sich gedanklich mit dem lateinischen, ebenfalls erstarrten: 
si vales, bene est, ego vdleo oder in umgekehrter Reihenfolge: 
Mir und den Meinen geht es gut, möge es auch Dir und den Deinen 



G. Her big, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung 5 

gut gehen. Knudtzon stellt nun fest, daß Z. 1 — 6 Ideogrammen, 
die Häuser, Frauen, Kinder, Große, Krieger, Pferde, Länder be- 
deuten, immer ein -mi, Z. 7 — 10 immer ein -ti angehängt ist. Es 
fragt sich zunächst, da die Reihenfolge in der akkadischen Formel 
wechselt, was davon mein und was dein bedeutet. Knudtzon 
sieht weiter an Ideogrammen und Paralleltexten, daß es sich, 
wie in so manchen andern Briefen zwischen asiatischen Königen 
und dem ägyptischen um Heiratspläne zwischen zwei Höfen han- 
delt. Nach dem seiner Wortbildung nach ägyptischen Eigennamen 
Irsappa folgt nun ein Wort, das Bote oder Gesandter bedeuten 
mag, mit angehängtem -mi-in Z. 12 und gleich darauf ein Ideo- 
gramm für Tochter mit angehängtem -ti. Nimutria spricht also 
von Irsappa als meinem (des Ägypterkönigs) Boten und von 
deiner (des Arzawakönigs) Tochter. Das ergibt -mi gleich mein 
und -ti gleich dein und damit die Formel: mir und den Meinen 
ist Wohlergehen, möge auch Dir und den Deinen Wohlergehen 
sein. Z. 7 — 10, der zweite Abschnitt, muß also den Wunsch ent- 
halten. Diese rein philologisch erschlossene Tatsache hat zur Ent- 
deckung von e-ei-tu gleich soll sein, zur Aufwickelung des syn- 
taktischen Geflechtes und letzten Endes zur Feststellung des idg. 
Charakters der Sprache geführt. Die Indogermanisten blieben 
skeptisch, weil sie die philologisch-kombinatorischen Grundlagen 
der Übersetzung weder fachlich noch gefühlsmäßig beurteilen 
konnten, weil ihnen m- als Kennzeichen der 1. und t- als Kenn- 
zeichen der 2. sg. des Possessivpronomens auch aus nichtidg. 
Sprachen geläufig war, und weil ein paar wilde und unphilologische 
Klingklang- Etymologien von Torp und Bugge sie kopfscheu 
machten (GGA 1921, 204). 

Auch die angehängten -mu und -ta hatten schon Bugge 68 — 69 
und Torp 114, wenn auch nicht gleich evident wie -mi und -ti? 
als enklitische Kasusformen des Pronomens der 1. und 2. sg. er- 
kannt. Dazu vermutete Bugge 61 in du-uk-Jca kombinatorisch 
und etymologisch befriedigend ein idg. Hu-ghe (dor. rv-ye), in 
tu-el 76 genial-intuitiv einen Genetiv des gleichen Pronomens, 
dessen -l wohl mit der (nach seiner Theorie gleichfalls idg.) etr, 
und lemn. Genetivendung -l, -al zu vergleichen sei. 

-mi, -ti und das ebenfalls schon von Knudtzon 34 erkannte 
-si sind dann weiterhin, und zwar als Dative des Personalpro- 
nomens der 1., 2., 3. sg. durch die Vokabulartrilinguen glänzend 
bestätigt worden, und in gleicher Weise die pronominale Genetiv- 



6 G. Her big, Wege und Ziele der kethitischen Sprachforschung. 

endung -l, indem zu Bugges tu-el, der 2. sg., ein an-zi-d, die 1. pl., 
trat. Um auch von der Art, wie diese Vokabularfragmente uns 
weiterhelfen, ein anschauliches Beispiel zu geben, sollen die drei 
Kolumnen in Umschrift hier folgen (vgl. dazu Delitzsch 19. 32 
bis 33. 39—41): 



Sumerisch Akkadisch 



Hethitisch 



Deutsch 



1. sg. 
2.9g. 

3.sg. 
2.pl 
3.pl 



fä-Jmu-su 
a-zu-su 

ä-bi-sü 
ä-zu-sü-ne-ne 
ä-bi-sü-ne-ne 
ä-mu-me-en 



a-na i-ti 
a-na i-ti 
a-na i 
a-na i 
a-na i 



ia Jcu-us-sä-ni-mi 

Jca ! ku-us-sä-ni-ti 
-su ku-us-sä-ni-is-si 

ku-nu sü-um-me-en-za-un Je. 
-su-nu a-bi-en-za-an Tc. 



a-na i-ti-ni 



an-zi-d Jca-us-sä-an 



zu meinem Lohn 
zu deinem „ 
zu seinem „ 
zu eurem , 
:;/ ihrem „ 
zu unserm . , 



Daß aber auch in unsern Texten verkappte Pronominal- 
Bilinguen vorliegen, hat Hrozny scharfsinnig erkannt. Aus Text- 
stücken wie BoS 1/2, 99. 112 

an-zi-el BELI-jS t I 

von uns HERRN YOX UNS 



tu-el MARE^-KA 

von dir SÖHNE VON DIR 



wo die Gleichungen der akkadischen Wortzeichen KA und NI 
mit den hethitischen Silbenschriftwörtern tu-el und an-zi-el durch 
Bugge und die Vokabulare schon feststanden, schloß Hroznv, 
wenn auch seine Darstellung diesen Weg nicht deutlich erkennen 
läßt, daß diese doppelte und überflüssige, aber uns jetzt sehr 
willkommene Schreibweise auch vorliegt in Fällen wie BoS 1 2. 
99. 115 

am-me-el MÄRI-IA su-me-el ilu K AL • KU • NU 

von mir SÖHNE VON MIR von euch SCHUTZGOTT 

VON EUCH. 

Damit waren am-me-el als mei?ier und iu-me-el als euer neu er- 
schlossen, und für weitere pronominale -l Genetive die Bahn frei- 
gemacht. 

Schließlich trat die Arzawaform du-uk-ka, die Bugge als 
Fron. pers. d. 2. sg. festgestellt hatte, in eine immer größer werdende 
Variantenreihe von Boghazköiformen ein. Um von dieser Formen- 
fülle einen Begriff zu geben, mag sie folgen: 

tu-ug, tu-ug-ga, tu-ga, tu-uJc-ka, du-uJc-la 
zi-ig, zi-ig-ga, zi-ga, zi-ik-ka 



G. Her big, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 7 

Daneben stellte sich eine weitere Reihe, bei der schon die äußere 
Formenfolge die innere Verwandtschaft wahrscheinlich machte: 

am-mu-ug, am-mu-ug-ga, am-mu-ga, arn-mu-uk-ka 
ug, ug-ga, u-ga, ü-ug-ga 

Die beiden Gruppen wurden aus den Texten als Pron. pers. der 
2. und 1. sg. nach und nach erkannt. Die wagrechten Reihen 
geben als bloß graphische Varianten von der Unzulänglichkeit 
des Silbenschriftsystemes ein Bild. Die erste und dritte Reihe ent- 
puppten sich als Gas. obl., die zweite und vierte als Nom. Hier 
sei nur noch ein Wort über die syntaktisch-semasiologische Er- 
mittelung dieses letzteren eingefügt. BoS 1/2, 97 steht das Text- 
stück: , S AT ,, , 

u-ug-ga an-na-an-na-as e-es-mi 

an-na-an-na-ds ist durch das Determinativ SAL als Frauenname 
gekennzeichnet, e-e^-mi stellt sich, von dem Arzawawort e-es-tu 
gleich es soll sein aus, auch etymologisch evident als 1. sg. ich bin 
des Verbums für sein dar. Als Subjekt eines e-es-mi- Satzes muß 
das Pron. pers. d. 1. sg. erwartet werden, wenn auch, was Hrozny 
übersieht, die idg. Syntax leisen Einspruch erhebt. So ergibt 
sich die Gleichung u-ug-ga gleich ich. zi-ig tritt uns u. a. in einem 
Texte entgegen, den uns F. Sommer ZA 33, 1921, 85—102 formal 
als ein Gebet an die Istar von Ninive, inhaltlich als ein klein- 
asiatisches Gegenstück zur römischen (oder römisch-etruskischen?) 
evocatio kennen gelehrt hat. Ich setze die Zeile aus dem letzten 
Abschnitt der Vorderseite Kol. I 38 hierher Der verschiedene 
Typendruck mag dem Indogermanisten zugleich die Gepflogen- 
heiten der assyriologischen Schriftgelehrten bei der Umschrift 
veranschaulichen. Kursive bedeutet heth. Wörter in Silbenschrift, 
Maiuskel sumerisch-akkadische Ideogramme, der Kleindruck links 
oben sumerisch-akkadische Determinative. 

zi-ig üu ISTA.R^ne-nu-wa GASANNI ÜUL sä-ak-ti 
du, «*«■ ISTAR <** sta M Ninive, UNSERE HERRIN, NICHT 

weißt du 
Mit ilu und diu sind der Götter- und der Stadtname als solche 
determiniert, der Wortsinn der Ideogramme ist dem Assyriologen 
bekannt, so bleiben als heth. Wörter zu erklären nur sä-ak-ti 
und zi-ig. sä-ak-ti ist 2. sg. auf -ti nach Hrozny BoS 1/2, 105 — 6. 
2. 160—1 zur 3. sg. sä-ak-ki = akkad. idü KBo Heft 1, 30 I 6/7 
er weiß, sä-ak-ti, die 2. sg., spiegelt sich in dem vor dem Vokativ 



8 G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

der angeredeten Göttin stehenden zi-ig gleich du wider, wie 
oben das Verb. fin. d. 1. sg. e-es-tni in dem ii-ug-ga gleich ich. 
Weitere Beispiele schließen den Kreis; je nachdem die Person 
des Verburns oder das Pron. pers. bekannt sind, drängen sie eine 
Pronominal- oder eine Yerbalform aus der dunkeln Tiefe des un- 
bekannten Textes nach oben. 

So weit die Beispiele aus den philologischen, sei es mehr- 
sprachlichen, sei es kombinatorischen Grundlagen unserer Kennt- 
nis des heth. Possessiv- und Personalpronomens. Stehen sie fest, 
dann darf auch die etymologische und morphologische Verknüpfung 
mit idg. Parallelformen gewagt werden. 

Bei den oben angeführten Formen des Personalpronomens 
der 1. und 2. sg. überraschen, vom idg. Gesichtspunkt aus ge- 
sehen, der Form nach der u -Vokalismus des Pron. der 1. sg. und 
der wechselnde Anlaut z-, t- des Pron. der 2. sg., der Funktion 
nach der merkwürdige Kasussynkretismus. Marstrander 8 ver- 
sucht hier Ordnung zu schaffen und man kann seine Gedanken 
weiter ausbauen; psychologisch, in Einzelpunkten vielleicht sogar 
historisch, spiegeln die heth. Sonderentwickelungen durchaus idg. 
Möglichkeiten wider. Urheth. hieß es 

1. ps. Nom. *ega 2. ps. Nom. *tuga 

Akk. *amega Akk. Hega 

Die Weiterentwickelungen vollziehen sich nun, wie wir es aus idg. 
Einzelsprachen ersehen können, nach verschiedenen Eichtungen: 

1. Nominative übernehmen auch Akkusativfunktion. Heth. 
*tüga wird auch Akk. wiedor. rvys, ir. tu, tu-ssu, got.J u-k. 1 ) 

2. Akkusative übernehmen auch Nonünativfunktion. Heth. 
Hega wird auch Nom. wie gall. ti, brit. te, corn. ty, te oder 
wie ir. mc, messe in der 1. sg. 2 ) Der Nom. *ega hat natür- 
lich formassoziativ diesen Kasussynkretismus beschleunigt. 

3. Das ic7?-Prononien tritt formal unter den Einfluß des Du- 
Pronomens. 

Dabei entstehen folgende heth. Neubildungen: 
formanalogisches uga (Nom.) amüga (Akk.) 

neben etymologisch. *ega (Nom.) *amega (Akk.) 

wie etymologisches *tüga(Nom.) und kasussynkret. tüga (Akk.) 
neben kasussynkr et. *tega (Nom.) und etymolog. Hega (Akk.) 

!) Brugmann Grdr. 2, 2 § 411. 

2 ) Marstrander, Caractere indo - european de la langue hittite, 
Christiania 1919, 8 Anm. 3. Brugmann Grdr. 2, 2 § 406. 



G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 



An idg. Parallel- Analogiebildungen dazu 1 ) vgl. etwa 
den lit. Stamm des Pers. Pron. d. 1. sg. in den cas. obl. 

ma- nach ta- d. 2. sg. und sa- d. 3. sg., 
das lit. Poss. Pron. d. 1. sg. 

mä-nas nach tri-vas d. 2. sg. und sa-vas d. 3. sg., 
das kelt. Poss. Pron. d. 1. sg. 

ir. mo, mu, kymr. meu nach ir. do, du, kyrnr. teu d. 2. sg.. 
das französ. Poss. Pron. d. 1. sg. 

mon nach ton d. 2. sg. und son d. 3. sg. 
Der historisch überlieferte Nom. (urspr. Akk.) heth. ziga entspricht 
lautlich weder einem griech. avye (mit a aus den obliquen Kasus), 
noch einem griech. asye (ae lautgesetzlich aus Hm), sondern aus 
älterem *tega ist ziga geworden nach einem innerheth. Lautgesetz, 
wonach t vor palatalen Vokalen zu z wird (wie etwa in der Endung 
d. 3. pl. idg. *-onti zu heth. -anzi). He-ga, zi-ga geht auf idg. 
*te- zurück, einerlei, ob He von alters her neben Hm stand oder 
erst in spätidg. Zeit satzphonetisch aus Hm entstanden ist. 2 ) Der 
alte Palatal hat die Assibilierung von *te- zu zi- herbeigeführt; 
ist in dem angehängten Pron. poss. d. 2. sg., Dat. -ti, Acc. -ti-in, 
der Dental erhalten und ein Grund für seine analogische Erhaltung 
oder Wiederherstellung nicht abzusehen, dann muß das darauf 
folgende i in der Wirkezeit jenes Lautgesetzes noch ein nicht- 
palataler Laut gewesen sein. Das führt unmittelbar zu der Gleichung, 
für die auch sonst alles spricht: 



idg. 1 gr. gthav. jav. 


ai. 


lit. 


abg. 


lat. 


heth. 


*moi j juoi 
Hoi ' xoiyGoi 
*soi oi 


möi 

töi 

höi 


me 
te 

he, sc 


me 

te 
präkr. se 


*me, mi 
te-g, ti 
*se. si 


mi 

ti 

si 


ml, mi-s 

ti-S 

si-s 


-mi 

-ti 
-si 



Die Typen *moi, H(u)o[, *s(u)ol fungieren, ähnlich wie das 
formal entsprechende Indef.-Eelat. *q%oi, als Lok., Dat., Gen. 
Akk., Vok. 3 ), aber auch als Stamm 4 ): 

idg. Poss. *)noi-'io-s Hiio'i-'io-s 

abg. Poss. moj-b tvoj-b 

lat. Gen. mi-s ti-s 



*siioi-w-s 
svoj-b 
s7-s 



x ) Brugmann Grdr. 2, 2 § 384, 2a. 

2 ) Brugmann Grdr. 2, 2 § 381. 

3 ) Eb. § 403. 389, 4. . 4 ) Herbig J. F. Anz. 37, 1916-7, 37. 



10 G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

heth. Nom. -mi-s -Hi-s -si-s" 

wie lat. quoi-io-s, osk. püi-iu, gr. nöi-og 

ai. ke-na, he-Säm, ke-bhyah, ke-su 

Die 'Lokativ'typen *mol, *t(u)ol, *s(u)o\, *q u o\ lassen sich, 
wenn wir sie wie andere "Lokative' als endungslos 1 ) ansehen, 
ohne weiteres mit den 'Stämmen *moi-, *t(u)oi-, *s(u)o\-, *q^o\- 
verknüpfen. Eine zwingende Folge eng verbundener heth.-idg. 
Gleichungen scheint es mir nun zu sein, daß diese Typen heth. 
und idg. a) in der Doppelfunktion als Kasus und Stamm auf- 
tauchen, und zwar b) beim Pron. pers. und beim Pron. indef.-relat. 
und c) in doppelter Gestalt, je nachdem sie tonlos oder betont 
sind. Heth. stellen sich diese Gebilde wie folgt dar: 

Kasus (unbetont) -mi -ti -si Jcue (betont?) 

Stamm (unbetont) -mi- -ti- -si- Jcui- 

Stamm (betont) ame- tue- kue- 

Daß die letzte Reihe die tontragenden Formen enthält, bei denen 
idg. *6l zu heth. e, nicht wie bei tonlosem *o\ zu i geworden ist, 
ergibt sich vor allem aus dem Stamm ame-, der genau einem 
gr. Efxoi entspricht, wobei unbetontes idg. *e wie auch sonst im 
heth. zu a geworden ist. 2 ) Jcue steht dagegen in der ersten Reihe 
nur als Lückenbüßer. Es ist der Nom. Akk. PI. d. Neutr., also 
gleich lat. quai, quae; es geht demnach nicht wie die übrigen 
Formen über ai auf idg. *oi zurück, sondern auf ein idg. *äi, 
beweist aber damit, daß auch vom heth. aus ein idg. *q™ä-t neben 
*q u ,ä wie *q u o-i- neben *q™o- vorhanden war, und zwar hier wie 
dort ein Stamm mit Nominativfunktionen. 

Die Deklination der Possessiva ging aus von den schon idg. 
und auch dort schon enklitisch angehängten (rexvov /not, gnäte 
ml) Dativen -mi, -ti, -si und ist in den sicher überlieferten oder 
analogisch erschließbaren heth. Neukasus die eines i- Stammes, 
und zwar ganz im Geiste idg. Analogiebildungen; führend war 
dabei das Indef.-Relat. ku-is: 



Nom. Sg. 


-mi-is 


-Hi-is 


-si-is 


ku-is 


= lat. quis 


Akk. Sg. 


-mi-in 


-ti-in 


-si-in 


ku-in 


— quem 


N.A. Neutr. 


-mi-it 


-Hi-it 


-si-it 


ku-it 


= quid 


Nom. PI. 


-mi-e-es 


-*ti-e-es 


-*si-e-es 


ku-i-e-es 


= quüs 



x ) Brugmann Grdr. 2, 2 § 170—184. Ai. may-i, tvay-i rme, ved. tve 
kann sich verhalten wie sünav-i : sünäu, udan-i : udan. 
2 ) Marstrander 128. 168. 



G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 11 

Der Stammvokal -e- neben -i- in kues (Silbenschrift ku-i-e-es) 
gleich lat. qucs (aus *queies) ist ein sekundäres Kontraktions- 
produkt der i- Stämme, also seiner Entstehung nach scharf zu 
scheiden von dem -e- des Nom. Akk. PI. d. Neutr. kue (ku-i-e) 
gleich lat. quae und dem -e- weiterer Kasusgebilde, die auch bei 
nicht »-Stämmen der Pronominalflexion immer wiederkehren. Hier- 
her gehören die Typen Gen. Sg. kucl, Dat. Sg. kucdani, Abi. Sg. 
Jcuez und wohl auch Gen. Dat. PI. kuedäs. 1 ) Sie sind ihrer Endung 
nach vom idg. Standpunkt aus schwer zu erklären. Das soll wegen 
der grundsätzlichen Wichtigkeit der Frage hier wenigstens noch 
in einem Beispiel, dem Gen. Sg., gezeigt werden. 

Dieser ganz unidg. anmutende -Z-Kasus der heth. Pronominal- 
flexion ist, soviel ich bis jetzt sehe, in acht Formen belegt. Immer 
geht dem -l ein -e- voraus, das ich oben in drei Fällen als idg. Stamm- 
auslaut -oi- zu erklären versuchte, gegen Hroznys Theorie BoS 1/2, 
112. 145 von einem Kontraktionsprodukt aus dem Stammauslaut 
-e- und einem idg. Zugehörigkeitssuffix -*el und im Grunde auch 
gegen Marstranders Hypothese (S. 3. 7) von einem idg. Lok. auf 
-*oi, der durch das idg. Stammbildungssuffix -*l erweitert sein 
soll. Es scheint mir bezeichnend zu sein, daß sich, wenn wir von 
dem rätselhaften -Z zunächst absehen, alle diese heth. -e-Gebilde 
in idg. Einzelsprachen wiederfinden mit einer vielleicht entscheiden- 
den Ausnahme. Ich lasse die acht Fälle, vier Personalia, ein In- 
definitum-Relativum und drei Demonstrativa folgen, gebe zu den 
noch nicht erklärten eine kurze Erläuterung und schließe mit einer 
Formulierung des -Z-Problems. 

amc-l: gr. ifj,oi kue-l: lat. quoi, quoi-io-s 

tue-l: ai. tve ke-l: ahd. as. he 

anze-l: ahd. unse-r tame-l: lit. tami, tami-pi 

s(u)me-l:ve&. y-uime apc-l: lyk. ebe-UI 

Ursprünglich scheinen diese betonten, den heth. -c-Z-Typen zu- 
grunde liegenden idg. *o\~ Formen genau wie die unbetonten ohne 
weitere Endung ganz allgemein Men Bereich der Person, wo etwas 
ist oder hingehört, wo es hinneigt oder hinstrebt u. dgl.' 2 ) be- 
zeichnet zu haben. Erst einzelsprachlich sind die alten stammartigen 
Gebilde durch sehr verschiedenartige Endungen zu lebendigen 

x ) Die Länge des -e- ist trotz der Schreibungen ku-e-da-ni, ku-e-da-äs 
durch die Schreibungen von Parallelfornien wie ta-me-e-da-ni, ta-me-e-da-az 
gesichert (Hrozny BoS 1/2, 145. 151). 

2 ) Brugmann Grdr. 2, 2 § 403, 1. 



12 G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

Kasus oder Adjektiven umgestaltet worden; so entstanden etwa 
ein ai. Lok. tvay-i neben ved. tvc, ein keth. Gen. tue-l neben ved. 
tve, gr. aoi, ein lat. Gen. mt-s neben Tok.' ml, gr. juoi, ein abg. 
Adj. moj-b (*mol-\o-s) und ein heth. Adj. -mi-s neben gi. jioi, 
heth. Dat. -mi, ein lat. f Adj.-Gen.' quoi-io-s (Adj. cuius, -a, -um: 
Gen. cuius) neben quoi und ein ahd. ' Adj .-Gen.' unse-r neben 
ved. asme. 

Von ame-, tue-, kue- war oben die Kede. — anze- läßt sich 
unmittelbar dem ahd. unse- 1 ) auf Grund einer schon idg. Stamm- 
form *ns-ol- gleichsetzen, deren altes *-oi an den ved. Dat. lok. 
Plur. asmü, yusme eine Stütze findet. — sume- (in Silbenschrift 
sü-me-e) hat Marstrander überzeugend mit dem Encliticum nu 
imas r nun euch' verglichen und als Verlegenheitsschreibung 2 ) für 
sme- erwiesen. Wie sich der ursprüngliche Anlaut des Pronomens 
zu den idg. Stammformen ue-, u- oder s-ue- verhielt, ist mir unklar ; 
auch ob Marstranders Vergleich von heth. sma- mit av. %ima- 
weiterführt, müssen Sachkundigere entscheiden. Jedenfalls stellen 
sich Stammauslaut und Endung des heth. sme- unmittelbar neben 
ved. y-usme, dessen y- aus dem Nominativ stammt. 3 ) — Für heth. 
ke-: ahd. as. he: idg. *koi (vielleicht alle drei Formen einmal mit 
Nominativfunktion wie das alat.-umbr. Eelat. quoi-pui) brauche 
ich nur noch einmal auf Anm. 1 zu verweisen. — tarne (auch dame- 
geschrieben) ist trotz der Tastversuche Hroznj^s (BoS 1/2, 150) 
und Marstranders (S. 141) seinem Stamme nach noch ganz un- 
geklärt. Ich verbinde es mit Typen wie ahd. demu, lit. tämui, 
abg. tomu, deren -m- man bis jetzt vergebens mit dem alten Pro- 
nominalformans -sm- (ai. tdsmät, got. pamma, preuß. stesmu, 
umbr. esmik) zu vereinen suchte. Heth. tarne- läßt sich als idg. 
Homo'i ansetzen und Laut für Laut nach Stamm. Stammformans 



1 ) Brugrnann Grdr. 2, 2 § 350: 'Direkt oder indirekt auf eine alte 
Form auf -i scheinen ferner zurückzugehen ags. se 'der' (zu^*so-), as. und 
ahd. (Tatian) the the thie 'der' (zu *to-), as. he he hie 'er' (zu ko-) sowie ahd. 
iencr unser Hinter usw. (vgl. v. Helten PBS. Beitr. 21, 458), die letzteren 
mit -r = *-z (vgl. er — got. is)." 

2 ) Marstrander 10: 'Cette forme montre pourtant que sü-me-es 
n'est qu'une graphie defectueuse pour *smes, comme l'ecriture euneiforme 
acadienne, ä l'^gal de 1' aiphabet syllabique cypriote, ne peut exprimer 
des groupes de consonnes initiales autrement que par la decomposition 
en syllabes; dans le cas present, pour le choix de la voyelle ü. le timbre 
du m bilabial a et6 decisif.' 

3 ) Brugrnann Grdr. 2, 2 § 383. Marstrander 10. 



G. Her big, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 13 

und Endung mit dem dial. lit. Lok. tami, tami-pi verknüpfen, 
der so vielleicht den allg. lit. Lok. tarne (verkürzt zu tarn) wie 
vilfce neu beleuchtet 1 ); ob die dial. Endung -i hier alt sein kann, 
haben freilich indogermanistisch geschulte lit. Dialektkenner erst 
weiter zu prüfen. 

Wie steht es nun aber mit dem -Z-Formans? Es kann ein 
Kasus- oder ein Stammbildungssuffix sein, und beide Kategorien 
gehen vielleicht unter in dem höheren Begriff Possessivsuffix. 
Vom idg. Standpunkt aus mag man versuchen, heth. anzc-l mit 
ahd. unse-r und got. unsa-r oder aber heth. kuc-l mit lat. quä-li-s 
zusammenzubringen. Aber anze-l: ahd. unse-r scheitert daran, 
daß hier ahd. -r aus *-z, *-s entstanden (oben S. 12 Anm. 1) und 
so mit einem heth. -I nicht zu vereinigen ist. anzc-l: got. unsa-r 
wird unmöglich, weil heth. I sonst nie idg. *r entspricht, und heth. 
-e-r: got. -ar aus dem idg. Komparativsuffix *-ero- auch dem 
Vokal nach nicht stimmt. Auch Hroznys heth. -el- Suffix, das 
an einen Stammauslaut -e- (Ablaut zu -o- ?) treten soll (BoS 1/2, 58), 
ist nur ad hoc konstruiert und zerreißt den Zusammenhang der 
heth. -e- mit den idg. *-o*-Formen. Das vermeidet Marstrander, 
wenn er (S. 3. 7) die -Ü-Typen aus alten *-o*-Lokativen mit an- 
gehängtem idg. Stammbildungsformans *-M-, -Ho-, -*lio- erklären 
will. Setzen wir statt der Allerweltslokative -*oi-Stämme, so 
bleibt die Konstruktion immer noch unmöglich, weil nicht ab- 
zusehen ist, warum *-li-s heth. zu -l werden sollte, wo es doch in 
Adjektivtypen wie hatti-li-s (Hrozny BoS 1/2, 223) glatt gewahrt 
ist. So landen wir schließlich bei heth. kue-l: lat. quä-li-s, gr. 
Tirj-Xi-xog, abg. Jco-li-kb. Aber auch hier scheitern wir noch im 
Hafen: -l statt -li-s bleibt wiederum unerklärt, und von heth. e, 
idg. *o'i zu lat.-gr. ä, balt.-slav. o führt keine Landungsbrücke; 
dem heth. e zuliebe, das auch idg. *«? sein kann, ein *quäi-li-s 
anzusetzen (etwa *q™ä'i-li-s vom Stamm und Kasus quai wie 
*q"oi-io-s = cuius vom Stamm und Kasus quoi, oben S. 10), 
führt bei den nichtheth. Sprachen zu unabsehbaren Lautschwierig- 
keiten und wäre genau so eine Konstruktion ad hoc, wie ich sie 
Hrozny und Marstrander vorwerfe. 

So schieben sich andere nichtidg. Möglichkeiten in den Vorder- 
grund. Der heth. Gen. kue-l stellt sich zum 1yd. Cas. obl. h-L 2 ), 

x ) Brugrnann Grdr. 2, 2 § 360, la. § 170 Anm. § 177, 1. 
2 ) Zu dem 1yd. -L-Kasus vgl. O. A. Danielsson, Zu den lydischen 
Inschriften, Skrifter utgifna af K. Humanistiska Vetenskaps-Samfundet 



14 Gr. Herbig, Wege und Ziele der hethitischeu Sprachforschung. 

zumal auch die Nominative heth. kuis Jcuit und 1yd. Ms Jiid 1 ) 
nicht übel stimmen. Auch der nach Stamm und Endung ganz 
unidg. anmutende Gen. des heth. Dem. pron. apc-l und der lyk. 
Lokativ ebe-li 2 ) klingen merkwürdig aneinander an. Aber die 
Vokalquantitäten gehen in beiden Gleichungen auseinander, und 
das Verhältnis der Stämme zueinander darf nicht lediglich mit 
der indogermanischen Brille betrachtet werden. Sanguiniker 
mögen auf Grund von 1yd. Ms Md liL: heth. kuis kuit kucl ein 
lyd.-idg. Indefinitum-Relativum und auf Grund von heth. apc-l 
: lyk. ebe-li und von 1yd. bis bilis aus *ebis *ebilis 2 ) ein lyd.-lyk. 
Demonstrativum im Heth. erschließen und danach auf einen indo- 
germanischen Einschlag im Lydischen und einen 'kleinasiatischen' 
im Hethitischen raten oder gar mit Marstrander in dem letzten 
Nebeneinander une importance fundamentale erblicken, die un- 
mittelbar zu dem 1yd., lyk. und heth. Dialekte einer neuen idg. 
Sprachgruppe hinüberleitet. So einfach liegen die Dinge nicht. 
Gerade die am meisten interessierende idg.-lyd. Möglichkeit wird 
durch eine kaukasisch-lyd. glatt neutralisiert. Ich erwähne sie. 
ohne mich hier bei der bloßen Formulierung des Problems auf 
sie festlegen zu wollen. Ein nordkaukasischer Dialekt, das Xürki- 
linische (v. Erckert) oder Hyrkanische ( Schief ner, Friedr. Müller) 
hat ein Personal- und Demonstrativ-Pronomen des Stammes M- 



iUppsala. 20,2, 1917, 14-18 Herbig OLZ 1921 Sp. 318, [Pedersen, 
Philologica, Prague 1, 49 - 54] gegen A. Thumb AJA 15, 1911, 154 
E. Littmann, Sardis, Leiden 1916, 15—16, 1, [Thurneysen, KZ. 50, 
1922. 35-37]. 

x ) Littmann a. O. 67. Danielsson a. O. 11. 26. 

2 ) Hrozny BoS 1/2, 137. Marstrander 22 — 23: 'Sur *e-bho(-i) 
repose sans doute aussi le dernonstr. lycien ebe, ebi, accus, ebe (ebcnne), 
loc. ebei (ebehi), dat. plur. ebeiye; vient s'y joindre le derive ebeli (cf. teli) 
fait sur un genitif en 1, hitt. a-pi-el [geschrieben auch a-bi-e-el]. 

Comme l'a montre M. Thomsen, l'accent portait dans le lycien ebe 
sur l'element dernier, cf. des graphies tellesque ebette, ebenne. En parfaite 
conformite avec ce fait est le passage d'e proclitique ä a en hittite: le lycien 
ebe est ä hitt. a-pa-a-äs, ce que lyc. emis est ä hitt. a-me-. 

Ici se presente encore le lydien bis lui', avec son derive bilis (cf. lycien 
ebeli) de *ebis f *ebilis plus anciens. 

Le fait reconnu de l'existence d'un pronom demostratif *ebhoi en 
hittite, en lydien et en lycien est d'une importance fundamentale pour 
l'appreciation des conditions linguistiques et ethnologiques de l'Asie Mineure. 
Si les rapprochements que nous avons faits sont justes, le tycien, le lydien 
et l'hittite appartiennent comme dialectes ä un seul et nieme groupe de 
langues.' 



G. Herbig, Wege und Ziele der hethitiscken Sprachforschung. 15 

'er, dieser', das mit dem 1yd. Indef.- und Rel.-Stamm hi- 'irgend- 
einer, der' der Funktion und besonders den Formenreihen nach 
sehr wohl verglichen werden kann 1 ): 

Pron. Pers. J Nom. Sg. hü PI. hilti 

d. 3. Ps. ) Gen. hit-ila hitt-ela 

his, wenn die besprochene Sache dem Sprechen- 
den näher steht als dem Angesprochenen, 
hit, wenn die besprochene Sache dem Sprechen- 
den so fern steht als dem Angesprochenen, 
hü, wenn die besprochene Sache dem Sprechen- 
den ferner steht als dem Angesprochenen. 



Pron. Dem. 

Nom. Sg. 

MFN 



Kaukas. his hit hil steht formal dem 1yd. his hid hL näher als 
heth. kuis kuit kuel; auch die Bedeutungen lassen sich im ganzen 
vereinigen, zumal wenn wir den 1yd. Gen. hL als ein ursprüng- 
liches Adjektiv-Pronomen auffassen. Die 1yd. Pronominal-Nomi- 
native his hi-cl und die analogisch danach erklärten Nommal- 
Nominative auf -s, -d hätten also mit dem idg. grammatischen 
Geschlechte gar nichts zu tun: man hat dieses wichtige, sprachen- 
scheidende und unter Umständen Sprachverwandtschaft ent- 
scheidende Kriterium ja auch nur wegen der Gleichung 1yd. his 
hid: heth. kuis kuü: lat. quis quid in das Lyd. hineinkonstruiert. 
Durchaus unbefangen urteilt Littmann 2 ) : 'Whether -s and d- denote 
different genders cannot be decided yet. The demonstrative pronoun 
es- agrees with the following substantives : ess (for *ess) vunas, 
est mrud. These endings may just as well be signs of classes as 
signs of genders.' 

Hrozny (BoS 1/2, 50—59. 191) und Marstrander (S. 2— 7) 
haben die mannigfaltigen Z-Gebilde verschiedener Sprachen des 
kleinasiatischen und Mittelmeerkulturkreipes flüchtig zusammen- 
gerafft und sie als idg. angesprochen, äußerlich mit leisen Vor- 
behalten, innerlich befangen vom Geiste der indogermanistischen 
Eroberungspolitik, in dem Hrozny die heth. Provinz dem idg. 
Sprachkreise angegliedert hat, und für die Marstrander durch die 
etrubkisch-kleinasiatisch-indogermanischen Träume seiner Lehrer 
und Landsleute Bugge und Torp erblich belastet war. Auch der filius 



x ) Material nach R. v. Erckert, Die Sprachen des Kaukasischen 
Stammes, Wien 1895, 127—128. 

2 ) E. Littmann, Sardis 6, 1, 1916, 67—68. 



16 G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

herilis = filius herJ, das alte Inventarstück der etr. Indogerma- 
nisierer, wird •wieder beschworen, um das Zauberband zwischen 
den kleinasiatisch-etruskischen und indogermanischen Z-Formen zu 
knüpfen. Marstrander 4 meint, daß dieses Z-Forrnans in geogra- 
phisch zusammenhängenden Sprachen gleichen Ursprungs sein 
müsse, indogermanischen oder nichtindogermanischen. Ist das 
richtig, so müßten die Z-Fornien, die im Etruskischen und in den 
kaukasischen Sprachen nicht idg. sind, auch im Heth. und Lyd.- 
Lyk. nicht idg. Herkunft sein. Man mag in der Tat den Gen. 
gewisser Pronomina, wo die idg. Einzelsprachen keine einheitliche 
Überlieferung aus der idg. Vorzeit kennen, als besonders geeignete 
Einfallspforte nichtidg. Elemente und Suffixe betrachten. Aber 
ist Marstranders Entweder-Oder überhaupt zwingend? Ich lasse 
durchaus die Türe offen, daß die heth. an den Fingern abzuzählen- 
den Z- Gebilde von den Z-Formen der übrigen Sprachen zu trennen 
sind und sich noch als einzelsprachliche Sonderentwicklungen aus 
idg. Sprachgut herausstellen. Jedenfalls ist es schon a priori ganz 
unwahrscheinlich, daß von den acht kümmerlichen heth. Z-Formen 
aus, mögen sie schließlich idg. oder nichtidg. Ursprungs sein, sich 
die Lawine der etruskisch-kleinasiatisch-kaukasischen Z-Kasus ent- 
wickelt haben soll. Die Entscheidung ist vielleicht vom Lydischen 
aus zu erwarten, wenn einmal alle Inschriften vorliegen und wir 
die Arbeit wirklich aufnehmen können. 1 ) Vorläufig bleibt nur 
übrig, das etr. 2 )-lemn., kleinasiatische und kaukasische Material, 
soweit es geht, von langer Hand zu sammeln und zu sichten. Erst 
dann hat vorsichtig und unbefangen die vergleichende Betrachtung 
einzusetzen, um über Blutverwandtschaft, Verschwägerung oder 
zufälliges Zusammenklingen der Z-Gebilde und ihrer Sprachen zu 
entscheiden. Jetzt schon das philologisch noch ungenügende 
Material hin und her zu schieben und dabei u. a. auch das Richtige 
zu erraten, hat wissenschaftlich wenig Sinn; anderen Beweis und 
Beweislast zuzuschieben, um sich schließlich als Großvater einer 
neuen "Wahrheit zu bekennen, mag man ruhig den linguistische* 
Glücksrittern und Schwarmgeistern überlassen, die dieses Geb' 
seit langem unsicher machen. 

Mit der Erörterimg des Z-Problemes sind wir bewußt ur 

!) E. Littmann, Sardis 6,1, 1916, p. VIII. O. A. Da 
Zu den 1yd. Inschr., Uppaala 1917, 5. Herbig OLZ 1921, -31 f 

2 ) Zu den etr. /-Formen vgl. Herbig, Glotta 4, 19 1 
E. Fiesel, Forsch, z. gr. u. lat. Gr. 7, 1922, 120-123. 



Gr. Herb ig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 17 

sichtlich in Fragen eingetreten, die über den idg. Kreis hinausgehen. 
Ein solches Hinausgehen wird wissenschaftliche Pflicht auch für 
Indogermanisten, nicht nur wegen eines kleinen, vielleicht nicht- 
idg. Teiles der heth. Flexion und des großen nichtidg. Teiles 
des heth. Wortschatzes, sondern auch, weil durch die Fülle 
der Boghazköifunde das ganze Fragebündel der vorder- und klein- 
asiatischen Sprachen- und Völkerprobleme und ihrer unzerreiß- 
baren Wechselwirkungen mit innerer Notwendigkeit aufgewickelt 
wird. Ich darf die Tatsachen aus den GGN 212 — 213 hier wieder- 
holen: 'Das Chaos der Boghazköisprachen beginnt sich fast in 
dem Augenblick, wo es uns zum Bewußtsein kommt, auch schon 
zu lichten; auf das Chaos der vorderasiatischen Sprachen undVölker 
fällt von Boghazköi aus ein verheißendes Morgenrot. Forrer und 
Hrozny haben, ersterer nach einer Durchsicht sämtlicher Boghazköi- 
fragmente, mit leidlicher Sicherheit, wie es scheint, nicht weniger 
als acht verschiedene indogermanische und nichtindogermanische 
Sprachen in unseren Texten festgestellt. 1 ) Die Untersuchungen 
haben sie unabhängig voneinander vorgenommen. Sie gipfeln 
in dem überraschenden Satz (man verzeihe mir die pointierte 
Formel): DasHethitische ist indogermanisch, aber es ist 
nicht hethitisch. Die Formel hat in jedem Fall etwas Beruhigen- 
des ; ist sie richtig, so waren wir durchaus auf dem richtigen Wege, 
wenn wir hinter den scharf ausgeprägten Hethitertypen, besonders 
der ägyptischen Denkmäler, mit der abgeschrägten Stirn, dem 
glattrasierten Kinn und dem verfilzten Weichselzopf alles andere 
eher als Indogermanen vermuteten. Außer dem Sumerischen, 
dem Akkadischen, den indischen Glossen der xe%vy\ Inmm) 
unterscheiden Forrer und Hrozny: 1. die bisher als hethitisch, 
von Forrer als kanesitisch, von mir fernerhin als pseudo- 
hethitisch bezeichnete Sprache, in der neun Zehntel aller Boghaz- 
köitexte abgefaßt sind, 2. das damit verwandte, also gleichfalls 
indogermanische Lüische, 3. das Proto-Hattische (oder Proto- 
Hethitische), das eine Vorliebe für Flexions-Praefixe zu haben 
scheint, 4. das Harrische, das mit dem Mitanni der Tell-el- 
Amarnabnefe eng verwandt ist, 5. das Paläische, das wohl in 
dem Metalland am Schwarzen Meer und am Kaukasus gesprochen 
wurde Die Tatsache, daß die offizielle Sprache des Archivs 

1 ) E. Forrer, Die acht Sprachen der Boghazköi-Inschriften. SAWB 
1919, 1029-1041. F. Hrozny BoS 5, 1920, 24-48. 

Indogermanisches Jahrbuch. Vlll. 2 



18 G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 

der hethitischen Könige Suppiluliumas', MursiliS, Hattus'ilis' u. a. 
nicht als hethitisch im sprachgenealogischen, sondern höchstens 
als hethitisch im politischen Sinne bezeichnet werden darf, ist 
unerwartet und merkwürdig genug. Es scheint, daß die Boghazköi- 
indogermanen, einst als Eroberer vom Bosporus oder vom Kau- 
kasus her das Halysland überrennend, bald von der proto-hethi- 
tischen Kultur durchtränkt und gebändigt wurden und nur das 
morphologische Knochengerüst ihrer Sprache vor der Kleinasiati- 
sierung bewahren konnten. Die Namen der Herrscherreiche von 
1600 — 1200 sind ganz unindogermanisch; auch der Ausweg, daß 
indogermanische Heerführer proto-hethitische Königsnamen aus 
dynastisch-politischen Gründen übernahmen, wird bei der sprach- 
lichen Einheitlichkeit dieser langen Liste mehr oder minder ver- 
baut.' 

Die Fülle und das Dunkel der unter 1 — 5 aufgezählten Sprach- 
denkmäler werden unsere Arbeitskraft, unsern Scharfsinn und 
unsere Phantasie auf Jahrzehnte bewegen und befruchten. Was 
noch im Schatten der Museen ruht, muß, so rasch die Mittel und 
die Kräfte der Herausgeber es gestatten, den Mitforschern vor- 
gelegt werden. 1 ) Wie zur Herausgabe der BoS Assyriologen und 
Indogermanisten näher sich zusammengeschlossen haben 2 ), muß 
es bei allen Arbeiten auf diesem Gebiete in noch weiterem Um- 
fang und mit vertrauender Lernfreude geschehen. Die Assyriologen 
sollen dabei sozusagen als Hausherren die Ehrenpflichten des Gast- 
gebers erfüllen. Die Indogermanisten werden, so viel läßt sich heute 
schon hoffen, als gern gesehene und leise beneidete Gäste an den 
reichsten Tafeln sitzen. Für eine ärmere Schicht von Geladenen, 
Urartäer und Elamiten, Lykier, Karer, Lyder, Kaukasier und 
Etrusker werden die proto-hattischen, die Mitanni- und harrischen 
Tische gedeckt sein, und auch von den andern Tischen wird manches 

x ) Von der Deutschen Orient- Gesellschaft wurden bei J. C. Hinrichs 
in Leipzig veröfi entlicht : Keilschrifttexte aus Bogliazköi, Heft 1—6, 1916—21. 
Sie werden in der bisherigen Form nicht weiter erscheinen. Dafür hat die 
Vorderasiatische Abteüung der Staatlichen Museen zu Berlin unter der 
Leitung von 0. Weber die Weiterführung der Ausgabe übernommen. Sie 
erscheint künftig unter dem Titel Keilschrift Urkunden aus Bogliazköi in 
Mappen von je 50 einseitig bedruckten Blättern in gr. 4°. Heft 1. 2 wurden 
soeben ausgegeben, Heft 3 — 6 sollen noch im Laufe des Jahres folgen. 

2 ) Die Boghazköi- Studien werden von Heft 6 ab bei J. C. Hinrichs- 
Leipzig herausgegeben unter Mitwirkung von H. Ehelolf -Berlin, G. Herbig- 
Breslau, F. Sommer- Jena, A. Ungnad- Breslau von O. Web er- Berlin. 



G. Herbig, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 19 

für sie abfallen. Man wird sich bei dem Mahle wie bei der Arbeit 
näher kennenlernen, Vorurteile werden schwinden, alte und neue 
Gedanken unbefangener gewürdigt werden. Mit neuen Augen 
vielbedachte Dinge von neuem zu sehen, wird uns alle fördern. 
Alte Rätsel werden sich lösen, neue sich knüpfen. Ob Tiber und 
Halys, Apennin und Kaukasus einander näher rücken, muß sich 
zeigen, örtliche und zeitliche Zwischenglieder werden den Abstand 
überbrücken. Eine idg. Sprache muß im Dunkel des 15. Jahr- 
hunderts v. Chr. auf das kleinasiatische Gewimmel wie ein Schein- 
werfer wirken. Die etruskisch- vorgriechisch -kaukasischen Hoff- 
nungen müssen einmal an der Fülle neuer Tatsachen gemessen 
werden. Sind es Gespenster, So wollen wir ihnen heimleuchten, 
daß ihnen das Wiederkommen vergeht; werden sie zu Gebilden 
von Fleisch und Blut, so wollen wir ihnen erst recht ins Gesicht 
leuchten und in den seltsam fremden Zügen verwandte ent- 
decken. 

Wir verkennen freilich nicht die Gefahren und Bedenken, 
die sich dieser Pfadfinder- und Kolonisatoren -Arbeit auf neuem 
Boden entgegenstellen: die Gefahren der zügellosen Hypothesen- 
sucht wie der ideenmordenden Üb er vor sieht ; die Gefahren des 
mechanisch auswählenden Eklektizismus oder der eigenwilligen 
System- und Wegelosigkeit wie die der starr übernommenen 
Einzelmethode und der ausgetretenen Geleise; die Sucht nach 
dem Subjektiven, Sonderbaren, Sensationellen, die auch in der 
Wissenschaft als Kennzeichen eines neuen Geistes gilt, neben 
der Furcht vor neuen Wegen und der Platzscheu bei plötzlich 
sich auftuenden weiten Ausblicken, die Fuß und Auge so oft 
in entscheidender Stunde hemmen. Wir scheuen nicht minder 
den unreifen Leichtsinn und Wagemut des Bahnbrechers und 
Abenteurers, der hungrig, unerfahren, selbstbewußt einem schein- 
bar jungfräulichen und unerschöpflichen Boden Früchte ab- 
locken will, die er niemals tragen kann, oder auf ihm Pflüge und 
Sensen erproben will, die sich auf artverwandtem Boden längst 
als Torheit erwiesen haben. Wir sind aber auch gefaßt auf die 
überreifen Bedenken des satten und selbstzufriedenen Einzel- 
forschers, der von seinem wohlgepflegten und altvertrauten Fach- 
garten aus kopfschüttelnd die rohe und stürmische Rodearbeit 
auf rauhem Wald- und Haideboden beobachtet, der erst wissen- 
schaftlicher Kulturboden werden soll. 

Hier überall gilt es, durch Beispiel und Zurede die richtige 



20 GL Her big, Wege und Ziele der hethitischen Sprachforschung. 



Mitte zu halten und für neue Aufgaben ein neues Geschlecht ge- 
schulter Arbeiter heranzuziehen. Die Philologenversammlung in 
Jena und der Orientalistentag in Leipzig (September 1921) haben 
diesen Aufgaben eine überraschend starke Teilnahme entgegen- 
gebracht. Wird sie stark genug sein, um den Hunger nach neuen 
imd merkwürdigen Dingen in Arbeitsfreude und Arbeitskraft um- 
zusetzen und so wirklich zu neuen Ufern zu führen? 



Breslau, Februar 1922. 



Gustav Herbig. 



BIBLIOGRAPHIE 
DER JAHRE 1918 UND 1919. 

Im Interesse einer vollständigen Berichterstattung richten wir an 
alle Mitglieder der Indogermanischen Gesellschaft und an alle Leser des 
Indogermanischen Jahrbuchs die dringende Bitte, uns durch Zusen- 
dung von schwerer zugänglichen Aufsätzen und Gelegenheitsschriften, be- 
sonders nichtdeutscber Länder, oder wenigstens durch Mitteilung von 
Titeln und Inhaltsangaben zu unterstützen. Es empfiehlt sich, solche Zu- 
sendungen mit dem Vermerk c für das Idg. Jahrbuch 3 an Professor 
Wilh. Streitberg, Leipzig, S chillerstrafie 7, gelangen zu lassen; 
sie werden alsdann den einzelnen Mitarbeitern zugestellt. 

Die Herausgeber. 



I. Allgemeine Sprachwissenschaft. 

(Infolge der Behinderung des Bearbeiters, des Herrn P.Jacob van Ginneken, 
muß der Bericht diesmal ausfallen.) 



II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 

Geschichtliches und Allgemeines. Lautlehre. Wort- und 
Satzlehre (Flexion, Syntax, Stammbildung, Etymologie). 

1. Brugmann, K., Nekrolog: Riv. indo - greco - italica 3, 349 f. 
(Ribezzo). 

2. Breal, Michel, Nekrolog. RC. 37 (1917/9) 265/7 (J. Vendryes). 

3. Nekrologe von M. Breal, A. Imbert, R. Gauthiot. Bull. 
Soc. Ling. 20 (1917) 10—19. 19f. 127—132 (A. Meillet). 

4. Jespersen, O., Rasmus Rask. I hundredäret efter hans 
hovedvserk. Kopenhagen, Gyldendal. 1918. 80 S. 

Bespr.: M. Cahen, Bull. Soc. Ling. 21, 197 f. 



5. Bogorodickij, V. A., Lekcij po ob&cemu jazykovedeniu (Vor- 
lesungen über allgemeine Sprachwissenschaft). 2. Aufl. Kazari, 
Universitätsdruckerei. 1915. II, 333 S. 8°. 

_ Bespr.: Ä. Meillet, Bull. Soc. Ling. 20 (1916) 147 f. — Populär und 
wenig selbständig. 

6. Porzezinski, V., Vvedenije v jazykovedenije (Einleitung in die 
Sprachwissenschaft). 4. Aufl. Moskau. 1916. 242 S. 8°. (V.) 



22 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

7. Hatzidakis. G. K, rsvixtj yXwooutri I. II. Athen. 1917. 607 S. 

I. 1. yEvtxä fiEv x o8o?.oytxd. 2. yganzog xai noocfogixog X.öyog. 3. öid- 
ojraoig xfjg yXdiooi]?. 4. jXeqI xä>v qja>vt]xixä>v fxezaßoXcJv. 5. tieqI xcöv (pcovtj- 
zixcöv vöfxcov. 6. i) dvd{isi!;ig ev xfj yXwooi], 7. jieqi xfjg iv xfj yXwooj] äva- 
Xoyiag xai jieq'i xov ov/.i(pvQfiov. 8. xsgl x&v orjf.iaoio).oyix(bv /nexaßo/.cöv. 
9. Ttegi iJJ.eiyecog xai xlsovaGfiov. 10. xeqI xfjg naqayoiyfjg xai xfjg xXlaecog. 

II. 11. yi'XoXoyixal xai yga/ufiarixal xaxtjyogiat. 12. tieqI xwv jaeqojv 
xov "i.oyov xai tieqI xfjg [A.sxaoxdosa>g. 13. jzeoI dxoondoEwg xai ävaovozäoEwg. 
14. tieqI xfjg ovvxdg~ewg. 15. jzsqI xfjg y£vso£a>g xai agyjjg xfjg yXwoorjg xai 
xsgl iqpsvQiosayg xfjg yQacpfjg. 16. xoivtj xai ygarpo/nirrj yXcöooa. 17. ovvxo t uog 
laxoQia xfjg yloiooixfjg. 

8. Meillet, A., Sur la methode ä employer en syntaxe. Bull. 
Soc. Ling. 20 (1916) 133—137. 

Anschließend an Sechehaye Revue des langues romanes LVI 44 ff. 
Es ist nicht mit S. von der Bedeutung, sondern von der Form auszugehen 
(eine Kategorie wie Zeit, Aktionsart existiert nur, wenn es eine bestimmte 
Form dafür gibt). Eine allgemeine Syntax ist auf gegebene Sprachen nur 
in beschränktem Umfange anwendbar. „Un plan comme celui de la 
syntaxe coinparee des langues slaves de Miklosich est mauvais parce 
qu'il fait abstraction des conditions generales de la phrase qui sont une 
donnee universelle. Mais un plan qui jusqu'au bout partirait de prin- 
cipes a priori serait egalement mauvais parce qu'il aboutirait a donner 
des idees fausses dans le detail." 

9. Sapienza. Camillo, Etimologia popolare, Analogia e Glottistoria. 
Palermo. Tip. La Celere. 1917. 70 S. 

10. Bück, CD., Comparative philology and the Classics. Trans- 
act. & Proceed. Am Phil. Assoc. 47 (1916) 65—83. 

Inhalt Riv. fil. 47, 305. 

11. Valmaggi. L. Per la grammatica. Atti della R. Accad. di 
Torino. Vol. 54 (1919). 10 S. 

Verteidigung der grammatischen Lehrstühle an den italienischen 
Universitäten; s. die Besprechung von Lenchantin de Gubernatis. Riv. 
fil. 47, 283—96. 

12. Thomsen, V., Samlede Afhandlinger I. Kopenhagen, Gyl- 
dendal. 1919. IV, 449 S. 23 Kr. 

Inhalt : Sprogvidenskabens historie. — Den orientalske filologi i 
Danmark. — Biografier af danske sprogforskere : Rask. Westergaard. 
Smith. Verar. S. Sörensen. — Oldarisk Kultur. — Det russiske riges 
grundlseggelse ved Nordboerne. — Bemagrkninger om Vara3gerspörgsmalet. 

13. Festgabe Adolf Kaegi von Schülern und Freunden dar- 
gebracht zum 30. September 1919. Frauenfeld, Druck von 
Huber & Co. 1919. VIII, 243 S. 8°. 

Inhalt (Referate über die einzelnen Beiträge, soweit sie für diese 
Bibliographie in Betracht kommen, in den betreffenden Mitteilungen): 
A. Debrunner, Aus der Sprache eines Kindes S. 1. E. Schwyzer, Die 
altindischen und altiranischen Wörter für gut und böse S. 12.- K. Brug- 
mann, Zur Etymologie von äv&QOJxog S. 29. J. Wackernagel, Über 
einige lateinische und griechische Ableitungen aus den Verwandtschafts- 



E. Schwyzer, II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 23 

Wörtern S. 40. M. Niedermann, Die Namen des Storches im Litauischen 
S. 66. Ch. R. Lau man, The Sanskrit mutes called mördhanya, that is 
domal S. 93. K. Geld n er, Die Worthaplologie im Rigveda S. 102. 
A. Hillehrandt, Kälidäsa als Kunstdichter S. 107. E. Müller- Heß, 
Mahosadha und Amarä S. 118. J. Jolly, Das altindische Vorkaufsrecht 
S. 126. E. Ab egg, Indische Traumtheorien S. 136. E.Kuhn, Die 
zigeunerischen Nomina auf -o und -i S. 148. 0. Schultheß, Syntak- 
tische Bemerkungen zu griechischen Inschriften S. 151. E. Howald. Zur 
Theognissammlung S. 164. P. Von der Müh 11, Epikurs Kvgiai dö£ai 
und Demokrit S. 172. P. W. Schmied el, Ein paar Konjekturen zum Text 
des Neuen Testaments S. 179. L. Köhler, Septuaginta- Eigennamen und 
ihre Entartung S. 182. J. J. Heß, Kala/.dxrjg „Magnetnadel" S. 1S9. 
0. Was er, Vom Flußgott Jordan und andern Personifikationen S. 191. 
A. ßachmann, Eine alte schweizerdeutsche Patronymikalbildung S. 218. 
Sach-, Stellen- und Wortregister S. 241. 

14. Bogorodickij, V. A., Sravnitel'naja Grammatika ariojevro- 
pejskich jazykov (vgl. Grammatik der idg. Sprachen). Lief. 1 : 
1 — 144 S. Kazari, Universität. 1914. I, 144 S. 8°. 

Kap. I (p. 1— 16): Geschichte der idg. Sprachwissenschaft, Metho- 
dische Bemerkungen. Kap. II (p. 17—60): Charakteristik der Laut- 
systeme und der Betonung der idg. Sprachen. Kap. III (p. 61— 76): Die 
kurzen Vokale «, e, o, d. Kap, IV (p. 76 — 98): Einzelheiten zur Vertretung 
derselben Vokale in den Einzelsprachen. Kap. V (p. 99 — 116): Die Vokale 
e, ö, «. Die Vokale l, ü. Kap. VI (p. 116—139): Die -i- und -«-Di- 
phthonge. Kap. VII (p. 140 — 144): Die unbetonten Vokale. Silbenbildende 
Nasale und Liquiden. — Wenig selbständig. (V.) 

Bespr.: Bull. Soc. Ling. 19, 47 f. (Meillet). 

15. — Kratkij ocerk sravnitel'noj grammatiki ariojevropejskich 
jazykov (Kurze Darstellung der vgl. Grammatik- der idg. 
Sprachen). I.Aufl. Kazari, Universität. 1916. IV, 178 S. 
8°; 2. Aufl. 1917. IV, 207 S. 8°. 

Bespr. : Bull. Soc. Ling. 20, 43 (Meillet). 

16. Gune, P. D., An Introduction to Comparative Philology. 
Poona. 1918. IX, 252, XII S. 16°. 

Will den Indern den Zugang zur vergl. Sprachw. ohne stärkre Her- 
anziehung der europäischen Sprachen vermitteln, nach der Besprechung 
von J. Bloch, Journ. as. lle serie, t. 17, 310-315. 

1 7. Fay, E. W., Important Defects in Indo-European Phonology. 
University of Texas Bulletin 1917. 44 S. 8°. 

I. 1. Linguistic science; inherent defects in its methods. 2. Phonetics 
of OLat. qiiom ; xaxd. 3. Hypocoristic nn in Greek ; I'jhioq xajinäf.iaxa. 

4. Sk. * not from the Schwa Indogerm. ; IE pater (sire; protector). 

5. Sk. i from ä* roots ; from ä» roots only by analogy. 6. Sk. -i-tru not 
from 9-tro. 7. Sk. -i-tra and disyllabic <z»-bases. 8. Sk. caritra, Av. dvari&ra 
as tautological Compounds. 9. In xQsag a is from a nasal vowel ; i in 
Sk. Jcmvis is true IE i. 10. Derivation of xgeag. 11. Extension of para- 
digms like xgeag. 12. Sk. Ist plurals in -mahi contain IE i. 13. Sk. a 
from IE a. 14. No dental spirants /» and d in IE. The „bear" sept. 
15. 16. Phonetics of the group rhst. 17. Consonaut metathesis in Greek 



24 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

(xx for xx, nx for tji). 18. IE preposition e-Vs i-^s Tc 1 s(g 1 hs). 19. The 
preposition i-^s in Greek Compounds. 19a. Excursus on some temporal 
adverbs. 20. The preposition i-k l s in Lat. i-mägo. 21. The preposition 
g 1 hs in Indo-Iranian. 22. The IE preverb bh(e) = ex, extra. 23. Alleged 
instances of IE dental spirants (24. xxü.oq. 25. xxvjzoq. 26. \e\x-xeivsi. 
27. tieqi - x - xlovsg usw.). 

II. Indo-Iranian Direction Adjectives (jihma, -anc- u. a.). 

18. Feist, S., Ein Problem des indogermanischen Ablautes. 
DLZ. 1919. Sp. 355—360. 

Über Güntert, ldg. Ablautprobleme. 

19. Hermann. E., Silbischer und unsilbischer Laut gleicher Ar- 
tikulation in einer Silbe und die Aussprache der indoger- 
manischen Halbvokale u und i. Gott. Nachrichten. 1918. 
S. 100—159. 

Gegen Ansätze wie ~ii, uu, mm. Über die Aussprache von i, u, im 
Slav., Balt., Germ., Ital., Griech., Ar. S. 157. In den älteren Stufen dieser 
Sprachen waren i, n Halbvokale, auch im Uridg. ii, uu gab es im Anlaut 
ursprünglich nicht, wohl aber im Inlaut. In den Diphthongen werden 
i, u konsonantisch gesprochen. 

20. Campus. Gr., Due note sulla questione delle velari ario- 
europee. Turin (Bona). 1916. 20 S. 8°. 

Vertritt nach Meillet (Bull. Soc. Ling. 20, 44) die Auffassung, daß 
die ostidg. Zischlaute jünger sind als die westidg. Velare (idg Palatale) 
und daß x in griech. .tote mit c in ai. panca unmittelbar zusammenhängt. 

21. Fay, E. W., Declension exponents and case-endings. Am. 
Journ. Phil. 40 (1919) 416—422. 

Verteidigung der Agglutinationstheorie mit neuen Beispielen (die 
deiktischen Partikeln e, i, u, em u. a. in der Formenbildung). 

22. Meillet, A., A propos du mot avestique ptü. MSL. 20 (1918) 
286-292. 

ptä (woraus tä) „ Vater" nicht durch Ausfall von 3 in beliebiger 
Stellung, sondern in Gruppen, in denen das Wort sich au ein anderes 
anlehnt (also die Behandlung von a im Wortinlaut). S. 288: „Le lituanien 
a tevas „pere" qui a tout l'air d'un elargissement de *te issu de *pte; et ceci 
suggere l'idee que la gene"ralisation de la forme *pter- a pu etre l'une 
des conditions qui ont determinä Telimination de i. — e. *pater- en slave 
et Femploi usuel de la forme enfantine qui s'est fixe dans le derive v. sl. 
otlci". Wie gäth. ptä erklärt sich vielleicht auch avest. jiarana- als enklit. 
Form von pairna-. S. 290: Da das Iran, im allgemeinen auf Isolierung der 
Wörter ausgeht, macht sich der Einfluß einer festen Gruppierung um so 
bemerkbarer. S. 290 ff. : Ai. dadmäh, dadhmäh haben a nicht lautgesetzlich 
verloren, sondern nach Analogie der 3. Pers. des Plur., die man hier der 
nach andern Fällen normalen Umbildung *dad(h)imah vorzog. Andere 
Beispiele für Schwund von a im Ai. nach Art der iranischen fehlen. 

23. Ribezzo. F., Origine e sviluppo della coniugazione indo- 
europea. Kiv. indo - greco - italica 1 (1917) fasc. 1 p. 39 — 52, 
fasc. 2 p. 43—49, fasc. 3 p. 43—47. 

Dal corso universitario di grammatica indoeuropea. Allgemeine 
Übersicht über die bisherigen Theorien (mit Rückkehr zu Bopp) und Be- 



E. Sehwyzer, IL Indogermanische Sprachwissenschaft. 25 

handlung der Personalendungen. Neu: Typus ävd-oojjie cpsge durch Au- 
gleichung aus urspr. *<xv§qcojzo <pigs (fasc. 1,47), aksl. vezeta nach pron. va 
(fasc. 2, 48), das ai. Passiv auf -ya- beruht auf einer Bildung auf -i z. B. 
*paci 'esser cotW (fasc. 8, 44). 

24. Ribezzo. F., Süll' origine del perfetto in -u nell' antico in- 
diano ed in -vi nel latino. Riv. indo-greco-italica 2 (1918) 
129—137, 3 (1919) 67—77. 

Enthält im ersten Teil eine Darstellung und Kritik der bisherigen 
Ansichten, unter denen die von Reichelt BB 27, 93 f. und KZ 39, 44 f. am 
ehesten annehmbar sei. Im zweiten Teil werden zunächst die Ergebnisse 
der historischen Übersicht zusammengefaßt: Unmöglichkeit einer einzel- 
sprachlichen Erklärung (auf ind. oder lat. Boden), ebenso eines gemein- 
samen formativen Ursprungs (im Ind. handelt es sich um Perfekta, im Lat. 
wegen des Stammvokals um Aoriste) ; in den meisten Fällen gehört -n- 
zur Verbalbasis. Es folgt eine Statistik der einschlägigen ind. und lat. 
Bildungen (38 bzw. 20 Nummern). In der Verbalbildung der langvoka- 
lischen Basen auf -äu- U9w. blieb -ii- vor Vokal, schwand vor Konsonant, 
z.B. *edöu-m t *edö(u)m, däu-ie-m. Die lat. Perfektformen auf -vi gehen 
auf mediale Aoriste auf -u-ai zurück (z.B. döu-ai); vgl. auch griech. 
i'öofa k'/jva u. ä. Ai. dadän usw. sind endungslos, wie denn wenigstens 
einzelne Formen des Perf. überhaupt keine Endungeu aufweisen. S. 67: 
Mitteilungen aus einer ungedruckt gebliebenen Abhandlung von L a 
Terza von 1889/90, in der einige neuere Auffassungen der idg. Formenlehre 
vorweggenommen sind (so z. B. Beziehungen zwischen Deklination und 
Konjugation). 

25. Vendryes, J., Le type thematique ä redoublement en indo- 
europeen. MSL. 20 (1916) 117—123. 

Gegen die Bezeichnung der besondern Bedeutung dieser Bildungen 
als intensiv; sie sind vielmehr perfektiv, wie bes. das Griech. zeigt: tixtco 
ylyvofiai tiitizo) i£aj Ivlanoi vcaaofiai (:vEO[/.ai), Xoyja (: i'/oj), [iif-ivoj (: fisvco); deutlich 
ist der Unterschied besonders bei fii/tivco : fisvco. Ebenso lat. sisto, sldo; im 
Ir. hat der Typus bei einzelnen Verben das Fut. geliefert. 

26. Meillet, A., Sur cypriote dofevai. MSL. 20 (1918) 293 f. 

Die Differenz im Stammsilbenvokalismus zwischen dofsvai : ved. dti- 
väne, sidsvai : gäth. vldvanöi erklärt sich durch Anlehnung an k'8o/.iev bzw. 
stSofiep siötos. In beiden Fällen stehen Bildungen ohne das Nasalsuffix 
daneben: gäth. dävöi, vlduye (zu lesen *v%dve oder *vldvöi; die Form zeigt 
auch, daß iv in dävöi usw. nicht zur Wurzel gehört). Ar. *vndwai zeigt 
den Flexionstypus von ved. Tcrätve; der gleiche Typus erscheint in den 
griech. Infinitiven auf -rat und -aai; eine parallele Erweiterung von 
s - Stämmen in ved. nesäni u. ä., griech. e/jiv usw. (aus * -es-en). 

27. Brugmann, K., Verschiedenheiten der Satzgestaltung nach Maß- 
gabe der seelischen Grundfunktionen in den idg. Sprachen. 
Ber. sächs. Ges. Wiss., phil.-hist. Kl., 70 (1918 [erschienen 
1919]), 6. Heft, 93 S. 

Bespr.: Debrunner DLZ. 1919, Sp. 705— 711; 731—741. 

Betonung der Wichtigkeit, statt nur auf die Satzform auf den 
Satzinhalt Rücksicht zu nehmen. S. 23 idg. Interjektionen. S. 27ff. 
Betrachtung der Mittel zum Ausdruck des Ausrufs, Wunsches, der Auf- 
forderung, der Einräumung, der Drohung, der Abwehr und Abweisung, der 



26 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Aussage über eine vorgestellte Wirklichkeit, der Frage. S. 38 f. Das idg. 
Interrogativ beruht auf einer Interjektion, ebenso das Moduszeichen des 
Optativs (S. 45). 

28. Petersen, W., Syncretism in the Indoeuropean dative. Arn. 
Journ. Phil. 39 (1918) 1-26. 117-144. 

Kritik der lokalistischen wie der grammatischen Theorie, an deren 
Stelle eine neue gesetzt wird: „the I. E. dative was in its first origin an 
uninflected case of the secondary object, which had certain points of con- 
tact with a local case somewhat like the locative in the singular, and 
with the ablative in the plural, and that from this partially common 
sphere of u?age complete syncretisme resulted, so that the uniuflected case 
gave way everywhere to the clearer inflected originally local forrns." 
Diese Theorie wird an den einzelnen Gebrauchsweisen geprüft und illu- 
striert. 

29. Haupt, P., The retained Object. Mod. Lang. Notes 32 (1917) 
405—408. 

Verf. führt außer Beispielen vom Akk. bei (unpers.) pass. Konstruktion 
des Verbs in 3. p. sg. aus idg. Sprachen (kelt. m-berar; osk. ültiurnam 
sacrafi'r, „ultimain consecretur" ; He was given no rest; mhd. den list bin 
ich geleret\ auch solche an aus dem Biblisch- Aramäischen, Hebräischen, 
Arabischen, Äthiopischen. — „The term retained object is correct. 
He was given a book is equivalent to They gave him a book or 
Someone gave him a book. Not every passive construction pre- 
supposes an active construction still consciously held in the mind, but 
the first person who retained the object with the passive construction 
He was given a book, was no doubt unconsciously influenced by the 
active construction They gave him a book." 

30. Hartmann, F., Aorist und Imperfektum (Fortsetzung). KZ. 
49 (1919) 1-73. 

Vgl. Idg. JB. 6 Abt. II 2'j. — 3. Wiedergabe des Imperfekts in alten 
uud neuen Übersetzungen [Thukydidesstellen in frz. und russ. Übersetzung]. 
4. Ergebnisse der Vergleichung. Mittel der Perfektivierung. 5. Die ite- 
rative Bedeutung des Imperfekts. 6. Die Modi des Präsens in iterativer 
Verwendung. 7. Präsens und Imperfektum. Die Ausbildung des griech. 
Tempussystems. 8. Einzelne Folgerungen. 

31. Meillet, A., Du parti ä tirer des traductions de levangile. 
Bull. Soc. Ling. 2t (1918) 30—32. 

Über die altslav., armen., got. Wiedergabe von ovx rjk&ev 8iay.ovi]§ij- 
vai, akka diay.ovrjoai Mc. 10, 45 (der pass. Inf. wurde altslav. durch da poslu- 
Z$u emu, armen, durch pastaton afmü „prendre (recevoir) service", got. am 
ungeschicktesten durch at andbahtjam „diaxoviaig" wiedergegeben, wo 
immer der unabhängig vom Griech. erscheinende Plur. Beachtung ver- 
dient). Die Übersetzungen bekunden, mit welchen Schwierigkeiten die 
Wiedergabe des dem Idg. fehlenden Passivs zu kämpfen hatte. 

31a. Müller- Graupa, E., Der Infinitivus „primitivus 1 '. Berl. phil. 
Woch. 1918, S. 1097— 1104. 1122—1128. 1143-1152. 

Der Inf. historicus und Verwandtes als Rückfall in uf sprachliche 
Redeweise, vergleichbar den ursprachlichen Nominalsätzen („Feuer" u. ä.). 
Parallelen aus Wundt und aus der Kindersprache. Die Erscheinung ist 



E. Schwyzer, II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 27 

im Nhd. häufiger als man gewöhnlich annimmt (z. B. „der mich sehen 
und kehrtmachen 11 ). Näher wird der lat. Gebrauch behandelt. 

31b. Müller-Graupa. E., Der indogermanische Infinitiv als Kasus- 
form. Berl. phil.Wochenschr. 1919, S. 381-384. 

Anschließend an die vorhergehende Nummer. Um die Theorie des 
Inf. „priniitivus" zu retteu, sieht Verf. in den Inf.-Eudungen uralte deik- 
tische Elemeute, die sekundär als Kasus aufgefaßt wurden; z. B. lat. 
pecus edere (= edebat) eig. Vieh beim Aas (= Fraß), noch älter Nominal- 
satz: Vieh: Aas (da)! mit begleitender Gebärde. Das deiktische i auch in 
den primären Personalendungen. 

32. Fay, E.W., Correspondence (Apropos of AJPh. 37, 172 f. 
[s. Idg. JB. 5 II 18]). Am. Journ. Phil. 37 (1917) 228-232. 

Verteidigt die Kompositionstheorie durch den Hinweis auf ags. -bcäre 
„-bar", das in einer so großen Reihe von verblaßten Bedeutungen er- 
scheint, daß es ebenfalls als etymologisch unerklärbar betrachtet würde, 
wenn seine Herkunft nicht bekannt wäre. Ebenso -fast. S. 230 f. zu 
griech. -dtog. 

33. — Sobriquet and Stern. Am. Journ. Phil. 38 (1917) 82-87. 
Composition and Suffication: öh»- ,eye', äno- ,face'. Dahin z. B. ai. 

sam-änä-s ,similis', griech. e«vog (zu svg, eig. bona facie), vsaviag. So auch 
ai. Cyäv-änas u. a. Prthav-änas ist eig. Vok. Prthav Ana ,(o) Broad Face' 
(,vocative origine of sobriquet Compounds'); auch wo das erste Kom- 
positionsglied die Form des Stammes hat, ist es Vokativ; auch xalaicpQoov, 
TakaoicpQcov enthalten vokativisches Vorderglied, rujänüs RV. 132, 6 d ist 
eig. „a cleft bis nose". Die Endung -e des Vok. ist ein deiktisches Fle- 
ment; „Latin puer-e may be conceived as like our outcry „boy there". 

34. Meillet, A., Un ancien theme en -o- feminin. MSL. 21 (1919) 
111. 

/Luofiög , ved. midhäm, got. mizdo, altslav. mizda deuten auf idg. 
mizdho- f. 

35. Burlingame, E. W., The Compound negative prefix an-a- in 
Greek and Indic. Am. Journ. Phil. 39 (1918) 299 — 305. 

Über griech. dvd-sdvog, dvd - eXjtxog , dvd-yvcoarog, dvd-nvsvoxog, päli 
ana-bhära, anä-mata, ana-matagga: hier ist an-a- verstärkendes negat. 
Präfix, in den Prakrits und neuind. Mundarten einfaches Negativpräfix, 
kontaminiert aus der antevokal. und antekonsonant. Form des idg. Negativ- 
präfixes. Auch avest. Fälle (Bartholomae Altiran. WB. 119 ff.) kommen in 
Frage. 

36. Stamm, Fr., Die denominativen Verben primären Charakters 
in den idg. Sprachen. Diss. Münster i. W. III, 80 S. 1919. 

37. Bartholomae, Chr., Zur Etymologie u. Wortbildung der idg. 
Sprachen. Sitzungsber. d. Heidelberger Akademie d. Wiss. 
1919. Abh. 10 (50 S.). 

I. Zur Infinitivbildung im Arischen u. Griechischen. Ai. bhüsäni, 
mpers. bavisn, griech. <pvvai; — ai. däväne, gAw. vldvanöi, griech. eidevai. — 
Die erste Reibe führt auf idg. *bhewsnäi bzw. *bhüsnai (darnach wohl 
auch dovat $evai oxfjvai aus -snai, nach evai aus es(s)nai: nach solchen 
Mustern entstanden die Inf. auf -vai). In der zweiten Reihe gehört -v- 



28 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

zur Endung ; eiS. aus fsidß., so auch Uvai u. a. zu erklären. — II. Apers. 
duvaistam, jAw. dböistdm u. mpB. duvüyist; ein Beitrag zur Superlativ- 
bildung. — III. Mpers. x v es u. gAw. x v aißya-; mpT. xcebas u. jAw. 
x v aepaiüya-; rusoj'd. xvatäv u. woss. xxcau. — IV. Mpers. röwet u. got. 
raupeil), ahd. roufit; dazu eine Berichtigung bei Barthol., Sitz.-Ber. Heid. 
1920, Nr. 2, S. 8, Note. 

37a. van Blankenstein, M., Over de leer der worteldeterminativa 
in het Indo - Germaansch. Handelingen van het zevende 
nederl. filol. Kongres. Groningen Wolters 1913, S. 92-102. 
Kritik gegenüber Hirt und besonders Per Persson; nur durch Nach- 
weis einer Verwandtschaft des Idg. mit einem andern Sprachstamm 
weiterzukommen (Jahresb. germ. Phil. 39, 75). 

37 b. Petersson. H., Zwei sprachliche Aufsätze zur etymologischen 
und semasiologischen Forschung. Lund, Lindstedt. 88 S. 

I. Idg. Wurzeln *per- und *ker- , sprühen, spritzen und ihre Ableger'. 

II. Nhd. bald, geschwind und schnell. — Vgl. Jahresb. germ. Phil. 39, 80. 

38. Bück. C. D., Words for ,Battle', ,War', ,Army', and ,Soldier'. 
Class. philol. 14 (1919) 1—19. 

Zusammenstellung der genannten Wörter aus den alten und den 
lebenden idg. Sprachen mit beigegebener tabellarischer Übersicht. 

39. Cotte, J. et Ch., La guede dans l'antiquite. Rev. et. anciennes 
21 (1919) 43 — 57. 

Bebandelt auch die Namen für „Waid" : glastum, Taaztg, vitrum u. a. 

40. Güntert. H.. Kalypso. Bedeutungsgeschichtliche Unter- 
suchungen auf dem Gebiet der indogermanischen Sprachen. 
Halle, Niemeyer. 1919. XVI, 306 S. 8°. 42 M. 

Bespr.: DLZ. 1921, Sp. 16Ö-169 (E. Hermann). 

41. Schrader. O.. Zur Entwicklungsgeschichte des Schicksal- 
begriffs bei den Indogermanen. Neue Jahrbücher 43 (1919) 
S. 74-79. 

42. Melllet, A.. Les verbes signifiant „dire t( . Bull. Soc. Ling. 
20 (1916) 28 — 31. 

Anschliessend an Bück (s. Idg. JB. 4 II 17). I. Des conditions speciales 
des changements de sens. Verteidigt gegen Bück die Auffassung, nach 
der lat. dico „sagen* zunächst aus der Rechtssprache stammt („faire une 
declaration"). ,En ce qui concerne en particulier l'etyrnologie i. -e., il Im- 
porte de serrer de plus en plus le sens precis des niots, au lieu de con- 
siderer des sens larges et generaus de racines qui permettent de grouper 
ensemble des mots tres differents, mais qui ne donnent le moyen de suivre 
exactement l'histoire d'aucun mot"; vgl. idg. faens-, wofür die spez. Be- 
deutung „de'clarer solennement" wahrscheinlicher ist als Brugmanns all- 
gemeine Bedeutung „in Ordnung bringen" (vgl. y.öafio;). II. La restitution 
des formes i. -e. Als idg. dürfen gelten *wekv>- „dire" (auch die Subst., 
die griech. l'nog, öxp voraufliegen), *sek">- „indiquer", bhä , parier", woneben 
aber noch andere in Betracht kommen (slav. reko ist auch tocharisch). 

43. — Le nom du fils. MSL. 21 (1918) 45/8. 

Das idg. Wort erscheint nur ar., balt.-slav., germ. mit abweichendem 
Suff, griech. und kutsch. Armen, iistr (woneben häufiger ordi : xögtg) „donne 



E. Schwyzer, II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 29 

l'impression d'etre une forme artificelle rempla9ant. une forme ancienne 
qu'on voulait eviter" ; Umbildung des alten Wortes nach dustr. Im Lat., 
Lett. und Albau. parallele Neubildungen, im Kelt. Ausdruck der Kinder- 
sprache für den Sohn, für die Tochter verschiedene Ausdrücke. „On est 
amene ä croire que, chez plusieurs nations de langue i. -e., le nom du 
descendant male, et souvent aussi celui du descendant de sexe feminin, a 
ete trappe d'interdit". Im Avesta ist hunus daevischer Ausdrnck (gegen- 
über pu&rö), wohl nur weil das Wort veraltend war. Für „Kind" fehlt 
ein gemein.-idg. Ausdruck. 

44. Schulze, W., Beiträge zur Wort- und Sittengeschichte I— III. 
Sitz.-Ber. d. preuß. Akademie d. Wiss. 1918. S. 320 — 332, 
401-511, 769 — 791. 

I. Parallelen zur griech. Ausdrucksweise xaxanovTa>$eig (jünger auch 
ßanuofteig) ämnviyr), submersus suffocatus est für „ertrinken" aus einer 
Reihe von Sprachen; Entwicklung von necare ^> noyer über die Bedeu- 
tung , ersticken". S. 334 Nachtrag zu „sua morte obire u . 

II. Über die Selbsthilfe (vitn vi repellere) und ihre Ablösung. Über 
das Notgeschrei (S. 499 ai. krosu : ags. hream, S. 493 räjä = aQrjyoh', S. 550 f. 
zu ßotj&oog : vgl. ai. abhidhävati). 

III. Die Interdiktionsformel geht in ihrem Kerne auf idg. Zeit zurück; 
die Reihe umfaßte ursprünglich wenigstens vier Vorstellungen (Feuer 
und Wasser, Auskunft über den Weg und Obdach). S. 770/3 über die 
Etyu ologie von avot (teils zu lit. säuja .Handvoll als Maß', teils zu lat. 
haurio). 

45. Vendryes, J., Les correspondances de vocabulaire entre 
l'indo-iranien et l'italo-celtique. MSL. 20 (1918) 265 — 285. 

Behandelt werden die besonders wichtigen Übereinstimmungen reli- 
giöser Natur, im Kultus, im Opfer. A. Termes generaux. Lat. credo: 
ir. er etim usw., ir. crubud „Glaube" : ai. vigrambhute, ir. (h)iress „Glaube"': 
plhl. parast „adorateur", lat. iüs: ir. huisse „iustus" usw., lat. lex: ai. 
räjäni ,,sous la loi", ir. rath ,.gräce": ar. rä- „donner", lat. res usw., 
ir. ein „amour, affection": ai. cänah n. B. Noms de fonetions ou de 
qualites. L&t. flä-men: ai. brahman-, umbr. arsfertur: ai.präbhartä, altgall. 
gutuater (Bezeichnung eines Priesters) : ai. .juhöti „il sacrifie" (?\ lat. r ex, 
ir. ri, ai. rüj-, ostiran. rri „roi", rris-püra „Als de roi" hatte urspr. wohl 
religiöse Bedeutung, lat. erus: altgall. Esu- usw., ir. aire „maitre" : ai. 
äryah usw., ir. Eremon: ai. aryamän-; ir. nöeb „sicut" : altpers. naiba 
„beau, bon", lat. Faunus : ir. Buanann (zu buan ,,bon") usw., ir. cichurda 
„violent": ital. ciprus : ai. gakrä- „fort" (relig. Bedeutung unsicher), lat. 
catus: ir. cath „sage". C. Designations d'aetes religieux. Ai. 
gammti: lat. censere, lat. medicus: avest. vlmad- „medecin", lat. sepelire: 
ai. saparyati, a,i.ävati: lat. avere, ir. con-öi „il protege", lat. promulgare : 
ir. durinmaile „promulgavit": ai. marjmi ,j'essuie", ai. väghät- „qui 
prie": lat. vovere, lat. prex: skr. prät, ai. pibämi: lat. bibo, ir. ibim, 
ir. -andaim ,.j'allume": ai. inddhe ,,il allume", ai. bravlmi „je parle": ir. 
frithbruduth „refus", ai. nävate „il celebre": ir. nuall „cri", ai. caste „il 
voit": ir. -accastar ,.il est vu", ir. orgim „je tue": avest. ardza- „combat". 
D. Noms d'objets et d'instruments. Lat. ära: ai. äsah „cendre", 
ai. vätah „clöture": ir. fäl „eneeinte", ai vrajäh „enclos": ir. fraig ,,mur": 
osk. verehias „civitatis", ai. varandh „mur": ir. ferann „territoire", ai. 
värtram „digue protectrice" : cymr. gwerthyr „forteresse", ai. vagä „vache" : 



30 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

lat. vacca, ai. ghrtdm „creme": ir. gert „lait" (ir. suth „lait" ist unsicher 
bezeugt), ai. sasyäm „Getreide": cymr. haidd usw., lat. ensis: ai. asih 
,,epee, couteau". E. Parties ducorps et defauts physiques. 
Ai. kesarah ,,chevelure" : lat. caesaries, ai. röman- „poil": ir. ruaitnne 
„poil", ir. selg ,,rate" : avest. spvrdza „rate", lat. lien: ai. plthan-, ir. erit 
„sabot": avest. srü- „corne", lat. cacümen: ai. kakübh-, ir. doe „bras" : 
ai. dos-; lat. menda; cymr. mann „naevus", ir. menn „defaut": ai. mindd 
„defaut physique', ir. bloesg „begue" ; ai. mlecchäh, ir. bodar „sourd" : 
ai. badhiräh, lat. calous: ai. ätikulvah ,.chauve", ir. coli „borgne": ai. känäh, 
kelt-lat. andabata : ai. andluih „aveugle" ; lat. rabies: ai. rdbhali „violence". 
F. Expressions diverses. Umbr. dupursm peturpursus: ai. dcipddag 
cdtuspadali. Zeitrechnung: ai. sadivah: cymr. heddyw „aujourd'hui", ai. adya: 
lat. Iwdie, lat. aprilis: ai. dparah, ir. tan „ternps" cf. lat. tempus. Göt- 
ternamen: kelt. Danüvius: avest. dänus, ir. Sinnae „le Shannon" : ai. Sindhuh 
u. a. Conclusions. Methodisches. „L'objet de cette enquete etait de 
prouver qu'il a existe une commuriautä de termes religieux chez les 
peuples qui sont devenus plus tard les Hindous et les Iraniens, les 
Italiotes et les Celtes." Daneben bestehen aber auch religiöse Bezie- 
hungen zwischen Ar. und Slav., zwischen Germ.-Italo.-Kelt. 

46. Hermann, E., Die Bedeutung der Wörtchen *ne, *nc, *nei 
in den indogermanischen Sprachen. Gott. Nachrichten. 1919. 
S. 223—228. 

Im Anschluß an Lattmann (KZ. 49, 92 ff.) wird dessen These, daß eine 
Anzahl von Partikeln negative und positive Bedeutungen in sich ver- 
einigen, mit einigen Abstrichen angenommen. Die im Titel genannten 
Wörtchen haben 1. affirmative und verstärkende, 2. indefinite, 3. negative 
und postkomparative. 4. komparative Bedeutung. Der Ursprung liegt im 
anaphorischen .so'. Die Negation beruht auf ironischem sicherlich' oder 
.etwa'. 

47. Holthausen, F., Etymologisches. KZ. 48 (1918) 237—239. 
1. Germ, pimtan, gr. oTzog. 2. Ae. pyddan, ftodddtan, lat. tundo. 

3. Nd. dün , lat. tumeo, teneo. 4. Ae. göp, lat. habeo. 5. Ae. näüstan, 
gr. veTxos. 6. Ae. göian, ai. ghüka. 7. Ae. böian, lat. färi. 8. Ae. grcedan, 
gröptan. 9. Lat. LibiÜna, libirh. 10. Norw. laft, gr. ?.ajiagög. 

48. EVIeiilei, A., Remarque etymologique. Bull. Soc. Ling. 21 
(1918) l!3f. 

Ai. jänati statt *janäii verdankt sein -ä- einem dem griech. eyvwv 
entsprechenden Aorist. — Lat. unda, lit. vandü verdanken ihr -n- einem 
infigierten Präs. entsprechend ved. undtti. 

49. — Lat. sancio, sacer et gr. ä^o/xai, äyvog. Bull. Soc. Ling. 
21 (1919) 126 f. 

Nimmt diese ältere Gleichung wieder auf; der Unterschied zwischen 
y und c erklärt sich daraus, daß ein athematisches Präsens zugrunde 
liegt; vgl. got. hilpa: lit. szelpiü (idg. : * kelp-mi) ; jiijttfo : altslav. pade 
(idg. *_/>ö£-»i/). 

50. Vendryes, J., Etymologies. MSL. 21 (1918) 39—44. 

1. Lat. mentuta: für die Verknüpfung mit ai. mänthati (schon Baudry 
MSL. 1, 341), lit. mcnte; Bildung von Wz. *mentli9- mit Suff, -lä (vgl. 
copula usw., infula zu Wz. *nedh-9). 



E. Schwyzer, IL Indogermanische Sprachwissenschaft. 31 

2. Lat. nu.v. hält mit Pedersen KZ. 32, 251 an der Identität mit 
den kelt. und germ. Wörtern fest, erklärt aber die lat. Form durch Assi- 
milation (knud ^ knük ^> gnitk ^> nuk). 

3. Lat. salebra: ir. sal „crasse, souillure" ; Grundf. *salesrä. 

4. Gallo-rom. bedo-: nicht mit Meyer-Lübbe Rom. Wß. S. 72 fränk. 
bed, sondern kelt. (gall. bedd „fossee, tombe" usw. zu lat. fodio). 

51. Wood, Fr. A., Th I.-E. root *qeu- 'nuere, nutare, cevere ; 
quatere, cuclere; cubare, incumbere\ Mod. Phil. 17 Nr. 6 
(1919) 83-102 u. Nr. 10 (1920) 127 — 140. 

52. — Greek and Latin Etymologies. Class. Phil. 14 (1919) 
2,15—272. 

Sammlung von 93 Etymologien. 

52 a. Bartholomae, Chr., Zur Buchenfrage. Eine sprachgeschicht- 
liche Untersuchung. Sitz.-Ber. Heidelberger Akad. 1918, 
1. Abh., 20 S. 

Verteidigt die formelle Möglichkeit der Verwandtschaft von 
kurd. büz ,eiue Art Ulme' mit lat. fCigus, ahd. buohlia, griech. qrqyoQ gegen- 
über Schrader, Reall. 2 170; dagegen ist kurd. riz gewöhnliche Ulme' von 
bnz zu trennen. Der Aufsatz enthält auch wichtige prinzipielle Ausfüh- 
rungen über Etymologie, so über das Prekäre der Beziehung von Sach- 
wörtern auf Verbalwurzeln und über die Grenzen des etymologischen Be- 
weises: „für die weitaus größere Anzahl der allgemein anerkannten Wort- 
gleichungen [ist] auf Grund der Lautgesetze der Beweis nicht dafür zu er- 
bringen, daß sie richtig sein müssen, sondern nur, daß sie richtig sein 
können. . . ." Oft muß „die innere Wahrscheinlichkeit der an- 
gesetzten Gleichung" in Rechnung gestellt werden. 

53 Polivanov. E., Idg. *medhu — urchines. *mit (russ.) Zapiski 
Vostocn. Otdel. Russkago Archeol. Obsc. 23 (1916) 263 
bis 265. 

Hält das chines. Wort für eine Entlehnung aus dem Idg., weil „die 
Honigbiene in Asien nur in einer schmalen Zone zu Hause ist, die von 
W. nach O. über Kleinasien, Syrien, Nordarabien, Persien, Afghanistan, 
das Himalayagebirge, Tibet und China läuft" (nach Schrader). (V.) 

Kleinere und zweifelhafte indogermanische Sprachen. 
Nichtindogermanische Sprachen. 

54. Forrer, E., Die acht Sprachen der Boghazköi - Inschriften. 
Sitz.-Ber. d. Preuß. Akademie d. Wiss. 1919. S. 1029—1041. 

„Eine Durchsicht sämtlicher Boghazköi-Fragmente hat ergeben, daß 
in ihnen nicht weniger als acht verschiedene Sprachen vorkommen : außer 
dem Sumerischen, Akkadischen, der bisher als ,Hethitisch' bezeichneten 
Sprache, die, wie wir sogleich sehen werden, richtiger Kanesisch zu 
nennen ist, und dem Urindischen, das Harrische, das Protohattische und 
das Baläische." Über neun Zehntel der Inschriften sind in der wesentlich 
idg.-kanesischen Sprache abgefaßt. S. 1035 „Es ist im Auge zu behalten, 
ob das Luvische mit dem Lydischen einem sonst verschwundenen süd- 
lichen Zweig des finno-ugrischen Sprachstammes zuzuweisen sei." S. 1036 
„Die nur mitannischen, nicht auch hattischen Götter Mitrassil, Arunassil, 
Indara, Nasattijanna haben die Harrier von den vermutlich nordöstlich 



32 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

angrenzenden Urindern übernommen. Die Wohnsitze dieser dürfen wohl 
auf dem rechten Ufer des Kur, etwa von Elisavetopol bis zum Kaspischen 
Meere angenommen werden." Auch die Kossäer (Kassi = Kaspier) waren 
Indogermaiien. Die Urinder kamen etwa 2500 v. Chr. über den Kaukasus 
in die Kurebene. S. 1037 f. Das Armenische erhielt seinen grusinisch- 
kaukasischen Einschlag in Kleinarmenien, die Kanesier kamen aus Europa 
nach Phrygien. S. 1040 Die wirkliche Urbevölkerung von Kleinasien waren 
die mit den Sumeriern verwandten Protohattier. 

55. Jensen, P., Indische Zahlwörter in keilschrifthethitischen 
Texten. Sitz.-Ber. d. Preuß. Akademie d. Wiss. 1919, 
S. 367—372. 

a-i-Tca, ti-e-ra, pa-an-s(z)a-, sa-at-ta, na-a (-ua-ar-ta-an-na) : vgl. ai. 
eka-, tri-, panca-, sapta-, nava-, zum zweiten Glied ai. -vära-; die Endung 
-tana ist assyr.-babyl. Vgl. auch Nasattitanna : ai. Näsatyä. 

56. Crawford. S. J., The decipherment of the Hittite Language. 
JBAS. 1919, S. 1—13. 

56 a. Brandenburg, E., Zur Erforschung der hettitischen Sprache. 
Orient. LZ. 1917, S. 209—211. 

Hinweis auf mögliche Nachkommen der Hettiter (Jahresb. germ. 
Phil. 39, 71). 

56b. Bork, F., Ist das Hettitische arisch? Orient. LZ. 1916, 
S. 289—296. 

Für Ähnlichkeit mit dem Kaukasischen (Jahresb. germ. Phil. 39, 71). 
56c. Johansson, K. F., Ar hetiternas spräk indoeuropeiskt? 
Nord, tidskr. för vetenskap usw. 1916, S. 285—296. 

Für den schon früher von Knudtzon und ihm selbst angenommenen 
idg. Charakter (Jahresb. germ. Phil. 39, 71). 

56 d. Hempl, Gr., The Hittite text on the Tarcondemus boss. 
Flügel memorial volume, Stanford university, California 1916 
(nach Jahresb. germ. Phil. 39, 71). 

57. Nogara, B., Le nuove scoperte intorno alla lingua degli 
Hethei e alle loro possibili relazioni colle piü antiche popo- 
lazioni d'Italia. Comunic. Pontif. Accad. Arch. 1917. 13 S. 

58. — Nuove scoperte intorno alla lingua degli Hethei. Riv. 
indo-greco-italica 1 (1917) 350 — 357. 

Vortrag vom 3. Mai 1917 in der P. Accademia di Archeologia. 
Übersicht über die neueren Entdeckungen und Forschungen, besonders 
von Hrozny ; zum Schluß wird auf die Etruskerfrage eingegangen : die 
von Hr. angenommenen Beziehungen zum Latein (und zum Etruskischen) 
erklären sich vielleicht aus der europäischen Heimat der Hettiter. 

59. Pinches, Th. Gr., The Language of the Kassites. JRAS. 1917, 
S. 101 — 114. 

Veröffentlicht im Hinblick auf die mögliche Verwandtschaft zwischen 
Hettitisch und Kossäisch das von Delitzsch, Die Sprache der Kossäer 
1884 in Transkription gegebene Vokabular im Original (nach einer eigenen 
Kopie von 1882 oder 1883, ,.the British Museum being at present closed 
owing to the War") und stellt die kossäischen Namenlisten aus andern 



E. Schwyzer, II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 33 

Quellen zusammen. Fortschritte der kossäischen Studien erhofft er von 
Namen gleicher Bedeutung im Semit, und Koss., von den hettitischen 
Funden und Ausgrabungen im Kossäerland. 

60. Holma, Harry, Etudes sur les vocabulaires sumeriens-acca- 
diens-hittites de Delitzsch, Sur le probleme de l'origine indo- 
europeenne de la langue hittite. Helsingfors 1916. Journ. 
de la Soc. Finno-Ougvienne 33 (1918) 1—73. 

Bespr.: Bull. Soc. Ling. 21, 294 (Meillet). — Sucht die Theorie von 
der idg. Herkunft des Hettitischen durch zahlreiche Wortdeutungen zu 
stützen. 

61. Marstr ander, C, Caractere indoeuropeen de la langue hittite. 
Christiania, Dybwad 1919. VIII, 172 (Videnskapsselskapets 
Skrifter 1918). 

Bespr. : Bull. Soc. Ling. 21, 293 (Meillet). 

Verf. stützt sich auf das von Hrozny und andern bisher veröffent- 
lichte hettitische Sprachmaterial. Er behandelt nacheinander das Pro- 
nomen, das Nomen, das Verbuni, die Laute sowie die Schreibung und den 
Akzent. Verf. glaubt im Hettitischen wie in den idg. Sprachen die un- 
geschlechtigeq^und geschlechtigen Pronomina zu unterscheiden, wenn die 
letzteren auch eine in andern idg. Sprachen nicht nachzuweisende Flexion 
haben. Bei den Personal- und Possessivpronomina will er Übereinstim- 
mung mit der idg. Flexion finden; das Interrogativum Jcuis: lat. quis (wie 
Hrozny). Beim Nomen unterscheidet er Stämme auf -o, -i, -u und -nt 
mit einem Nom. Sing, auf -s, Plur. auf -es, die a-Stämme umfassen auch die 
idg. «-Feminina ; io- und -o- Flexion wechseln ab wie im Italischen usw. 
Neutra auf -i und -u, auch -n- und -r- Stamm abwechselnd (wie Hrozny). 
Beim Verbum werden thematische und athematische Präsentia unter- 
schieden; «-Infix, s/i"-lnchoativa, Reduplikation, Tempora mit -s- Charakter 
wie im Idg.; nur die Personalendungen stimmen nicht recht. Dagegen 
ist das »'-Passiv (wie im Tocharischen) nachzuweisen. Während sich der 
Vokalismus einigermaßen mit dem idg. zusammenstellen läßt, ist dies 
beim Konsonantismus schwierig, weil sich das semitische Schriftsystem 
zur Wiedergabe der idg. Konsonanten nicht eignet. Das Hettitische besaß 
einen Starkton, wie Verf. aus der Behandlung des idg. e schließt. Ob- 
wohl die hettitischen Sprachdenkmäler älter als andere idg. sind, ist 
die Entwicklung der hettitischen Sprache doch sehr weit entfernt von 
der idg. Grundsprache unter dem Einfluß der babylonischen und assy- 
rischen Kultur, wie Verf. glaubt; es stand dem Italo-Keltischen und 
Tocharischen in der idg. Urzeit am nächsten als östlicher Grenzdialekt. 

62. Wirth, A., Kappadokische Zahlwörter. Klio 15 (1918) 420 
bis 422. 

Betrachtet die neuerdings wieder von Dawkins Greek Dialects in 
Asia Minor behandelten kappadokischen Zahlwörter im Gegensatz zu 
diesem (vgl. Glotta 4, 332) als einer wirklichen vorgriechischen Sprache 
entstammend ; er findet Gegenstücke im Kaukasischen und in zentral- und 
ostasiatischen Sprachen. 

63. Curiy, A., Questions greco-orientales. Rev. et. anciennes 20 
(1918) 1—8, 164-168, 223—230. 

IX. Meonien xavdavla „etrangleur de chiens" (verweist zunächst auf 
S. Reinach, Rev. et. anc. 4, 1 — 6, der das Wort als Bezeichnung des Löwen 
Indogermanisches Jahrbuch. VIII. 3 



34 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

nachweist, und deutet es dann als etrusk.-lyd. Entlehnung eines ital. 
*kan-daula- unter Beibehaltung der geläufigen Erklärung. Auch illyr. 
Candüria kommt — nach Rozwadowski — in Betracht). 

X. Lat. resina, gr. QtjTtvtj „resine", lat. rasis (vgl. Reti: Paoe(vva: 
etruskisches Lehnwort). 

XI. Gr. ßögazov {ßogärrj) ,,sorte de cedre", ßöoaooog (ßovgaooog) „spathe 
enveloppant le fruit du pahuier, datte enfermee dans son enveloppe" 
(semitischen Ursprungs, wie die im Grunde identischen ßgd&v, lat. bratus). 

63a. Assmann. E., Fehlgriffe und neue Wege bei der Erforschung 

kleinasiatischer Eigennamen. Berl. phil.Woch. 1919, S. 89/96. 

Deutet zahlreiche kleinasiatische Namen aus dem Semitischen und 

Sumerischen, z. B. Sarpedon als „Herr der Rettung", Pandaros als „Bogen 

des Steinbocks", Thersites als „Verleumdung". 

64. Danielsson, O. A., Zu den lydischen Inschriften. Upsala 
und Leipzig 1918 (= Skrifter utgifna af k. hum. veten- 
skapssamfundet i U. 20, 2). 

65. Arkwright. W. G., Lycian and Phrygian Names. Journ. 
Hell. Stud.'3S (1918) 45—73. 

Bedenken gegen die gewöhnliche Beurteilung der griech. Ortsnamen 
auf -v&og und -(a)aog. Behandlung einer Reihe kleinasiatischer Nameu 
mit Rücksicht auf Beziehungen und Lautlehre. Allgemeines über die 
kleinasiatische Ethnologie. S. 73 „With regard to the suffixes which are 
held to be specially characteristic, -v5- is generally, though not invariably, 
a proof of Lycian origin; -o- affords no evidence on either side: and 
-aa- in local names is probably native to Phrygia, but not native 
to Lycia." 

66. Schiffer, S., Marsyas et les Phrygiens en Syrie. Rev. et. 
anciennes 21 (1919) 237—248. 

,3Iarsyas est, sous la forme primitive d'Imer(i)8u, le nom assyrien 
d'un äne deifie ä Damas, le centre, semble-t-il, de son culte en Syrie." 

67. Svoronos, J. N., L'Hellenisme primitif de la Macedoine 
prouve par la numismatique. L'or du Pangee, avec planches 
phototj^piques (I — XIX), un tableau metrologique et une carte 
numismatique (pl. XX). Journ. internat. d'archeologie numis- 
matique 19 (1918/19) XVI, 1—262; auch separat (Paris, 
Leroux; Athen. Eleutherudakis; 1919). 

Bespr.: Journ. Hell. Stud. 40 (1920) 224—226. 

68. Ribezzo, F., La prima iscrizione tracia (Ezerovo). Riv. indo- 
greco-italica 1 (1917) 299—307. 

R. schlägt als Übersetzung vor „Rholis, Teneae n., Tilteanes k., 
Meanti Lezyptamii adtulit (finxit) " oder „Rholis , Teneae f. , uxor, 
Tilteanes adfinis (concubina '?) aedificant monumenta", bei einer Wort- 
trennung Pohg, Tsveag vegsvea, Ti).xsavy]g y.oaga&a, So MsavTi Ae£v7ZTafiihe 
gaCrj/.ra bzw. öo/isavri. Begründung dieser Übersetzungen; anschließend 
Bemerkungen über Laut-, Formenlehre, Wortschatz des Thrakischen. 

69. Seure, G., TeXeocpogog -Tdeonogog. Rev. et. gr. 31 (1918) 
389—398. 



E. Schwyzer, II. Indogermanische Sprachwissenschaft. 35 

Betrachtet, einer Anregung von S. Reinach folgend, Tefooy. als Um- 
bildung eines thrak. *Tds-ajioQig (vgl. zum ersten Glied TiXe-tvxta auf 
der Ringinschrift, zum zweiten Snögig). In den Noten Material zur 
thrak. Onomatologie. 

70. Rapisarda. N., Topografia e toponomastica antica di Segesta. 
Catania, Mollica 1918. 39 S. 

Bespr. : Ribezzo, Riv. indo-greco-italica 3, 339 f. 

71. Ribezzo, Fr., La regione Japigo-messapica nella tradizione 
e nei monumenti iscritti dell' antichitä. Riv. indo-greco-italica 3 
(1919) 93—110. 

Beginn einer großem Abhandlung. Der bisher allein erschienene Teil 
handelt über die prähistorischen und ethnographischen Vorbedingungen ; 
S. 104 ff. über die Etrusker als voridg. Bevölkerung Mittelitaliens. 

72. — - La nuova epigrafe messapica di Rudia. Riv. indo-greco- 
italica 3 (1919) 77—80. 

R. liest: (ö)ivinaihi D(az)- j (e)nta ninkohi(#i) | Setasnai A#iu(e)- | tai 
Lenas hipd. Vale(#)abish- i ikoterassi do- | Sahe^tanoa ©ivinaihi und er- 
klärt: Thivini Dazenta f. cavat (sepulcrum) Setasnae Ativetae; Lenus 
dicavit Valetibus Hikoterusque Sahe^tanae Thivini f. (seil, tradidit). 

73. Piave. Besprechung verschiedener Deutungsversuche des 
venet. Flußnamens durch Ribezzo. Riv. indo-greco-italica 2 
(1918) 343f. 

74. Niedermann, M., Das Problem der sprachlichen Stellung der 
Ligurer. 

Vortrag auf der II. Jahresversammlung des Schweiz. Altphilologen- 
Verbandes Okt. 1918 (s. 47. Jahrbuch des Vereins Schweiz. Gymnasiallehrer, 
Aarau 1919, 176—181). Im Gegensatz zu Herbig für die idg. Hypothese, 
besonders auf Grund des ligurischen Wortes für Sichel *äalltlo-, *äalklä), 
worüber Näheres in des Verfassers Essai d'etymologie usw. 1918, 23 ff.). 
Erörterung der Suffixe -inco-, -asco—usca-, -asco — usca- u. a. 

75. Jullian, C, De lunite italo-celtique — sur la race et le nom 
des Ligures. Rev. et. anciennes 20 (1918) 43 — 46. 

Verteidigt seine These (Rev. et. anc. 1916, 263f. 1917, 125 f.) „que 
le mot de „ Ligures" avait les plus grandes affinites avec l'unite italo- 
celtique des linguistes modernes". 

76. Setälä, E. K, Zur Frage der Verwandtschaft der finnisch- 
ugrischen und samojedischen Sprachen (über den gemein- 
samen Wortschatz der finnisch-ugrischen und samojedischen 
Sprachen). Helsingfors, Societe finno - ougrienne. 1915. 
104 S. 8°. 

Bespr.: Gauthiot, Bull. Soc. Ling. 20, 98-109. 

76a. Ostir, K., Zum Verhältnis des idg. ^-Lautes zu den semit. 
Kehlkopflauten. Anthropos, Bd. 8, S. 165 — 180. 

Sieht in Schwa idg. die Verbindung eines Murmelvokals e mit X 
(Jahresb. germ. Phil. 39, 78). 

3* 



36 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

77. Anhang: Wichtige Besprechungen aus Bull. Soc.Ling. 19 — 21 
(1914—1919). 

BrugmanD, Zur Geschichte der hiat. Vokalverbindungen (19, 37—40. 
Meillet); Grundriß II 3, 1 (19, 40-43. Vendryes). II 3, 2 (21, 181—190. 
Meillet). — Carnoy, Restitution des sons 1912 (19, 36 f. M.). — Feist, 
Idg. und Germauen (19, 50—54. M.). — Fräser, Phryg. Stud. (19, 65 
bis 67. M.). — Green, Dat. of agency (19, 43—46. V.). — Günter t, 
Reimwortbildung (19, 171—174. M.); Ablautprobleme (21, 198f. M.). — 
Hirt, Fragen des Vokalismus (19, 56 f. M.). — Hoogvliet, Geschlechter 
(19, 46f. V.). — Idg. Jahrbuch I (19, 54—56 M.). — Meiler, Semit.-idg. 
laryngale Konsonanten (21, 47 — 55. Cuny). — Ribezzo, Tipo causativo 
söpio (19, 49 f. M.). — Streit berg, Geschichte der idg. Sprachw. II 1, 3 
(21, 190-196. M.) 

Zürich.* . E. Schwyzer. 

III. Indogermanische Altertumskunde. 

1. Schrader. 0., Reallexikon der indogerm. Altertumskunde. 
2. Aufl. L. Lief. Aal— Duodezimalsystem. Mit 21 Tafeln und 
19 Abbl. im Text. Straßburg, Karl J. Trübner. 1917. 208 S. 

Bespr.: R, Much, DLZ. 41, 553—555. 580—583; S. Feist, Litbl. Frankf. 
Zeitg. 4. Aug. 1918 und Scientia, Okt. 1921; M. Förster, Anglia • Beibl. 29, 
257—261. 

Die Neuauflage zeigt die bessernde Hand des leider inzwischen ver- 
storbenen Verfassers auf jeder Seite. Beim ersten Stichwort „Aal" wird 
gezeigt, daß es zur Bestimmung der Urheimat nicht verwendet werden darf. 
Beim Artikel „Ackerbau" wäre zu den über Europa hinausgreifenden 
Wortgleichungen bei arare „pflügen" nachzutragen toch. A. muk kelkän 
a/ren = ai. yugalängalam. Bei „Ahnenkultus" wäre der sehr realen An- 
schauung der Nordgermanen zu gedenken gewesen, denen der Tote ein 
„lebender Leichnam" war, um G. Neckeis treffende Bezeichnung zu ge- 
brauchen. Ob „Arier" mit ai. äryas „hold, lieb", kelt.-germ. arjo- (in 
Ariovistus usw.) identisch ist, möchte ich nicht mit Sicherheit behaupten; 
wie verhält sich z. B. das mitanische Harri, das nicht erwähnt wird, dazu? 
Zu „Balten" wäre jetzt H. Philipp bei E. Norden, Janus 1, 186f. zu ver- 
gleichen (Balkia die Urform = Helgoland; daraus Baltia, das erst später 
auf eine sagenhafte Insel in der östlichen Bucht der Ostsee übertragen 
wurde ; schließlich mare Balticum bei Einhard, Vita Caroli Magnij. Zum 
Artikel „Bernstein" wäre ergänzend zu bemerken, daß es außer den 
Küsten der Ostsee und früher der Nordsee noch ein drittes europäisches 
Ursprungsgebiet dafür gab, Sizilien, woher z. B. nach der chemischen 
Analyse (Anz. f. Schweiz. Altertumskunde N. F. 18, 169 ff.) ein großer Teil 
des Bernsteins in Schweizer Grabfunden stammt. Zu „Bestattung" wären 
jetzt C. Schuchhardts Ausführungen in „Alteuropa" (s. Nr. 10) zu berück- 
sichtigen. Doch ich kann mich hier in weitere Einzelheiten zu den ver- 
schiedenen Artikeln nicht verlieren. Das Werk wird unter A. Nehrings 
Leitung weiter veröffentlicht. 

2. Feist, S., Indogermanen und Germanen. Ein Beitrag zur 
europäischen Urgeschichtsforschung. 2. verm. Aufl. Halle 
a. S.. Max Niemeyer. 1919. 105 S. 



S. Feist, III. Indogermanische Altertumskunde. 37 

Bringt zunächst den unveränderten Text der 1. Auflage — vgl. 
hierüber Idg. Jahrbuch 3, 108 Nr. 60 u. 61 — und dann drei Beilagen: 
1. Der Name der Germanen, 2. Die germanische und die hochdeutsche 
Lautverschiebung, 3. Die Urheimatfrage und die Tocharer. 

Zur Inhaltsangabe der 1. Auflage sei hier noch zugefügt : Die 
Begriffe „Germanen" und ,,Indogermanen" werden scharf uingr enzt. An 
den ursprachlichen Wörtern für „Meer", „Gold" und „Silber" wird die 
Unsicherheit der jeweiligen wissenschaftlichen Ansätze nachgewiesen und 
dann auf die Beziehungen zur Vorgeschichte und Rassenfrage eingegangen. 
Die Lautverschiebungen in den idg. Sprachen, speziell im Germanischen 
werden betrachtet und ihre Gründe zu erforschen versucht (Völker- 
mischungen). Die Prägermanen werden von einem untergegangenen idg. 
Stamm indogermanisiert. Berührungen zwischen Kelten und Germauen. 
Die Argumente für die Ansetzung der Urheimat in Nordeuropa werden 
geprüft (Buche, Ackerbau) und Gegengründe angeführt (Pferd, Burgenbau, 
Vaterrecht). Die Germanen sind eine nordeuropärische Dauerrasse. — 
Besprechung der 1. Auflage von Meriuger, Wörter und Sachen 7, 173 f. 

3. Wolff, K. F.. Indogermanen und Deutsche. Polit.- Anthrop. 
Monatsschrift 17 (1919), S.-A., 70 S. 

Der Aufsatz dient populär- wissenschaftlichen Zwecken und bringt 
daher zunächst eine Zusammenstellung dessen, was Verf. aus den be- 
kannten Schriften über idg. Kultur entnimmt. Er spricht dann von der 
idg. Rasse, den nordischen Langköpfen, von prähistorischen Kulturen der 
Steinzeit, der Urheimat ganz im Sinne Kossinnas und gibt schließlich 
„eine neue Indogermanenlehre", die reichlich phantasievoll ist: „Ich 
stelle mir vor, daß infolge der fortgesetzten, Hand in Hand mit der 
Besserung des europäischen Klimas und mit der Verdorruug Nordafrikas 
immer heftiger werdenden Afrikanereinfälle in Frankreich ein großer Teil 
der Campignyenleute, und zwar (ihrer Veranlagung entsprechend) besonders 
Langköpfe, also Angehörige der nordeuropäischen Rasse, nach dem Osten 
abwanderten. . ." „Eine blonde Einwandererwelle folgte der andern." 
Der Norden blieb blond, in Mitteleuropi fanden die Einwanderer eine 
niederrassige Bevölkerung vor, mit der sie einen brünetten Mischtyp er- 
zeugten. Schließlich entwirft Verf. eine aus sprachlichen und archäolo- 
gischen Begriffen gemischte Völkerkarte Europas vom Ende des 3. Jahr- 
tausends v. Chr., auf der selbst die Tocharer ihren Platz in dem „Aunjetitzer 
Block" haben. Die letzten Abschnitte befassen sich mit den Nachbarn 
der Indogermanen und den Deutschen, die rassenhaft den „Gemeinindo- 
germanen" gleich sind (d. h. Kurz- und Langköpfe gemischt). 

4. Wilke, Gr., Die Herkunft der Kelten, Germanen und Illyrer. 
Mannus 9 (1918) 1—54. 

Unter vielfacher Polemik gegen Zuweisung der Nordindogermanen 
zum Megalith-, und der Südindogermanen zum Spiralmäander-Kulturkreis 
sowie gegen die Identifizierung von Schädeltypen und Kulturkreisen durch 
Schliz, erschließt Wilke unter Übertragung der Joh. Schmidtschen Wellen- 
theorie auf vorgeschichtliche Verhältnisse die Zugehörigkeit der Ger- 
manen zum nordischen, der Kelten zum südw estlicheu und der Illyrer 
zum östlichen Formenkreis. Für die Italiker und Slaven wird kein be- 
stimmter Kulturkreis genannt. Die Sonderstellung der Germanen im 
Kreise der idg. Völker wird betont. 



38 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

5. Kramär, K., Die Ankunft^der Germanen, Litauer und Slaven aus 

der Urheimat am Altaj. Budweis, Selbstverlag. 1916. 149 S. 

Erweiterte Fassung eines Programms des Budweiser Gymnasiums 

(1915): Pfichod Germänu i Baltoslovanfi z kolebky altaiske do Evropy. 

Wertlos (F. Hartmann, Jahresb. f. germ. Phil. 38, 68). 
0. Hermann, E., Sachliches und Sprachliches zur indogerm. 
Großfamilie. Gott. Nachrichten 1918, S. 204— 232. 

1. Die Großfamilie ist die gewöhnliche Form in der Urzeit der Indo- 
germanen; sie ist bei den Iraniern, Afghanen, Balutschen, Balten, Slaven, 
Kymren nachzuweisen; freilich erwähnt sie Tacitus bei den Germanen 
nicht. 2. Gr. deoxoiva. 3. Witwe, idg. vidhe vä „Ermangelnde", „Schutz- 
lose". 4. Die verschiedenen Benennungen für Eltern. 5. Großeltern (lat. 
onus: avus). 6. Enkel (ahd. etichill „kleiner Ahn'"). 7. Eidam (Mann der 
Erbtochter; zu gr. aha, av. oitö „gebührender Teil", osk. aeteis „partis"). 

8. Lat. gener. 9. yafißgög und yäftog. 10. Gr. ashoi: aisl. svilar „Männer 
zweier Schwestern". 11. Des Mannes Schwestern (unverheiratet: gdlonös^. 
12. ey&oög = exsul. 13. Wergeid, altruss. vira (kaum als alt anzusehen). 
14. Lat. meines. 15. Die Adoption (für die idg. Urzeit nicht mit Sicherheit 
erweisbar). 

7. Benigny. J., Die Namen der Eltern im Indoiranischen und 
im Gotischen. KZ. 48, S. 230—236. 

Im Rigveda heißen die Eltern pitärä{u) oder mätära(u) unterschieds- 
los bei gegenseitiger Beeinflussung im Genus. Außerdem erscheint in den 
Brähmanas dafür mätapitaräu, das im Mittel- und Neuindischen den Sieg 
davonträgt; z.B. Päli tnätäpitarö. Im Altpersischen war die Verbindung 
wohl auch einst vorhanden; vgl. in der Behistün-Inschrift I § 10 hamätä 
hamapitä „von derselben Mutter und demselben Vater". In den neu- 
iranischen Dialekten gang und gäbe: Baluci mü$p'i&, müdop c i-&ä, osse- 
tisch ma& - ümä - fld (ämä verbindende Partikel); also arisch „Muttervater" 
= Eltern. Auch tocharisch A pücar mäcar. Gr. nur ^azigsg, lat. patres. 
Eine Parallele zu ved. muiärä(u) bietet got. berusjös, Plur. eines Part. 
Perf. Act. Fem. berust „geboren habend". Daß der Name der Mutter vor- 
wiegt, erklärt sich aus der freieren Stellung der Frau bei den Nomaden 
(Herodot I 216; IV, 26). 

8- Pokorny, J., Ein neunmonatiges Jahr im Keltischen. Or. 
Literaturztg. 21, S. 130 — 133. 

Das neunmonatige Jahr ist idg. Ursprungs, wie sich aus einer Fas- 
sung der Kyros-Sage im Book of Leinster ergibt. 

9. Bartholomae, Chr., Zur Buchenfrage. Eine sprachgeschicht- 
liche Untersuchung. Sitz.-Ber. d. Heidelberger Akademie d. 
Wiss. 1918. 1. Abh. 20 S. 

Die Zurückfübrung von kurd. büz „Ulme" mit lat. fägus, ahd. 
buohha „Buche", gr. <pny6g „Speiseeiche" auf eine idg. Gdf. bhäugos 
„Buche" wird gegen O. Schrader, Reallexikon der idg. Altertumskunde -, 
170 ff. (vgl. Nr. 1) aufs neue verteidigt. Kurdisch viz „Ulme" ist davon 
zu trennen und zu alb. n# (Gen. vidi), ae. tclce, ndd. wieke zu stellen, mit 
denen russ. rjato, poln. viaz ursprünglich identisch sein kann, wenn wir 
neben idg. Gdf. u\g- eine slav. Gdf. veng- annehmen, die en durch analo- 
gischen Einfluß etwa von abulg. reja „Binde" (Baststreifen der Ulme) er- 
halten habe. Auf idg. Gdf. ttirig- weist lit. vlnkszna, lett. viksne „Ulme". 



S. Feist, III. Indogermanische Altertumskunde. 39 

10. Schuchhardt, C, Alteuropa in seiner Kultur- und Stilentwick- 
lung. Straßburg und Berlin, Karl J. Trübner. 1919. 350 S. 

M. Ebert, Prähistor. Zeitschr. 11, 214—218; S. Feist, Zeitschr. Ver. f. 
Volkskunde 1921, 23-25, und Scientia, Okt. 1921. 

Das bedeutsame Werk ist hier zu erwähnen, weil Verf. auch auf 
die Indogermanisierung Europas zu sprechen kommt. In den von Nord- 
und Mitteleuropa ausgehenden Völkerströmungen haben wir ihre Ursache 
zu erblicken. Verf. hütet sich aber wohl, die Ergebnisse vorwegzunehmen 
und gleich in der Urzeit von Iberern, Kelten, Germanen zu sprechen; in 
neun Zehnteln des Buches hat allein das archäologische Material das 
Wort. Deu nordischen Zug zum Balkan erkennt man vor allem an dem 
Auftreten des einräumigen, rechteckigen Vorhalleuhauses ; ein weiterer 
Anhaltspunkt liegt in der Keramik, die als Schnur- und Bössenerstil die 
Weichsel hinauf zum Dnjepr und Dnjestr wandert und sich auch in 
Thessalien findet. Dies Vorschieben ist für Verf. mit der Indogermani- 
sierung Südeuropas identisch, deren Verbreiter die „Urkelten" im Donau- 
tal wie vom Norden aus die Germanen sind. Das Tocharische in Zentral- 
asien ist sprachlich dem Keltischen verwandt und die bemalte Donau- 
keramik ist iu Ausläufern durch die Pumpelly-Expedition im Aralgebiet 
und in Spuren in Susa gefunden worden. Von Rasse will Verf. bei der 
Ausbreitung bei der idg. Kultur nicht sprechen, sondern nur von Volk 
und Staat, d. h. kulturell-sprachlicher und politischer Gemeinschaft. Die 
Sprache wechselt am leichtesten ; die Kultur hält sich viel zäher. Darum 
gibt die Archäologie festere Anhaltspunkte für die Geschichte eines 
Volks als die Sprache. Daher gewinnt man auf archäologischer Grund- 
lage ein bestimmteres Bild von der Indogermanisierung Europas, als bis- 
her gezeichnet wurde. An eine Heimat der Indogermanen in Zentral- 
asien kann ein für allemal nicht mehr gedacht werden. Wenn alle reale 
Kultur zur Stein- und Bronzezeit von Mittel- und Nordeuropa nach dem 
Osten geflutet ist, kann die Sprache allein nicht gegen den Strom ge- 
schwommen sein. Auch Südrußland und Ungarn kommt aus demselben 
Grund nicht in Betracht. Aber auch von einer bestimmt begrenzten 
Heimat der Indogermanen und von einem idg. Urvolk kann nicht wohl 
die Rede sein, wenigstens solange das Urverhältnis der bis jetzt gleich- 
wertig nebeneinander stehenden Germanen und Kelten sich nicht 
klären läßt. 

11. Feist, S., Archäologie und Indogermanenproblem. Korr.- 
Blatt der Ges. f. Anthrop., Ethn. u. Urgesch. 47 (1916) 61 — 68. 

Verf. zeigt zunächst, daß dem Begriff: idg. Urvolk keine solche 
Realität zugeschrieben werden dürfe wie den Begriffen: Inder, Griechen. 
Germanen usw., da die Indogermanen nur eine Abstraktion aus sprach- 
lichen Tatsachen seien. Wir wissen nichts Bestimmtes über die Wohn- 
sitze, den Namen, die Rassezugehörigkeit usw. dieses Urvolks. Unbekannt 
ist auch, wie und wann seine sprachliche (auch faktische ?) Ausbreitung 
erfolgt ist. Deshalb ist es aussichtslos, es archäologisch erfassen zu 
wollen. Wir können eine Hinterlassenschaft nur dann einem bestimmten 
Volke zuschreiben, wenn geschichtliche oder sprachliche Tatsachen auf 
dasselbe hinweisen. Auch wenn ein Volk in einer Gegend historisch be- 
zeugt ist, ist meist nur die herrschende Oberschicht gemeint; die Reste 
früheren Volkstums leben aber unter ihr fort. Welcher Schicht gehört 
nun die archäologische Hinterlassenschaft an? Verfehlt ist es auch, die 



40 Bibliographie der Jahre 1918 uud 1919. 

späteren, idg. Sprachen redenden Völker in die idg. Urzeit zurückzuver- 
legen und sie mit archäologischen Kulturkreisen zu identifizieren. 

12. Wilke, G., Archäologie und Indogermanenproblem. Ver- 
öffentlichungen des Provinzialmuseums zu Halle, Bd. 1, Heft 3. 
Halle, Gebauer-Schwetschke G. m. b. H. 1918. 17 S. 

Gegen den Aufsatz von Feist (Nr. 11). Kurzer Überblick über die 
von sprachwissenschaftlicher und anthropologischer Seite gemachten Ver- 
suche, die Urheimat der Indogermanen und ihre Kasse zu ermitteln. 
Beide Mittel werden als unzureichend erkannt; auch die Prähistorie hat 
die Frage noch nicht endgültig entscheiden können, aber nicht, weil sie 
nach Feist dazu nicht befähigt ist, sondern infolge falscher Methoden. 
Kossinnas westöstlich verlaufende Grenzlinie zwischen Kentum- und 
Satemvölkern muß aufgegeben werden ; unkritisch sind die Versuche, die 
Lausitzer Kultur den Semnonen zuzuschreiben (Schuchhardt). Zu sicheren 
Ergebnissen kann man nur auf induktivem Wege gelangen, wie Verf. 
es schon in verschiedenen Aufsätzen versucht hat. Von geschichtlichen 
Nachrichten ausgehend, setzt er die Ursitze der Kelten in Südwest- 
deutschland an, die der Germanen in Skandinavien und Norddeutschland 
bis Magdeburg, die der Illyrer im östlichen Mitteldeutschland, Ost- 
deutschland, Bayern, Böhmen, Mähren, Österreich und Westungarn, weil 
in diesen Gebieten niemals ein Abbruch der Kultur seit neolithischer Zeit 
zu beobachten sei. Die Italiker sind die Träger der Pfahlbau-, Terra- 
maren- und Villanova-Kultur in Oberitalien und kamen aus den Ostalpen. 
Die Thraker sind die Träger der bemalten, die Griechen die der Spiral- 
mäanderkeramik; sie kamen vom unteren Donaugebiet. Die Jndoiranier 
saßen am südlichen und südöstlichen Rand des Kaspiscben Meeres. Ela- 
miter und Kossäer sind auch Indogermanen und kamen aus Südrußland. 
Die Litauer blieben in den Ursitzen, ebenso die Slaven in deren Nähe. 
Leider kann Verf. die Ursitze der Tocharer und Hettiter noch nicht 
feststellen, wie er angibt. Das Heimatland der Indogermanen ist natür- 
lich nicht ihr Geburtsland, das wahrscheinlich in Westeuropa zu suchen 
ist (vgl. Kossinna). Die Indogermanen fanden in den nachmaligen ger- 
manischen Ländern schon eine starke Bevölkerung vor (es wird nicht 
gesagt, woher sie kam und welcher Rasse sie angehörte). 

Die Schrift ist lediglich ein weiterer Beweis für die Leichtigkeit, mit 
der manche Prähistoriker historischen Völkern für weitzurückliegende Zeit- 
räume ihren Theorien entspringende Ursitze zuweisen; die Befähigung 
der Prähistorie zur Lösung des Indogermanenproblems kann sie nicht er- 
weisen, wie Verf. glaubt. 

13. Classen. K., Beiträge zum Indogermanenproblem. Korresp.- 
Blatt der deutschen Ges. f. Anthrop. usw. 49 (1918) 1 — 7. 
Die Sprachforschung wird stets das entscheidende Wort in der 
Indogermanenfrage behalten; es kommt darauf an, ihre Ergebnisse mit 
der Anthropologie und Archäologie in Einklang zu bringen. Die nordische 
Rasse ist nicht identisch mit den Indogermanen; der Begriff der Rasse 
des homo europaeus ist weiter als derjenige der Sprachfamilie; die Indo- 
germanen sind ein Zweig dieser Rasse, deren Urheimat im östlichen 
Europa zu suchen ist. Von den Sprachen der nordischen Langschädel 
wissen wir, daß das Indogermanische dazu gehört haben muß, doch kann 
es unmöglich die gemeinsame Sprache der ganzen nordischen Rasse ge- 
wesen sein. Reinrassig ist diese nicht gewesen, kurzschädlige Beimischung 






S. Feist, III. Indogermanische Altertumskunde. 41 

und arktische Elemente sind früh nachweisbar. — Die weiteren Ausfüh- 
rungen stützen sich auf die Arbeiten von Feist und Schrader. Verf. 
glaubt, daß die Prägermanen indogermanisiert worden sind. 

13. Mieses. M., Zur Rassenfrage. Eine Stammes- und kultur- 
geschichtliche Untersuchung. Wien und Leipzig, W. Brau- 
müller. 1919. 182 S. 

Behandelt werden: 1. Das „arische" Europa (Finnen, Basken, Iberer, 
Etrusker usw. sprecheu gegen das einheitliche Volkstum) ; 2. Lang- 
schädlige blonde Germanen und das echte Ariertum (sind nicht identisch ; 
es existiert auch keine geistige Superiorität der Blonden über die Dunkel- 
farbigen). 3. Vorarisches Geisteswesen im arischen Europa (völkisch- 
kulturell, kollektiv-psychisch und somatisch leben die vorarischen Völker 
noch fort). 4. Sprachgruppenexklusivität oder freier Verkehr? 5. Nation 
und Abstammungsgemeinschaft. 6. Staat, Nation und Territorium. 7. Die 
Hauptrassen der Menschheit untereinander. 

15. Nordenstreng, R., Europas Människoraser och Folkslag. 
2. Aufl. Stockholm, P. A. Norstedt & Söner. 1917. 336 S. 

Das Buch wendet sich nicht nur au gelehrte Kreise, sondern auch an 
ein allgemein gebildetes Publikum; daher ist innerhalb eines Jahres schon 
eine zweite Auflage erschienen. Behandelt werden die vorgeschichtlichen 
und heutigen Rassen Europas, der germanische, keltische, romanische, 
griechische, baltische, slavische, finnisch-ugrische, türkische Volksstamm 
sowie kleinere Volksstämme (Albaner, Armenier, Basken, Zigeuner) und 
die Juden. Als Resultat seiner Untersuchungen gibt Verf. in dem Ab- 
schnitt : Nationaltjpeu, daß kein Volk in Europa von reiner, unvermischter 
Rasse ist : vor allem sei der Einfluß der Kultur auf den Typus zu be- 
achten. Ein Ausblick auf die Zukunft der europäischen Rasse beschließt 
das Buch. Verf. hofft auf rassebiologische Belehrung der Menge. 

16. Kazarow, G. L, Beiträge zur Kulturgeschichte der Thraker. 
Zur Kunde der Balkanhalbinsel IL Sarajewo, J. Studnicka 
& Co. i. Komm. 1916. 122 S. 

Vgl. IJ. 5, 74 Nr. 23 (wo der Name des Verfassers durch Druckfehler ent- 
stellt ist). — Die Arbeit erschien in bulgarischer Sprache schon 1913 im 
Sbornik na bulg. Akademija na Naukite I, 1 — 72 ; der Druck der deutschen 
Bearbeitung erlitt durch die Kriegsverhältnisse mannigfache Hemmungen. 
Verf. behandelt nach einigen einleitenden Bemerkungen über Einwande- 
rung, Ausbreitung und älteste Kultur der Thraker die Volkszahl, Familien- 
und Stammverhältnisse, Siedlungen und Befestigungen, Bodenkultur und 
Viehzucht, geselliges Leben, Kleidung, Waffen und Kriegskunst, Bestat- 
tung, geistige Kultur und den somatischen Typus der Thraker. 38 Text- 
abbildungen veranschaulichen die Ausführungen des sachkundigen Ver- 
fassers. 

17. Seure, Gr., Connaitrions - nous, enfin, un texte en langue 
thrace? Rev. et. anc. 22, S. 1—21. 

Bespr. von D. Deceba: Isvestija na b^glarskoto arch. drucestvo 

7, 154—158. 

Nach den Schlußworten des Referenten bringt Verf. nach einer ein- 
gehenden Besprechung der bisherigen Deutungen der Inschrift und eigenen 
Versuchen nichts Förderndes. 



42 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

1 8. Fischer, E., "Wer waren die minoischen Kreter? Anthropos 9 
(1916) 774—780. 

Die minoischen Kreter und Pelasger sind Arier; zum Beweis wird 
eine Sammlung pelasgischer Wörter aufgestellt. 

19. Fick, A., Die Kriegszüge nördlicher Völker gegen Ägypten 
unter den Pharaonen Merneptah und Ramses III. KZ. 47 
(1916) 170—174. 

In dem Aufsatz werden die Aqaiwasa der Inschriften mit den 
*Y.-zaxaioi identifiziert, die Herodot VII, 91 als älteste Bewohner Kilikiens 
nennt [vno- = südlich, im Gegensatz zu den \4yaioi im Kaukasus). Sie 
sind also nicht identisch mit den 'Ayaioi in Griechenland. Dagegen sind 
die Danauna die Aavaoi aus Argolis, also ein griech. Stamm. Die Turusa 
sind die Tyrrhener = Etrusker, deren Ursprung im Norden Europas zu 
suchen ist (vgl. Stephanus Tgavooi, nokts Ke/.zotg). Er setzt das Ein- 
dringen der ersten Griechenstämme vor 1180 v. Chr. an. 

20. Wessely. C, Über den Bernstein in seiner kulturhistorischen 
Bedeutung. Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwiss. 
Kenntnisse in Wien Bd. 53, S. 249—281. 

Der Bernstein ist nur bei den Kentum -Völkern bekannt und beliebt. 
Ein besonderes nordeurop. Wort dafür lebt in lit. gintäras, russ. jantarb 
und im Finnischen fort; auch hier gehen wie bei germ. glisum die Be- 
deutungen „Glas* und „Bernstein" ineinander über. Aus weiteren Über- 
einstimmungen lexikalischer und grammatischer Art zwischen dem idg. 
und finnischen Sprachstamm glaubt Verf. den Schluß auf eine nordeurop. 
Urheimat der Indogermanen wagen zu dürfen. 

21. Viollier, D., et Reutter, L., Contribution ä l'etude de 
l'ambre prehistorique. I. Introduction. II. Analyses dambres 
prehistoriques. Anz. f. Schweiz. Altertumskunde N. F. 18 
(1916) 169—182. 

Viollier tritt der Ansicht entgegen, daß der seit der Steinzeit in 
vielen Gegenden in Gräbern auftretende Bernstein einzig aus Nord- 
europa stamuie; auch von Sizilien und dem bolognesischen Apennin sei 
Bernstein in prähistorischer Zeit bis nach der Schweiz exportiert worden. 
Reutter hat dann durch eine chemische Analyse verschiedener Bernstein- 
perlen aus norddeutschen und aus Schweizer Funden festgestellt, daß der 
Bernstein in Schweizer Pfahlbauten italienischer Herkunft ist. 

Berlin. S. Feist. 



IV. Toch arisch. 

1. Sieg, E., Ein einheimischer Name für To/ri. Sitz.-Ber. d. 
Preuß. Akademie d. Wiss. 1918, S. 560—565. 

Wie aus tocharischen Texten hervorgeht, haben die Tocharer selbst 
ihr Reich und ihre Sprache mit ärsi bezeichnet. 

2. Müller, F. W. K., Toy/i und Kuisan (Küsän). Sitz.-Ber. d. 
Preuß. Akademie d. Wiss. 1918, S. 566—586. 



H. Zeller, IV. Tocharisch. 43 

Mitteilung von drei uigurischen Kolophonen mit toyr'i = tocharisch, 
kuisan = indisch. 

3. Misonov, N., Anzeige von S. Levi, Documents tokhariens 
de la Mission PelHot (IA. 17, 431 ff.) und Meillet, Re- 
marques linguistiques (ebd. 449 ff.) und Smith, Tocharisch 
(Christiania 1911). Zapiski Vostocn. Otdel. Russk. Arch. 
Obsc. 21 (1912) 107—114. (V.) 

4. Behaghel, O., Zu Charpentiers Artikel über die Tocharer. 
. ZDMG. 72 (1919) 290. (Vgl. IJ. 6, 57 Nr. 1.) 

Hinweis darauf, daß schon Junker (Literaturbl. 1915, S. 69) die An- 
sicht ausgesprochen hat, die Tocharer seien Kelten. 

5. Ciardi-Dupre, Gr., „Tocarico" e „Iranico Orientale". Notizie di 
due lingue scoperte nell'Asia centrale. Firenze, Tipografia 
Galileiana. 1917. 31 S. 8°. 

Antrittsvorlesung an der Universität Padua vom 25. November 1912, 
mit einzelnen Änderungen und mit Literaturangaben. (Schw.) 

6. Pokorny, J., Die Stellung des Tocharischen im Kreise der 
idg. Sprachen. Sonderabdruck aus den Berichten des For- 
schungsinstituts f. Osten u. Orient in Wien 3 (1919) 30. 

Kritik der Ansicht Pedersens (Kelt. Gr. 2, 673 f.) und Charpentiers 
(ZDMG. 1917, S. 347 ff.), daß das Tocharische zum Keltischen gehöre. 
Ch. bringt die Einwanderung der Tocharer mit dem Kimmerierzug des 
8. Jahrhunderts in Verbindung, setzt die Kimmerier den Cimbern gleich 
und sieht in diesen auf Grund klassischer Zeugnisse Kelten, nicht Ger- 
manen. Dieser Erklärungsversuch ist mißlungen. Die assyrische Ge- 
schichte zeigt, daß die Kimmerier bereits unter Sarrukin (721 — 725) über 
den Kaukasus nach Armenien vorgedrungen sind ; von einer weiteren Aus- 
breitung der Kelten vor 500 kann aber keine Rede sein. Auch die 
Gleichstellung der Kimmerier mit den Cimbern ist nicht haltbar, zudem 
sind die C. keine Kelten gewesen. Die Kimmerier müssen vielmehr 
Thraker gewesen sein. Nach Strabon werden die Kimmerier auch Tqtjqsq, 
Tq^qcoveq genannt, er spricht von Ki/nfiegioi xai Tgifgeg ; aber er nennt 
auch die Tg^geg sowohl Ogäxsg wie auch ovvoixoi roTg Oga^iv und e&vog 
KcfifxeQixöv. Die Treren auch sonst einwandfrei als Thraker Volk bezeugt. 
Geschichtlich wie geographisch läßt sich diese Annahme stützen: die 
Thraker Ausbreitung, die zur Besetzung Armeniens führte, fällt in die 
Zeit des Kimmerierzuges. Weitere Gegengründe gegen dies Keltentum 
der Tocharer (sie kennen die italo-keltische Assimilation p — q zu q — q 
nicht, müßten also vor der ersten ital. Einwanderung nach Osten gezogen 
sein u. a.). Versuche die latinische und die sabellische Wanderung zu 
datieren (die Latiner sind noch vor Beginn der Eisenzeit in Italien ein- 
gefallen, also etwa um 1500 — 1300 v. Chr.). Auch die vier sprachlichen 
Gründe Chs. sind nicht stichhaltig, nur darin stimmt das Toch. 
zum Italo-Kelt., daß dort wie hier die idg. Me dialendungen 
-tai, -to und -rai, -ro zu -trai, -tro verschmolzen worden 
sind. Daß diese Verschmelzung in den beiden Sprachen unabhängig von- 
einander vorgenommen worden sei, ist unwahrscheinlich. Doch folgt 
daraus noch nicht, daß das Toch. ein kelt. Dialekt sei. Dem Italo- 



44 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Keltischen fehlen größtenteils charakteristische Wörter des Toch. Die 
andern centum- Sprachen stehen dem Toch. ganz fern. Daher liegt die 
Vermutung nahe, es könne eine satmi - Sprache sein; die Vertretung der 
Palalale durch Verschlußlaute spricht nicht dagegen (vgl. Meillet IL 1, 16). 
Hier kommt vor allem das Armenische, oder besser gesagt, das Thrako- 
Phrygische in Betracht. Übereinstimmungen: 1. Idg. a, e, o allein unter 
allen satam- Sprachen unterschieden. — 2. Schwa secundum (wie gewöhn- 
lich) = a. — 3. A. dkluk aus *oktök, also ü aus ö wie Arm. — 4. Nur Toch. 
und Arm. kann anlautendes tv zu j werden. — 5. Nur hier r, \, n. *» 
gleichmäßig und durchgehend durch ar, ah an, am vertreten. — 6. Idg. 
Medien sind zu Tenues geworden (im Toch. auch außerdem die Med. asp.). 
— 7. Starker expirator. Akzent auf der idg. vorletzten Silbe. — 8. Toch. 
Uen.-Suff. -ts = arm. Suff. -c. — 9. Toch. sem c il se rendit' bis auf das 
Augment = arm e-kn 'kam'. — 10. Toch. (am- aus -na) der 3. Sg. Prs. 
nur noch armen. — 11. Toch. Partiz. auf -e : arm. Inf. -e und slav. Part, 
auf -lo: — 12. Toch., arm. (und slav.) -n- beliebtes Mittel der Abstrakt- 
bildung. — 13. Suff. sk-\-an- toch., arm. — 14. Der posit. Imperativ vom 
Aorist-, der negative vom Präsensstamm gebildet. — 15. Toch. u. arm. 
Negation *me verallgemeinert. — 16. Toch. u. pbryg. Redupi. im Part. 
Perf. — 17. Toch. u. pbryg. wird dem Relativ ne, >ii angehängt. — 
18. Toch. u. arm. zeigt cen- 'hören' im Präs. k-, im Aor. s- Erweiterung. — 
Daß an diesen Übereinstimmungen zum Teil das Griech. (2, 5, 13?, 
14—17), Indoiran. (9, 15, 16) und Slav. (11, 12) teilhat, ergibt sich ohne 
weiteres aus der geogr. Lagerung. Nr. 4, 6, 7 sind wohl als Zeugnisse 
gleichartiger jüngerer Beeinflussung durch das Kaukasische zu fassen. 
Vgl. weiterhin das toch. Komitativsuffix -assäl = -assil der Urkunde von 
Boghazköi. Der Wortschatz bestätigt das Ergebnis. — Was nun das 
toch. Mediopassiv auf -tr- anlangt, so steht dies nicht im Widerspruch; 
denn sie ist auch im Armen, nachzuweisen. Die arm. 3. Sg. Imperf. Pass. 
endigt auf -er, später tritt häufig -iicr an ihre Stelle, -er ist auf analo- 
gischem Wege leicht, -iwr überaus schwer zu erklären, die literarisch 
jüngere Form dürfte daher die sprachgeschichtlich ältere sein (vgl. Karst 
S. 311). Nun läßt sich ein berncr einfach auf *bhere-tro zurückführen; 
hatcr = xargög lehrt, daß -tr- über -thr- zu -phr-, weiterhin zu -wr- wird. 
Demnach erscheint das Mediopassiv auf -tr- im Italo-Kelt., Armen, und 
Tocbar., eine unmittelbare Beziehung zwischen Toch. und Italo-Kelt. 
braucht also nicht zu bestehen. — Über den Ausgangspunkt der Tocharer 
belehrt toch. laks 'Fisch', bisher nur in ahd. laks usw., lit. lasziszä und 
russ. lasosl usw. 'Lachs' nachgewiesen ist. Der Lachs kommt in Europa 
nur in den Flüssen vor, die in die nördlichen Meere münden. Sonach 
stammen die Tocharer aus Mittel- oder Nordeuropa. Als die 
Tocharer mit den Kaukasusvölkern zusammentrafen, sprachen sie noch 
*dhugater, so daß sich der Hauptton auf dem a festlegen konnte 
(B tkficer). Hieraus ergeben sich dem Verf. weitere chronologische 
Schlüsse, die ihn vermuten lassen daß die Tocharer schon um 1400 v. Chr. 
unter den sprachlichen Einfluß der Kaukasusvölker gekommen sein 
könnten. (W. Str.) 

Darmstadt. H. Zell er. 



H. Zeller, V. Arisch. 45 



V. Arisch. 



1. Babinger. Fr.', Gottlieb Siegfried Bayer (1674 bis 1738). Ein 
Beitrag zur Geschichte der morgenländischen Studien im 
18. Jahrhundert. J.D., München. 1917. 85 S. 8°. 

2. Wilke. G., Die Herkunft der Indo-Iranier. Jahrb. d. städt. 
Museums f. Völkerkunde zu Leipzig. 1918. 

3. Vendryes. J., Les correspondances de vocabulaire entre l'indo- 
iranien et l'italo-celtique. MSL. 20 (1918) 265—285. 

Kretschrner Einleitung S. 125 ff. hat eine lange Liste von Wörtern 
zusammengestellt, die sich nur im Indoiran. und ltalo-Kelt. finden. An 
sich bedeutet eine solche Liste wenig ; auffällig ist jedoch die große Zahl 
der Gleichungen, die sich auf die Religion, und zwar im besonderen auf 
die Liturgie und das Opfer beziehen. „En passant ces mots en revue, 
en y joignant quelques autres et en groupant le tout par categories, ou 
ne fixe pas seuleuient un des elements les plus anciens du vocabulaire 
italo-celtique; on etablit aussi l'existence de traditions religieuses com- 
munes aux langues de l'Iude et de l'Iran et aux deux langues occiden- 
tales. Ce l'objet du present article." — A. Termes generaux. — B. Norns 
de fonctions ou de qualites. — C. Designations d'actes religieux. — 
D. Noms d'objets et d'instruments. — E. Parties du corps et defauts 
physiques. — F. Expressions diverses. — G. Conclusions: „En indo- 
europeen rnerne, les mots etudies dans cet article se revelent comme com- 
posant un vocabulaire special; ce sont des mots techniques de caractere 
religieux. Ce seul fait explique — ce que Ton ne comprendrait pas 
autrement — pourquoi ils se sont precisement conserves dans les deux 
groupes de dialectes en question. L'Inde et l'Iran d'une part, de l'autre 
l'Italie et la Gaule ont conserve en commun certains traditions reli- 
gieuses, gräce au fait que ces quatre pays sont les seuls du domaine 
indo-europeen a posseder des Colleges de pretres. . . Ces organisations 
sacerdotales supposent un rituel, une liturgie du sacrifice. . . Mais il 
n*y a pas de liturgie ni de rituel sans des objets sacres dont on garde 
les noms, sans des textes, sans des prieres que Ton repete sans y rien 
changer. De lä dans les vocabulaires des conservations de mots qu'on 
ne s'expliquerait par autrement." (W. Str.) 

4. Wackernagel, Indoiranisches. Sitz.-Ber. d. Preuß. Akademie d. 
Wiss. Phil.-hist. Kl. Nr. 13. 1918. 

1. Zu den Verbalabstrakten auf -ti- und -tu- (wie im Got. haben die 
Nom. Ag. auf -tu- im Simplex häufiger ein Komp. auf -ti- zur Seite. — 
Wie in der homer. Spr. sind die Abstrakta auf -ti- nicht zu denom. Verben 
gebildet worden, wohl aber die auf -tu-). — 2. JAw. aöairi 'unten' (au 
upairi angebildet, wie got. undar an ufar. Ebenso gAw. nüram 'jetzt' 
an aparam 'später', an Stelle des ursprüngl. *nüridm ai. nünäm; desgl. 
Päli, Präkrit bähira- 'außen befindlich', an Stelle von bähiya-, an antara- 
'der innere'). — 3. Ai. isät 'annähernd, obenhin, leichthin : ved. isate 
eilen'. — 4. Ai. öMvämsä (Part, zu uvöca 'finde Behagen': i normal bei 
Setwurzel, k Altertümlichkeit, da i = 9 folgt, ö aus Präp. « + u k-, nicht 
Vollstufe, die im Indoiran. unerhört wäre). — 5. Verbalwurzel div- (aus 



46 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

div- 'Himmel, Tag' usw. erst abstrahiert; div-dyu- nur als Nomen, 
dyut- als Verbum des Glänzens bezeugt. Die Auffassung des ved. adyaut 
als a-dyau-t [Brugmann, Grundr. 2 II, 3, 364] schon alt, vgl. Dhätupätha 
24, 31). — 6. Ai. Nödhäs- und Pedü- (: lit. pa-nüdau 'lasse mich gelüsten', 
ahd. niot 'Verlangen' und mit Bartholomae Air. Wb. Sp. 885 zu pazdu- 
'Käfer, Made'. Vgl. hierzu paidvä- 'ein Insekt', das im RV. AV. auf das 
Roß des Pedu geht). — 7. vikadvaras- (RV. 2, 30, 4 ; nicht mit Roth in 
-dhvaras- zu ändern; es gehört zu aw. dvar- 'laufen, daherstürmen'). — 
8. Ai. sämänta- (= säm-anta- Adj. von sam-am- 'schädigen'). — 9. Zur 
Endung des Nom. Akk. Dualis (mätara-pitarau enthält im 1. Glied den 
idg. Dual auf -e, der durch Griech., Lit., wohl auch durch Kelt. bezeugt 
ist. Hier ist das klass. Skr. altertümlicher als der RV.). — 10. Ai. -payati 
(im Kausativausgang wird durch got. hleibjan als idg. erwiesen, denn dies 
ist kaus. zu s'ri- [wie stimmt dazu der Vokalismus?]). — 11. Ai. müla- 
und südrd- (Versuch, die Zusammenstellung mit Maul und mit xvdgdg 
'ruhmvoll' zu begründen). (W. Str.) 

5. Paasonen, H., Sur quelques mots, relatifs ä l'agriculture em- 
pruntes par les langues finno-ougriennes au proto-aryen ou ä 
l'aryen aneien. Journ. Soc. Finno-Ougr. 34 (1916 — 20) Nr. 3, 
S. 1-9. 

Außer anderen Etymologien enthält der Aufsatz eine neue Begrün- 
dung der Herleitung von mordw. tarvas r Sichel" auf ein arisches *dhargas 
„Sichel", welches P. bereits FUF. 8, 72 — 74 als urverwandt mit lit. 
dalgis, lat. falx bezeichnet hat. Polemik gegen Liden FUF. 12, 95 sq., 
der diesen Ansatz von *dhargas nicht anerkennen wollte. (V.) 

a) Indisch. 
Allgemeines. 

6. Windisch, E., Geschichte der Sanskritphilologie I. IJ. 6, 68, 
Nr. 10. 

Bespr.: DLZ. 1919, Nr. 21, Sp. 399 ff. (R. Schmidt); LCB. 1920, Sp. 62ff. 
(Fr.Babinger); Frankf. Zeitg. Nr. 357, 27. Dez. 1917, Morgenbl. (Oldenberg). 

7. Seht oerier. L. von, Ludwig Poley. Ein biographischer Abriß. 
WZKM. 30 (1917|18) 318—330. 

Der Indologe Poley (geb. 1812 zu Crottorf bei Halberstadt, gest. 1885 
in Deutsch - Altenburg) hielt von 1867 — 1885 Vorlesungen über indische 
Altertumskunde usw. au der Wiener Universität. 

8. Gjellerup, K., Paul Deußen f. Frankf. Zeitg. 1919, 23. Juli, 
1. Morgenbl. ______ 

9. Ayyangar, S. K., Sources of Vijayanagar History. The Madras 
University Historical Series; selected and edited for the 
University. Madras, the Syndicate University. 1919. (K.) 

10. Bhandarkar, D. R., Lectures on the Ancient History of India 
on the Period from 650 to 325 B. C. The Carmichael 
Lectures, 1918. Calcutta University. 1919. (K.) 



H. Zell er, V. Arisch. 47 

11. Bloomfield, M., The Fable of the Crow and the Palm-Tree. 
A Psychic Motif in Hindu Fiction. Am. Journ. Phil. 40 
(1919) 1—36. (K.) 

12. Caland, W., De ontdekkingschiedenis van den Yeda (Ent- 
decknngsgeschichte des Yeda). Sonderdruck aus „Yerslagen 
en Mededeelingen der koninklijke Akademie von Weten- 
schappen". Afdeeling Letterkunde, 5. Reeks, Deel III (1918). 
74 S. Gr.-S°. 

13. Dey, Nundolah, Geographical Dictionary of Ancient and 
Mediaeval India. See. Ed. 1. Stück. Indian Antiquary 
(Supplement) 48 (1919). 

Preface: Affixes. — Elisions. — Change of Consonants. — Id. of 
Nasals. — Id. of Semi-Vowels. — Other changes of Consonants. — Change 
of Aspirates. — Id. of Compound Letters. — The interchangeables. — 
Change of Vowels. — Disseverance of Compound Letters. — Transposition 
of Letters. — Synonyms. — _Abbreviations. — Compounding of Letters. 
Abbreviations. Text: Abhirä — Ananta — Näga. (K.) 

14. Gössel, H., Beiträge zum aind. Schuld- und Sachenrecht I. 
Habilitationsschrift Leipzig. Leipzig, Harrassowitz. IY, 46 S. 

15. Hardy, E., Der Buddhismus nach älteren Päliwerken. Neue 
Ausgabe besorgt durch Rieh. Schmidt (= Darstellungen 
aus dem Gebiete der nichtchristlichen Religionsgeschichte 
Bd. 1). Münster i. W., Aschendorff. 1919. XII, 236 S. 8°. 

16. Hillebrandt, A., Der freiwillige Feuertod in Indien und die 
Somaweihe. Sitz.-Ber. d. Bayer. Akademie d. Wiss. 1917, 
Nr. 8. 

Bespr.: LCB. 1919, Sp. 187 f. 

17. Hoernle, Manuscript Remains. Ygl. IJ. 5, 81 Nr. 37. 
Bespr.: Bull. Soc. Ling. 20, 46—50 (Meillet). (Schw.) 

18. Hopkins, E. W., Epic Mythology. IJ. 5, 76 Nr. 3. 
Bespr.: Orient. Literaturzeitg. 1918, Sp. 99— 104 (Scheftelowitz). 

19. Johansson, K. F., Über die altindische Göttin Dhisanä und 
Yerwandtes. 

Bespr.: GGA. 1919, Nr. 9, 10 (H. Oldenberg). 

20. Jouveau-Dubreuil, G., Archeologie du Sud de rinde. I.: Ar- 
chitecture. II: Iconographie. Annales du Musee Guimet 
Bibliotheque d'etudes. Vol. 26. 27. Paris, Geuthner. 1914. 
192, 147 S. Gr.-8°. Fr. 40. 

Bespr.: LCB. 1918, Sp. 343. 

21. Kamesvara Aiyar, The Lunar Zodiac in the Brähmanas. 
Indian Antiquary 48 (1919) 95-97. (K.) 

22. Keith, A. Berriedale, The Sämkhya System, a History of 
the Sämkhya Philosophy (a. u. d. T. : The Heritage of India 



48 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Series). Calcutta and London, Mysore printed. 1918. 
109 S. 12°. (K.) 

23. Kennedy, J., The Aryan Invasion of Northern India: an 
Essay in Ethnology and History. (Wird fortgesetzt). JRAS. 
1919. S. 493—529. (K.) 

24. Krishnaswami Aiyangar, S., The Beginnings of South Indian 
History. See. Series. Madras, The Modern Printing Works. 1918. 

25. — The Hun Problem in Indian History. Indian Antiquary 
48 (1919) 65—76. 

Inhalt ; The Huns in the East. The H. in India. The H. in Indian 
Literature — kälidäsa. Criticism of the Reference. The Geographical 
Data of kälidäsa. The real question requiring explanation. The H. in 
Chinese History. The H. and the Yueh-Chi. The Hiung-Nu-Hun Theory. 
The Huns: the Fauni of Strabo. Menander and the Huns. The maternal 
stock of the Huns — the Massagetae. Indian evidence on the question. Hiueu- 
Tsiang's reference to the „Rats" in the City west of Khotan. Conclusion. (K.) 

26. Kuppuswami Sastri, S., A Descriptive Catalogue of the 
Sanskrit Mss. in the Government Oriental Manuscripts 
Library, Madras. Vols 20. 2 1 : Kävyas. Madras 1918. 8°. 

27. La Terza, E., L'eta del Rigveda. Riv. indo-greco-italica 1 
(1917) 350 u. 358. 

Referierende Orientierung. (Schw.) 

28. Macdonell, A. A., Development of Hindu Iconography. 
JRAS. 1919. S. 526—535. 

Erwiderung auf Venkateswaras Artikel (s. Nr. 46). 1. Es gibt keine 
Beweise, daß die Götter in der frühesten vedischen Zeit ikonographisch 
dargestellt wurden. 2. Vom 1. Jhrh. n. Chr. an treten Götterbilder auf 
Münzen auf, die ältesten zwei-, bald aber auch dreiarmig. Acht- und 
zwölfarrnige sind vom 6. Jhrh. an nachzuweisen. Die Zeit der ältesten 
literarischen Erwähnungen von Göttern mit vier, acht oder zwölf Armen 
ist unsicher. 3. Die Absicht des alten Hindukünstlers war die Darstel- 
lung in konkreter Gestalt nach religiöser Tradition. In den ältesten über- 
lieferten Denkmälern, buddhistischen wie Hindu, werden die Götter in 
rein menschlicher Gestalt, mit zwei Armen und einem Kopf dargestellt. 
Im 1. Jhrh. wurden zwei Arme hinzugefügt, welche Waffen oder Attri- 
bute trugen, während die natürlichen Hände Bewegung oder Gebärde 
ausdrückten. 4. Nachdem der Besitz von vier Armen für den Ausdruck 
des Göttlichen charakteristisch geworden war, wurde die Anzahl der 
Arme vermehrt und die verschiedenen Gestalten desselben Gottes wurden 
differenziert durch eine andre Anordnung, durch Fortlassung oder Zufü- 
gung von Details. Ursprung und Entwicklung der charakteristischen Merk- 
male in der Ikonographie müssen historisch, auf der Grundlage der Tat- 
sachen untersucht werden, mit möglichster Vermeidung von Argumenten 
a priori. (K.) 

29. Majumdar, Surendranath. Contributions to the Study of the 
Ancient Geography of India. Indian Antiquary 48 (1919) 
15 — 23. 



H. Zeller, V. Arisch. 49 

1. Present state of our knowledge and the pioneera in this field of 
research. 2. Sources of the Historical Geography of Ancient India 
(Classical, Early Christian, Arabic, Chinese. [Wird fortgesetzt]). 
3G. Majumdar, N. G., Date of the Abhira Migration in India. 
Indian Antiquary 47 (1918) 35—36. 

„The Abhiras had settled in India and come to be associated with 
the Südras even in the time of Patafijali, who lived at any rate in the 
2nd Century B. C. Therefore, their migration is to be placed at least 
three hundred years before the Christian era." (K.) 

31. — The Lakshmanasena Era. Indian Antiquary 48 (1919) 
171—176. (K.) 

32. Narendra Nath Law, Ancient Hindu Coronation and allied 
Ceremonials. Indian Antiquary 48 (1919) 84—94. 

Section I : Räjyäbhisheka. Sect. II : Yauvaräjyäbhisheka. (K.) 

33. Oldenberg, H., Zur Geschichte der altind. Prosa. IJ. 6, 61 
Nr. 28. 

Bespr. von M. Winternitz, DLZ. 1919, Sp. 851 ff., 882 ff. 

34. — Verwissenschaftliche Wissenschaft. Die Weltanschauung 
der Brähmana-Texte. Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. 
1919. VI, 249 S. Gr.-8°. 

Bespr.: LCB. 1919, Nr. 36, Sp.692ff; Jahrb. d. Görresgesellsch. 32, 3 ; 
Theol. Lbl. 40,21; Selbstanzeige Os. GGA. 1919, Nr. 1/2. 

35. Panchanan Mitra, New Light from prehistoric India. Indian 
Antiquary 48 (1919) 57—64. 

I. Scripts and Signs from Indian Neoliths. (Wird fortgesetzt.) (K.) 

36. Pargiter, F. E., The North Pancäla Dynasty. IRAS. 1918, 

S. 229—248. 

„The hyrnns about this dynasty were not coinposed when the 
Aryans were in the Panjab forcing their way into India, and it did not 
lead the Aryan hosts from the north-west into India, but was an offshoot 
of the Paurava-Bhärata race long after the Aryans had established themsel- 
ves in North India. The wars that its kings waged, as alluded to in 
the hymns, were not the struggles of a newly invading host with 
the earlier inhabitants, but were contests between this dynasty at the 
plenitude of its power and neighbouring Aryan and non-Aryan kingdoms 
and tribes. The hymns that extol these kings have thus nothing to do 
with the Aryan invasion of India. The Aryans had entered India centu- 
ries earlier. (K.) 

37. — Sagara and the Haihayas, Vasistha and Aurva. IRAS. 
1919, S. 353-367. (K.) 

38. Radhagovinda Basak, Chandras Conquest of Bengal. Indian 
Antiquary 48 (1919) 98-101. (K.) 

39. Ribbach, S. H., Vier Bilder des Padmasambhava und seiner 
Gefolgschaft. Mitteilungen aus dem Museum für Völkerkunde 
in Hamburg 5, Beiheft 5. Hamburg, Meißner. 

40. Satis Chandra Vidyabhusana, M. M., Influence of Aristotle on 

Indogermanisches Jahrbuch. VIII. 4 



50 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

the Development of the Syllogism in Indian Logic. IRAS. 

1918, S. 469—488. 

Inhalt: 1. Tarka-Sästra of Gotama (about 550 B.C.). 2. The Nyäya- 
sütra of Aksapäda (ab. 150 A. D.). 3. When was the Syllogism first used 
in India? 4. No Counexion between an Inference and a Syllogism at 
their early stage. 5. The Syllogism in Indian Logic conforms to the 
logical rules of Aristotle. 6. Migrations of the Logical Theories of 
Aristotle froni Alexandria into India (175 B. C— 600 A. D.). (K.) 

41. Smith, V.A., The Oxford History of India. Oxford, Clarendon 
Press. 1919. 816 S. (K.) 

42. Speyer, J. S., Die indische Theosophie. 
Bespr. von M. Winternitz, Ostasiat. Ztschr. 5, H. 1/4. 

43. Stephen, Dor. Jane, Studies in Early Indian Thought. Cam- 
bridge, University Press. 1918. I, 176 S. 12°. (K.) 

44. Ventekarama Ayyar, A. V., The Life and Times of Chälukya 
Vikramäditya. Indian Antiquary 48 (1919) 112—120. 

Part 1. Introductory : Vikramädityas Ancestry. (Wird fortgesetzt.) 

(K.) 

45. Venkatasubbiah, A., Indrasena. Indian Antiquary 47 (1918) 
280-284. 

Pargiters Genealogie IRAS. 1910, S. 1328 f. ist falsch. Schon Geldner, 
Ved. Studien, hat nachgewiesen, daß der Name im Mahäbhärata Calc. Ed., 
3. 113. 22; 4. 21. 11 als Näräyani und als Gattin Mudgalas vorkommt. 
Der südindische Text des Mah. hat dafür die Doublette Näläyanl. „She 
must therefore be identified with the Indrasena, who, we read in the 
Nalopäkhyäna (Mab. III. 54. 48—49), was born to Nala of Damayanti. 
Am Schluß gibt Verf. eine verbesserte und erweiterte genealogische 
Tabelle : 

Bbrimyaöva 

I 
Mudgala Nala = Damayanti 

! i 

Devavan = Indrasena 

Vadhzyaöva = Menakä 



Divodäsa Ahalyä = Gautama 

Außer Bbrimyaöva, Nala, Damayanti und Menakä finden sich all diese 
Namen in dem Rigveda. (K.) 

46. Venkateswara, S.V., The Development of Hindu Iconography. 
IRAS. 1919, S. 519—526. 

Vgl. IJ. 5, 59, Nr. 11. 12. Verf. begründet und formuliert noch ein- 
mal seine Ansichten : 1. Aus den Veden läßt sich für die ikonographische 
Darstellung von Göttern in der fr übern vedischen Zeit nichts beweisen. 
2. Götter mit vier Armen werden Rämäyana und Bhagavad-gltä erwähnt. 
Sie erscheinen auf Münzen vom 1. Jhrh. n. Chr. Götter mit acht oder 
zwölf Armen lassen sich in der Literatur bis etwa 200 n. Chr. zurück 
nachweisen, in Abbildungen bis ins 6. Jhrh. n. Chr. 3. Man beabsichtigte 
mit der Darstellung dem Betrachter die übermenschlichen Gestalten und 



H. Zeller, V. Arisch. 51 

Taten der Gottheiten nach den traditionellen literarischen Berichten ein- 
zuprägen. 4. Ikonographische Details müssen erklärt werden nach drei 
Prinzipien: dem aller indischen Kunst gemeinsamen Symbolismus; 
dem der Anpassung der Struktur an die Funktionen des dargestellten 
Gottes (resp. der Göttin); dem des künstlerischen Effekts und des 
religiösen Gefühls, welches das Bild auslösen soll. (K.) 

1. Ved'sch und Sanskrit. 
Grammatik, Metrik. 

47. Chand. EL, Kälidäsa et l'art poetique de l'Inde (Alankära- 
S'ästra). Paris, Champion. 1917. XIV, 252 + 104 S. 

Bespr. von J. Nobel in ZDMG. 73 (1919) 189—196. 

Enthält I. Bibliographie de l'Alahkära. II. Dates des auteurs qui 
ont ecrit sur l'Alankära. III. Les citations tirees de Kälidäsa dans les 
traitös d'Alankära. IV. L'histoire du texte de K. d'apres les citations. 
V. Index alphabetique des pratlka des stances de K. (Schw.) 

48. Kudriavskij, D., Na&aTnyj kurs sanskritskovo jazyka. Gram- 
matika, Chrestomatia, Slovar. Jurjev 1917. Selbstverlag. 
173 S. 

Bespr. : Bull. Soc. Ling. 20, 157 f. (Meillet). (Schw.) 

49. Liebich, Br., Zur Einführung in die indische einheimische 
Sprachwissenschaft. I. Das Kätantra. II. Historische Ein- 
führung und Dhätupätha. Sitz. - Ber. d. Heidelberger Aka- 
demie 1919, Nr. 4 u. Nr. 15 (95 u. 53 S.). 

50. Macdonell, Vedic Grammar. IJ. 5, 81, Nr. 41. 
Bespr.: Bull. Soc. Ling. 19, S. 60-65 (Meillet). (Schw.) 

51. Maitra, Bimalacharan, Bhäshävritti, published by Maitra. 
The Varendra Research Society, Rajshahi, Bengal. 1918. 
n + 21 +614 + 11 S. 

Kommentar zu Päninis grammatischen Aphorismen außer den aus- 
schließlich vedischen. Bespr. von Vanamali Vedantatirtha, Ind. Ant. 48, 
S. 146 ff. (K.) 

52. Meillet, A., Sur le rythme quantitatif de la langue vedique. 
MSL. 21 (1919) 193—207. 

„En vedique, le rythme iambico - trocha'ique est recherche pour lui- 
nieme, et, visiblement, le rythme dactylique n'est que tolere. Dans un 
tres grand nombre de cas, tout se passe, en sanskrit et en grec, comme 
si la suite de trois breves £tait evitee, mais en grec, la suite de — u— u 
n'est pas particulierement recherchee, tandis qu'elle Test en sanskrit. 
Le rythme du grec est tantöt binaire et tantöt ternaire ; celui du sanskrit 
est essentiellement ternaire." Daher Unterschiede in der Metrik; das 
trochaische Prinzip tritt aber auch in den Formen und in der Wortbil- 
dung zutage, was im einzelnen ausgeführt wird. Daher z. B. -mäna- im 
ptc. med., die kaus. auf -äyati; sünah; müsäh (neben muskdh), jivqjivqos. 
Viele % und ü des Idg. beruhen auf rhythmischer Dehnung. „L'indo- 
europeen etait entierement domine par le rythme quantitatif, qui persi- 
stait encore d'une maniere complete ä date historique en vedique, en 
grec ancien, en latin de Tepoque republicaine, qui a lasse de traces dans 

4* 



52 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Ia plupart des Jangues de la faraille, et dont les effets se manifestent 
encore aujourd'hui clairement, surtout en persan, en lituanien, en serbo- 
croate. Le ton, qui consistait en une simple elevation de la voix, n'inter- 
venait pas dans le rythme." (Schw.) 

53. — Le datif vedique avfrate. Bull. Soc. Ling. 21 (1918) 
21 f. 

Steht für *aviratäte; ebenso der Instr. aviratä für -tatä. Ähnlich, 
durch Haplologie aus -tatä, -yayü, ist ein großer Teil der ved. Instrumen- 
tale auf -ä zu -« - Stämmen zu erklären ; auch die auf -sä erwecken den 
Verdacht, es sei -sayä vermieden. Es gibt also viel weniger Beispiele 
von fem. Instr. auf -ä, als man gewöhnlich annimmt. (Schw.) 

54. Meidet, A., Ved. puramdardh. Bull. Soc. Ling. 21 (1919) 127. 

Wie pürblüt (Akk. pürbhklam) zeigt, wäre *pürdarali rhythmisch 
ausgezeichnet. Man zog puramd. vor, um nicht zwei folgende Silben mit r 
schließen zu lassen (dissimilatorische Tendenz der Wortbildung). (Schw.) 

55. Stchoupak, N., Le complement du nom dans le Qatapatha- 
brahmam. MSL. 21 (1918) 1—38. 

Behandelt, nach einer kurzen Charakteristik der Sprache der Bräh- 
manas im allgemeinen, an ausgewählten Beispielen ,1. Le complement de 
nom proprement dit, c'est-ä-dire les formes casuelles et tout particuliere- 
ment le genitif. II. Ladjectif derive d'un nom qui aurait servi de com- 
plement au nom determine. III. Les composes qui, la decomposition faite, 
donneraient eux aussi un nom avec son complement." Die drei Erschei- 
nungen lösen sich historisch ab und hängen mit der Auflösung der Flexion 
zusammen. Bemerkenswerte Einzelheiten. S. 11 gegen Havers' dativische 
Auffassung von ai. me usw. 14 ff. über die Vermischung von Gen. und 
Dat. (im Grunde lautlicher Natur). 28 f. Substantivierung von Adjektiven. 
32 f. Vom ai. Standpunkt aus hat der Gen. als älter zu gelten als das 
Adj. (Schw.) 

Lexikographie. 

56. Hillebrandt, A., Zur Geschichte des indischen Dramas. 
ZDMG. 72 (1918) 227—232. 

Verf. äußert hier seine Bedenken gegen die Lüderssche Übersetzung 
des Wortes saubhika als „Schattenspieler" (vgl. IJ. 5, 78, Nr. 15). 

57. LUders, H., Nata und nätaka in der indischen Literatur der 
vorchristlichen Zeit. Sitz.-Ber. d. Preuß. Akad. d. Wiss. 1918, 
Nr. 13. 

58. Oldenberg, H., Die vedischen Worte für „schön" und „Schön- 
heit" und das vedische Schönheitsgefühl. Gott. Nachrichten 
1918, S. 35—71. 

Folgende Worte werden behandelt: 1. srl, sreyas, srestha (S. 35 
bis 45). - 2. Icücsrm (S. 46—48). — 3. bhadrä (S. 48-52). - 4. cän* (S. 52 f.). 
5. kalyüna (S. 53 f.). - 6. Wzl. subh- (S. 55). - 7. väpus (S. 55-57). — 
8. valgü (S. 57). — 9. citrd; darsatä, sudrs usw., susamJeäsä ; rüpä; siy7(7«usw., 
mädhu; ranvä; vämä (S. 57—61). — Unter 10. (S. 61 — 71) werden die von 
dem Dichter des Rgveda zur Beschreibung der Schönheit gebrauchten 
Ausdrucksmittel behandelt. 



H. Zeller, V. Arisch. 53 

Etymologie. 

59. Charpentier, J., Beiträge zur alt- und mittelindischen Wort- 
kunde (Fortsetzung zu ZDMG. 70, 21 6 ff.). ZDMG. 73 (1919) 
129—158. 

1. Ai. ruksä „Baum, Gewächs". — 2. Ai. punkha „der unterste Teil 
des Pfeiles". — 3. Ai. saskula, saskidt. — 4. Ai. sürmi, silrmi „Röhre" usw. 
— 5. Ai. ortnard usw. — 6. Ai. säsnä „Wamme, Brustlappen". — 7. Ai. 
vap „scheren". — 8. Ai. vap „ausstreuen, hinwerfen". — 9. Ai. amlä 
„sauer", ämrä „Manifera indica" usw. — 10. Ai. äsivisä „Schlange" — 
11. P. pamsuküla und Verwandtes. — 12. Pkt. diimai „dävayati" usw. — 
13. P. mahihä „Dunst, Nebel" usw. — 14. Ai. k'rsana „Perle". — 15. Ai. 
nigada „Fußkette, Fessel". — 16. srams „zerfallen, in Stücke gehen". — 
17. Ai. kupim „Netz für kleine Fische". — 18. Ai. kulikä ,,ein bestimmter 
Vogel" usw. — 19. Ai. cira „Streifen, Fetzen" und Verwandtes. — 20. Ai. 
dhvärikw „Krähe" usw. 

60. — Die Namen der Pänduiden am Hofe des Viräta. 
ZDMG. 72 (1918) 224—226." ' 

Verf. sucht zu beweisen, daß der Dichter nach indischer Sitte in 
den Namen der Pänduiden gewisse persönliche Anspielungen, soweit als 
möglich, angebracht hat. 

61. Dalgado, S. R., Glossario luso-asiatico. Coimbra 1919 (hg. 
von der Akademie der Wissenschaften zu Lissabon). LXYII, 
535 S. 8°. 

Erste Hälfte des Werkes. Bespr.: Meillet, Bull. Soc. Ling. 21, 207 ; 
Bloch, Journ. As. 1919, S. 14, 493-495; Dames, IRAS. 1921, S. 263-267. - 
Vgl. des Verfassers Contribuicoes para a Iexilogia luso-oriental, hg. von der 
Akademie 1916. 

62. Jensen. P., Indische Zahlwörter in keilschrifthittitischen 
Texten. Sitz.-Ber. d. Preuß. Akademie d. Wiss. 1919, S. 367 
bis 372. 

S. Abt. II, Nr. 55. 

63. Liebich, B., Der Name Mleccha. ZDMG. 72 (1918) 286 
bis 287. 

L. weist die Ableitung von skr. mleccha „Barbar" aus semitisch 
melekh „König" zurück und vermutet in dem Wort den Namen eines 
nichtarischen Volkes, das wahrscheinlich im unteren Gangesland wohnte. 

64. Meillet, A., Skv.bhürjah, MSL. 21 (1918) 48. 

Die lit. Ableitungen birzlis „branche de bouleau", birzelis „mois de 
mai" u. a. neben berzas deuten darauf, daß auch ai. bh. die schwache 
Stufe der Wurzelsilbe einer nicht erhaltenen Ableitung verdankt; vgl. 
auch lat. farnus, wenn verwandt. (Schw.) 

65. Scheftelowitz, J., Zur Etymologie von ai. mleccha. ZDMG. 73, 
243 f. 

mleccha 'stammelnd, unverständlich sprechend', Intens, nach Säyana 
Dhätuvrtti zu Dhätup. 7, 25 memlesmi, was auf urind. *memlesmi zurück- 
gehen könnte; pali mimliccho, prakr. miccha, meccha aus idg. *mlais-sko, 
cymr. bloesg 'stammelnd, stotternd', lat. blaesus 'stammelnd' aus *mlais-sos. 
Die Annahme, daß idg. anl. ml zu lat. ß geworden wäre, ist sehr an- 



54 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

fechtbar, vgl. lat. blandtts : ai. vi-mradati, lit. nu-blednej^s 'entkräftet'. 
Dagegen lat. flaccus 'welk' = idg. blüäk, lit. blükszfi 'welk -werden'. 
Ebenso idg. bhl enthalten lat. flagrum, flatus. Lat. flagitium entweder zu 
üugrum oder idg. * ghrägh. Idg. anl. ml also lat. nur bl. Lat. blaesus 
wegen der Bed. nicht aus gr. ß).aioö; entlehnt, vielmehr urverwandt mit ihm 
aus *mlais-sos. E.Kuhns Verknüpfung (KL. 25, 327) von pali milakko 
mit ai. nüecch- widerspricht den Lautgesetzen ; vielmehr dazu got. untila- 
malsks 'unbesonnen', idg. *mlkh-sht : ved. mürkhd 'Dummkopf, lett. jnülkis 
dasselbe. 

66. Schulze, W., Noch einmal ai. sthlv. KZ. 48 (1918) 229. 

Vgl. KZ. 45, 95. Hinweis auf schwäbisches sdübä, gsdübä in Bins- 
dorf gegenüber sbübä, gsbübä in Gruol u. sbuiä, gsbuid in Ostdorf. 

Textausgaben, Textkritik. Exegese und Übersetzungen. 

67. Belloni-Filippi, F., II „Qlladüta" di Cäritrasundara Gani. 
Giorn. indo-greco-italica 28 (1916, ersch. 1917) 153—166. ' 

Verhältnis zum Meghadüta. (Schw ) 

68. Bhide, H. B., Notes on Kälidäsa. Indian Antiquary 47 
(1918) 246—255. 

1. Early References. 2. Kälidäsa and Bhäravi. 3. A difficulty in 
the Meghadüta. 4. Second difficulty. (Wird fortgesetzt). (K.) 

69. Caland. W., Erklärende und kritische Bemerkungen zu den 
Brähmanas und Sütras. ZDMG. 72 (1918) 1—31. 

Inhaltsangabe: a) Zur Bedeutungslehre (S. 1—4). Die Verbal- 
wurzel pü (S. 1—3). Zur Bedeutung von üna, nyüna (S. 3). Zur Bedeu- 
tung von vi-säs (S. 3 f.). Zur Bedeutung von pratiresa (S. 4). Zur Bedeu- 
tung von adlillodhdkarne u. dgl. Zur Bedeutung von yävaccharkaram 
(S. 4). b) Volkstümliches in den Brähmanas und Sütras (S. 5f.). 
c) Kritisch-erklärende Bemerkungen: 1. Eine Bemerkung morpho- 
logischer Art (S. 6). 2. Zur MaiträyanT - samhitä (S. 6—12). 3. Zum 
Käthaka (S. 12—19). 4. Zum Pancavim^abrähmana (S. 19—23). 5. Zum 
Aitareya - brähmana (S. 23 — 25). 6. Zum Kausltaki - brähmana (S. 25 f.). 
7. Zum ^atapathabräbmana (S. 26 f.). 8. Apastamblya - srautasütra (S. 27 
bis 31). 

70. Edgerton. Fr., Notes, mainly textual, on Tanträkhyayika. 
Book H. JAOS. 38 (1918) 273—293. 

Verf. will zu einer Rekonstruktion des hypothetischen Originaltextes 
des Pancatantra, Buch II, anregen. Er hält sie, mit einiger Reserve, 
für möglich, sowohl was die poetischen, als die Sprüche in Prosa betrifft. 
Auch von der Ezählung lasse sich herstellen „what would pass as a free 
translation of the (non - existent) original text". Eine solche Wiederher- 
stellung des Urtextes stellt Verf. in Aussicht. Vorläufig setzt er seine 
Ansichten von den Versionen, ihrem gegenseitigen Verhältnis und dem- 
jenigen zum Urtext auseinander (vgl. Verf. AJP. 36. 44 ff. : 253 ff.). Die 
Skr.-Vorlage der Pehleviübersetzung müsse dem Original weit näher ge- 
standen haben, da sie aber fehlt, stehe von den überlieferten Texten 
Tantrakh. dem Original am nächsten. Unglücklicherweise sei der Text 
nicht gut. Hertels Auffassung vom Verhältnis des Tantrakh. wird ver- 
worfen. Es folgt eine Erörterung über 1. Superfluous Emendations intro- 



H. Zeller, V. Arisch. 55 

duced by Hertel (34 Stellen). II. Unfortunate selections between various 
manuscript readings (36 Stellen). III. Emendations of the Text, proposed 
by the present writer (14 Stellen). IV. Corrections of Hertels Trans- 
lation (11 Stellen). (K.) 

71. Edgerton, Fr., Studies in theVeda Nr. 7. Am. Journ. Phil. 40 
(1919) 175—193. 

Nr. 1-6 AJP. 35, 435 ff.; JAOS. 35, 240 ff. The Metaphor of the 
Car in the Rigvedic Ritual. RV. 10. 51 The winning of Agni. RV. 10. 52 
Agnis Installation as Hotar. RV. 10. 53 The Sacrifice Performed. (K.) 

72. LokecvaraQ atakam ou cent atrophes en honnenr du 
seigneur du monde par Vajradatta, edite et traduit par 
Suzanne Karpeles. Journ. asiatique XI e serie, 14 (1919) 
357—465. (Schw.) 

73. La Terza, E., Dal Rigveda. Riv. indo-greco-italica 1 (1917) 
85—104. 331—349; 2 (1918) 89—96. 169—176. 

I. Ai. dadi (X 34). 11. Alla Morte (X 18). — Einleitung, Übersetzung, 
Kommentar. (Schw.) 

74. — RV.I 92, 5 c— d. Riv. indo-greco-italica 1 (1917) 99f. 

(Schw.) 

75. — II Paradiso e il re Yama o le credenze d'oltretombe 
nel Rigveda con la traduzione degl'inni X 14. 135. 154. 
Riv. indo-greco-italica 2 (1918) 297—319; 3 (1919) 131 
bis 145. (Schw.) 

76. — A Rigveda X 28, 3 — 4. 8 — 9. Riv. indo-greco-italica 
2 (1918) 319 f. (Schw.) 

77. Geiger, M. u. W., Die 2. Dekade der Rasavähinl. Sitz.-Ber. 
d. Bayer. Akademie d. Wiss. 1918, Nr. 5. 

78. Otto, R., Texte zur ind. Gottesmystik. I. Vischnu-Näräyana. 
II. Siddhanta des Ramanuya (Übersetzungen). Jena, Diederichs. 
1918. 

Bespr.: DLZ. 1918, Sp. 793 ff. (H. Oldenberg); Der neue Orient 3 
(1918) 171. 

79. Hultzsch, E., Zu Asvaghöshas Buddhacharita. ZDMG. 72 
(1918) 145—153. 

Zusammenstellung einiger Übereinstimmungen zwischen A.s B. und 
den Mahäkävyas des Kälidäsa, Bhäravi, Mägha und Bhatti. 

80. — Zu Asvaghöshas Saundarananda. ZDMG. 72 (1918") 
111—144. 

Dieser Aufsatz ist ein Versuch, den Text des von M. Haraprasäda 
SästrI 1910 zum ersten Male veröffentlichten Kunstgedichtes wiederherzu- 
stellen. — Druckfehlerberichtigung S. XVL. — Inhaltsangabe: Sarga 1: 
Beschreibung von Kapilavästu (S. 111 — 115). Sarga II: Beschreibung des 
Königs (S. 116-119). Sarga III: Beschreibung des Tathägatha (S. 119f.). 
Sarga IV": Die Bitte der Gattin (S. 120—123). Sarga V: Nandas Aufnahme 
in den Orden (S. 123 f.). Sarga VI : Die Klage der Gattin (S. 124 f.). Sarga VII : 
Nandas Klage (S. 125-130). Sarga VIII : Tadel der Weiber (S. 130-132). 



56 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Sarga IX : Tadel des Stolzes (S. 132 f.). Sarga X : Der Besuch des Himmels 
(S. 133— 136). Sarga XI: Tadeides Himmels (S. 136-138). Sarga XII: 
Die Selbstbetrachtung (S. 138 f.). Sarga XIII: Sittlichkeit und Besiegung 
der Sinne (S. 139 f.). Sarga XIV: Der erste Aufbruch (S. 140). Sarga XV: 
Das Aufgeben der Vorurteile (S. 140). Sarga XVI: Die Erklärung der 
edlen Wahrheiten (S. 141 f.). Sarga XVII: Die Erlangung der Unsterb- 
lichkeit (S. 142). Sarga XVIII: Die Offenbarung des Befehls (S. 142 
bis 144). 

81. — Zu Asvaghöshas Saundarananda. ZDMG. 73 (1919) 
229—232. 

82. Jacobi, H., Über die Einfügung der Bhagavadgitä im 
Mahäbhärata. ZDMG. 72 (1918) 323—327. 

83. Jolly, J., Textkritische Bemerkungen zum Kautiliya Artha- 
sästra (Schluß zu ZDMG. 71, S. 414— 4,28). Vgl. IJ. 6, 63, 
Nr. 46. ZDMG. 72 (1918) 209—223. 

84. Kane, P. V., The Harshacharita of Bänabhatta (Mchchhäsas 
I — VTIT), ed. with an Introduction and Notes. Bombay 1918. 

Bespr. von Surendranath Majumdar Sastri, Ind. Ant. Bd. 48, S. 196. (K.) 

85. Liebich, Br., Candra-Vitti. Der Original-Kommentar Candra- 
gomins zu seinem grammatischen Sutra. Abh. z. Kunde des 
Morgenlandes, Bd. 14. Leipzig, Brockhaus. 1918. XIII, 
521 S. 8°. 

Bespr.: DLZ. 1919, Sp. 635 f. (H. Oldenberg). 

86. Lüders, H., Asvaghosas Kalpanämandinikä. Sitz. - Ber. d. 
Preuß. Akademie d. \Viss. 1919, Nr. 17,' S. 255. 

87. Papesso,V., II „Pmäkinlmähätmyam" attribuito al Brahmända- 
paränam. Giorn. soc. ital. as. 27 (1915, ersch. 1916) 81 — 128. 

Abdruck des Textes in Transkription. (Schw.) 

88. Puini, C, La parabola del Figluol prodigo e un capitalo 
del Saddharmapundarika-Sütra. Giorn. soc. as. ital. 27 (1915, 
ersch. 1916) 129—136. (Schw.) 

89. Schacht, H., Indische Erzählungen. Aus dem Sanskrit zum 
erstenmal ins Deutsche übertragen. Lausanne u. Leipzig, 
Frankfurter. 1918. 232 S. 

90. Scheftelowitz, L, Die Nivadas und die Praisäs, die ältesten 
vedischen Prosatexte. ZDMG. 73 (1919) 30—50. 

91. Schrader, F. O., Introduction to the Päncarätra and the 
Ahirbudhnya Samhitä. Adyar Library, Adyar, Madras 1916. 

92. Schubring, W., Das Mahänislha - Sutta. Abhandl. d. Preuß. 
Akademie d. Wiss. 1918, Nr. 5. 

LCB. 1918, Sp. 228 (B.L.). 

93. — ■ Vavahära- und Nislha-Sutta. Leipzig, Brockhaus i. Komm. 
1918. 72 S. 8°. 

Bespr. : LCB. 1919, Sp. 228. 



H. Zeller, V. Arisch. 57 

94. Thomas, F. W., and Mi, H., „The hand Treatise", a work 
of Aryadeva. IRAS. 1918, S. 267—310. 

Die Schrift kommt unter Nr. 1255— 1256 in Bunyiu Nanjios Cata- 
logue ofthe Chinese Translation of t he Buddhist Tripitaka 
vor, wo der Titel gegeben wird als Mushti-prakarana (?) - äästra (Täläntaraka- 
*ästra), übersetzt (s. 374 unter den Werken Ginas, d. h. Dignäga) als 
„Sästra on the explanation of the fist". Beschreibung der hs. und xylo- 
graphischen Überlieferung. Text und Übersetzung. (K.) 

95. Wulff, K., Den old javansk Wirätaparwa og dens Sanskrit- 
original. Kopenhagen. 1917. 

Bespr. : Frankf. Zeitg., 1. August 1919, 1. Morgenbl. (H. Oldenberg). 
Das Buch behandelt das Viratabuch des Mahabharata in seiner 
javanischen oder balinesischen Gestalt. 

96. Zimmermann, S. J. R., An additional proof for the Gen- 
uineness of the Vrittis in Mammatas "Kävyaprakäsa. Indian 
Antiquary 47 (1918) 23. 

97. Brown, W. Norman, The Wandering Skull: New Light on 
Tanträkhyäna 29. Am. Journ. Phil. 40 (1919) 423—430. 

2. Päli und Präkrit. 

98. Zwei Lehrreden, aus dem Pali-Kanon übersetzt (das Denken 
an den Tod, die Last). Neu-Buddhistische Zeitschrift, Früh- 
jahrsheft 1918. Berlin -Wilmersdorf, NeubuddhistischerVerlag. 

99. Bartoli, E., 11 Slhacamma Iätaka (189). Riv. indo-greco- 
italica 2 (1918) 321—326. 

Kurze Einleitung, Text, Übersetzung. Zusätze von Ribezzo. (Schw.) 

100. Burlingame, E. W., Sources of the Päli Commentaries. 
IAOS. 38 (1918) 267-272. (K.) 

101. Davids, Rhys, and Söriyagoda Sumangala Thera, The Book 
of the kindred Sayings (Sanyutta-Nikaya), or Grouped Suttas, 
part 1 : „Kindred Sayings with verses (Sagätha-Vagga)." 
Translated. Pali Text Society, Translation Series, Nr. VII. 
1918. Oxford University Press. 1918. 8°. (K.) 

102. Geiger, W., Päli. Vgl. IJ. 6, 64 Nr. 53. 

Bespr.: DLZ. 1919, Sp. 451-453, 479—482 (R. O. Franke). 

103. Grierson, G. A., The Prakrit Vibhasas. IRAS. 1918, 
S. 489-517. 

„A Vibhäsä is a corrupt form of one or more Standard Prakrit 
dialects, which is used only in stage - plays, and is there allotted to 
special characters. Tbe corruption may be either down - grade or Up- 
grade, and may consist in solecisms, or in a mixture of dialects, but in 
every case it is represented on the stage as a corruption personal to the 
Speaker, and nothing more." (K.) 

104. Jacobi, H., Bhavisatta Kaha von Dhanaväla. Eine Iaina- 



•58 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Legende in Apabhram«a. Abh. d. Bayer. Akademie d.Wiss., 
Bd. 29 (1918) Nr. 4. ' VII, 94 u. 216 S. 4°. 
Bespr. : LCB. 1919, Sp. 227 (B. L.). 

105. Lesny. V., Die Entwicklungsstufe des Präkrits in Bhäsas 
Dramen und das Zeitalter Bhäsas. ZDMG. 72 (1918) 203 
bis 208. 

Durch diesen Aufsatz wird auf Grund sprachlicher Erscheinungen 
zu beweisen versucht, daß Bhäsas Präkrit und somit auch Bhäsa selbst 
jünger ist als Asvaghosa, aber älter als Kälidäsa. 

106. Niddesall: Cullaniddesa. Ed. byW. Stede. Pali Text Society 
Oxford University Press. 1918. 8°. (K.) 

107. Oldenberg, H. , Iätakastudien. Gott. Nachrichten 1918, 

S. 429—468. 

1. Zur Verteilung von Prosa und Versen in den Iätakas (S. 429 
bis 442). 2. Zum Stil der Iätakaverse (S. 442-468). 

108. Ranganathaswami Aryavaragun, Päisächl Präkrit. Indian 
Antiquary 48 (1919) 211—213. (K.) 

109. Seidenstlicker, K., Das Udäna. Eine zu dem Päli-Kanon 
der südlichen Budhisten gehörende Schrift, in deutscher Über- 
setzung aus dem Urtext. Erste Hälfte: Vayya I — IV. Z. 
für Missionskunde u. Religionswissenschaften 1917. 

1 10. Basak. Radha Govinda, The words Nivi and Vinita as 
used in Indian Epigraphs. Indian Antiquary 48 (1919) 13 
bis 15. (K.) 

3. Ins ch riften. 

111. Boyer, Rapson et Senart, Une tablette kharosthl-sanskrite 
de la collection de Sir Aurel Stein. Journ. asiatique XI e serie, 
12 (1918) 319—327. 

Sanskrit mit einigen Besonderheiten (Prakritistnen und Fehlern). (Schw.) 

112. Chanda, R., Dates of the Votive Inscriptions on the Stupas 
at Sanchi Nr. 1 (a. u. d. T. : Memoirs of the Archaeological 
Survey of India). Calcutta. 1919. (K.) 

113. Hultzsch, E., Zur Inschrift der Wardak -Vase. ZDMG. 73 
(1919) 224—228. 

114. Jayaswal, K.P., The Arthasastra Explains. Indian An- 
tiquary 47 (1918) 50—56. 

1. „Pranaya" of Rudräman's Inscription. 2. The God-idols of the 
Mauryas. 3. Nivi of the Inscriptions. 4. ,,Thus saith Priyadarsi"; 
* Proclamations ' not 'edicts'. 5. Vinita of Asoka's Inscriptions. 6. Vracha 
of As". Inscr. 7. Vacha-Bhömikas of Aöoka. 8. ' Narendra as another 
Dame of Chandragupta in the Puränas. 9. Dipista and Dipi of ASoka's 
Inscriptions. (K.) 

115. — Notes on Asoka Inscriptions. The Form Ashashu in 
Rock, Series XIII. Indian Antiquary 47 (1918) S. 297. 

Vgl. Bühler, Ep. Ind., II, 471. 



H. Zeller, V. Arisch. 59 

„Iain inclined to interpret ashashu as a country - name : ,H ere an< * 
all over the neighbouring countries, even in (that part of) Asia where 
Antiochus (dwells), which is 100 yojanas (in length)'. ... In other 
words, not throughout the whole of the Empire of Antiochus but in 
Syria only he succeeded in propagating Buddhism, and this portion of 
Syria . . . was 100 yojanas in length." (K.) 

116. — The Joglmärä C&ve Inscription. Indian Antiquary 48 
(1919) S. 131. 

Transkription: 1. Sutanuka [/*] 2. deva-dasiy[e] 3. Sutanuka 
nama deva-da6i 4. tamkamayi = tha (oder tha) BalunaSeye | ti | 5. Deva- 
dina nama | lupa-dakhe | 

Übersetzung: „In favour of Sutanuka, the devadarsinl." 
„(Order) 'Sutanuka', by name, devadarsinl, of austere life, (iß) now (oder: 
here) in the service ,of Varuna' ". Devadina (= Devadatta) 

by name 
Rüpadaksha." 
* Wahrscheinlich zwei Buchstaben — nama. (K.) 

117. Krishnaswami Aiyangar, S., Satiyaputra of the Asoka Edict. 
IRAS. 1919, S. 581—584. (K.) 

118. Majumdar, N. GL, Samäja (Asoka's Rock-edict I). Indian 
Antiquary 47 (1918) 221—223. 

. . . it appears that samäja meant a sort of theatrical Performance. 
. . . it had great religious importance in as much as it was customary 
to hold it in temples of Sarasvätl who was no doubt considered to be 
the presiding deity of the dramatic art. . . . samäja was primarily 
a technical word for theatre. I do not doubt . . . that games, contests 
of animals, etc., were also exhisited in a samäja . . . the king patronized 
the theatre which was regarded no doubt as an instrument of educating 
the people . . . it in the first inscriptional evidence of a king supporting 
the stage in India. (K.) 

119. — Epigraphic Notes. Indian Antiquary 48 (1919) 206—211. 
1. Maüchapurl Cave Inscription of the time of Khäravela. 2. A 

Passage in the Inscriptions of the Maitrakas of Valabhl. 3. Srävasti and 
Tarkkäri of the Silimpur Inscription. Ergebnis: There was a famous 
place called Tarkkärikä, in the Madhyadeäa. It was a well-known centre 
of holy Brahmans. And thence many Brahman families emigrated to the 
East and South. (K.) 

120. Nanigopal Majumdar, A. Haraha Stone - Inscription. Indian 
Antiquary 46 (1917) 125—127. 

Die Inschrift befindet sich im Lucknow - Museum. Der Sanskrittext 
berichtet über die Rekonstruktion eines verfallenen Sivatempels durch 
Süryavarman, Sohn Isänavarmans, des regierenden Königs der Maukhari- 
Dynastie. Es ist das 5. Zeugnis über diese Dynastie (Fleet, Gupta Inscr. 
pl. XXII; pp. 223— 226; 226—228; 221-223; 228—230; 219—221), und 
zwar das einzige, welches datiert ist, nämlich aus dem Jahre 611 einer 
ungenannten Ära, die Verf. als die Vikramaära bestimmt, d. h. 554 v. Chr. 
Von hier aus wird auch die Chronologie der anderen Inschriften ange- 
setzt. (K.) 



60 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

121. Sailendranath Mitra, Identification of Vinayasamukase in 
Asoka's Bhabra Edict. Indian Antiquary 48 (1919) 8 — IL 

„Whether or not the Ariyassavinaya or the Sugatavinaya may be- 
identified with ASoka's Vinayasamukase is an open question, but it cannot 
be denied that the}' have an intimate bearing on the teaching iuculcated 
by the Great Maurya." 

122. Smith, Y. A., Asoka Notes Nr. XII. Indian Antiquary 47 
(1918) 48-49. 

(Nr. XI erschien 1910, S. 64, Bd. 39.) Identification of Tamba- 
panini in the Rock Edicts II and XIII. Der Name T. bezeichnet beide 
Male den Tiunevellyfluß, nicht die Insel Ceylon, wie Verf. in der 2. Aus- 
gabe seines As"oka (Oxford, 1909) übersetzt hatte. (K.) 

123. Venkatasubbiah, A., The Kadamba Prakrit Inscription of 
Malavalli. Indian Antiquary 46 (1917) 154 — 155. 

Rices Übersetzung in Vol. VII seiner Epigraphia Carnatica 
Nr. 264 of Shikarpur Taluq ist unrichtig. Verf. weist nach, daß ,,this 
inscription has been wrongly understood and translated so as to yield 
the meaning that Sivakhadavamman was a king of the Kadambas and 
that be made the grant recorded in the inscription". (K.) 

4. Neuindisch, Dra vida-Sprachen usw. 

124. Barnett, L. D., The nominatival Genetive in old Kanarese. 
IKAS. 1918, S. 105—106. 

Kittels Zweifel an der Richtigkeit, daß im Altkanaresischen der 
Genitiv für den Nominativ stehen könne (Gramm. S. 393, § 352. la) 
scheint angesichts der Tatsachen im aktuellen Idiom unbegründet. In 
einigen mitgeteilten Inschriften tritt der poss. Genitiv durch Kontamina- 
tion für den Nominativ ein, z. B. Inschr. von Sogal vom J. Saka 902, 1. 55: 
Kamchale-Känteya bitta dharmmamam, ,,the pious foundation which the 
lady Kanchale granted". Das erste Wort ist deutlich der Genitiv. Offen- 
bar ist der Satz aus einer Kont. zweier Konstruktionen entstanden, näm- 
lich des regelmäßigen poss. Gen. Kamchale-Känteya dharmmamam, „K's 
foundation", und der Nominativkonstruktion, Kamchale-Känte bitta dharm- 
mamam, ,,the foundation of which K. granted". Die Bedingung scheint 
im allgemeinen zu sein, daß dem Genitiv ein anderes Substantiv unmittel- 
bar folgt: Inschr. v. Kulenur v. Saka 950, 11. 9 — 10: mandilakara (lies 
mandalikara) darppam = ügadisit = äntu bigurttar, „rulers of provinces, 
spewing up their pride, as they face him are terrified", wo keine Konta- 
mination voriegt. (K.) 

125. Bloch, J, La formation de la langue Marathe (Bibl. de 
lecole des hautes etudes nr. 215). Paris, Champion. 1920. 
XYI. 432 S. 

Bespr.: Meület, Bull. Soc. Ling. 21, 59/62 (1. Teil, S. 241 — 275): 
Grierson, IRAS. 1921, S. 251—263. 

Einleitung. Lautlehre. Formen- und Satzlehre. Anhang über einige 
Dokumente des Altmarathischen (S. 209 — 282). Etymologischer Index 
(S. 283-4o0). (Schw.) 

126. — The intervocalic Consonants in Tamil. Indian An- 
tiquary 48 (1919;) 191—195. (K.) 



H. Zell er, V. Arisch. 61 

127. Edgerton, Fr., A Hindiism in Sanskrit. IAOS. 38 (1918) 
206—207. 

1. Vikraruacarita I(ainistic R(ecension) V.O. 20. Spät-Skr. „Wurzel* 
lä „nehmen", offenbar verwandt mit Hindi lenä „nehmen" (vgl. auch länä 
für le-änä „bringen"). Führt, durch Prakritformen hindurch, zurück auf 
Skr. labh. 2. Vikraruacarita S(outhem) R(ecension) 14. 0. 11. ädesa in der 
Bedeutung des Hindi ädes „Gruß". Nur hier. Die SR. des Vikr. wahr- 
scheinlich nicht vor dem 13. Jahrhundert. (K.) 

128. Hertel, J., Die Akhläq-e hindl und ihre Quellen. ZDMG.72 

(1918) 65—86. 

Die Akhläq-e hindl ist eine aus einer persischen Übersetzung ge- 
flossene Hindustänl- Bearbeitung des Pancatantra. 

Inhaltsübersicht: I. Vorbemerkungen (S. 65 — 68). II. Die Quelle des 
Mufarrehu'l-qulüb, eine Handschrift in Braj-Bhäkhä (S. 68— 81). III. Der 
Verfasser des Mufarrehu'l-qulüb; Ort und Zeit der Abfassung (S. 81 — 86). — 
Der Aufsatz wird fortgesetzt. 

129. Kuhn, E., Zigeunerisch manro 'Brot\ KZ. 49 (1919) S. 73. 
manro beruht auf ai. mandaka 'Art Gebäck'. 

130. — Reste alter Kasusformen im Zigeunerischen. KZ. 49 

(1919) S. 83. 

Formen wie dural 'von weitem' gehn auf Prakritformen wie dürädo 
zurück. — Die angebl. Lokative und Adverbien auf -e sind auf die ahi- 
Formen des alten Hindi und Bengali zurückzuführen. 

131. Littmann, Enno, Über die Zigeunerwörter im ZDMG. 66, 
S. 339. ZDMG. 73 (1919) 233—242. 

132. Man, Edw. Hör., Dictionary of the South Andaman Lan- 
guage. Indian Antiquary (Supplement) 48 (1919). 

Preface: „. . . The Adamanese have been found to be divided into 
twelve tribes speaking languages, which, though more or less distinct, are 
yet so closely allied as to form a group. The language to which this dic- 
tionary refers is the Aka-bea, or language of the South Andaman tribe." — 
Alphabet for writiug the S. A. Lang. — Introduction. Text: 
Abandon — Main - creek. (K.) 

133. Rice, E. P., A History of Kanarese Literature. The Her- 
itage of India Series. Calcutta and London. 1919. III. 
101 S. (K.) 

134. Tuttle, Edw. H., Dravidian S. Am. Journ. Phil. 40 (1919) 
76—84. (K.) 

135. Zachariae, Tb.., Über die Breve Notitia dos erros que 
ten os Gentios do Concäo da India. Gott. Nachr. 1918, 
S. 1—34. 

Verf. ergänzt auf Grund neuen handschriftlichen Materials seine 
frühere Untersuchung über den ursprünglichen Umfang, den Namen und 
die Zeit des Verfassers obiger portugiesischer Abhandlung über den 
Hinduiismus, welche von Caland und Fokker in holländischer Übersetzung 
1915 veröffentlicht wurde. 



62 Bibliographie der Jahre 1918 and 1919. 

b) Iranisch. 

Allgemeines. 

136. Carnoy, A., The Iranian Gods of healing. JAOS. 38 (1918) 
294—307. 

Verf. untersucht den Charakter und Ursprung der Götter Airyaman 
und Thrita, Ind. Aryaman und Trita. I. Airyaman (Pehl. Irrnän) stellt 
in der Av. den heilenden Gott xax h%onj]v dar (Vd. 22. 7 ff.), Er ist eng 
mit Varuna und Mitra verbunden, und mit Vorstellungen von Wasser 
und Fruchtbarkeit. RV. 1. 51. 9 und 5. 3. 2. Im Ind. und Iran, ein hilf- 
reicher Gott, wie auch der Name „the friend, the companion" bezeugt. 
Neben Mitra und Varuna ist Aryaman das 3. Glied in der Trias der 
Adityas. Dieses 3. Glied ist variabel, bald Indra, bald die Göttin Anähita 
(altpers. Auramazda - Mithra - Anähita, vgl. Moulton, Early Zoroastrianism 
S. 78). Wesentlich aber immer eine Gottheit des Regens und der Frucht- 
barkeit. Die babylonische Parallele Sin-Shamash-Isthar hat die persische 
Trias beeinflußt (Moulton, SS. 78. 239). Ebenso, in einer früheren Periode, 
Sin-Shamash-Ramman die Trias Varuna -Mitra -Indra, oder Varuna- Mitra- 
Aryaman. Ratnman oder Adäd ist der babyl. Äquivalent Indras, und 
Aryaman ein Gott des Regens und der Fruchtbarkeit ; seine Tätigkeit als 
Arzt ist beim iran. Gott sekundär daraus abgeleitet. II. Auch Thrita war 
ein heilkundiger Gott der Iranier. Vd. 20. 2. In Ys. 10. 10 wird er er- 
wähnt als Dritter der Urpriester, der das Opfer des haoma (= Soma) dar- 
brachte, wofür er zur Belohnung seinen Sohn, den Heros karasäspa, be- 
kam. Dem 2. Priester Athwya wurde in gleicher Weise ein Sohn, Thrae- 
taona, der den Drachen Azhi Dahäka besiegte (Faridün in Shähnämeh). 
Thraetaona ist ebenfalls ein Arzt (Yt. 13. 131). In Indien sind die drei 
Gestalten zu einem Gott vereinigt, Trita Aptya (= Thrita Athwya). 
Traitana (= Thraetaona) wird RV. 1. 158. 5 genannt. Seine Funktion ist 
in diejenige Tritas aufgegangen. Tritas-Mädchen, die den braunen Tropfen 
für Indra pressen (RV. 9. 32. 2) sind urspr. mit iran. Sanhavak und 
Aranavak, welche Thraetaona erlöste (Yt. 5. 34), identisch. Diese Erlösung 
findet eine Parallele in den Veden. RV. 10. 8. 8 und 10. 9. 8. Trita erlöst 
die Himmelskühe aus der Gewalt Vrtras oder Vi^varüpas, wie Thraet. 
die Mädchen aus derjenigen des Wolkendrachens Azhi Dahäka. Ebenso 
deuten auf Regenmythen RV. 1. 52. 4; 5. 86. 1 u. RV. 5. 54. 2; auch sonst in 
Beziehung zu Flüssigkeit RV. 9. 102. 2; 9. 36. 20; 1. 105. 17. Sein Aufent- 
halt in einer Quelle, an einem verborgenen feuchten Ort RV. 10. 8. 1 ; 
9.102.2; 8.47. 13. Seine Beziehung zum Wind RV. 10.46.3 von Trai- 
tana entlehnt, in der Avesta ist Thraetaona ebenfalls ein Windgott 
Yt. 5. 61 ; 19. 36. Vd. 1. 17 (av. varana, skr. varuna, gr. ovgavös, vgl. 
Solmsen, Unters. S. 291 ff.). Aus diesen zerstreuten Zügen rekonstruiert 
Verf. die Mythe : Es gab einen alten, weisen, in Zaubersprüchen erfah- 
renen Wassergott; sein Aufenthalt ist eine entlegene Quelle, hier preßt 
er die Pflanzen des Lebens und sendet die wohltätigen Somaströme zu 
der Erde. Er leistet einem andern Gott Hilfe bei der Lösung des Himmel- 
wassers. In Indien Indra, in Iranien jedoch oft Thraetaona (= skr. Trai- 
tana). Dieser Drachentöter erscheint als Gefährte Tritas und steht in 
Verbindung mit Vorstellungen vom Winde, der die Wolken treibt, Stürme 
erzeugt und das Feuer anfacht. Er kehrt zu demselben feuchten Ort wie 
Trita wieder, vielleicht der Ort „nmäna" Airyamans, des andern heil- 
kundigen Regengottes. III. Ähnliche Vorstellungen in der germanischen 



H. Zeller, V. Arisch. 63 

Mythologie. Besonders erörtert au der Gestalt des Mimi (Hemnann, 
Nord. Myth. S. 132 u. 313). IV. Ebenso bei den Griechen, 'üxsavög und 
dessen Tochter -2rv£ als Quelle der Unterwelt und der unergründlichen 
Weisheit. Der"A?.eog yigojv (Steuding, Griech. Myth. S. 56) und seine ver- 
schiedenen Gestaltungen ; Nrjgsvg, rkavxög, wie auch Tqitcov in seinem 
Schloß auf dem Meeresgrund. Die Wz. trito- findet sich in 'Aft^ngizt], 
Tgircövr], Tgacovig, Tgiroyivsia, 'J-&rj%>ä usw. Die Vorstelluug von der Geburt 
der Athena führt auf einen Sturmmythus zurück. V. Etymologie. Trlto- 
zu lat. tero, trlvi, trltum; mir. triath „soft, weak" (cf. tsgvg), dazu ein 
Homonym triath, gen. trethan, „sea*. Beide Bedeutungen verbindet arm. 
threm, „to knead clough". Trita mit I durch Kontamination mit trito- 
„third". Thrita ist der 3. Priester Ys. 9. 10, und der 3. von drei Brüdern 
Yt. 5. 72. RV. 8. 47. 16 erwähnt Trita als ,,third" zusammen mit Dvita 
„second". Die griech. Namen lassen auf einen idg. Urmythus schließen. 
VI. Ähnliche Vorstellungen von heil- und zauberkundigen Wassergöttern 
bei den Babyloniern. (K.) 

137. Hüsing, Gr., Die Aufgaben der modernen Persienforschung. 
Berichte des Forschungsinstituts für Osten u. Orient, hgb. 
von R. Geyer, H. Uebersberger u. A. Grohmann. 1. Bd. Wien. 
1917. Yerlag des Institutes. 

138. Lüders, H., Die *äkischen Mura. Sitz.-Ber. d. Preuß. 
Akademie d. Wiss. 1919, S. 734—766. 

139. Iivanji Iamshedji Modi, Iränanum Keäniän varn^a. Avastä, 
Pehälavi, Päzand, Phärsi pustako mujab (in Gujarati). 
Bombay. 1914. 14 u. 122 S. 8°. 

140. — Iränanum pesdädiän vamsa. Avastä, Pahelavi, Päzand, 
Pärsi pustako mujab (Gujarati). Bombay. 1914. 

141. — Purätan Iränano Itihäs (in Gujarati). Ohne Ort. 1916. 
25 u. 312 S. 8°. 

142. Iivanji Iamshedji Mody, Anquatil du Perron and Dastur 
Darab. Bombay. 1915. 18 u. 374 8. 8°. 

143. Iivanji Iamshedji Modi, Dastur Bahman Kaikobad and the 
Kiseh-i-Sanjan. A Reply. Bombay. 1917. II u. 84 S. Gr.-4°. 

144. — Sir Iamsetjee Iejeelhoy Madressa Iubilee Volume. 
Papers on Iränian Subjects. Edited by. Bombay. 1914. 
LX u. 489 S. 4 °. 

145. — Asiatic Papers II. Papers read before the Bombay Branch 
of the RAS. Bombay. 1917. 379 S. 8°. 

Vgl. 0. B. 20 (1906) Nr. 154. 

146. Schultz, W., Iranisches bei Berossos. OLZ. 21 (1918) 
227—236 u. 257—264. 

147. Siddiqi, A., Studien über die persischen Fremdwörter im 
klassischen Arabisch. Göttinger Diss. Göttingen, Yanden- 
hoeck u.Ruprecht. VII, 118 S. 8°. 



64 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Bespr: Berl. phil. Wochenschrift 1920, Nr. 3 (Gustavs); LCB. 1920, 
Sp. 592 (Brockclrnann). 

148. Stonecipher, A. H. M., Graeco- Persian Names (Vol. 9 der 
Vanderbilt Oriental Series). New York. 1918. VIII, 86 S. 8°. 

Bespr. von Meillet, Bull. Soc. Ling. 1919, S. 207 f. 

149. Vasmer, M., Finn. varsa „Füllen" ein iranisches Lehnwort. 
Journ. Soc. Finno-Ougr. 30 (1918) 15, 8. 1—3. 

Als Quelle des Wortes wird die ältere Vorstufe von osset. urs, wiirz 
„Hengst" angesehen, welches mit aind. vrsan- „Hengst, Männchen, Mann" 
u. a. zusammengehört. 

Altpersisch. 

150. Erman, K. B., 'ÄQrs/ußaQrjg. KZ. 48 (1918) 159—160. 

Entspricht wohl einem apers. *rtompa x ra x ; -para: pf 'jemand för- 
dern 1 . Der Sinn des Namens also: 'der das Recht fördert'. 

151. Hüsing, G., Altpersisch abi-ä-caris? KZ. 48 (1918) 155 
bis 156. 

Angeblich verschrieben für abi[jä]caris und mit Darmesteter als 
Vorstufe des heutigen bäzär zu betrachten. 

152. Jackson, A. V. W., The Etyraology of some Words in the 
Old Persian Inscriptions. JAOS. 38 (1918) 121—124. 

153. Johnson, E. L., Historical Grammar of the Ancient Persian 
Language. New York, American Book Company. 1917. 
XIV u. 251 S. 

Bespr. von Meillet, Bull. Soc. Ling. 21 (1919) S. 207f. 

154. The Dinkard, ed. and translated by D. D. P. San Jana 
(LJ. 6, 69, Nr. 85). Bd. 16. London. 1917. 

Bis zum Ende des 8. Buches. 

A west a. 

155. Bartholomae, Ch., Zarathustras Leben und Lehre. Aka- 
demische Rede, vorbereitet für die — aus äußeren Gründen 
unterbliebene — Jahresfeier der Universität Heidelberg am 
22. November 1918. Heidelberg. 1919. 17 S. 

156. Maneckji Nusservanji Dhalla, Zoroastrian Theology from 
the earliest Times to the present Day. New York. 1914. 
XXXII u. 384 S. Gr.-8°. 

157. Meill&t, A., De quelques abregements de voyelles dans 
l'Avesta. Bull. Soc. Ling. 21 (1919) S. 128f. 

Fälle wie ca&wädö: ca{koaclras-ca (Grundr. iran. Phil. 21 § 293 S. 296) 
erklären sich nicht aus Akzentverschiebung, sondern daraus, daß die Vo- 
kale bei Zunahme der Silbenzahl des Wortes oder der Gruppe kürzer ge- 
sprochen werden (d in fr. pale ist kürzer als das ä in päte). So zu be- 
urteilen auch gen. pl. -unum (zu «-Stämmen), barumaide (: ai. bhdrämahe) u. a. 
Daraus ergibt sich auch das Fehlen von Vrddhi im Avesta in Fällen, wo 
man sie nach haomananlmn, ddus. manahya- erwartet. (Schw.) 



H. Zeller, V. Arisch. 65 

158. Meillet, A., Observations critiques sur le texte de l'Avesta. 
Journ. asiatique XI e serie 10 (1917) 183—214. 

I. Traces d'innovations recentes dans la langue des Gäthäs. In der 
Phonetik ist, da die ursprüngliche Bezeichnung sich nicht erhalten hat, 
die Bestimmung des wirklich Alten schwer. Gäth. dragvant- gegenüber 
jungavest. drvant- zeigt in g das Alte, a wurde vokalisiert nach jüngerm 
drdvant- ; ähnlich gäth. damäna-: jungavest. nmäns-. Auch in der Phonetik 
hat man die Gäthäs für altertümlich angesehen. Aber im Gegensatz zu 
den Jüngern Texten, deren Verfasser in einer dem Leben fremden tradi- 
tionellen Sprache schrieben, schrieben die Verfasser der Gäthäs bei allem 
Bemühen, eine besondere Sprache zu schreiben, doch in der gesprochenen 
Sprache ihrer Zeit, und so finden sich zum Teil sogar entwickeltere 
Formen als im jungem Avesta: gäth. hui: jgav. he und se; g. päd am; 
g. cerat&us; gäth. instr. -äis, -anäis statt -bis; rein adj. Flexion der Wörter 
für „ein, all"; g. mravat; gewisse Schwankungen zwischen altern und 
Jüngern Formen in Gäth. wie im Jüngern Avesta. Die Sprache des 
Jüngern Avesta setzt also nicht einfach die gäthische fest: sie hat zum 
Teil wichtige Reste alter Überlieferung bewahrt. 

II. Remarques sur les variantes du texte des Gäthäs. Sie erklären 
sich oft aus der aramäischen Grundschrift. S. 98 f. über die Wurzel für 
„leben". S. 200 -ng ältere Bezeichnung für gutturales n. S. 201 n" später 
eingeführt. S. 202 f. auch bloße Fehler der Abschreiber. S. 203 die Ver- 
teilung von amdr9(ta)tat- und haurvatclt- (: haurvtit-) spricht lür treue Über- 
lieferung. 

III. Le Hörn Ya&t. Über Interpolationen, Glosseme, Zusammenfügung 
von Bruchstücken. S. 209 nasJcöfrasanhö charakteristisch ; naska- deutet 
auf jungen Ursprung und doch hat der Verfasser die archaische Endung 
gebraucht. S. 212 die Vokalisation von Y. X 5 deutet auf alte Formeln. 
S. 212 f. „Comme on le voit d'ailleurs par la maniere differente dont sont 
vocalises les gäthäs et la plupart des textes de l'Avesta r£cent, la voca- 
lisation des textes est anterieure ä la compilation de l'Avesta tel qu'il 
■est actuellement. Les morceaux qui ont ete juxtaposes etaient dejä voca- 
lises". S. 213 „Des le moment oü le texte a ete vocalise, il etait dejä 
fautif de maniere evidente". S. 214 „Le linguist, comme l'historien de 
la religion zoroastrienne, doit critiquer severement de texte de l'Avesta 
avant de l'utiliser". (Schw.) 

159. — Sur une pretendue forme de genitif duel les gäthäs. 
MSL. 21 (1919) 189—190. 

Y. XXX 3 ist statt äscä zu lesen ayäscä, eine Lesart, auf die yäscä 
geringwertiger Handschriften deutet, die somit für die Textkritik stärker 
heranzuziehen sind. Neben pronominalem -ayä statt nominales -ä in 
ävardna Y. XXX 2. (Schw.) 

160. — Le pronom duel vä dans l'Avesta. MSL. 21 (1919) 
208—209. 

vä Y. XXIX 5 bedeutet „nous deux" (vgl. ved. väm RV. VI 55, 1). 
Y XXVIII 2 ist ebenfalls vä zu lesen, aber = „vous deux" (altslav. va). 

(Schw.) 

161. — Avest. atarö. Bull. Soc. Ling. 21 (1918) 23 f. 

Stützt, anknüpfend an Bartholomae IF. 38, 26 f., atäro Yt. XIV 44: 
atäradra (so zu lesen) Yt. X 9 (= XIII 47) durch die Herstellung des 
Gegenstückes *yatäradra an den letztgenannten Stellen (zu lesen yatäradra 
Indogermanisches Jahrbuch. VIII. 5 



66 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

fräyazdnti mit Auswerfung von vä dim (resp. dis) paurva). atüro ist mit 
altslav. jeterü zusammenzuhalten. (Schw.) 

162. Mills, L. H., Yasna XLVII of the Gäthä(-a) Spentämainyu 
rendered in its Sanskrit equivalents. IRAS. 1919, S. 15 
bis 23. (K.) 

163. Iivanji Iamshedji Modi, Moral Extracts from Zoroastrian 
Books. Bombay. 1914. XV u. 46 S. Gr.-8°. 

164. — Lectures and Sermons on Zoroastrian Subjects. PartYL 
(In Gujerati.) Bombay. 1919. 15 u. 211 S. 8°. 

165. Maneck Pithawalla, Afternoons with Ahura Mazda. Poona. 
1919. 66 S. K1.-8 . 

166. Maneckji Bejanji Pithawalla. Steps to Prophet Zoroaster. 
Ohne Ort. 1916. XIV u. 236 S. K1.-8 . 

Mitteliranisch (Pahlavi). 

167. Bartholomae, Chr., Zum sasanidischen Recht. I und II. 
Sitz.- Bei*, d. Heidelberger Akademie d. Yfiss., Nr. 5 (58 S.) r 
und Nr. 14 (57 S.). 

Bespr.: Bull. Soc. Ling. 21, 208 (Meillet). 

168. — Zur Etymologie und Wortbildung der indogermanischen 
Sprachen. Sitz.-Ber. d. Heidelberger Akademie d.Wiss. 1919, 
Nr. 10. 50 S. 

I. Zur Infinitivbildung im Arischen und Griechischen. Aind. bhümni, 
mpers. bavisn, griech. qpvvac. — Aind. dävätie, gAwest. vldvanöi, griech. ei- 
öevai. — II. Ap. duvaistam, jAw. dböistdm und mpB. duväyist; ein Beitrag 
zur Superlativbildung. — III. Mpers. x v es und gAw. x v ai{h)a; mpT. xvebas 
und jAw. xvaepai&ya; msoyd. xvatäv und woss. xucau. — IV. Mpers. röioet 
und got. raupei/j, ahd. roufit. 

169. Meillet, A., De quelques noms propres parthes. Bull. Soc. 
Ling. 21 (1918) S. 24 f. 

Die Namen der griech. Pergamenturkunden aus Parthien (I. Hell. Stud. 
35, 22 f.) beleuchten die iranische'Grundlage armenischer Lehnwörter der 
Partherzeit : MeiQiöartjg (ei=l), MiQaöarrjg MiQaßavdaxov : armen. Mihi; 
Mehrewandak. Das Schluß-i des ersten Gliedes von Mi^Qiöaxt]Q Meigiöattjg 
gibt vielleicht eine reduzierte Aussprache des kompositioneilen a wieder. 
Aga/iiaoöiis stimmt zu armen. Aramasd; der Wegfall von u war also schon 
parthisch. (Schw.) 

170. Iivanji Iamshedji Modi, Dante Papers. Viräf, Adamnan, 
and Dante and other papers. Bombay. 1914. XII und 
168 S. 8°. 

171. Sohrab Iamshedjee Bulsara, Aerpatastän and Nirangastän 
or the Code of the Holy Doctorship and the Code of the 
Divina Service, translated. Bombay. 1915. Lru. 509 S. 
Gr.- 8°. 



H. Zeller, V. Arisch. 67 

172. Iivanji Iamshedji Modi, Puyän Prasärak Lectures. Part III. 
(In Gujerati.) Bombay. 1917. 12 u. 184 S. 8°. 

173. Mänak Rustam Unvala. Diftar awal az kitäb i rivayät i 
Däräb Hörmazdyär. Alles in Lithographie. 

Vgl. Fr. Rosenberg, Notices de Litt. Parsia (St. Petersburg 1909), 
S. 14, 39 [0. B. 1909—10, Nr. 7782]. 

174. Unvala, I. M., Der Pahlavi-Text „der König Husrav und 
sein Knabe". Heidelberger Diss. 1917. Wien, Adolf Holz- 
hausen. 1917. Der neue Orient 3 (1918) S. 110. 

Neupersisch. 

175. Christensen. A., Contes Persans en langue populaire publies 
avec une traduction et des notes. (De Kgl. Danske Yiden- 
skabernes Selskab. Historisk - filologiske Meddelelser I, 3). 
Kopenhagen. 1918. 130 S. 

ßespr.: Der neue Orient 2 (1918) S. 422 (M. Hartmann). 

176. Grierson, G. A., The Ürmuri or Bargistä language. (Aus- 
zug aus den Memoirs of the Asiatic Society of Bengal VII, 
Nr. 1.) Calcutta. 1918. XIY, 101 S. 4°. 

Bespr.: Bull. Soc. Ling. 21 (1919) S. 209 f. (Meillet). 

177. Hikayat, Persische Schnurren. Aus dem Persischen über- 
setzt und mit Anmerkungen versehen von Gg. L. Leszczynski 
(Kl. Bücher des neuen Orient, Bd. I). Berlin, Der neue 
Orient. 1918. 92 S. 

178. Iivanji Iamshedji Modi, Rustam Namen (as prepared from 
Firdousi's Shanameh). (In Gujarati.) Ohne Ort. 1917. 
46 u. 272 S. 8°. 

179. Huart, Ch., Yazgoulami aurdt. MSL. 20 (1918) 260—263. 
Gegenüber Gauthiot, Journ. asiat., Xle serie, t. VII (1916) 248, wird 

die arabische Herkunft dieses einem fast unbekannten Pamirdialekt ent- 
stammenden Wortes für „mulier, uxor" erwiesen; arab. c äura(ty bedeutet 
eig. „parties honteuses (qui doivent etre cachees)". 

Darmstadt. H. Zell er. 



VI. Armenisch. 

Sprache. 
1. Meillet, A., Dune action de l'iranien sur 1' Armenien. MSL. 
21 (1919) 187 f. Paris. 1916. 1—2 S. 

Während im armen. Anlaut s vor Vokal geschwunden ist, heißt es 
hin ' alt ' (: lit. senas) und sogar hum ' roh ' gegenüber ai. ämdh, wo nie 
s- vorhanden war. Das stimmt zu pers. xäm, belutsch, hümag. Es liegt 
nahe, das h- iran. Einfluß zuzuschreiben. Ein Seitenstück hierzu ist franz. 
h- in haut (: lat. altum) und gu (statt v) in gue (: V(tdum) durch fränkischen 

5* 



gg Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Einfluß:. — Die gleiche Erscheinung auch in h-lu 'docile', h-mu c initie\ 
deren h- dem ai. su- entspricht, vielleicht, auch das Präfix harn- (: ai. sa-) 
neben am-. Die Doppelforrnen wie *in's*hin haben dann das Muster für 
•weitere Neubildungen abgegeben. 

2. Meillet, A., Sur une maniere de designer le „jour u et la „nuit" 
en armenien. Bull. Soc. Ling. 21 (1918) 32 f. 

Im modernen Armen, heißen „Tag" und „ Nacht" terek, torek (eig. 
bis am Abend") und eayg (eig. „bis am Morgen"). Dabei Bemerkungen 
über r morgen" und „gestern" im Slav. und Armen, (hier: i vaUtc = morgen, 
eig. „bald" ; erek = gestern, eig. „Abend"). (Schw.) 

3. Dasian, P. J-, Geschichte der klassisch-armenischen Sprache 
(arm.). I— IT. Wien, Mechitharisten-Buchdruckerei. 1920. 
720 S. 8°. 30 Fr. 

Es ist hauptsächlich eine Analyse diesbezüglicher Arbeiten, besonders 
deren von Jensen und Hübschmann. 

4. Vardanian, P. A., Materialien zur armenischen Lexikographie. 
Wien. Mechitharisten-Buchdruckerei. 1920. 80 S. 8°. 3 Fr. 

5. — Mythologische Bemerkungen. Hand. Ams. 34 (1920) 
281—283. 

Verf. weist nach, daß die Wiedergabe des gr. Kvy.vog durch arm. 
artavazdahav, des 'Hgay./.ijg durch HaiTc, des 'An6l?.or durch rahagn auf 
der mythologischen Ähnlichkeit derselben beruht. 

6. — Armenische Elemente in der Übersetzung der Kategorien 
des Aristoteles. Hand. Ams. 34 (1920) 292—295. 

7. Griechische Lehnwörter im Armenischen durch die Ver- 
mittlung des Syrischen. Hand. Ams. 34 (1920) 321—339. 

Arm. agugaik 1 = syr. ta©^ \ = gr. äyoyyog: atlestaik' = payvijr-tjg, das g 
erklärt sich aus einer ähnlichen Form wie syr. \ rr\».\L]; ap'imlatos — 
. , ™ r> jA-^v^^aj = ini/iehp^g; gr. it-ogia ist im Arm. affsork' geworden unter 
einer ähnlichen syr. Form ; banalepan = \3s = ßa?.aveTov; bet't'ika — 
* . ^ j-j cv^ Z = frrjxt] ; bem = Sc^i. = ßfj/ia: daspinia — ~\ *1 <*,&**] — övg- 

nroia; fair = \' t ^\L = deargov; kafulilcos = ]\ n *\ewju> = y.adohxog; 

katsaj = V»?*-^ = y-ädog; kopelqj = tLia^-J = y.d.Ttj?.og; karkuraj = 

(ic>-£>5>-X = y.egxovgog ; mihi = (>^-CQJ = ovyxia; ort'op'ma = («tJLsoiJot 

= ÖQ&onvoia; pero(n)evengelion = .0 »\*N ^ojoj^g = 7igoevayye/.iov ; 

pevkes = iÄC©<-s = Ttevxri; polootaj — <^.^.,.,.^ = nktzeTa; jara^savataüt 

= |Zox-aj-DJ>-a = ngä^eig ctMcöv; §akimmnia = (^Jo..Vin,n = axa/nfiiovia-ov: 

sünhodos = oa'ctJcx-j»- = avvoöog ; suser = ( | ar> ■ S a a aaßyrqga ; spang = 

J^Oä-ä = anöyyog = sttifös = ^uDO^ej = GTiyog; p c ili$op c aj = 

^S-A^^wk.^ = (pt?.6ooqx)g. 






S. Kokian, VI. Armenisch. 69 

8. Vardanian, P. A.. Ungewöhnliche Zählweisen im Klassisch- 
Armenischen. Hand. Ams. 34 (1920) 373—375. 

Der armenische Übersetzer von Eusebios drückt die Zahlen oft un- 
gewöhnlich durch Addition: eins mehr als vierzig (= 41) usw., 
drei über zwanzig (= 23) oder Subtraktion : eins oder zwei weniger als 
dreißig (= 29, 28) aus, vgl. gr. deovxa: lat. de. 

9. — Klassische neue Wörter im Martyrium des hl. Pionius. 
Hand. Ams. 34 (1920) 445—462. 

Die klassischen Wörter : anbaj; ant'ol ; anjir; astuatzuhi (Göttin) ; os; 
otarahalatzutiun; bachtanotz; brnamah; dargij; divalimajut'iun; hamacar ; 
hüpati; Jioletzutzamem ; mehenapet ; nuiralcapet kommen nachweislich nur 
in der Übersetzung des Martyriums vom hl. Pion vor. 

10. — Pasce arietes meos. Hand. Ams. 34 (1920) 463 — 466. 

Arm. „aratzia zchois im" ist eine ältere und bessere Form als die 
jetzt übliche zocchars. 

11. Adonc, N., Dionisij Örakijskij i Armianskie tolkovateli (Biblio- 
theca Armeno - Greorgica IV). Petersburg. 1915. CC und 

307 S. 8°. 

Bespr.: Bull. Soc. Ling. 20, 158 f. (Meillet): Sprachlich von Bedeu- 
tung. (Schw.) 

Geschichte, Literatur, Kunst. 

12. Macler, Fr., Histoire universelle par Etienne Asolik de 
Tarön. Traduite de 1' Armenien et annotee par — — . 
Deuxieme partie. Livre III (888 — 1004). Paris, E. Leroux. 
1917. CLXII, 215 S. 8°. 

13. Basmadjan, K. J., Histoire moderne des Armeniens depuis 
la chute du royaume jusqu'ä nos jours (1375 — 1916). Avec 
une carte. Preface par J. de Morgan. Paris, J. Gamber. 
1917. 174 S. 8°. 

Bespr.: Hand. Ams. 34 (1920) 60-62. 

14. Abrahamian. Dr. jur. A., Grundlagen des arm. Kirchenrechts. 
Zürich. 1917. 163 S. 8°. 

15. Bremond. Colanel, Notes historiques et geographiques sur 
l'Armenie. Le Caire. 1918. 171 S. 8°. 

16. Marquart, Dr. J., Die Entstehung und Wiederherstellung der 
armenischen Nation. Berlin. 1919. 82 S. 8°. 

Bespr.: Hand. Ams. 32 (1918) 154—159. 

Diese Schrift hat Basmadjan ins Französische übertragen : L'oi'igine 
et la reconstitution de la nation armenienne. Paris. 1919. 26 S. 8°. 

Der Verf. erklärt die Ar im er bei Homer (Ilias, B. 783) für die 
Vorfahren der Armenier, welcher Name auch mit dem ersteren zu- 
sammenhängen soll. 

17. Khalathianz, B., Arabische Schriftsteller über Armenien 
• (arm.). Wien, Mechitharisten-Buchdruckerei. 1919. 147 S. 

8°. 3 Fr. 



70 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

18. Dasian, P. J., Arsacidische Münzen (arm.). Wien. Mechi- 
tharisten-Buchdriickerei. 1919. 192 S. 8°. 4 Fr. 

19. Akinian, P. N., Simon Y. von Aparan. Hand. Ams. 33 (1919) 
79—96. 

Armenischer Schriftsteller ca. 1540 — 1610. Sein Hauptwerk ist die 
„Dichtung", deren Inhalt den armenischen Geschichtswerken von Lazar, 
Anonym und Sebeos entnommen ist. 

20. Ferhatian, P. P., Verzeichnis armenisch-europäischer Publi- 
kationen 1896 — 1910. Wien, Mechitharisten- Buchdruckerei. 

1919. 273 S. 8°. 6 Fr. 

21. Macler, Fr., La Version armenienne de l'histoire des Sept 

Sages de Rome. Mise en francais par . Introduction 

par Victor Chauvin. Paris. Ernest Leroux. 1919. XXXII 
u. 220 S. 8°. 

22. Deroski, Hratschia, Apercu sommaire sur la Geographie, 
l'Histoire et la Litterature armeniennes. Constantinople. 1919. 
32 S. 8°. 

23. Rohrbach, P., Armenien. Beiträge zur arm. Landes- und 
Volkskunde. Stuttgart. 1919. 144 S. 8°. 

24. Hatzuni, D., Die armenischen Fahnen in der Geschichte (arm.). 
Venedig. 1919. 103 S. 8°. 

Bespr.: Hand. Ams. 34 (1920) 124-127. 

25. Peeters, Paul, Le debut de la persecution de Sapor d'apres 
Fauste de Byzance. Revue d. Etudes arm. 1 (1920) 15—33. 

26. Dasian, P. J., Die Deportation der Armenier aus der Provinz 
Erzerum (nach den deutschen Akten). Hand. Ams. 34 (1920) 
83 — 103. 153—172. 209—232. 295—311. 364—373.427—445. 

27. Thorgomian. Dr. V., Armenische Medizinalhandschriften: Die 
Werke Amirdovlaths in der Redaktion von Sigras Aniatzi. 
Hand. Ams. 34 (1920) 351—358. 

28. Akinian, P.N., Die Reihenfolge der Patriarchen von Akhthamar. 
Hand. Ams. 33. 34 (1919, 1920) 54-78; 22—38; 111-124; 
172 — 184. Sonderdruck. Wien, Mechitharisten-Buchdruckerei. 

1920. 200 S. 8°. 4 Fr. 

29. Prinz Max, Herzog zu Sachsen, Nerses von Lampron, Erzb. 
von Tarsus, Erklärung der Sprüchwörter Salomos. Übersetzt 
von . Leipzig, Harrassowitz. 1919. XII u. 160 S. 4°. 

Bespr.: Hand. Ams. 34 (1920) 54—60. 

30. Macler, Fr., Le texte armenien de TEvangile d'apres Mat- 
thieu et Marc. Paris. 1919. LXXII u. 648 S. 8°. 

31. Akinian, P. N., Vrthanes Serinketzi und seine Dichtungen. 
Hand. Ams. 34 (1920) 246—251; 283—292; 359—363. 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 71 

32. Vardanian, P. A., Hieronymi Prologus galeatus in arme- 
nischer Übersetzung. Hand. Ams. 34 (1920) 385—428. 

Gibt die klassisch - armenische Übersetzung des Prologs mit wert- 
vollen literarischen, sprachlichen und textkritischen Bemerkungen. Dem 
Sonderdruck ist eine deutsche Einleitung vorausgeschickt. 

33. Strzugowski, J., Die Baukunst der Armenier und Europa. — 
Ergebnisse einer vom Kunsthistorischen Institute der Uni- 
versität Wien 1913 durchgeführten Forschungsreise. Plan- 
mäßig bearbeitet von . Unter Benutzung von Aufnahmen 

des Architekten Thoros Thoramanian. Mitarbeiter Assistent 
Dr. Glück und Leon Lissitzian. Wien, Kunstverlag Anton 
Schroll & Co. 1918. 900 S. 4°. 

Bespr.: Hand. Ams. 33 (1919) 111—123. 

Wien. S. Kokian, Mechitarist. 



VII. Albanisch. 

Allgemeine Hilfsmittel; Ethnographie. 

1. Almagiä, R., Note di cartografia Albanese. Riv. Geograf. 
Ital. 1916. 

2. Baldacci, A., I Romeni dell' Albania. Lares 3, 1914. 

3. — Itinerari Albanesi (1892—1902). Con uno sguardo generale 
alla Albania e alle sue comunicazioni stradali. Roma, Soc. 
Geogr. It. 1917. 

4. — Neil' Albania settentrionale, Itinerari del 1897. Roma, 
1915. 

5. Barnes, J. S., The future of the Albanian state. Geogr. 
Journal 52 (1918) 12-30. 

6. Bleichsteiner, R., Das Volk der Alanen. Berichte d. For- 
schungs-Inst. f. Osten u. Or. in Wien 2 (1918) 4—16. 

S. 9: ,,Ptolemaios . . . kennt auch schon die 'A/.ßavoi der Balkan- 
halbinsel und in ihrem Gebiete die Stadt 'A?ßav6xo?.ig. Diese werden 
von den Spätgriechen 'Aqßavlxai genannt, woraus der türk. Name Arnauten 
entstand. Daß auch die Albanen in engerer Beziehung zu dem großen 
Sakenstamme stehen, wird durch sprachliche und geschichtliehe Erwä- 
gungen recht nahe gelegt (vgl. den Auszug aus Hüsings Vortrag „Die 
Saken" [vgl. Nr. 24]). 

7. B on de Borchgrave, [J.], Albanie et Albanais. Rev. Generale 
(Brüssel) 50 (1914) 28—71. 

I. Le pays (28—30). IL La population. Les tribus. — Leurs rap- 
ports avec la porte (28—33). III. Coutumes. La loi de Dukadjine 
(33—35. [Enthält die Bestimmungen des Gewohnheitsrechtes über Blut- 
rache, Diebstahl innerhalb des Stammes, Ehebruch, Schutz der Frau, 



72 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Gastrecht]). IV. Les cultes. Les Catholiques (35—37). Le Protectorat. — 
Les Concordats (33 — 39). Les Orthodoxes (40). Les Musulmans (Arnaoutes) 
(40—43. [Mit einer auf Tomitch, Les Albanais en Vieille Serbie, Paris 
1913, beruhenden kurzen Darstellung der Islamisierung und Albanisierung 
der orthodoxen Serben des Gebietes von Kosovo, die nach den Erhebungen 
von 1688, 1690 und 1737 sich vollzog, und einer Bemerkung über die 
Sekte der Bektaschis]). V. Litterature. — Langue. — Alphabet (43 — 47. 
[De Rada, Schirö, Kristoforidi, Dora d'Istria, Faik Bey Konitza. Der Al- 
phabetkongreß von Monastir]). Histoire (47—51. [Mit einem kurzen 
Überblick über die alten Dynastenfamilien des Mittelalters und einer 
Skizze der Geschichte Skanderbegs]). Albanais en Belgicpie (51 — 54). 
VII. L'Albanie Ottomane (55-58). VIII. L'Etat Albanais (58-71. [Die 
Ereignisse der Jahre 1913, 1914]). , 

S. Briquet, "W., De la frontiere serbe ä l'Adriatique Voyage en 
Albanie. Le Globe, Organe de la societe de geogr. de Greneve 
Bulletin 54 (1915) 28—36. 

. . . J'ai trouve une grande ressemblance entre la numeration albanaise 
et la numeration roumaine (31). . . . J'ai la conviction qu'aucune diffi- 
culte ne s*oppose ä ce que les Toskes s'assimilent peu ä peu ä la Grece. 
. . . Presque tout l'espace compris entre le Pinde et les chaines des 
montagnes riveraines de l'Adriatique est un domaine de la langue grecque 
(31). Lebensweise der Mirditen: Fleischnahrung nur im Winter, während 
der schweren Feldarbeit und an Festtagen ; die gewöhnliche Nahrung 
Pflanzenkost (Reis, Weizen, Milch, Brot). In manchen Fällen beschränkt 
man sich auf den Genuß von in heißem Salzwasser aufgeweichtem Brot und 
trinkt dazu ein wenig Milch. Maisbrot die allgemeine Nahrung, Weizen- 
brot nur an Festtagen. Fastenspeisen : In Salz gekochte Bohnen. Weiß- 
kohl, Zwiebel, Nüsse, Kastanien, Milchspeisen. Warme Speisen werden 
nur am Abend gegessen. Vernachlässigung der fruchtbaren Striche in 
der Küstenebene. 

9. Briquet, W., Moeurs et coutumes des tribus Albanaises. Le 
Globe, Bulletin 54 (1915) 36—47. 

Ehemalige Ausdehnung des alb. Volkstums bis nach Dalmatien, 
Zurückdrängung durch die slav. Einwanderung. Der alb. Volkscharakter 
(stolz, ungebärdig, ehrenhaft, wahrheitsliebend). Ähnlichkeit der Kleidung 
der Gegen mit der der Montenegriner, der Tosken (Fustanella) mit der 
der Griechen. Die Fustanella ist tosk. Ursprungs, wurde von den Griechen 
übernommen (37). Das Gewohnheitsrecht, sein Alter (mehr als 400 Jahre). 
Bestrafung der Gesetzesübertretung durch Viehkonfiskation. Viehraub 
außerhalb des Stammesgebietes gestattet. Kapitalverbrecher vom Alten- 
rat abgeurteilt, die Strafe vom Clan vollstreckt. Verfolgung und Sühne 
des Mordes ausschließlich Sache der beleidigten Familie. Niederbrennen 
des Hauses des Mörders nur bei Brudermord. Gewöhnliche Prozesse 
kommen vor ein Schiedsgericht; Zusammensetzung desselben; je ein 
Schiedsrichter von jeder Streitpartei, Schiedsrichter selbst können bei 
Uneinigkeit 2 Oberschiedsrichter, diese zwei weitere ernennen (41). Fa- 
milienrat zur Schlichtung häuslicher Zwistigkeiten. Zinsen, Darlehen, 
Standrecht unbekannt. Freies Weiderecht. Patriarchalische Familien- 
verfassung, daher einzelne Familien mit 50, 100, sogar 200 Köpfen. Alle 
Familienmitglieder erkennen den Großvater oder Urgroßvater (den Fa- 
milienältesten) als Oberhaupt an. Vertretung des Oberhauptes bei Un- 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 73 

fähigkeit durch seinen jüngeren Bruder oder ältesten Sohn. Seltenheit der 
Teilung der Gemeinschaft bei Tod des Vaters (42). Kaufehe. Kaufpreis 
höchstens 4000 Piaster (= 750 Franken), im Durchschnitt 500—1500 Piaster. 
Unter Mitgliedern desselben Clans die Ehe nicht überall statthaft. Ein- 
heirat Fremder unzulässig. Rechtskraft der Verlobung durch Übergabe 
eines in ein Stück Stoff gehüllten Ringes von seiten des Vaters des 
Bräutigams an die Mutter der Braut. Ein Angriff auf eine verheiratete 
Frau "wird von ihrer eigenen Familie, nicht vom Manne gerächt, dem je- 
doch der Anschluß an die Blutrache freisteht. Zölibat der Frau, wenn 
sie erklärt, als Mann leben zu wollen; dann Annahme eines männlichen 
Namens in der Kirche, volle Freiheit der Lebensweise, Ausschluß der 
Frau von der Erbfolge, keine Aussetzung ehelicher Kinder, Seltenheit der 
unehelichen, die mit ihrer Mutter sterben müssen. Wohnhäuser aus Stein, 
Holz, Stroh oder Flechtwerk, mit 1 oder 2 Räumen, ohne Hausrat. Man 
schläft auf Matten, Kissen, Strohsäcken; als Tisch dient ein Stein oder 
eine Kiste, als Herd gleichfalls ein Stein , der Rauch entweicht ohne 
Rauchfang (43—44). — Die Malsoren : darunter 19 Stämme nördlich des 
Drin, mit einem Gebiet von ungefähr 2670 km 2 und 52000 Einwohnern 
zu verstehen. Die kriegerischesten, die Hoti, sollen von Montenegrinern 
abstammen. Bei den Pulati (im südlichsten Teil des Gebietes) fordert die 
Blutrache die meisten Opfer (44). Altenrat und Volksversammlung für 
Angelegenheiten, die den gesamten Stamm betreffen. Zwei solche Versamm- 
lungen regelmäßig: im Frühling und Herbst zur Beschlußfassung über 
Beginn und Ende der Weidezeit. Die Besä. Diebstahl innerhalb des 
Stammes wird mit dem Vierfachen des Wertes des gestohlenen Gegen- 
standes bestraft. Totschlag zieht Blutrache und Geldentschädigung von 
1500 Piastern nach sich, desgleichen Entführung, Verführung, Notzucht, 
Ehebruch, ungünstige Zeugenaussage vor Gericht (45). Veräußerung von 
Liegenschaften nur mit Zustimmung sämtlicher Mitglieder der Großfamilie, 
Vorkaufsrecht für diese. Die Wahlbruderschaft (46). 

10. Conforti, G., Problema Albanese. Napoli, Artigianelli. 1916. 

11. Cvijic, J., La peninsule balkanique Geographie humaine. 
Avec 31 cartes et croquis dans le texte et 9 cartes hors 
texte. Paris, A. Collin. 1918. VIII, 528 u. [II] S. 8°. 

Bespr. : B. Auerbach, Rev. historique 1919, Nov.-Dec. 

Das Werk enthält insbesondere in seinem I. Buch (Le milieu geo- 
graph. et Thomme S. 1—260) mannigfache, für die Albanienkunde wichtige 
Hinweise, so S. 67 f. : Wanderbewegungen der arom., serb., alb. Hirten 
von den Gebirgen des Vardargebietes (Perister, Nice, Stogovo, Jablanica, 
Korab) in die Ebene Musakija, das adriatische und thrak.-mazed. Küsten- 
gebiet; die Ebene von Larissa. S. 79 : Politisch - organisatorische Sonde- 
rung der Albaner im Norden und Süden des Mati; nördlich Stammes- 
verfassung, südlich mittelalterliches Feudalsystem. S. 103 : Gegenwärtige 
Ausdehnung der byzantinischen Kulturzone: Südlich von Balkan und 
Sarplanina, Thrazien, Mazedonien, Griechenland, weniger Epirus und Süd- 
albanien. S. 110: Gebiet der Stammesorganisation {pleme, fis): Montenegro, 
da^ alte Rascien, Nordalbanien. Gebiet der Zadruga: der Westen und 
die Mitte der Balkanhalbinsel bis zum Iskar in Bulgarien, insbesondere 
bei den Serben, weniger bei den Albanern. S. 122 f.: Rückzug der Al- 
baner nach dem Slaveneinfall im 6. und 7. Jahrhundert in die Gebirge 
und das albanische Küstengebiet, wo jedoch gleichfalls eine starke slav. 



74 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Einwanderung stattfand. Während der Türkenherrschaft kräftige Expan- 
sion der Albaner infolge physischer Fruchtbarkeit, Islarnisierung (Bewe- 
gungsfreiheit) und aus wirtschaftlichen Ursachen, daher Albanisierung der 
Serben in Albanien bis auf jene von Golobrdo am linken Ufer des schwarzen 
Drin und jener, die in das Innere der Halbinsel flüchteten. Hauptströ- 
niungen der großen Wanderbewegungen der Albaner: 1. Malsorische 
Strömung, gerichtet in die Metohija (nach Abwanderung der serbischen 
Bevölkerung in das Morava- Gebiet und nach Ungarn) und in das obere 
Ibartal zwischen Rozaj und Ribaric. 2. Dukadzin - Strömung (umfassend 
die alb. Bevölkerung des Drin -Gebietes, Mirdita, Mati, Lurja), gerichtet 
in die Gegend von Ljuma, die Umgebung von Prizren, in die Metohija 
und Kosovo. 3. Skumbi-Strömung, umfassend Mittelalbanien, gerichtet nach 
Westmazedonien. 4. Tosk- Strömung, umfassend vornehmlich die ortho- 
doxe tosk. Bevölkerung, gerichtet nach Mittelgriechenland und in den 
Peloponnes. S. 150 f.: Verschiedenartige Zusammensetzung der Albaner 
im „ Kolonialgebiet" (Umgebung von Prizren und Djakova) aus Stämmen 
wie Bas, Krasnici, Dukadzin, Malsoren, Mirditen. Anarchie, Raub in diesen 
Gebieten. S. 158 f. : Abneigung der Albaner gegen seemännische Betäti- 
gung. Herkunft der Albaner. Slav. Beimischung. Selbst in Albanien 
und im Epirus waren Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts die 
Täler und Ebenen von Slaven bevölkert, während Albaner und Aromunen 
nur die Gebirgsgegenden bewohnten. S. 162: Die vom alb. Kernlande am 
weitesten entfernten, seit 1878 verschwundenen alb. Sprachinseln waren 
die Gegenden von Leskovac, Masurica, nördlich von Vranje, PeSter bei 
Sjenica. Notizen über die alb. Kolonien von Borgo Erizzo bei Zara und 
Nikince, Hrtkovce in Syrrnien. S. 177 f.: Hirtenleben und Hirtenwande- 
rung (transhumance) ; die zeitweiligen Siedlungen der serb. Hirten in 
den Bergen heißen katun oder stein ; erstere Bezeichnung ist wahrschein- 
lich der autochthonen Bevölkerung, den alten Illyriern, entlehnt, wie- 
wohl auch bei den Alb. die Bezeichnungen mandra und stan üblich 
sind. — Aus Buch II (Caracteres psychiques des Yougoslaves S. 263—520) 
wären hervorzuheben : S. 403 : Starke alb. und türk. Blutbeimischung im 
Zentralgebiet der Balkanhalbinsel bei den Slaven. andererseits auch Hel- 
lenisierung der Slaven. S. 445 f. : In Oberreka (Gebiet zwischen Korab, 
der südl. Sarplanina und der Bistra) siedelt eiue orthodoxe, heute alb. 
sprechende Bevölkerung, die, nach der mündlichen Überlieferung alter 
Gewährsmänner, nach den Orts- und Flurnamen und nach der slav. Liturgie 
zu schließen, früher slavisch war. Nur drei Dörfer dieses Gebietes : Trnica, 
Dubovo, .^tirovica sind echt albanisch. 

12. Cvijic, J., The geographical distribution of the Balkan 
peoples. (Mit Karten.) Geogr. Rev. (New York) 5 (1918) 
345—361. 

13. — The zones of civilization of the Balkan Peninsula. (Mit 
Karten und Abbildungen.) Geogr. Rev. (New York) 5 (1918) 
470-482. 

14. Dedijer, J., La transhumance dans les Pays dinariques. 
Ann. Geogr. (Paris) 25 (1916) 347-365. 

15. Durham, E.. Albania and the Albanians. Saturday Rev. 
2. Juni 1917. 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 7 

16. Forstner, L., Studien in Albanien und Mazedonien. Kunst 
u. Kunsthandwerk (Wien) 21 (1918) 349—358. 

Der Verf. hat 1917 als Sammelofüzier von drei Wiener Museen Al- 
banien, Montenegro und Mazedonien bereist, um volkskundliche Gebrauchs- 
gegenstände, Erzeugnisse des Handwerks und der Hausindustrie mitzu- 
bringen. 

Alb. Kleidung, Stellung der Frau (Exogamie), Volksglaube (Haus- 
schlange, Mauthia, unterirdische Riesen, Elfen, umgehende Tote, geschwänzte 
Menschen, der Teufel, der das ganze Jahr an einer ungeheuren Kette 
nagt). Architektur: Moscheen und Kirchen nicht von bodenständigen 
Meistern erbaut ; Wohnhausbau bodenständig, da das jeweils der Gegend 
angehörende Baumaterial verwendet wird, so Geflechtshäuser an der Küste, 
Lehmziegelhäuser in lehmreichen Gegenden. Inneneinrichtung der Häuser: 
Hallen, offene Feuerstelle, keine Betten. Weberei : der Spinnrocken, 
5 Webstuhltypen, davon der kutzowalacb. in Südalbanien der primitivste; 
ein aufrechtstehender Webstuhl in Prizren, Veles, Prilep. Die Töpferei 
meist in Küstenorten, die Formen der Töpferei weisen auf antike Vor- 
bilder ; die Drechslerei in Tirana, das Kupferschmiedhandwerk, die Schnur- 
stickerei der Schneider. Beigegeben sind zahlreiche Abbildungen, ins- 
besondere Darstellungen von Häusern, Trachten, Geweben, Stickereien, 
ferner eines Webstuhltypus. 

17. Führer, L. v. , Die Bevölkerung Montenegros. Wiener 
Zeitschr. f. Volkskunde 25 (1919) 44—46. 

Von den 3 Hauptstämmen Montenegros : Crnogorci, Primorci, Brdjani 
umfassen die letztgenannten auch die Kuci, Bewohner des früheren mon- 
tenegrinisch-albanischen Grenzgebietes, die nach ihrer Überlieferung von 
zwei im 18. Jahrhundert aus Mittelalbanien geflüchteten Familien, Laie 
und Drekal abstammen und sich demgemäß in Lalici und Drekaliöi glie- 
dern. Wegen Unfruchtbarkeit ihres Gebietes Ansiedlung vieler Familien 
zu Anfang dieses Jahrhunderts in der Ebene zwischen Podgorica und dem 
Skutari-See, wo sie von Ackerbau nnd Fischerei leben. Die im Gebirge 
Verbliebenen sind Wanderhirten : Sommerweide im Hochgebirge, Winter- 
weide in der Bojana - Niederung. Tracht: albanerähnliche Maskierung 
(eine Schutzmaßregel). Sitten und Gebräuche noch alb., Kenntnis der 
alb. Sprache wegen des nachbarlichen Verkehres vorhanden. — Wohn- 
sitze der kath.-alb. Stämme Klimenti, Hoti, Gruda auf montenegrinischem 
Gebiete. 

18. Garnett, L. M. J., Folk- Belief in the Balkan -Peninsula. 
London, Methuen & Co. 1917. 309 S. 8°. 

19. Ginzel, H., -Aufgaben und Tätigkeit der Kriegsinappierung 
auf der Balkanhalbinsel. Mitt. d. Geogr. Ges. Wien 61 (1918) 
497—513. 

S. 512: „Eine besondere Schwierigkeit bildete in Albanien speziell 
die Festlegung einer richtigen Nomenklatur und deren richtige . . . 
Schreibweise in der Karte (des öst.-ung. Militärgeogr. Institutes). Dies 
erfordert die Verwendung alb. Dolmetsche, die begreiflicherweise sehr 
selten sind; außerdem ein mühsames Erheben der Namen bei der alb. 
Intelligenz, bei Geistlichen, Lehrern und Gendarmerieposten. Eine wert- 
volle Unterstützung ist die ständige Zusammenarbeit der Kriegsmappie- 
rung mit einem eigens für Albanien aufgestellten Statistischen Landesamt 



76 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

in Skutari, das auch seinerseits eine Sammlung der Orts-, Gebiets-, oro- 
und hydrographischen Namen angelegt und sie bezirksweise zusammen- 
gestellt hat." (S. „ Ortschaftsverzeichnis" Nr. 43.) 

20. Giordano, F., Grecia, Turchia, Baicam Studi e impressioni. 
Palermo, Sandron. 1915. 

21. Giuffrida, R. V., I Valacchi dell' Adriatico. Riv. Ital. di 
Sociologia, Bd. 7, 1916. 

22. Freiin v. Godin, A., Albanien. Jahrb. d. Münchener Orient. 
Ges. 1915/16, S. 122—136. 

Geschichte und Vorgeschichte der Regierung des Fürsten Wilhelm 
von Wied mit Streiflichtern auf den alb. Volkscharakter. 

23. Haberlandt, A., Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volks- 
kunde von Montenegro, Albanien und Serbien. IJ. 6, 74 
Nr. 11. 

Bespr.: N. Krebs, Z. d. Ver. f. Erdk. z. Berl. 1918, S. 182; J. Ernyey, 
Turan, 1918, S. 244—247. 

24. Hüsing, G., Die Saken. Berichte des Forschungs-Inst. f. 
Osten u. Or. in Wien 2 (1918) 1—3. 

S. 3: „Schon jetzt kann man . . . sehen, daß der Germanist vom 
Osetischen Kenntnis nehmen sollte wie der Iranist vom — Albanischen. 
Die 'APißavoi begegnen uns auch als 'AQßavtrai, und das ist die im Kau- 
kasus zu erwartende alte Namensform (vgl. meine Völkerschichten im 
Iran, S. 205/206), wie auch sonst alles Einwanderung der Schkipetaren vom 
Osten her nahelegt. Auffällig im Hinblick auf Iran ist im Albanischen 
schon heute z. B. das Plural-Suff, -te, das nicht nur weiter im Osetischen, 
sondern auch im Jaghnobischen, in den christl. soghdischen Texten und 
im Westkurdischeu zu beobachten ist. Schon Marquardt (Unters. 2, 87, 
vgl. Miller, Spr. d. Osseten 42) hat auf dieses Suff. (z. B. Maaaaye -rat, 
UavQOfia-rai) hingewiesen, das wohl der nachgestellte Artikel ist." (Im 
Alb. handelt es sich zweifellos um den nachgestellten „Artikel", d. i. 
den gem.-idg. demonstr. Pronominalstamm to-. Der Ref.) 

25. Haberlandt, A., und Lebzelter, V., Zur physischen Anthropo- 
logie der Albanesen. Arch. f. Anthropol. 45 (1919) 122 — 154. 

Messungen an 127 Soldaten der während des Krieges von Österreich- 
Ungarn gebildeten Freiwilligen Albaner-Bataillone, Mannschaften aus sonst 
schwer zugänglichen Gebieten Hochalbaniens, ferner an 21 Mohammedanern 
und Serben aus Podgorica; endlich an 13 serbischen Kriegsgefangenen 
albanischer Nationalität. I. Allgemeine Charakteristik des Typengemenges, 
a) Verteilung der Körpergröße; b) allgem. Körperbau und Konstitution; 
c) Behaarung; d) Komplexion (schwarz, schwarzbraun 9,7%, braunschwarz 
32%, dunkelbraun 41,7%, hellbraun 12,6%, dunkelblond, blond 3,7 %. Iris- 
färbung: 2,8% schwarzbraun, 26% dunkelbraun, 15,2% braun, 10,8 hell- 
braun, 26 % grünlich, 6,5 % dunkelgrau, 2,1 % hellgrau, 10,1 blau, e) Kopf- 
form: 2,8% dolichokephal, 12,1% mesokephal, 29,2% brachykephal, 
42,1% hyperbrachykephal, 13,5% isokephal; f) Gesichtsform; g) Weich- 
teile des Gesichtes: Auffällig Bildung der Nasenwurzel, sie- nähert sich 
dem klassischen Idealprofil. Diese seit alters bewahrte Gesichtsbildung 
balkanischer Völker, die sich in Albanien stellenweise noch erhalten hat, 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 77 

war das Vorbild der klassischen „Schablone"; h) Lokaltypen; i) Geschlechts- 
unterschiede. II. Die Typengliederung bei den Albanesen. Die heutige 
alb. Bevölkerung zu charakterisieren als Typengemenge dunkler und heller 
Komplex'ionstypen, in welchem die Erbfaktoren dunkler Komplexion teils 
infolge ihres dominanten Charakters, teils infolge ihrer Zahl das Über- 
gewicht erlangt haben (135). Verbreitung der Typen in Albanien. Re- 
gionale Unterschiede in der Verteilung der Rassenmerkmale feststellbar, 
aber kein rassenhafter Unterschied zwischen alb. und slav. Bevölkerung. 
Die Berisa und Merturi behaupten, der helle Typus sei der wahre Albaner- 
Typus, und sehen voll Haß auf die kleinere dunkle Rasse. Nach den 
Überlieferungen der Sala, Klernenti, Rugova, Thaßi, Merturi saßen in 
vorsl. Zeit im innern Nordalbanien Latini, in Mirdita und Thaci strecken- 
weise Gog-Rumänen (139). In Mittelalbanien buntes Gemenge von Typen, 
ebenso im Süden, die Komponenten dürften aber nicht überall die gleichen 
sein. Demnach: Überlagerung einer vorwiegend dunkeln Mischbevölke- 
rung durch ein von Norden kommendes helles Element (140). Völker- 
schichten in Albanien : drei dunkle Typen : 1. Minoischer Typus Luschans 
(klein, brünett, langköpfig, breitnasig); 2. Kthela-Typus Nopcsas: dunkle 
Komplexion, kleinwüchsig, durch besondere Profil- und Nasenbildung von 
den Armenoiden unterschieden; 3. dinarisch: hochgewachsen, brachy- 
kephal, hager, dunkel. Die eindringenden Thraker und Illyrer von den 
Alten als blond geschildert, trafen auf diese autochthone Bevölkerung 
von dunkler Komplexion. Römische und byzantinische Militärkolonisation 
bringt durch fast 1000 Jahre nur Rassenelemente dunkler Komplexiou 
ins Land. — Anhang : Ein albanischer Schädel aus der Völkerwanderungs- 
zeit, untersucht von V. Lebzelter. (Gefunden von Bar. F. Nopcsa in 
Kalaja-Dalmaces). — Die 7 Tabellen, die die anthropologischen Personal- 
daten aller untersuchten Individuen ausweisen, enthalten in I — VI auch 
die Namen der Albaner, leider in germanisierender Orthographie. 

26. Jirecek, C, Geschichte der Serben, 2. Bd., I.Hälfte. (A. 
u. d. T.: Geschichte der europ. Staaten, 38. Werk, 2. Bd.) 
Gotha, Perthes. 1918. XVI u. 288 S. 8°. 

Führt die Geschichte der serb. Länder bis 1537 und schildert hierbei 
in eingehender Weise die politischen Geschicke sowie die sozialen und 
kulturellen Zustände der zum serb. Machtbereiche gehörigen alb. Gebiete. 

27. — Staat und Gesellschaft im mittelalterlichen Serbien. 
Studien zur Kulturgesch. des 13. — 15. Jahrhunderts. 4. Teil. 
Nach dem handschriftlichen Nachlaß des Verf. bearbeitet von 
V. Jagic. Denkschriften der Wiener Akademie 64 (1919) 
Nr. 2. XVII u. 75 S. 4°. 

Berücksichtigung der zum serb. Staate gehörigen alb. Landesteile. 
Insbesondere: Zur Zeit der Balsidi erscheint zuerst 1414 der Vojvode 
Mazarak (Masarach). Der Name jedenfalls alb. ; in Epirus ein Stamm der 
Mazarakoißi (Chron. v. Janina), heute das Dorf Mazereka westlich von 
Muskopoli, ein Dorf Masreka am Drin (42). 

28. Jorga, N., Notes et extraits pour servir ä l'histoire des 
croisades au XV e siecle, 4 e serie (1453 — 1476), 5 e serie 
(1476—1500). Bucarest. Academie roum. 1915. VI u. 379 S. 
8°, 5 Fr. 351 S., 4,50 Fr. 



78 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Bespr.: F. Schneider, LCB. 1918, Sp. 728—729. 
Enthält auch alb. Sprachreste. 

29. Kemal Ismail Bey, Albania and the Albanians. Quarterly 
Review 1917, July. 

30. Kerr.er von Marilaun, F., Reiseeindrücke aus den nordalba- 
nischen Alpen. Mitt. d. Geogr. Ges. Wien 61 (1918) 65—74. 

Schilderung einer im Jahre 1917 mit militärischer Begleitmannschaft 
zum Zwecke kulturgeographischer Erhebungen unternommenen acht- 
wöchigen Bereisung des Valbonatales : Geologie und Morphologie des 
Gebietes. Die Pflanzendecke. Fremdenfeindlichkeit der Bewohner dieses 
Gebietes, das bis auf den Verf. nur von Ingenieur Steinmetz als einzigem 
Europäer unter Listen und Gefahren durchquert wurde. — Zerstreute 
Siedlungen; keine geschlossenen Dörfer, die Siedlungen liegen an unauf- 
fälligen Plätzen. „Ihrem Aussehen nach sind sie kaum noch als Häuser 
zu bezeichnen. Sie gleichen massiv gebauten quadratischen Festungs- 
türmen. Die Fensteröffnungen erscheinen zu kleinen Luken eingeengt. 
Die Eingangstüren sind schmal und oft hoch über dem Erdboden ange- 
gebracht." . . . Streben nach Schutz vor feindlichen Überfällen. . . Bei 
den Einfriedungen wird man an ostalpine Verhältnisse gemahnt. Zur 
Abgrenzung von Grundstücken sind . . . Holzzäune in Verwendung. . . 
Ackerbau, Obstkultur. Die infolge der trockenen Sommer notwendige 
Berieselung wird durch ein vollkommen ausgestaltetes Bewässerungssystem 
erreicht. Die Viehzucht betrifft Rinder, Schafe, Ziegen. Die Bergstämme 
des Valbonatales sind Mohammedaner. . . Die Herrschaft des Islam im 
östlichsten der nordalbanischen Alpentäler soll erst gegen 80 Jahre zurück- 
reichen. 

[Vor Steinmetz hat dasValbonatal der englische Archäologe A. J. Evans 
bereist und kartographisch skizziert. Vgl. dessen Berichte: Pall Mall Ga- 
zette vom 14. September 1880 (mit einer Karte). Archaeologia (London) 49 
(1885) 71 u. Anm. a. und Nopcsa, Mitt. d. Geogr. Ges. Wien 59, 576. Der Ref.] 

31. Krebs, N., Die anthropogeographischen Räume der Balkan- 
halbinsel. (Mit 1 Tafel.) Festband Albr. Penck zur Voll- 
endung des 60. Lebensjahres gewidmet. In der Bibliothek 
geographischer Handbücher, begr. v. F. Ratzel, N. F. Stutt- 
gart, J. Engelhorn Nachf. 1918. S. 296—323. 

Thema : Gliederung der Balkanhalbinsel nach Siedelungsräumen und 
deren Stellung untereinander im Wechselspiel zentrifugaler und zentri- 
petaler Kräfte (296). Die Bevölkerung der Niederungen . . . verweichlicht 
leicht und wird ersetzt durch die Gebirgsbevölkerung. . . Mit Herren- 
burgen und hörigen Bauern, Blutrache und Gottesfrieden erscheinen uns 
Albanien und Rascien wie zurückgebliebene Teile Mitteleuropas (297). . . 
Überaus schmal ist die adriatische Seite der Halbinsel, die mit dem 
gegenüberliegenden Italien in kulturellen Beziehungen steht. . . In Albanien 
spricht man noch die bodenständige illyr. Sprache. In Montenegro hat 
sich die dinarische Rasse, altillyr. Sitte . . . reiner erhalten als in Al- 
banien. Romanische Beziehungen werden reicher in Niederalbanien, 
dessen Küste früher als Durchgangsland nach Dardanien, Moesien, Dessare- 
tien, Mazedonien (Via Egnatia) Bedeutung besaß. Daher Illyrien teilweise 
romanisiert, Eindringen von romanischem Kulturgut (zweirädriger Wagen), 
Verbreitung der katholischen Religion im Mirditenlande ziemlich weit 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 79 

landeinwärts. . . Die Besiedelung hält sich an die Gebirgsränder, meidet 
die sumpfigen Eichenwälder der Niederung (Skutari, Alessio, Kruja, Tirana, 
Elbasan). Gute Verbindung der Drin- Ebene mit der Metoja quer durch 
das Mirditenland. Trotz altillyr. Grundlagen und Analogien mit Monte- 
negro und Raszien Eindringen zahlreichen Kulturgutes von Osten aus 
dem big. Reiche des Mittelalters (A. Haberlandt). Mischbevölkerung an 
den dessaretischen Seen, unvermischte Erhaltung des alb. Volkstums am 
Schwarzen Drin unterhalb Debra (301. 302). So ist Albanien trotz ein- 
heitlichen Volkstums kulturell nicht so einheitlich und von der Außen- 
welt unberührt, wie man häufig behauptet: von N und wirkten die 
Slaven, von S die Griechen, an der Küste bescheiden rom. Einfluß. Byz.- 
ar. Kultur erfuhr eine Verstärkung durch die Türkenherrschaft (303). 
Mischbevölkerung auch mit alb. Elementen in der Anaselica. Dardanien : 
Albaner drangen von W vor (315). Die Metoja und die Höhen rings um 
das Amselfeld hat das Albanertum in Besitz genommen, drang vor 1878 
schon bis in die Nähe von Nisch und Leskovac vor, wich aber vor der 
serb. Herrschaft zurück (321). 

32. Leger, L., Les peuples balkaniques et leurs aspirations. 
La Science et la Vie 1915, Nov. 

33. Maridort, P., En Macedoine (1915-1917). Paris, Fisch- 
bacher. 1918. IV u. 173 S. 8°. 

Enthält S. 116— 126 ein Kapitel: „Les Mariages en Albanie", das 
als besonderer Aufsatz 1913 (16. März) in der Pariser Zeitschrift „ Petit 
Echo de la Mode" von einem ungenannten, mit Le Touriste zeichnenden 
Verf. veröffentlicht wurde. Eingehende Schilderung alb. Hochzeitsbräuche, 
sowohl der bei katholischen als der bei mohammedanischen Gegen üblichen. 

34. Martel, E., L'Albanie. Nature 1916, 15. Jan. 

35. Nagy, A., Albanische Aspirationen. Falsche Begriffe über 
das alb. Volk und Volksgebiet. (Magyarisch). Budapest, 
Dick M. 1918. 45 S. 8°. 

Einleitung (S. 1 — 11). Die politische Lebensfähigkeit (13—25). Die 
abgetrennten Gebiete (26—32). Das alb. Volksgebiet (33—45). 

Insbesondere: S.5: „. . . Tatsache, daß in den fruchtbaren Gebieten — 
in einem vom ehemaligen Sandschak (Novipazar) über das Kosovopolje, 
Üsküb, Monastir gegen Janina reichenden Gebiete — die Einwohnerschaft 
in überwiegend geschlossenen Massen albanisch ist." S. 35 f. : Kritik der 
aus der Zeit der Türkenherrschaft stammenden Nationalitäten- und Reli- 
gionsstatistik des Sandschaks Pristina. Die Unterscheidung von griech.- 
orthodoxen (katholischen) Serben einerseits und mohammedanischen Serben 
andererseits sei unrichtig, alle Mohammedaner fühlen sich heute trotz der 
serb. Abstammung einiger von ihnen als Albaner, müssen daher zu diesen 
gezählt werden. S. 37 ff. : Übersicht der Nationalitäten- und Religions- 
statistik nach den Bezirken : Vucitrn, PriStina, Rozaj, Djakova, Prizren, 
Kacanik, Üsküb. Verf. tritt für ein selbständiges Albanien ein, dem alle 
Gebiete mit überwiegend alb. Bevölkerung anzugliedern seien. 

36. v. Nemeth, J., Zur Geschichte des Balkanbundes. Schmollers 
Jahrbuch f. Gesetzgeb., Verwalt. u. Volksw. 41/1 (1917) 87 
bis 133. 



80 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

S. 94 — 96 : Rolle der Albaner bei der Auflösung der Türkei. Grenzen 
des alb. Siedlungsgebietes. Geschichte der Besiedlung des Amselfeldes 
(Kosovopolje) und der nördlich davon liegenden Gegenden durch Albaner 
nach Auswanderung der früheren serb. Bewohner nach Ungarn (1690, 
1757). Die wichtigsten Städte in diesen Gegenden haben alb. Gepräge. 
Beruf und Beschäftigung dieser Albaner: Mit räuberischen Episoden unter- 
mengte Schäferei bei den Ärmeren, Grundherrentum und Handel bei den 
Reichereu. Fremdenfeiudlichkeit. Widerstand gegen das Jungtürkentum. 
Strafexpedition Torgut Schefket Paschas 1910, Albaneraufstand 1912. 

37. Nopcsa, F. bärö, Die neueste Albanien betreffende Literatur, 
zusammengestellt von — . (Magyarisch). Budapest, Horny- 
änszky V. 1918. 20 u. I S. 8°. 

Umfaßt die Literatur von 1912—1918. 

38. — Ein mittelalterliches geographisches Dokument aus Al- 
banien. Mit 1 Karte im Texte. Petermanns Mitt. 64 (1918) 
266—267. 

Die von Barletius und dem anonymen Antivariner verfaßten Skan- 
derbeg - Biographien sind wegen der vielen, darin enthaltenen Ortsnamen 
und der Entfernungsangaben wichtige Dokumente. Diese Entfernungs- 
angaben überraschend richtig im Gegensatz zu deueu des 17. Jahrhunderts. 

39. v. Nopcsa, F., Zur Genese der primitiven Pflugtypen. Zeitschr. 
f. Ethnol. 51 (1919) 234—242. Mit 1 Typentafel. 

,.Beim Verfassen einer großen, auch die materielle Kultur in Be- 
tracht ziehenden Monographie Nordalbaniens wurden auch die Pflüge 
dieser Gegend einer . . . Untersuchung unterzogen. Hierbei ergab sich 
die Notwendigkeit, sämtliche europ. . . . und zum Teil auch die außer- 
europ. Pflüge zu revidieren. Einteilungsgrund für die Pflugtypen : Gerade 
oder geschweifte Grindel (S. 234). Nordalbanien ein Grenzgebiet von 
Pflugtypen, und zwar an jener Stelle, wo sich die aus Mittelalbanien be- 
kannten röm. Pflüge und die slav. Radio-Pflüge berühren. Ähnliche Misch- 
formen auch in Tunis (241). 

40. Novak, G., Topographie und Ethnographie der röm. Provinz 
Dalmatien. (Serbokroat. m. lat. Lettern.) Nastavni Vjesnik 
(Agram) 27 (1918/19) 16—26. 125—130. 173—185. 

Zusammenfassung der Ergebnisse bisheriger Untersuchungen und 
Übersicht der wichtigsten Quellenbelege. 

41. Oberhummer, E., Die Balkanvölker. Vgl. LT. 6, 77, Nr. 22. 

Bespr. : R. Pöch, Mitt. d. Geogr. Ges Wien G2 (1919; 48—53; N. Krebs, 
Geogr. Z. 24 (1918) 94; O. Maull, Mitt. d. Geogr. Ges. München 13 (1918) 
152; A. Haberlandt, Mitt. d. Wiener Anthrop. Ges. 48 (1918) 174. 

42. — Montenegro und Albanien unter österr.-ung. Verwaltung. 
Mitt. d. Geogr. Ges.Wien 61 (1918) 313-346. 

Schilderung einer im Jahre 1917 vom k. u. k. Kriegspressequartier 
veranstalteten Informationsreise von Vertretern verschiedener Berufszweige 
nach Serbien, Montenegro und Albanien. S. 342: In Albanien hat 1916 
eine vorläufige Volkszählung stattgefunden. Mit der Verarbeitung der 
Ergebnisse ist der durch seine Aufnahmen und Forschungen in Südafrika, 
zuletzt auch in Albanien bekannte Topograph F. Seiner betraut. Die 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 81 

Hauptaufgabe des dortigen statistischen Dienstes . . . wird die Zusammen- 
stellung eines Ortslexikons sein (s. u. Nr. 43). Ein anderes schwieriges 
Unternehmen . . . war die Einführung der bisher nicht allgemein üb- 
lichen Familiennamen. Für 1. März 1918 wurde die endgültige Volks- 
zählung angeordnet. Für dio Hebung der geistigen Kultur des Volkes ist eine 
literarische Kommission tätig, welcher die Sprachforscher M. Lambertz, 
G. Pekmezi und einheimische Literaten angehören (s. u. Nr. 77). 

43. Ortschaftsverzeichnis für das von den k. u. k. Truppen be- 
setzte Gebiet Albaniens. Zusammengestellt auf Grund der 
von den k. u. k. Bezirkskommandos vorgelegten Bezirks- 
Ortschaftsverzeichnisse und der Erhebungen des Landes- 
statistischen Amtes. Hg. v. Landesstatistischen Amte des 
k. u. k. XIX. Korpskommandos in Albanien (Direktor: Franz 
Seiner). Shkodra (Skutari), K. u. k. XIX. Korpskommando 
(typ. Franziskanerdruckerei). 1918. XV u. 88 S. 8°. 

Inhalt: Vorwort, deutscher Text mit alb. Übersetzung (V — XIII). 
Die alb. Laute, ihre Bezeichnung und Aussprache (XIII — XIV). Übersicht 
der polit. Einteilung des Landes (XV). Die Ortschaften, gruppiert nach 
Bezirken (Exposituren) , Kreisen (Unterpräfekturen) und Landgemeinden 
(Mydirjets) (1—52). Bezirk Berati (3—11), Bez. Kruja (13-16), Bez. Puka 
(17—20), Bez. Shkodra (21-26), Bez. Tirana (27—40), Bez. Zhuri (41-52). 
Alphabet. Verzeichnis der Kreise, Land- und Stadtgemeindeu und Ort- 
schaften (53—88). Das Vorwort enthält Aufschlüsse über alb. Siedlungs- 
formen: kein Dorfsystem, sondern einzelne Gehöfte oder zerstreute Häuser- 
gruppen (Ortschaftsbestandteile, Mahallas). . . Im Berglande von Shkodra 
(Skutari) bilden die Familien von Blutsverwandten geschlossene Sippen, 
Fis, ganz gleich, ob die Häuser derselben nebeneinander liegen oder unter 
den übrigen Häusern der Ortschaft zerstreut vorkommen. . . Demnach 
Durchkreuzung der Orts -Mahallas mit Fis -Mahallas, die zu vielfachen 
Verwechslungen der Benennungen führt. . . Besondere Sorgfalt wurde 
auf die klangtreue Wiedergabe der Namen verwendet, zu welchem Zwecke 
intelligente ortskundige Albaner herangezogen wurden. Erschwert wurde 
die Erzielung einer richtigen Schreibung durch die zahlreichen Turzismen, 
Slavismen, Gräzismen, Italianismen unter den Ortsnamen Albaniens, die 
mundartlichen Verschiedenheiten , die schlechte oder wechselnde Aus- 
sprache der Ortsnamen seitens der Ortsbewohner. So wird z. B. der 
O.-N. Ktliella („tiefes Land") von einem Teil der Dorfbewohner Thkella 
ausgesprochen, Rubigu auch Robiku, Leshi auch Lezhja. Bei der Schreib- 
weise wurden behufs Vermeidung der Inkonsequenzen der österr, General- 
karte die Grundsätze der Alb. Literar. Kommission (s. Nr. 77) angewendet, 
die auch die O.-N. überprüfte. Insbesondere wurde bei sämtlichen Eigen- 
namen, die in der Einzahl verwendet werden, die bestimmte Form ange- 
wendet (Shkodra, Berati). . . „Um aus dem vorliegenden ersten Ort- 
schaft sv erzeichnisse Albaniens ein nach jeder Richtung hin ein- 
wandfreies Ortschaftslexikon zu schaffen, wird es noch jahrelanger Arbeit 
bedürfen" (S. IX). (Ein solches ist dank den Bemühungen F. Seiners in 
Vorbereitung. Der Ref.) 

44. Paudler, F., Cro-Magnon- Studien. Eine geschichtliche und 
programmatische Skizze. Anthropos 12 — 13 (1917 — 18) 
«41—694. 

luciogermanisches Jahrbuch. VIII. ß 



82 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Die Cro - Magnon • Form ist eine unserer beiden . . . europ. Haupt- 
schiideltypeu : der kurzgesichtige Langkopf, der brachyprosope Dolicho- 
kephale. . . Sie ist nicht nur eine urgeschichtliche Form, sondern lebt 
fort, und zwar in zwei Rassen, einer großen hellen und einer kleinen 
dunkeln. . . Im Umriß steht fest, daß die große helle mehr trümmer- 
artig, hauptsächlich in Nord- und Mitteleuropa, die kleine dunkle ge- 
schlossener, hauptsächlich in Südeuropa und Nordafrika vorkommt. Für 
die erstere schlägt Verf. den Namen Dal -Rasse (nach ihrem Vorkommen 
in Dalarna in Schweden), für die letztere den Namen Ber-Rasse nach dem 
augenscheinlichen Schwerpunkte ihres Vorkommens, der iberischen Halb- 
insel und der Berberei, vor. Es ist ein biologisches Postulat, daß je ein 
Sprachtypus und eine Kasse notwendig zusammengehören. So ist z. B. 
die Herkunft des idg. Sprachtypus von der nordischen Rasse leicht höchst- 
wahrscheinlich zu machen. . . Das vom Verf. aufgestellte heuristische 
Prinzip, sprachliche Übereinstimmungen auf eine gemeinsame Rassen- 
unterschicht der diese Sprachen sprechenden Völker zurückzuführen, wird 
an einer Gemeinsamkeit des Bask. , Skandin. , Rum.-Bulg.-Alban. und 
Armen. — der Nachstellung des Artikels — exemplifiziert. . . „Da nun 
aber nicht nur das Bulg. und auch das Rum. auf einst thrak. Boden ge- 
sprochen werden . . ., sondern nach der neueren Auffassung auch das 
Alb., wenn es nicht überhaupt mit dem Thrak. zusammengehört — so 
daß also gerade alle drei heutigen Sprachen des einst thrakischen Ge- 
bietes die Nachstellung des Artikels haben, und da weiter nach fast all- 
gemeiner Auffassung auch das Armen, mit dem Thrak. zusammengehört, 
so ist wohl das Vorkommen im Armen, thrak. Ursprungs; und da kein 
Grund für die Annahme einer selbständigen Entstehung der Nachstellung 
auf dem Balkan vorliegt, die von vornherein wohl nicht gerade wahr- 
scheinlich ist, so müßte wohl das Vorkommen hier . . . auf das Bask.- 
Skandin. zurückgehen, so daß wirklich alle vier Vorkommen eines Ur- 
sprungs wären, eben aus dem Sprachstamm der Dal- Rasse. . ." Das Thrak., 
die Sprache einer dünnen Oberschicht . . . hätte die Nachstellung von der 
einheimischen Masse übernommen. . . Daß im voridg. Thrakien wirklich 
der Sprachstamm der Dal-Rasse herrschte, dafür sprechen Rassenmei'kmale 
der heutigen bulg. Bevölkerung und kulturelle Merkmale, die sonst der 
Dal-Rasse angehören : Grabbauten (Thrak.). Trepanation (heutiges Al- 
banien, Montenegro, Serbien), Tätowierung (Thrak., Illyr., heutiges Bos- 
nien), Schwerttanz (Thraker), hosenloser Knierock (Reste im heutigen Alb., 
von da nach Griechenland eingedrungen), Zwanzigersystem (alb.), mancher- 
lei Anzeichen für Mutterrecht. — Die Zurückführung der Nachstellung 
des Artikels auf den Sprachstamm der Dal-Rasse setzt eine thrak. Unter- 
lage des Alb. oder geradezu dessen Zusammengehörigkeit mit dem Thrak. 
nicht notwendig voraus, sie erfordert vielmehr nur eine gemeinsame Schicht 
für Alb. und Thraker; diese kann aber — für Thrakien nach Ausweis des 
Arm., Big., Rum. — auch unmittelbar das entsprechende Voridg. abge- 
geben haben. 

45. Peacock, W., Albania the fouadling State of Europe. London, 
Chapman. 1914. 

46. Pisitto-Tocci, Grli Albanesi in Calabria. Arch. stör, della 
Calabria, Bd. 2, 1914. 

47. R(eimer), E., Der Dämonenglaube in Albanien. Belgrader 
Nachrichten 1917. 7. Dezember, Feuilleton. 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 83 

Der Mischcharakter der alb. Dämonologie erklärt sich durch Zu- 
sammentreffen der verschiedensten Kulte in Albanien: Thraker, Kelten. 
Griechen, Römer, Orientalen, Christen, neuere Kulte gaben der Volksvor- 
stellung etwas ab. Dem Orient entstammen die Tschins. Ihre kon- 
fessionelle Verschiedenheit, mohammedanische, christliche, jüdische ; sie 
heiraten, haben Kinder, feiern Feste, besonders das der Beschneidung, 
haben Könige und Königinnen, sü/pl'akur, slcal'ur heißen die von ihnen 
Besessenen; sie sind, wenn nicht von einem jüdischen Tschin besessen, 
durch heilige Sprüche heilbar. Die große, dicke, schwarze HausschlaDge 
(bola) ist ein gutartiges Tschintier, der bolar, ein männliches Tschintier 
in derselben Gestalt, sehr bösartig. Dämonen der Luft sind die Kulsedras 
(Kutiedras;. Bekämpft werden sie von den Drangois. Ist die Mutter 
eines Menschenkindes Kulsedra, so kann dieses Drangoi werden; ebenso 
wenn seine Vorfahren durch drei Geschlechtsfolgen hindurch keinen Ehe- 
bruch getrieben haben. Nach einem anderen Glauben sind buiar und 
ersaj notwendige Durchgangsstufen für die richtigen Hexen (Kuläedras). 
Der „ Drachenberg * bei Sala (Maja Ersal'ü), das Gegenstück des deutschen 
Blocksbergs. Ein noch gewaltigerer Elementardämon ist Seht Verbd (Seht 
Sursz). Der Name auch in geogr. Benennungen erhalten: Maja Sursz bei 
Vukli in Xordalb., Stadtruine Surza am Drin. Dieser Dämon weist den 
Ilagelschlägen ihren Weg; er wird durch Schießen abgewehrt. Möglich, 
daß er der thrakische Gott Zbelthiurdos, Zibelsurdos ist. Die eigentlichen 
Hexen (Strigas) schweifen nachts als Lichter umher, töten Menschen 
durch Blutaussaugen und Fressen der Leber. Die Oras: Wenn man die 
Nacht unter einer Eibe, dem spezifisch keltischen Zauberbaum (Albanien 
eine der ältesten Keltenkolonien) verbracht hat, kann man von den auf 
den Zweigen sitzenden Oras die Erfüllung eines Wunsches verlangen. Die 
Zanas, eine Art Schutzengel des Menschen, sind sterblich ; ihr Tod hat 
den des Menschen zur Folge. Der Lugat. Albaniens ausgestorbene 
Stämme: Gogat und Dzulija werden zu den bösen Geistern gerechnet. 
Gog = Riese, Dzulija setzt die Geistlichkeit mit den Juden gleich. Kämpfe 
mit den Ansässigen bei der ersten Besiedlung dürften bei diesem Glauben 
eine Rolle spielen. Unweit Ibalja der Guri Dzulijs („Heidenstein"). In 
Nerlümza werden zu ihrer Beschwichtigung und Verehrung Kerzen an- 
gezündet : eine Art Satansdienst, da es sich um böse Geister handelt. 
Mondesfinsternis ein Werk des Teufels, der den Mond rauben will. Der 
Regenbogen nach christ.-alb. Auffassung ein Teil des von Gott getragenen 
Gurtes. Das Erdbeben wird von einem im Mittelpunkt der Erde lebenden 
riesigen Ochsen verursacht, wenn er sich vor Wut schüttelt. (Die Gleichung 
Sent Sursz — thrak. Zbelthiurdos ist gewiß unrichtig, wie das Nebenein- 
ander Sent Verbd — Seht Sursz zeigt. Es handelt sich um suffixale Weiter- 
bildungen von verp, verbi blind, sur-d; surdi taub ; und zwar ist geg. verbd 
gebildet mit Suff. -et(e) (cerbete, bei Meyer fehlend, ist schon aus dem 
17. Jahrhundert [Bogd.] zu belegen), geg. sursz mit Suff. -z(e). Die rich- 
tige Schreibung ist also surdz. Demnach sind beide Bezeichnungen 
nicht heimisch, sondern stellen lt. Entlehnungen dar: orbus, surdus. 
Der Ref.) 

48. Relazione della Commissione per lo studio dell" Albania. 
Atti della Societä Italiana per il progresso delle scienze. 
Roma, Verlag der Gesellschaft. 1915. P. I: 81 8., 7 Taf., 
1 Karte; P. II: 185 S. 8°. 



84 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Inhalt : P. I. Studi Geologici (Prof. G. dal Piaz — Prof. A. de Toni) 
(S. 11—45). Studi Geografici (Prof. R. Almagiä) (53 — 81). Osservazioni 
raorfologiche sull' Albania centrale (53 — 62). Intorno al carattere ed alla 
distribuzione dei centri abitati nell' Albania centrale (63 — 81). 

P. II : Studi agrologici (U. Rosati e G. Baudin). 

Das Werk, ein Ergebnis der von der ital. Gesellschaft zur Förderung 
der Wissenschaften nach Albanien entsandten Kommission, verdient darum 
hier vermerkt zu werden, weil es sowohl in dem geographischen Beitrag 
von Almagia als in den landwirtschaftlichen Studien von Rosati und 
Baudin eine ganze Reihe von Daten enthält, die für das Kapitel „Wörter 
und Sachen" auch für den Linguisten im höchsten Grade wissenswert 
sind. Die Reise nahm den Monat September 1913 in Anspruch und er- 
streckte sich im wesentlichen auf den Raum Valona — Berat— Elbassan — 
Durazzo.- Aus dem geographischen Teil sei besonders auf die Bemer- 
kungen über Siedlungsverhältnisse und Dorfanlagen hingewiesen ; der land- 
wirtschaftliche bietet u. a. eine genaue, durch Abbildungen unterstützte 
Beschreibung zweier Pflugtypen (des mittel- und südalb. und des nordalb.) 
(S. 23 — 25), des Joches, der Egge, des Wagens (S. 32), der Reisstampfe 
(S. 35), der Flachsbreche (S. 36), der Ölpresse (S. 37 f.), der Wohn- und 
Wirtschaftsgebäude (S. 133f.), ferner eine knappe Darstellung des Agrar- 
rechts (Colonates) (S. 129 f.), der Weidewirtschaft. Da die Verf. zuweilen 
auch alb. Fachausdrücke anführen, die sie genau und sachgemäß er- 
läutern, ergibt sich zugleich ein willkommener Gewinn für das alb. 
Lexikon. 

49. Rosati, T., Clero e cattolici in Albania. Vita Italiana 1917, 
15 luglio. 

50. Riggio, A., Nel Paese di Skanderbeg. Catania. 1918. 

51. Rusiecka, M., D'Uskub ä Saint -Jean de Medua. Genf, 
Atar. 1916. IV, V u. 26 S. 8°. 1 Fr. 

52. Sfs, V., Mazedonien. Eine Studie über Geographie, Ge- 
schichte, Volkskunde und die wirtschaftlichen und kulturellen 
Zustände des Landes mit statistischen Ergänzungen. Zürich, 
Orell Füssli. 1918. 145 S., 3 Karten. 8°. 

S. 70 — 71 gibt eine Übersicht des von Albanern bewohnten maze- 
donischen Gebietes : rein alb. ist nur das Gebiet von Podgradec (Ochridasee), 
das vor 100 Jahren albanisiert wurde. Im Bezirk von Debr, Gostivar, 
Tetovo, Presovo bildeten die Albaner vor dem Kriege ein Drittel der Be- 
völkerung. Starke albanische Kolonien sind in den Bezirken von Bitolja, 
Kostur (Tosken), Kiöevo und Skopje. Ungünstige Beurteilung des Volks- 
charakters der mazedon. Albaner. S. 77f. Statistik (auch der Albaner). — 
S. 88 : „ Als ich während des gegenwärtigen Krieges Mazedonien besuchte, 
fand ich sonst blühende Gegenden fast entvölkert. . . Die Albanesen aus 
den Bezirken Presovo, Kumanovo, Tetovo, Gostivar und Debr, die Aro- 
munen von der bitoljischen Gruppe, die Türken aus dem Tal von Valan- 
dovo und besonders die türk. städtische Bevölkerung sind einfach ver- 
schwunden. — S. 124— 133: Bibliographie über Mazedonien (A.Deutsche, 
engl., franz., ital. u. lat. 124—131. B. Slavische: I. Bulgar., IL Cech., 
III. Russ., IV. Serb. 131—132. C. Türkische Liter. 133. ~ D. Griech. Liter. 
133. — Karte 2 enthält eine ethnographische Karte der Balkanhalbinsel, 
die von dem gewesenen serb. Gesandten in London, C. Mijatovic, der serb. 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 85 

Übersetzung des Werkes : Travels in Slavonic prov. of Turkey by M-rs 
Mackenzie a. Arbey" beigelegt wurde; Karte 3 eine ethnograph. Karte 
Mazedoniens, 1 : 500000. 

53. Sommert, E. H., Der alban. Volkscharakter. Wien, ohne 
Ang. d. Verl. u. Druck. (Als Handschr. gedruckt.) 1919. 
14 S. 8°. 

Darstellung der wesentlichen Züge des alban. Volkscharakters auf 
Grund von Fishtas Lahuta e Malciis, der Sprichwörter und der Zeugnisse 
der Freiin Amelie von Godin. 

54. v. Sufflay, M., Politische Schicksale des Themas Dyrrhachion, 
Vjesnik kr. hrvatsko-slav.-dalm. zemaljsk. arkiva 17 (1915) 
273-300. 

Das Thema D., seine Grenzen, sein Landschaftsbegriff. Bulgarische 
Okkupation im 10. Jahrhundert und Verfall des Themas. Klissurarchien. 

55. Sulliotti, J., In Albania. Sei mesi di regno. Milano. 1914. 

56. v. Thallöczy, L., Jirecek, C, v. Sufflay, E., Acta et diplomata 
res Albaniae mediae aetatis illustrantia Collegerunt et di- 
gesserunt. Vol. II (annos 1344 — 1406 continens). Wien, 
A. Holzhausen. 1918. XXIII u. 300 S. 4°. 30 K. 

Inhalt: Synopsis rerum chronologica (VII — XXIII). Acta et diplo- 
mata Nr. 1—812 (S. 1 — 249). Appendix: Synopsis actorum e tabulario 
Vaticano integre edendorum (253 — 260). Indices: Index locorum et per- 
sonarum (263—296). Index rerum (Glossarum) (297—300). — Das zum 
1. Bande (IJ. 4, 104, Nr. 25) Bemerkte gilt auch für diesen zweiten. Auf 
die Wichtigkeit der Indices sei besonders hingewiesen. 

57. Treidler, H., Epirotische Völker im Altertum. Eine ethno- 
graphische Studie mit einem Exkurs über die 14 Stämme 
Theopomps im 4. Jahrhundert. (Mit 3 Karten.) Arch. f. 
Anthropol. 45 (1919) 89-122. 

I. Wanderungen der Epiroten (89—111). 1. Autochthone Elemente 
(89—90). Vor den mit Sicherheit nachweisbaren, zugewanderten Bevöl- 
kerungselementen des alten Epirus : Hellenen, Illyrern, Thrakern eine Ur- 
bevölkerung : die pelasgische, bezeugt durch die Überlieferung, durch das 
Priestertum von Dodona, dessen Kult von dem dodon. Naturkult zu scheiden 
ist, endlich durch die Bildung der Stamm- und Orts -Namen auf -rjaaog, 
-u)0<joq usw. (Moloaaoi). 2. Hellenen (90—98). Zu ihnen Thesproter 
und Molosser. Ihr Zusammenhang mit Thessalien. In histor. Zeit Mittel- 
griechenland bewohnende Stämme sind in früheren Perioden weiter nörd- 
lich zu suchen (Dryoper, Boeoter; Graer im östl. Boeotien identisch mit 
den epirotischen). Übereinstimmung der Ortsnamen in Epirus und Thes- 
salien. Griech. Personen- und Orts -Namen aus Epirus. Nördlichere Ur- 
heimat der hellenischen Epiroten: Thesproten nach Homer (Od. XV, 325) 
in Zentral-Epirus; im westlichen Makedonien die Oresten; nach Hecataeus 
ein Zweig der Molosser, stellen sie einen bei 'der Einwanderung nach 
Epirus in Makedonien zurückgebliebenen Stamm dar. Beziehungen zwischen 
Epirus und Makedonien bezeugt durch Übereinstimmung in den Ortsnamen. 
3. Illyrische Einwanderung und ihre Wirkung auf die altepirot. Stämme 
(98—109). Illyr. Liburner nach histor. Zeugnissen auf der Insel Kerkyra. 



86 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Diese auch im Besitze von Epidamnus (Durazzo) ; möglicherweise sind sie 
identisch mit den Phäaken Homers, da Mela Phäaken in der Nachbar- 
schaft der südillyr. Encheleer erwähnt. Stadt Baidxt) (Hecat.) in Chao- 
nien. Illyrisierung von Epirus durch Einwanderung der Chaoner. Nach 
Strabo VII, 7, 5, beherrschten sie ganz Epirus. Entstehung der ital. 
Bezeichnung für Griechen : Graeci durch Berührung illyr. Elemente mit 
den Griechen in Dodona und spätere Auswanderung dieser Illyrer nach 
Unteritalien. Ausdehnung des illyr. Vorstoßes : Aiylviov im NW Thes- 
saliens illyrisch; Athamanien als xcbqa 'IXXvqiag. Epiroten in Thessalien: 
Molosser an der Kolonisation Joniens beteiligt (Herod.); Existenz eines 
thessal. Zweigorakels von Dodona (Kineas). Alviäveg in Thessalien durch 
Suff, -avsg als frühere Epiroten kenntlich. Spätere Zurückdrängung der 
Illyrer durch hellen. Rückwanderung. Epiroten in Italien und Sizilien; 
O.-N. -Übereinstimmungen zwischen Epirus und Italien, Epirus und Sizilien 
(-este, -iintium, -etium, moloss. Tdhageg, siz. Talaria, R. v. Scala). 4. Thrak. 
Elemente in Epirus (109 — 111). Ihr Vorhandensein aus Tatsache, daß 
Makedonien einst großenteils von Thrakern bewohnt war, verständlich. 
Paeonen in Nachbarschaft von Dodona, thrakisch auch die Abanten an 
den Akrokeraunien. O.-N. -Gleichungen zwischen Epirus und Thrakien 
(Patsch, Tornaschek). Histor. Kern der Nachrichten vom thrak. Volkstum 
der Chaoner. II. Die Nationalität der Epiroten (111 — 121). Bewohner 
ethnographisch keine Einheit, Epirus lediglich ein geograph. Begriff. Für 
griech. Nationalität aller Epiroten Beloch, F. Schmidt, dagegen E.Meyer, 
Nilsson, Klotzsch, P. Kretschmer. Gründe des Verf. für letztere Ansicht : 
Mehrzahl der O.-N. zwar griechisch, aber auch nichtgr. : "Agax&og, -taaa. 
Exkurs : Versuch einer Rekonstruktion der 14 nach Theopomp im epirot. 
Bund vereinigten Stämme. 

58. Vaina, E., La nazione albanese. II a edizione aumentata d'uno 
scritto di G. D'Acandia su „E. Vaina e l'Albania", d'una ap- 
pendice e del ritratto dell' autore. La Giovine Europa dir. 
da G. D'Acandia. Catania, Fr. Battiato. 1917. XLIX u. 
209 S. 8°. 

I. La patria degli Albanesi (21—34). II. Ne Slavi ne Greci (35—52). 
III. La preparazione delle coscienze (53 — 68). IV. 11 popolo in armi (69—79). 
V. Nel turbine della Guerra Balcanica (81-93). VI. Le grandi fila (95 
bis 120). VII. L'oggi e il domani deH'Albania (121 — 164). Saggio biblio- 
grafico (175—176). Documenti (177—181). Appendice: Miss Edith Dur- 
ham (183—202). 

[Zweite Aufl. der Schrift: „L'Albania che nasce." Catania 1914. 
(IJ. 4, 105 Nr. 26.) Der Hauptteil des Werkes blieb unverändert. Neu 
hinzugekommen ist die Einführung (mit bibliogr. Ergänzungen aus den 
letzten Jahren) und der Anhang: Miss Edith Durham]. 

59. "Weltgeschichte. Begründet von H. F. Helmolt, hg. v. 
A. Tille. 2., neu bearb. u. vermehrte Aufl. 4. Band: Balkan- 
halbinsel v. K. G. Brandis, R. v. Scala, N. Jorga, H. Zimmerer, 
Wl. Milkowicz u. J. Hohlfeld. Leipzig, Bibliogr. Institut. 1919. 
XVI u. 534 S. 8 °. 

1. Brandis, K. G. Die alten Völker im östl. Mittelmeer, in Asien 
u.Europa (1-102). Darin 3.: Die Urvölker der Balkanhalbinsel (34—87). 
A: Bodengestalt der südosteurop. Halbinsel (34). B: Die Urvölker der 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 87 

südosteur. Halbinsel, a) Die Illyrier. Berührung mit den Hellenen im S., 
mit den Kelten im N. (Kroatien), mit den Thrakern im 0., überall ohne 
feite Grenzen. Einwanderung in Italien. Spaltung in zahlreiche Stämme, 
Reich des Bardylis, Kleitos, der Ardiaeer am Naro. Illyr. Seeräuberei. 
Unterwerfung unter Rom (35). b) Die Thraker. Ursprüngl. Bedeutung 
der Bezeichnung Thrakien (Land v. d. Karpathen bis zur Aegaeis, vom 
Schwarzen Meere bis zur illyr. Grenze). Götterverehrung. Menschenopfer 
u. Witwenschlachtung. Unstei'blichkeitsglaube ; Stellung der Frau; Perser- 
herrschaft; Krieg mit Athen; mazedon. Herrschaft (35— 39). c) Die Make- 
donen (40—102). 

VIII. Jorga, N. Albanien (433—444). 1. Die Albanesen u. ihr 
Siedlungsgebiet (433—434). („Die Bedenken der Philologen, die an we- 
sentliche sprachliche Verschiedenheiten zwischen dem heutigen Alb. und 
den Sprachresten des Illyr. . . . erinnern, und demnach die Albanesen als 
Nachkommen der Thraker, die jedoch nur in spärlichen Gruppen bis zur 
Adria gedrungen sind, erscheinen lassen, sind von geringem Belang bei 
der Erwägung, daß es ja keinen ernsten Beweggrund gibt, an der Mög- 
lichkeit einer Aneignung der thrak. Sprache durch die an Zahl viel 
weniger bedeutenden Illyrer zu zweifeln.") 2. Name u. Volkstum (434 
bis 435). Albanoi bei Ptolemaeus vielleicht = „ Alpen volk". Erste Er- 
wähnung bei Byzantinern : 11. Jh. Manche den Balkanvölkern gemein- 
same mythische Gestalten entstammen vielleicht schon der alten thrak. 
u. illyr. Zeit. 3. Älteste Geschichte (435—436). 4. Die Unterwerfung 
unter die Osmanen. Skanderbeg (436 — 439). 5. Zustände unter osman. 
Herrschaft (439—440). 6. Erhebungsversuche (Ali Pascha, Mustafa Pascha) 
(440-442). 7. Die Befreiung (442). 8. Das Fürstentum Albanien (442 
bis 444). 

60. Wendel, H., Südosteuropäische Fragen. Berlin, S. Fischer. 
1918. 255 S. 8°. 5 M. 

Bespr. : N. Krebs, Geogr. Z. 1919, 131—132. 
Dem Ref. zur Zeit unzugänglich. 

61. Weninger, J., Die physisch -anthropologischen Merkmale der 
vorderasiatischen Rasse und ihre geographische Verbreitung. 
Aufsätze Prof. Dr. E. Oberhummer zum 60. Geburtstage ge- 
widmet. (Brunn, Friedr. Irrgang. 1919.) S. 238— 262. 

S. 251: Bei den — durch den Verf. und Prof. R. Pöch in öst.-ung. 
Kriegsgefangenenlagern vorgenommenen — anthropologischen Unter- 
suchungen an Albanern konnte unter anderm ganz deutlich auch ein 
vorderasiat. Typus festgestellt werden. Diese Merkmale finden sich hier 
sehr gut zusammen, ebenso auch beim Serbenvolke. 

62. Wirth, A., Kas-Fragen. Jahrb. d. Münchener Orient- Ges. 
1916/17 (ersch. 1918). S. 1-112. 

In des Verfassers bekannter Manier gehalten. 

63. Woods, H. Ch., Albania and the Albanians. Geogr. Rev. 
(New York) 5 (1918) 8. 257—273. 

64. — The Balkans, Macedonia and the war. Geogr. Rev. 

•(New York) 6 (1918) S. 19-36. 



88 



Bibliographie der Jahre 1018 und 1919. 



65. Nekrologe Jireceks von Jagic Almanach d. Wiener Aka- 
demie 1918 S. 353—419 (auch als Sonderdruck); Murko, 
Österreich (Zeitschr. f. Geschichte) 1 (1918/19) 537—597; 
J. Pata Osveta (Prag) 48 (1918) 135—141; 207-214; 291 
bis 298. 



Grammatik, Wortschatz, Texte, Mundarten. 

65. Baric, H., Albanisch -rumänische Studien. I. Zur Kunde d. 
Balkanhalbinsel; Quellen u. Forschungen 7. Serajewo, In- 
stitut f. Balkanforschg. 1919. 142 S. 8°. 

Inhaltsangabe folgt. 

66. Bruch, J., Zu Meyer-Lübkes Etymolog. Wörterbuch. Z. f. 
rom. Phil. 39 (1917/18) S. 200 — 211. 

S. 206. Zu Nr. 5595. Kalabr. menna, minna Euter geht auf ein von 
it. menna verschnitten verschiedenes *minda zurück, das vorrömisch, also 
nach dem Verbreitungsgebiete messapisch ist und in alb. ment säuge 
seinen nächsten Verwandten hat; das Mess. war ja auch dem im Alb. fort- 
lebenden Illyr. nahe verwandt (Kretschmer. Einl. 263). Die Bedeutung 
„weibl. Brust" zeigt speziell das zugehörige ahd. manzön (idg. *mandön). 
Alle diese Wörter gehören zu idg. mad feucht sein. S. 210 zu Nr. 6177 : 
Für rom. *palta Sumpf nimmt Meyer - Lübke wegen des p gegenüber dem 
b des rum. halt«, altdalm. balta Entlehnung aus dem Germ, an und fragt, 
warum b zu p verschoben, t aber geblieben sei. Hierzu ist zu bemerken, 
daß rom. t etwa germ. p sein könnte . . . Allein der Durchgang durch das 
Germ, unwahrscheinlich, weil hier das Wort nicht bezeugt ist. Vielmehr 
p entweder durch abweichende Artikulation des b im vermittelnden Venet. 
oder Illyr. oder bcd- wurde durch pal- nach palüdem ersetzt. Im Rum. 
konnte palüdem nicht wirken, weil hier padülem gilt und das Wort die 
Bedeutung Wald angenommen, sich also begrifflich entfernt hatte. Nach 
Spanien, wo auch *vadülem für palüdem eintrat, muß *palta, da es wegen 
der Verwandtschaft mit dem altdalm. und dem rum. Wort und mit dem 
alb. bal'ts (Meyer, BB. 19, 154) aus dem Illyr. oder Venet. stammt, ohne 
dies aus Italien importiert zu sein, wohl noch in vlglt. Zeit. Ngr. ßähog 
stammt aus dem Alb. (G. Meyer, Wiener S. B. 130/5, 64). 

67. — Lat. ballaena. Glotta 10 (1919) 198—199. 

Der vom Verf. aus der Tatsache der illyr. Vermittlung gezogene Schluß 
auf die Natur des gr. q> von <pä)J.aiva als bh, nicht ph ist lautlich nicht 
zwingend, da die Artikulation der gr. und der illyr. Konsonanten sich 
nicht deckte. Cf. Tehnete = Dalmata u. a. m. Der Ref. 

68. Brückner, A., Über Etymologien und Etymologisieren IL 
KZ. 48 (1918) 161-229. 

Bestreitet Jokls Herleitung von hat im Dorf aus dem Alb. (IF 33, 420 ff.). 
Aber die chronologische Behauptung Brückners ist unrichtig. Die Belege 
für das Vorkommen des Wortes im sl. sind IF. 33, 429 eingehend erörtert. 
Der erste Beleg ist vielleicht — die Lesung steht nicht fest — im 
Izbornik von 1073 enthalten ; was jedoch in dem aus der Zeit des Zaren 
Symeon stammenden big. Archetypus des Izbornik gestanden hat, ist un- 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 89 

bekannt, da dieser Archetypus nicht erhalten, zudem die betreffende 
Stelle auch in anderer Lesart überliefert ist, die das entscheidende Wort 
nicht bietet. Im übrigen wäre selbst ein Vorkommen des "Wortes um 
910 für das Beweisthema irrelevant, da die Bulgaren gerade unter Syrneon 
bereits Nordalbanien mit Skutari erobert hatten, s. Sufflay oben Nr. 54. 

69. Deutsch- albanisches Feld Wörterbuch. 4. Aufl. Wien, 
L.W. Seidel & Sohn. 19t 8. 96 S. Kl. 8°. 2 Mk. 

70. v. Hahn, J. Gr., Griechische und albanesische Märchen. Ge- 
sammelt und übersetzt. 2 Tle. München, G. Müller. 1918. 
1. CII u. 306 S.; 2. VII u. 516 S. 8°. 

Neudruck der Ausgabe von 1864. 

71. Hauser, O., Albanische Volkslieder. Übersetzt und ein- 
geleitet von — . Aus fremden Gärten. Eine Sammlung be- 
deutender und interessanter Dichtungen fremder Völker, übers, 
u. hg. v. 0. Hauser Nr. 71. Weimar, A. Duncker. 1918. Xu. 
36 S. 8°. 0,80 Mk. 

Inhalt: Zur Einführung (I— X). I. Heldenlieder („Lieder vom Tode") 
(S. 3-11) [8 Lieder]. II. Liebeslieder (S. 12—26) [19 Lieder]. III. Heim- 
wehlieder („Lieder vom Elend«) (S. 27—34) [6 Lieder]. 

0. Hauser, der Verfasser der „Weltgeschichte der Literatur" und 
sprachenkundige Übersetzungskünstler, hat sich während des Krieges in 
Albanien mit der Sprache des Landes vertraut gemacht und bei seinem 
Lehrer Zef Filipit Krasnik'it in Ipek eine handschriftliche Sammlung von 
mehr als 100 Liedern entdeckt, die dieser, zur Zeit der Türkenherrschaft 
als Flüchtling in verschiedenen Teilen Albaniens lebend, angelegt hatte. 
Eine Auswahl aus dieser Sammlung erscheint hier in deutschem Ge- 
wände. Das Original ist leider in Verlust geraten. Es ist dies nicht 
nur darum zu bedauern, weil die — im übrigen treue und den Ton der 
Urschrift recht wohl treffende — Übersetzung nur etwa ein Drittel der 
handschriftlichen Sammlung umfaßt, sondern auch deswegen, weil selbst 
der in der Übersetzung vorliegende Teil der Sammlung manches neue 
Lied bietet. Dies lehrt ein vom Ref. vorgenommener Vergleich mit Pren- 
nushi, Kange popull. (Sarajevo, 1911). Nur die Heldenlieder finden sich 
mit unbedeutenden Abweichungen zur Gänze bei Prennushi (es entspricht 
das Lied auf S. 3 Nr. 42 bei P., das auf S. 4 Nr. 32, auf S. 5 Nr. 47, bzw. 
Nr. 15, auf S. 7 Nr. 67, das Lied auf S. 8 [Ne Stamolle thire telalli] ist eine 
besonders im Eingang abweichende, sonst aber ziemlich übereinstimmende 
Variante von P. Nr. 132, das Lied auf S. 9 entspricht P.s Nr. 14, das auf 
S. 10 Nr. 110). Hingegen fehlen bei P. die die platonische Knabenliebe 
verherrlichenden Liebeslieder und die Heimwehlieder. In der Einleitung 
streut der Hg. einige rassenkundliche und metrische Bemerkungen ein: 
„Die Albaner von heute haben zwar noch einige echt nordische Kinder, 
aber die erwachsenen Leute . . . haben den reinen Typus bis auf Aus- 
nahmen verloren . . . Daß aber die Albaner einst, in ihren Herren wenig- 
stens, echte Norden waren, sieht man daraus, daß noch heute fak'e ba/r8e 
„Weißgesicht" edel, fak'e zi „Schwarzgesicht" aber schlecht, niedrig, un- 
verschämt bedeutet . . . Das Versmaß der alb. Volksdichtung ist in den 
meisten Fällen der paarig oder gekreuzt gereimte trochäische Vierheber" . . . 

72. — Rumänische Märchen. Übersetzt und eingeleitet von — . 
Aus fremden Gärten. Eine Sammlung bedeutender und inter- 



90 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

essanter Dichtungen fremder Völker, übers, u. hg. v. 0. Hauser 
Nr. 72/73. Weimar, A. Dun cker. 1918. XXXu. 898. 8°. l,60Mk. 

Die Einleitung enthält einiges über alban. -rum. Beziehungen. Es 
folgt eine Reihe umnögl. Etymologien. 

73. Jarnik, J. TL, Im Gefolge der rum an. Sprache (cech.). Casopis 
pro moderni filologii 6 (1918) 377—396. 

S. 379—383 Skizze von J.s Tätigkeit auf dem Gebiet des Albanischen. 

74. Jokl, N.. Albanisch. Grundriß der indogerm. Sprach- und 
Altertumskunde 3 = Geschichte der indogerm. Sprachwissen- 
schaft, hg. v. W. Streitberg II/3 IJ. 6, VII, Nr. 40. 

Bespr.: 0. Hujer, Listy filologicke 45 (1918) 245; Meillet, Bull.S.L. 
21 (1918) 196. 

75. -- Eine alb.-neugr. Wortparallele. IJ. 3, VII, Nr. 15. 

Bespr.: P. Kretschmer, Glotta 9 (1918) 221—222. 

„Jokls Auffassung hat viel für sich . . . Der Sachverhalt könnte 
aber auch folgender sein : alb. prendön geht unter [das auch Kretschmer 
zu pranön neigt sich, senkt «ich, ans Seite gestellt sehen will], erhalten 
im nordgeg., wurde im südlicheren Albanien (südl. geg., tosk.), wo der 
griech. Einfluß mehr wirken konnte, unter Einfluß von 6 t'jho? ßaodsvsi 
(vgl. Glotta 5, 289) volksetymologisch mit persndi König verbunden und 
daher zu persndön umgestaltet." 

76. Kretschmer, P., Mythische Namen (6. Tritogeneia und die 
Tritopatoren). Glotta 10 (1919) 38—62. 

S. 40, 41. gr. TQmazwQ, auffällig, weil man für die dritte Generation 
vom Vater an das Ordinale, nicht das Kardinale erwartet, hat — außer im 
gr. — auch an alb. tregüs Urgroßvater, eig. „ Dreigroß vater" eine Parallele; 
dessen Vater heißt katregüs (katre 4), dessen Vater pcsegüs (pess 5). 

77. Laimet e komisis letrare shqipe ne Shkoder I boton 
komisija letrare shqipe (Nachrichten der literar. alban. Kom- 
mission in Skutari. Veröffentlicht v. d. lit. alb. Komm. Bd. 1 
H. I u. 2 (83 S. 8°). Vjene Typ. C. Fromme 1918. 

Nicht im Buchhandel. Inhaltsangabe folgt. 

78. La Piana, M., Brevi nozioni di Grammatica Albanese per la 
2 a [e] la 3 a classe elementare. Mesime te shkurte te Gram- 
matikes Shqype per te 2 gn [e] te 3 0n radhe fillöre (Anhang : 
Lingua Albanese, Alfabeto). Albania, R. Officina Tipografica 
Italiana. 1917—18. 2 a cl., I (1917): 15 S., 2 a cl., II (1918): 
12 S., 3 a cl., I (1918): 25 S. Anh.: 4 S. 8°. 

Büttel u. Gegenstand der Darstellung ist die tosk. Gemeinsprache. 
Sämtliche Unterrichtsanweisungen auch in ital. Sprache. — Einen Schritt 
zur erwünschten Einheit der Schriftsprache überhaupt und zur Förderung 
ihres grammatischen Bestandes will der Verfasser durch eine den Grund- 
sätzen der Morphologie besser angepaßte Schreibung machen (Vorbemer- 
kung an die Lehrer der alb. Spr., S. 4). — Die Schreibung ist die seit 
1908 angenommene rein lt. In dem angehängten Alphabet weicht sie in 
einigen Punkten zugunsten der von den ital. Albanern befolgten ab (*stepie 
— shtepie). 



Norbert Jokl, VII. Albanisch. 91 

79. Leotti, A., Grammatica elementare della lingua albanese 
(dialetto toseo). Metodo Gaspey- Otto -Sauer. Heidelberg, 
Groos. 1915. VIII u. 216 S. 8°. 3 Mk. 

Inhalt: Pronunzia (1-8). Lektion 1—50 (S. 9-188). Esercizi Gene- 
rali di tracluzione (188—193): ital.-alb. : ein Stück aus de Amicis, Cuore, 
alb.-ital. ein Stück aus K'irias Kristoma#j, ferner Briefstilmu.ster, Schluß- 
formeln f. Briefe, Höflichkeits wen düngen. Alb.-ital. "Wörterverzeichnis 
(194-208). Ital.-alb. Wörterverzeichnis (209-216). — Methodisch wie die 
übrigen Bände dieser erprobten Sammlung. In der Wahl des Alphabets 
folgt der Verf. Weigands Grammatik. 

Das Werk ist wohl nicht identisch mit einer von Jarnik (Casop. pro 
mod. Ml. 6, 282) erwähnten Schrift desselben Verf.: L'Albanese parlato. 
Diese letztere Schrift konnte Ref. nicht erhalten. 

80. Maidhof, A., Rückwanderer aus den islamitischen Sprachen 
im Neugr. Glotta 10 (1919) 1—22. 

S. 11 : alb. karat (zus, mit gr. xagäzi, it. carat usw.) aus osm.-ar. Icerat, 
vlg. karat Gewicht eines Johannisbrotkernes = Karat. Das osm.-ar. Wort 
aus mgr. xEQau(ov). 

S. 20: alb. tsotrs (ebenso osm. tsotrs, ugr. xoöxqo.) mit Puscarm, Et.Wb. 
d. rum. Spr. 33 aus rum. ciüturä (lt. *cytola). 

81. Meillet, A., La langue albanaise. Revue hebdomadaire 
Jahrg. 24 = 1915, Bd. 8, 7 aoüt (= Nr. 32) S. 5—12. 

Kurze Darstellung der Eigenart und der Beeinflussungen des Alb. 
Zur nördlichen Gruppe der idg. Sprachen gehörig, jedoch innerhalb dieser 
völlig selbständig; keine Spur aus dem Altertum. Die Literatursprache 
entstand erst in neuester Zeit; hauptsächlich durch den Einfluß von Mis- 
sionären, ihre Bedeutung mäßig. Der hervorstechendste Zug in der Sprach- 
geschichte des alb. besteht darin, daß es, ohne jemals einen bemerkens- 
werten Einfluß auf andere Sprachen ausgeübt zu haben , in reichlichster 
Weise aus der Nachbarschaft entlehnte; in dieser Hinsicht Ähnlichkeit 
mit dem Bask. Kein agr. Einfluß, wie das agr. überhaupt nicht auf 
nördlich vom eigenen Gebiete verbreitete Sprachen wirkte, große Menge 
und hohe Altertüralichkeit der lt. Elemente. Bedeutung der it. und ngr., 
geringer — entsprechend dem geringeren Ansehen der sl. Zivilisation — 
die der sl. Starke Anähnlichung sämtlicher Lehnwörter, da diese Ent- 
lehnungen der gesprochenen Sprache entstammen und durch Schrift- 
unkundige herübergenommen wurden. So ist die alb. Sprache ein Spiegel- 
bild der alb. Nation, die niemals etwas tat, um zur nationalen Einheit zu 
gelangen, auf ihre Nachbarn zu wirken, die aber ihr Sonderleben führte 
und führt. Ein alb. Staat ist daher eine künstliche Schöpfung. [Über- 
sehen ist in diesen Ausführungen der nicht unwesentliche Einfluß des 
alb. auf das rum. (vgl. Densusianu, Hist.de la langue roum. I, 349 — 357, 
insbes. S. 352: „Les mots alb. . . . constituent une partie importante du 
lexique roumain.") Der Ref.] 

82. Reimer, E., Die Märchen vom Jüngsten (Albanische Zauber- 
märchen). Belgrader Nachrichten 1918 Nr. 55, 56, 57 (24., 
26., 27. Februar, Feuilleton). 

Deutsche Wiedergabe eines in Zalosne im Tomorica-Tale von einem 
wandernden alb. Derwisch erzählten Märchenkreises von dem Keros („dem 



92 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Grindkopf "), dem jüngsten und schwächsten von vielen Brüdern in fol- 
genden Abschnitten: I. Der K'eros, die Striga und die Tgins. II. Der 
K'eros und die zwölf köpfige Schlange. III. Der K'eros und die Kul'sedra. 
IV. Der K'eros als Diener der Kulsedra. V. Der K'eros und die Seele der 
KulBedra. VI. Der K'eros und der Eber. VII. Des K'eros Heimkehr. — 
Der zugrunde gelegte alb. Text ist tosk., wie auch einige eingestreute 
Sprachproben zeigen. Enthält zahlreiche Züge aus dem alb. Volksglauben. 

83. Skok, P., Einige Worterklärungen II. Arch. f. sl. Phil. 37 
(1918) 81—92. 

S. 83, 84. rum. codru 1) drum. Berg, Wald, Busch, Urwald, aroin., 
istrorum. bewaldeter Berg, olyrnpowlach. codru mare großer Berg, 2) arom., 
nieglen. Marktplatz, 3) drom. codru de päne Stück Brot stammt aus lt. 
quadrum mit vlglt. Übergang von «-' zu-o-' nach qu. vgl. Cuspio Rufino 
et Statio Codrato cos CJL. III. 12495 (Tomi), Quadratus CIL. III, 14 (Ale- 
xandrea). Die Bedeutuiigsentwicklung von quadrum Teil, „Stück" zu 
„Wald, Gebüsch, Urwald" erfolgte unter Einfluß von sl. deh (decalque 
linguistique). [Wiewohl der Verf. alb. Tcodrs in diesem Zusammenhange 
nicht ausdrücklich nennt, sind seine Ausführungen auch für dieses Wort 
von Belang, vgl. Pedersen, KZ. 40, 212—213. Der Ref.] 

S. 87, Anm. 2, Die Ausdrücke für „vermählen" sind in den Balkan- 
sprachen identisch; sie bedeuten „bekränzen": skr. vjencati, rum. cununa, 
ngr. oretpavcbvco, alb. hunurzoj [Trauungszeremonie der gr. Kirche („Krö- 
nung"), die ihrerseits wieder den im röm. Reiche im 2. bis 3. Jh. n. Chr. 
herrschenden Trauungsbräuchen entnommen ist. Vgl. Schiele, Die Relig. 
i. Gesch. u. Gegw. 5, 1322. Der Ref.]. 

84. — Studien aus der illyrischen Toponomastik (Serbokroat. m. 
lat. Lett.). Glasnik zemaljsk. muzeja u Bosni i. Herceg. 29 
(1917) 117—144; 31 (1919) 151 — 160. 

Bd. 29. In folgenden 4, für das Gebiet der alten Provinz Dal- 
matien überlieferten illyr. Bezeichnungen ist ein i-Suff. unmittelbar an 
konsonantischen Stammausgang getreten: 1) mit., it. Narenta (Fluß), 
Narentum Stadt, skr. Neretva. 'Agsvra (Const. Porphyrogen.): Naro, -onis, 
6 Nägtov atora/ios. Narona (Stadt), skr. Norm (Bach). Der Flußname 
Narenta, Neretva bedeutet den „Naronischen Fluß" (: Stadt Narona). 
2) KovqUzo. (Ptolem. 2, 16, 8), Name der heutigen Insel Veglia, skr. KrJc, 
Curicta (Peuting.), Curritanae (sc. insulae, Cassiodor. var. VII, 16), Coricta 
(Caesar, bell, civ.) : Kovqihov (Ptolem. 2, 16, 13) Stadt auf dieser Insel, 
Curricus (Raven. 409, 3). Cnrrictae Name der Bewohner bei Plinius und 
auf Inschriften. 3) Jadcrtini bei Hirtius, CIL. III, 2919, 'Iadaozivoi bei den 
Griechen, Jadestinus in mittelalterlichen Urkunden : Jader (Lucanus, 
Mela, Plinius, Ptolem., itiner. Anton.), Jadestini gegenüber Jader (oder 
Jadera? Frage des Auslauts nicht zu entscheiden) erweist Rhotazismus. 
Ob dieser dem illyr. oder dem lt. zuzuschreiben ist, bleibt unentschieden. 
4) Apsyrtos (Strabo II, 124, VII, 315, Scymn. 373, Apoll. Rh. I, 24f., Orph. 
Arg. 1035, Steph. Byz.), Absorthcm (Plinius III, 21, 140 [insula cum oppido]) 
: Apsoros (itin. Anton.)., Apsaras (Geogr. Rav.), "Ayioggog (Ptolem. 2, 16, 3), 
"Ayxogog (Steph. Byz.), "Oyaga (Const. Porphyrog.), skr. Osor, it. Ossero. 

Das gleiche <-Suff. tritt an vokalischen Stammauslaut in vielen illyr. 
Ethuika : Asseriates — Asseria, heute Medvide), Docleates — Doclea, Sar- 
diätes, Sardeates — *Sardia, Flanates (Plin.) — Fhmona. In den Ethnica 
Daesitiates, Docleates usw. ist der illyr. Auslaut nach dem Typus der lt. 



Norbert Jokl, VTI. Albanisch. 93 

Ethnica auf -as, -atis (Arpinas) latinisiert. Da Delmatae neben Delminium 
steht, dieses zu alb. del'ms Schaf, pl. del'msr gehört, im Ausgang zu Olci- 
nium (: alb. uVk Wolf) stimmt, so ergibt sich, daß Delminium, Olcinium 
irgendeine kollekt. Bedeutung hatte. — Heutiger Reflex von Delminium 
(mit e) : skr. Duma, Dlbmna (Urk. d. 14. Jh.), Reflex von Dalmatia (mit a) 
skr. Glamoc, älter (urkundl.) Diamoe (Stadt- und Landschaftsname) mit 
Liquidametathese und dem in skr. Dialekten nachweisbaren Wandel dl — gl 
(dlijeto — glijeto). Wiewohl es nicht sicher ist, alb. Wörter mit illyr. 
O.N. zu identifizieren, so sei daran erinnert, daß im alb. £-Suff. sehr häufig 
ist, u. zw. ein solches, das sowohl an konson. wie an vokal. Stammaus- 
laut tritt: afsrte der nahe : afsr nahe, Stoffadj. wie arte golden : ar Gold. 
Diese Vergleichung hat keine größere Bedeutung, da i-Suff. in allen idg. 
Sprachen gewöhnlich ist. Die Vergleichung kann keinerlei Verwandt- 
schaft zwischen illyr. und alb. beweisen. 

Bd. 31. Die geogr. Verbreitung von Ortsnamen über das illyr. Ge- 
biet der Balkenhalbinsel, das Land der Veneter u. der Messaper ist bei 
der Unsicherheit der Vergleichung der alten O.-N. mit der heutigen alb. 
Sprache das einzige sichere Kriterium für die Unterscheidung illyr. O.-N. 
von anderen. Ein weiteres bieten die Suff, entum-, -ona, -ste. Doch ist, 
wie das unten folgende Beispiel von Bulentum lehrt, bei diesem Kriterium 
Vorsicht geboten. Ergänzungen zu Bd. XXIX (Suff, -t in den illyr. O.-N.). 
Skumbi aus Scampinus zeigt Spuren sl. Lautgebuug, allerdings zugleich 
auch alb. {mp — mb; inus — i). Also ist das Flußtal ein Gebiet sowohl 
slav. als alb. Siedlung. Auch Vojusa — 'Acöos zeigt sl. Lautgebung. Für 
Glamoc, das Verf. Bd. XXIX aus Dalmatia abgeleitet hatte, werden paral- 
lele Bezeichnungen auf skr. Boden nachgewiesen: Glamocnica eine „fiumara" 
in der Lika , Dlamozani (= Dlamocani) : alter kroat. Stammesname (Mon. 
hist. Sl. mer. 42, 1), daher Möglichkeit einer Erklärung aus sl, Mitteln ; 
im Ablaut zu dumaca (*dlmaea) aus *dolm-oc, Suff, wie Dragoc, Ljutoc. — 
Ein mittelalterl. Beispiel des Suff, -ona: Stelpona, cf. Stulpini (Plin.). Ovsyt'a 
(Ptol.), Bigi (eig. ein Lokativ, Rav.) entspricht dem heutigen skr. Bug. 
wegen gen. Bga (1495); dies über Bbg aus Big. Ebenso Bisan aus Risini usw. 
Bag erweist 1) vlglt. v zu b (wie altdalm. , rum.) ; 2) Nichtpalatalierung 
des g vor i im dalm. Lat. zur Zeit der Besiedlung durch die Kroaten. — 
Zu Glasn. XXIX, 124 : Jader ist nach dem Ausweis der Übereinstimmung 
des Auslauts mit Bidet, alb. Skodsr die illyr. Form, Jadera ein Latinismus. 
Scutari enthält venez. -a- für alb. -s- (vgl pevara Pfeffer), t wie in Jatara 
neben Jadera. — Ein vorsl. Name ist die erst 1266 belegte Bezeichnung 
der villa des Bischofs von Trau: Neveste. Bulentum bei Malfi (Ragusa) 
ist eigentlich der Name einer Quelle: aqua de Bollento (Belege Jirecek, 
Handelsstr. 8), hat also nichts mit illyr. Namen auf -entum zu tun, son- 
dern kommt von lt. bullire, cf. engad. buoV Quelle). Die insbesondere von 
Schulze, D'Arbois de Jubainville, Norden geübte Heranziehung der Suff, 
bei Entscheidung der Frage nach der Herkunft von O.-N. darf also der 
Vorsicht nicht ermangeln. Pset (Name eines altkroat. Gaues) ist Reflex 
von neoevra (Const. Porphyr.), daher illyr. [Bei Erörterung von Bulentum 
übersieht der Verf., daß auch im alb. mbul'im für Quelle gilt (so in tosk. 
Texten, in den Wörterbüchern allerdings fehlend); daneben auch geg. 
bunon quillt hervor (schon im 17. Jh. belegt), tosk. buron (Assimilation 
l-n:n-n). Das Wort ist im alb. versippt, wie ich an anderer Stelle zeige. 
Einen sicheren Beweis gegen die illyr. Herkunft von Bulentum bietet also 
die Bedeutung „Quelle" nicht. Der Ref.] 



94 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

85. Sommert, E. H , Proben albanischer Dichtkunst. Unter Mit- 
hilfe Professors Dr. G. Pekmezi ins Deutsche übertragen von — . 
Albanische Dichtkunst (Umschlagtitel). Wien, Selbstverlag. 
1919. 75 S. 8°. 

Wohlgelungene Übertragungen alban. Dichtungen. Im letzten Ab- 
schnitt, der Übertragungen alban. Sprüche bringt, wird auch das alban. 
< original geboten. Die Übersetzung der Sprüche ist, da hier der Reim 
angewendet wird, weitaus freier als die der Dichtungen. 

86. Tucholka S. Kratkoje rukovodstvo k albanskomu jazyku 
(Kurzer Leitfaden der albanesischen Sprache). Petersburg, 
„Ekonomija". 1913. 48 S. 8°. 

Kommt trotz verschiedener Versehen fürs Nordgegische in Be- 
tracht. Inhalt: lj Einleitung (1—13). 2) Grammatik (14— 30). 3) Texte 
31-38). 4. Wörterbuch (39-48). (V.) 

87. Wagner, M. L., Südit. kanndkka. Arch. f. d. Stud. d. neueren 
Spr. 137 (1918/19) 226—229. 

Gibt Ergänzungen zu Art. anale cal.-alb. Halskette in Meyers E.W., 
S. 10. Das mundartlich in Italien (sie, neap., abruzz , sard.), ferner in 
den osteurop. Sprachen (türk., poln., russ.) weitverbreitete Wort stammt 
aus einem arab. Wort, dessen Wurzel „ erdrosseln, den Hals zusammen- 
ziehen" bedeutet (Iranaga); es verbreitete sich von Nordafrika u. Malta aus 
mit der Araberherrschaft nach Sizilien und von da nach Süditalien, ver- 
mutlich weil die kannake im Mittelalter als Handelsartikel in Süditalien 
Eingang fanden. Arab. h', im südit. gewöhnlich 7t, kann auch schwinden, 
daher cal.-alb. anak. 

88. Weigand, Gr., Albanesische Grammatik im südgeg. Dialekt. 
Vgl. IJ. 2, 72 Nr. 3. 

Bespr.: H. Geizer, Z. f. rom. Phil. 39 (1917/18) 249-251. 

Wien. Norbert Jokl. 

VIII. Griechisch. 

Allgemeines. 

1. Kretschmer, P., Literaturbericht für das Jahr 1915. Griechisch. 
Glotta 9 (1918) 209-236. 

2. Boisacq, G., La langue grecque ancienne et ses recents 
historiens. Rev. et. grecques 31 (1918) 378 — 388. 

Ursprünglich für die „ Geisteswissenschaften" bestimmter Bericht über 
die Forschung der letzten 30 Jahre. (Schw.) 

3. Laurand, L., Manuel des etudes grecques et latines. Paris, 
Picard. 1917/19. 8°. 

Bemerkungen zu den grammatischen Teilen (fasc. III S. 261 — 378 
grammaire historique grecque, fasc. VI S. 623 —740 grammaire historique 
latine) in der Besprechung von Meillet Bull. Soc. Bing. 21, 216/8., (Schw.) 

4. Meillet, A., Besprechungen von Bechtel, Lexilogus, Bull. 
Soc. Ling. 19, 176/80; Dawkins, Modern Greek, ebd. 20, 57/G2; 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 95 

Boisacq, Dict. Etym., ebd. 20, 159/65; Wackernagel, Sprachl. 
Unters, zu Homer, ebd. 20, 166/68; Slotty, Conj. u. Opt., 
ebd. 20, 168/71; Hauser, Gramm, d. griech. Inschr. Lykiens, 
ebd. 20, 171/73; Debrunner, Griech.Wortbildungslehre, ebd. 
21, 63/68; Kaien, Quaest. Gramm. Graecae, ebd. 21, 211 ff. 
(Schw.) 

5. Festgabe Adolf Kaegi . . . dargebracht (vgl. Abt. II Nr. 8). 

Bespr. : Berl. philol. Wschr. 40 (1920) Sp. 818—821 (H. Meltzer). 

Für die griech. Gramm, kommen flg. Aufsätze in Betracht: Brug- 
m a n n ergänzt seine früheren Ausführungen über äv&gcojtog, indem er 
darin jetzt eine Verschränkung von *anthrophios zu av{a)xQecpco 'Aufzög- 
ling' und eines aus *8q (*vq ävr'jQ und ooxp zusammengesetzten 8qü>^ 'Manns- 
gesicht' sieht. Wackernagel handelt über einige lateinische und grie- 
chische Ableitungen zu den Verwandtschaftswörtern. Zu naxrjg gehören 
in zeitlicher Abfolge gr. Jidxgcog, naxQcoog, jraxgixög ; nach letzterem wird 
in der Kaiserzeit (irjxQixög gebildet. Dagegen fehlt nach indogerman. Recht 
ein *matriios, weil die Mutter kein Eigentum besitzt, ix^xqwog ist von 
(irjTQCosg 'die zur mütterlichen Sippe Gehörigen 1 abgeleitet, /iijxqi] 'Gebär- 
mutter' ist entweder ein Abstraktum oder eine Werkzeugsbezeichnung wie 
yäoTQi) 'Gefäßbauch' zu yaoxijg. Dagegen ist firjxgt]- xlrJQog bei Hesych zu 
metior 'messe' zu stellen. TläxQrj, bei Homer 'Vaterland', ist Äolismus aus 
jiazQca mit Übergang von qi in q(q); hieher gehören auch o'jiaxgog und 
6ßQi/.ionaTQi], wie auch svjiaxEQsia, eine Weiterbildung zu *evjtäxQrj. O. Schul t- 
heß bringt syntaktische Bemerkungen zu den griechischen Inschriften, 
indem er 1) über die Stilisierung eines Volksbeschlusses von Milet für 
Kios handelt, und 2) über idv mit Indik. Fut. in der späteren Koine unter 
Berücksichtigung der Ausdrucksweise auch vorderasiatischer Gräber- 
inschriften. L. Köhler entwickelt eine Art von Psychologie der Entartung 
von Eigennamen in der Septuaginta anläßlich ihrer Übernahme aus dem 
Hebräischen. 

6. Leky, M., Plato als Sprachphilosoph (Würdigung des plato- 
nischen Kratylos). Studien zur Geschichte und Kunst des 
Altertums, hrsg. von E. Drerup, H. Grimme und J. P. Kirsch. 
10. Bd. 3. Heft. Paderborn, Schöningh. 1919. VI u. 88 S. 8°. 

Bespr.: Berl. philol. Wschr. 40 (1920) Sp. 769— 774 von K. Seeliger. 

In der Schrift soll die Bedeutung des Kratylos für Piatons Sprach- 
philosophie dargelegt werden, während von philosophischer Seite — und 
wohl mit mehr Recht — in der Schrift ein metaphysisches Bekenntnis 
Piatons erkannt wird. 

Grammatik, Rhythmus, Metrik, Stilistik. 

7. Hermann, E., Silbischer und unsilbischer Laut gleicher Arti- 
kulation in einer Silbe usw. (vgl. Abt. II Nr. 12). 

H. zeigt, daß griech. j: zuerst als Laut zwischen u und o gesprochen 
wurde. Das beweist er 1. für das Achäische, wo ß im Anlaut mit o und ca 
verschmolzen (lesb. ö'vva BCH. 29, 210) ist. Wenn es vor oi erhalten ge- 
blieben ist, so trägt daran Schuld die Beschaffenheit des o in oi, das viel- 
leicht geschlossener war als sonst o, woraus sich auch der Übergang von 
oi zu ü über ue erklären ließe. 2. spricht hierfür fdi-iog neben 'Oäi-to; 



96 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

auf nichtkretischen Inschriften (Delphi SGDI. 3, 1951 6 u. ö\); 3. Formen wie 
Tirvfog, dfvzdv, af.iefvca.odcu aus Gortyn und Umgebung, in denen £ einen 
Gleitlaut darstellt. Später überwuchert dieser den zweiten Bestandteil 
des Diphthongs, so in ojzofdödv. Ähnliches findet sich auch in anderen 
griechischen Dialekten (ion.-att. dßvzo, vaßwmjyos). In der Folgezeit wurde 
dieser Gleitlaut auch spirantisch (lakon. Evßdkxtjg). Für Homer ergibt 
sich das wichtige Resultat, daß der Dichter der Ilias und Odyssee an- 
lautendes £■ vor Vokal nicht mehr gekannt hat, was die Kürzung der 
langen Vokale und die Elision beweisen, daß es aber in der äolischen 
Dichtersprache ein Halbvokal gewesen sein muß, uud zwar war es ein 
Mittellaut zwischen u und o. Seine Wirkung zeigt sich noch in den 
übernommenen Äolismen. Im Anlaut vor q war f im Ionisch -Attischen 
früher, dann auch in den übrigen Dialekten spirantisch geworden und 
wurde assimiliert; so sQQayi] neben äol. svgdy}); &e6ggt]Tog (Pergamon, 
HofFmann, Griech. Dial. 2 Nr. 148). Ebenso wurde f- im Inlaut hinter 
Konsonanten zum Spirant, so in $sTvog. Über die Fortsetzung des t im 
Griech. ist nur zu sagen, daß es anlautend zum Spiritus asper wurde, in- 
lautend zwischen Vokalen schwand und hinter einem Konsonanten diesen 
mouillierte. Der spätere Gleitlaut zwischen i und Vokal kann Halbvokal 
oder Spirant gewesen sein. Auf Papyris spricht die Schreibung y (Mvy- 
ysiog = Mvtjiog) mehr für die spirantische Aussprache. 

S. Vasmer, M., Izsledovanije v oblasti drevne-greceskoj fonetiki 
(Untersuchung zur altgriechischen Lautlehre). Moskau, Lissner. 
1914. VIII u. 171 S. 8° (= Zapiski istoriko-filologiceskago 
Fakulteta Peterburgskago Universiteta Bd. 121). 

Bespricht zuerst die idg. Laut Verbindungen, die als Quellen für gr. C 
in Betracht kommen. Zusammenstellung von Beispielen für idg. zd : £. 
Wegen aldofiac : got. aistun wird l, = zd nur nach kurzem Vokal ange- 
nommen. Die Verschiedenheit von idg. Anlaut j und i wird gegen Sommer 
verteidigt. Dafür Wird auch das Alb. geltend gemacht. Für das Urgriech. 
wird aus d, gi, j, zd bereits zd angenommen wegen sqöco usw. Fürs Ion.- 
Att. wird f = zd durch die Wiedergabe fremder Laute erwiesen, wo iran. z, j 
bis IV. Jhdt. v. Chr. durch o, iran. zd- durch £ vertreten wird (vgl. tzuqü- 
Seioog für pairidaezct-. Zagdyyai für zaranka-, _ aber 'Ügo/ndC?]? = Ahura- 
maidäh-, 4>aovdßa.tos, Meydßa^og usw. = Farnavazda-, Bagavazda- usw.). 
Später, wo C bereits z lautet, erscheint iran. z, j als gr. f, iran. zd als aö 
{ZaQidojit]g Strabo, MaodcoQavoL Ptolem. u. a.). — Die Ansicht vom fct-Laut- 
wert des durch za- bezeichneten kyprischen Syllabarzeichens wird für 
völlig unbegründet erklärt. Dorisch und Nordwestgriech. wird alter 
Wandel von zd zu dd angenommen. Für eine spirantische Aussprache 
dieses 88 spricht nichts, wohl aber muß anlautend kurzer, inlautend ge- 
dehnter Verschlußlaut dafür angenommen werden, wegen zakonisch 
nd (wie zakon. Samba für odßßaxov), sowie wegen der verschiedentlich be- 
legten Schreibung zz. Im Zentralkretischen ist schon vor Einführung der 
Schrift zd zu dd geworden. Weitgehende Übereinstimmungen zwischen 
Zakonisch und Zentralkretisch. Urgriech. ti, tili, ts wurde hier auch da- 
mals schon zu tt. Als Bezeichnung solcher tt und dd erscheint in ältester 
Zeit £, weil «5 spirantisch war. Später wurde tt zu tth, daher dafür die 
Bezeichnung zd, -dd. Die Lautverhältnisse des Lesbisehen werden mit 
allem Vorbehalt so beurteilt: Urgriech. zd blieb im Lesb. länger als im 
Iou.-Att. erhalten, vielleicht bis zur Koine. Zuerst wurde es durch C, 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 



97 



später nach dem IV. Jh. v. Chr. durch 08 bezeichnet. Lesb. 3 -f* i + Vok. 
ergab dz -f- Vok., was durch £ wiedergegeben werden mußte, seit für 
urgriech. zd die Schreibung 08 aufkam. Auf dem Wege gelehrter Ent- 
lehnung verbreiteten sich lesbische Formen mit Ca- für 81a- auf außer- 
lesbischem Boden und erhielten dort nach der Schreibung die Aus- 
sprache sda-. — Bespr. : J. Endzelin, Zürn. Min. Nar. Prosv. 1915 Ok- 
tober S. 413— 422. — A. Meillet, Bull. Soc. Ling. 20 (1916) 52—55. — 
A. Voldemar, Zürn. Min. Nar. Prosv. 1915 Dezember S. 491—520 (letzterer 
stellt den Lautwert f = zd überhaupt in Abrede). (Schw.) 

9. Krause, W., Zur Aussprache des d im Gortynischen. KZ. 49 
(1919) 121—126. 

Das Endergebnis der komplizierten Erörterungen stellt sich in fol- 
gender Tabelle dar. 

Gortynische Bezeichnung und Aussprache. 



Ion. Bezeichn. 


1. Periode 


2. Periode 


3. Periode 


& 

8 
od 

(0) (aus U, ki etc.) 

'Q 


#=t c 

8 = ä 

od = *st' 
£ = *z 


8 = d 

M = tt c 

TT = f> 

88 = *z 


# = p 

8 = d 

M u. zd = tp 

m = p 

ZZ=*1 



Der wesentliche Unterschied gegenüber Brause (Lautlehre der kreti- 
schen Dialekte. Halle 1909) besteht in dem Ansatz p für das d der dritten 
Periode, während Brause auch da noch an t° festhält. 

10. Meillet, A.. Sur une exeeption au traitement labial des labio- 
velaires en grec. MSL. 21 (1918) 86—90. 

Dahin gehören einmal die Geminaten: -kk v - erscheint als -Ich- und 
-jyp- : ixxog imtog, oxxov onnaxa, yXvxxa jie).ekxov Xaxxog, im Anlaut nur 
der Labial (ndaaoodat). Der Übergang in Dental vor e ist älter als der 
Übergang in Labial in anderer Stellung, wenn auch nicht in allen Dia- 
lekten in gleicher Weise bedingt (äol. im Anlaut tts-, ion.-att. zs-). ).Eina> 
leinst? ist nicht ausgeglichen aus Xsinco *ksizeig, sondern Xsineig setzt 
*kik v eis fort, das nach *leik v ö an Stelle von *leik'eis trat. Thessal. y.i? 
spricht für eine Form' ohne w > die wohl von reo, älter *k'eo (aus *k v e(h)o) 
ausging; sie kommt auch für ion. k- in Betracht, nsoaco (*pek v yo) ist 
umgebildet aus *pek v ö (ai. päcämi usw.), um die beiden Labiale zu ver- 
meiden. (Schw.) 

11. Brugmann. K., Gleichklangvermeidung in der lautgesetz- 
lichen Entwicklung und in der Wortbildung. IF. 38 (1920) 
117—128. 

Der Aufsatz enthält eine Ergänzung zu Br.s Schrift 'Das Wesen der 
lautlichen Dissimilationen' (Leipzig 1909), speziell zu S. 161 ff., wo von 
jener Art von Dissimilation gehandelt wird, bei der lautliche und for- 
mantische Neuerungen von vornherein unterlassen wurden , um einen 
Gleichklang zu meiden. Gegenüber Niedermann, Berl. philol. Wschr. 1911 
Sp. 1039) bleibt Br. bei seiner Erklärung von zavi<pvX).og, zavioyvQos, indem 
er das ran als Glied des Kompositums wie in xakU-a<pvQo? erklärt, nicht 
durch Dissimilation von v-v zu i-v. Dasselbe müßte auch von (iavicpv)log 
Indogermanisches Jahrbuch. vTJI. 7 



98 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

gelten, wenn es nicht nach dem Vorbild von zaviyvXkog geschaffen wurde. 
Hieher gehören ferner : 1. ion.-att. « vor rj (arfg). 2. y).vxaivco von yXvxvg 
neben ßa&vvoo. 3. xsvsavxseg zu ev%ofiai. 4. Neben der Präsensreduplika- 
tion mit i wie in Stdäoxco erscheint s in eioxco aus *j : iJ-iox<x>. 5. Im homer. 
Dialekt steht änacptoxei, ägägioxs neben änacpeTv, äoagslv, aber äxa%it,(o 
neben äxayüv. 6. Bei Herodot 7, 25 steht neben ßvßXiva Xevxolivov. Gen. 
30, 37 nlazävov neben xaov'i'vip>. 7. Neben ifmifijrXrifti, enni^jiQrn.u liest 
man i/nm'jikrj}ii, i/nniTZQrjini. 

12. Kallenberg. H., Bausteine zu einer historischen Grammatik 
der griechischen Sprache. Rhein. Mus. 72 (1917/18) 481 — 518. 

K. gibt einen Überblick über den Gebrauch I. von zov (zov), iw (ra>), 
II. von artet, III. von ozov, ozco, IV. von äzza statt der entsprechenden 
Formen vom Stamme c ziv' von Homer bis zu den Byzantinern herab. 
Bei I treten die kürzeren Formen hinter den längeren immer mehr zurück, 
bis sie im Zeitalter des Hellenismus fast ganz aus der Literatur und aus 
den Inschriften verschwinden. Erst unter Einwirkung des Attizismus 
werden sie wieder häufiger. Bei II ist die Entwicklung eine analoge. 
Häufig gebraucht Plato äzza sowohl adjektivisch als substantivisch. In 
dem substantivischen Gebrauch bei Plato will K. ein Gegenargument 
gegen die seit Ahrens, Formenlehre § 44 übliche Erklärung von äzza aus 
onoläzza sehen und wieder a als prothetischen Vokal erklären. [Schwer- 
lich mit Recht, denn es kommen die substantivierten Formen vor Plato 
so selten vor — äzza sowie zivä — , daß Plato begreiflicherweise das ihm 
geläufige äzza auch als substantivierten Plural anwendet, wozu er in der 
philosophischen Sprache mehr Gelegenheit hatte als die früheren Schrift- 
steller.] Bei III herrschen die kürzeren Formen von Homer an durch- 
wegs vor, auch bei den hellenistischen Autoren. Bei Philo und Lukian 
bringt K., ohne weitere Beweise zu liefern, das Überwiegen der längeren 
Form mit ihrem Semitentum in Beziehung, bei Plutarch führt er dieselbe 
Eigentümlichkeit auf den dorisch - böotischen Einschlag zurück, da auch 
im Dorischen die Formen mit ziv üblich waren. Ebenso behauptet sich 
äzza in der Schriftsprache, während in der Volkssprache äziva [als die 
durchsichtigere Form] verwendet wurde. [Übrigens sind im Neugriech. 
alle in Frage kommenden Formen verdrängt worden.] 

13. Schulze, W., Lückenbüßer. KZ. 48 (1918) 239. 

Wie im Rgveda die Wortgruppe te te vorkommt, so bei Homer 
Od. ö 653 oi ol s'jtovzo. 

14. Ciardi-Dupre, G., eßdo/nijxovza. Riv. indo-greco-italica 1 (1917) 
292 f. 

Aus *septmekont9 über sßd/u-; -o- bzw. -e- sind anaptyktisch. Nach 
sßS{o)/Aog iß8(o)ft. ergab sich zu oydoog ein öySorjxovza ; homer. dydwxovza 
aus dydorjx. und bxzöixovza kontaminiert. (Schw.) 

15. Meillet, A., Gr. xzi£a). MSL. 21 (1918) 91. 

xzi£a> trat an Stelle eines athemat. Präs. (vgl. ai. ks'eti), wie iv-xzi- 
/nevog, xzizög zeigen; vgl. zur Umbildung xale^to, eonvCa) (nach eionvoa), 
xo/xiCa). (Schw.) 

16. Güntert, H., Zur Herkunft und Bildung des Italischen Imper- 
fekts (vgl. LI. 7, 5 Nr. 10). 

Bespr. : Berl. phil. Wschrift 38 (1918) Sp. 798—801 (Karl Fr.W. Schmidt). 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 99 

Für die griechische Formenbildung kommt in Betracht die Erklärung 
der schwachen Passivaoriste, in denen G. ursprünglich alte mediale, intran- 
sitive Wurzelaoriste wie i'doro, eftezo sieht, die mit dem Aorist (k'){hjv von 
Ti&rj/Ai zusammengesetzt wurden. 

17. Kretschmer, P., Der griechische Imperativus Aoristi Activi 
auf -oov. Glotta 10 (1919) 112 — 122. 

Die bisher unerklärte Form der 2. Person Imper. Aor. activi auf -oov 
wird mit Hilfe der dem attischen Drama eigentümlichen Wendung olo& 
ö Sgdoov (Eur, Hek. 225 u. ö.) als eine Art Gerundivum gedeutet (scisne, 
quid faciendum est), das sich durch sein sigmatisches Suffix an den 
s-Aorist anschloß. Die Form ist aus einer tiefstufigen Form von -ziog ab- 
zuleiten; *jioirjTj : ov zu jtoirjTsov wie skr. kartvam neben Infin. kärtave. Der 
Übergang von der Gerundivbedeutung zur imperativischen hat besonders 
im Sanskrit Parallelen. Gestützt wird ferner diese Erklärung durch das 
Fehlen des /nr'j beim Imper. Aoristi und durch die Beobachtung von Kieckers 
IF. 24 (1909) 10 ff., daß in Bitten an Götter der Imper. Aor. bevorzugt 
wird, indem die gerundivische Wendung als die ehrerbietigere erschien. 

18. Thurneysen, R., Zum idg. und griech. Futur. IF. 38 (1920) 
143—148. 

Th. zeigt unter Heranziehung des Altirischen, daß es im Ost- und 
Westindogermanischen eine Desiderativ-Futur-Bildung mit i-Reduplikation 
und Suffix sejo gab, daneben im Ostindogermanischen eine unreduplizierte 
Bildung mit sie'o, im Westindogermanischen eine ebensolche mit sejo-, die 
im Griechischen die einzige geworden ist. Es scheint Th. hiemit also 
die alte Streitfrage, ob das griechische Futur eine Desiderativbildung 
oder ein Konjunktiv des Aorists sei, zuungunsten des letzteren entschieden. 
Die 3 griech. Futura Ufo^cu, xa&ioco, oge^co haben eine genaue Entspre- 
chung in den irischen Futurstämmen less-, sess- und -ress-. Die häufige 
mediale Flexion des griechischen Futurums sieht Th. als eine speziell 
griechische Entwicklung au, die von einzelnen Verben ausgegangen ist. 
Als solches Muster diente vor allem homer. ßsio/nat, ßso/.mi; in dem Homer. 
Hymn. 2, 350 zu ßtöftso&a umgestaltet. Nach diesem konnte sich dann 
■&avovf.iai richten, ferner k'oofiai. Anläßlich der Erwähnung des Verbums 
'leben' setzt Th. als Wurzel, aus der kßiwv, £cb(o gebildet ist, g^iöfa), 
g%iö(u) anstatt g~ie{u)- ("Hirt, Ablaut 112 u. ö), da das att. C«, Zfjg aus 
£w, *£cpg umgebildet ist nach vcö, vfjg 'spinne'. 

19. Bartholomae, Chr., Zur Etymologie und Wortbildung der 
idg. Sprachen (vgl. Abt. 2 Nr. 28). 

I. Zur Infinitivbildung im Arischen und Griechischen. B. führt aus 
dem Iranischen den Infinitivausgang -snai in die griechische Grammatik 
ein, durch den sich die Infinitive cpvvm (nach Hirt Hdb. 2 601 *bhumnai), 
fteivai, orfjvai (dieses könnte nicht wie dslvat aus *^sf£vat aus ozaßsrai 
abgeleitet werden) einheitlich erklären lassen. Für einen Ausgang 
*senai gibt es keinen Anhalt. Die Infinitivendung -fevai schreibt er nur 
den Perfektinfinitiven zu; — sidsvaij gehört zu g a w vidvanoi wie slScög 
zu vidvä; ebenso ösöievai, Sedativen; analogisch slxsvai; von nicht perfek- 
tischen Infinitiven stellt B. hieher ipaevai bei Hesych, Isvm und kypr. 
dofsvai. Dagegen erklärt er das ß in kypr. duvanoi nur als Übergangs- 
laut; arkad. drd&sav zu kypr. Jcatethijan wie ark. äjrvdöag zu kypr. duvanoi 
mit geschlossener Aussprache des e und o und Einschiebung von j und v, 
erkennt also im Griech. keinen Stamm *dov- an. 

7* 



100 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

20. Hartmann, F., Aorist und Imperfekt. KZ. 48 (1917) 1—47; 
49 (1919) 1 — 73. Derselbe, Aorist und Imperfektum im 
Griechischen. Neue Jahrbb. 22 (1919) 316—339. 

H. gibt in dem ersten Aufsatz einen weit über den Rahmen des 
Griechischen hinausgehenden Überblick über den Tempusgebrauch und 
die Aktionsarten im Indogermanischen, deren wesentlichen Inhalt er in 
dem zweiten Artikel zusammenfaßt. Nach der Behandlung des Problems, 
dessen Hauptschwierigkeit in der Unterscheidung der aoristischen und der 
imperfekti sehen Handlung besteht, und nach der Erörterung über die ver- 
schiedenen Lösungsversuche, die sowohl von Philologen als auch von 
Sprachforschern unternommen wurden, schlägt er einen neuen Weg ein. 
indem er die Aktionsbedeutung im Griech. durch den Vergleich mit 
anderen Sprachen, speziell mit dem Russischen und Französischen, fest- 
zustellen sucht. c Da»ach ergibt sich aus der Vergleichung für das 
Griechische, daß das Imperfektum neben der bekannten Bedeutung der 
dauernden und der wiederholten Handlung die besondere Eigentümlich- 
keit besitzt, einerseits den Eintritt der Handlung zu bezeichnen (fyevyov 
„ich ergriff die Flucht", dagegen scpvysv „er entkam"), andererseits bei 
der Wiederholung entweder mehrere abgeschlossene Einzelhandlungen 
zusammenzufassen (ßdirov neben ßijr Homer A 437 ix 8k xal avroi ßairov 
sjii QyyftTvi fta?.äooi]g, ix d' ixarö/j,ßt]v ßfjoav exrjßöhw Anöllcovi) oder auch 
in stilistisc hem Wechsel mit dem Aorist die einzelne abgeschlossene 
Handlung unter mehreren gleichartigen auszudrücken (B 106f. in der Ge- 
schichte des Szepters 'Argsvg 8e ■&vrjoxcov eIijtev jroXvagvi Qveoxi), avtag q 
avre Qvkox' 'Aya/uspron leine (pooijvcu — ). Während das ingressive Imper- 
fektum vo m Aorist in der Bedeutung deutlich geschieden bleibt, steht das 
iterative ihm so nahe, daß der Unterschied oft kaum noch wahrnehmbar 
ist.' Betreffs des Aorists erkennt H. im Gegensatz zur landläufigen Auf- 
fassung nicht die punktuelle Aktionsart als das Wesentliche, sondern 
sieht als Bedeutung des Aorists die Handlung in ihrer Totalität an, der 
gegenüber das Imperfektum den Beginn, die Dauer, die Wiederholung 
bezeichnen kann. Der sogenannte ingressive Aorist bezeichnet den Ab- 
schluß der ingressiven Handlung (ivöasi 'eine Krankheit drohte sich bei 
ihm zu entwickeln'; ivöotjos 'er erkrankte wirklich'). Imperfecta mit 
punktueller Bedeutung sind nach H. trotz Thumb (Br.-Th.* 558) nicht an- 
zusetzen (etpijv, svEÖfitjv, iztjv sind imperfektisch zu erklären). 

21. Hermann, E., Zur Aktionsart im negierten Satz bei Homer. 
Glotta 10 (1919) 129—136. 

H. sucht eine neue Erklärung für das auffällige ovx s'jtEf&ov, das seit 
Homer in der griech. Literatur auftritt, wo wir den Aorist erwarten 
würden (vgl. Brugmann-Thumb, Gr. Gr. 4 558). Er stellt diesen Sprach- 
gebrauch nämlich in Parallele mit der Bevorzugung der imperfektivischen 
Aktionsart in negativen Sätzen in den slavischen Sprachen und mit der 
Verwendung des imperfektiven Präsens beim Verbot im Armenischen. In 
beiden Fällen ist das Imperfektivum aus der Ablehnung wiederholter 
Handlungen zu verstehen. Ebenso ist es bei ovx easr&ov; so >; 258 all' 
sfiöv ov siote T&vfiöv ivi oTTjÜEciotv Ejtsi&sv 'immer wieder vermochte ihn 
Kalypso nicht zu überreden'; «500, P33; auch in den positiven Wen- 
dungen läßt sich noch die Wiederholung herausfühlen; 77842 äg nov as 
noooEifi], ool 8k <pQsvas ätpgovt tzeT-üe. 'So sprach er zu dir und überredete 
so mit einem Wort nach dem andern dein törichtes Herz.' Ahnlich ver- 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 101 

hält es sich bei ov )J)yco A 319 ov <5' 'Ayaiiei^ivcov lijy egidos 'hörte und 
hörte nicht auf. Allmählich konnte aber das Gefühl für die Wieder- 
holung zurücktreten und das Imperfektum mit der Negation an sich ver- 
bunden werden, wie eben im Slavischen, während im Griech. diese Aus- 
drucksweise nur bei einzelner. Verben wie ovx i'iiei&ov, ovx ididovv üblich 
geworden ist, obgleich in besonderen Fällen auch bei diesen Verb e n das 
Gefühl für die Aktionsart lebendig geblieben ist; Plut. Demosthenes 29 
ol'ze vjio%Qit>6f.iev6g fie eneioas acönoze ovze vvv xeloeis §7zayye?J.6/iievos . 

22. Mc Kenzie, R., An unnoticed „suppletive" Verb. Class. Quar- 
terly 12 (1918) 57 — 58. 

„The true Present belonging to e^tjP.&ov, eseh)lv&a, etc., is (bei xoivrj 
Schriftstellern) not e^eQ/o/.tat, but exjzooevofiai (as cpegco in the Present 
belonging to ol'oco, etc.)." (K.) 

23. Radermacher, L., Sprachliches und Kritisches. Wiener Studien 
40 (1918) 168—169. 

In spätgriechischen Texten wird ov xqözsqov — et /.uj wie naiv ge- 
braucht, wobei im Nebensatz der Konjunktiv steht ; so im Traum buch 
des Artemidor (Hercher I 76 S. 68, 15; II 20 S. 114, 14 u. ö.). Umgekehrt 
ersetzt der Psalmenkommentar (herausgeg. von Jagic S. 268) jtqozsqov 
durch tzQiv. 

24. — Sprachliches aus Aeschylus u. a. Wiener Studien 40 

(1918) 79—80. 

In einzelnen Fällen wie Aesch. Eum. 114 (uxovoa&\ cos eleg'a zfjs efifjs 
TisQt | ipvxijs), Theokr. 22, 30, Soph. Öd. Kol. 126 muß man von einer Inver- 
sion der Präposition reden, nicht von Zwischenstellung, und sollte das 
regelmäßig durch den Akzent zum Ausdruck brin gen. Hiketiden 617 
druckt Wilamowitz eis omv getrennt. R. weist dasselbe für xax" 1 omv in 
der Historia Lausiaca LVI (S. 149, 21 Butler) nach und gibt zu bedenken, 
ob man nicht immer an xaz omv, ,«£r' 6'jziv festhalten sollte. Ebenso 
macht sich in gewissen adverbialen Ausdrücken noch die substantivische 
Natur fühlbar; so in eis fiäztjv (im Psalmenkommentar von Jagic S. 183 
ris /mzrjv — eis dol-av), in ävnjv (bei Bakchylides eis ävzav). So wäre auch 
e£ aicpvrjs zu trennen. 

25. Lattmann, H., Negation, Indefinitum, Intensivuni und gr. juij. 
KZ. 49 (1919) 92-111. 

L. will einen uralten Zusammenhang zwischen Negation, Indefinitum 
und Intensivum nachweisen, für den ihm das Griech. folg. Beispiele liefert. 
1. in der Vorsilbe d, die er, abgesehen vou dem kopulativen d, in ein 
privatives und in ein intensives scheidet (azevrjs 'ganz hart'); mit dem av 
statt a stellt er die Moduspartikel av zusammen, die vielleicht mit ävd 
'aufwärts' identisch ist. Daraus könnte sich die intensive Bedeutung er- 
klären. II. in vr\, negativ in vqmog, vtjjzotvos, bekräftigend in v/j Aia. vai 
ist eine eigenartige Steigerung. 3. in >), das in Fragen den Frageton an- 
deutet, wie lat. ne, ferner als Versicherungspartikel vorkommt und mit 
anderer Betonung ij in Doppelfragen und auch sonst 'oder' bedeutet. 4. in 
(irj, dem nicht nur eine negative, sondern auch indefinite Bedeutung zu- 
gesprochen wird. Diese zeigt sich in den ,u>;-Sätzen nach den Verben des 
Fürchtens, denen L. ebenso wie den lat. we-Sätzen den prohibitiven Cha- 
rakter abspricht, und beim fragenden /«}. Eine intensive Bedeutung ge- 



102 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

winnt L. /.u) ab dadurch, daß er ihm (ia in ob /xä zov Ala gleichsetzt und 
das a aus dem Elischen erklärt. 

Die Ausführungen L's werden aber beträchtlich eingeschränkt von 

25 a. Hermann, E., Die Bedeutung der Wörtchen ne, *ne, nei 
in den indogerman. Sprachen. Gott. Nachr. 1919, 223 — 228. 

Lehnt gr. a intensivum ab ; ebenso die Vereinigung der Modalpartikel 
av mit n und bestreitet, daß /twj auch in nicht negativer Bedeutung als 
'etwa' vorkomme. Negative und positive Bedeutung ist nur in der Reihe 
ne, ne, nei anzuerkennen, zu der griech. vai gehört. 

26. Smith, J. A., General Relative Clauses in Greek. Class. Rev. 

31 (1917) 69—71. 

Zu Plat. Rep. X 596 A zieol sxaoza za xo?J.ä, ofg zavzov o'vofia sm<pe- 
qo/usv, wo man dem wahrscheinlicheren Sinne nach Konj. mit av oder 
oiazioi, oooi; erwarten würde. Kann ö'g hier in allgemeiner Bedeutung 

stehen? (Schw.) 

27. Sonnenschein, E. A., The indicative in relative clauses. Class. 
Rev. 32 (1918) 68—69. 

Vf. behandelt die von J. A. Smith, Class. Rev. Bd. 81 angeregte Frage: 
„ Können Kelativsätze mit einfachem og und Indikativ eine allgemeine 
unbestimmte Bedeutung haben?" Die Ausdrücke „definite" und „inde- 
finite antecedent" sind unbrauchbar, bestimmt oder unbestimmt hängt ab 
von der jeweiligen Lage. Es ist bei der Gruppierung der Relativsätze in 
Betracht zu ziehen, ob der Charakter des Antecedents ist r complete u , 
oder „self-contained". (K.) 

28. Mair, A. W., General relative clauses in Greek. Class. Rev. 

32 (1918) 169—170. 

(Vgl. Sonnenschein, the indicative in relative clauses.) Die von 
Smith aufgeworfene Frage wird bejaht; av cum subj. würde Plato Rep. X 
596 A elöog yäg tiov zi er sxaozov sltofiafAEV zföeo&ai Ttsgl sxaoza zä TiohXä, 
ofg zavzov ovo/na zTzupsoofiev sogar ganz unpassend sein. Der Unterschied 
zwischen den beiden Wendungen liegt nicht auf diesem Gebiet, sondern 
besteht in dem zwischen Tatsache und Hypothese. (K.) 

29. Kieckers, E., Zum 'pleonastischen inquit. Glotta 10 (1919) 
200-209. 

Um zu zeigen, daß lat. inquit, wenn es nach einem vorausgeheuden 
verbum dicendi pleonastisch eingeschoben ist, nicht zu einem bloßen 
Scbriftzeichen herabgesunken ist, wie Havers KZ. 45,370 meint, führt K. 
Belege aus anderen Sprachen an und bringt noch Nachträge zu dem ent- 
sprechenden Gebrauch von gr. k'qpi] (vgl. IF. 30, 154 und 36, 56 Anm.); 
besonders aus Plato (Phaedon 60 E, Protag. 347 A — B u. a. m.). 

30. Baehrens, W. A., Vermischte Bemerkungen zur griechischen 
und lateinischen Sprache. Glotta 9 (1918) 168 — 183. 

I. Über Mischkonstruktionen. B., der eine möglichst vollständige 
Behandlung der Frage der Mischkonstruktionen in den klassischen Sprachen 
in Aussicht stellt, untersucht hier einige in Betracht kommende Stellen; 
so Od. 8 507, x 299; ferner Beispiele für l'oog mit dem Genetiv; — n&e av 
mit folgendem Indikativ {nwg av vyiaivsiv dvvazai, bei Philoponos in Aristot. 
Cat.__c. 10 u. ö.); scheinbare Ellipse von y nach sdv (Aelian xeoi Cmoiv 7,8). 
II. Über einige Ellipsen und Verwandtes. So über das Fehlen des Verbums 



P. Wahr mann, VIII. Griechisch. 103 

im Hauptsatz, wenn daselbst ein ov oder xal auf die Ellipse hinweist. 
(So Dio v. Prusa XI 132 01 xs 'AgysToi xaxaXaßövrsg xö jigäyfia xal xov 
Alyio&ov ßaaiXsa dnodsi^avxsg ovx äv (sc. dnedsitgav), el . . . 'Aya/JSftvova 
änixtsive). Über den Gen. Separ. ohne Präp. an einzelnen Stellen bei 
Verben mit ava- (Strabo 316 C u. ö.), und über das entsprechende Fehlen 
eines slg vor dem Akk. (Excerpta Veneta zu Aristot. Phys. VIII 6 y xivv\- 
xixr\ övvafiig . . . fii] xönov ix xönov xb oXov [.isxaqpsQovoa). III. Einiges 
über die dno xotvov - Figur. Bri dieser ist besonders der Einfluß der Ver- 
bindung durch xs — xal wie im Lat. durch et — et, non — sed, ut — ita etc. 
bemerkenswert. Dio v. Prusa de regno IV 136 (I 78, 22 v. Arn.) 6 de <piX6- 
dog~og aysi xs xal atpsXxsi xcöv t)8ovä>v, wo äysi für dndyei steht; Plato Eu- 
thyd. 278 A reo xs eldöxi xal enl xä> fitj. 

31. Härder, Fr., Zu den Mischkonstruktionen. Glotta 10 (1919) 
136—143. 

Abgesehen von lateinischen und deutschen Beispielen für Misch- 
konstruktionen, die sich nur durch die psychologische Betrachtungsweise 
erklären lassen, bringt H. auch einige aus griechischen Tragikern; so 
Eur. Tph. Taur. 3 f. s£ ?}g 'AxQsvg sßXaaxeV 'Axgicog d's jiaTg MsveXaog Aya- 
f.iij.ivcx)v xs' xov 8 J scpvv eyu> . . . 'Atreus' Sohn war — abgesehen von 
Menelaos — Agamemnon', ferner Soph. Antig. 527 u. ö. 

32. Butterworth, G. W., The meaning of QS OION TE. Class. 
Rev. 33 (1919) 15-17. 

Die Worte bilden einen Ausdruck für sich, u. z. mit restriktiver Be- 
deutung, verschieden von &g oiöv t« fidXioxa, z. B. Arist. Polit., s 1313 A 39 
„1 refer to the measures mentioned in an earlier part of this treatise for 
the preservation of tyranny, as far as is possible, viz. the practice of 
cutting off the prominent characters ..." Wo ein Superlativ fehlt, soll 
man sich hüten, ihn zu ergänzen. (K.) 

33. Hermann, E., Die dorische Betonung. IF. 38 S. 143-158. 

H. widerlegt den Grundirrtum bei der Beurteilung der dorischen Be- 
tonung (auch in Thumbs Handbuch der altgriechischen Dialekte 78), daß 
das Dorische im Gegensatz zum Äolischen die Neigung habe, den Akzent 
gegen das Wortende zu verlegen, und sucht die Beispiele, die den Anlaß 
zu dieser Hypothese boten, anders zu erklären. Das Drei- und Zwei- 
silbengesetz gilt im Dorischen wie im Attischen, aber das Doi\ machte das 
rifia- Gesetz nicht mit; daher ai'ysg, yvvaixsg, jixcoxag statt aiysg, yvvatxsg, 
Tixcöxag. Die übrigen Abweichungen sind verschieden zu beurteilen ; teils 
als erhaltene Altertümlichkeiten, so cpoaxrjo — att. (pgdxrjQ folgte (xt]xr\Q, 
dvydxtjg — die Genitive dfiqpoxsgäv ; zialg, wo der Akkusativ jiaTda an 
Stämme wie 'EXXrjvlg erinnert; teils als Analogiebildungen nach anderen 
Casus- bzw. Verbalformen; [so yX.avt, vavg, nach yXavxsg, vdeg (wieder das 
rftia - Gesetz), dyyeXoi, drftocöjzoi, iordaav, scpdoav, Angleichungen, die 'auch 
neugriechisch sind. In einzelnen Fällen tritt übrigens der Akzent weiter 
vom Wortende zurück als im Attischen, so bei den Adverbien xdXayg, oöqmg 
neben xaXcög, ooyo'ig; <&dX}]g neben att. ^aXfjg, dor. ßlo%vv neben att. loyyg, 
die nicht eindeutig zu erklären sind. 

34. — Die böotische Betonung. Gott. Nachrichten. 1918. 
S. 273—280. 

Erst durch die Auffindung zweier Korinna- Gedichte, die mit Akzenten 
versehen sind, konnte die böotische Betonung näher untersucht werden, 



104 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

womit der erste Herausgeber v. Wilamowitz, Berl. Klassiker-Texte V, 2, 42ft. 
den Anfang gemacht hat. H. unterzieht hier seine Ergebnisse einer Nach- 
prüfung und kommt im Gegensatz zu Wilamowitz zu dem Satze, daß eine 
besondere Ähnlichkeit mit der dorischen Betonung nicht vorliegt, sondern 
daß ungefähr die Betonung des Attischen üblich war, die nur durch 
Analogiewirkungen infolge Systemzwangs hie und da verändert erscheint. 
Das ^ua- Gesetz wirkt auch im Böotischen (1, 6 cpovlov, 2,55 <Pvßog). Bei 
1, 19 fiwarj wirkte wohl /uoöoqs; in 2, 114 faSslüv müssen wir den Ausgang 
iä statt ici annehmen; in 2,84 ?.öv[oov] ist wohl die Kürze an alogisch ein- 
geführt. £7iix 2, 11 für k'xeixa könnte sich aus enei -j- xa ergeben (wie 
att. ovxe). Die von Wilamowitz besonders hervorgehobene Stellung des 
Akutes auf dem ersten Vokal eines Diphthongs ist nur scheinbar durch 
Flüchtigkeit des Schreibers hervorgerufen. An anderen Stellen erstreckt 
sich richtig der Akut über beide Vokale. Die eigentümliche Doppel- 
akzentuierung 1,16 xavi'xä vir, 2,48 [cwbzoV avrq erklärt H. aus der alten 
Enklise des zweiten Teils (vgl. oxxi ßoi, xbixs /ne) ; die in 2, 89 däxgov r' 
vergleicht er mit dem überlieferten ocfgä xoe, so daß auch bei der Be- 
handlung trochäischer Wörter vor Enklitika das Böotische nichts Ab- 
weichendes zeigt. Wichtig ist vor allem das Endergebnis für die grie- 
chische Akzentlehre, das hier H. aus seinen beiden einschlägigen Arbeiten 
gewinnt. 

c Das Dreisilben gesetz war schon urgriechisch, das T]/ua- Gesetz er- 
streckte sich aber nur auf die ionisch -attischen und vielleicht auf die 
achäischen Mundarten, umfaßte aber nicht das Dorische. Im Lesbischen 
haben das üreisilben- wie das ^/tcc - Gesetz alle Wörter erfaßt. Im Atti- 
schen vollzog sich ein Kampf mit dem Dreisilbengesetz, der beim Nomen 
zumeist mit dem Siege des alten Akzentes endete. Im Böotischen durch- 
brach die Analogie das ?i,ua- Gesetz. Im Dorischen setzte sie sich wie 
im Mittel- und Neugriechischen über das Dreisilbengesetz hinweg.' 

35. Hermann, E., Urkundliche Bestätigung einer sprachwissen- 
schaftlichen Hypothese. Gott. Nachrichten. 1919. S. 176. 

In den Pindarfragmenten Ox. Pap. 73, 158 131 ist ylcoaoa akzentuiert. 
H. hält das für kein Versehen, sondern für einen Rest der alten Betonung 
des Gen. und Dat., die durch die Nebenform yXäaaa (Etym. Magn., He- 
rondas) vorausgesetzt wird (nach J. Schmidt KZ. 33, 453 y?.cooaa - ylaooäc). 

36. de Groot, A. W., A Handbook of antique Prose — Rhythm. 
I. History of Greek Prose metre. Demosthenes, Plato, Philo, 
Plutarch and others. Bibliography, curves, index. Groningen, 
Wolters (Leipzig, Harrassowitz). 1918. XI u. 229 S. Gr. 8<>. 
12 Mk. 

Bespr.: LCB. 1920. Sp. 211/12. (K. Preisendanz). 

Nach Preisendanz untersucht Groot in dieser Darstellung seines 
eigenen Systems, so daß der Titel eigentlich irreführen könnte, in latei- 
nischer und griechischer Prosa eine gleiche Anzahl von Silben am Satz- 
ende und sucht durch ihren Vergleich zur Feststellung der wirklichen, 
vom Verfasser beabsichtigten Klausel zu gelangen. So findet er gewisse 
metrische Gebilde am Satzende ( ÜUU | — www»=? oder — uul — v-«w^^ oder 

^ |— w^w^O, bei denen es sich zeigte, daß es dem Schriftsteller nicht 

darauf ankam, was der Klausel voranging. Aus der Tatsache, daß beliebige 

Wortverbindungen ( — , ^ oder — ^, oder —\j—, — ) in die clausula 

gebracht wurden, schließt Groot im Gegensatz zu Thumb und Bornecque, 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 105 

daß die Klausel in der Antike nur auf Metrik und nicht auf Typologie 
aufgebaut ist. 

37. de Groot, A. W., Untersuchungen zum byzantinischen Prosa- 
rhythmus (Prokopius von Cäsarea) mit 5 Tabellen. Groningen 
(Holland) Noording. 1918. 32 S. So. 

Bespr. : Berl. phil. Wschr. 38 (1918) Sp. 673—75. 
Für die ältere Zeit sind die Tabellen über den Klauselbefund bei 
Thukydides zu erwähnen. 

38. Fränkel, E., Lyrische Daktylen. Rhein. Mus. 72 (1918) 
161-197 und 321—358. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 39 (1919) Sp. 776— 85 (Schroetter). 

F. unterzieht die vielumstrittene Frage der Daktyloepitriten einer 
neuerlichen Untersuchung in der Weise, daß er zunächst die Natur der 
daktylischen Verse, die durch die neugefundenen Fragmente der lesbiscben 
Dichter eine wertvolle Bereicherung erfahren haben, festzustellen sucht, 
dann die iambisch- daktylischen und endlich die trochäisch - daktylischen 
Lieder behandelt. Das Hauptergebnis des ersten Teils faßt er 189 f. dahin 
zusammen, daß die daktylischen Dimeter nur eine sehr beschränkte Sonder- 
bildung sind, die bei Alk man, vereinzelt bei den Chalkidikern, häufig in 
der jüngeren Tragödie und auch in der Komödie auftreten. Dagegen sind 
die Dimeter den Daktylen der lesbischen Dichter, der reichen Lyrik des 
naxä ba.Hxvl.av sföog, dem kitharodischen Nomos in der Gestalt, die wir 
aus der Nachbildung bei Aeschylos erschließen, den aeschyl eischen Dak- 
tylen und der klassischen Chorlyrik, den Daktylotrochäen, wie wir sie 
aus den Melikern und aus Euripides kennen, fremd. Der Dimeter ist als 
versbildendes Element auch nur da denkbar, wo man es mit fallenden 
Daktylen zu tun hat, während sich nach F. überall steigende neben 
fallenden Reihen nachweisen lassen. Während bei Iamben, Ionikern, 
Choriamben der Dimeter die Einheit bildete, die lebendige Existenz auch 
im Volkslied hatte, ist das daktylische Dimetron erst eine Schöpfung 
einer komplizierten Kunstlyrik. Für Dichter des 5. Jahrh. (S. 346 ff.) 
konnte freilich das normale daktylische Glied wie der Doppelepitrit 
einem ionischen Dimeter gleichwertig sein. 

Gegen diese Ergebnisse Fr.s wendet sich in einer ausführlichen Be- 
sprechung Schroeder, der Hauptvertreter der von Fr. bekämpften Rich- 
tung der griechischen Metrik. 

39. Münscher, K., Metrische Beiträge. Hermes 54 (1919) 1 — 45. 
Für einen großen Teil der griechischen Versmaße ist ein vierhebiges 

Maß mit freien Senkungen als Urquell anzusehen, so auch für das Ithy- 
phallikon, das u. a. von Radermacher, Berl. phil. Wschr. 1917, Sp. 1009—14 
als ein nach jzödeg zu messender Vers hingestellt wird. Dagegen führt M. 
aus, daß das Ithyphallikon ebenso wie der Enhoplier in seinen mannig- 
fachen Abarten ein alter Vierheber ist, verkürzt aus dem Lekythion, das 
selbst wieder durch katalektische Verkürzung aus dem trochäischen aka- 
talektischen Dimetron hervorgegangen war. 

40. Von der Mühll, P., 2.ti%oz /nelovQog (Hesiod, Erga 263). Glotta 
10 (1919) 143—146. 

Wie die sgn. oxt^ot /liei'ovqoi d. h. die Hexameter mit einer kurzen 
Silbe in der Hebung des 6. Fußes durch die Abhandlung von Danielsson 
'Zur metrischen Dehnung im älteren gr. Epos 5 aus dem altgriech. Epos 



106 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

beseitigt wurden, so tilgt M. auch den Hesiodvers xavra yvl.aooöfisvoi, 
ßaadfjeg, l&vvsre ötxag, indem er hierfür liest : t. cp., ßaoiXfjg (Ionismus), 
1&i>vs[te] &e[iioras (mit Schwund 'des ts durch Satzaplologie ; vgl. hierzu 
Wackernagel 1F. 31, 257 f.). 

41. Schubart, W., Ein griechischer Papyrus mit Noten. Mit 
einer Tafel. Sitzungsber. d. Preuß. Akademie d. Wiss. 1918. 
S. 763—68. 

ßespr.: Berl. phil. Wschr. 40 (1920), Sp. 350—353. (0. Schroeder.) 
Auf der Rückseite einer Militärurkunde (v. J. 156 p. Chr. n.) aus der 
Thebais stehen drei Bruchstücke griechischer Verse (Päane) mit über- 
geschriebeneu Singnoten ; dem ersten und zweiten folgen je drei Zeilen 
Instrumentalnoten, wohl für Flötenmusik. Die musikalische Bedeutung 
des Fundes würdigt H. Abert, Archiv für Musikwissenschaft I 1918/19 
S. 313—24. Für die Metrik sind wertvoll den Noten beigegebene Zeichen, 
so Punkte zur Bezeichnung der ägaetg = Senkungen und ein zirkumflex- 
artiges Zeichen, das die Dehnung andeutet. 

42. Thierfelder, A., Metrik. Die Versmaße der griechischen und 
römischen Dichter. Ein musikalisch-metrisches Handbuch für 
Studierende, Kunstbeflissene und höhere Lehranstalten. Leip- 
zig, Breitkopf & Härtel. 1919. 48 S. 8o. 

43. — Paean [mit Faksimile]. Ebenda. 6 S. Fol. 

44. — Tekmessa an der Leiche ihres Gatten Aias. Ebenda. 
5 S. Fol. 

Bespr. : Berl. phil. Wschr. 40 (1920) S. 350. (O. Schroeder.) 
Vor allen drei Schriften wird von Sehr, ausdrücklich gewarnt. 

45. Norden, E., Die antike Kunstprosa vom VI. Jahrhundert 
v. Chr. bis in die Zeit der Renaissance. I 3 1916, II 3 1918. 
Leipzig und Berlin, Teubner. 451—968. 8°. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 40 (1920) Sp. 679— 80 (Poland). 
Wichtige Zusätze, u. a. für die Frage des Judengriechisch, für dessen 
Vorhandensein N. gegenüber Thumb eintritt. 

Wortbildung, Wortgeschichte. 

46. Buck, CD., Studies in Greek. Noun- Formation: Dental 
Terminations I. Cambridge University Press (1918) 50. 8°. (K.) 

47. Sandsjoe, G\, Die Adjektiva auf -ouog. Studien zur griechi- 
schen Stammbildungslehre. Diss. Uppsala, Almquist & Wik- 
sells Boktryckeri-A.-B. 1918. 115 S. 8°. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 39 (1919) Sp. 1-8 (E. Eberhard); Wschr. 
klass. Philol. 36 (1919) Sp. 535-36 (Helbing). 

In der wertvollen Untersuchung, die S. den seit Zachers Abhandlung 
de nominibus Graecis in -cuog, -ata, cuov Halle 1877 viel umstrittenen 
Adjektivbildungen neuerdings widmet, werden zunächst die Adjektiva 
chronologisch geordnet zusammengestellt, dann in dem Hauptteil der 
Arbeit ihre sprachgeschichtliche Stellung erörtert in Gegensatz zu Zacher, 
der die Geschichte der Bildung innerhalb der griechischen Sprache selbst 
zum Gegenstände nahm. S. unterzieht die bisherigen Erklärungsversuche, 



P. Wahrmann. VIII. Griechisch. 107 

von denen der von Brugmann und der von Schulze in erster Linie zu 
nennen sind, einer eingehenden Kritik und legt dann seine eigene Ab- 
leitung dar. Brugmanns Herleitung aus einem Casus der a- Deklination, 
dem Lokativ auf Ta oder dem Instrumentalis auf ö, ist erstens aus laut- 
lichen Gründen nicht haltbar, da die Lautfolge äno nicht dem Vokal- 
kürzungsgesetz unterliegt ebensowenig wie lesb. juiji>vog, sondern sich zu 
a entwickelte, z. B. in jigSog aus tiqüi-io-, einer Parallelbildung zu TtQtav-, 
zweitens aus semasiologiscben Erwägungen, die es unmöglich erscheinen 
lassen, bei den meisten -cuo- Adjektiven lokativischen Ursprung anzu- 
nehmen. Schulze in seiner Geschichte lateinischer Eigennamen S. 435 
leitet sie wie die entsprechenden Verbalbildungen vom Stamme -a mit 
Hilfe des Suffixes ajio her (= äCo/ica: äyiog = rifiaco: ri/xaiog) und sieht 
in ihnen gleichartige Bildungen wie die Adjektiva auf -siog. Aber auch 
diese Deutung scheitert daran, daß ä-iiog nicht zu -aiog, sondern zu -aog 
wurde; — vgl. yäi'og, yiji'og, daraus -yeiog (in sxiyeiog), ftvsia aus *fiväi'a. 
S. selbst erklärt die -aio- Adjektiva als Ableitungen aus der schwachen 
Stammform von femin. Wurzelnomina mit dem io- Suffix, die von drei 
Wörtern ihren Ausgang nahmen, von ßiouog zu ßiä, ai. jyä *gi*eia; von 
ayaTog zu ayi] und von -youog zu yij. Genau entsprechen indische Bil- 
dungen wie sabheya zu sdbhä 'Versammlung, Stamm 5 ; deya zu da 'Geben'. 

48. Mc Kenzie, R., The Greck Adjectives ending in -r/s. Class. 
Quarterly 13 (1919) 141—148. 

Die Adjektive auf -i]g werden gewöhnlich als s-Stämme betrachtet: 
€vysvt)g Gen. evysvovg (svyeve{o)og. Viele aber können auch anders erklärt 
werden. Oft stellen sich neben Adjj. auf -i]g Aor. Pass. auf -fjvcu : Fuvai- 
fiavrjg (Hom.) neben /navi)vai; Tt]Xeq>avrjg (Hörn.) und cpavrjvai usw. (35 Typen). 
Sie sind e-Stämme. Für Wörter auf -ai)g hat Bechtel die Tatsache zum 
Teil erkannt (Vowel Contraction in Homer S. 56). 

Die Beziehung zwischen Adjj. auf -ijg und den korrespondierenden 
Formen des Aor, Pass. veranlaßte eine Anzahl Analogiebildungen: yev- 
dayyekrjg nach äyyskfjvai, welches wiederum eine junge Analogiebildung 
ist. Ebenso xaranlay-qg, exn).ay))g; und die Worte auf -igecpijg (-TQ<x<prjg). 
— Es folgt eine Zusammenstellung des Materials geordnet nach den er- 
wähnten Typen zur kritischen Durchprüfung. — e'ö-Ablaut zeigt vsafa)g 
„newly caught" und dovQiahjg neben dem Adv. svaX&s (= svyeQcög ■&ijqoj- 
fisvog (Hesych) und Pass. Aor. a).ä>vai vgl. {vs-)ah)g : alwvai wie (v-)yirjs : 
ßccövai. — Verlockend ist die Annahme eines e - Stammes für aidrjg , 
1. „unseen", 2. „blind", vgl. mit l.videre; 'Arsvtjg und 1. teuere; 'Afpgadi'jg 
und lit. girde-ti, „to hear" ; neut. ä&egsg (L. Meyer, Etym. I. 163) und lit. 
dere-ti, ,to suit, be fit for, be of use", also a-&sQi)g urspr. „useless". — 
(Ev-)ai$rig = 1. fides. — Zuweilen tritt e auch in andern Verbalformen 
auf: äadijg (Theogn. 296 nach Brunck) neb. ädijoco Fut. zu ävdävca. — Mit 
e/Ö-Ablaut: äjzetftijg u.jrsf&co; ajzsv&ijg u. jiev&o) usw. 

Der Umfang der Jüngern Analogiebildungen auf -i'jg ist viel größer, 
als man gewöhnlich annimmt. Wackernagels Beispiele (K.Z. 29) lassen 
sich noch um viele vom selben Typus vermehren: vsi]xovi]g; äxalvqpijg; 
xvavavyqg; avavörjg; ijzavayxtjg ; noXvnXavr\g usw. — Analogiebildend können 
auch fem. ä-Stämme sein; äayijg zu ayi) „breakage" usw. Im Zweifel kann 
man sein: ai/noQQayrjg zu Qayfjvai oder zu Qayt) und von solchen Fällen 
aus auch Bildungen nach ä- Stämmen wie vei/xovyg, und zwar nicht nur 
im Ion-Att., sondern auch in Dialekten, welche ä- bewahrten. So gewisse 
dorische Namen auf -vlxrjg, besonders Aavtxyg, das man nunmehr be- 



108 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

trachten darf als gebildet von vixa, nachdem dgiygaSrjg als Abi. von 
(/gaSd empfunden wurde. — Eine andere Gruppe von Analogiebildungen 
nach dem Aor. sec. Akt. : dvftoSaxijg (Hom.), w^oSax^g (Aesch.) zu eSaxov 
usw. Es ist dabei auszugehen von Wörtern auf -jiaßr/g zu xe'v&og (Wacker- 
nagel, Verrn. Beitr. S. 16), dessen Entwicklung » D »)a den Zusammenhang 
verdunkelte und dann mit naifeiv in Beziehung gesetzt wurde. — jzqoo- 
ifü))g usw. (5. Jhrh.) vielleicht anal, nach ecpib]-oa, zu der Zeit, da das 
Sprachbewußtsein dxgaz/jg von xgdzog loslöste und in Verbindung mit 
xgazsTv brachte. — Umgekehrt sind auch die Neutra auf -og nicht immer 
alt, sie können sogar aus Adjj. auf -»;? abstrahiert sein: .-td&og kann unter 
dem Einfluß von aivo-na&tjg stehen. Auch zo [id&og ist sicher kein altes 
Wort, sondern gebildet nach ä/.ia&i']g. Andere haben Feminina auf -c6 ver- 
drängt: zo äxog, nach äyeog, äysi', urspr. zu >)yjö. (K.) 

49. Vassalini, I., I temi nominali in id nella lingua greca. Riv. 
indo-greco-italiea 2 (1918) 49—64. 253—262. 

Beginnt mit einer Übersicht der Dentalsuffixe in den idg. Sprachen 
und im Griech. insbesondere. Es folgt eine Klassifikation der Bildungen 
auf -18- in Adiectiva 1. zu o-Stämmen (alyjiaXcozlg), II. auf r/tg, III. auf 
vXlg, IV. ßaai/.ig u. ä., V. in subst. Verwendung (8exez7]gig u. ä.) und Sub- 
stantiva I. Ableitungen anderer Subst. a) fem. zu mak. : dyvgzig, b) mit 
Dira.-Bed. : dyxaUg, c) mit der Bed. der Zugehörigkeit oder Gleichheit : 
alyig u. a., d) ohne Bedeutungsunterschied vom Grundwort, II. Ableitungen 
von Verben a) nomina agentis, b) mit verschiedener Bed. Ausgeschieden 
werden dann die nicht-idg. Wörter (dxaxalUg u. aj, die etymologisch un- 
klaren und die, in denen 8 wurzelhaft ist (xovig u. ä.). Es folgt eine sema- 
siologische Übersicht: Bezeichnungen von Pflanzen, Tieren, Geräten, Klei- 
dern, abstrakten Begriffen, Diminutiva — alles schon bei Homer. Im 
zweiten Teil wird ausführlich über die bisherigen Erklärungsversuche be- 
richtet. Als Ausgangspunkt für die Oxytona auf -18 ergeben sich der 
Verfasserin a) die Wörter mit wurzelhaftem 8, b) die Wörter vom Typus 
*harid (entsprechend ai. Jiarit) ; angezogen werden Stämme auf t und die 
Feminina vom Typus ai. nadih und äevi. Zum Schluß werden die Eigen- 
namen auf -lg kurz betrachtet. Zu einer Reihe von Einzelheiten hat der 
Herausgeber Ribezzo Bemerkungen beigegeben; er läßt auch ein kurzes 
Schlußwort folgen. (Schw.) 

50. WackernageK J., Indoiranisckes. Vgl. Abt. V Nr. 4. 

Die Eigentümlichkeiten der Verbalabstrakta auf -ii-, -tu- treten be- 
sonders im Griech. hervor. Die Ableitungen auf -zvg (das weibliche Ge- 
schlecht und das F sind unklar) bei Homer nur von Simplizien gebildet, 
zusammengesetzt nur mit a(v)- und Präverbien außerhalb Homers; dem- 
entsprechend wird das aus dem Dativ -Infinitiv -zsßai erwachsene -zsov, 
-riog mit Präverbien verbunden, aber nie als Hinterglied zwischen Nominal- 
stämmen erscheinen. Auf diese Ableitung von -riog geht die Eigentüm- 
lichkeit zurück, daß es nie attributiv gebraucht wird. Zweitens sind 
Ableitungen von denominativen Verbalstämmen auf -vus schon Homer ge- 
läufig (z. B. ygaxzvg, ßgcozvg, gvoraxzvg [zu gvozd^siv] ; dqgaozvsg Kalli- 
machos, xaza.~i/.aozvg Herodot 1 V 75, 12). Umgekehrt ist -zig, -oig erstens 
hinter Präverbien unbeschränkt üblich und gerade altertümliche Bildungen 
sichern für -zig die volle Kompositionsfähigkeit (xal.üog'ig). Drittens 
kennt Ableitungen auf -zig, -oig aus denominativen Verbalstämmen die 
homerische Sprache noch nicht; erst später zu Beginn des 5. Jahrh. ist 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 109 

-oig hinter -a, -?/, -m geläufig, wo primäre Nomina ein Muster lieferten 
(nach waoig, izgäaig, htix\r\aig, äloioig Ableitungen wie y.vßigvaoig, ärtficooig, 
ol'xrjoig). Ebenso stehen neben -i'Qsiv Beispiele wie dydvioig, s^arbgo^ödioig . 
Die späte Entstehung dieser sekundären Bildungen erweisen dialektische 
Formen wie dyögaaoig, xsigi^tg, ipäcpi^ig, die ausschließliche Geltung von 
-aig auf ion.-attischem Gebiet, sowie das völlige Fehlen eines dem Aus- 
gang von jcvaxtg, xloug analogen -aazig, -long. Mit diesen beiden Eigen- 
heiten der Verbalabstrakta auf -tu gehen die Nomina agentis auf tr im 
Griech. und im Altindischen zusammen [vgl. Debrunner, Griech. Wort- 
bildungslehre S. 170 fjyrjTWQ — xwrjyhije, ßozrjo — ovßotztjg]. Nebenbei 
weist W. hier darauf hin, daß im Griech. wie im Altind. die Imperativ- 
wendung -dhi hinter der Wurzelsilbe festsitzt; daher findet sich -w&i 
neben vv nur ausnahmsweise, *va&i gar nicht; im sogenannten Passivaorist 
hat sich -&i von Homer (2 198 <pdv))§t) an durchgesetzt. 

51. Burlingame, E. "W., The Compound Negative Prefix an-, a- 
in Greek and Indic. Am. Journ. Phil. 39 (1918) 299-305. 

äva- in äväedvog, dvdeXjtzog, dvdyvcoazog, dvdnvevazog ist eine verdoppelte 
emphatische Negation. Verglichen wird Pali anabhäva „utterly annihila- 
ted" usw. Von den idg. Formen des Negationspräfixes sind nur r\e und n 
im Griechischen vertreten. (K.) 

52. Güntert, H., Kalypso. Vgl. Abt. II Nr. 31. 
Bespr.: BphW. 40 (1920) 249—257 (K. F.W. Schmidt). — 
Methodologisch wichtig. Der Verf. zeigt am Beispiel der Nymphe 

Kalypso, wie der Etymologe nicht nur der von Meringer geforderten 
Kenntnis der Sachen bedarf, sondern sich auch in primitive Denkformen 
und Vorstellungen einfühlen muß, daher alle Nachbarwissenschaften, wie 
Religions- und Rechtswissenschaft, Kulturgeschichte und Ethnologie heran- 
zuziehen hat. Die Nymphe, das 'göttliche Mädchen', das schon Wilamo- 
witz mit Märchengestalten in Beziehung setzt (Ilias und Homer, S. 489), 
ist nur die durch den Dichter veränderte, alte Todesgöttin, wofür sich der 
Beweis aus ihrem Namen erbringen läßt. KoAvipco (: xaXvmsiv) 'Verhüllerin, 
Verbergerin'. xalvitzsiv — zur Wz. kel, occulo usw.; dazu xaXvßt) 'Hülle' 
y.aUa Hülle', ahd. hol Höhle, Loch', Wörter, die aus der Grundbedeutung 
'Erdhöhle' erwachsen sind (vgl. Tac. Germ. 16) — ging auf die ältere Sonder- 
bedeutung 'in die Erde bergen' zurück; diese wurde besonders für die Be- 
stattung angewendet, wie auch noch gr. xolvnzziv und seine Synonyma 
HQvnzeiv und y.ev&siv häufig 'bestatten' bezeichnen oder sonst in Ver- 
bindung mit dem Tode gebraucht werden. Die germ. Todesgöttin Hei 
und die finnisch-ugrische chthonische Todesgottheit Koljo zeigen deutlich 
die wahre Natur der Kalvipo). Todesdämonen sind auch die germ. Huldren, 
'die Verhüllten' — also eigentlich die Leichen der Verstorbenen — und 
z. T. die übrigen elbischen Wesen. Sie berücken durch ihre Schönheit 
den Sterblichen, so daß der Tod als Ehe mit der Todesgöttin gedacht 
ist und diese der Liebesgöttin gleichgesetzt wird. Frau Holle oder Hulda 
teilt daher viele Züge mit Frigg und Freya und so versteht man es auch, 
wie Venus an die Stelle der Frau Holle tritt. Die Tannhäusersage ist 
eine christianisierte Eibengeschichte. 

Eine solche Todesgöttin ist auch Kalypso, die Odysseus dauernd in 
ihrem Reich zurückhalten will, indem sie ihn durch den Eiben- und Ver- 
gessenstrank zu berücken versucht, d. h. hier durch den Genuß der Götter- 
speise, vixzag und dfxßgoala (e 196 ff.). Die Züge der alten Sage sind durch 
den Dichter abgeschwächt: nur die Bezeichnungen Ssivi] &eög (q 225, (i 449), 



110 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Solöecoa (t) 245) weisen auf ihre eigentliche Natur hin ; ebenso die Schil- 
derung Ogygias, das mit Totenpflanzen (Schwarzpappeln, Erlen, Veilchen 
und Eppich) bewachsen ist und dort liegt, o&i o^alög ion &a/.äoor)g a 54, 
also wohl an einem Hadeseingang (wofür oatpaXog häufig). Auch der Name 
Ogygia selbst, in dem wyvyiog, ein nicht leicht zu deutendes Synonym zu 
azvyiog, aivyvög vielleicht vorgriechischen Ursprungs steckt, paßt für ein 
Totenreich. Endlich fügt sich der Aufenthalt bei Kalypso passend in die 
Abenteuer des Odysseus von der Abfahrt von Kirke bis zu seiner Ankunft 
bei den Totenfergen, den Phäaken, ein. Übrigens ist die Vereinigung der 
Liebesgöttin und der Todesgöttin auch sonst den Griechen nicht fremd, 
wie gewisse Beinamen der Aphrodite zeigen. Verwandt ist auch die Atjtco 
Mv/ia (AtjTco zu /.avßärco Wurzel lu, also A. die 'Verbergerin'). Sonst sei 
noch aus der Fülle des Gebotenen hervorgehoben auf S. 141 die Vereini- 
gung des griech. y.i)o, xegätCco, xsoawöc mit dem ai. Todesdämon Saruh 
zur Basis *ker in ai. srnäti 'zerbricht, zerstört'; auf S. 150 1 die Erklärung 
von "Ji8>]s als Gespenstername zu atarr); — saevus; auf S. 161 die neue Ety- 
mologie von vsxzao, das in *vs, idg. ne (Vollstufe der Negation), und *y.rao 
(zu xtF.Qsa 'Beigabe an Tote', xtsqiuo, y.Tsoeg ■ rsxgoi bei Hesych) zerlegt und 
als 'Nichttotsein' erklärt wird ; hieher zieht G. auch den Hermes Siäy.rogog. 
Angeschlossen sind drei größere Beilagen: I. Ein alter Fachausdruck 
der griechischen Aoiden. oT/it) 'Lied, Gesang, Erzählung' nicht zu ai. säman 
'Gesang', aisl. seiär 'Zauber' usw., sondern zu oiuog 'Weg, (.Tang 1 , so daß 
sich die Frage dahin zuspitzt, wie aus der Bedeutung 'Gang, Weg, Bahn, 
Streifen' die von 'Lied' erwachsen konnte. Lautlich gehören olaog und 
otfit] zu "s/icu ai. veti 'dringe an', lat. via, inritus; der Spiritus asper noch 
in cpoolixiov. ouii] bezeichnet die Einzelballade, die bei Homer der Aoide 
vorträgt, den 'Gang oder Streifen', ganz so wie der deutsche Meistersinger 
von einem 'gang' spricht, Schiller in Kabale und Liebe (5. Akt 7. Auftritt) 
von einem Gang auf dem Klavier: ol'iu] ist also ein Fachausdruck der 
Aoiden und Rhapsoden. 

II. Vom Seelenschmetterling. Hier geht G. vielfach über Immisch' 
Abhandlung Sprachliches zum Seelenschmetterling, Glotta 6 (1915) 193ff. 
hinaus. In vexvda/.(/.)og stellt er -8a/.(/.)og zu ai. dalih 'Motte' von der 
Wurzel *del 'spalten, abspalten' und deutet es als Totenwurm. ygva-a/.Xlg, 
zu *aü-vo + cid 'drehen', if/.ay.äxi)- ist das Goldgespinst. Der Volksglaube, 
daß auch Hexen, Kobolde und Krankheitsdämonen in Schmetterlingsgestalt 
erscheinen, spiegelt sich in fjnioXog und >)xiö/.t]g 6 tteqi xov "t.vyvov rrsTÖfisvog 
wider, die zu ecpia/.rrjg, rjxia/.og 'Druckgeist' gehören; i)m'a/.og ist auch 
Fieber. Auch die Bezeichnung der Schmetterlingspuppen als vvfMpij, xöqij 
kommt von ihrer Gleichsetzung mit elbischen Wesen, zu denen auch die 
vvptpai zählten. Gespenstische Wesen sind auch die Zwerge, deren Be- 
zeichnungen ebenfalls mit denen von Insekten zusammenfallen; so in 
pupa 'Puppe' selbst. Damit ist aber die semasiologische Verbindung 
zwischen gr. osocpog 'kleines Insekt, Stechmücke' und 'Zwerg' hergestellt. 

III. Parze und Peri. G. wiederholt hier seine schon KZ. 45, 202* aus- 
gesprochene Ansicht, daß xa'/.kay.i), jialJLaxk von xdD.ag, JidkXr/s zu trennen 
und aus hebr. pilleges "meretrix' hellenisiert worden sei. (Vgl. die ab- 
weichende Ansicht Waldes IF. 39, 85 ff.) 

53. Hermann, E., Sachliches und Sprachliches zur indogerma- 
nischen Großfamilie. Vgl. Abt. III Nr. 8. 

Fürs Griech. kommt in Betracht: 2. özorroiva, dessen ungewöhnliche 
Bildung durch volksetymologische Angliederung von *dfo.Toma an .tövog 



P. Wahrinann, VIII. Griechisch. 111 

erklärt wird; abweichend sieht Zimmermann Wochenschr. f. kl. Phil. 37, 
51 ff. darin die Weiterbildung einer Kurzform *deo7ion wie rögyoivog zu 
rogycot. 9. ya/tßgög und yd/iog. yafißgög gehört zu yd/wg, yaftico 'Hoch- 
zeiter', 'Heiratsverwandter', ist aber von ai. järas aus *gniros zu trennen, 
das den 'Buhlen' bedeutet und zu ßovlo[iai, dor. b^lo^iai zu setzen ist, also 
'der, der Lust hat'. ya/nea>, yapog verknüpft H. mit ysvxo 'erfaßt' zu °gem 
= 'erfassen'; vgl. kypr. vyysfiog' ovkkaßrj. Zalafiivtoi Hesych. ydpog ist 
die 'Handergreifung', die mancipatio. Die Bewegung des Brautvaters ist 
die syyvn, das aus der Hand des Vaters Entlassen Ixbovvai. 10. Die 
Männer zweier Schwestern, die wohl Erbtöchter waren, hießen uehoi bzw. 
diXioi anord. svilar. 11. Des Mannes Schwester hieß yaXocog aus ^ijdzlauös, 
dazu phryg. yeXagog, zu lesen yeXafog bei Hesych ; dabei ist nur an die un- 
verheiratete Schwester zu denken. 12. ix&QÖs, nach Walde aus *eghstros 
(KZ. 34, 485) zu exterus, erklärt sich als exsul; der flüchtige Mörder ist 
der draußen Befindliche, der Landflüchtige, der die Blutrache meiden 
muß. 14. Lat. Manes. Das phrygische ^r\v 'die abgeschiedene Seele' (vgl. 
Kretschmer, Einl. 197, Anm. 4) wird wie manes mit ai. Manu, av. monu, 
got. manna 'Mann, Mensch' verbunden. 

54. Herbig, Gr., Friede. Ansprache, gehalten am 1. Juli 1919 in 
der Aula der Universität Rostock beim Antritt des Jubiläums- 
Rektorats. 

Bespr.: Berl. philol.Wschr. 40 (1920) Sp. 442—444 von W. Krause. 

In dieser sich vielfach mit Brugmanns Abhandlung sigrjvrj (IJ. 5 
Abt. VIII Nr. 26) berührenden Darstellung wird besonders betont, wie- 
die Bezeichnung des Friedens, die sich erst in den einzelnen idg. Sprachen 
entwickelt hat, zugleich die Weltanschauung des Volkes widerspiegelt. 
H. ordnet die Ausdrücke nach dem Ethos, das sie enthalten, in 4 Gruppen: 
1. Passive Ruhe und Schlaffheit; 2. Kalter, nüchterner Rationalismus (lat. 
pax; ebenso auch slgrjvn zu dgagioxco wie bei Brugmann); 3. Sippe, Dorf- 
gemeinde; 4. Freundschaft, Liebe (in Frieden). Der Referent möchte sich 
betreffs des gr. Eigijvr) lieber an E. Hermann anschließen, der DLZ. 1917 
Sp. 485 eigrjvri als ägäisches Lehnwort ansieht, das die einwandernden 
Stämme von den vorgriech. Bewohnern der Balkanhalbinsel übernahmen. 
Vgl. auch Kretschmer Glotta 10, 238 f., der in Elgrjvt] einen Eigennamen 
vermutet, 'Friedensgöttin'; wenn wirklich Verwandtschaft mit si'grj 'Ver- 
sammlung' vorliegt, wäre es ein Epitheton nach Art von äyogata. 

55. Schulze, W., Beiträge zur Wort- und Sittengeschichte. (Vgl. 
Abt. IT Nr. 35.) 

In der Abhandlung, in der gezeigt wird, wie die Ausdrücke für 'er- 
trinken' aus denen des 'Erstickens' hervorgegangen sind (lat. suffocari, roman. 
affogare), kommen für das Griech. in Betracht: 1. die Bemerkungen über 
jiviyeiv, Tzviyeo&ai, Aor. meist dnonvl^ai (Plato Gorg. 471 b), dxoTtviyfjvai 
(Evang. Luk. VIII 33), die ebensogut 'ersticken' wie 'ertränken' bedeuten 
(Plato Gorg. 512 A, Demosth. XXXII 6 u.a.m.; ebenso neugriech. nvi- 
yo/xai; in der delph. Inschrift Coli. 2171 von einem Kinde vielleicht auch 
so zu verstehen, nicht 'erdrosseln'); 2. das bei Tertullian de idol. 24 ge- 
brauchte hypobrychium, das für das griech. Lexikon beansprucht wird 
{vjtoßgv/jog bei Strabo XV 722); 3. der Hinweis auf die Wendung löko 
üavdTco djzo&aveiv 'eines natürlichen Todes sterben' (ältester Beleg Iose- 
phus ant. X 121). 



112 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

II. Hier zeigt S., daß, ebenso wie die »wnus iniectio, die Spurfolge 
('Eg/nfjg Maaxrjoio^ Aesch. Suppl. 920) und Haussuchung als vorhistorische 
Rechtsinstitute der Indogermanen zu betrachten sind, auch der Notruf 
(das 'Gerüchte', y.gavyi), ßoi), ai. krösa) in die ältesten Zeiten zurückgeht 
und daß sich daraus die Bedeutungsgeschichte von ßorjögö^og , ßonßöo; er- 
läutern läßt. Hingewiesen sei auf S. 482 ff., wo über die Spuren der 
manus iniectio gehandelt wird; vgl. die Wendungen aus den delphischen 
Freilassungsurkunden ävsq^amor (dvs.-racpov), scpaxxEoßai, ovXäv- sonst für 
das weitere Vorgehen äystv, ilxsiv, eigvccu (auch von Toten), qvoiov (der 
betroffene Gegenstand); von den Helfern aus der Mitte der xaga(avxi)- 
zvyxävovteg heißt es ngoioxaadat. Diese werden durch den Notruf herbei- 
geholt und müssen helfen, wie man aus germanischen und indischen 
Bräuchen ersehen kann. In griechischen und lateinischen Belegstellen ruft 
der Bedrohte Götter und Menschen an; wenn auch die Stellen zumeist 
literarisch sind (Komödie, Tragödie), spiegelt sich doch in ihnen der alte 
Brauch wider; so im Herakles furens des Eur. 754, im Ödipus Kol. des 
Sophokles u. ö. Für den Helfer ist häufig ßoijdgöfio; (Eur. Orestes 1290) 
und ßonßöog, ßo)]ßeTv (Aesch. Suppl. 612). Mit ßondöog ist vergleichbar 
ai. abhidhavati; nur kann das Präverbium in der Komposition unterdrückt 
sein (vgl. ).co^oövxi]g zu u^o-iy.dsöva&at). 

III. xvg avsiv Od. e 490 und .tl-o sravstr Diph. fr. 62 K. 'Feuer holen 
und F. geben' werden von lat. Junirio getrennt und zu lit. sduja 'Hand- 
voll' gestellt; die Bedeutung 'geben' vereinigt sich mit der gegensätzlichen 
von 'nehmen' wie sl. bera = fero 'nehme ; lat. oscalo, tum fem = o., t. dare. 

56. Casel, O., De philosophorum Graecorum silentio mystico. 
Religionsgeschichtl. Versuche und Vorarbeiten XVI/2. Gießen. 
Töpelmann. 1919. VII 166 S. S°. 8 Mk. 

Bespr.: Lit. Zbl.72 (1921) Sp. 80 von Pr. 

In der Abhandlung über das mystische Schweigen sowohl im eleu- 
sinischen Kult als auch in anderen Geheimkulten und bei den Philosophen 
wird immer auch die Terminologie beachtet; so S. 6 ff. eine Zusammen- 
stellung der Ausdiücke für das verbotene Beden {{Isysiv, äyisiv, stj-nyssodai, 
i'SayogevEiv, itEQEvyEir, iy.<pdrai, E^ogyEiodai u. a. m.) ; S. 21 ff. über die eng- 
verwandten Begriffe OE t urög, äyiog, ootog; dazu osßag, äyog, botöxng; über die 
Ausdrücke der Furcht (ydßog, (pgiy.n, xgö/itog, ßd^ißog, idgcog), des Schweigens 
(oicoxrj, ijavyia, äggyxa, //>) qi.-txeiv) usw. Alle diese Wendungen kehren 
bei den Neuplatonikem wieder, die zuletzt behandelt werden. Ein Index 
vocabuloruin memorabilium ist für den wortgeschichtlich interessierten 
Forscher wertvoll. 

57. Vollgraff. W., 'Isga xal öoia. Mnemosyne 46 (1918) 155. 
In der Redensart rö tsgä y.al xä oata sacra et profana bezeichnet Sota 

euphemistisch das, was ßsß-n/.a ist. So auch Aristoph. Lysistr. 743 w nöxri 1 
Ellsidvi', ixioysg xov xöy.ov, eo)? av sig ooior /t6).o), 'yco ycogior, hiezu der 
Scholiast : dvxi tov sig ßißtjXor. 

58. Blüm ner, H., Fahrendes Volk im Altertum. Sitzungsber. d. 
Bayer. Ak. d. Wiss. 1918 Abh. 6. 

Bespr.: Berl. phil.Wschr. 39 (1919) Sp.727— 29 (Tittel). 

In der kulturhistorisch interessanten Studie sei hingewiesen auf 
Anm. 37 mit der abweichenden Erklärung von y.ovxoniäy.xng als 'der mit 
einer Stange Balancierende' (nicht Tanzende wie in den Lexicis) und 






P. Wahr mann, VIII. Griechisch. 113 

S. 15 Anm. 82, 97 auf xaXoßäxai 'Stelzengeher' von xäla 'Stelzen', während 
Tittel a. a. 0. an der Deutung 'Seilgeher' von xä/.cog festhält. 

59. Herdi, E., Die Herstellung und Verwertung von Käse im 
griechisch-römischen Altertum. Progr. der Thurgauischen 
Kantonschule 1917/18 (gleichzeitig erschienen als Berner 
Diss.). 73 S. 4 °. 

Bespr.: Berl. philol. Wschri't 38 (1918) Sp. 995-97 (0, Keller). 
Nach Kellers Besprechung kommt die Arbeit auch in lexikographi- 
scher Hinsicht in Betracht. (S. 11 zur Etymologie von ßovivgov). 

60. Schroeder, 0., Tvftjuog. Hermes 53 (1918) 324-329. 
Qvdf-iög (von qeco) ist von dem Gewoge des Meeres auf andere Ge- 
biete übertragen worden. Wie auch sonst die ursprünglich ionischen 
Wörter --&(o)[iög keinen gleichmäßig verlaufenden Vorgang bezeichneten, 
so ist auch für gv$/.i6g der Begriff' eines in sich gegliederten und motiv- 
artig sich wiederholenden Gebildes festgestellt. Es ist eher an das Bild 
der auf- und abwogenden Wellen als an ein gleichmäßig zu- und abströ- 
mendes Wasser zu denken. 

61. Novotny, Fr., 'Pv&juög, ein semasiologischer Beitrag. Listy 
filologicke 45 j(1918) 328—332. 

Bespr.: Wschr. klass. Phil. 37 (1920) Sp. 138. 

N. weist die Schroedersche Erklärung [die er nicht richtig verstanden 
zu haben scheint] ab ; nach ihm bedeutet gv&pog das Rinnen, den Wasser- 
weg. Daraus entwickelt sich die Bedeutung 'Bahn', 'Ordnung'. 

62. Plüß, Th., Die Deutung des Wortes Rhythmus nach grie- 
chischer Wortbildung. Wochenschr. f. klass. Phil. 37 (1920) 
Sp. 18— 23. 

Überblick der Ableitungen auf ■9 i (o)fxög und Einteilung in 4 Gruj)pen. 
1. Wörter wie ßa&fiög, so/nög (zu isvai, 'Aussendung eines Bienenschwarms'), 
lad fiög (zu levai), aza&/nög u. a., die dauernd gewordene praktische Ein- 
richtungen bezeichnen ; 2. Wörter wie dsoßög, xXavfyiog (gemeinsame 
und wiederholte Wehklage um Verstorbene), og/j^fiös u. a. , die wieder- 
kehrende Tätigkeiten, die zu Sitten und Gesetzen geworden sind, be- 
zeichnen ; 3. Wörter wie ßXrjxq&fiög, iivx-q&fiög, die Naturlaute von Tieren 
bezeichnen; 4. xvi]&fx6g (Hautjucken), xavdfiög (Brand bei Bäumen), 7i>]8t]ß- 
l-tog (Pulsschlag), sich wiederholende, natürliche Erscheinungen. So be- 
zeichnet auch gv&fiog ein geregeltes, gesichertes Strömen. Metaphorisch 
wird es immer so angewandt, daß eine mit geregeltem Strömen flüssigen 
Stoffs vergleichbare Bewegung gvftfiög genannt wird. Diese Bewegung 
ist entweder wahrnehmbar, hörbar, sichtbar, so beim Gesang oder beim 
Verlauf einer Erzählung, oder sie ist vorgestellt und empfunden au etwas 
Unbewegtem (an einem fertigen Bauwerk). 

63. Kroll, W., 3 Ev rj&ei. Philologus 75 (1918) 68—76. 

In der Rhetorik und Poetik bezeichnet rj&og den Charakter und die 
daraus sich ergebenden Bedeutungen (vgl. Süß, Ethos. Leipzig 1910). Bei 
den Grammatikern, die wir aus der Scholienliteratur kennen, wird ydog 
uud besonders iv ijftsi etwas anders verwendet. Es bedeutet den Aus- 
druck, mit dem etwas gesprochen wird, der einen Charakter oder eine 
Stimmung erkennen läßt. Es kann dabei das Ethos der betr. Stelle aus- 
drücklich angegeben werden, z. B. vßgiazixov tö i)dog zu Soph. Aias 1047. 
Indogermanisches Jahrbuch VIII. g 



114 Bibliographie der Jabre 1918 und 1919. 

Häufiger heißt es ohne Zusatz 'Nachdruck, Betonung'. Der Leser muß 
selbst die Nuance finden, die man in der Übersetzung ausdrücken kann; 
Sopb. Ai. 562 spricht Aias er ij&si 'mit Gefühl'; bisweilen auch 'scherz- 
haft', ferner heißt es 'kurz', besonders oft 'ironisch' (in den Euripides- 
scholien fast gleich sigcoveia vgl. den Index von E. Schwartz). An manchen 
Stellen hat sich die Bedeutung 'Charakter' erhalten oder spielt hinein ; 
dann etwa 'lebenswahr'. Endlich bezeichnet es auch das, was ins Gebiet 
der Moralphilosophie gehört. 
C>4. Stengel, V.^'Evdoqa. Hermes 54 (1919) 208—211. 

Die in den koischen Opferinschriften (Dittenb. Syll. 2 610 f., Prott, 
Fasti gr. 5 p. 19 ff.) erwähnten svdoga werden im Anschluß an Seqtqov = 
ijiijrXovg, 'omentum d. i. eine dünne Haut, das sgn. Netz, das außer den 
fettumhüllten Eingeweiden den Magen und die Milz enthält', und an die 
He9ychglosse Evdgaxa ' rä ivöegö/Lieva avv t-fj xscfaXfj xal xoTg nooi als das in 
das Seqxqov Gelegte erklärt, wobei mau an einen Teil des natürlichen In- 
halts des dsQTQov, vermutlich an die Milz, zu denken hat. 

65. Preisigke, Fr., Die Begriffe nvqyog und areyi] bei der Haus- 
anlage. Hermes 54 (1919) 423—432. 

Im Anschluß an einen hier zuerst veröffentlichten Papyrus der 
Wissenschaftl. Ges. in Straßburg (Nr. 352) erörtert Pr. die Bedeutung von 
jivgyog und axkyr\. üvgyog heißt nicht 'Turm', sondern 'Seitengebäude, 
Seiteuflügel, Hofgebäude', das eine besondere Sicherheit bietet, daher auch 
'Wirtschaftsgebäude auf Gütern'. Von der Bedeutung 'Verwahrraum' läßt 
sich die von nvQyiaxog 'Schränkchen' leicht herleiten (Oxyr. Pap. VI 921, 24, 
.'3. Jahrb. n. Chr.); ähnlich nvgytxqov 'Ärztliches Besteck' (P. Cairo Masp. 
67006 IL, 65, 6. Jahrb. n. Chr.). Olxia bmvQyla ist ein Haus mit zwei 
Seitenflügeln; xEXQajTvgyiai (Plut. Eum. 8) sind befestigte Meierhöfe, oxsy?) 
bezeichnet die Geschoßdecke, dann das auf dieser stehende Stockwerk. 
60. Samter, R., AklqMyyvot. Philologus 75 (1918) 414—436. 

Das früher nur aus Justinians Novelle 99 belegte Wort reicbt, wie 
jetzt die Papyri erweisen, bis in die augusteische, ja bis in die ptole- 
mäische Zeit hinauf. Es bezeichnet 1. wechselseitig für getrennte Schulden 
Bürgschaft leistende Schuldner, 2. wechselseitig für ein und dieselbe 
Schuld Bürgschaft leistende Gesamtschuldner; 3. Gesamtschuldner schlecht- 
hin, 4. gemeinsame Bürgen für ein uud dieselbe Schuld, worüber ausführ- 
lich unter Beibringung eines reichen, für die juristische Terminologie 
interessanten Materials gehandelt wird und unter besonderer Berück- 
sichtigung der Wechselwirkungen, die sich beim Zusammenstoßen zweier 
getrennter juristischer Gedankenkreise, des römischen und des östlichen, 
auch in sprachlicher Hinsicht ergeben mußten. 
67. Adami,F., Aus Syrien. Berl. phil. Wschr. 39 (1919) Sp. 1050. 

In einer spätgriechischen Inschrift aus Islahie (Südseite des Amanus) 
findet sich das neue Wort yn]<po&eofiia 'Legen des Mosaikfußbodens'; vgl. 
yjTjqpo&errjg. 

08. Deubner, L., Kerkidas bei Gregor von Nazianz. Hermes 
54 (1919) 438-441. 

Anläßlich der Besprechung eines Kerkidasfragments kommt D. auf 
das Wort xagvxta. Dieses bezeichnet flüssige Marmelade zur Kuchenfülle 
(Hesych.) ; xagvxij ' ßgütfia Avdiov If al'/uaxog xal aXUov i)bvö\iäx(av ovyxsi- 
/nsvov (Hes.). Von xagvxt] abgeleitet sind xagvxsvoi 'würzen', xagvxEvua, 

xaQVXEVXijQ. 



P.Wahrmann, VIII. Griechisch. 115 

69. Kuntze, Fr., Das Wort Marmelade. Neue Jahrbücher 41 

(1918) 77—79. 

Vgl. IJ. 6, 101 Nr. 60. Als Stammwort von Marmelade wird gewöhn- 
lich /teMfirjkov angegeben. Nun heißt aber im Altertum eine mostartige 
Mischung aus Quitten, die in Honig eingelegt wurden (Dioskurides V 29, 
C'olumella XII 47) firiXöfieXi. Bei Martial Xen. 24 und VII 25 wird nun 
sowohl diese Mischung als auch der Honigapfel als melimelum bezeichnet. 
Da auch sonst in Spanien diese Honigmischung beliebt war (vgl. Galen), 
soll Martial als Spanier den Anstoß für diese Umwertung von f*qX6fteAi 
gegeben haben. [Doch eher umgekehrt.] 

70. Kretschmer, P., Zur italischen Wortgeschichte. Glotta 10 

(1919) 157—173. 

Anläßlich der Erörterung über lat. putare = 'kerben, rechnen'' wird 
gr. röxovq yXvysiv (Anthol.Pal. XI 289) und xoxoyXvcpog (Lukian, Nekyom. 11) 
mit 'Zinsen kerben, Zinsenkerber' erklärt; oxviäXri ist ursprünglich der 
Kerbstock. Diese Bedeutung muß auch gr. *oxtöa gehabt haben, ein 
Wort, das man aus lat. schida erschließen kann. 

71. v. Wilamowitz-Moellendorff, IL, Lesefrüchte. Hermes 54 (1919) 
46—74. 

S. 64 zur Glosse uXlßag ' vsxQÖg (vgl. Boisacq, Dict. Et. s. v.), die Im- 
misch (Arch. f. Religionswiss. 14 [1911] 449) als 'Wasserwandler' gedeutet, 
bringt Wilamowitz einige Belege bei und gibt zu bedenken, ob nicht in 
der Hölle ein Fluß 'Essig' denkbar wäre, da die Bedeutung 'Essig' bei 
Hipponax frgt. 102 vorliegt. 

Etymologie. 

Allgemeines, Misz eilen, E i n z e 1 w ö r t e r. 

72. Brugmann, K., Zur griech. und lat. Wortgeschichte. Indog. 
Forsch. 38 128—143. 

1. c AnX6g anXöog usw. Die Zahladjektiva haben von altersher die 
Ausgänge -nXo- und -nXoo- ererbt, doch tritt die kürzere Form zurück. 
Sie wird substantivisch im Kret. gebraucht, ebenso bei Empedokles. Zu 
ihr gehören die Adverbia dor. üuiXel, ion.-att. 8mXf); das erste Kompositions- 
glied in anXödQi^ u.a., ferner die Adjektiva auf TtXJjoiog , die von denen 
auf nXaoioQ zu trennen sind. Wählend diese zu got. fal/js gehören, sind 
jene von dem Neutrum auf -nXöv herzuleiten wie ßiortjoiog von ßi'ozog, 
ßiortj. Möglicherweise stecken alte Formen auf -jiXoq auch in der atti- 
schen Deklination der Kontrakta. Die beiden Ausgänge wurden vonein- 
ander getrennt, so von Osthoff (Perf. 480) oder in -nXoog ein Suffix -fo 
gesucht (Leo Meyer, Handb. d. griech. Etym. 1,83). Br. sieht dagegen in 
*8i7iXoo eiue Analogiebildung nach dotö 'doppelt' aus duoiö, das zu *8jo6 
werden mußte und sein oi nur durch Vermittlung des Femininums ev doif/ 
aus *duoi[i]ui ai. doayi erhielt. 2. 'Aüqöoi. Zu ai. sadhryänc 'nach derselben 
Richtung gehend', dessen Schlußteil zu ai. dharayati, ^/jyaao&m, &gövog, 
lat. frctus gehört. Wenn man von *o.&qo-io ausgeht, so kann man in dem 
io ein zu slfii gehöriges Schlußglied sehen wie in xoivoq aus *xo[uög. 
'■'>. Lokrisch umarsg (Kolonialgesetz von Naupaktos SGDI. n. 1478 Z. 35). 
In xamazEg sieht ßr. (abweichend von Keil IF 36, 236 ft.) eine Weiter- 
bildung zu dem Adjektivum *ämoc; in ei anit]c, yahjg (Hoin. /'49, tt 18), also 
eiue Art Kurzform zu ditoixovvtEi;. 



116 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

73. Kaien, T., Quaestiones grammaticae Graecae. Commentatio 
academica. Göteborg, Elander. 1918. 110 S. 8°. 

Bespr.: Berl. philol. Wschr. 39 (1919) Sp. 457—65 von E. Eberhard. 

Der Inhalt der überaus reichhaltigen Arbeit, die besonders viel für 
die Etymologie und die Deutung seltener Wörter und Glossen abwirft, ist 
in Kürze folgender: I. De participüs perfeeti in -sla et de vocali v mite 
coeales in s abeunte. Während man sonst EggijysTa aus Heraklea als Doris- 
mus betrachtet, erklärt K. die Form als vereinzelten Ionismus — viel- 
leicht ist es ein technisches Wort — und sieht darin einen Beleg für den 
Übergang von v in s, der ins Ionische aus den kleinasiatischen Sprachen 
eingedrungen ist und in vielen *0M'?;-Wörtern (dvcogia epulae sacrificiales 
und ßecogi'a, jtrvov — nzsov; öt-vt) — o^va — 6g~ia, fiarcvrj lat. mattea), aber auch 
schon bei Homer {zn'j&ea II. 77 747, y.coSeia S 499 neben zijdvov bei Aristo- 
teles und acoSva aus y.coövia) zu belegen ist. II. De vocibus in -Eia exeun- 
tibas, quae ad sirtyplicia pertinent nomina sigmatica. K. sieht in den 
Abstrakta auf -sii) bzw. Eia, die neben Sigmastämmen stehen {Ihy/^sli] 
neben s?.syyog, digsia neben ßigog, 6vei8ei>] neben 6'vEiöog), als Abstrakta 
verwendete Feminina zu alten Adjektiven auf -i)g (ihy/jj;), die allerdings 
im Griech. hinter solchen auf -vg fast ganz zurückgetreten sind und meist 
nur in Kompositis weiterlebten [dßagijg, Evyevrjg usw.). Im Ionischen trat 
an die Stelle von -sia -si>] unter Einwirkung des Gen. -Dat. und der übrigen 
Abstrakta auf -hj. Das einzige Konkretum iy/suj neben syyog erklärt K. 
als alten, mißverstandenen Dual unter Hinweis auf die öovgs der Home- 
rischen Krieger. III. De glossis Hesychii /.tigydßcog et /.ugycooai quaestio 
itymologka. Hes. fiigydßwg' ro Xvxwpcoe; /.ngycöaai' mj'/.iöoai. Die Glossen 
erklären einander gegenseitig; in uigy steckt */.iigyog, */.tsgyog 'Dunkel, 
Schmutz' zur Wurzel merg in djuigdsiv 'verdunkeln 5 ; Hes. /nogyög ■ /.li/.ag; 
hiezu /.wgcfvög in Anlehnung an ogqrvög. IV. De 6gg6ß?j/.og, ogoo&vgij, 
ögoo/.ö^og quaestio etymologica. Das erste Glied gehört zu einer Wurzel 
ögoo 'hoch', ind. varsijan, lat. Verruca und ist von öggog ovgd zu trennen. 
öggößtj/.og ' 6d6g, wo statt 656g ovdög zu lesen ist, heißt Hochschwelle, 
ebenso ogao&vgtj die 'Hochtür', nicht die Hintertür, 6goo?.6xog zu kaniCeiv 
'prahlen', der 'Hochprahler' [vy/üeo/tjtog). Den Schluß bilden die Unter- 
suchungen über fiaizv)j und über ztj&vor und Verwandtes. Ersteres stellt 
er zu /.idaao&ai 'inandere'; aus */.iaoa (* t ud&ia) *jiao6ovvog, *fidovvog, 
*fjMGVYEiv thess. *fumvsiv, dazu /.lazzvrj. Letzteres bedeutet den 'Saugsack' 
zur Wurzel #?/ 'sauge' und *&vor 'Sack', auch in yijdvor 'Zwiebelart', dv/./.i'c 
dvlay.og 'Behälter', Wurzel dhus 'blasen'. 

74. Bechtel, F., Parerga. KZ. 49 (1919) 118—120. 
Hvaovgzo/.ig, Hetärenbeiname (Eustathios 1921, 58) von dvaovgsiv 'sich 

entblößen' ist eine Mischbildung aus dvaovgzig femin. zu dvaavgzag und 
dvaovgo/.ig femin. zu draovgö/.ag wie fiaivo/.ag. .-zs/.s&og ('Kot') gehört zur 
Basis XE/.E&-, xa).a&-, nla& (dazu na?.dd)j 'Masse aus getrockneten Früchten', 
TÜ.ddavov 'Kuchenform', nij/.ox'/.ddog). Die Nebenform o^ilsdog verdankt 
wohl ihr o dem bedeutungs verwandten o.-rvgadog ('MistkugeF, 'Ziegenmist'). 
oyal.ög (Straf instrument) , Com. Gr. Fragm. Epicharm 148 Kaibel gehört, 
wenn wir a kurz ansetzen, zu altisl. spolr 'Querholz', mhd. spule 'Leiter- 
sprosse', wenn lang, zu ahd. spuola 'Spule'; von derselben Basis ist ccpi'jv 
bzw. acfäv mit urgriech. a, da in der Leichenordnung von Keos IG. XII 5 
nr. 593 6 a<ptjv6.-ro8i mit H geschrieben ist. rgiybj 'Seebarbe' und der aus 
den Fragm. des Sophron bekannte Fischname zgiyökag sind zu zgi^- bzw. 
zglyo zu stellen, weil diese Fische, aus dem Wasser genommen, durch das 



P. Wahr manu, VIII. Griechisch. 117 

Aneinanderreihen der Kiemendeckelknochen einen knarrenden Ton von 
sich geben. 

75. Hermann, E., Etymologisches. Gott. Nachrichten 1918 S. 281 
bis 287. 

1. gäSiog, nach Wackemagel, Vermischte Beiträge 14, aus fgä[o\a 
herzuleiten ; dieses gebildet wie xgvtpa, fiöla gehört zur Basis *ueres; 
ai. varsman- 'Höhe', lit. virszüs 'das Obere'; es ist Schwundstufenform der 
schweren Basis *veres, urs. Die Bedeutung der Basis ist 'heben', gädiog 
ist 'hebbar', wie levare zu levis. Zur Basis ohne s uere gehört auch 
dnrjvgä, änovgag, zu einer leichten Basis dsigco, anosgoe. gqdiog, ajitjvga 
beweisen die Entwicklung des r zu gä, während gm sich als Hochstufe 
oder analogische Bildung für ga = f herausstellt. 2. jcöa. Seit Schulze, 
Qu. ep. 45 zu lit. per« gestellt; es gehört wie dieses zu noi/urjv, lit. pemu 
'Hirtenjunge' und bedeutet den 'Weideplatz', dann erst das 'Gras'; so 
noch Hom. Od. i 449 ve/.isai xegev äv&ea nolrjg. 3. /nagt] 'Hand', früher mit 
(.mQiixoy, jetzt mit manus verbunden. Indessen ist beides zu vereinigen ; 
zu fiägnrco, ai. mars 'anfassen' (Basis mer) gehört [lägt] 'GreiferF. Zu einer 
Basis mit nasaler Erweiterung manus. 4. vjrag ist Gegenstück zu 6'vag 
(so schon Prellwitz ', aber abgelehnt), mit dem es bei Homer und später 
meist vereint vorkommt. Es ist von vjtö abgeleitet, und zwar in einem 
Dialekt, der volksetymologisch 6'vag zu 6v = dvd stellte, gehört also zu 
den Äolismen bei Homer. Wie 6'vag kommt es nur im Nom. und Akk. 
vor, erscheint daher als indeklinabel. [Vgl. Fay, The class. Quart. 40, 212 
LT. 3. 6, 57 Nr. 7.] 5. oyßrjaai; nicht zu sy&og, sondern zu äyßog, äydo/xai, 
äyvvfiai, äyog. Die Grundbedeutung ist wohl 'Last', woraus 'Schmerz' 
(physischer Druck) und Kummer (psychischer Druck) abzuleiten sind. Die 
Wurzel ist *og7i; in äy^o^ai usw. steckt Günterts Schwa secundum. 

76. Charpentier, J., Beiträge zur alt- und mittelindischen Wort- 
kunde. ZDMG. 73 (1919) 129—158. 

Für das Griech. kommen in Betracht folgende neue Zusammenstel- 
lungen: gr. Xvyog, ?.vyi'Qa> zu ai. riiksa 'Baum'; gr. adgf.ta 'Schlund'), ofjgay!; 
('Höhlung') zu ai. sürmi 'Röhre'; die persische Glosse bei Hesych oificog 
zu ai. srmarä 'kleines Tier', 'Wiesel'?; rjvig (Beiname der Opferkuh, Homer 
II. ÜT292), ijvvoTgov (Vierter Magen der Wiederkäuer) zu ai. sasna 'Wamme, 
Brustlappen', rjnrjoao&ai (flicken), fjmjzrjg zu vap 'scheren'; xgöxr\, xgoxdh] 
(Kiesel am Meeresstrand) zu Jcrsana 'Perle'; gaico, gaiorijg zu srains 'zer- 
fallen'; xögat; zu Jculikä 'Vogelart'; xecgla 'Gürtel am Bett', Binde, Grab- 
tuch im NT. zu ai. clra 'Fetzen, Streifen*. 

77. Müller, F. Jac. fil., Etymologiae Graecae. Mnemosyne 46 
(1918) 135-155. 

I. 'Prjg'ijvcog, meist gefaßt als derjenige, welcher gtjyvvoi (pdXayyag 
avögcöv wird, ebenso wie die verwandten Namen l Pr)£lßiog, c Pi]l-i/nayog, 
'Pqi-ivoog u. a. (vgl. 'Ava^tßiog, 'Ava^tjvcog, 'Ava^i'fiayog) von der Wurzel rig- 
'herrschen' regere abgeleitet ; das thrak. c Pfjoog gehört auch hieher. Später 
stellten die Griechen selbst das Bildungselement grj^- zu gijyvv[ii. IL 'Hegö- 
ycovog. llias 2 505 xrjgvxoiv — rjsgocpwvaiv. Mit dem Epitheton wird yak- 
xEÖrpiüvog E 785 und Theog. 311 verglichen und in rjsgo der Rest einer 
alten Metallbezeichnung gefunden. Diese wird hergeleitet von einer indo- 
german. Wurzel aies, kürzere Form is, weitergebildet mit dem Suffix r/n 
aisar, aiser, iser (Ugög). Der Sinn ist 'stark, fest'; daher a) gut, göttlich, 
b) fest, hart. Aus dieser zweitgenannten Bedeutung stammt die Bezeich- 



118 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

irang des Metalls ^aisajer oder aies. Aus 'aisero entstand dego — yjeqö — 
tpwvos. Dasselbe Element steckt in der Hesychglosse degonög • xo%Uag d. i. 
die, deren Fuß eine rote Spur hinterläßt; eine entsprechende Benennung 
der Purpurschnecke ist #dAx//. 

78. Geffcken, J., und Herbig, G., Nagog. Glotta 9 (1918) 97— 109. 

In dem Lexikon des Photios wird ein altes Epigramm auf einem 
Koloß in Olympia, einem Weihgeschenk des Kypselos oder Periander, 
s. v. Kv\psXi8mv drdd>)/na in zweifacher Form überliefert: ei /ti; eyco xQvoeog 
orfVQrjkazög elfii xoXoooog — i^o'i/.Tjg eXr\ KvxptXibmv yeved oder ei jxrj eym 
*vä£os nayxQvoeög eij.ii xoXoaaög — i. e. K. y., das Piaton (Phädros 236 b) in 
der ersten Lesung bekannt war, welche die Vulgata darstellt. Dieser 
gegenüber enthält die zweite Form die echte Überlieferung, in der vaigög 
ein altes Wort für ocpvgijkazog 'mit dem Hammer getrieben' ist zu vdaaco 
'stampfe fest'. So weit Geffcken. Herbig handelt dann über Bedeutung 
der Wurzel, Form und Funktion des Stammbildungssuffixes, sowie über 
den Tonwechsel vatgög — Nd£og. vatgog gebort zu rdooeo, das neben den 
vom Gutturalstamm abgeleiteten Formen vägco, eval-a, vevay/um, vaxzog 
auch analogische nach den Dentalstämmen hat, so revao/nai, vaozög. vdoaetv 
heißt 1 . 'feststampfen', 2. 'volldrücken, hineinstopfen'; vaxzog 1. 'gewalkt', 
2. 'zusammengediebtet'. Ebenso vagög 'festgestampft = mit dem Hammer 
getrieben'. Die Insel Ndgog ist das 'Festland', die Städte Ndg~og auf Kreta 
und in Sizilien, Näozog in Thrakien 'Vesten. Dazu 6 rdxzijg 'Walker', 
ij vdxt}, zo vdxog 'das Fell'; dgvaxig aus *aQrovaxig 'Schaffell'; vaxvdoiov 
Seg/ua (Hesych), xarcovdxr} 'Sklavenkleid'. Dazu aengl. nacsc 'Leder' zu 
germ. - got. *naska. Zu einem Stamm mit anlautendem s gehören ügTraü 
'Dreizack' aus *zgiova'$, eng. snag 'Zacke', eigentlich 'das Gestampfte', 
'Stumpf, got. snaga 'Gewand', vah'ög ist nun auf die schwächste Ablaut- 
form eines og- f?-Stammes zurückzuführen : vaxo-ög, doch konnte man durch 
Zerlegung in vax-oög auch ein so-Suffix gewinnen, das eigentlich in s-o zu 
zerlegen ist, von s-Stämmen seinen Ausgang nahm und dann analogisch 
auf nicht s-Stämme übertragen wurde. Andere Beispiele sind: <pgix-o-6g 
— (pgTxog; — lox-o-6g — Xexog; Qa[i<p-o-6g — gdfupog; fivaög — /.ivaog ; 
ebenso xa/uyög, yva/tiyjög, Ad/iiyjog, dgvyög; — ferner der Eigenname Avg~og, 
lat. luxus 'verrenkt' zu XevyaXeog, Xvyit,(o, ai. rujäti 'bricht, peinigt 5 ; nvg~og 
latinisiert buxus aus *nvxoog 'fest' nvxa, jw£, nvxvög; vielleicht auch 
x6[uzaoog, xo^xpög aus *x6[ix-ad-oog, xo/mz-8-oög. Der Akzentunterschied 
va!-6g, wie es auch im Epigramm heißen muß, und Ndijog gehört zu den 
altbekannten Fällen wie ylavxdg : D.avxog, cpcudgög : (PaTdgog, Ecoög : fwov, 
also Adjektiva auf der einen Seite, Substantiva, besonders Eigennamen, 
die wahrscheinlich den Ausgangspunkt für die Akzentverschiebung bil- 
deten, auf der anderen Seite. 

79. Holthausen, F., Etymologisches. KZ. 48 S. 237-240. Vgl. 
Abt. II Nr. 38. 

Gr. oTzog wird auf eine idg. Wurzel Hui zurückgeführt, die in ae. /norfan 
schneiden' aisl.fiveita 'hauen, stoßen', lit. tvyczyti 'schlagen' vertreten ist, 
so daß olzog das geschnittene Getreide bezeichnete. Unsicher ist H. — 
wohl mit ßecht — betreffs oidtjgog. 

80. Wackernagel, J- Zur Etymologie von ßQa%vg und brevis (zu 
Glotta 8, 292). Glotta 10 (1919) 22-23. 

Die Zurückführung von ßgaxvg und brevis auf grundspr. mrghn ist 
gesichert, da awest. mvrdzu 'kurz' durch sogdisch murzak 'kurz' bestätigt 
ist (R. Gauthiot Memoires de la Soc. Ling. 18, 343 f.). 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 1 1 9 

81. Boisacq, E., Grec evooig f. „secousse". KZ. 48 (1918) 229. 
B. verteidigt die Herleitung von svooig aus der Wurzel itedh gegen 

über M. K. Fr.W. Schmidt (KZ. 45, 234 :J ), der aus *ivj:o&ns ein *ivfoang 
erwarten möchte, durch den Hinweis auf coat;, nstoi?. 

82. Schulze, W., fegyov. KZ. 48 (1919) 236. 

c Daß die Neutra dieses Typus e-Stufe fordern, zeigt der an den Ge- 
schlechtsunterschied geknüpfte Gegensatz von ogög und serum, ogoßog und 
ervum.' 

83. Kieckers, E., Verschiedenes. IF. 38 (1920) 209-219. 

In griech. Jiagddsioog aus dem Iran, erklärt sich aaga- durch Anlehnung 
an die Präposition, denn in älterer Zeit hätte die genaue Entsprechung des 
Perf. *jiagideiaog (av. pdri-daeza), in jüngerer *ndg8sioog (aus *paräez, neu- 
pers. pälez) lauten müssen. 

84. Ribezzo, F., Sic. äo%£Öü)Qog. Riv. indo-greco-italica 1 (1917) 
Heft 1 S. 38; dovag, ebd. Heft 3 S. 49. 

d. ist c l'animale ch'erge, rizza, protende il collo, o le setovole cer- 
vicali'; -Scogog im Ablaut zu Ssgfa. — dövat; aus idg. *jonak(o)s (lat. 
juncus). (Schw.) 

85. Thiselton-Dyer, W. T., On some Ancient Plant. Names III. 
Journ. of Phil. 34 (1918) 290—312. 

19. äfioy/Liov. 20. fj d/mieXog tfjq "Icf*^. 21. oixva. 22. colocasia. 23. ono- 
xdgjtaftov. 24. ojioxdknaoov. 25. Hagntjoiov. 26. ^vXoxdgnaoov . (Schw.) 

86. Laufer, B., Malabathron. Journ. asiatique XI 6 serie 12 
(1918) 1—50. 

Bestätigt, mit neuer botanischer Bestimmung, die Gleichsetzung von 
[laÄdßa&gov mit sskr. tamälapattra [dies wurde als xd f.ia.1. gefaßt]. (Schw.) 

Etymologien von Personen-, Götter- und anderen 
Eigennamen. 

87. Hirzel, R., Der Name. Ein Beitrag zu seiner Geschichte 
im Altertum und besonders bei den Griechen. Abhandlungen 
der Sachs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. Kl. 36/2 (1918) 108 S. 

Bespr.: DLZ 1920, 334 u.354 (E. Fränkelj; Berl. phil. Wschr. 39 (1919) 
Sp. 1066-68 (K. F. W. Schmidt). 

Unvollendet von G. Goetz ans dem Nachlasse R.Hirzels herausgegeben. 
Alles, was über die Namengebung in Einzeluntersuchungen vorliegt, und 
zwar unter besonderer Berücksichtigung des klassischen Altertums, wird 
unter allgemeinen Gesichtspunkten zusammengefaßt und eine kultur- 
historisch äußerst wichtige Skizze dieses Gebietes gegeben. Inhalt: 
I. Literatur 3 — 8; II. Der Name. 1. Realität des Namens 9—17; 2. Macht 
des Namens, a) Kultus der alten Zeit 17—22; b) Zauberei 22 — 24; c) die 
Unterirdischen 24 — 25; d) Namensunterdrückung aus Ehrfurcht 25 — 27; 
e) Macht der Namen, noch in späterer Zeit anerkannt bei der Namen- 
gebung 28 — 35. Daran schließen sich ohne Kapiteleinteilung Abschnitte 
über Namenlosigkeit und Anfänge der Namengebung 35 — 37, über Namen 
nach der Tageszeit der Geburt 37 — 38, nach der Reihenfolge der Tage 
im Monat 38 — 40, nach den Festtagen 40 — 46, der Geburtszeit, bestimmt 
durch historische Begebenheiten 46 — 51, dem Orte der Geburt 51—62; 
über Sklavennamen 62 — 70, über Hetärennamen 70—80, über Namen nach 



120 Bibliographie der Jahre 1018 und 1919. 

Umständen der Geburt 80 — 86, über Namen nach dem Äußern, über 
Namen von Partizipien, vom Aorist, vom Futur abgeleitet, 86-100. Die 
Bedeutung für den griechischen Grammatiker liegt weniger in den Einzel- 
angaben, bei denen H. zumeist von seinen Gewährsmännern abhängig ist 
(vgl. zum Namen Bixrtjg Schmidt aaO., der diesen Namen eines Sklaven 
Piatons nicht als 'Ixht/Q, vielmehr als persisch auffaßt), sondern in der 
Aufstellung der allgemeinen Gesichtspunkte und dem reichen Vergleichs- 
material aus anderen Sprachen und Literaturen. 

S8. Solari. A., Nomi greci nelle iscrizioni latini nell' Etruria. Ren- 
diconti del R. Istituto Lombarde- Ser. II vol. 51 (1918) 141 — 1 53. 

Sachlich; Inhalt Riv. fil. 47, 502 f. (Schw.) 

89. Schwyzer, E., 'Ogcpdg, IF. 38 (1920) 161—166. 

Auf einer Metope vom Schatzhause der Sikyonier in Delphi steht 
die Beischrift "Ogpäg = 'Ogcpsvg, die grammatikalisch bedeutsam ist erstens 
als Beispiel für den Übergang von urgriech. ?; in a für Sikyon, der sonst 
nur in Elis auftritt (ein zweiter allerdings unsicherer Beleg ist das er- 
gänzte or(ä){>og vom Sehatzhause der Sikyonier in Olympia SGDI 3163), 
zweitens als Typus des Nominativs auf -»;? statt -svg, den man besonders 
aus Arkadien und Kypros kennt, der aber auch anderswo vorkommt. Bei 
Ibykos Frgt. 15 ist 'Ogcptjv überliefert. In diesem Zusammenhang erklärt 
Schw. auch das homer. Xovatjv All und IJodip' P 590. Diese Nebenformen 
auf -rjg geben auch einen Fingerzeig für die Herkunft der latein. Formen 
auf -es wie Ulixes. 

90. Radermacher, L., Der Grammatiker Timachidas. Philologus 
75 (1918) 473—474. 

Der Schriftsteller Timachidas, dessen Bruchstücke Blinkenberg in 
der Lindischen Tempelchronik vorlegt, wird in der Überlieferung auch 
Titita/oQ bzw. Ti[iag%og genannt (Athenaeus XI 501 e, Hesych v. äf.ivang), 
ein Schwanken zwischen Kurznamen und Namen mit Adelsprädikat, das 
öfters vorkommt; vgl. Zcoräg, Sotades; <Peidmxtdi]g, bei Nepos Phidippus. 
Vielleicht erklärt sich so der Schiedsrichter im Streit zwischen Homer 
und Hesiod üavidijg als Patronymikon zu ITdv, da ja der Preis dem Dichter 
des Bauernlebens zufällt. Ebenso wird der Dichter Saxddag bei Athenaeus 
XIII 610 C als 2dxag überliefert (ix rfjg 2dxa tov 'Agysiov 'D.iov IJsQaidog). 

91. Fränkel, E., in F. Jacobys Aufsatz Zu den älteren griech. 
Elegikern. Hermes 53 (1918) 43—44. 

Der Name TvgxaXog ist wie auch Tvgzaiuog, Tvgoig ungriechisch (klein- 
asiatisch). 

92. Kahrstedt, Ulr., Die spartanische Agranrirtschaft. Hermes 
54 (1919) 279—294. 

Der Name der Heloten wird (S. 293) zu sX- 'fangen' gestellt (vgl. 
Pauly-Wissowas Realenc. s. v.) und als alyjidXcoroi, 'Kriegsgefangene' er- 
klärt, indem die Einrichtung der Helotie zuerst in dem eroberten Mes- 
senien entstanden war und dann erst in Lakonien auf den durch Verschul- 
dung in Leibeigenschaft geratenen Bauernstand übertragen wurde. 

93. Hiller von Gärtringen, F., Die Deinen der rhodischen Städte. 
Athen. Mitteilungen 42 (1917) 171—184. 

Die Behandlung der rhodischen Stadtgebiete von Lindos, Kamiros 
und Ialysos und der zu diesen gehörigen Demen enthält manches für die 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 121 

griech. Namenkunde. Zu Kaxxäßioi der Ortsname Kdoxaßog in der Peraia 
(Diod.V 62); zu Neztidai der Ortsname Nsxxsia (IG. XII 1, 890); hiezu arkad. 
Neatdvt] ; davon der Heros *Nexxog = Nsoxog = Niooog. Zusammen ge- 
hören der Ort Aigog und das Demotikon Aehog (über g— 7. vgl. Brugmann- 
Thumb, Gr. Gr. 4 93). Es wechseln 'Poyxiöou, PvyyJSai, 'P6y%ov und iv 
P6yx%«> (SGDI. 4139) vgl. 'Oj-vgvyxos ; 'Ioxdvioi zum Bergnamen 'Iot<ovtj auf 
Korkyra ; üovxcogsTg und iv Ilovxoogeia ; vgl. 'Axgcogeia, Avxcbgeia : neben 
BQvyirdaQioi, Bgvyivdiog (von der Göttin Bgvyivöig) att. Bgixivödgioi, bei 
Herondas Bgtxivdi]ga. Sißvßtog, vielleicht zu dem modernen Dorfe yiidos 
über *2ßv$og. 

94. Bees {Berjg), Nikos A., Über eine Hesychglosse. Philo- 
logus 75 (1918) 463-465. 

Der in der Kynuria gelegene Ort Bsgßaiva läßt sich aus der Hesych- 
glosse deuten : Begßivia. q~vla xa&r/Xtofiiva, c£ <bv tag /.yxv&ovg ixgifioiv. 
ol de ysvog rc 'Aoxabixov xovg Begßeviovg. 

95. Gruppe, 0., Die Anfänge des Zeuskultus. Neue Jahrbücher 21 
(1918) 289-302. 

Djeus, die Stammform von Zsvg Aiög und ai. Djäus, bezeichnet zwar 
den Himmel bzw. den Himmelsgott, ist aber doch nicht als urindogerma- 
nische Gottheit zu fassen. Vielmehr ist der Kult des Himmelvaters und 
der Mutter Erde im ältesten Kleinasien heimisch. Die Inder lernten ihn 
im Quellgebiet des Euphrat und Tigris, die Griechen bei den älteren Be- 
wohnern der Balkanhalbinsel kennen. In den Sagen des griechischen 
Festlandes trägt der Gott meist den Namen des Poseidon, dessen Form 
Tloxiba wohl als vorgriechisch zu betrachten ist; die Mutter Erde erscheint 
als Da- oder Domater, d. i. die Mutter Da. Auf Kreta vollzog sich die 
Umgestaltung des alten Himmelsgottes zu der Göttergestalt des Zeus, 
dem auch auf dem Festlande der alte Potida weichen mußte, vielleicht 
durch den Willen eines mächtigen Herrschers. Gerade so sind die Aidg 
xovqoi ai. Divas napata 'die Zwillinge' des Sternbildes aus dem Vorstel- 
lungskreis der assyrisch- babylonischen Kultur entnommen und gelangten 
einerseits zu den Indern, andererseits über die Stämme Kleinasiens zu den 
Griechen. 

96. Boll, F., Kronos — Helios. Archiv f. Religionswiss. 19 
(1916—19) 342—346. 

Die Gleichsetzung von Kqövog xmd"Hfoog geht nicht auf die Ähnlich- 
keit des semitischen Gottesnamens El, *Hlog mit dem des Sonnengottes 
zurück, sondern gehört dem babylonischen Sterneuglauben an, indem für 
die Babylonier und Syrer Kronos und Helios dieselbe Gottheit war, die 
sich in dem Planeten Saturn und in der Sonne offenbarte. 

97. Deubner, L., Paian. Neue Jahrbücher 22 (1919) 385—406. 

In einer Abhandlung, welche die Entwicklung des Paian von dem 
'Heilruf' der kretischen Medizinmänner zu dem apollinischen Lied ver- 
folgt, lehnt D. (S. 402) die Etymologien aus dem Griech. ab (so der 'Rei- 
niger' bei Gruppe, Gr. Myth. S. 1239, 2), da es sich um einen vorgriechi- 
schen Ruf handelt. 

98. Eitrem (Kristiania), S., Some Notes on thc religious cha- 
racter of Apollo. Class. Rev. 33 (1919) 88—90. 

1. Hiller von Gärtringen erwähnt unter den xönog - Inschriften von 
Priene Nr. 313 1. 93 6 xönog \4nolladog xov PaMov. Dieser Apollas ist der 



122 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Sohn des raXmg (vgl. Kvxvsag von xvxvog Ditt. Syll. 3 83, 3 und Tavgeag 
von ravgog) oder raXsög. Der Name fehlt bei Bechtel, Die hist. Personen- 
namen d. Gr. bis zur Kaiserzeit. Er findet seine Erklärung in der Be- 
deutung der yalzoi für die Wahrsagekunst. In Sizilien (in Hybla) be- 
gegnet der Name raXsot oder raXemrai (PHG. I, 190 u. 369; Hesych s. v.), 
deren Heros Eponymos Galeotes, der Sohn des Apoll und der „Hyper- 
boreischen" Themisto war, die Inschrift von Priene jedoch beweist, daß 
der Gebrauch der yaXeoi in den „Apollinischen" Formen der Wahrsagung 
sich bis in den fernen Osten der gr. Welt erstreckte. 2. Id. Nr. 313 1. 597 
und Index. "Jra^ü.aog 'AnoXXcoviov und dessen Sohn üanagog. Beide stehen 
in Beziehung zum Apollokultus. Auch Inschr. v. Pergamon Nr. 569 S. 359 
begegnet ein ITajiagt'ojv (Useners Konjektur TJaonagiwv ist unannehmbar.) 
Dennoch gehören Iläxagog und Ilaajiägiog zusammen (Hesych s. v.). Lobeck, 
Pathol. I, 167 vergleicht mit Ildgog; besser noch wäre die ionische Kolonie 
Parion am Hellespont. Wernicke, Realenz. II. 63 verbindet ITaojidgiog^mit 
.-jaonäk?]. Vf. stützt diese Auffassung etymologisch. ]/"(a)jrap und ]f{o)7iaX 
sind identisch, die Redupi. (o)jiaojiägiog und nai-jiäXt] würden regelmä. 
sein (Brugmann-Thumb, Gr. Gr. § 301, 1). Zu derselben j/~ wohl der Berg 
in Argos Tlägnagog mit seineu heiligen Spielen. Bei Tla-nag-og ist an „dis- 
similatorischen Schwung", oder an die Redupi. der Onomata poietica wie 
ßa-ßü£a, na-cpXat,oy zu denken. Jedenfalls weist ein Apollinisches Tlänagog 
in Priene und Pergamon und ein Apollo IJaonägiog in Parion und Per- 
gamon auf denselben Beinamen Apolls in Kleinasien hin, er mag nun 
ursprünglich griechisch sein oder nicht. (K.) 

99. Kretschmer, P., Mythische Namen. Glotta 10 (1919) 38-62. 

Vgl. Glotta 8, 121 ff. 6. Tritogeneia und die Tritopatoren. Das schon 
von Lippold Athen. Mitteil. 36 (1911) 105 ff. mit den athenischen Tgiro^d- 
rogsg oder TgironargeTg in Beziehung gebrachte Tgiroyerfia — die Dehnung 
des i ist bloß metrisch — wird als Konträrbildung zu TgiTonänog 'Urgroß- 
vater', 'Stammvater' erklärt, so daß es die Stammtochter, die echte Tochter 
bedeutet, vgl. pronepos zu proavus, engl, grandson zu grandfatJier. 7. 'Jgys'i- 
rpövrrjc bedeutet den Argostöter; der zweite Bestandteil -tpdvtije findet sich 
wieder in BeXXegoqcoi'Ttjc, dijiqpovzrjs u. ö., der erste \4gyei verdankt et statt o 
dem metrischen Bedürfnis; wie arSgü'cpövrrjg. 8. Deiphobos. Andere Formen 
des Namens zeigt der korinthische Krater im Louvre SGrDI. 3130 Aatcpovog 
mit N zu lesen, eine attische schwarzfigurige Amphora (Gerhard, Auserlesene 
Vasenbilder 223) AqWvrog 'der Kampfstürmer' und vielleicht nach Robert 
Bild und Lied 61 ff. die Iliupersisschale des Brygos im Louvre [At)'t]/naxog. 
'.K Die Kentauren. Sie werden als die Wasserpeitscher' erklärt aus ftsvteXv 
und avga = Feuchtigkeit nach Maaß, Athen. Mitteil. 35, 338 wie in IJXrj- 
SavQi], raka'SavQi] ^Nymphennainen), ävavgog 'wasserlos', ixavQovc' rovg %ei- 
fidggovg jTorafiovc bei Hesych ; avga 'Wasser' ist von avga 'Wind' zu trennen 
und gehört zu altwestnord. aurr 'Wasser', urina, ovgäj. Ktrravgog war ur- 
sprünglich der Individualname eines dieser Waldmenschen, der ^fjgsg, so 
z. B. des Sohnes der Nephele und des Ixion, und wurde dann erst zum 
Gattungsbegriff, ohne daß die Kentauren nur als die Vertreter der Wild- 
bäche aufzufassen wären. Wie die Nymphen haben sie es mit Wäldern, 
Felsen, Bergen, kurz der ganzen Natur zu tun ; vgl. Namen wie 'YXaToc, 
AgvaXog, üsTgaTog. Andere Kentaurennamen deuten auf verschiedene Tier- 
gestalten hm^'Agxiog Schild 186, Lycus Ovid Met. XV 332, Lycotas (Wolfs- 
ohr), wieder andere auf ihre menschliche Gestalt, so "Aoßo/.og auf der Fran- 
cis- Vase zn Ruß 'der Köhler'. Den Roßmenschen schuf erst die bildende 



r. Wahrmann, VIII. Griechisch. 123 

Kunst als ausschließlichen Typus. 10. Cheiron. Als Mensch ist auch 
XeiQtov zu denken, dessen Name mit Recht zu %eiq gestellt wird; äol. 
jetzt auch Xeqqcov (Oxyr. Pap. X S. 20 ff.). Gefährdet schien diese Etymo- 
logie nur durch die auf attischen Vasen häufige Schreibung Xigcov, ebenso 
auch auf der dorischen Vase des Praxias (li riech. Vaseninschr. 131 i'., 226) 
Indessen ist diese Schreibung, ebenso wie XlXcov neben Xeifoov, XeXXojv, 
2i(jtp> neben Zetgijv durch die attische und dorische Wiedergabe eines 
ionischen ei, das durch Eisatzdehnung entstanden und besonders geschlossen 
war, zu erklären. 

100. Radermacher, L., Beiträge zur Volkskunde aus dem Ge- 
biete der Antike. Sitzungsber d. Wiener Ak. d. Wiss. 187 

(1918). 

ßespr.: Wschr. f. klass. Philol. 36 (1919) Sp. 505—10 von Härder. 

In dem Abschnitte 'Nachbarn 5 , der die Spuren alter Bräuche, die mit 
den nachbarlichen Beziehungen zusammenhängen, behandelt, wird S. 12 
Apollon MrrayEirviog (hiezu der Monatsname MezayeiTviwr) als der 'unter 
den Nachbarn weilende', c der Patron der Nachbarn' erklärt. In dem Ab- 
schnitte 'Menschen und Tiere' wird clXextcoq, dXExrQvcör wohl mit Kretschmer 
(KZ. 33, 561 ff.) als 'Abwehrer' gedeutet, eine Benennung, die der Hahn 
als apotropäisches Tier erhielt, nicht ein eigentlicher Heroenname, wie 
Kretschmer meinte. Wer sich daran stößt, daß so die Einführung des 
Hahnes älter sein müßte als das Epos, kann die Namen für Hahn und 
für den homerischen Helden beide auf einen Sondergott nach Art eines 
2<miJQ oder 'JXsl-ixaxog zurückführen. Die vereinzelt vorkommenden Be- 
zeichnungen Me/uvcov für Esel, KaXXlag für Affen, Keq&cö für Fuchs und 
Wiesel, IXagta für Wiesel, Zi/nlag für Affen (aus lat. simia erschlossen) 
sind nur redende Namen skoptischer Natur, die wohl der Fabel und 
Komödie entstammen. Ein scherzhafter Name einer Henne Oaxa&aXnäg 
von &äxog und &dXjia> findet sich in der parodistischen Liebesklage eines 
Hähnchens (bei Crusius im Anhang seines Herondas 6 ). Endlich gibt R. 
S. 49 — 50 eine Zusammenstellung von Zeitwörtern, die von Tiernamen 
hergeleitet sind, so m&tjxi&iv , oxqovM£eiv (lebhaft schwatzen), XEovxiäv, 
ßgEV&vEodai {ßgird-og 'ein Wasservogel'), vtjveiv, oveveiv, xajtgäv, xangl^Eiv, 
xajiQOiCeir, aXcoTCExi'CEtv , %t]v££siv, kjicuyl£siv, Sia — exjieqSixiocu, avoQTaXiCEW, 
nslagyär (= vov&eteTv Suidas). Dagegen ist axcöip 'Kauz' wohl der Spötter. 
Nur als Mutmaßung wird in Erwägung gezogen, ob nicht in xvveco, xvaco, 
sxvoa zwei Wörter vereinigt wurden, xvco und jiqooxvvsco, letzteres zu xvcov 
zu stellen. In dem Abschnitt 'Allerlei Götter' erklärt R. den Dämon 
KovlaaXog als den Staubwirbel (so noch bei Homer), indem er in dem vor 
dem Menschen h ergetriebenen Staubwirbel die psychologische Grundlage 
des Märchentypus sieht, in dem rollende Kugeln oder Knäuel, in denen 
sich bisweilen Dämonen bergen, eine Rolle spielen. Der Beiname des 
Dionysos bei Tzetzes Chil.V 793 XE^oxaQxdXtjg enthält ^efo- und -xagxäXtjg 
für xagxägtjg von xa.Qxa.iQco (II. Y 156) 'ertöne, erdröhne'; also qui in cacando 
gbr&pitwm facit, eine Bezeichnung, die sich aus derben Possenstellen ergab. 
Jambe und Jambus sind ein zusammengehöriges Götterpaar wie KXvfisvog 
KXv/uev}], "Iaoog 'Iaocb u. a. m., von denen Jambe als Magd der Demeter 
(Hymnus an Dem. 200 f.) überliefert ist, während ihr männliches Gegen- 
stück als Epouym des iambischen Verses zu erschließen ist, aber sonst 
nur in schwachen Spuren nachgewiesen werden kann (in einem Fragment 
des Arktinus *IXlov jisgoig frg. 6 Allen). 



124 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

101. Macurdy, G. H., Aleuas and Alea. Class. Quarterly 13 
(1919) 170—171. 

,1 count Aleuas as a health-spirit of Thessaly, in all probability 
closely connected with the Thessalian worship of Heracles 'A/.e&y.axos , 
ancestor of the Aleuadae according to Pindar." (K.) 

102. Waser. Ixion in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie 10/2 
(1919) Sp. 1373—84. 

Sp. 1382 Zusammenstellung aller Etymologien des Namens. 

103. Kern, O., Kabeiros und Kabeiroi in Pauly-Wissowas Real- 
enzyklopädie 10/2 (1919) Sp. 1399—1450. 

1399 — -41 über die Etymologie des "Wortes, dessen griech. Herkunft 
stark angezweifelt wird. V. Hiller will es von einem Verbalstamm y.aß 
herleiten wie (taysigoe zu /uäaaa>. 

104. Bischoff, Ernst F., Die griechischen Monatsnamen. Neue 
Jahrbücher 43/44 (1919) 494—495. 

Im Anschluß an die griechische Monatskunde, die in dem 20. Band 
von Paulys Realenzyklopädie unter dem Stichwort 'Kalender' gegeben ist, 
gibt B. einen kurzen Überblick über die Eigenart der Monatsnamen. Man 
zählt jetzt 326 Namen, 260 ältere und 66 jüngere. Die älteren Namen 
hängen sämtlich mit dem Kult zusammen, ebenso auch die jüngeren, nur 
daß sie sich an einen Herrscherkult anschließen; das älteste Beispiel ist 
der athenische Monat Aqiujigio»' nach Demetrios Poliorketes. Der Endung 
nach scheiden sich die Monatsnamen in solche auf -mv, sgn. dröfiara msqi- 
BXtucä, die einen Sammelort bezeichnen {Metayeitviwv, wo die Festtage der 
Metayeitvia sind), in solche auf -evc, nomina agentis, indem der Gottes- 
name auf den Monat übertragen ist (Maxnvev;), ebenso der messenische 
MvaorrjQ, in solche auf -os, ursprünglich Adjektiva, bei denen (iqv zu er- 
gänzen ist {'AyvcHog nach den dsal äyrai). Die Endung -cöv ist im Ion.- 
Attischen, die Endungen -os, evc in den dorischen und äolischen Dialekten 
bevorzugt. Viele Monatsnamen sind noch ungedeutet, doch ist wohl auch 
hier sakrale Bedeutung anzunehmen [Vorgriechische Kultnamen?]. Eigen- 
artig sind die von Ptolemaios im Almagest angeführten Monatsnamen, 
die nach dem Tierkreis gebildet sind {Aiycör, Aidv/ucor usw.) und einer in 
Alexandreia heimischen, mit dem 26. Juni 285 v. Chr. beginnenden Ära 
y.ara Aiovvoior angehören. Am zahlreichsten sind die apollinischen Namen, 
ihnen stehen etwas nach die Benennungen nach Dionysos, Zeus, Athena 
und Demeter, seltener oder vereinzelt nach anderen Göttern, darunter 
auch Flußgöttern. Bei Aolern. Mittelgriechen, Dorern und Ioniern lassen 
sich Apellaios (on), Hermaios, Pana(e)mos nachweisen, bei Dorern und 
Ioniern Artemisios (on); nur dorisch sind Dalias und Kavneios, nur ionisch 
Anthesterion und Pyanopsion; ausschließlich athenisch sind Munichion 
und Skirophorion. 

105. Kretschmer, P , Die Thargelien. Glotta 10 (1919) 108— 112. 

{hqryrjXia, die Erstlinge des Feldbaues, dazu ddgyij/.o; 'das aus den 
Erstlingsfrüchten gebackene Brot' (Athen. III 114 A), der Monatsname @ag- 
yi]/.uor, Wörter, die dem ionisch- attischen Sprachgebiet angehören, in 
dessen Osten auch Schreibungen mit T statt & erscheinen, werden als 
xa — dgyrj/.ia erklärt; *aoy}']ha ist gleichbedeutend mit agyf/uxta und ou-rao^al 
und hat sein Suffix von yafirjhog zu ya/.wc 'Hochzeitskuchen', yafirjlCa 
'Opfer bei der Einführung der jungen Gattin in die Phratrie'. Der spi- 



P. Wahr mann, VIII. Griechisch. 125 

ritus asper erklärt sich durch die Übertragung der Aspiration in den 
Anlaut, eine im Attischen nachweisbare Erscheinung. In Ionien fand das 
Wort Aufnahme, als noch die Entstehung aus xä äoyrjha bewußt war. In 
einem psilotischen Dialekt wurde daraus xaoyr\ha. 

106. Eitrem. S., Beiträge zur griechischen Religionsgeschichte. 
III. Videnskapsselskapets Skrifter. II. hist.-filos. Klasse. 1919. 
Nr. 2. Kristiania, Dybwad in Komm. 1920. 202 S. 8°. 

Bespr.: Lit. Zbl.72 (1921) Sp. 397-98 von Preisendanz. 

Nach der Besprechung handelt E. Kap. 1 — 4 über Wasseropfer, über 
das sakrale Rufen, die Ololyge, Prozessionen aller Art, wie Leichen-, Hoch- 
zeits-, Opferzüge, Kap. 5—7 über die religions geschichtliche Bedeutung des 
Aineias und der Kaukonen, die kultischen Elemente, die sich ihren Namen 
anschließen, das Vorkommen der Zwillingspaare, mythische Doppelbildun- 
gen und mythische Koloniengründer. Besonders die griechische Namens- 
forschung wird bereichert. 

Homer, homerische Sprache und Metrik. 

107. van Leeuwen, J., et Mendes da Costa, M. B., Homeri car- 
mina. Odyssea, Pars altera XIII — XXIV. Leiden, Sijthoff. 
S. 381— 064. 8°. 6.75 fl. 

vgl. IJ. VI Nr. 80. 

108. Meillet, A., Sur une edition linguistique d'Homere. Rev. 
des etudes grecques 31 (1918; 277—314. 

Es wird eine sprachliche Restitution des Originaltextes (als Arbeits- 
ausgabe des Linguisten) ins Auge gefaßt, ohne Hilfszeichen, ohne Wort- 
trennung, ohne Scheidung von echten und unechten £ und o. S. 280 für 
ulcpiTo 1 ieqo' axrrjv u. ä. (-o' = -oo). S. 280 ff. Im urspr. Homertext waren 
nicht nur geminierte Konsonanten, sondern auch nebeneinander stehende, 
in der Schrift gleiche Vokale einfach geschrieben, daher naxqoy.io = -oo, 
yJ.eavÖQoov = y.).ss(a) d. S. 282 f. Auch >j und co urspr. nicht im Text, 
also wäre z. B. zu drucken y.sxai (= y.fjxai, conj. zu xsTmi}, fsids (plusquam- 
perf.), fieg (Monat). S. 284 f. für aussog usw. S. 285 statt ion. >; aus a 
wäre letzteres einzusetzen, z. B. aog statt slog stcog, ä/usg (wir). S. 286 f. 
für Einführung des f. S. 287 f. Statt vsög via (zu vavg) sind vafog raßa 
zu drucken (gegen die Annahme eines Ablautes in der Deklination des 
idg. Wortes), ebenso vavg vavoi statt vtjvg vqvoi. S. 289 -sfisv im Inf. besser 
als -siv. S. 290 jede ion. Form, die durch eine ältere ersetzt werden kann, 
ist zweifelhaft; z. B. oi statt xol, xsxXt]yöxsg, -ä>xsg statt nsxl.ayovxsg, nöhg 
statt jiz6?ug, dsdia statt 8s8(f)oa. S. 296 über »/, >)(.f) £ ' (zwei verschiedene 
Wörter). S. 299 zur Deklination von vlvg (viög bei Homer verdächtig). 
S. 300 f. zu sov, tjiov. S. 303 ff. über jiqoxl jcgog (S. 307 für ji(g)oxs(f>ij , 
n{o)oTi(pi] bzw. -a S. 312 ttqox tsi%su statt xo6g x.). (Schw.) 

109. Finsler, G., Homer. 2. Teil: Inhalt und Aufbau der Ge- 
dichte. 2. durchgesehene, auf die ganzen Gedichte aus- 
gedehnte Auflage. (Aus deutschen Lesebüchern XXIII.) 
Leipzig, Teubner. 1918. XVIII u. 464 S. 8°. 6.40 M. 

Bespr.: LCR. 1919. Sp. 124— 25 (H. O.). Fortlaufende Erklärung des 
Textes. 



126 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

110. Fischl, H.. Ergebnisse und Aussichten der Homeranalyse. 
Wien und Leipzig, C.Fromme. 1918. II u. S4 S. 8°. 4,50 M. 

Bespr.: Wschr. f. klasa. Phil. 1920. Sp. 169— 176. (F.Stürmer.) 
Der Verfasser unterzieht die Ergebnisse der bisherigen Houieranalysen 
einer zersetzenden Kritik, die er besonders bei der Gegenüberstellung der 
Analysen von Bethe (Homer, Dichtung und Sage, I, 1914) und von Wila- 
mowitz (Die Ilias und Homer) übt. Ebensowenig finden die Unitarier 
seinen Beifall, so daß man die Tendenz der Schrift mehr als eine ein- 
reißende als eine aufbauende betrachten muß. 

111. Schwarz, E., Wilamowitz-Moellendorffs Ilias und Homer. 
DLZ. (1918) Sp. 355—62 und 379—86. 

Erweitert zu 

112. — Zur Entstellung der Ilias (Schriften der Wissenschaft- 
lichen Ges. in Straßburg. 34. Heft. 1918). Straßburg, Trübner. 
V u. 40 S. 4o. 3 M. 

Der Verfasser sieht ähnlich wie Wilamowitz das Epos als eine ge- 
wordene, nicht als eine gewollte Einheit au, deren einzelne Teile er ab- 
zugrenzen sucht. 

Eine andere Auffassung veitritt in seiner Anzeige des Buches Bethe 
GGA. 1918 S. 141—149. Vgl. auch 

113. Bethe, E., Zeit und Einheit der Ilias. Neue Jahrbücher 
43/44 (1919) 1—16. 

B. sieht vielmehr in der Ilias ein einheitliches Kunstwerk, das aus 
Kinzelgedichten erst im 6. Jahrh. in Kleinasien zusammengedichtet worden 
sei. Den späten Ansatz begründet er durch die Verse VI 301 ff., wo nach 
ihm ein Sitzbild der Athene erwähnt wird, ferner durch die Abhängigkeit 
von Hesiod, die er nachweisen zu können glaubt (XII 25 f/utdtcov ysvog 
ävögcor und Erga 151). 

Diesem Ansätze widerspricht sehr scharf 

114. Dremp, E., Die Zeit unserer Ilias. Berl. phil. Wschr. 39 
(1919) Sp. 1213 — 1224 u. 1243-1248. 

Der Verfasser hält an dem 8. Jh. als Abfassuugszeit der Ilias fest. 
Damals wurde sie durch den Verfasser selbst für seine Zunftgenossen fixiert. 
Feste Einzellieder, die dem Epos vorausgegangen wären, lehnt Drerup 
unter Berufung auf den echten epischen Volksgesang der Serben, Finnen 
und Großrussen ab. [Vgl. dazu auch Murko, Neues über südslavische 
Volksepik. Neue Jahrb. 22 (1919) 273—296 und Drerup, Neophilologus 
V 1919/20.] 

Erwiderung Bethes Berl. phil. Wschr. 40 (1920) Sp. 332—34. 

115. Wecklein, N., Über Zusätze und Auslassungen von Yersen 
im Homer. Texte. Sitzungsber. der Bayer. Akademie d. Wiss. 
Abh. 7. 

Bespr. : LCB. 70 (1919) Sp. 377—78 (Ostern). 

W. bringt auch hier seine Auffassung zur Geltung, nach der der 
Homertext durch die attischen Diorthoten eine so starke Veränderung er- 
fahren hat, daß man diesen attischen Text ebenso überprüfen muß wie 
den Aristarchischen. 






P. Wahrrnann, VIII. Griechisch. 127 

116. Meyer, E., Die Rhapsoden und die Homerischen Epen. 
Hermes 53 (1918) 330—336. 

M. sieht in den Rhapsoden nach Pindar Nem. 2, 2 o&fv .-reo y.al 
'OuijQidai — qanxcöv hnsoiv tu. tujW uoidol — aqyoviai, /hoc ix Jigooifii'ov 
die „Sänger der genähten Epen", aus denen sie 'je nach Bedürfnis hald 
dieses, bald jenes Stück oder auch fortlaufend vielleicht mehrere Tage hin- 
ein ich eine ganze Reihe vortragen'. 

117. Stürmer, Fr., Zahlensymmetrien in der Ilias. Berl. phil. 
Wschr. 39 (1919) Sp. 803— 816 u. 832—840. 

Im Anschluß an Drerup, der in seinem Werke 'Das fünfte Buch der 
Ilias' die Forderung strengster Symmetrie für den Heldengesang gestellt 
hat und sich bemühte, als künstlerische Einheiten die Rhapsodien des 
Dichters nachzuweisen, sucht St. zu zeigen, daß zu dem Streben nach 
inhaltlicher Symmetrie auch ein Stieben nach Symmetrie der Verszahlen 
kommt, ohne daß die Zahlensymmetrie ganz durchgeführt wurde. Dalier 
muß man nicht wie früher Fick zu Athetesen greifen. Er legt eine Zer- 
gliederung der Ilias in diesem Sinne vor. 

118. Meidet, A., Le temoignage de la langue homerique et les 
exigences du vers. Bull. Soc. Ling. 21 (1918) 28—30. 

Für Haupthelden mit zweistämmigem Namen verwendet Homer nicht 
die Kurzform, wie dies bei Osooiitjg geschieht; im Falle von II6.xQoy.log 
statt IJaigoyJJßr]? ist daher die Anwendung der Kurzform zunächst durch 
metrische Nöte bedingt (ausgehend vom Nominativ). Daher ö/J.vg ogeyrue 
statt der alten Formen auf -vcov (ved. -nurari). (Schw.) 

119. HÖeg, C, Spuren äolischer Betonung bei Homer. Nordisk 
Tidsskrift for filologi 4 (1919) 141—158. 

Die Spuren äolischer Betonung bei Homer sind nicht alt, sondern 
erst durch die alexandrinischen Grammatiker willkürlich eingeführt wor- 
den. (Anders Wackernagel, Sprachliche Unters, zu Homer 1910. Zum 
Homer. Akzent, Gott. Nachr. 1914 u. ö.) 

120. Brugmann, K., Homerisch emxdQQo&og, Imggo&og. Berl. 
phil. Wschr. 39 (1919) 136 — 139. 

Neben imggo&og (Hom. IL A 390, W 770) 'Helfer, Beistand', zu QÖQog 
'Brausen, Sausen', also 'herbeistürmend' steht bei Homer das bisher uner- 
klärte emiäoQodog (E 808, 828, A 366, M 180 u. ö\). Brugmann zerlegt es 
in *£:r - ißaQQodo; , dessen erstes ■& durch Hauchdissimilation in x über- 
gegangen ist, und sieht in *n9« ein Adverbium 'hier', 'hierher*, ai. iha, 
auch in Itiaysr/jg 'eingeboren'. 'Hier' ist aber, von dem Gott verwendet, 
das 'Diesseits', die Erde; das immer von Göttern, die dem Menschen zu 
Hilfe kommen, gebrauchte Wort heißt daher 'zur Hilfe herniedersausend'. 
Unsicher ist, ob bei Homer noch der Begriff des Geräusches gefühlt wurde. 

121. Schwyzer,E., Zwei Vermutungen zu Homer. IF. 38 (1920; 
158—161. 

1. 'Die Insel der Morgenröte*. Die vfjoog Aluirj, die Insel der Kirke, 
die mau früher als ala 'Land' erklärte, wird zu ä(ß)a, ava (äag für tjovg 
nach Zenodot 470), ußaoar dgioxr/oai Hes. gestellt und als Insel der 
Morgenröte gedeutet. 2. ideov, nur in der epischen Sprache gebräuchlich 
und da fast nur in der formelhaften Verbindung (ßwxog iäcov # 335, hyum. 
18,12. 29,8 u. ö.) gehört zu ivg, ist aber nicht Femininum, was semasio- 



128 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

logisch wenig einleuchtend wäre, sondern ein mißverständlich umgestal- 
tetes Neutrum. Ans dcorcog *ee<x = datu vasu, wo neben dem Nomen 
agentis der Akkusativ steht, machte man ö. idcov. 

122. — Homerica. Berl. phil. Wschr. 39 (1919) Sp. 191— 192. 

1. Das Land Apeire. In »/ 8 f. ygi]vg 'Jjtsigaif], ■&aXafj,yjt6X,og Evqv- 
fisdovoa, xrjv nox AnEiQfj&ev vies yyayov äficpieliaoat könnte man an der von 
Eustathius gegebenen Erklärung 'Ajisigattj = 'Hjisiqcotix^ festhalten gegen- 
über der modernen Deutung Amiqi] = 'unbegrenztes Land'. Statt ygtjve 

, AnsiQaii) (- '. L) las man ygtjvg An. (— w w -) und konstruierte 

ein Land 'Andqri , das in dem V. 9, der nur wie eine Erklärung des 
Aneigau] aussieht, vorkommt. 2. Der Name des skäischen Tores. Dieser 
erklärt sich nicht aus der Lage in der Stadt, sondern aus der Orientierung 
der Torwege nach links. Es ist ein 'links abbiegendes' Tor (so schon bei 
Curtius, Gesammelte Abhandlungen I 92). 

123. Meillet, A., Homerique rQixdixsg. Bull. Soc. Ling. 21 
(1919) 130. 

Ist tqix«-£ix£c, (das Schlußglied mit idg. -»-; vgl. ai. xüraly. lat. vir). 
(Schw.) 

124. Luzzatto, L., I Fenici e l'Odissea. Giorn. soc. as. ital. 27 
(1915, ersch. 1916) 137-145. 

Kritik der semit. Etymologie V. Berards. (Schw.) 

125. Shewan, A., Scheria-Corcyra. Class. Phil. 13 (1918). 

Die Beschreibung des Phaiakerlandes bei Homer beruht auf der 
Wirklichkeit; eine alte Überlieferung identifiziert Scheria mit Corfu. 
Scheria war eine Insel nicht weit von Ithaka und von Thesprotia und 
nicht Ischia, wie Champault gegen B£rard behauptete. (K.) 

126. — The Scheria of the Odyssey (vgl. Scheria-Corcyra des- 
selben Yf. Class. Phil.). Class. Quarterly 13 (1919) 4—11 und 
57-67. 

127. Ludwig, A., Über die Homerischen Glossen Apions. (Schluß. 
Vgl. Bd. 74 S. 205 ff.) Philologus 75 (1918) 95—127. 

Vgl. IJ. 6, Abt. VIII Nr. 86. Die Echtheit des nur flüchtig gear- 
beiteten Glossars, das infolge mancher Unterschiede von dem auf Apion 
zurückgehenden Lexikon des Apollonios dem Apion zumeist abgesprochen 
wurde, wird erwiesen, indem L. zeigt, daß die beanstandeten Abweichungen 
darin ihre Erklärung finden, daß das Lexikon so gut wie das Glossar eine 
'Exzerptmache' sind. 

Ferner zeigt L., daß Apion in seinem Werke die Homerischen Glossen 
ohne Einschränkung auf die vielbedeutenden Wörter (jioXdä otj/tairovoat 
XJtgsig) behandelt hat, wie man unter Heranziehung eines Buches des 
Cassius Longinus jisql rööv Trag' 'Ojutjqo) noXXä orjfiairovacöv Xs^scor behaup- 
tete. Bemerkenswert ist endlich der Hinweis L.s auf das reiche Arbeits- 
feld, das ein Eingehen auf die Bemühungen der Alten um die Homerische 
Semasiologie eröffnen könnte, eine Mahnung, die nicht nur für den Philo- 
logen gilt, sondern fast noch mehr für jeden Sprachforscher, der sich mit 
Wortgeschichte beschäftigt. 

128. Agar, T. L., The Homeric Hymns. XI. El? 'AjioUcova. 
Class. Rev. 32 (1918) 143—146. (K.) 

129. — The Homeric Hymns. XII. Ek 'AnoUcova (Fortsetz.) 
Class. Rev. 33 (1919) 85—88 u. 130 — 134. (K.) 



P. Wa h r m a n n , VIII. Griechisch. 1 29 



Zu einzelnen Schriftstellern. 



130. Edmonds, J. M., The new lyric fragments III. Class. Rev. 
33 (1919) 125-130. 

Fortsetz, der Rekonstruktionsversuche der Sappho- und Alcaeusfrag- 
mente in Vol. X und XI der Oxyrhynchus-Papyri (Class. Rev. 1914 und 1916). 
mit Übersetzungen. (K.) 

131. Vürttieim, J., Stesichoros' Fragmente und Biographie. 
Leiden, Sijthoff. 1919. 112 S. 8°. 3,25 fr. 

Berl. phil. Wschr. 40 (1920) Sp. 362—370 von K. Seeliger. 
Enthält auch einige Bemerkungen über die Sprache des Dichters. 

132. Maas, P., Zu den neuen Bruchstücken des Bakchylides, 
Sokrates 7 N. F. (1919) 37—41. 

Enthält u. a. eine Zusammenstellung der Futura und der 2. Pers. 
Imperativi in Selbstaufforderungen des Dichters bei Pindar und Bak- 
chylides. 

133. Richards, Gr. C, Greek Compound Adjectives with a Verbal 
Element in Tragedy. Class. Quarterly 12 (1918) 15—21. 

Ein Versuch, die poetischen komponierten Adjektive der gr. Tra- 
giker zu ordnen. Die Epitheta ornant. bei Homer entsprechen den Typen 
des Sanskrit. Tatpurusa : ^Aazväva^; Karmadhäraya : KaxoiXiog und an- 
nähernd : KaXXtxoXcovt] ; Bahuvrlhi : xaXXiyvvaixa. Jedoch tritt schon früh 
Spezialisierung ein. Unter der großen Anzahl Komposita finden sich bei 
Pindar und den Tragikern erstaunlich wenig epische; sodann haben von 
den 96 zusammengesetzten Adjektiven der Olympischen Oden nur 28 ein be- 
stimmt verbales Element, 57 sind vom BV-Typus. Die homerischen Kompp. 
mit verbalem Element am Anfang sind bei den Tragikern nur noch 8pärlich 
vertreten. Eine Scheidung zwischen Kompp. mit aktiver und pass. Be- 
deutung ist unmöglich durchzuführen, so daß die Akzentregel der Alexan- 
driner völlig versagt {darpvrjqiÖQoi riftat = laurel - bearing honours oder 
honours of laurel borne? Der Dichter wird es nicht gewußt haben). Ein 
Wort auf -xog braucht nicht notwendig pass. Bed. zu haben. Nicht nur 
Aeschylus, wie Prickard zu P. V. 109 behauptete, sondern auch Sophokles 
und Euripides sind im Gebrauch solcher schwebenden Kompp. sehr frei. 
Sie alle haben Bildungen mit -gvxog. Eur. Ale. 184 6cpßaXfioxeyxxa> jxXtj/li- 
f/vQi8i kann nur aktiv sein; auch ä&jjooßQcoxov ö'gyavov (eine Umschreib, 
für nxvov Soph. fr. 454 Pearson) ist ein deutlicher Fall. Fast alle ver- 
balen Endd. können in aktiver wie in passivischer Bedeutung gebraucht 
werden. Vf. versucht dann die Kompp. zu klassifizieren: 1. Transference 
of Epithet. — (a) Simple; aktive, rol-ovXxcö Xr^iaxi (Pers. 55 ; passive, xagd- 
xouog sQTjfiia vsaviöiv (Tro. 564). (b) Complex., vsodfifjxsg yäfj,oi (Med. 1366). 
2. Redundancy. — svrjQsxfiog nXäxa (OC. 716). 3. Brachylogy. — ö^vjcXfjyac 
yoovg (Soph. fr. 523). 4. Comparison. — (Hom. goöoSäxxvX.og J Heog) imzoßa- 
(tooiv xafit'jXoig (Aesch. Supp. 284). — 5. Inversion of the Prosaic Order. — 
ßoQä ttv$Q03noxx6vo> (Eur. Cycl. 127), in Prosa „men hilled for food". 6. Juxta- 
position. — Unsicher (vgl. Soph. Ant. 146 dtxgaxeTg Xöyxai = ovo xal xga- 
zovaai usw., nach Jebb?). Vielleicht eine Gruppe auf -epogog: Ion 422 
da<pvr)q>ÖQovs xXcövag, wohl eher „branches of laurel carried" als „branches 
of olive with laurel on them". 7. Progressive Verbalization. — xoTXa 
XQvaöxoXXa (Soph. fr. 378): „gold-glue incrustations", i.e. incrustations in 
mhich gold is glued on. 8. Weakening of Verbal Element. 7iaXal<paxog 
Indogermanisches Jahrbuch. VTEL 9 



130 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

nQÖvout (Trach. 828) only a more grandiose word for xaXaiö. Hierher die 
Adj. auf ->']QT]?, -avlog, -vofiog, -yevrjg, -Tiogog, -eXarog, -d/ttazog. (K.) 

134. Sonny, A., Aristofan i Atticeskij razgovornyj jazyk (An- 
stophanes und die attische Umgangssprache). Petersburg 
1916. 93 S. 8°. S.-A. aus Zum. Minist. Narodn. ProsveSc. 
1916. 

Besprechung eines Buches von D. P. Sestakov, Opyt izucenija 
naroduoj reci v komedii Aristofana (Untersuchung der Volkssprache in 
den Komödien des Aristophanes). Kazaii. 1913. (V). 

135. Friedrich, J., Das Attische im Munde von Ausländern bei 
Aristophanes. Philologus 75 (1918) 274 — 303. 

Fr. behandelt 1. die Worte des skythisehen Polizeisoldaten in den 
Thesmophoriazuseu V. 1001-1007, 1083-1135, 1176-1201, 1210—1225; 
ferner Acharner 104, Worte des persischen Gesandten Pseudartabas, Vögel 
V. 1678,79. Verse im Munde des Triballergottes. Nach einer textkritischen 
Behandlung der Stellen folgt eine Besprechuug der einzelnen sprachlicheu 
Eigentümlichkeiten des Ausländerattischen, deren Ergebnis nach Fr. fol- 
gendes ist: Aristophanes hat die barbarische Sprechweise nach wirklicher 
Beobachtung geschaffen. Einzelne Eigentümlichkeiten stammen vielleicht 
aus der thrakiscü- illyrischen Sprechweise, so die häufige Ersetzung der 
Aspirata durch die Tenuis (in den Glossen durch die Media), ein nach- 
gesetztes av in ßaoihvav Av. 1678, bei dem Fr., wenn auch sehr zögernd, 
an den nachgesetzten Artikel moderner Balkansprachen auf thrakoilly- 
rischem Boden denkt; anderes ist der einheimischen attischen Volks- 
sprache entnommen, so der häufige Schwund des r und möglicherweise 
ein Casus indefinitus (cpi/.o, a>ga als Nom. und Akk.). Vielfach wird das 
Radebrechen des Fremden nachgeahmt, so bei der Verwechslung der Per- 
sonen und der Kasus. Im Anhang vergleicht Fr. die Sprechweise des 
Persers bei Timotheos, die sich nach ihm aus der Volkssprache des ioni- 
schen Kleiuasiens erklären läßt. 

136. Levy, F. W., De Demosthenis 7zsqI ovvrd^sayg oratione. 
Diss. inaug. Berlin. 1919. 64 S. 8°. 

Bespr.: Berl. phil.Wschr. 40 (1920) Sp. 147-152 von Rüger. 

In den Abschnitten de sermone orationis (S. 15 — 32) und de hiatu 
et de regula trium brevium syllabarum. quae vocatur (S. 32 — 42) kommt 
L. zu dem Ergebnis, daß die sprachlichen und stilistischen Eigentümlich- 
keiten nicht gegen die Echtheit der Rede sprechen. 

137. Weinreich, O., Die Heimat des Epigrammatikers Posei- 
dippos. Hermes 53 (1918) 434—439. 

In einem Proxeniendekret von Thermon um 280 v. Chr. erscheint 
unter den jigö^cvoi auch Poseidippos. dessen Zeit und Heimat Pella hie- 
durch gesichert erscheint. Der dorische Einschlag in seinen Epigrammen 
darf daher nicht beseitigt werden, sondern ist der Beziehung zu Nord- 
westgriechenland zuzuschreiben. 

138. Voilgraflf, W., De Theocriti et Callimachi dialecto. Mne- 
mosyne 47 (1919) 333—340. 

Während man zumeist den Dialekt Theokrits als Kunstdialekt auf- 
faßt, räumt V. das nur für Gedicht 16 und 17 ein, die in Alexandrien 
geschrieben sind. Dagegen sieht er bei Kallimachos und bei Theokrit 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 131 

die äolischen Elemente als Spuren des Äolischen ihrer heimatlichen Mund- 
arten von Kyrene und Syrakus an, was ihm die Inschriften zu bezeugen 
scheinen. 

139. Magmen, V., Le syracusaiu litteraire et l'idylle XV de 
Theocrite. MSL. 21 (1918) 49—85. 112—138. 

Handelt zuerst unter dem Titel „Les donnees historiques'' einläßlich 
von den geschichtlichen Bedingungen, den Vertretern und dem Einfluß der 
syrakusanischen Literatursprache sowie von der syrakusanischen Grund- 
lage von Theoer. XV und der handschriftlichen Überlieferung der syra- 
kusanischen Literatur. „L'idylle XV de Theocrite est donc bien une oeuvre 
syracusaine. Mais son importance speciale vient de ce qu'elle est Toeuvre 
la mieux conservee de la litterature syracusaine." Darauf folgt (S. 63 ff.) 
eine ausführliche Darstellung der Laut- und Formenlehre sowie des Wort- 
schatzes und der Syntax von Theoer. XV unter Heranziehung der übrigen 
Quellen des Syrakusanischen und der übrigen griechischen Dialekte. Am 
Schluß zusammenfassende Charakteristik des Sprachtypus. (Schw.) 

140. Garin, F., Due compendii laurenziani negl diaMxzcov. Riv. 
indo-greco-italica 3 (1919) 41 — 46. 

Traktat 1, der abgedruckt wird, enthält Bemerkungen zum Dorismus 
Theokrits und zum Ionismus (dieser Teil übereinstimmend mit dem Stück 
in Schäfers Greg. Corinth. append.), 2 ist eine Kontamination aus Greg. 
Cor. und Theodos. Alex. (Schw.) 

141. Jones, H. L., Notes on Strabo. Class. Quarterly 11 (1917) 
132—134 (vgl. I J. 6, 108 Nr. 98). 

1. The meauiug of uovorgotpeco (Strabo 3.3.6). fiov. means not „to 
eat but one kind of food", but „to eat but once in the day", 2. Strabo 
3. 3. 7. xtjgivotg de äyyeioig %geövxcu, xa&ÖTteg xal oi KeXzol. xrjgivoig ist 
wahrscheinlich richtig. „It is not at all improbable that the people in 
question, or the Celts, made use of waxen vessels for certain purposes. 
The Galatae ate honey, and they made a certain kind of beverage, says 
Diodorus Siculus (5. 26), with the wax, rä xrjgia. nXvvovteg im tovxcov ano- 
nXvfiaxi xQ^>vrai. u 3. Strabo 2. 1. 36. Verteidigt die Richtigkeit der Über- 
lieferung gegen Gosselin, Pensei, Groskurd, Forbiger, C. Müller und Meineke. 

(K.) 

142. Radermacher, L., Die Zeit des Antiquars Seraos. Philo- 
logus 75 (1918) 475. 

In dem Zitate bei Athenäus 622 d eha Tcgooxge%ovjeg itco&aCov, ov<; 
äv ngoeXoivxo, wird äv mit Unrecht getilgt; in der xoivr\ sind Beispiele mit 
äv infolge analogetischer Einwirkungen nicht unerhört, wenngleich nicht 
häufig, weil die Optativkonstruktion als solche schwindet; vgl. [Aristot.] 
Oekon. B 2 1350a 9, [Lucian] Lucius 21,37; Aristeas ep. 59, S. 19, 6 Wendl. 
Diese Konstruktion läßt Semos als hellenistischen Schriftsteller erkennen, 
worauf auch der Inhalt seiner Werke weist {ArjXiaxä, IJsqioöoi). 

143. Schmid, W., Epikritisches zur Echtheitsfrage von Lucians 
"Ovog. Berl. philol. Wschriffc. 39 (1919) 167—168. 

Im Anschluß an den Aufsatz Werners Herrn. f>3 (1918) 225 ff. 'Zum 
Aovxtog 7]"Ovog', der die Bedeutung sprachlicher Kriterien leugnet (S. 226), 
spricht nach Schmid die starke Übereinstimmung mit Lukian überall 
dort, wo sich Abweichungen von der vulgären Form des Originals finden, 
für dessen Autorschaft. 

9* 



132 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

144. Rebmann, 0., Die sprachlichen Neuerungen in den Ky- 
negetika Appians von Apamea. Baseler Diss. Basel, Birk- 
häuser. 1918. 166 S. 8°. 

Angeregt durch die neue Ausgabe des Oppian von Pierre Boudreaux 
i^Onmarov Kwrjystixä, Oppien d'Apamee, La chasse. Bibl. de l'Ecole 
des Hautes Etudes, fasc. 172, Paris, 1908), die einen zuverlässigen Text 
bietet, liefert der Verfasser eine gediegene Studie zu der noch wenig er- 
forschten Dichtersprache der griechischen Spätzeit, wobei er sich auf die 
Besprechung von Wörtern und Formen beschränkt, die in den Kynegetika 
zuerst auftauchen. Er behandelt die Neuerungen auf dem Gebiete der 
Flexion, der Wortzusammensetzung und der suffixalen Ableitungen. Wäh- 
rend das erste Kapitel ziemlich kurz ist, enthalten das zweite und dritte 
ein sehr reiches, sorgsam durchgearbeitetes Material, denn bei der Not- 
wendigkeit, den vorliegenden Stoff mit Hilfe des epischen Sprachgutes 
darzustellen, waren zahlreiche Neubildungen unvermeidlich. Einzelne 
solcher Bildungen gestatten auch einen Rückschluß auf die Form, in der 
um jene Zeit die homerische Sprache den gelehrten Grammatikern vorlag. 
so das S. 26 besprochene vijxeöavög = homer. rjasdavö; (Kyn. III 409), das 
eine genaue Parallele zu vqdvftos — fj8v/.ios darstellt. An anderen Stellen 
macht R. mit Recht darauf aufmerksam, wie auch die xoivi) nicht ganz 
ohne Einfluß selbst auf die so sehr verkünstelte Sprache eines Oppian 
blieb u. zw. in doppelter Weise. In bewußter Reaktion gegen die Sprache 
des Alltags konnten hyperepische Formen verwendet werden, wie vagxa 
Kyn. III 55 statt vägxav (wie homer. q>(*Q; neben att. <pgixr] gegenüber 
?j aiya, y/.avxa S. 14). Die Anpassung an die xoivt] zeigt sich hingegen 
bei evgaro Kyn. II 9; 14; 27 (S. 16), ebenso bei der Verwendung des Suf- 
fixes -ixög, das sogar an epische Wörter angefügt wird; -xotqavixöc Kyn. 
III 41 nach ßaodixög (S. 144). 

145. Diels. H. , Hippokratische Forschungen. V. Hermes 53 
(1918) 57—87. 

Von dem XIX. Hippokrat es- Briefe, der einem Briefroman aus dem 
Anfang der Kaiserzeit entstammt, hat D. eine viel vollständigere Rezension 
in dem Codex Urbinas 68 s. XIV. entdeckt, die auch manche sprachliche 
Eigentümlichkeit aufweist. So lernt man das ionische Jigfjxzat von ^gtjxztjg 
statt 7CQÖ.XTCOQ kennen, wie auch in dem Hippokratestext de morbo sacro 16 
statt xsxgäxrai zu lesen ist; ferner manche Solözismen, die auf mißverständ- 
liche Nachahmung des ionischen Dialekts zurückgehen (atvoiazo = oivono), 
wie auch zahlreiche Neologismen, darunter neue Wörter 8iaixt]fiaTcodr)f 
(17 vovaog) d. h. 'abhängig von der Lebensweise', qmofianäv 'Gespenstersehen'. 
.TVQoyoßeTodai, XQijfiroqaoßEia&at. 

146. Nachmanson, E., Erotiani vocum Hippocraticarum collectio 
cum fragmentis. Gotoburgi, Eranos-Verlag (Leipzig, Har- 
rassowitz). 1918. XXXII u. 155 S. 8°. 10 Kr. = 15 Mk. 

Bespr.: Wschr. klass. Phü. 1919 Sp. 534/35 (Helbing): Perl. phil. 
Wschrft. 1919 Sp. 153/54 (Kind). 

Diese Ausgabe ist die Frucht der IJ. 6, S. 109 besprochenen Erotian- 
studien. Sie enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse der genannten 
Schrift, dann die drei Testimouia de Erotiano, ein Verzeichnis der Siglen 
und den Text der Redaktion B 2; angeschlossen sind die Fragmente 
Erotians aus den Hippokrates-Scholien, endlich die Spuren der Redaktion 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 133 

B 1 bei Gregor von Korinfch. Angehängt sind Register der Autoren, der 
Glossen und der bemerkenswerten Wörter. 

147. Helmreich, G., Zu Gulen. Philologus 75 (1918) 77—94. 
Der erste Teil des Aufsatzes enthält kritische Bemerkungen zum 

12. und 13. Band der äußerst mangelhaften Ausgabe von Kühn, betreffend 
die Werke jibqi ovv&ioecog (paofidxcov rcöv xaza rojtovg und .-reg» ovv&soscog 
(paQuaxcov xütv y.axä yevt), der zweite Teil Ergänzungen zum griech. Lexikon 
(insbesondere zu Passow) aus denselben Büchern. 

148. Klimek, P., Der Hiatus in den Schriften Kaiser Julians. 
Breslau, Müller & Seiffert. 1919. 38 S. 8°. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 1920 Sp. 193—195 (Ammon). 

Die sorgfältige Untersuchung ergibt, daß Julian eine Abstufung in 
der Sorgfalt gegenüber dem Hiatgebrauch zeigt; die wenigsten Hiate 
sind im Briefe an Themistios, die meisten im Misopogon. 

Die Sprache der Bibel. 

149. Vernes, M., Les emprunts de la bible hebraique au grec 
et au latin (Bibl. de l'ecole des hautes etudes, Sciences reli- 
gieuses vol. 29). Paris, Leroux. 1914. IV u. 256 S. 8°. 

„Ce qui est un scandale, et doit etre dit, c'est qu'un pareil livre 
paraisse dans une collection offizielle, publiee au frais de l'fitat" (Meillet, 
Bull. Soc. Ling. 19, 124). (Schw.) 

150. Debrunner, A., K. Huber, Untersuchungen über den Sprach- 
charakter des griechischen Leviticus. Vgl. IJ. 5 (147) Nr. 131. 
GGA. 1919. S. 118—141. 

Die Besprechung Debrunners ist vor allem aus prinzipiellen Gründen 
wichtig. Denn er verficht hier nachdrücklich den Grundsatz, daß Sprach- 
erscheinungen in einer Übersetzungsliteratur anders zu werten sind als in 
sonstigen Sprachdenkmälern, und daß sich das die Septuagintaforscher 
besonders in der Syntax stets vor Augen halten mögen. So muß in der 
Syntax der LXX manches als Hebraismus erklärt werden, was mit xoivf)- 
Eigentümlichkeiten gleichgesetzt wurde, wie u. a. der häufige Gebrauch 
eines absoluten Nominativs, die häufige Anreihung mit xai usw. 

151. Knopf, R., Einführung in das Neue Testament. Samm- 
lung Töpelmann. Erste Gruppe: Die Theologie im Abriß, 
2. Band. Gießen, Töpelmann. 1919. XV u. 394 S. Gr. 8°. 

Bespr.: LCB.71 (1920) Sp. 163 (Fiebig): „Studierende und weiteste 
Kreise finden Aufklärung über Sprache, Text, Inhalt des NT." 

152. Preuschen, E., Griechisch- Deutsches Taschenwörterbuch 
zum Neuen Testament. Gießen, Töpelmann. 1919. IV u. 
165 S. 12°. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 1920 Sp. 125—27 (P. Thomsen). 

Das Buch ist gegenüber dem Handwörterbuch des Verfassers eine 
neue Arbeit; es bietet sämtliche Wörter des NT. in übersichtlicher Glie- 
derung unter Anführung aller Formen, wobei die neuste Forschung be- 
rücksichtigt wurde. Doch gibt die Inkonsequenz bei den Verweisen auf 
die einzelnen Stellen kein klares Bild über den Sprachgebrauch. 



134 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

153. Regard, P. F., Contribution ä l'etude des prepositions dans 
la langue du Nouveau -Testament (Pariser These). Paris, 
Leroux. 1919. XIX u. 695 S. 8°. 

Bespr. : Meillet, Bull. Soc. Ling. 21, 212/5. (Schw.) 

154. Regard, P. F., La phrase nominale dans la langue du 
Nouveau Testament. Paris, Leroux. 1919. 225 S. 8°. 

Bespr. : Meillet, Bull. Soc. Ling. 21, 212/5. (Schw.) 

155. Torrn, F., Über die Sprache in den Pastoralbriefen. 
Zeitschr. für d. Neutestamentl.Wiss. 18 (1917/18) 225—243. 

Die sprachlichen Gründe, aus denen Holtzmann (Die Pastoralbriefe, 
1880) und andere diese Briefe dem Paulus abgesprochen haben, sind nicht 
stichhaltig. Das Ergebnis ändert sich bei Berücksichtigung der pauli- 
nischen Sprache überhaupt. Hiebei zeigt sich, daß Paulus mehr als die 
Hälfte der benützten Wörter nur in einem Briefe gebraucht; ferner ver- 
teilen sich seine bevorzugten Wörter auf verschiedene Briefe. Ähnlich 
verhält es sich bei dem Gebrauch der Partikeln. Ebenso zeigen auch die 
unbestritten echten Briefe unter sich stilistische Abweichungen, so daß 
auch die stärkere Annäherung der Pastoralbriefe an eine höhere Sprache 
nicht gegen ihre Echtheit spricht. 

156. v. Harnack, A., Der 'Eros 5 in der alten christlichen Lite- 
ratur. Sitzungsber. d. Preuß. Ak. d. Wiss. 1918. S. 81— 94. 

Das Endergebnis des für die altchristliche Terminologie und für die 
Aufnahme des religiös -philosophischen Erosbegriffs in die altchristliche 
Lehre gleich wichtigen Aufsatzes läßt sich folgendermaßen zusammen- 
fassen. Die Übersetzer der LXX gaben den religiösen Begriff 'lieben', für 
den im Griech. eine genaue Entsprechung fehlte, mit dycuiäv, äycbitj wieder. 
Darin folgten ihnen die neutestamentlichen Schriftsteller; doch es setzten 
sich die Worte erst im 4. Jhdt. ganz durch, nachdem man ohne Erfolg 
cpiXelv und qpiXca, oregyeiv und ozogyrj in die christliche Sprache einzuführen 
getrachtet hatte, igäv und egaozr/g finden sich in höherem Sinne in der 
LXX nur Prov. Sah 4, 6 und Sap. Sal. 8, 2. Erst lustinus der Apologet 
verwendete igäv im philosophischen Sinne, egcog in Anlehnung an Plato 
(Apol. 1 8, Dial. 4), nach ihm Clemens von Alexandrien, der igäv, egcog, 
igaorrjg, egaorög ohne Bedenken und ohne biblische Begründung gebraucht 
(Strom. V 1, 14, 2; 15, 1; Protrept. XI 117, 2; Paed. I 10. 92, 3 u. ö.). Ori- 
genes aber begründete unter Heranziehung der o. a. LXX-Stellen und einer 
mißverstandenen Stelle aus dem Bömerbrief des Bischofs Ignatius von 
Antiochia (c. 7), wo egcog in sinnlicher, nicht geistiger Bedeutung auf- 
gefaßt werden muß (o 8' i/nog egcog eoravgcoxai xai ovx eoxiv ev e//.oi zivg 
cpdövXov) wie auch durch seine Auslegung des Hohenliedes die Einbürge- 
rung von egcog, igäv in die christliche Terminologie und Theologie. 

157. Kuhnert, E., 6 viög xov av&Qwnov. Zeitschr. für d. Neu- 
testamentl.Wiss. 18 (1917/18) 165—177. 

Der Sinn dieser vielumstrittenen Bezeichnung Christi, die ihn als 
Ketter und Erlöser der Menschheit charakterisiert, ergibt sich aus dem 
Sprachgebrauch griechischer, u. zw. besonders kleinasiatischer Inschriften, 
wo hervorragende Wohltäter einer Gemeinde als vlcg jioXecog, cpvXfjg u. dgl. 
angesprochen werden; z. B. Herodes Atticus in Eleusis als viög 'EXXddoc. 
Der Betreffende hat gewissermaßen Sohnespflichten erfüllt. 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 135 

158. Schanze, W., Das Neue Testament, schallanalytisch unter- 
sucht. 1. Stück: Der Galaterbrief. Veröffentlichungen des 
Forschungsinstituts für vergleichende Religionsgeschichte, 
Neutestamentliche Abteilung. Leipzig, J. C. Hinrichssche 
Buchhandlung. 1918. IV u. 36 S. 1,25 Mk. 

Bespr.: Wschr. f. klass. Phil. 1920 Sp. 180-181 (M. Dibelius). 

Die von der Familie Rutz begründete und von Sievers ausgebaute 
schallanalytische Methode wird hier auf einen Teil des NT. angewandt, 
um in der Weise Echtes und Falsches zu scheiden, daß mittels eines 
fein durchgebildeten Nacbsprechens das dem Paulus selbst gehörige Gut 
von deu Einschüben gesondert wird. Die so erzielten Ergebnisse erregten 
aber so sehr die Bedenken H. Lietzmanns, daß er zu einem Experiment 
schritt, das geeignet ist, durch sein Ergebnis diese Methode in ihrer An- 
wendung auf die Textkritik aufs schwerste zu erschüttern. 

159. Lietzmann, IL, Das Neue Testament, . . . schallanalytisch 
untersucht. . . . Dasselbe, 2. verbesserte Auflage. 1919. XVI 
u. 12 S. GGA. 1919. S. 223—229 und 401—419. 

In der eisten Besprechung teilt L. seine Zweifel mit, die ihn ver- 
anlaßten, einen Text Schanze und Sievers zur Bearbeitung zu übersenden. 
In dem zweiten Aufsatze zeigt er, daß der Versuch völlig fehlgeschlagen 
sei, indem der von ihm vorgelegte Text — ein Mosaik aus ganz verschie- 
denen Autoren — in gänzlich unzutreffender Weise analysiert wurde. 

160. Sievers, E., H. Lietzmann und die Schallanalyse. Eine 
Kritik und eine Selbstkritik (Das Neue Testament, schallana- 
lytisch untersucht, 2. Stück). Veröffentlichungen des For- 
schungsinstituts f. vgl. Religionsgeschichte (Neutestamentliche 
Abt.). Leipzig, Hinrichs. 1921. 47 S. 8°. 

Antwort auf Lietzmann GGA. 1919 S. 401 ff. L. hat „die benutzten 
Stellen (natürlich ohne es zu wissen und zu wollen) durch textliche Ein- 
griffe derart verfälscht, daß sie von vornherein jeder historisch rich- 
tigen Analyse spotten (auch wo unsere Analyse des vorgelegten 
Textes als solchen vollkommen richtig war)". Vgl. hierzu L.s Worte: 
„Mau wird vielleicht gegen diesen Versuch einwenden, er habe die mehr 
mechanische Art der alten Interpolationen nicht präzise nachgeahmt. 
Aber das hat ja auch niemand in Aussicht gestellt." Die Aufgabe der Prü- 
fung besteht 1. in der Festlegung der vorzunehmenden Schnitte. 
2. in der Zusammenordnung der so entstehenden Einzelstücke 
nach ihren mutmaßlichen Verfassern. Der 2. Teil der Aufgabe 
setzt die Lösung des 1. voraus. — 1. S. und Seh. haben früher nur die 
Stimmqualitäten untersucht, von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß 
da, wo ein Stimmbruch sich zeige, auch ein Verfasserwechsel 
anzunehmen sei. Die Nachprüfung sieht hiervon ganz ab und verwendet 
die Untersuchungsmethode Beckings: Die Kurven B.s bieten ein 
Kontrollmittel von strikter Unveränderlichkeit. Wenn oder soweit 
die Ergebnisse der neuen Methode mit denen der alten zusammentreffen, 
ist somit eine starke Gewähr für Richtigkeit gegeben. Das Ergebnis der 
Nachprüfung aller einzelnen Stellen ist, daß S. und Seh. in der Schnitt- 
setzung mit ziemlich geringfügigen Ausnahmen soweit auch historisch 
im Rechte geblieben sind, als sie mit klanglich unverfälschten Texten zu 



136 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

arbeiten hatten, daß aber ihr Können in historischer Beziehung 
überall da versagte, wo Lietzmann an Stelle von Originalen seine 
künstlichen Mischgebilde als 'Bestandteile eines noch unedierten Textes', 
'dessen Quellenverhältnisse einwandfrei festgestellt werden können', vor- 
gesetzt hat. Soweit hält Sievers also an seinem alten Standpunkt fest. 
— 2. Was die Stimultaxierung und die darauf sich stützende theore- 
tische (also nicht mehr rein beobachtende Auslegung des Tatbestandes 
angeht, so erklärt Sievers, daß er in dieser Auslegung allerdings er- 
heblich irregegangen sei. Die Dreiteilung in die Schichten A (urspr. Text 
der Vita), B (Gregoranteil), C (Zutaten) war als Ganzes sicherlich falsch. 
Im einzelnen bleibt manches bestehen: von dem zu A gerechneten Text 
verbleibt, alles bei A, was aus dem unverfälschten Urtexte 
stammt, bei B und C sind die Verhältnisse verwickelter. 

Epigraphisches und nichtliterarische Dialekte. 

161. Buisson, E. W., Die aiolisch- ionische Westküste Klein- 
asiens in Strabos Erdbeschreibung. Diss. Erlangen. 1917. 
66 S. 

162. Klee, Tb.., Zur Geschichte der gyrnnischen Agone an grie- 
chischen Festen. Leipzig, Teubner. 1918. 136 S. 

Bespr.: Berl. phil. Wschrft. 1919 Sp. 169/170 (Boesch); LCB. 1919 
Sp. 674/75 (R. 0.). 

Für die Epigraphik ist wichtig die erste Veröffentlichung der koi- 
schen Siegerlisten (von 250 — 180 v. Chr.), die R. Herzog dem Verfasser 
überlassen hat. 

163. Bechtel, Fr., Zur Kenntnis der griechischen Dialekte. 
Gott. Nachrichten 1918 S. 397—406; 1919 S. 339-346. 

1. Lokrische Konjunktive auf EEI; diese, so aus Naupaktos Xvxoze- 
/Jei, dvyöQeei, öoxeei. sind wie thess. xaxoixEiovvdi XuzoxeXIei zu umschreiben; 
man muß für das Nordwestgriechische so Präsentia auf -rjco feststellen, 
denen solche auf -eöoo parallel geben. Durch Kürzung des rj vor o> (del- 
phisch dCETco-dscovri Coli. "203-1 17) und Übertragung des e in das übrige 
Verbalsystem erklären sich delph. ädixsr], notst]. 2. Lokr. xeXeoq = xvgtoc 
ist nordwestgr. und elisch; so auf der 7. Olympischen Bronze. 3. Delph. 
ie = i£ ist neu belegt BCH. 23, 611 xov olvov (xl qpdgsv es xov dgö/iov, wie 
statt ig xö [EJvdoö/xov zu lesen ist. 4. Delph. xgixxsva xtjva, aus dem 
Amphiktyonengesetz Dittenberger Syll. '1453+, bisher unerklärt. x?)va zu 
xfjfai ist Nachkomme einer alten Partizipialform *kevwya wie äyvia und 
bedeutet das 'Brandopfer'. Neben xgixxsva stehen xgixxvg u. xgixxva (,So- 
phron), attisch xgixxoia aus xgixxo_fla, neben xgixxoia könnte man ein xglx- 
TEia nach fjfitxEia ansetzen, dessen Ausgang vielleicht an xrjva angeglichen 
wurde. 5. Arkad. MEiUyoiv, MsXiyiog erweisen durch die verschiedene Be- 
handlung der Liquida-Gruppe das Arkadische als Mischdialekt. 6. Arkad. 
svih'ogFt'a (aus BL'H. r>9 [1915]) zeigt, daß att. Ev&vcogta. herakl. Ev&vcogEiar 
aus Ev&vcogfla entstanden sind, aber wie äX).r)X<ov und homer. ijirjyxEvideg 
die Dehnung in der Konipositionsfuge vor zwei Konsonanten bewahrt 
haben, sv-dvogfog att. Ev&vcogov (Xenophon Anab. II 2, 16) zu ar. aria 
aw. aurra (schnell), germ. arva in ags. earn, alts. aru (schnell, bereit) heißt 
'geradeauseilend'. 7. Arkad. Jlavdyogotg hat im zweiten Gliede des Kom- 
positums die Ablautform zu äyEgoig (Milet Coli. 5498 3. 17). Denn B. be- 



P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 137 

streitet für das Arkad. die Vertretung des r durch og. 8. Lesb. ervsxu 
auf jüngeren Inschriften stammt aus den Dichterausgaben, wo doppelte 
Nasalis geschrieben wurde, wenu der Vers die Längung des Vokals ver- 
langte. In der lebendigen Sprache schwand J- spurlos. 9. Lesb. Xeqqwv 
verdankt seine Form statt Xigcov grammatischer Spekulation unter Be- 
nutzung von x El Q-X £ QQ (anders Kretschmer Nr. 108). II. 9 u. 10. Einige 
homerische Wortformen lassen sich aus der äolischen Barytonese erklären ; 
"Agrjog, "Jgrji zu "Agevg, ebenso dvozrjvog. 11. lesb. zziovyyog Sappho 98 s; 
att. nszzvxia ; aus pekjus zu jzsxco, 'schere'; -mavyyog 'Gerber, Schuster 1 . 
12. Im Boot, und Thessal. stimmen Appellativa und Eigennamen auf -evg 
überein, da e überall erhalten und durch si ausgedrückt wird; im Lesb. 
zeigen die Eigennamen e. 13. Thess. evaa IG. IX 2, 512 27 ist in eovoag 
zu ändern. 14. Thess. dav%va, bei Nikander Savxpög sind von ddtpvt] 
zu trennen und zu davxov (Theophrast, Pflanzengesch. IX 13,9) zu stellen; 
*dav!-va, *8av^fiög zu bavyva, öavxpdg wie xvXlxva. neben xvhg~. 15. Thess. 
<PvXiadcbv Stadtname zu homer. <pvXid s 477. 16. In der böot. Nikarete- 
inschritt VII 3172 g steht vv beim Imperativ, ebenso auf der Bronze von 
Edalion SGDJ. 60 A 6 . 17. Böot. 'Axgai<fr\v zu dem Stadtnamen 'AxgaicpvKt. 
wie 'Afxvjxvoi zu A/xv^oveg. 18. Böot. dgioxgr) Ftfg IG. VII 1739» zu XQV^'y 
im Att. dgiö/gecog. 19. Böot. fiTjXdzag nach ßorjXdz?]g aus * ^rjXrjXdzag . 
20. xoXoicpgvg" ; Hesych. x. ' TavaygaTog dXexzgvöiv, xal ogog Boiwzlag aus 
Phigaleia IG V/2, 425 8 KoXoupwv, d. i. ein Mann, der die Erscheinung eines 
xoXoiög hat. xoXoiqpQvl; ist derjenige, welcher die cpdgvy^ eines xoXotög hat. 
Ahnliche Bergnamen sind K6gag~, K6xxvg~, KogvöaXXog. 

164. Comparetti, D., Tabelle testaraentarie delle colonie achee 
di Magna Grecia (tab. IV, V). Annuario scuol. arch. 2 (1916) 
219 — 266. 

Veröffentlicht die Saotisinschrift von Petelia mit je einem neuen 
gleichartigen Stücke von Crimisa, Caulonia und Terina. Sprachlich be- 
merkenswert KaXXicpdovzog , Zao[z]vx[ai (Crimisa), Jlsovdza gen. (Caulonia). 
Ausführliche sachliche Erörterung. Im Anhang (S. 247) Neubehandlung 
der Xuthiasinschrift von Tegea (C. liest al x'avzog ßtoizo) und von In- 
schriften von Dodona (Carap. t, 28, 2) und Kerkyra (IG. IX 2, 695). (Schw.) 

165. Ribezzo, F., Una Kylia epigrafa inedita di Curaa. Rir. 
indo - greco - italica 1 (1917) 79 — 83. 

Das Gefäß (V. Jahrh.) enthält zwei Inschriften. 1. hemoi eivevt'Asv 
„irrideva al cor-contento". 2. hsmog svdeiv isv „il cor-contento lasciava 
irridere". (Schw.). 

166. Comparetti, D., Defissioni di Selinunte e di Cuma. Rendi- 
conti Acc. Lincei 27 (1918) 193 — 206. 

Einige neue Stücke aus Selinunt, Neubehandlung der cumanischen 
Defission. (Schw.) 

167. Hiller von Gärtringen, Fr., Vor euklidische Steine. Sitzungs- 
ber. d. Preuß. Akademie d. Wiss. 1919. S. 660 — 72. 

Rein epigraphisch und sachlich. 

168. Bannier, W., Zu griechischen Inschriften II. Berl. phil. 
Wschrft. 38 (1918) 977-984. 

B. liefert Beiträge zu der milesischen Sängerinschrift (Dittenberger 
Syll. 3 57), zu der von Loch besprochenen IG.VII 1880 (gegen Loch), zu 



138 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

IG. XIV 1 und 1474, zu IG. IV 177, zu IG. IX 2, 1098 (wo er einen Frauen- 
namen Aiocb zu alaa wie Moiqoj zu fioTga rekonstruieren will), zu IG IV 1611 
(hexQogoe wird gedeutet als eninQcoooi = 'Schiffsmannschaft'; ävqco^vg als 
'Anker'). 

169. Schwyzer, E., Zu griechischen Inschriften. Rhein. Mus. 
72 (1917/18) 426—436. 

1. Zur thessalischen Sotairosinschrift. reit XQvoia xai xä äoyvQia xkg 
BeXa-alo äxoXö/xeva eoooe wird erklärt durch den Hinweis auf die delphi- 
sche Inschrift Ditt. Syll. s 417 xqrj^axa . . . a rjoav ex xov ieqov äjioXcoXöxa. 
Sotairos wird geehrt, weil er geraubtes Tempelgut gerettet hat. 2. Aiv- 
valog. Diese in einer Inschrift aus dem phthiotischen Acbaia Ditt. 3 546 A 
vorkommende Form (Alvvaiov vefiog) .steht für Alvtavawg mit haplologischer 
Kürzung und w aus rj. Es ist ein äolischer Rest in der nordwestgriech. 
Urkundensprache des Gebietes. Überdies liegt hier ein mit -axog gebil- 
detes Adjektiv zu einem o- Stamm vor. 3. Thessalisch Navocxxalog und 
homerisch NAYSIKAA. Während Fick noch Navaixda als zerdehnt aus 
JSavaixä ansieht, das aber wohl nur ein (iramuiatikerprodukt ist, ist es 
nach Schw. durch falsche Anpassung von *Navaixx (hierfür ein x)a an 
den Vers entstanden. Es ist eine Koseform zu einem zweistämmigen 
Namen; auf Rhodos Navatxog zu Navoixgdxtjg; Navoixxcüoi sind die Söhne 
eines Navoixxäg. 4. AM ATA. Die Deutung des ersten Herausgebers der 
Inschrift Ditt. s 421 Soteriades, der es mit anXöcog und ouigotpaotoxcog über- 
setzt und die Etymologie Baunacks (Philol. 65, 317 f.), der es als ä-fiaxoc 
vgl. avroi.ia.xog, lat. commentus = 'nicht ersonnen' erklärt, wird durch den 
Hinweis auf ein Täfelchen von Dodona (Hoff mann, Dialektinschr. 1568) 
gestützt, wo afiäxq xeyya statt äpa xä x. zu lesen ist gleich ädöXco rixvj). 

170. von V8lsen, R., De titulorum Arcadiae flexione et copia 
verborum. Diss. Berlin 1917. VII u. 84 S. 

171. Vollgraff, W., Studia epigraphica und Corollarium. Mne- 
mosyne 47 (1919) 66—72, 230—231. 

Irrtümliche Veröffentlichung eines von Hiller in IG. V 2,410 edierten 
Fragments und Widerruf in dem zweiten Artikel. Nach Vollgraff liegt 
hier das älteste Zeugnis für die Verwendung von Buchstaben als Zahl- 
zeichen vor (VI. Jahrh.). 

172. Loch, E., Zur böotischen Grabschrift IG. VII 1880. Berl. 
phil. Wochenschr. 38 (1918) Sp. 167-168. 

Gegenüber Bannier (ebda. 37, Sp. 1443) hält L. an der Formel fivijfia 
gsii xivi ijTixc&ivai fest, die in Böotien, Phokis. Lokris und in der Äolis auf 
Grabschriften allgemein üblich war. 

173. Vollgraff, W., Novae Inscriptiones Argivae (continuantur 
ex vol. XLIV p. 238). Mnemosyne 47 (1919) 160—170 u. 
252—270. 

Vgl. IJ. V Nr. 146. Erwähnenswert ist Nr. V das Adverbium äfupo- 
xegeT; VII. woog 'EXXwxlov; eine kretische Göttin 'EXXeoxlg wird in Gortyn 
verehrt. XIV. Oarjig Kurzname zu einem Namen mit Qarjoi-. XXVIII. 
Brief des Agrippa an die yegovoia der Argiver, wohl eine Übersetzung 
aus dem Lateinischen, rr/v alxlav nagexeodai gibt das lat. causam praebere 
aiicuius rei wieder. 



P. Wahr mann, VIII. Griechisch. 139 

174. Comparetti, D., Iscrizione arcaica inedita di Gortina. 
Rendiconti Acc. Lincei 27 (1918) 193 — 206. 

Neubehandlung der Inschrift bei Kohler-Ziebarth S. 35 f. (Schw.) 

175. Maiuri, A., Un iscrizione greco - fenicia a Rodi. Annuario 
scuol. arch. 2 (1916) 267—9. 

— — &eot}g Mv[Xavzlocg? x a Q iaz v]Q l0v - (Schw.) 

176. Porro, G. G., Iscrizioni di Rodi. Annuario della R. scuola 
archeologica di Atene 2 (1916) 125 — 131. 

24 Inschriften. Bemerkenswert zgoqxo (= zgocpög) nr. 9, 'Ansizig (Frau) 
nr. 17. (Schw.) 

177. — Bolli di anfore rodie del Museo Nationale Romano. 
Annuario scuol. arch. 2 (1916) 103 — 124. 

285 Inschriften und Siglen. (Schw.) 

178. Maiuri, A., Nuove iscrizioni greche dalle Sporadi meiidio- 
nali. Annuario scuol. arch. 2 (1916) 133—179. 

187 Inschriften, meist Grabschriften. Bemerkenswert nr. 5 'Aoxkamoji 
nai 'Yyitia[i\ Hai'Hfisgideloig (divinitä alleviatrici e rasserenatrici dai mali); 
nr. 27 Xagcovidag Srjvozifim (1. H. V a ). (Schw.) 

179. Lehmann, K., Inschriften in Konstantinopel. Athen. Mit- 
teilungen 42 (1917) 185—190. 

Stele, in Konstantinopel aufbewahrt, mit Namensliste ; diese stammt 
nicht aus Byzanz, sondern wahrscheinlich nach Mordtmann aus Kyzikos, 
wohin auch mehrere Namen weisen; so Al'arjTiog und AiatjjiödcoQog nach 
dem Flusse Aiorjnog; üooizzrjovg und üooizzelovg Genetivformen, die in 
Kyzikos belegt sind, wo sich auch Ilooizzrjg findet. Ohne Analogie sind 
die Genetive Nsv/xä (vgl. Neifitov SGDJ. 5743), Boozä und TeQqprjog. 

180. PomtoW,H., Delphische Neufunde. III. Klio 15 (1918) 
303—338. 

III. Hippokrates und die Asklepiaden in Delphi (Fortsetzung von 
Bd. XV 1-77 ; vgl. IJ. VI Nr. 128). 

Inschriften, die die Verbindung des Hippokrates und der Asklepiaden 
mit Delphi zeigen; darunter das erste epigraphische Zeugnis für den 
Asklepiadennamen auf einer Inschrift aus Selinus von 425 — 405. 

181. Haussoullier, B., Traite entre Delphes et Pellana (Bibl. 
de l'ecole des hautes etudes, Sciences historiques, fasc. 222). 
Paris, Champion 1917. VIII, 190 S.; Tafeln. (Schw.) 

182. Hiller von Gärtringen, F., Opferinschrift aus Netteia 
Archiv f. Religionswiss. 19 (1916-19) 281 — 285. 

Durch die neue Lesung Hillers der Inschrift IG. XIl/I 892 wird die 
Lesung Crönerts Gott. Gel. Anz. 1908, 1028, der dort ein Adverbium d(g)vazel 
nach dgvzi in Symeons Etymologikon (S. 266 tleitz.) einsetzt, hinfällig. 
Dagegen bleibt H. bei Ziehens Lesung (Leg. Sacrae II 1906, 149) HardxQovr, 
ein Adj. nach der Bildung von fxeXdyxgovv. 

183. Bourpuet, E., Rev. et. anciennes 21 (1919) 81. 

Beseitigt die Lesung üi\Qo]ahccnäv in der delphischen Promantia der 
T hurier (Ditt. Syll. 2 93) durch den Vorschlag ji[qo 'Iz\afo<ozäv. (Schw. 



140 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

184. Kazarow, G., Kleine Funde aus Bulgarien. Jahreshefte 
des Österreich. Arch. Instituts in Wien 19—20 (1919) 45—50. 

Spätgriechische Inschriften; erwähnenswert der Name IJdXag, mit 
thrakisch. Viscar (CIL VI 2386 a) und phrygisch Mäzag (Journ. Hell. Studies 
19, 1899, 84) zu vergleichen; Detschew ist geneigt, ihn von lat. palaris 
abzuleiten. 

185. Evans, D. E., Notes on the Consonants in the Greek of 
Asia Minor. Class. Quarterly 12 (1918) 162—170. 

The Aspirates. Die Koivr\- Inschriften in Phrygien bis zum 4. Jh. 
verwechseln <p, ■&, x oft mit n, z, x: ädeL-zoi, cpgeoßvzegog usw., sie haben 
also keine spirant. Geltung. Ebenso die griech. Lehnwörter im Armeni- 
schen. Die heimatl. üiall. kannten offenbar keine Aspiratae; griech. qpegco: 
Phr. aßßegez usw. (Brugmann, Grundr. 2 1. 2. 650). Der Wechsel zwischen 
Asp. und Ten. hauptsächlich in den abgelegenen östl. und südöstl. Ge- 
bieten, wo der griech. Einfluß gering war. Dagegen eine Inschrift von 
Hierapolis eik^nq^cog. Erst nach dem 10. Jh. treten bei Lehnwörtern im 
Armen, für cp und x auch Spiranten auf (Thumb). Offenbar war p für # 
jedoch ein scbwer auszusprechender Laut. Die kleinas. Koivr\ hatte also 
später zweierlei Laute für die griech. Aspiratae: a) Explosivae, den hei- 
matl. Diall. angepaßt, und b) die Koivr) - Spiranten. — Tenues und Me- 
diae. Die kleinas. Diall. wandelten die griech. Tenues und Mediae nach 
Nasal vr, (in, %dx > vd, fib, vag. Von hier aus verbreiteten sie sich über die 
ganze griechisch sprechende Welt. Dabei unterblieb zugleich die sonstige 
Entwicklung von ß, 5, y ^> v, <f, 3. Im Phryg. wie in den Lehnwörtern 
im Armen, zeigen in der Koivr\ - Periode die Tenues eine Neigung zur Er- 
weichung; es entsteht ein Schwanken im Gebrauch der Tenues und Me- 
diae: dryadgl, Tö/nvov (= Aöfivov), neide (= xeizai). Vergleicht man diese 
Schreibweisen mit ävyadöv, -dvyyazgi u.dgl., so liegt der Grund am Tage: 
die nasalierte Aussprache der Vokale hat sie veranlaßt. So erklärt 
sich auch £wzeg, ovßiog usw. Ferner yavßgog, ävevnzcog. Inschr. i/n86fiov 
hat n für ß durch Nasalierung des e, und fiß, vd kann durch Assim. zu 
fi(fi), *'(v) werden: yafigog, Tefigöyiog (= Tembrogios), [tavogayogag = Arm. 
manragor. Dieser Lautwandel erscheint häufig in den modernen kleinas. 
Diall. fiä£co für (i)fibd£aj ; es handelt sich aber dabei nicht um ein durch- 
greifendes Lautgesetz. — Neben der Tendenz, ß, 8, y als Explosivae zu be- 
halten, zeigt sich in den gebildeten Klassen eine größere Empfänglich- 
keit für die spirant. Aussprache der Griechen. — Combination of Con- 
sonants. Neben den gemeingriech. Wandlungen cp&^ßiVX (gesprochen 
pth, kth, pkh) > pftp, kxzp, pfk x > neugriech. cpz, xr, <px (= ft, xr, ß); 
— v& (eXev&egog u. dg].) > ft; — o& > oz, <pa, va > na (V) d. h. Dissimi- 
lationen zwischen stimmlosen Spiranten kennen die kleinas. Dialekte noch 
einen analogen Wandel : Sflli und Cappadocien gd- (mit stimmlosem^) 
> qz: rjgza, ägzovnov. Dagegen hielt sich <p, x, wo die Aussprache keine 
solche Schwierigkeit ergab wie bei ß. In Cyprus, Rhodos, Calymnos, 
Samos, Chios auch gx^>Qx- egxov/uat. In isolierten Fällen kann auch 
der erste Laut assimiliert werden und schwinden: änele&ega, iAe&egtav, wo 
y& ^> fp ^ ß wurde. Ebenso fs >s: xazexeoe, ioeßrjg. Auch Kombinationen 
von stimmhaften Lauten, obgleich fester als die stimmlosen, zeigen ähn- 
liche Tendenzen : ßfi, y/i">> ft im Neugriech., ßv ^> fiv. Carpathos nav- 
rgeyovv für vnavzgevyovv. Capp. ßvvco <^ aßvvco (ßovva>):~ zv, vz. Phorasa 
Cvvco. Dagegen kann auch einer von den beiden Lauten die Artikulation 
ändern und zum Explosiv werden: Capp. ßdofidga; Delmesö gaßyi; Pho- 



P. Wahr mann, VIII. Griechisch. 141 

rasa gaßdi u. dgl. Ähnliches auf den benachbarten Inseln ; wahrscheinlich 
eine charakteristische Tendenz der spätem östlichen Koivr'j. — fiv war für 
den Volksmund offenbar eine unbequeme Verbindung, deshalb wurde sie 
gerne vereinfacht: Für ^vfjurj tritt in phryg. Inschriften auf/*^;, welches 
wieder führte zu /uvrjfxvt), f^vr/vt], /nvvdfivi) usw. (K.) 

186. Müller, N., Die Inschriften der jüdischen Katakombe am 
Monteverde zu Rom. Entdeckt und erklärt. Nach des Verfs. 
Tode vervollständigt und hgb. von Nikos A. Bees. (Schriften, 
hgb. von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft 
des Judentums.) Leipzig, Harrassowitz. 1919. X u. 185 S. 
Fol. Mit 173 Abbildungen 

Bespr. : LCB. 1920 Sp. 934—35 (D.). 

Es liegen, soweit ich der Besprechung entnehme, 185 zumeist griech. 
Inschriften aus der Zeit vom 1. bis 4. nachchristl. Jahrb. vor. Zu dem 
eingehenden Kommentar steuerte Deifimann viele sprachliche Erklärun- 
gen bei. 

187. Scherling, K., Gemmen mit der Inschrift MNHZ9H. 
Hermes 53 (1918) 88—93. 

Die auf geschnittenen Steinen des öftern vorkommende Form wird 
fivtjodji gelesen und als die 2. Pers. sing, des medial flektierten, wenngleich 
passivisch gebildeten Aoristkonjunktivs erklärt, so daß hier wieder ein 
neues Beispiel für den Konj. in Aufforderungen vorliegt (vgl. Brugmann- 
Thumb, Gr. Gr.* 574). 

188. Evelyn White, Hugh G., Graeco-Roman ostraca from Dakka 
(Pselcis), Nubia. Class. Rev. 33 (1919) 49—53. 

Ausgrabungen von C. M. Firth, im J. 1909. Mit dem Text von 23 In- 
skriptionen. (K.) 

Pap yru skunde. 

189. Schubart, W., Einführung in die Papyruskunde. Mit 
7 Tafeln. Berlin, Weidmann. 1918. 508 S. 8 °. 

Bespr.: LCB. 1918 Sp. 814/15 und 835/36 (A. Stein). Berl. phil.Wschr. 
1918 Sp. 1235/36 (K. Fr.W. Schmidt). 

Das Werk ist eiue Einführung in die Papyruskunde in vollem Sinne 
des Wortes, indem es zum ersten Male die literarischen Texte und die 
Urkunden behandelt. S. 184—225 gibt einen Überblick über die Sprache 
der Papyri. 

190. Preisigke, F., Sammelbuch griechischer Urkunden aus 
Ägypten. Hrsg. im Auftrage der Wissenschaftl. Gesellschaft 
Straßburg II, Erste Hälfte. Straßburg, Trübner. 1918. 320 S. 
Lex. 8 °. 

Bespr.: Berl. phil.Wschr.51919 Sp. 322-23 (P.Viereck). 

Der Band enthält die alphabetisch geordnete Übersicht, wo man im 
Sammelbuch und in anderen Werken (Arch. f. Papyrusforschung u. a.) die 
in Zeitschriften, Dissertationen und sonst veröffentlichten Urkunden findet, 
ferner eine Sonderung der Urkunden nach ihrem Material und nach ihrem 
Inhalt, endlich ein Personenverzeichnis. 



142 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

191. Grenfell, B. P. und Hunt, A. G., The Oxyrhynchus Papyri. 
Part XIII. London. 1919. 

Enthält literarische Stücke. 

192. Publicazioni della Societä Italiana per la ricerca dei Papiri 
Greci e Latini in Egitto. Vol.Y. Firenze, Ariani. 30 Lire. 

Bespr.: Berl. phil.Wschr. 1920 Sp. 721—23 (Kießling). — Meist juri- 
dische Papyri. 

193. Schmidt, K.Fr.W., Zu griechischen Urkunden aus Ägypten. 
I— III. Berl. phil.Wschr. 1918 Sp. 477ff., 906ff., 1073ff. 

Der Artikel enthält für die griechischen Personennamen einiges Neue, 
was der Verfasser im Anschluß an die von Preisigke in seinem Sammel- 
buch griech. Urkunden aus Ägypten, Bd. I Straßburg 1915 abgedruckten 
Papyri vorbringt; — so zu Nr. 322 Meyioxiov (fehlt bei Bechtl, Personen- 
namen 300). Nr. 384 Aiöq?v[T]os statt Aioq?v[X]og nach c Hq6(pvrog und nach 
dem Beinamen <Pvziog, Nr. 450 6eaQe[r]a zu OsäQTjg. Zumeist aber werden 
ägyptische Eigennamen erklärt. 

194. Preisendanz, K., Miszellen zu den Zauberpapyri. Wiener 
Studien 40 (1918) 1-8 und 112—115. 

I. In den Zauberpapyri bezeichnet: 1. ovozaoig die Empfehlung an den 
Gott, wie auch sonst in hellenistischen Sprachdenkmälern ovviozaodm 'sich 
empfehlen, empfohlen werden 5 bedeutet. 2. ovoia den zauberkräftigen 
Stoff, der von einem Menschen genommen sein kann, um als Teil von ihm 
dem Dämon übergeben zu werden, aber auch von einem Toten, dessen 
Geist man heranzwingen will. Ein Teil seines Wesens (Haare, Nägel, 
Knochen, Unrat) vertritt das ganze Wesen, die ovoia. Die allgemeinere 
Bedeutung von ovoia ist dann 'Zauberkraft'. Im 2. Teil behandelt P. 
einige graphische Kürzungen. 

195. Maas, P., Akusilaos über Kaineus. Sokrates 7 (1919) 
191—193. 

196. Deubner, L., Bemerkungen zu einigen literarischen Papyri 
aus Oxyrhynchos. Sitzungsber. der Heidelberger Akademie 
d. Wiss. 1919. Abh. 17. 

In Band 13 der Ox. Pap. S. 127 ff. ist ein Text überliefert, der durch 
ein Zitat aus dem Argiver Akusilaos bemerkenswert ist. Dieses zeigt 
einen primitiven Stil und ionischen Dialekt (Parataxe mit xai und EJisiza, 
proleptisches yäo wie bei Herodot, jioXeiiseoxe ohne Augment). Eigentüm- 
lich ist der Infinitiv zsxsv (so akzentuiert!), von Deubner als argivisch 
erklärt (Thumb, Hdb. d. griech. D. 110). 

Vorgriechisches und Früh griechisches. 

197. Debrunner, A., Die Besiedlung des Alten Griechenland im 
Licht der Sprachwissenschaft. Neue Jahrhücher 21 (1918) 
433—448. 

Der Aufsatz, eine Zürcher Habilitations Vorlesung, gibt einen klaren 
Überblick über den heutigen Stand der einschlägigen Forschung sowohl 
in bezug auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Dialekten als auch 
im Hinblick auf die vorgriechische Besiedlung Griechenlands. Besonders 
sei auf eine Zusammenstellung der Wörter hingewiesen, deren Etymologi- 






P. Wahrmann, VIII. Griechisch. 143 

sierung aus indogermanischem Sprachgut noch nicht gelungen ist, unter 
denen geradeso wie bei den Wörtern mit vorgriechischen Suffixen (»*»?, aa) 
besonders Bezeichnungen für Pflanzen, für Tiere und Kulturwörter ver- 
treten sind. 

198. Kahrstedt, U., Die Nationalität der Erbauer von Mykene 
und Tiryns. Neue Jahrbücher 43 (1919) 71—74. 

K. sieht in den Achaiern des Epos schon einen dorischen Stamm; 
nur die Megaris ist für B der Ilias noch böotisch. Die Besetzung der 
Megaris durch die Dorier ist also die einzige dorische Wanderung, von 
der die Dichter und Hörer des Epos wußten. Alles andere, was die Tra- 
dition berichtet, ist rein erfunden. Wenn nun die Dorier schon in sehr 
früher Zeit in die Argolis eingewandert sind, so muß man für sie auch 
die mykenischen Gräber in Anspruch nehmen, wogegen man seitens der 
Archäologie nichts einwenden kann , da kein jäher Bruch in der Kultur 
auf einen Wechsel der Bevölkerung schließen läßt. Vielmehr hat sich 
der geometrische Stil langsam durchgerungen, indem die Bevölkerung die 
Bevormundung seitens Kretas abschüttelte. In Kreta selbst werden im 
XV. Jahrh. die kretischen Paläste zerstört und es erheben sich über den 
Trümmern mykenische Megara. Ferner erscheinen auf Kreta die dori- 
schen, u. zw. die argivischen I'hylen. Es mußte also in mittelminoischer 
Zeit Kreta schon von Doriern aus dem Peloponnes erobert worden sein. 
Die arkadische Wanderung fällt wohl nach Beloch zwischen das XV. Jahrh. 
und die Erfindung der phönikischen Schrift. Man muß sie aber möglichst 
hinaufsetzen, etwa in das XIV. Jahrh., wo sie durch den Druck der Dorier 
veranlaßt wurde. Um diese Zeit müssen aber die Isthmosgebiete und die 
nördliche Argolis von den Doriern noch frei gewesen sein, da sonst eine Ver- 
bindung Arkadiens mit dem Kolonialgebiet nicht möglich gewesen wäre. 

199. Treidler, H., Epirotische Völker im Altertum. Eine eth- 
nographische Studie mit einem Exkurs über die 14 Stämme 
Theopomps im 4. Jahrhundert. Archiv für Anthropologie 
17 (1919) 89 — 122. 

Auf Grund einer genauen Untersuchung der alten Quellen und unter 
sorgsamer Zurateziehung der einschlägigen Literatur kommt Tr. zu fol- 
gendem Ergebnis. 1. Hellenische Vorherrschaft in Epirus; Molosser und 
Thesproter-Thessaler (vor 700 v. Chr.). (In Epirus bei Dodona wohnten 
auch die rQaoi, deren Name von den mit ihnen in Berührung gekommenen 
Illyriern nach Italien mitgenommen wurde und zur Bildung des Namens 
Graeci führte). 2. lllyrische Einwanderung (um 700), in deren Verlauf 
die griechischen Epiroten aus Zentralepirus nach Thessalien gedrängt 
werden. 3. Eine Rückwanderung aus Thessalien (um 650), in deren 
Verlauf a) ein Teil der Epiroten (hauptsächlich Illyrier) nach Italien 
wandert, b) die Molosser wieder an Macht und wahrscheinlich Fühlung 
mit der See gewinnen (um 600). 4. Allmähliche Zurückdrängung der 
Chaoner in die Keraunien und langsame Aufrichtung der molossischen 
Suprematie in Epirus (570—470; Themistokles). Der Nationalität nach 
war in historischer Zeit Epirus vorwiegend von Nicht -Griechen (Illyriern, 
vereinzelten thrakischen Stämmen) bewohnt, das griechische Element war 
nur vertreten in den Molossern, die freilich die Führung über die nicht- 
hellenischen Stämme hatten. Gegen Mittelgriechenland hin verschoben 
sich die Verhältnisse. Während Amphilochien noch ethnologisch zu Epirus 
gehörte (Thuk. II 68, 4 bis 5), indem nur die Hauptstadt Argos hellenisiert 



144 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

■war. überwog in Akarnanien und Ätolien das griechische Element. Da- 
selbst zeigen nur die Völkernamen anf -ävsg (Ay.aQrävsg , Evgvrävsg, Alviävec) 
illyrische Einflüsse. 

200. Danielsson. 0. A, Zu den lydischen Inschriften. Skrifterut- 
gifna af K. Humanistiska Vetenskaps-Samfundet i Uppsala. 
20. Nr. 2. Uppsala, Akademiska Bokhandeln u. Leipzig. 
Harrassowitz. 1917. 

Hier sei vornehmlich hingewiesen auf die Gleichsetzung des aus 
Hipponax bekannten TtdXfivg 'König' — bei Homer IL 13,792 als Eigen- 
name — mit dem inschriftlichen Wort für König 'halmlu'. 

201. Assmann, E., Fehlgriffe und neue Wege bei der Er- 
forschung kleinasiatischer Eigennamen. Berl. phil. Wschrft. 
1919 Sp. 89—96. 

A. stellt die Forderung auf, bei der Bearbeitung der kleinasiatischen 
Eigennamen mehr noch als es durch Kretschmer (Einleitung) und Sund- 
wall (Klio 11. Beiheft) geschehen ist, den gewaltigen, kolonisatorischen 
und zivilisatorischen Einfluß des Morgenlandes, besonders Babyloniens, zu 
berücksichtigen. Besonders sei auf seine Etymologien von HaQxedwv (dor. 
2aQna8ä>v — sar padon 'Herr der Rettung'), von IJdvdagog (sumer. b[p]an-dar 
=Bogen des Steinbocks, dazu Hom. IL B 827, A lOöff.), von I76qi<; (assyr.- 
babylon. paris 'Schiedsrichter'), von Osqoitt]? (assyr.-babyl. tharsithu 'Ver- 
leumdung') verwiesen. 

202. Gardthausen, V., Über die epichorische (prahellenische) 
Schrift im "Westen Kleinasiens. Zeitschrift des Deutschen 
Vereins für Buchwesen und Schrifttum. 1918. S. 73-80. 

Bespr.: LCB. 1918 Sp. 978. — Es werden das phrygische. lemnische 
pamphylische. lykische, karische und lydische Alphabet besprochen. 

203. Nilsson, M. P., Die Übernahme und Entwicklung des Al- 
phabets durch die Griechen. Danske Yid. Selsk. Hist. fil. 
Medd. 1 Nr. 6 1918 20 ff. 

204. Hermann, E.. Die Buchstabennamen 77* und Bijxa und die 
Erfindung der griechischen Schrift. Gott. Nachrichten. 1917. 
S. 47(5—480. 

Bespr.: Berl. phil. Wschr. 1918 Sp. 1173—76 (A. Mentz), Erwideruug 
Ton Hermann ebda o9, Sp. 264. 

Die Frage, bei welchem griechischen Stamme die phöniziscbe Schrift 
zum griech. Uralphabet umgebildet wurde, glaubt H. mit Hilfe der griech. 
Buchstabennamen entscheiden zu können. Auf der attischen Inschrift 
CIA IV 2 4321 werden B und 77 mit BHTA und 77£7 umschrieben, wo et 
ein e bezeichnet, r\ ein q, so daß diese Scheidung auch für das Uralphabet 
angenommen werden muß. Den e-Laut für Bfjza bestätigt hebr. bet (Haus): 
ebenso zet Ölbaum für Ctjtcl. Es kann also nur ein Dialektgebiet in Be- 
tracht kommen, das e und q schied, also das Ionische, eventuell Teile des 
Achäischen. Die Besprechung von Mentz wird von H. abgelehnt, da sie 
Mißverständnisse aufweise. 

Wien. P. Wahr mann. 



J. ß. Hof mann, IX. Italisch. 145 

IX. Italisch. 

Etruskisch (vgl. auch Nr. 40). 

1. Herbig, G., Satre - Saturnus. Philol. 74 (1917/8) 446—459. 

Ablehnung der lat.-icig. Erklärung von Saturnus aus lautlichen und 
morphologischen Gründen. Durch seine eigene Gleichung etr. satre: saterna 
(unsicher gelesen) = Satr-ius: Satur-nus rücken satre und Saturnus in 
die Reihe der 'Gentilgottheiten' ein. Grundform : etr. saui -üur + na bz. -e, 
wodurch die Nebenform Satturnus befriedigend erklärt wird. Die Speku- 
lationen über die Bedeutung des Suffixes bz. Kompositionsgliedes -&ur 
oder gar über die kleinasiatischen Entsprechungen der Wurzel sind ver- 
früht. 

2. Muller, F., etr. flere. Philol. 74 (1917/8) 460—469. 

Bringt flere nach Abweisung der Herbigschen Deutung (vgl. IJ. 7, 
IX Nr. 4), wenn = 'Brunnen(bau)', mit Varros rust. 3, 5, 14 fahre 'steinerner 
Unterbau um ein Wasserreservoir 5 zusammen. Ganz unsicher, ob weiterhin 
zu faladum 'caeluin' Paul. Fest. S. 88 (etr. *fla#-) sowie ob die Grundbed. 
von etr. fl- fler- 'caedere' (wenn caelum = 'Meißel') ist; zu fler&rce vgl. 
dann etwa ex7i).tjttsiv (?). 

3. — De vocibus etruscis tul spural naper tcn-. Mnemos. 47 
(1919) 117—121. 

1. tullius tolenno (Suffix!) entlehnt aus etr. tul? — spurius bedeutete 
urspr. wohl 'publicus' und stammt aus etr. spural 'städtisch, staatlich, 
publicus'. — napura 'Strick' aus etr. naper 'Maßbezeichnung'. — tenitae 
c sortium deae' aus etr. ten-u ten-ine ten-&-as? 

4. Lattes, E., Saggio di un indice lessicale etrusco (Terzo seguito). 
Mem. R. Accad. Arch. Lett. Nap. 3 (1914—18) 139 — 242. 
Napoli, tip. Cimmarusa, 1918. 

Bespr.: Bibezzo Riv. IGI. 2, 342f.; Nogara Riv. fil. 47, 279-282. 
Enthält die Buchstaben Z, H, Q, so daß jetzt etwa die Hälfte des 
Lexikons mit etwa 4200 Wörtern vorliegt. (Schw.) 

5. — I testi etruschi contenenti la voce Qes. Riv. IGI. 1 (1917) 
fasc. 1 p. 65—68. 

Das Wort, gewöhnlich als „dat, posuit, ponit" erklärt, ist Götter- 
name. (Schw.) 

6. — Etrusca. Riv. IGI. 1 fasc. 2 p. 51— 57. 

I. Aucora #es. IL La particola i(ri). (Schw.) 

7. Pellegrini, G., Bericht über Funde in Magre (Yicenza). Not, 
scavi (1918) 169-207. 

S. 178 ff. Inschriften auf Hirschhörnern. 1. ata 2. esiumtiinusud. 

3. es • stuatel • rakinua. 4. estualeacpi 5. (e)stulatina%e. 6. val-te&nu. 

7. klevievahtikinuasua. 8. knusesusina. 9. laste^uti^inu. 10. reitemuiu 
ßina^e. 11. ritalelemais /Sinake. 12. ritamnelielanu. 13. ritanmelka (turicßu) 

14. ritieikuniißu. 15. ritiemetinu \ triahis. 16. rit 17. rißiekerrinake. 

18. tixinuaivixa. 19. ustißu \ zezeve. 20. . . . eüuke(nu)su. 21. . . . emanis . . . 
S. 190 ff. über Schrift und Sprache. Die Schrift ist venetisch [mit ß ist 
oben ein B, das rechts drei spitze Ausbuchtungen zeigt, wiedergegeben], 
die Sprache etruskisch oder etruskisierend. (Schw.) 

Indogermanisches Jahrbuch. VIII. 10 



146 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

8. Laites, E., L'enigma etrusco. Scientia vol. 25, April 1919. 

(Schw.) 

9. — Novissime obiezioni alle parentele italiche dell' etrusco. 
Atti Acc. Sc. Tor. 54 (1919). (Schw.) 

10. — Veritä e pregiudizio intorno alla questione etrusca. Riv. 
d'Italia 1 (1919). (Schw.) 

11. Butavand. F. (ingenieur en chef des Ponts et Chaussees), 
Analogies de TEtrusque avec le Basque. 60 p. fr. 2. Paris. 
Leroux 1918. (Schw.) 

12. Buonamici. G., Di alcune vere od apparenti analogie fra 
l'etrusco e l'albanese. Riv. IGI. 3, 81—92. 

Verf. will keine Verwandtschaft, nur 'un processo evolutivo analogo" 
nachweisen. (Schw."> 

13. Lattes, E., Le novissime dubitazioni contro la etruscita delle 
due iscrizioni preelleniche di Lemno. Riv. Fil. Cl. 47 (1919) 
321-326. 

Hält gegenüber Pareti Riv. fil. 46, 153 ff. an der etruscita der In- 
schriften von Lemnos fest. (Schw.) 

14. Pareti,L., Pelasgica. Riv. fil. 46 (1918) 153—206. 307—344. 

I. Lemno conquistata da Milziade. II. I „Pelasgi" ed i „Mini" di 
Lemno. III. La leggenda del ratto di ßraurone per opera dei „Pelasgi" 
di Lemno. IV. Le notizie sui „Tirreni" di Lemno e delle altre regioni 
„pelasgiche* orientali. V. Dionisio rapito dai Tirreni e l'etä del VI (VII) 
Inno omerico. VI. I Pelasgi a Creta. in Sicilia e nell' Italia meridionale. 
VII. Le conseguenze tratte dalle teoria di Ecateo, di Erodoto e di Ellanico 
dai Pelasgi in Etruria. Epilogo: Sul valore dei raffronti toponomastici 
(kritisch !). (Schw.) 

15. — Tyrrha in Lidia e le leggende sullorigine „tirrena" di 
Pitagora. Giorn. soc. as. ital. 28 (1916, ersch. 1917) 65—80. 

Enthält auch einige sprachliche Bemerkungen. (Schw.) 

Das Italische. Allgemeines (vgl.' auch Nr. 28). 

16. Wilke, G., Die Herkunft der Italiker. Neue Beiträge zur 
Indogermanenfrage. Arch. f. Anthr. 45 (1919) 162 — 180. 

Nachweis aus dem archäologischen und prähistorischen Material, daß 
die Italiker sowohl die Träger der altitalischen Terramarekultur wie der 
ober- und mittelitalienischen Villanovakultur und ihrer späteren Ent- 
wicklungsformen waren; sie müssen vor ihrer Niederlassung im Polande 
im Gebiete der ostalpinen Pfahlbaukultur ansässig gewesen sein. Ihr 
Abzug dürfte unter dem Druck der südwärts drängenden illyrischen Aun- 
jetitzer erfolgt sein. 

Oskiseh-Um brisch, Sabellisch 
(vgl. auch Nr. 60. 61. 69. 103. 149. 155). 

17. Kretschmer, P., Zur italischen Wortgeschichte 1. Bedeu- 
tungslehnwörter im Oskischen. Glo. 10 (1919) 157—161. 



J. ß. H o f ra a n n , IX. Italisch. 147 

Osk. egmo 'Angelegenheit, Sache' zu *egcre. 'bedürftig machen' nach 
dem Muster von xgfjfia : xQV ? anafaket — hybrides dva + fahet als Ersatz 
von &r)xe? osk. eitiuva marruc. eitua 'Geld' zu üittiuf, 1. ütor nach dem 
Verhältnis von xQrj/Aara : xQf) a ^ ai ? amvianu& aus am(f) + via -f- äno-, 
Bildung und Bedeutung (= Straßenviertel, Straße ?) nach a/Mpoöov ? Auch 
tribarakainim (tribüm -f- arx) soll ein Abklatsch von olxodofteiv mit fehler- 
hafter Ausdeutung von döftog, nicht 8ofi6s im 2. Teil des gr. Wortes sein- 

18. Cocchia, E., Nota di morfologia osca. Riv. IGI. 1 (1917) 
fasc. 2 p. 50. 

„II suffisso -ns di deivata-ns e eitu-ns faccia puramente le veci della 
desinenza personale -aav, accoppiata in greco direttamente alla forma del 
sing. Xeyha>* (Schw.) 

19. Ribezzo, F., La nuova „eituns" di Pompei (Ergänz, zu TJ. 7, 
IX nr. 16). 

R. liest, ergänzt und übersetzt: eksuk • am vi[anud • eituns] | set puz. 
ha/^far ■ trib • t]«v • | ini • viu • mef [iu • im • tiurrfis • | nertrak • ve[ru • uru- 
blanju | piis • sent • ei[sai viai • nert]rafc | veru • urubla[nu • ini • tiu]m . | me- 
fira • faammant | L. Pupid. L. Mr. Puril. Mr. „hoc circuitu itinera (non giä 
tunto) sunt ut habeatur aedes publica (forse l'anfiteatro) et via media et 
turres sinisträ *portam Urblana»» quae sunt, in ista via, sinisträ *porta/n 
Urblanawi et turriw» mefira»», stationem habent (o edicunt) L. Pupid. L. f. 
et Mr. Purel. Mr. f." Kritik der bisherigen Ansichten über die eituns- 
Inschriften. Erklärung von amviannud (subst. neutr. des Gerundivs, lat. 
*amviandom, gebildet aus einem Verb. lat. *amviäre, das auf der Verbindung 
*ambi riam beruht; vgl. ambimum), eiüms set („la spiegazione piü naturale 
di e. a. ei. s. sarebbe quindi: ,ab hoc ambivio ituri sunt') ua. Schließliche 
Übersetzung „ab hoc ambivio ituri sunt ut teneatur aedes publica et via 
media et turres ad sinistram portae Urbulanae quae sunt. In ea via ad 
sinistram portae U. et turris Mefirae (iussa) edicunt (effantur) L. P. etc." 
Gliche der Inschrift und Situationsplan. (Schw.) 

20. — Una singulare iscrizione protosabellica inedita. Riv. 
greco -indo-italica 2 (1918) 139-142. 

R. liest: Truentaolf Siolf puclu Pulfoulioi & und erklärt: Truentaolus 
Siolus filius Pulfoulii & (= posuit, fecit?) oder T. S. f. Pulfoulio &. Vgl. 
auch ebd. S. 252. (Schw.) 

Sabinisch (vgl. auch Nr. 172). 

21. Brück, J., Sabinisches alpas. Glo. 10 (1919) 193—198. 
Meint wenig wahrscheinlich, al^ms sei zu seinem -p- durch Anlehnung 

an *alpem = alipem c Fett' gekommen. 

Faliskisch. 

22. Ribezzo, F., L'iscrizione di due patere falische. Riv. ICH. 2 
(1918) 245—251. 

1. Origine della variazione h-: /"-iniziale nel latino. 2. Probabile 
provenienza falisca del rotacismo nell' ortografia latina. Anschließend 
an die bekannte Inschrift foied vino usw. werden beide Erscheinungen 
auf Falerii zurückgeführt. In besonderer Darlegung wird das Denkmal 
ins V. Jahrh. gesetzt. (Schw.) 

10* 



148 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

Ligurisch. 

23. Niedermann, M., Das Problem der sprachlichen Stellung 
der Ligurer. Vgl. Abt. II Nr. 60. 

Sizilisch. 

24. Orsi, P., Gli scavi intorno a l'Athenaion di Siracusa. Mon. 
ant. 25 (1919) Sp. 354 ff. 

Darin Sp. 605/14 Gli avanzi epigrafici. Ganz unbedeutend. Zu er- 
wähnen: $ivziag xaxcög e'xe[t . . . auf Vase. Auch eine ägypt. und eine 
semit. Inschrift. „II mutismo dorico fece ancora una volta fallire queste 
pur modestissime previsioni." (Schw.) 

25. Sapienza, C, Reliquie Sicule. Riv. IGI. 2 (1918) 143-144. 

dovxertos (appellativ = ,condottiere, duce'). xörraßog, Xära£ {Xaxäytj) 
sind sizil.(-ital.) Wörter, das erste aus siz.-ital. gutta, das zweite = lat. 
latex. ovyxla, Utqol, Alzvij (: aXdco) ebenfalls. Dabei eine Anzahl vou Be- 
merkungen von Ribezzo. (Schw.) 

Das Lateinische. 

Allgemeines. 

26. Kroll, W., Lateinische Philologie. Wiss. Forschungsber. 
hrsg. von Dr. K. Hönn. Geisteswiss. Reihe. Gotha, Perthes. 
1919. VII u. 87 S. 8°. 4 Mk. 

Sehr brauchbare Zusammenstellung der Gesamterscheinungen der 
Kriegsjahre 1914-1918 (I. Die Sprache S.5— 35, II. Die Literatur S.36— 82). 

27. Lommatzsch, E., Bericht über die Literatur der römischen 
Satiriker (außer Horaz) von 1908 — 1917. Burs. Jahresber. 
175 (1918) 91—111. 

28. Pauly - Wissowas Real-Encyclopädie der klassischen 
Altertumswissenschaft hrsg. von Kroll. Supplementband III. 
Stuttgart, Metzler. 1918. 1306 Sp. Gr. 8. 25 Mk. 

Vgl. Artikel Germani Sp. 546— 548 (R. Much), Italia Sp. 1246—1275 
(Lackeit, Sp. 1246 über Etymol. u. Namen), über die vorhistor. Bevölke- 
rung Italiens Sp. 1287—1293 (H. Philipp). 

Antike Grammatik, Glossenforschung (vgl. auch Nr. 87. 109). 

29. Colson, F. H., The Analogist and Anomalist controversy. 
Class. Quart. 13 (1919) 24—37. 

30. Cocchia, E., Preteso oblio della quantitä nei grammatici 
latini. Riv. fil. 47 (1919) 216-222. 

Die von Ramorino (1893) und von Sabbadini (Riv. fil. 47) für Vernach- 
lässigung der Quantität angeführten Stellen aus Probus (Cathol. 4 p. 41 K.) 
und Plaut. Sacerdos beweisen nichts, sondern sind anders zu beurteilen. 
(Schw.) 

31. Pascal, C, II suono dell' u dolce nel latino secondo gli 
antichi grammatici. Athenaeum 6 (1918) 34 — 43. 

Inhalt Riv. fil. 46, 295 f. : über die Aussprache ü in nachtoniger Silbe 
und nach v und den Übergang dieses ü zu i seit Caesar. (Schw.) 



J. B. Hofinann, IX. Italisch. 149 

32. Ribftzzo, F., La ricostituzione dell' articolo di Festo Q.R.C.F. 
Riv. IGI. 2 (1918) 199—202. 

Neuer Ergänzungsversuch. (Schw.) 

33. Funaioli, G., Studi critici d'esegesi virgiliana antica. Riv. 
IGH. 1 (1917) 271-282. 401—423 (= 2, 25—47); 2 (1918) 
113-128. 229—241; 3 (1919) 49—66. 213—231; 4 (1920) 
1—8 (Schluß). (Schw.) 

34. Lindsay, W. M., The shorter Glossary of Placidus. Journ. 
of Phil. 34 (1918) 255/266. (Schw.) 

35. — The ,Abolita'-Glossary. Journ. of Phil. 34(1918)267/282. 

(Schw.) 

Metrik, Prosodie, Klauselrhythmus (vgl. auch Nr. 51. 64. 100). 

36. Sturtevant, E. H., The coincidence of accent and ictus in 
latin poetry. Class. Phil. 14 (1919) 234—245. 

37. Meidet, A., L'accent quantitatif et les alterations des voyelles. 
MSL. 21 (1919) 108—110. 

Anknüpfend an Juret MSL. 20, 93 ff. In Sprachen mit exspiratorischem 
Akzent verändern sich die unbetonten Vokale ohne Rücksicht auf den 
Grad ihrer Öffnung; sie verlieren dabei ihre eigentümliche Färbung. Da- 
gegen ändern sich in Sprachen mit geringem Intensitätsakzent die un- 
betonten Vokale mit Rücksicht auf den Grad ihrer Öffnung ; sie werden 
um so kürzer, je geschlossener sie sind (im heutigen Nordgriech. werden 
z. B. e und o zu i und u reduziert, i und u schwinden; vgl. slav. ?, ü und 
armen. Erscheinungen). Das Armenische bietet auch Analogien für die 
Stellung der Anlautssilbe im Lat. „Quel que soit le röle, souvent difficile 
ä reconnaitre, de l'intensite, il faut attribuer ä la quantite - l'influence 
dominante partout oü les voyelles s'alterent en fonction de leur degre 
d'ouverture." (Schw.) 

38. Cocchia, E., L'armonia fundamentale del verso latino. Riv. 
IGI. 2 (1918) 193-198. 

Einleitung eines gleichbetitelten Buches (l Neapel 1920). S. 198 
über die lat. Namen für Musikinstrumente, die auf lat. Anfänge der Musik 
weisen. (Schw.) 

39. Lenchantin de Gubernatis, M., Studi sull' accento greco e 
latino. Accentus maier musices? Riv. fil. 47 (1919) 327 — 337. 

Gegen das Gesetz von Crusius, wonach die Tonsilbe eines Wortes 
musikalisch nicht tiefer genommen werden konnte als die unbetonten 
Silben des betreffenden Wortes und bei Zweigipfligkeit immer der erste 
Teil einer höheren Note entsprach : bei genauer strophischer Responsion 
wäre es nicht möglich gewesen, dies durchzuführen. Die Akzentuation 
der gewöhnlichen Sprache wurde in der Musik frei behandelt. (Schw.) 

40. — Studi sull' accento greco e latino. Nota I: Della pre- 
tesa derivazione etrusca dell' intensitä iniziale latina. Nota II: 
La prosodia media [im Griech.]. Atti R. accad. Torino 54 
(1918/9) 459—76. 636—49. 

Bespr.: Ribezzo, Riv. IGI. 3, 338 f. (Schw.) 



150 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

41. Fitzhugh, Th., The old-latin and old-irish monuments of 
verse. Univ. of Virginia Bull, of the seh. of Lat. Nr. 10. 
Anderson. 1919. 134 S. 5 Doli. 

Bespr.: A. Klotz, Phil.Woch. 41 (1921) 289—293. — Unzugänglich. 

42. Sabbadini, R., Divagazioni sul ritmo oratorio. Riv. fil. 47 
(1919) 27—33. 

Für den Ursprung der vulgären Metrik aus der klassischen durch 
Ersetzung der Quantität durch den Akzent spricht die analoge Entwick- 
lung vom numerus zum cursus. Der Saturnier ist nicht heranzuziehen, 
da seine Natur nicht ausgemacht ist. Gegen die Annahme eines nach 
dem quantitativen und dem akzentuellen Prinzipe gemischten oratorischen 
Rhythmus in der Spätzeit. (Schw.) 

43. de Groot, A. W., De numero oratorio Latino. Groningen. 
1919. 52 S. 

Bespr.: A. C. Clark, The class. Rev. 34 (1920) 42—45. 

44. — Handbook of Antique Prose-Rhythm. Groningen. 1918. 
228 S. 

45. Norden, E., Die antike Kunstprosa. I 3 1916. II 3 1918. 
Vgl. Abt. VIII Nr. 45. 

Lautlehre, Orthographie (vgl. auch Nr. 22. 107. 110). 

46. Carnoy, A. J., The real nature of dissimilation. TAPhA. 49 
(1918) 101-113. 

Dissimilation ist nicht verwandt mit Metathesis, sondern mit Haplo- 
logie, von der sie einen leichten Fall darstellt (crebrum aus cerebrum paral- 
lelisiert mit serore aus sorörem usw.); sekundär spielt rhythmische Aus- 
gleichung (oder relative Alliteration) bei der Dissimilation genau so eine 
Rolle wie bei der Assimilation der alliterierende Spieltrieb. 

47. Schopf, E., Die konsonantischen Fernwirkungen (= Forsch, 
z. griech. u. lat. Gramm., hrsg.v. Kretschmer-Kroll Bd. 5). 1919. 
VII u. 219 S. 8°. Vgl. IJ. 7, II Nr. 28. 

Bespr.: E. Hermann, B. ph.W. 40 (1920) 813—818. 
Wesentliche Klärung der Prinzipien und nützliche, leider nicht voll- 
ständige Sammlungen; für Einzelheiten siehe M. Leumann, IF. Anz. 40. 

48. Meillet, A., A propos de linguistique. Rev. et. anciennes 20 
(1918) 131-133. 

Nimmt für die vorgeschichtliche Entwicklung der idg. med. aspir. 
bh dh usw. im Ital. zunächst die Stufe ß d y w yh (stimmhafte Spiranten) 
an, woraus sich erst <p # usw. (stimmlose Spiranten) ergaben. Cuny ebd. 
133 f. verteidigt die gewöhnliche Auffassung (bh^> ph^> f). (Schw.) 

49. Campus, G., Le velari latine con speciale riguardo alle testi- 
monianze dei grammatici (Atti della R. Accademia delle scienze 
di Torino, vol. LIV, 271/84. 366/76). Torino 1919. 

Bespr.: Meillet, Bull. Soc. Ling. 21, 221f. Ribezzo, Riv. 1GL 1, 341 f. 

(Schw.) 



J. ß. H o f m a n n , IX. Italisch. 151 

50. Fay, E. W., The phonetics of MR- in Latin. Class. Quart. 
13 (1919) 37—40. 

(Unzugänglich.) Über osk. brat(od) = 1. meritod (fraces fretus fremo 
erweisen keine Entw. fr- aus vir-), 1. fortmdo, formica, forma ( : ferire). 

51. Juret, A. C, Influence de la position sur l'evolution du 
timbre des voyelles breves en latin. MSL. 21 (1919) 93—107. 
166 — 186. 

Behandelt die Veränderung der kurzen Vokale in nicht - ersten Silben, 
zuerst in der vorklassischen Zeit. Unter Ablehnung einer besondern In- 
tensität der Anfangssilbe wird die These aufgestellt, daß „tous les chan- 
gements que nous avons observes dans le timbre des voyelles breves con- 
sistent en un retrecissement de l'ouverture des voyelles qui est cause par 
la position en syllabe inteiieure et n'a pas d'analogue ea syllabe initiale. 
Ce mouvement de retrecissement est bien plus £nergique en syllabe ouverte 
qu'en syllabe fermee." Im zweiten Teil wird auch für die ähnlichen 
vulgärlateiuischen und frühromanischen Erscheinungen (unter Beiziehung 
eines großen Materials aus den roman. Sprachen) nach Möglichkeit die 
Wirkung des Akzentes ausgeschaltet und ersetzt durch Annahme phone- 
tischer oder auch analogischer Entwicklung. „ . . . L'accent donnait ä la 
syllabe tonique une val^ur et une nettete speciales. Mais cette valeur 
nouvelle n'annulait pas celle de la syllabe initiale, car dans toutes les 
langues romanes et particuliereuient en francais la voyelle de syllabe 
initiale s'est mieux conservee que les autres voyelles non accentuees." 
Einzelheiten: 8. 94 eluo u. ä. aus *exlovo über *elüvo (dagegen v erhalten 
vor i in depuvio diluvium u.a.). S. 95 ,,-e-, issu de -«-, est ferrne" en -?-: 
praefiscini: fascinum, devant le groupe palatal -sei-." S. 184 sollicitus eig. 
,,qui est se"duit par un appät, d'oü „tourmente" (Grundform *sodlacitos; 
sod- Ablaut zu sed-; -lacitos zu lacio). (Schw.) 

52. — Latin cognitits, non cöynitus. MSL. 2 t (1918) 92. 
Für die Kürze spricht nach J. Ronjat provenc. eilende. (Schw.) 

53. Thomas, E., Sprachgeschichtliches zu Petronius. Sitzgsber. 
d. philol. Ver. Berlin (1919) 5—6. 

41,2 bacalusiae hybride Bildung aus *ßXaxo-lusiae. Vulgäre Dis- 
similation, kein bloßer Schreibfehler, wohl auch 73, 6 babatoriam. 



54. Sabbadini, R., II codice Vergiliano F. Riv. fil. 46 (1918) 
397—410. 

Behandelt auch ausführlich dessen Orthographie. (Schw.) 

55. Romano, B., Appunti sull' ortografia di Marziale. Atti della 
R. Accad. . . di Torino vol. 54 (1919) 239—70. (Schw.) 

Formenlehre 
(zu Sommer, Handb. 2 - 3 vgl. A. Meillet, Bull. Soc. Ling. 19, 180/8). 

56. Tingdal, G. C, Ändelsen i -is i ackus. plur. hos de efterau- 
gusteiska författame. Diss. Göteborg. Göteborg, Eranos 
Verl. 1917. 117 S. 

S. F. Hartmann, Glo. 10, 254 f. 



152 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

57. Ernout, A., Cas en -e- et cas en -i- de la troisieme decli- 
naison dans Lucrece. Rev. de phil. 42 (1918) 133 — 168. 

Statistik der Formen des Acc. Abi. Sg. und Nom. Acc. PI. für Lucrez 
und die gleichzeitigen Inschriften. Folgerungen für die Textkritik. (Schw.) 

58. Cocchia, E., Nuova serie dei note glottologiche. Parte I. 
L'a8sibilazione dei participi latini e la presunta nasalizzazione 
dei gruppi gn e gm in greco e latino con una Appendice 
sulla preservazione dei gruppo tt ancorra intatto in latino. 
Atti Accad. Arch.-Lett. Napoli 1916, I 268—290. 

Bespr.: Ribezzo Riv. 161. 1, fasc. 2 S. 118 — 120, mit anschließender 
Bemerkung des Verfassers (120f.1. C. hält wesentlich an seiner alten Er- 
klärung fest, wonach s im part. perf. pass. phonetisch aus tt entstand 
(über ##, &', während R. die Analogie von Bildungen mit ursprünglichem 
so (luxus : /.o£6g) zu Hilfe nimmt. (Schw.) 

59. Meillet, A., Latin parens. MSL. 20 (1918) 264. 

Cegen die Auffassung als ptc. aor.; pario hat ein altes athemat. 
Präs. verdrängt, zu dem parens gehört. Anschließend für die Erklärung 
von sententia aus einem alten *sentens (sentio vertritt ebenfalls ein altes 
athemat. Präs.). (Schw.) 

60. Hermann, E., Kleine Beiträge zur lateinischen Deklination. 
Gott. Nachrichten (1919) 220—222. 

1. devas Corniscas sacrum Corp. I 2 975: Cen. Sg., nicht Dat. PL 
2. Dat. quaestu umbr. trifo: aus dem Abi. (nicht Lokat., so Sommer* 390) 
zu erklären, im Umbr. ist er zum 6en. auf -or nach Analogie der o-, i- 
und konson. Deklination hinzugebildet. 

61. Muller, F., Damnas. Glo. 9 (1918) 183 — 191. 

Nicht mit Brugmann als Nom. act. *damnatis zu fassen, sondern als 
direkt von damnum gebildetes damnatus (erst später dann damno), mit 
Synkope vielleicht weil aus dem 6riech. (Sasiävr) oder Söfierov) durch osk.- 
umbr. Vermittlung entlehnt? 

62. Lenchantin de Gubernatis, M., tener vaccula. Riv. fil. 47 
(1919) 348—350. 

Für diese Konjektur von Mureto (statt des überlieferten tenera v.v 
in Verg. Cat. pr. 2, 14 unter Hinweis auf pauper statt paaper, -era, -erum, 
acer statt acrus u. ä. (Schw.) 

63. Birt, Th., Kritische Bemerkungen zu Cicero de deorum 
natura Buch I. BphW. 38 (1918) 545—552. 

547 f. zu den Pluralformen l ei und Is eis bei Cic. (gegen Piasbergs 
Behandlung). 

64. Galdi. M.. Süll' uso dei perfetto in -ere in Ammiano Mar- 
cellino. Riv. IGI. 2 (1918) 1()5— 107. 

Der häufige öebrauch ist rhythmisch bedingt, besonders durch die 
Klausel. (Schw.) 

65. Muller, F., De origine participii futuri linguae Latinae. 
Mnemos. 46 (1918) 435—444. 

Ablehnung der Postgatescheu Erklärung facturum = *factu esom, 
'esse in facienda? aus Gründen der Bildung, Bedeutung und Chronologie. 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 153 

Auszugehen ist von der ursprüngl. Geschlechtslosigkeit der Form und dem 
alten Fehlen von esse; */actüre entstand vielmehr aus *faclu(m) Ire (die 
geforderte Zwischenstufe *factuire will Verfasser noch in zwei Fällen in 
der Überlieferung erhalten sehen!) und wurde dann zu facturum nach 
häufigem eo ire factum. Auch für die Desiderativa wie essürio geht Ver- 
fasser aus von essum it ^> essuvit, worin sich dann ein r aus essürum ein- 
geschlichen haben soll (?). 

Wortbildung. 

66. Leumann, M., Die Adjektiva auf -tcius. Glo. 9 (1918) 
129—168. 

Methodisch hochinteressanter, im einzelnen freilich etwas konstruk- 
tiver Versuch, die Entstehung und Ausbreitung eines Suffixes durch einen 
Stammbaum zu veranschaulichen. Plaut. Poen. 1012 ist aedilis Subst., 
nicht Adj., die Kritik des Thesaur. (S. 135) also nicht berechtigt. 

67. Pascal, C, recula (Ergänzung zu IJ. 7, IX nr. 55). 
Belege für diese Dim.-Form. Über die Stelle Moretum 66 auch 

Curcio ebd. 301, wozu wieder Pascal ebd. 2,72. (Schw.) 

68. Stabile, F., Etimologia di vinohntus. Riv. fil. 47 (1919) 
394 — 397. 

Für Ableitung mit Suffix -lenius statt aus olcre. (Schw.) 

69. Wackernagel, J., Indoiranisches. Ygl. Abt. V Nr. 4. 

S. 381 - pessum zum völlig syn. ved. pättave; die Schreibung persum 
taugt nichts. S. 384ff. zur Nachwirkung der idg. Verteilung der Verbal- 
abstrakta auf -tu- -ti- im Italischen (der Regel widersprechen die schwer- 
lich wegzuerklärenden satiäs salüs sementis; in umbr. antervakaz ander- 
vacos sieht Verfasser mit Breal einen -iM-Stamm). S. 410 cliens c der Anleh- 
nung gefunden hat', wie parens Part. Aor., zu ved. asret. (Vgl jedoch Nr. 59.) 

70. — Über einige lateinische und griechische Ableitungen aus 
den Verwandtschaftswörtern. Festgabe Kägi. Ygl. Abt. II 
Nr. 8. 

Alt ist patrius, später mehr und mehr verdrängt von paternus; 
patricus ist Entlehnung aus dem Griech. Ein *mätri\os gab es idg. nicht. 
mäternus ist den Stoffadj. wie quernus nachgebildet. 

71. Kretschmer, P., Mythische Namen. Glo. 10 (1919) 38-62. 
S. 43—45 tritavos: hybride Bildung nach gr. xQnonärcoQ 'Stammvater 1 '? 

Dazu trinepos Konträrbildung statt *tritonepos, äbavos scheint Konträr- 
bildung zu abnepos (= a nepote oriundus); umgekehrt pronepos nach 
proavos. 

72. — dromedarius. Glo. 10 (1919) 128. 
Mit -e- nach essedarius, veredarius? 

Syntax. 

73. Brugmann, K .. Der Ursprung des Scheinsubjekts es in den 
germanischen und romanischen Sprachen. Vgl. IJ. 7, 56 
Nr. 13. 

Bespr.: H. Schuchardt, Literaturbl. 39 (1918) 287—288. 
§ 14 — 20 das Romanische. Die lat. Ansätze sind leider noch nicht 
scharf herausgearbeitet; auch hier ist die von mir IF. Anz. 28,68 hervor- 



154 Bibliographie der Jahre 1918 und 1919. 

gehobene Tatsache übersehen, daß das rededeiktiscLe hoc (vgl. unser das) 
bei den meteorol. Verben gelegentlich im Altlatein vorkommt, z. B. luciscit 
hoc iam. — Anderweitiges: das Nebeneinander von osk. iz-ic 'is' idic 'id' 
und io-c iu-k c ea', verglichen mit got. -uh und -h (S. 39), Erhaltung des 
Alten in tempert gegenüber temporis (S. 43). 

74. Kroll, W., Syntaktische Nachlese. Glo. 10 (1919) 93—108. 
1. Konjunktiv und Futurum. 2. Satz verschränkung (Einschub des 

einen Satz regierenden Verbums in diesen). 

75. Baehrens, "W. A., Vermischte Bemerkungen zur griech. und 
lat. Sprache. Glo. 9 S. 168-183. Vgl. Abt. VIII Nr. 29. 

1. Über Mischkonstruktionen. Plautinisches nuüiist hoc metuculosus 
aeque (gegen Bennett), dagegen sieht er in speculo ciaras Most. 642 den 
alten Separativ beim Positiv. 2. Einiges über die cbiö xoivoü-Figur (nimmt 
z. T. gegen Leo bloße variatio an). 

76. Arnold, K., Der lateinische attributive Genitiv. BB1. Gy. 55 
(1919) 154—160. 

Einteilung in Subjekts-, Prädikats-, Objekts-, Adverbialgenitive. 

77. Gandiglio, A., Su la concordanza dell' attributo in latino. 
Riv. IGI. 3 (1919) 47 f. 

Beispiele wie patrem atque matrem meos Plaut, merc. 6r>9 zeigen, 
daß ein pronom. Adj. sich auf die Gesamtheit der Subst., nicht nur auf 
eines beziehen kann; nötig ist Wiederholung bei Zahlwörtern: duo vilicos 
et duas tilicas Varr. r. r. 1 18, 5. (Schw.) 

78. Jp»rgensen. C, Syntaktiske Bemaerkninger. Nord. Tidskr. 
FiL, 4. Reihe 7 (1918) 49—53. 

Über den Einfluß der Syntax auf die Semasiologie in Fällen wie 
spolia caperc consili (Plaut. Mil. 600\ manere aliquem, somniare tacere loqui 
aliquid u. ä. 

79. Flickinger, R. C, The accusative of exclamation: Lucretius 
to Ovid. TAPhA. 49 (1918) 27—40. 

Ergänzung zu früheren Aufsätzen: sämtliche Belege aus Lucr., Catull, 
Vergil, Hör., Tib., Prop., Ovid; meist mit ah, o. 

80. Horn, F., Zur Geschichte der absoluten Partizipialkonstruk- 
tionen im Lateinischen. Lund u. Leipzig. 1918. VIII u. 

• 105 S. Gr. 8 °. 

Bespr.: A. Meillet, Bull. Soc. Ling. 21, 226/7. 

S. meine Bespr. IF. Anz. 40. Vgl. auch F. Horn, Über Partizip und 
Partizipialkonstruktionen im Lat., Sven-k hum. Tidskr. 3 (1919) 66 — 92. 

81. Härder, F., Zu den Mischkonstruktionen. Glo. 10 (1919) 
136—143. Vgl. Abt. VIII Nr. 30. 

Parallelen aus neueren Sprachen zu 1. dem Typus fac amicos eas et 
roges veniant; 2. continere atque minus dbligare; 3. Koordination statt 
Subordination; 4. zur chiastischen Stellung [wenig ergiebig, im einzelnen 
oft scbief]. 

82. Sabbadini, R., L'uso pleonastico delle congiunzioni copula- 
tive latine. Riv. Fil. 46 (1918) 207—215. 

Fälle wie aspiciens in celum et oravit (Acta Andreae et Matthaei 
VI. s. p. Chr.) finden sich auch bei Boccaccio, aber auch schon bei Plautu9 



J. B. Hof mann, IX. Italisch. 155 

(Epid. 217) und bei Virgil (z. B. Aen. VI 547); vgl. Hom. A 475 ff. 218. Ähn- 
liches bei que. Die Erscheinung wird aus der ursprünglichen Parataxe 
erklärt. (Schw.) 

83. Blase, H., Zum Konjunktiv im Lateinischen. 1. Der Jus- 
sivus des Plusquamperfekts. Glo. 10 (1919) 30 — 38. 

Nachträge zu früheren Sammlungen in Auseinandersetzung mit 
Methner. 

84. Gandiglio, A., Particolaritä della costruzione del nominativus 
cum infinitivo. Riv. fil. 47 (1919) 260—270. 

Materialien und Ausführungen zu Kühner-Stegmann § 127, 5—7. 12f. 
videri = scheinen wird auch mit posse, debere, solere persönlich konstruiert, 
dagegen gelten iudicari (existimari, intelligi, eredi), dici (negari) potest; für 
ktheri fehlt entscheidendes Material. Die persönliche Konstruktion von 
videri erstreckt sich nicht nur auf eingeschobene Vergleichungssätze, son- 
dern überhaupt auch auf abgekürzte Nebensätze (so auch ut iubeor, aber 
ut existimatur), wo man eigentlich die unpersönliche Konstruktion er- 
warten würde. (Schw.) 

85. Müller- Graupa, E., Der Infinitivus c primitivus\ I. II. III. 
BphW. 38 (1918) 1097-1104. 1122—1128. 1143—1152. 

Nimmt an, daß wir im Inf. 'histor.' wie descriptivus, die scharf zu 
scheiden sind, Spielarten der nämlichen Grundform, des Inf. 'primitivus\ 
vor uns haben. Die Besprechung der einzelnen Kategorien (infinitivischer 
Nominalsatz in Überschriften, imperativische Verwendung des Inf, Inf. 
'indignationis' u. historicus) läßt Zweifeln im einzelnen Raum. 

86. — Der idg. Infinitiv als Kasusform. Nachtrag zum Inf. 
prhmtivus 5